Das große Geld liebt Schwarz-Gelb

„Die Wahl ist gelaufen.“ So hat es der FDP-Vorsitzende Christian Lindner am Wochenende verlauten lassen. Für zwei Bereiche gilt das unbedingt: Für das Großkapital und für Medienerzeugnisse aus dem Hause Springer. Diese Kreise haben entschieden: Schwarz-Gelb wäre ideal, zur Not nimmt man die Grünen mit.

Springers Wochenend-Produkt Bild am Sonntag hatte bereits am Jahresanfang massiv damit begonnen, die Liberalen von ihrem außerparlamentarischen Dasein zu erlösen. Christian Lindner wurde im großen Interview zu seinen Zukunftsplänen befragt. Seitdem darf er sich in diesem Medium zu allem Möglichen äußern. Und immer wird er so fotografiert, dass er gut ausschaut.

Auch die Talk-Shows haben ihn neu entdeckt. Der smarte FDP-Mann hat die lange Zeit in Sachen mediale Aufmerksamkeit gehätschelten AfD-Politiker verdrängt. Er ist nun das spannende Andere.

Für das Kapital ist die FDP vor allem das Richtige. Hinsichtlich der Groß-Parteispenden im Jahr 2017 liegt die FDP zwar hinter der CSU, aber deutlich vor SPD, Grünen oder Linken. Alleine 300.000 € hat im Juli die „FKH Beteiligungs SE“ an die Liberalen überwiesen. Es handelt sich um eine Steuerberatungsgesellschaft, welche den Lohnsteuerjahresausgleich kaum als Hauptgeschäft betreiben dürfte.Ihr Vorstandsvorsitzender ist Wolfgang Reitzle, ehemals Chef der Linde AG und Ehemann der für ihre Exkurse zu den Reichen und Schönen bekannten ZDF-Journalistin Nina Ruge.

100.000 € kamen von der Droege Group aus Düsseldorf. Diese Unternehmensberatung verspricht: „Wir investieren, finanzieren, transformieren und optimieren zur Steigerung des Unternehmenswertes.“ Auch der Verband der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen (90.000 €) und die Autovermietung Sixt (55.000 €) knüpfen Erwartungen an die Rückkehr der Liberalen in den Bundestag. Zu erwähnen ist noch, dass die BMW-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt jeweils 100.000 € ihres anstrengungslos erworbenen Wohlstands an FDP und CDU spenden. Die SPD hat genau wie die beiden Lieblinge der Konzerne 100.000 € von Daimler bekommen. Auto-Freundschaft lohnt sich wenigstens ein bisschen.

Eigentlich müßig zu erwähnen, dass Abgeordnete der Union die größten Nebenverdienste aufweisen. Die Nürnberger CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl etwa bringt es auf 705.000 € zusätzlich zum Abgeordneten-Gehalt, ihre Kollegen Michael Frieser (CSU) und Martin Burkert (SPD, 216.000 €) wirken abgeschlagen, leiden aber auch keine Not.

Wie wir aus Umfragen wissen, legen die Wähler Wert auf eine unabhängige Politik. Alsdenn: Ist diese Wahl gelaufen? Muss sie es tatsächlich sein? Die Antwort gibt, wer abstimmt.