Steinmeier: Die Eule hat Reißzähne

“Eulen und Falken sitzen nicht auf demselben Balken.” Dieses Sprichwort sagt uns, dass wir die Eule als sanftes Wesen ansehen. Sie ist zwar Fleischfresserin, aber eben eine, die die meiste Zeit mit stoischem Blick herumsitzt. Ein Raubtier, das jenseits des Hungers den Frieden liebt und den gnadenlosen Jäger-Falken einen Falken sein lässt. Die Eule ist nicht sympathisch, aber sie meint es im Großen und Ganzen gut.

So haben wir bisher auch Frank-Walter Steinmeier angeschaut. Unser Außenminister, vom Gesicht her der Eule nicht unähnlich, galt uns als aufrechter Versöhner. Als einer, der in der Ukraine auch den eigenartigsten Regierungsvertretern, Separatistenführern und Oligarchen die Hand schüttelt. Ein Mann, der – mehr Beamter als Politiker – zuverlässig seinen Dienst verrichtet und dabei weder Merkel noch Gabriel scheut. Einer mit großem Herz, der seiner kranken Ehefrau eine Niere gespendet hat. Aber auch einer, der so trocken ist, dass der Rasensprenger losgeht, wenn er seinen Garten betritt.

Jetzt jedoch haben wir ihn ganz anders erlebt. Weil ihn Demonstranten auf  dem Alexanderplatz in Berlin als”Kriegstreiber” beschimpft hatten, wurde die Eule zum wilden Tier. Mit einer fast schon beängstigend zornigen Rhetorik hat Steinmeier seinen Widersachern die Leviten gelesen.

Und ist ratfatz zum Pop-Star geworden. Ein zweiminütiger Redeausschnitt auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=AX5m5swD-QU) hatte bis Freitagfrüh fast zwei Millionen Aufrufe. Damit ist der Minister Helene Fischer auf den Fersen, er hat sich in die Kategorie Udo Jürgens, Heino und Bembers katipuliert. Sogar die Video-Sammlung “Top 20 Motorrad fail – Idioten auf dem Bike” hat nur wenig mehr Betrachter gefunden.

Aber warum ist das so? Weil es unerwartet kommt. Ein Politiker zeigt heftige Emotionen, wenn es um seine Arbeit geht. Er verteidigt sich ohne Wenn und Aber. Man glaubt ihm sogar, dass er für Europa Leidenschaft empfindet. Solche Reden überzeugen mehr als tausend Plakate. Vielleicht ist das mit dem Wählen doch nicht so verkehrt…

 


Nicht nur Diäten – auch Löhne überprüfen

In diesen kräftezehrenden, globalisierten Zeiten tun wir gut daran, uns gelegentlich selbst etwas Gutes zu tun. Frei nach dem Motto “Man gönnt sich ja sonst nichts”. Genau so haben es jetzt die meisten Bundestag-Abgeordneten gesehen und eine kräftige Erhöhung ihrer Diäten, beschlossen. Es gibt bis 2015 zehn Prozent mehr, auf dann 9082 Euro.

Längerfristig betrachtet ist der Zuwachs noch beachtlicher. 6878 Euro haben die Abgeordneten im Jahr 2002 bekommen. Der jetzt beschlossene Satz bedeutet also eine Anhebung um ein knappes Drittel.

Das riecht stark nach Selbstbedienung. Aber wundern müssen wir uns nicht. Schließlich ist der Verdienstausgleich für Volksvertreter von einem Griechen (!) namens Perikles erfunden worden. Die ominöse Expertenkommission wiederum wurde von einem gewissen Edzard Schmidt-Jortzig geleitet, einem im Rentenalter befindlichen FDP (!)-Politiker.

Empörung ist also angebracht. Schließlich predigt Vizekanzler Sigmar Gabriel (von der SPD!) zeitgleich Lohnzurückhaltung. Deutschland hat auf dem Weg zum Billiglohnland bereits beachtliche Fortschritte gemacht. Doch der Wirtschaftsminister versucht uns klarzumachen, dass nur weitere Bescheidenheit unsere Position auf dem Weltmarkt sichern hilft. Kleiner Nachteil: Wenn es beim Marktführer billiger wird, zieht es auch den Rest Europas nach unten.

Aber bleiben wir im Land. Ich zum Beispiel arbeite in einer Branche, in der es in diesem Jahrtausend noch in keinem einzigen Jahr einen Inflationsausgleich oder mehr gegeben hat. Da fragt man sich doch, ob journalistische Arbeit heute weniger Anforderungen stellt als im Jahr 1999. In den Redaktionen wird das dementiert. In den Druckereien ebenso. Und es gibt bestimmt ein paar Branchen mehr, in denen höhere Arbeitsverdichtung und niedriger Reallohn zusammengefallen sind.

Ich fordere Wiedergutmachung! Unsere Expertenkommission hat jetzt wieder Zeit. Wie also wäre es, wenn sie sich mit abhängig Beschäftigten auseinandersetzen würde? Wenn sie überprüfen würde, ob die Löhne und Gehälter leistungsgerecht sind und dem Wert des Einzelnen gerecht werden?

Jede Wette: Ein paar Millionen Menschen würden profitieren. Gut, es würde ziemlich teuer. Aber man gönnt uns ja sonst nichts.

 

 

Der Flüsterer ist oft der Dumme

Es ist tragisch. In der schwarz-gelben Koalition war Hans-Peter Friedrich das Montagsauto unter den Ministern. Sein Überleben als Innenminister war er vor allem dadurch gesichert, dass sein  Parteichef Horst Seehofer ausschließlich selbst entscheidet, ob und wann er sich – auch in Personalfragen – getäuscht hat. Mit Ackerbau und Viehzucht, mit Schulobst und Imkerei war nun ein Aufgabenfeld gefunden worden, das sich auch mit beschränkten Fähigkeiten beackern lässt. Und nun stolpert der arme Mann über den Skandal eines anderen. Dabei hatte er es doch bloß gut gemeint.

Friedrichs Sturz ist ein neuerlicher Beweis für die uralte Erkenntnis, dass Überbringern schlechter Nachrichten Ungemach droht. Der Agrarminister erlebt gerade eine Art Edward-Snowden-Gefühl. Eigentlich müssten ihm Staat und Regierung dankbar dafür sein, dass er einen bösen Verdacht angesprochen und somit einem GroKo-Skandal vorgebeugt hat. Stattdessen steht er selber im Abseits. Man kann auch – ganz andere Baustelle – an Uli Hoeneß denken. Er hatte seinerzeit öffentlich gemacht, dass der designierte Fußball-Bundestrainer Christoph Daum weiße Linien nicht nur als Spielfeldmarkierungen betrachten würde. Der Koks-Verdacht war zutreffend, der Flüsterer wurde gleichwohl aufs Heftigste beschimpft.

Übel spielt das Leben mit den naiv Aufrechten. Aber warum ist die CSU nun derart empört? Das wiederum ist normal. Es ist integraler Bestandteil unseres politischen Systems, dass es reale Feindschaften politischer Gegner in Wirklichkeit nicht gibt. Die Akteure, speziell der etablierten Parteien, wissen nur zu gut, dass sie einander immer wieder brauchen. Das Publikum bekommt die im Rahmen der politischen Meinungsbildung erforderliche Talk-Show-Debatte, beim anschließenden Bier duzt man sich und haut sich auf die Schultern. Politiker/-innen verbindet eine Grund-Sympathie und -Solidarität. Schließlich erledigt man einen harten und sehr oft miesen Job, für die “die Menschen draußen” zu faul und feige sind. Also hilft man sich auch mal, Schlimmes zu vermeiden.

Das ist nicht mal schlecht für’s Land. Aber schwierig wird es dann, wenn es im Zuge eines Skandals nur ein einzelnes politisches Lager erwischt. Auch nach dem Sturz des Edelmannes Karl Theodor zu Guttenberg reagierte die CSU zunächst mit dramatischen Solidaridätsadressen und Beschimpfungen der Fürstenmörder. Und bei Hans-Peter Friedrich muss das vermeintliche Unrecht erst recht herausgestellt werden. Schließlich ist die Sicherheit, der Schutz des Volkes vor Ungemach und somit die enge Zusammenarbeit mit Ermittlern und Gerichten, ein Markenkern der CSU. Ein Versagen auf diesem Gebiet kann nur aus edlen Motiven erfolgen.

Meine Prognose: Das Geheul wird noch ein, zwei Wochen anhalten. Dann ist der Kurzzeit-Agrarminister vergessen. Für die Frage allerdings, ob es zwecks Edathy und Friedrich auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erwischt, ist nur eines entscheidend: Ist Vizekanzler Gabriel in die Angelegenheit verwickelt? Falls ja, sieht es für den nachrangigen Sozi übel aus. Kann man nichts machen. So geht sie eben, die große Politik.

 

 

 

Große Männer und die böse blonde Frau

Unfassbar, diese impertinente Person! So hätte man früher über die Fernsehjournalistin Marietta Slomka geschimpft. Unternahm sie doch den Versuch, den kommenden Vizekanzler Sigmar Gabriel am Nasenring durchs öffentlich-rechtliche Fernsehen zu führen. Mit der Frage, ob der von ihm ausgerufene SPD-Mitgliederentscheid zur Großen Koalition ein, pointiert ausgedrückt, Anschlag auf die Verfassung sei.

Stimmt schon, die Fragestellung war abseitig. Aber das erklärt nicht die irre Aufregung um das ZDF-Interview. Ich meine, es steckt mehr dahinter. Nämlich die Angst der großen Männer vor der bösen Frau.

Es hätte sich doch niemand aufgeregt, wenn ein Siegmund Gottlieb den SPD-Chef mit den identischen Fragen gemartert hätte. Man hätte “Typisch für die schwarze Föhnwelle” gesagt und das Interview abgehakt. Aber eine Frau mit stahlblauen Augen, die einen angehenden Groß-Staatenlenker vorführt? Das geht nicht. Da hebt selbst CSU-Chef Horst Seehofer schützend die bayerische Pranke über den Konkurrenten von der Magenta-Fraktion. Politiker dürften nicht wie Schulbuben dastehen, zürnt er. Wobei er sich den Hinweis, dass die oder der Slomka in Bayern fürderhin ausschließlich als Verlierer in der Arroganz-Arena gern gesehen sei, erstaunlicherweise verkniffen hat.

Die Angst funktioniert frei nach Sokrates, der seinerzeit erklärte: “Eine Frau, gleichgestellt, wird überlegen.” Und das gilt es zu vermeiden. Also ruhig mal einschüchtern, die Dame.

Und bei alldem wird übersehen, dass etwas anderes lebhafte Ablehnung verdient, nämlich komplett inhaltsleere, langweilige Interviews. Sie wissen, um wen es geht? Mag sein. Aber diese Frau M. hat ihren Sokrates längst hinter sich. Sie ist überlegen. An sie traut sich kein noch so großer Mann heran.

Große Koalition? Lasst es Liebe sein!

Mit Liebesheiraten ist es so eine Sache. Paare streifen sich die Ringe über, während sie hoch oben in der Gefühls-Stratosphäre schweben. Alles ist gut. Doch dann kommt der raue Alltag und das junge Glück landet beim Scheidungsanwalt. Ist es demnach vielleicht sogar gut, wenn sich Menschen aneinander binden, die sich gar nicht leiden können? Ist die Zweckehe überlegen? Ist die Große Koalition, anders als die als Traumehe gestartete schwarz-gelbe Beziehung, das Beste für dieses Land?

Fragen wir nach, was uns Paarbeziehungsexperten raten. Lehrsatz 1: “Was auch kommen mag. Ziehen Sie immer an einem Strang.” Vordergründig betrachtet, könnte man an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen. Denn wie sollte Schwarzen und Roten diese Übung gelingen? Jedoch, es ist möglich. Die Großkoalitionäre werden bestimmt an einem Strang ziehen. Wenn auch nur selten am selben Ende. Erfolgschance also 50:50

Beziehungs-Hinweis Nummer 2: “Sich ab und an zu streiten, gehört zum Lieben dazu. Aber vergessen Sie nie, dabei fair zu bleiben.” Die Prognose fällt leicht, dass unsere Spitzenpolitiker/-innen das mit dem gelegentlichen Zank sicher hinbekommen werden. Fair wird es nicht immer zugehen. Erfolgschance 50:50.

Dritter Tipp: “Verlernen Sie nicht, auch mal allein zu sein.” Dafür gibt es Parteitage, Regionalkonferenzen und Ortsvereinssitzungen. Klappt also zu 100:0 Prozent.

Vierter Tipp: “Die richtigen Worte, eine kleine Geste und Leidenschaft. Verlernen Sie nicht, sich zu überraschen.” Überraschungen wird es geben, manchmal sogar mit den richtigen Worten. Aber Angela Merkel und Leidenschaft? Sagen wir 30:70.

Fünfter Tipp: “Macken, Hobby, Eigenschaften: Tolerieren Sie weiterhin, was sie zu Beginn entzückend fanden.” Macken gibt es, wie die soziale Gerechtigkeit bei der SPD oder die Pkw-Maut bei der CSU. Allerdings hat noch niemand von der Gegenseite diese Geschichten als entzückend empfunden. Und: Alexander Dobrindt am Kabinettstisch ist für niemand tolerierbar. Erfolgschance 10:90.

Hinweis Nummer 6: “Zusammen lachen, Spaß haben, Blödsinn machen. Seien Sie manchmal unvernünftig.” Für gemeinsame Späße scheinen die Groß-Koalitionäre nicht geschaffen. Den Witz, den Andrea Nahles Horst Seehofer erzählen würde, gibt es nicht. Das gemeinsame Produzieren von Blödsinn auf der Basis unvernünftiger Beschlüsse sollte allerdings problemlos gelingen. 80:20 für die Große Koalition.

Und die siebte Kostbarkeit der Liebe: “Verlernen Sie nicht, den anderen jeden Tag aufs Neue für etwas zu bewundern.” Sicher ist, dass  erfolgreiche Politiker/-innen zuallererst und ausschließlich sich selbst bewundern. Es mag auch vorkommen, dass man am Todfeind reizvollere Eigenschaften erkennt als am Parteifreund. Aber bewundern geht kaum bis gar nicht. Erfolgschance 10:90.

Die Prognose für eine gelingende Partnerschaft liegt somit bei 330:370. Also bitte, quält uns nicht und verzichtet. Lasst es Liebe sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Große Koalition ist großer Krampf

Hollerplotz, sie haben es gemerkt! Kurz vor Toresschluss ist bis an die SPD-Spitze durchgedrungen, dass es eine Alternative zur Großen Koalition gibt. Und zwar gemeinsam mit den Bösen, den Linken. Aber werden sie sich trauen?

“Opposition ist Mist”, meinte einst der Meister des Verbal-Twitterns, Franz Müntefering. Stimmt zwar, aber Große Koalition ist es auch. Wenn die Diskussion unter den großen demokratischen Parteien zwecks gemeinsamen Regierens entfällt, hilft das vor allem seltsamen Gestalten an den Rändern. Eine AfD etwa wird für ihre europafeindlichen Thesen noch mehr Gehör finden.

Die Große Koalition ist zudem die ideale Plattform für Merkel’sche Alternativlosigkeit. Über noch weniger Themen als bisher wird diskutiert oder gar gestritten werden. Man braucht sich schließlich, im Bund und in den Ländern. Schon die Koalitionsverhandlungen zeigen doch, was uns erwartet. Weitgehend ergebnisloses Gerede mit einer Chefin, die sich fein diskret im Hintergrund hält, so dass am Ende nur diejenigen dumm aussehen, die überhaupt etwas gesagt oder versprochen haben. Es gilt die Mikado-Politik: Wer sich bewegt, hat verloren.

Es muss doch inzwischen selbst dem ministeramts-strebsamsten Sozialdemokraten klar geworden sein, dass es die Kanzlerin blendend versteht, nichts zu sagen oder zu tun, aber den Verdruss darüber an sich vorbeirauschen zu lassen.

Alsdenn, liebe SPD: Macht den Krampf nicht mit. Wenn Euch Rot-Rot-Grün zu heikel ist, dann lasst die Union regieren und stimmt von Fall zu Fall zu. Oder eben nicht. Ansonsten wird es in Zukunft heißen: Herzlichen Glückwunsch, zu etwas mehr als zwanzig Prozent.

 

 

Die Politik wird ohne Mut gemacht

Man kann die Eigenschaften der Bundespolitik auf vielerlei Art beschreiben. Ein Wort passt aber ganz bestimmt nicht: Mut. Das zeigt der bisherige Verlauf der Koalitionsverhandlungen.

Es soll also so kommen, wie es zuletzt fast alle erwartet haben. Die SPD ist bereit, sich aus Verantwortung für das Land für das große Ganze aufzuopfern und sich an der Seite von Angela Merkel dauerhaft im 25-Prozent-Ghetto einzurichten. Denn es wird doch niemand glauben, dass es den Sozialdemokraten gelingen wird, sich an der Seite der Schwarzen Witwe als eigenständige politische Kraft zu profilieren. Das bisschen Mindestlohn wird dazu nicht reichen, zumal es wichtige Branchen gibt, die sich lautstark dagegen wehren. Weshalb die SPD bei der Gewerkschaft ver.di sondiert hat, ob man die Sache mit den Achtfünfzig für die Zeitungszusteller irgendwie anders regeln könnte.

Mit Mut ginge es anders. Etwa dann, wenn die Grünen über das Stöckchen gesprungen wären, das ihnen Angela Merkel und Horst Seehofer hingehalten haben. Aber die Verhandler/-innen der Ökopartei waren offenbar davon überrascht, wie offen ihnen die Union begegnet ist. Dabei hätten sie wissen müssen, wie leicht die Kanzlerin und/oder der CSU-Chef eigene Positionen aufgeben, wenn sie ihrem Machterhalt nutzt. Diese Koalition wäre ein interessanter Versuch gewesen, zumal ihr – anders als bei der Großen Koalition – eine einigermaßen starke, zur Kontrolle der Regierung fähige Opposition gegenüber gestanden hätte.

Doch die deutsche Politik hält es lieber mit dem alten Adenauer und sagt “Keine Experimente”. Und die SPD muss darauf hoffen, dass Mietpreisbremse, Angleichung der Renten in Ost und West sowie eine Finanztransaktionssteuer dereinst als ihre großen Errungenschaften in den Geschichtsbüchern stehen werden.

Zumindest soll niemand bei der SPD behaupten, sie könne den Kanzler auf gar keinen Fall selbst stellen. Rot-Rot-Grün kommt als Koalitionsoption irgendwann so oder so. Aber diesmal gilt als Richtschnur Merkels großer Satz “Sie kennen mich”. Wer kann da noch widerstehen.

Wer hüpft ins Bett der schwarzen Witwe?

Es muss ja nicht gleich Elfriede Blauensteiner sein. Jene Österreicherin, die am Ende des vergangenen Jahrtausends mindestens drei Menschen ins Jenseits befördert haben soll und seitdem als „Schwarze Witwe“ die Kriminalgeschichte ihres Landes bereichert. Uns reicht schon Angela Merkel. Auch von ihr ist bekannt, dass ihre männlichen Parteifreunde und sonstigen politischen Lebensabschnittsgefährten gefährlich leben. Traut sich trotzdem jemand in ihre Nähe?
Ich habe Angela Merkel auch schon als “die wahre Femme Fatale” dargestellt. Aber so prophetisch dieses Video aus heutiger Sicht ist, so unpassend ist der Vergleich am Ende. Frauen dieser Kategorie haben ihre Opfer bevorzugt mit Erotik ins Verderben gelockt. Angela Merkel ködert mit Macht, sie ist somit ein eher männlicher Gegenentwurf zur unwiderstehlichen Sexbombe.
Schwarze Witwe passt besser. Es darf als feministischer Urtraum vermutet werden, einen Sexpartner für dessen fahrlässig ausgeführte Penetration mit einem verheerenden Biss in den Nacken zu bestrafen. Die Frauenforschungsstelle Münster hat sich vielleicht auch deshalb bei ihrer Gründung nach der Mörderspinne benannt.
Nun ist die Zahl der Opfer Merkels geradezu unmenschlich hoch. Kohl, Merz, Westerwelle, Koch, Rösler, Steinmeier, Müntefering, etc., etc., etc. Außerdem ist die Bundeskanzlerin tatsächlich frisch verwitwet – und wie bei den Spinnen sind die potenziellen Männchen deutlich kleiner als sie selbst.
Womit wir doch wieder bei Elfriede Blauensteiner angekommen sind. Auch sie ließ die Erotik beiseite und suchte lieber nach pflegebedürftigen Männern und Frauen, die wirtschaftlich etwas zu bieten hatten. Auch die SPD sehnt sich danach, aufgepäppelt zu werden, wobei sie einige Inhalte mitbringt, die im Laufe der Jahre sicher zum Programm der Union werden dürften.
Vor Gericht auf das überraschende Ableben ihrer Klienten angesprochen zitierte die Blauensteiner Pontius Pilatus: „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Hat sich Angela Merkel in der Fernseh-Elefantenrunde zum Ableben der FDP nicht ganz ähnlich geäußert?
Alsdenn, wer springt in Angies Bett? Die Sozialdemokraten sollten sich zumindest vorsehen…

Hier das Video: http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2011/06/30/die-wahre-femme-fatale/

Aliens sind unsere Hoffnung

Weltsensation! Die Bild-Zeitung, die gerade mit einer Sonderausgabe zur Bundestagswahl 41 Millionen Haushalten die Altpapiertonnen verstopft hat, meldet also außerirdisches Leben in unserer Stratosphäre. Es handle sich um Einzeller, deren DNA-Struktur einer irdischen Algenart gleiche. Liebe Leute, warum wundert uns das? Es muss extraterristrisches Spezies geben. Alles andere wäre ein dramatisches Versagen der Evolution.

Stellen wir uns doch bloß mal vor, es wäre der Endpunkt der Schöpfung, dass Bild, RTL 2 und Bunte nebeneinander existieren können. Stellen wir uns vor, Gott würde mit Wohlgefallen auf den Euro-Rettungsschirm und auf das deutsche Steuerrecht in seiner Gesamtheit schauen. Er würde sagen, dass beides so blendend aufgebaut sei, als wäre es direkt vom Baum der Erkenntnis gepflückt.

Stellen wir uns weiter vor, dass es galaxieweit keine Spezies gäbe, die erkannt hätte, dass Telefon-Flatrates mit angegliedertem Schrottservice zu überwinden sind. Und dass es so genannte Führungs-Nationen gäbe, in denen eine Angela Merkel an der absoluten Mehrheit kratzt.

Nein, es wäre eine Tragik des universalen Lebens, wenn es keine klügere Lebewesen als uns Menschen gäbe. Wenn Wahlkämpfe der SPD und der Grünen den Standard für andere Planenten setzen würden. Wenn die die AfD auf dem Mars die Abschaffung des Sonnendollars fordern könnte.

Nein, Aliens sind keine Bedrohung. Sie sind unsere Hoffnung. Aber wer weiß, vielleicht hat das Aufräumen schon begonnen. Die FDP wurde am Wahlsonntag eindrucksvoll eliminiert. Wie? Sie meinen, das kann nicht das Werk von Aliens sein, weil die doch bestenfalls in der Stratosphäre sitzen? Tja, aber war da nicht dieser Irre, der aus größter Höhe abgesprungen ist? Ja, er hat sie mitgebracht. Red Bull verleiht der Evolution Flügel. Sie sind da. Herzlich willkommen!

Söders Salat und der Arsch der Republikaner

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Ganz ehrlich, ich langweile mich. Nur zu gerne würde ich über die großen Dramen und Tragödien anlässlich der bevorstehenden Wahlen schreiben. Es drängt mich danach, leidenschaftlich für die einen zu werben und vor den anderen zu warnen. Ich möchte der Demokratie dienen. Allein, es geht nicht.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Politik und Wahlvolk diesmal gleich träge sind. Keine/r der Matadore/-innen droht bisher mit einer “Schicksalswahl”. Die Bundeskanzlerin schweigt, ihr Herausforderer Peer Steinbrück sagt immer etwas, was irgend jemand aufregt. CSU-Chef Horst Seehofer sagt immer das, was nach den jeweils aktuellen Umfragen den meisten Menschen gefällt.

Das Leid dieser Wahlen zeigt sich auch an den Plakaten. Hierzu nur Beispiele: Für die CSU kandidiert bei der bayerischen Landtagswahl im Stimmkreis Nürnberg-Nord der Landwirt Michael Brückner. Auf dem Plakat steht unter seinem Namen der Slogan “Frisches aus dem Knoblauchsland”. Was bedeutet das politisch? Wurde gentechnisch ein Zwirbelsalat gezüchtet, der sich beim Wachstum genauso oft um die eigene Achse dreht wie Horst Seehofer bei der Anwendung seiner Prinzipien? Soll konservativen Müttern eine kostenlose Tüte Karotten als Dreingabe zum Betreuungsgeld versprochen werden? Oder können Panini-Sammelbilder mit dem Porträt von Finanzminister Markus Söder ab sofort mit der Gemüsekiste bestellt werden?

Die SPD wiederum offeriert ihren bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude als den Ministerpräsidenten, “der Wort hält”. Optisch wird das so umgesetzt, dass Ude einen vermutlich aus Styropor geschnitzten Schriftzug “Wort” in der Hand hält. Das ist jene Kategorie Kalauer, für die Comedians selbst bei der Bambi-Verleihung von der Bühne gepfiffen werden. Die Sozialdemokratie war nie das Biotop des Humors. Aber warum hat man, wenn schon, das Ganze nicht weiterentwickelt? Warum nicht Vegetarier mit dem Satz ansprechen “Ude, der Mann, der beim Schlachten bummelt”? Und Sportfans mit dem Slogan “Der Politiker, der den Fuß ballt”?

Die Plakate der Grünen sind mit ihren mehreren Köpfen so kompliziert, dass man sie schon beim Vorbeifahren auf dem E-Bike nicht erfassen kann. Auch die Linke bietet so viel Botschaft, dass Autofahrer allenfalls das Wort “sozial” erfassen werden. Bei der FDP reicht eigentlich der Hinweis, dass ein lokaler Kandidat Facharzt ist. Man kennt dann das Programm.

Die Piraten zeigen eine Oma mit zwei Enkelkindern und schreiben dazu “Nicht käuflich, nur wählbar”. Gibt es also die Forderung nach kostenlosen Tagesmüttern? Schließlich sind die Republikaner am Start. Sie zeigen vier Mal einen Hintern, wobei dieser mit den Farben der Konkurrenz unterlegt ist und fragen, welches A……… man diesmal zu wählen gedenke. Andy Warhol hat gestalterisch Marilyn Monroe auf diese Weise bearbeitet, die Rockgruppe Queen hat so ein missratenes Plattencover gestaltet. Man fragt sich nur: Warum fehlt hier der braune Arsch?

Trotz alledem: Ich will dieser Demokratie dienen. Meine Heimatstadt hat mich als Wahlvorsteher eingeteilt. Da werde ich ganz korrekt sein. Ich halte Wort.