Die Umfragen bellen, die Kanzlerin zieht weiter

Eigentlich ist es sinnlos, lange Zeit vor einer Wahl Woche für Woche zu messen, ob denn eine Regierung beziehungsweise deren führende Köpfe eher beliebt oder eher unbeliebt seien. Getan wird es trotzdem. Wir nennen es Deutschlandtrend oder Politbarometer. Und wir lernen daraus: Es geht wohl dahin mit Angela Merkel.

Gerade hat eine aktuelle Umfrage ergeben, dass die CDU-Chefin nur noch von 57 Prozent der Deutschen für eine gute Besetzung als Bundeskanzlerin gehalten wird. Am Beginn ihrer Amtsperiode 2014 hatte dieser Wert bei 72 Prozent gelegen. Ein sonderlich hoffnungsvoller Fall ist Merkel demnach nicht mehr.

Man könnte nun sagen, dieser Wert sei schon deshalb erschreckend schlecht, weil es keine ernsthaften Mitbewerber_innen gibt. Olaf Scholz muss wohl noch ein paar Monate den eisernen Sparkommissar geben, ehe er als Chef des Ganzen in Frage kommt. Man könnte aber auch sagen, dass 57 Prozent immer noch mehr seien, als das Wahlergebnis der GroKo-Parteien. Das lag bei 53,5 Prozent, Jamaika sogar bloß bei 52,6 Prozent.

Die Kanzlerin steht auch an der Spitze ihrer Mannschaft. Nur der gemütliche Saarländer Peter Altmaier kann ihr mit 55 Prozent annähernd das Wasser reichen. Die beiden SPD-Starminister Olaf Scholz und Heiko Maaß schneiden mit 49 beziehungsweise 43 Prozent Zustimmung deutlich über den Werten ihrer Partei ab.

Und beide übertreffen die beiden großen Maulhelden, Horst Seehofer und Jens Spahn. Den Innenminister halten 39 Prozent der Befragten für fähig, den Gesundheitsminister nur 26 Prozent. Schlechter steht bloß noch Arbeitsminister Hubertus Heil mit 25 Prozent. Aber ihn kennt ja keiner.

Was aber bedeuten die neuesten Werte für Angela Merkel? Gar nichts. Die Kanzlerin kennt schlechte Zahlen, sie war schon öfter totgesagt.

Sie wird also die Raute formen und lächelnd an ein großes Wort ihres Vorvorgängers Helmut Kohl denken: „Die Hunde bellen. Die Karawane zieht weiter.“ Noch dreieinhalb Jahre, dann ist eh Rente. Also fragt ruhig um. Es stört nicht wirklich.