SPD und GroKo, oder: Vom Überwinden der Leitplanke

Dieses Groko-Leiden nimmt uns mit. Tagtäglich wird eifrig in der Begriffs- und Phrasenkiste für Regierungsbildungen gewühlt. Dabei ist noch nichts wirklich klar. Außer, dass es schwierig wird.

Immerhin, es gibt erste Anzeichen für eine geänderte Rhetorik. Bislang haben sich die Akteure vor allem mit dem Abstecken von „Roten Linien“ beschäftigt. Hierbei handelt es sich um ein besonderes Phänomen. Man kennt solche Linien nämlich nicht aus dem Alltag. Es gibt im Straßenverkehr jede Menge weißer Linien, es gibt die gelben Linien auf Bahnsteigen, welche Raucher nur unter Androhung einer mehrwöchigen Isolationshaft überschreiten dürfen.

Rote Linien hingegen kennt man real vorwiegend als öffentliche Verkehrsmittel. Es handelt sich etwa um die U-Bahnen in Boston, Los Angeles, Stockholm oder Moskau. Auch Veterinärzäune im südlichen Afrika werden so bezeichnet. Vermutlich soll uns die rote Koalitionslinie sagen, dass sie zu überschreiten gefährlicher ist, als das Überholen auf einer kurvenreichen Strecke.

Angela Merkel wählt nun einen neuen Begriff, nämlich die Leitplanke. Hier ist die tödliche Gefahr eines Entgegenkommens zugunsten eines gemeinsamen Vorankommens aufgehoben. Das Fahren in eine bestimmte Richtung wird alternativlos.

Soweit sind wir noch nicht. Zunächst muss sondiert werden. Dann sind die Schnittmengen zu bestimmen. Danach müssen die Gremien die Situation analysieren, ehe vielleicht weiter verhandelt oder aber aufgegeben wird.

Genau dies wäre die logische Endstation der Beratungen der SPD, wenn sie acht Wochen alten Kommentaren der Medien folgte. Scheitern wäre indes unlogisch, wenn man aktuelle Kommentare beachtet.

Und jetzt wird auch noch die Studie „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ veröffentlicht. Demnach ist den allermeisten Deutschen ein solidarisches Klima im Land sehr wichtig. Das Volk will Gemeinsamkeit.

Kein Ausweg also für die SPD? Doch, gerade deshalb: 53 Prozent der Wähler*innen ermöglichen eine Große Koalition. Aber 62 Prozent haben Parteien gewählt , die nicht mit Merkel wollen.

Alsdenn: Irgendwann kommt ein Waldstück. Und dann, liebe SPD,  schnell rüber über die Leitplanke. Es wird befreiend sein.