Mit dem Bobbycar zur vollkommenen Mitte

Stolz sind wir Nürnberger auf das von unserem Finanzminister Markus Söder erfundene und geführte bayerische Heimatmuseum auf dem Lorenzer Platz. Bisher wusste bloß keiner,  was dort passsiert. Doch jetzt ist der erste große Coup gelungen: Der Mittelpunkt von Mittelfranken ist gefunden.

Exakt lokalisiert hat ihn die unbestechliche Bayerische Vermessungsverwaltung auf einem Acker bei Heilsbronn im Landkreis Ansbach. Also nahe jener Gemeinde, die bislang in erster Linie für ihr romanisches Münster bekannt war. Am Rathaus wurde eine Ehrentafel aufgestellt, zugleich wurde uns mit dieser Mitteilung Staunen gemacht: “Eine ausgesägte Platte mit den Konturen Mittelfrankens wäre in diesem Punkt perfekt ausbalanciert.”

Man fragt sich  zwar, wem dieses Wunder der Schwerkraft weiterhilft. Außer den Laubsäge-Gruppen unserer regionalen Volkshochschulen. Die Erkenntnis, dass die Australier als unsere Antipoden genau auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs wohnen, beeinflusst unser tägliches Leben ja auch nur sehr am Rande.

Jedoch: Die Mitte, der Mittelpunkt von etwas zu sein, ist immer ein gutes Werbeargument. Die Gemeinde Niederdorla in Thüringen ist als Mittelpunkt Deutschlands berühmt geworden, ihr germanisches  Opfermoor hat sie nicht so stark vorangebracht. Wo kein Mittelpunkt ist, wird es schwierig. Viel Zeit und Geld werden investiert, damit verkündet werden kann, dass Städte  “im Herzen” von etwas liegen, dass sie “bunt”, “anders”, “weltoffen” oder  “lebendig” sind. Wer Standort einer Universität ist, wirbt mit seinem geballten Wissen oder verkauft sich als “Stadt der Moderne”.

Wer hingegen Mittelpunkt ist, hat es gut. Denn der Mittelpunkt ist der Nabel, der Nabel der kleinen und großen Welt. Und wenn die Mitte auch noch in Mittelfranken liegt, dann ist das sozusagen das Zentrum im Zentrum, der annähernd vollkommene Punkt definiert.

Und so etwas passt – ganz genau – zu unserem Vollblutpolitiker Markus Söder. Eine einfache Mitte wäre nicht sein Ding. Seine  Aktion erinnert weniger an den mit einer Warnweste bekleideten Landvermesser, als an den großen Visionär Jules Verne. Und so wird das Heimatministerium bald Exkursionen anbieten. “In 80 Tagen durch die Region” werden sie heißen; zu absolvieren sind sie auf Bobbycars. Das Ziel der Tour wiederum ist klar: Irgendwo bei Heilsbronnn. Im Festzelt auf einem Acker.

Söders Salat und der Arsch der Republikaner

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Ganz ehrlich, ich langweile mich. Nur zu gerne würde ich über die großen Dramen und Tragödien anlässlich der bevorstehenden Wahlen schreiben. Es drängt mich danach, leidenschaftlich für die einen zu werben und vor den anderen zu warnen. Ich möchte der Demokratie dienen. Allein, es geht nicht.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Politik und Wahlvolk diesmal gleich träge sind. Keine/r der Matadore/-innen droht bisher mit einer “Schicksalswahl”. Die Bundeskanzlerin schweigt, ihr Herausforderer Peer Steinbrück sagt immer etwas, was irgend jemand aufregt. CSU-Chef Horst Seehofer sagt immer das, was nach den jeweils aktuellen Umfragen den meisten Menschen gefällt.

Das Leid dieser Wahlen zeigt sich auch an den Plakaten. Hierzu nur Beispiele: Für die CSU kandidiert bei der bayerischen Landtagswahl im Stimmkreis Nürnberg-Nord der Landwirt Michael Brückner. Auf dem Plakat steht unter seinem Namen der Slogan “Frisches aus dem Knoblauchsland”. Was bedeutet das politisch? Wurde gentechnisch ein Zwirbelsalat gezüchtet, der sich beim Wachstum genauso oft um die eigene Achse dreht wie Horst Seehofer bei der Anwendung seiner Prinzipien? Soll konservativen Müttern eine kostenlose Tüte Karotten als Dreingabe zum Betreuungsgeld versprochen werden? Oder können Panini-Sammelbilder mit dem Porträt von Finanzminister Markus Söder ab sofort mit der Gemüsekiste bestellt werden?

Die SPD wiederum offeriert ihren bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude als den Ministerpräsidenten, “der Wort hält”. Optisch wird das so umgesetzt, dass Ude einen vermutlich aus Styropor geschnitzten Schriftzug “Wort” in der Hand hält. Das ist jene Kategorie Kalauer, für die Comedians selbst bei der Bambi-Verleihung von der Bühne gepfiffen werden. Die Sozialdemokratie war nie das Biotop des Humors. Aber warum hat man, wenn schon, das Ganze nicht weiterentwickelt? Warum nicht Vegetarier mit dem Satz ansprechen “Ude, der Mann, der beim Schlachten bummelt”? Und Sportfans mit dem Slogan “Der Politiker, der den Fuß ballt”?

Die Plakate der Grünen sind mit ihren mehreren Köpfen so kompliziert, dass man sie schon beim Vorbeifahren auf dem E-Bike nicht erfassen kann. Auch die Linke bietet so viel Botschaft, dass Autofahrer allenfalls das Wort “sozial” erfassen werden. Bei der FDP reicht eigentlich der Hinweis, dass ein lokaler Kandidat Facharzt ist. Man kennt dann das Programm.

Die Piraten zeigen eine Oma mit zwei Enkelkindern und schreiben dazu “Nicht käuflich, nur wählbar”. Gibt es also die Forderung nach kostenlosen Tagesmüttern? Schließlich sind die Republikaner am Start. Sie zeigen vier Mal einen Hintern, wobei dieser mit den Farben der Konkurrenz unterlegt ist und fragen, welches A……… man diesmal zu wählen gedenke. Andy Warhol hat gestalterisch Marilyn Monroe auf diese Weise bearbeitet, die Rockgruppe Queen hat so ein missratenes Plattencover gestaltet. Man fragt sich nur: Warum fehlt hier der braune Arsch?

Trotz alledem: Ich will dieser Demokratie dienen. Meine Heimatstadt hat mich als Wahlvorsteher eingeteilt. Da werde ich ganz korrekt sein. Ich halte Wort.

 

Gipfel-Mutti Merkel besiegt die Flut

Ganz oben stehen, den Blick bis zum fernen Horizont schweifen lassen, gütig hinabsehen ins Tal der Tränen mit all seinen kleinen und großen Problemen. Welcher Mensch möchte das nicht genießen? Ja, der Gipfel ist der Platz der großen Lenker(innen) dieses unseres Daseins. Und wir Deutschen sind gebenedeit unter den Völkern. Denn für uns sorgt die treue Gipfel-Mutti.

Es ist eines der großen Erfolgsrezepte der Angela Merkel, dass sie weitgehenden Politikverzicht durch eine vermeintliche Höhe ihres Denkens und Handelns kaschiert. In ihrer Regierungszeit ist unsere Demokratie zu einem mittleren Hochgebirge herangewachsen. Wohin das Auge blickt, gibt es Gipfel. Integrationsgipfel, Bildungsgipfel, Elektromobilitätsgipfel, Eurokrisenbankenrettungsgipfel, und, und, und…

Nun plant sie den nächsten Coup, den Flutgipfel. Es ist also angedacht, dass sich wichtige Menschen ganz oben treffen, ein wenig miteinander plaudern, ehe Angela Merkel sowie vermutlich der einzig wahrhaftige Nettozahler Markus Söder den Hahn aufdrehen, so dass sich ein Strom von Geld heilend ins versunkene Land ergießt. Spontan wirkt dieses Bild beängstigend. Die Flut durch eine Flut zu bekämpfen, ist schon verwegen. Doch andererseits: Es gibt ja noch Wolfgang Schäuble. Und der wird schon dafür sorgen, dass der Strom der Rettung ein Rinnsal bleiben wird.

Andererseits: Gelingt die Übung, ist der Weg endgültig frei für Politik aus der Höhenluft. Wir freuen uns auf den Mietpreisbremsengipfel, den Gammelfleischvernichtungsgipfel, den Windkraftgipfel und den Wetten, dass…?-Moderatorensuchegipfel. Die Näherinnen in Bangladesh werden glücklich sein, wenn sie einen Großauftrag mit schwarz-rot-goldenen Gipfelmützen nähen dürfen. Mit 20 Prozent Neoprenanteil, so dass eine ganze Nation an den Rockgipfel der Kik-Ikone Verona Pooth hängt.

Es wird schön werden, wenn Philipp Rösler ein Gamsbart wächst. Während seine Chefin endgültig in die Daseinsform der unabwählbaren Regentin hinübergleitet. Nie mehr Hektik im Bundeskanzleramt, sondern nur noch Goethe: “Über allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln spürest du, kaum einen Hauch. Die Opposition schweigt im Walde. Warte nur, balde
ruhest du auch.” Amen.

Wenn der Doktortitel zum Fluch wird…

Schlimm, schlimm: Annette Schavan, Forschungsministerin im Kabinett von Angela Merkel, darf ihren Doktortitel nicht mehr tragen. Dieses Ereignis wird an einer bedeutenden Säule unserer Gesellschaft rütteln. Doktortitel verlieren an Glanz. Sie entwickeln sich zum Fluch, tragen die Gefahr in sich, irgendwann im Leben zum Makel zu werden.

Früher platzten die Familienoberhäupter vor Stolz, wenn es Tochter oder Bub zum Doktor gebracht hatten. War es doch der Beweis, dass die eigenen Gene intelligenztechnisch in Ordnung waren und dass die Erziehung des Kindes im Großen und Ganzen in Ordnung war. Ein “Dr.” im Pass war etwas Seltenes, etwas wirklich Vorzeigbares. Heute aber herrscht Inflation, werden in Deutschland pro Jahr 25.000 Doktorarbeiten eingereicht. Wobei das oft zwanghaft geschieht. So ist vielen Geisteswissenschaftlern bewusst, dass sie ohne akademischen Grad beruflich nur schwer über das Herumschubsen von Einkaufswagen hinauskommen. Andererseits gibt es Familien, in denen der Doktortitel zum guten Ton, gewissermaßen zur Grundausstattung der Abkömmlinge gehören. Ein gewisser Karl Theodor zu Guttenberg fällt in diese Kategorie.

Während man bei diesem stets perfekt lackierten Landbaron schnell daran geglaubt hat, dass er ein eitler Blender ist, ist uns das bei Frau Schavan sehr schwer gefallen. Sie sieht eben nicht so aus wie eine Frau, die sich fröhlich und kokett über Regeln hinwegsetzt. Nicht mal vor 33 Jahren, als sie ihr Werk mit übergroßer Hornbrille geschrieben hat. Annette Schavan wirkte auf uns wie der Prototyp der korrekten Pflichterfüllerin.

Aber kann sie jetzt Forschungsministerin bleiben? Grundsätzlich ja. In der Politik war es noch nie erforderlich, dass Menschen in Spitzenämtern eine nachgewiesene Vorbildung mitbringen. Schon mancher Minister hat lustig von heute auf morgen die Stühle gewechselt. Philipp Rösler etwa, der als Arzt zum Gesundheitsminister geworden war, wechselte aus persönlichen und politischen Gründen ins Wirtschaftsressort. Heute gilt er als Blinddarm der FDP. Markus Söder, bayerischer Finanzminister und erfolgreiches Marylin-Monroe-Double, schrieb seine Arbeit über das Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818″. Die schlechte Benotung spricht übrigens gegen ein Plagiat.

Nein, in der Politik ist es nicht notwendig Doktor zu sein. Dagegen spricht zum Beispiel der famose Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, der Doktor ist. Dagegen spricht aber auch Kristina Schröder, ihres Zeichen promovierte Soziologin. Muss sie als Politikerin wirklich sein? Wohl nicht. Ministertitel werden aber nicht von Universitäten aberkannt. Sondern von Angela Merkel oder von den Wählern. So lasst es bald geschehen.

Von First Lady bis Neonazis: Die Hirndübel-Top-Ten 2012

Noch ein Jahresrückblick? Muss das sein? Muss nicht, kann aber – also biete ich mit diesem Beitrag das Hirndübel-Best-Off von 2012.

Ich klaue damit eine Idee meines Kollegen Peter Viebig. Er hat zurückgeschaut, was in seinem vipraum im alten Jahr am häufigsten angeklickt wurde. Logisch, die meistgesehenen Beiträge müssen nicht die besten gewesen sein. Es kommt ja auch darauf an, an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit man postet, ob eine Geschichte über soziale Netzwerke weiterverbreitet wird, undsoweiter. Aber die Leser(innen) haben ein gutes Gespür dafür, was interessant, intelligent oder witzig ist. Es kommt kaum vor, dass Gelungenes bezeihungsweise Relevantes ignoriert wird.

Klicktechnisch die Nummer 1 von 139 Beiträgen war der Text über unsere Nürnberger “First Lady”, Daniela Schadt. Das berührt die Frankenherzen, zudem wirkt meine Herkunft als Ex-Gesellschaftsreporter nach. Sehr erfolgreich war auch eine – national betrachtet – Verrätergeschichte: Ich habe dem Fußballgott für die EM-Niederlage gegen Italien gedankt. Das große Fußballturnier landet mit Betrachtungen zu den verschiedenen Tier-Orakeln auch noch auf Platz 8.

Auch das (doofe) Fernsehen interessiert immer. Deshalb gab es Platz 3 für den Beitrag “Verblöden mit dem Bachelor”. Platz 4 für einen Beitrag über das Meldegesetz überrascht mich, dagegen ist Platz 5 für meinen Vorschlag, Markus Söder zum König von Griechenand zu ernennen, aus meiner Sicht normal. Markus Söder ist in unserer Region vom Aufmerksamkeitswert her so etwas wie die Tatjana Gsell der großen Politik. Also ein zuverlässiger Quotenbringer.

Unerwartet oft geklickt war ein Video über die DJ-Ausbildung im Jahr 1969. Es kam auf Platz 6. Dagegen landete der Beitrag über die Promi-Saufbilanz beim Bundespresseball schon wegen seiner gesellschaftlichen Bedeutung zurecht auf Platz 7. Platz 9 gab es für einen Beitrag über die Folgen von Stromausfällen. Und ebenfalls in den Top Ten landete der Aufruf, gegen Nazis klare Kante zu zeigen.

Hier also meine Meistklick-Liste für 2012:

1. Glückwunsch an unsere First Lady

2. Lieber Fußballgott, Du bist so weise

3. Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

4. Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

5. Markus Söder, unser neuer König von Griechenland

6. Ein DJ braucht saubere Finger

7. In Stadion oder Ballsaal: Der Alkohol lenkt alles

8. EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

9. Wenn der Strom ausfällt, wächst das Vertrauen

10. Gegen Nazis hilft nur die klare Kante

CSU-Affäre, oder: Die Macht der Problembären

Wie können die bloß so blöd sein? Angesichts der Drohanruf-Affäre der CSU schießt einem diese Frage ganz zwangsläufig durch den Kopf. Spätestens seit Christian Wulffs Absturz hätte eigentlich klar sein sollen, dass derartige Aktionen gegen die Pressefreiheit äußerst gefährlich sein können. Warum ist es trotzdem passiert?

An Übereifer beim bisherigen CSU-Sprecher Hans Michael Strepp glaube ich nicht. Trotz aller Dementis. Denn der Versuch, durch “gut gemeinte Hinweise” Einfluss auf Medien zu nehmen, ist seiner Partei keineswegs fremd. So hat Markus Söders Ex-Sprecherin Ulrike Strauß beim Bayerischen Rundfunk erfolgreich gegen einen Beitrag interveniert. Vor allem aber lokale Medien werden das bestätigen.

Dazu muss man wissen, dass die CSU ihrem Wesen nach keine Großstadtpartei ist. Typische Themen oder Probleme der Zentren – Ablehnung von Institutionen, Vereinzelung, hoher Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit, Straßenkriminalität, unkontrollierte Kreativität – sind ihr zuwider. Toleranz steht im Wertesystem der CSU nicht ganz weit oben. Sie ist mehr die Partei des “gesunden Menschenverstandes”, der mit Geranien geschmückten Eigenheime, der eifrig genutzten Beichtstühle und der Feuerwehrfeste. Laptop ja, aber bitte mit mentaler Lederhose. Dort, wo erfolgreiche Milchviehhalter Vip-Status haben, atmet der Geist der Christsozialen besonders frei. Ihr Generalsekretär Alexander Dobrindt stammt aus Peißenberg. 12.500 Einwohner hat diese Marktgemeinde. Das passt perfekt.

In solchen Umgebungen ist es normal, dass einer Partei wie der CSU nicht nur der verfassungsgemäße Beitrag zur politischen Meinungsbildung zukommt. Vor allem dort, wo sie unangefochten regiert, bestimmt sie auch gerne mit, was in der Zeitung steht. Die Ermahnung an Journalisten, dass man doch das Wohl der Stadt sehen möge, ist wohlbekannt.

Wir haben es also mit einem Problem der Mentalität und dem Verhältnis zur Macht zu tun. Die CSU war nach ihrer Wahlpleite von 2008 bescheidener geworden. Wenn aber, wie jüngst, die Umfragewerte nachoben gehen, werden die alten Denkmuster neu stimuliert. Und dann wird es gefährlich.

Das können Menschen treffend beschreiben, die das Innenleben der CSU bestens kennen. Wie etwa die allgemein kaum mehr ernstgenommene frühere “schöne Landrätin” Gabriele Pauli. Sie hat zum aktuellen Geschehen Pressemitteilungen verschickt. Ich leiste mir den Luxus, daraus zu zitieren:

“‘Wenn Horst Seehofer die CSU als ‘bärenstark’ bezeichnet, fallen mir sofort die Probleme mit dem ‘Schadbären’ Bruno aus dem Jahr 2006 wieder ein. Man weiß ja, wie die Sache damals ausging, selbst der starke Bär wurde erlegt. Die Partei lullt sich derzeit mit bestellten honigsüßen Umfragen selbst ein. Die Partei hat nach wie vor ein grosses Frauenproblem und viele männliche ‘Problembären’. Erst maulen sie über Monate hinweg lauthals gegen Merkels Europapolitik und fordern das Zudrehen des Geldhahns für Griechenland. Aber wenn die Kanzlerin beim Parteitag im Saal spricht, wirken Seehofer, Dobrindt und Söder wie kuschelige Teddybären und tanzen nach Merkels Taktstöckchen.”

Und zur Anrufaffäre lässt Pauli verbreiten: “Die CSU von 2012 unterscheidet sie in ihrer Skrupellosigkeit nicht von der CSU unter Edmund Stoiber. Sie ist machtvergessen und machtversessen. Die DDR wurde nicht aufgelöst, in Bayern lebt sie noch.” Paulis Fazit zum missratenen Telefonat: “Das ist der Anfang vom Ende der CSU bei der Landtagswahl 2013.”

Interessante Analyse, verwegene Prognose. Würde beides stimmen, wär’s ein Wunder.



Dem Franken-Tatort auf der Spur

Franken bekommt endlich seinen Tatort. Und dieser Krimi wird bestimmt in düsteren Ecken spielen? Wer aber soll die wichtigsten Rollen übernehmen? Welche Todesart wird dem ersten Opfer zugedacht sein? Eine erste Spurensuche per Video – natürlich mit Ermittler-Hut…
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Markus Söder, unser neuer König von Griechenland

Mal Baggerfahrer, mal Bergsteiger: Markus Söder

Mal Baggerfahrer, mal Bergsteiger: Markus Söder. Foto: Gerullis

Von Joschka Fischer stammt die Erkenntnis, dass ein Amt den Menschen mehr verändert als der Mensch das Amt. Bei Markus Söder hat man sich das erhofft. Man hätte meinen können, dass er als Herr über die bayerischen Schlösser und Seen sukzessive königlichen Sanftmut entwickelt. Aber Nein. Söder bleibt ein Haudrauf. Zurzeit knöpft er sich die Griechen vor.

Die Hellenen müssten, so meint er, schleunigst raus aus der Eurozone. Das sei wie beim Bergsteigen: “Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich mit in den Abgrund zu reißen, musst du das Seil kappen.” Überhaupt müssten die Griechen selbstständiger werden. Denn “irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen”.

Aber macht sich Markus Söder nicht bloß ehrliche Sorgen um sein Franken- und Bayernland? Quatsch, er macht sich Sorgen um seine Partei. Die Dominanz der CSU im Freistaat ist gefährdet, und deshalb besinnen sich ihre Strategen auf alte Traditionen. Nämlich darauf, dass die Partei immer dann am erfolgreichsten war, wenn sie vorgeben konnte, das Land gegen einen bösen Feind zu verteidigen. Egal, ob von innen oder außen. Hauptsache, es galt das “mir san mir”.

Kostproben gefällig? 1949 wurde  der Slogan “Ich bin Christ, bin Bayer und Deutscher. Darum wähle ich CSU” plakatiert. 1953 hieß es: “Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!”. 1957 kam der Spruch “Denkt an Ungarn: Seid wachsam!”. Weiter ging es mit “Setzt Deutschland nicht aufs Spiel” (1961), “Die Enteignung ist bei der SPD einkalkuliert!” (1972) und dem legendären “1976 Jahr der Entscheidung Freiheit oder Sozialismus”. 1980 warb die CSU mit dem Spruch “Endstation Volksfront”, 1986 mit  “Gegen Terror und Gewalt. Den inneren Frieden sichern” und 1990 mit “Schluss mit dem Asylmissbrauch”.

Mal waren es die Kommunisten und Sozialisten, dann die Ausländer, die Sozialhilfeempfänger und später die Islamisten. Immer war das weiß-blaue Biotop für Laptop und Lederhosen bedroht. Und immer gab es nur eine Rettung: Die CSU.

Jetzt also leben die Monster im Süden Europas. Die Griechen, die mit ihrer unfassbaren Faulheit, ihren falschen Zahlen und ihrer grundsätzlichen Unfähigkeit die bayerische Idylle und das christliche Abendland insgesamt in den Abgrund ziehen. Da kappen wir das Seil. Sollen sie doch samt ihren Faulenzer-Inseln in den Fluten der Ägäis versinken.

Wie es richtig geht, wüsste unser Finanzminister, wenn er nur einen Funken Geschichtsbewusstsein hätte. Seit 1826 war Griechenland völlig überschuldet. Und um Kredite von 472.000 britischen Pfund sowie 60 Millionen Drachmenedit durch England, Frankreich und Russland politisch abzusichern, haben die europäischen Großmächte von außen eine Monarchie installiert. 1832 wurde der bayerische Prinz  Otto, Sohn von König Ludwig I. von Bayern, als Otto I. König von Griechenland.

Was damals funktioniert hat, kann heute nicht schlecht sein. Es wäre doch wunderbar, wenn König Markus I. bei Heimweh auf der Akropolis den Frankenrechen hissen ließe. Mit der Verwaltung von Schlössern kennt er sich ja schon mal aus.

 

 

Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder sorgt für saubere Luft.

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.

Der Kampf schien vorbei, das Problem befriedet: Mit dem schärfsten Rauchverbot aller Zeiten wurde Frieden zwischen den Menschen mit und ohne Mundgeruch geschaffen. Schien es. Doch wir wissen, dass eine funktionierende Bürokratie und eine mitfühlende Politik für jedes Problem stets noch eine offene Frage findet.

In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.

An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.

Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.

Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!

Die Männer und ihr unverstandener Gedenktag

Es ist tragisch. In diesen wirren Zeiten gibt es sogar unverstandene Gedenktage. Der Weltmännertag gehört dazu. Und das liegt – unter anderem – an Deppen wie mir.

Am Donnerstag stand dieser Spezialtag im Kalender. Ich habe mir da einen witzig-emanzipatorischen Akt eingebildet. Einen Tag, an dem es den Männer erlaubt wäre, sich auf dem Sofa fläzend am ganz persönlichen Lagerfeuer zu wärmen und in die weite Steppe deiner Seele zu schauen. Ohne dass dich eine wohlvertraute Stimme fragt: “Schatz, geht’s Dir nicht gut?”

Ich hatte an eine Art Vatertag auf höherem intellektuellen Niveau gedacht. An einen Tag, an dem es kein Problem wäre, mit einem SUV auf die Jagd nach etwas Unbestimmtem zu gehen. An dem ungesundes Essen eine Freude sein und schlechte Manieren toleriert würden. Mit anderen Worten: Ich träumte von 24 Stunden der evolutionsgerechten sinnvollen Verortung des Mannes in dieser Gesellschaft. Und aus all diesen Gründen hielt ich die Wahl von Markus Söder zum bayerischen Finanzminister für ein starkes Signal der CSU zu diesem Anlass. Mehr Testosteron hat ja keiner.

Aber es ist ganz anders: Der Weltmännertag soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. Das sagt sein Erfinder, Michail Gorbatschow. Jawoll, jener Gorbatschow, der das große russische Reich in den Untergang getrieben hätte, wenn Putin nicht gekommen wäre. Wir sollen weniger Wodka oder Bier saufen, sollen stattdessen mehr auf unseren Körper achten – und uns so in Sachen Lebenserwartung Zug um Zug an die Frauen heranpirschen.

Ich frage: Ist das wirklich die richtige Reaktion auf den wackeligen Zustand der Sozialsystems im Allgemeinen sowie der Rentenkassen im Besonderen? Ich bin skeptisch. Genauso, wie ich skeptisch bin, was der Erfolg des Weltmännertages angeht.

Ich denke da an den Weltfrauentag. Dieser hat jede Menge Forderungen, mit denen sich die Welt verbessern ließe. Bloß: Am Muttertag ist trotzdem viel mehr los.