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Die Männer und ihr unverstandener Gedenktag
Es ist tragisch. In diesen wirren Zeiten gibt es sogar unverstandene Gedenktage. Der Weltmännertag gehört dazu. Und das liegt – unter anderem – an Deppen wie mir.
Am Donnerstag stand dieser Spezialtag im Kalender. Ich habe mir da einen witzig-emanzipatorischen Akt eingebildet. Einen Tag, an dem es den Männer erlaubt wäre, sich auf dem Sofa fläzend am ganz persönlichen Lagerfeuer zu wärmen und in die weite Steppe deiner Seele zu schauen. Ohne dass dich eine wohlvertraute Stimme fragt: “Schatz, geht’s Dir nicht gut?”
Ich hatte an eine Art Vatertag auf höherem intellektuellen Niveau gedacht. An einen Tag, an dem es kein Problem wäre, mit einem SUV auf die Jagd nach etwas Unbestimmtem zu gehen. An dem ungesundes Essen eine Freude sein und schlechte Manieren toleriert würden. Mit anderen Worten: Ich träumte von 24 Stunden der evolutionsgerechten sinnvollen Verortung des Mannes in dieser Gesellschaft. Und aus all diesen Gründen hielt ich die Wahl von Markus Söder zum bayerischen Finanzminister für ein starkes Signal der CSU zu diesem Anlass. Mehr Testosteron hat ja keiner.
Aber es ist ganz anders: Der Weltmännertag soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. Das sagt sein Erfinder, Michail Gorbatschow. Jawoll, jener Gorbatschow, der das große russische Reich in den Untergang getrieben hätte, wenn Putin nicht gekommen wäre. Wir sollen weniger Wodka oder Bier saufen, sollen stattdessen mehr auf unseren Körper achten – und uns so in Sachen Lebenserwartung Zug um Zug an die Frauen heranpirschen.
Ich frage: Ist das wirklich die richtige Reaktion auf den wackeligen Zustand der Sozialsystems im Allgemeinen sowie der Rentenkassen im Besonderen? Ich bin skeptisch. Genauso, wie ich skeptisch bin, was der Erfolg des Weltmännertages angeht.
Ich denke da an den Weltfrauentag. Dieser hat jede Menge Forderungen, mit denen sich die Welt verbessern ließe. Bloß: Am Muttertag ist trotzdem viel mehr los.
Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag
Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.
Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.
Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.
Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”
So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.
Atomkraftwerke: Verseuchte Gurken in Merkels Garten
Jetzt hat sie ihren ganz persönlichen radioaktiven EHEC-Salat, unsere Kanzlerin. Laut ZDF-Politbarometer glauben etwas mehr als zwei Drittel der Deutschen nicht mehr, dass Angela Merkels Regierung eine redliche Atompolitik macht. Nur noch 13 Prozent halten die im “Herbst der Entscheidungen” beschlossene Laufzeitverlängerung für richtig. Was ist bloß geschehen?
Halten wir kurz inne. Wäre vor einem Jahr der Mond auf die Erde gefallen, hätte uns der Bayerische Umweltminister Markus Söder versprochen, dass dieser am Kühlturm von Isar 1 folgenlos abprallen würde. Viele hätten es geglaubt, auf dem Politischen Aschermittwoch hätte ihm die versammelte CSU für dieses Versprechen zugejubelt. Schließlich wurden doch – dank unserer überragenden Ingenieurleistungen – bei uns schon immer die sichersten Atommeiler der Welt gebaut. Nichts konnte passieren. Lästig war nur das Gebrabbel grüner/linker Kreise.
Aber stand dahinter eine Überzeugung? Nie und nimmer. Denn in dieser Regierung gibt es keine. Es kann doch nicht sein, dass sich das mit fester Stimmer gegebene Versprechen, dass unsere Kraftwerke Tod und Teufel trotzen würden, nicht mehr gilt, nur weil der große Airbus neuerdings zehn Meter länger ist. Oder weil ein Tsunami bei Landhut angesichts des weiteren Abschmelzens der Polkappen nicht einhundertprozentig ausgeschlossen werden kann?
Die deutsche Atompolitik ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Menschen verarscht werden, wenn sie es sich gefallen lassen. Weil Entscheidungen frei nach Winston Churchills berühmtem Satz gefällt werden: “Glaube nur dem Gutachten, das du selbst gefälscht hast.” Notfalls mit einer grandios besetzten Ethik-Kommission.
Tja – und jetzt hat es das Volk gemerkt. Und lässt es sich nicht mehr gefallen, sondern geht auf die Straße. Wie heute in vielen Städten, unter anderem in Fürth.
Für unredliche Politiker/-innen ist das der Super-Gau. Verseuchte Gurken können schlimmer nicht sein.
Söder und die Burka: Das Aus für die Fata Morgana?
Erinnern wir uns doch mal an den schönen Satz “Leben und leben lassen”. Dieser galt einst als Alleinstellungsmerkmal Bayerns innerhalb der deutschen Bundesländer. Sollten doch die Sozis in ihrem NRW und Bremen alles kaputt regulieren, die CSU würde das liberale Klima ihres Freistaates auf jeden Fall bewahren. Aber das ist rum: “Lebensminister” Markus Söder fordert ein Burkaverbot.
Was treibt ihn dazu?
Der neue Politikstil: Wildsau und Hasenhirn
Die Bundespräsidentenwahl liefert immer neuen Stoff. Ist doch nicht nur Joachim Gaucks Lebensgefährtin eine Nürnbergerin, sondern ist die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen , sogar in Bratwurst-City geboren. Aber ihre Aussichten sind derart gering, dass wir uns lieber der Bundesregierung zuwenden. Da geht es inzwischen zu wie in einer Pilsbar.
„Wildsau“ schallt es aus den Reihen der FDP in Richtung CSU. Und dort reagiert man pflichtgemäß empört. Selbst ein Markus Söder mahnt mehr Anstand an, dürfte jedoch innerlich gewaltig grinsen. Denn nun wird Politik im früheren derben, leicht angesoffenen Stil der größten CSU-Politiker wie Franz-Josef Strauß oder Gerold Tandler gemacht. Und die in Berlin weitgehend zurecht vergessene Partei wieder wahrgenommen.
Die Bayern haben die Liberalen „Gurkentruppe“ genannt. Das ist nicht schlimm, handelt es sich doch um einen Begriff aus dem Fußball, wo sich ein gewisser Edmund Stoiber schon immer gerne bedient hat. War es stets doch sein Bestreben, sein Bayern in die „Tschämpionsliehg“ der Länder dieser Welt zu bringen.
Klar, man könnte jetzt den CSU-Gedanken weiterspinnen. Nämlich so, dass zu einer Gurkentruppe ein Gurkenlaster gehört. Weshalb es nicht schlecht wäre, Daniel Küblböck als Spaßminister für positive Energie im Land sorgen zu lassen. Aber Guido Westerwelle will ja nicht unbedingt Menschen neben sich haben, die ihm von ihren Begabungen her zu sehr ähneln.
Als Publikum betrachten wird die gegenseitigen Beschimpfungen am besten als Unterhaltungsprogramm. Wir fordern allerdings Phantasie. Ehrabschneiderische Vorwürfe wie “Lügner” oder “Gauner” sind uns zu platt. Es muss schon passen. Wie etwa “Schlafwagenschaffner” für Verkehrsminister Ramsauer, “Hebammenkoffer” für Familienministerin Schröder, “Haubentaucher” für Umweltminister Röttgen, ”Schnieptröte” für den Chef des Bundeskanzleramtes, Ronald Pofalla, ”Geizknochen” für Wolfgang Schäuble oder “Bananenbiegerin” für Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner.
Wir sind gespannt, wie prollig der Ton unter den Regierenden noch wird. Ansonsten halten wir es beim Blick auf die deutsche Politik mit dem Kabarettisten Erwin Pelzig: “Warum sollte man sich jetzt schon aufhängen, wo es doch nächstes Jahr noch viel bessere Gründe gibt?” Bis dahin eine kleine Umfrage:
Roland Koch geht – wer wird das neue Feindbild?
Dumme Situation: Man kann einen Menschen irgendwie nicht leiden, regt sich über ihn auf, findet ihn unmöglich – aber wenn er dann endlich geht, mag man sich doch nicht so richtig freuen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch will zum Jahresende 2010 von allen politischen Ämtern zurücktreten.
Dieses ist ein unerhörter Vorgang. Der Mann ist gerade mal 51 Jahre alt. Es kann doch nicht sein, dass er zurücktritt, nur weil er sich inzwischen den Anspruch auf die Ministerpräsidenten-Pension gesichert hat. Aber vielleicht gibt es da eine Wesensverwandtschaft zu Friedrich Merz. Auch dieses CDU-Alphamännchen hat hingeschmissen, weil es immer wieder von Mutti Merkel untergebuttert wurde.
Roland Koch wurde zuletzt für seine Sparvorschläge abgebügelt – und die jüngsten Maßnahmen in Sachen Finanzmarktkontrolle dürfte ihm überhaupt nicht gefallen haben. Sollte er geplant haben, Finanzminister Schäuble zu beerben, könnte er zuletzt die Lust verloren haben.
Für die Medien ist Kochs Abgang auf jeden Fall ein Verlust. War er doch stets ein verlässliches Feindbild. So etwa, nachdem er nach der CDU-Spendenaffäre “brutalstmögliche Aufklärung” vorgegaukelt hatte. Oder als er nach dem brutalen Überfall in der Münchner U-Bahn im Dezember 2007 gegen junge Ausländer hetzte. “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine sehr aggressive Kriminalität einer sehr kleinen Gruppe von Menschen unter 14 Jahren gibt. In Ausnahmefällen könnten Elemente des Jugendstrafrechts für diese Zielgruppe eingesetzt werden”, grollte er damals. Weitere Aufreger lieferte Koch genug.
Wer kann oder soll in diese Fußstapfen treten? Unser CSU-Spitzenmann Markus Söder ist als Feindbild – bundespolitisch gesehen – nicht wichtig genug. Männliche CDU-Politiker mit beachtenswerten exotischen Ansichten sind kaum vorhaben. Wirklich beleben könnte es die politische Debatte, wenn Thilo Sarrazin ins Bundeskabinett berufen würde.
Und was Roland Koch angeht, hat man vielleicht nicht immer genau genug zugehört oder einfach nicht gedacht, dass er wirklich meint was er sagt. Von ihm stammt auch der Satz: “Ich habe den Hessen nie angedroht, mein ganzes Leben lang Ministerpräsident sein zu wollen.” Gesagt im November 2002 – damals allerdings noch mit der Aussicht, Kanzlerkandidat werden zu wollen.
Ein kleines Erinnerungsvideo habe ich auch noch:
Wenn Westerwelle droht, grinst die CSU
“Ich habe eine Engelsgeduld. Aber die FDP kann auch anders.” Oha: Jetzt wird es aber ernst für die CSU. Koalitionspartner Gudio Westerwelle ist – wie seine neueste Verlautbarung zeigt - inzwischen mit der Gesamtsituation unzufrieden und wirklich sauer. Horst Seehofer und Co., setzt euch und seid endlich brav! und zieht Euch warm an.
Oder vielleicht doch nicht. Denn den Satz, den der Oberliberale in Richtung Bayern abgefeuert hat, kennt doch jeder Mensch aus seiner Kindheit. Speziell wenn Mutti angesichts ständiger Frechheiten der Kleinen überfordert war, drohte sie ernste Konsequenzen an. Das sorgte tatsächlich für Schrecken und für Gehorsam. Aber eben leider nur bis zur Grundschule.
Danach war die Drohung gewissermaßen in die jeweilige Frechheit eingepreist. Man hatte Spaß dabei, Mami oder Papis großen Auftritt vorauseilend nachzuäffen. Wirklich Angst hatte keiner mehr. Und irgendwann hatte sich der Nachwuchs durchgesetzt.
Gehen wir also ruhig davonaus, dass Markus Söder seinen Berliner Kollegen Philipp Rösler weiterhin ärgern wird, wo er nur kann.
Denn, und hier greife ich auf einen großen Satz der Kauffrau Vera Hinselmann (veröffentlicht auf http://www.aphorismen.de) zurück: “Konsequenzloses Drohen beängstigt ebenso wie ein ausgestopfter Wachhund.”
So isses. Genau so.
Frauen von CSU-Größen: Warum heißen alle Karin?
Man hat ja schon oft darüber nachgedacht, wie es dazu kommt, dass der eine in der Poltik berühmt wird, der andere aber nicht. Als aufmerksamer Gast auf dem “Ball der Union” in Nürnberg bekommt man zumindest Klarheit darüber, worauf es bei der CSU ankommt: Wichtige Jobs bekommt, wer mit einer Frau namens Karin verheiratet ist.
Begonnen hat das bei Edmund Stoiber. Seine Karin, von ihm selbst zärtlich “Muschi” genannt, war treue Begleiterin und Antreiberin. Mit ihr an seiner Seite hat er es insofern zu Weltruhm gebracht, indem er in einer freien und geheimen Wahl eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreichte. Bis dann eine Dame mit dem Landfriseusen-Vornamen “Gaby” seinem Treiben ein Ende machte.
Es folgte ein, wie wir alle wissen, kurzes Gastspiel mit einer Landesmutter namens Marga. Oder “Marcha”, wie ihr Ehemann Günther Beckstein und alle anderen fränkischen Muttersprachler sagten. Das ging nur ganz kurze Zeit gut.
Aber jetzt ist alles im Lot, die Weichen sind auf Aufschwung zu alter Stärke gestellt. Markus Söder, der Gastgeber des CSU-Balls, tanzte den Eröffnungswalzer mit Gattin Karin. Ministerpräsident Horst Seehofer grüßte per Videobotschaft und hatte keine Zeit zum Parkettgeflüster mit Ehefrau Karin. Dafür war Finanzminister Georg Fahrenschon vor Ort. Und vergnügte sich inniglich mit – richtig – Gattin Karin.
Aber warum bloß? Die Erklärung, dass der Vorname Karin ab 1940 und folgende Jahre auf Platz 1 der Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland stand, reicht nicht. Dafür sind Söder und Fahrenschon viel zu jung.
Nein, es liegt wohl an der Bedeutung des aus Schweden stammenden Namens, der eine Kurzform von “Katharina” ist. Er kommt vom griechischen Wort katharos – und das bedeutet „sauber” und/oder “rein“.
So gesehen ist jede Karin eine fleischgewordene weiße Weste. Und was könnten Politiker, die mit der brutalstmöglichen Aufarbeitung der Landesbank-Affäre mehr gebrauchen, als genau dieses?
Politische Kunst in Nürnbergs CSU: Die gespielte Empörung
Ach ja, die Politik. Zu den vielen Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche Arbeit am und mit dem Volk erforderlich sind, gehört die überzeugend gespielte Empörung. Gerade wieder zu erleben an der scheinbaren Aufregung über ein Interview der ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Renate Blank in den Nürnberger Nachrichten. “Parteiausschluss” tönt die scharfe Parole.
Blank hatte ihrem Bezirksvorsitzenden Markus Söder dieses vor den Latz geknallt: “Nun hat er alle gleichgeschaltet.” Der Umweltminister dulde keinen Widerspruch. Wer störe, werde abserviert. Zuletzt wurde der örtliche Vorsitzende der Senioren-Union, Helmut Schallock, zum Rücktritt getrieben. Er hatte seinen Parteivorsitzenden Horst Seehofer aufgefordert, öffentlich Klarheit über sein Privatleben zu schaffen. Blank wiederum forderte ihre Partei auf, den Slogan “Näher am Menschen” mit Leben zu erfüllen. Man könne keine Wahlen gewinnen, wenn man sich immer nur kurz davor bei den Bürger sehen lasse.
Der Bezirksvorstand der CSU zeigte sich nun in einer Verlautbarung „erschüttert“ über diese Angriffe. Das aber ist Käse. So heftig sind die Emotionen nie und nimmer. Es geht vielmehr darum: Söder weiß, dass er reagieren muss. Selbst will er es aber nicht machen, weil er seine Kontrahentin damit aufwerten würde. Also lässt er einen persönlichen Kampfhund von der Leine. Einen, der in der Partei noch etwas werden will. In diesem Fall den Vorsitzenden des Ortsverbandes St. Leonhard. Dieser empört sich öffentlich über den “Affront” und teilt Renate Blank im Auftrag seines Chefs mit, dass sie ja nie über den Status einer Hinterbänklerin hinausgekommen sei.
Überrascht dürfte in der Nürnberger CSU über Blanks Aussagen allerdings niemand gewesen sein. Die Ex-Abgeordnete hat ihre tief empfundene Abneigung gegen Markus Söder nie verborgen. Beim Ball der Union 2007, gleich nach Stoiber Sturz, ließ sie sich in Bezug auf ihren “Parteifreund” von mir so zitieren: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Flusses zu sitzen, und zu warten, bis die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.” Dass der langjährige Stoiber-Fan und “Lebensminister” (Söder über Söder) ein genialer Überlebenskünstler in eigener Sache ist, hatte sie damals aber vielleicht nicht gedacht…
CSU-Wahlkampf: Algenterminator und Gipfelstürmer
Der Algenterminator vom Wöhrder See (links).
Reden wir doch mal über den CSU-Wahlkampf in Nürnberg und Umgebung. Dass Horst Seehofer ab sofort persönlich Arbeitsplätze schafft, war zu erwarten. Das macht man als Ministerpräsident vor wichtigen Wahlen. Später nicht mehr so.
Nein, ich bewundere Markus Söder. Der Lebensminister, der im “Hart-aber-fair”-Duell gegen Jürgen Trittin wie der derzeitige Club gegen Wolfsburg ausgesehen hat, räumt gerade die Umwelt auf. Ob Wöhrder See oder Altmühlsee – er klappert die flachen Großtümpel ab und rückt den Algen zuleibe.
Wobei es ihm optisch gelingt, die Brücke zum Herbstvolksfest zu schlagen. Nach dem Motto: “Habt Spaß, ich rette Euch!”. Oder wirkt das Bild nicht wie ein Foto vom Autoscooter?
Weil er die pandemische Algenpest aber nicht alleine schaffen kann, biete ich einen besonderen Service: Eine Liste von Algenkillern außer Söder, gefunden auf Ebay.

Hurra, Michael Frieser ist ganz oben!
Ein anderer Wahlkämpfer ist Michael Frieser, Kandidat im Wahlkreis Nürnberg-Süd. Seine Unterstützer von der Jungen Union sind hochmotiviert und kennen keinen Schmerz. Jetzt haben sie Friesers Wahlplakat auf die Zugspitze getragen und dort entrollt.
Natürlich ist das kompletter Unsinn. In Oberbayern kann Frieser keine Stimmen sammeln. Aber die Union sagt ja andererseits “Wir haben die Kraft!” Wenn schon, müsste man aber anmerken, dass die Zugspitze im weltweiten Vergleich gar nicht so hoch ist. Deshalb: Geht doch mal auf den Popocatepetl. Und dann bekommt Ihr das Bild vielleicht sogar gedruckt.
Sein Pech: Seehofer denkt wie Bayern München
Wie bitte, Politik soll wie Fußball sein? Gut, so ganz genau stimmt das natürlich nicht. Aber es gibt Parallelen. Etwa bei unserem Ministerpräsidenten, Seehofer Horst. Er wurde auf dem CSU-Parteitag mit 88,09 Prozent als Vorsitzender wiedergewählt – und war ganz offensichtlich beleidigt. Weil das ja, wie Beobachter meinten, ein “Denkzettel” sei.
Tja, und solche Reaktionen gibt es zum Beispiel bei Bayern München. 88,09 Prozent, das entspräche auf die Bundesliga-Tabelle umgerechnet, Platz 3 mit leichter Tendenz zu Platz 4. Also ein Abschneiden zwischen Champions-League-Relegation und “Döner-Cup”. Völlig klar, dass in diesem Fall Köpfe rollen müssten. Schließlich feuert man bei den Bayern den Trainer ab Platz zwei – was auf die CSU umgerechnet 94,45 Prozent der Stimmen entspräche. Partei-Pressesprecher möchte man jetzt nicht sein.
Tief getroffen hat das Abschneiden Seehofers ganz bestimmt dessen Vor-Vorgänger Edmund Stoiber. Dieser sonnte sich besonders gerne im volksnahen Glanz der Bayern-Herrscher und hat deren Denken vorzüglich verinnerlicht. In seinen Reden bediente er sich gerne an Einträgen aus dem Fußball-Wörterbuch. Sofern das zwischen drei Ääääähs noch aufgefallen ist.
Das Fußballgeschäft zieht die Politiker jedenfalls an wie Motten das Licht. Nehmen wir nur den 1. FC Nürnberg, wo unter anderem OB Ulrich Maly als Aufsichtsratsmitglied den Brückenschlag zwischen Profifußball und Kommunalpolitik erleichtert.
Und in diesem Gremium hat er schon Trainerwechsel gemeinsam mit Markus Söder abgesegnet. Dieser wiederum bekam bei der Vorstandswahl 436 Stimmen, also 59,9 Prozent der Stimmen.
Sie finden das schlecht? Nein, das stimmt so nicht, denn nach unserer Bundesliga-Rechnung entspräche das Platz 9 mit Tendenz zu Platz 10. Das wäre als Saisonergebnis für den Club doch völlig in Ordnung.
Andererseits: Hat Söder beim Thema Donauausbau nicht eine verheerende Niederlage erlitten? Bei der nur 12 Delegierte seiner Meinung waren? So käme der Club nicht mal in die Relegation. Aber Quatsch, das passiert nicht. So viel hat Fußball mit Politik auch nicht zu tun….
Söder – ein hinterlistiger Klimakiller?
Im Lehrbuch für Medienarbeit ist es vermutlich entweder die Präambel oder aber Paragraph 1, Absatz 1: Nachrichten sind dann am erfolgreichsten platziert, wenn sie in die Zeit passen. Soll heißen: Es hat wenig Sinn, im Juni von der heilenden Wirkung von Lebkuchen zu schwärmen. Es bringt auch nichts, im Januar über die Wasserqualität der Bade-Seen zu berichten.
Hat unser “Lebensminister” Markus Söder also nicht aufgepasst, als bei der Hans-Seidel-Stiftung der Kurs “Polit-PR für Fortgeschrittene” gegeben wurde? Denn wie sonst kann es sein, dass er gerade jetzt darüber orakelt, dass dem wasserarmen Franken durch den Klimawandel künftig verstärkt Trockenzeiten und Dürreperioden drohen?
„Klimasimulationen zeigen: Auf die Region können extreme Wetterereignisse zukommen“, sagte der Umweltminister Söder. Deshalb müsse man frühzeitig gegensteuern, forderte er anlässlich einer Prognose zum Klimawandel in Franken für den Zeitraum von 2021 bis 2050. Laut dieser Prognose sei in Franken ab 2021 neben den Dürreperioden auch mit trockeneren Sommern zu rechnen.
Damit kommt er gerade jetzt daher. In diesem Juli, in dem die Sonne meistens gar nicht zu sehen ist und in dem es immer wieder regnet. Dieses Wetter soll uns Angst vor dem Klimawandel machen. Quatsch, wir schauen zum Fenster hinaus und beten: “Herr, lass es ganz schnell 2021 werden!”
Man könnte aber auch ein Verdacht haben: Ebenfalls aus dem Lehrbuch für Medienarbeit stammt der Hinweis, dass man Widerstände wecken kann, indem man Nachrichten absichtlich zur falschen Zeit lanciert. Man weiß von Markus Söder, dass er gelegentlich mit List und Tücke agiert. Will er also den Widerstand gegen seine Mahnung herausfordern – ist er ein Klimakiller im grünen Gewand????
Wir sollten ihn beobachten….
Minister zu Guttenberg – ein Kerl wie Angela Merkel
Über Horst Seehofers Erfolge wurde hier schon gerätselt. Es drängte einen dazu, die Frage mit “Keine” zu beantworten. Aber doch, es gibt da etwas: Er hat Karl Theodor zu Guttenberg zum Wirtschaftsminister gemacht. Und dieser kommt beim Publikum bestens an. Im ZDF-Politbarometer hat er Außenminister Frank Walter Steinmeier als zweitbeliebtesten Politiker abgelöst. 61 Prozent der Befragten finden gut, was und wie er es macht. Der SPD-Kanzlerkandidat kommt nur auf 55 Prozent. Was aber ist der Grund hierfür?
Erste These: Freiherr zu Guttenberg ist ein Mann wie Angela Merkel. Er wirkt immer zurückgenommen, kontrolliert. Niemand würde bei ihm einen Gefühlsüberschuss vermuten. Anstatt Versprechen zu machen, spricht er Probleme einer Entscheidung an.
Zweite These: Er ist die CSU im Quadrat. Früher gehörte es zum Erfolgsrezept der CSU, selbst in Zeiten unionsgeführter Regierungen die die oben in Bonn oder Berlin zu attackieren. Damit die Bayern wussten, dass nur die CSU vor dem absoluten Chaos in der Republik schützt. Der Wirtschaftsminister ist nun selbst Zielscheibe von Sticheleien aus dem Freistaat. Er nimmt trotzdem einen anderen Standpunkt ein, der im Zweifel noch unpopulärer als jener der Kanzlerin ist. Damit verliert er zwar (wie bei Opel) gegen seinen Chef Horst Seehofer auf der ganzen Linie, steht aber trotzdem als markante Persönlichkeit da.
Dritte These: Seine Themen sind angesagt. Es gibt ja immer einen Wandel hinsichtlich der jeweiligen Reizthemen. Früher war es mal die Friedenspolitik, dann kam die differenzierte Müllentsorgung, das Beschneiden von Arbeitnehmerrechten, der Klimaschutz – und jetzt eben wieder mal ist Wirtschaft angesagt. Der einstige Kabinetts-Star Ursula von der Leyen muss inzwischen Pornoseiten sperren, um wieder mal ins Gespräch zu kommen. Andere, wie Bildungsministerin Schavan (der Vorname ist mir gerade entfallen), ist völlig in der Versenkung verschwunden. Bei anderer Gelegenheit hieß es immer, dass der Geist die einzige Ressource dieses Landes und Bildung deshalb unheimlich wichtig sei.
Vierte These: Guttenberg sieht so aus, wie man das bei einem Wirtschaftsminister erwartet. Schicker Anzug, Gel im Haar, eine Brille, die Intellektuellen taugt, aber zugleich an “Bild”-Chefredakteur Kai Dieckmann erinnert. So sieht einer eben aus, wenn er mit Ökonomie zu tun hat.
Nehmen wir doch nur eine Vergleichsperson aus dem Kabinett, nämlich Wolfgang Tiefensee. Denkt man bei diesem Verkehrsminister rein äußerlich auch nur im Entferntesten an Beton und Asphalt? Wirkt er nicht viel mehr wie der Pfarrer einer protestantischen Großstadtgemeinde?
Tja, aber bald heißt es Abschied nehmen. Entweder verlässt der Freiherr nach der Bundestagswahl sein Amt oder er verlässt uns. Weil er besser dasteht als sein Chef. Das geht nirgends gut.
Meine Prognose: 2010 wird der Wirtschaftsminister nicht mehr zu Guttenberg heißen. Entweder gewinnen eh die anderen – oder seine Partei erkennt, dass (zum Beispiel) Entwicklungshilfe auch ganz schön ist.
Schmidt zu Waldi Hartmann: “Du abgefuckte alte Sau!”
Waldemar “Waldi” Hartmann gilt zurecht als notorisch gemütlicher Weißbier-Plauderer. Er wäre aber kein Nürnberger, wenn er nicht auch ein listiger Typ wäre. Sein WM- und Olympia-Club-Partner Harald Schmidt wusste das wohl schon seit langem. Er nannte Hartmann eine “abgefuckte alte Sau”.
Es war nicht böse gemeint. So wie im Nürnberger Dialekt das Wort “Orschluuch” (Arschloch) bei entsprechendem Tonfall eine Liebkosung sein kann, meinte Schmidt beim Vorgespräch zur Sendung “Waldi und Harry”, dass er für ein solches Projekt einen erfahrenen, lässigen Partner bräuchte – und keinen Schönling, der sich andauernd selbstverliebt durch die Haare fährt.
Waldemar Hartmann hat das bei einer Veranstaltung in seiner Heimatstadt offenbart. Interviewt wurde er dabei von CSU-Politiker Markus Söder. Dabei erzählte er vom vorzeitigen Abgang vom Gymnasium mit anschließenden Jobs als DJ. 1971 eröffnete er „Waldis Club“ in Augsburg. Die entscheidenden Kontakte für seine Karriere beim Bayerischen Rundfunk knüpfte er als Stammgast der Münchner Kneipe “Alter Simpl”.
Das Stammtisch-Palaver als journalistisches Stilmittel hat er sich bewahrt. Er duzt seine Gesprächspartner – und meinte, diesen damit zu helfen. Junge Fußballer reagierten doch eingeschüchtert, wenn sie förmlich angesprochen würden. Bei manchen Sportlern sei es eh gut, die Antwort mit der Frage gleich mitzuliefern. Hartmann lästerte über die “verschiedenen Epochen” des Lothar Matthäus, spottete darüber, dass RTL nur noch aus Günther Jauch, Peter Klöppel und Dieter Bohlen bestehe. Und meinte, dass auch politische Journalisten auf Klatsch stünden. Das zeige ihm die Aufregung um Angela Merkels Dekolleté: “Wenn die mal einen Rock anzieht, ist doch die Hölle los.” Genussvoll schilderte er sein Interview mit dem zornigen Rudi Völler im September 2003. “Da habe ich sofort gespürt. Das ist Dein großer Tag!” Nicht nur wegen der existenzsichernden Weißbier-Werbeverträge.
Neuerdings konzentriert sich Hartmann auf sein eigenes Kabarett-Bühnenprogramm “Born to be Waldi”. Bei der BR-Sendung “Blickpunkt Sport” ist er abserviert worden. Ausdrücklich nicht im gegegenseitigen Einvernehmen, wie er selbst sagte. Markus Söder meinte dazu: “Ich war auch schon zwei Mal in der Aussegnungshalle.” Mentale Ähnlichkeiten beider Gesprächspartner waren unübersehbar. Mehr Witz hat Waldi.








Auf See qualmt nur der Dampfer
Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.
In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.
An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.
Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.
Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!