Macht ist hässlich. Aber sie gehört zum Leben

Macht ist uns zuwider. Als gute Demokraten möchten wir Andersdenkende ausschließlich mit Argumenten von unserer Meinung überzeugen. Die Idee, uns mit mehr oder weniger sanfter Gewalt durchzusetzen, gefällt uns nicht. Jedenfalls würden wir das von uns behaupten. Das Problem: Macht gehört zum Leben.

Das erleben wir gerade aus einer Richtung, die wir bis vor kurzem nicht gekannt haben. Die Türkei hat erreicht, dass sich die Bundesregierung von der Armenien-Resolution des Bundestages distanziert hat. Jedenfalls hat diese festgestellt, dass dieser Beschluss keine rechtlichen Folgen hätte. Das passt uns gar nicht. Dieses in unseren Augen immer noch rückständige Land mit seinen Macho-Politikern, will uns vorschreiben, was Meinungsfreiheit ist? Unsere Angela Merkel kuscht vor dem Wüterich vom Bosporus? Wenn hier jemand die moralische Kraft hat, andere zu belehren – dann doch wir.

Falsch gedacht. Da die Türkei bis auf Weiteres die faktische EU-Außengrenze zu Kriegsgebieten ist, hat sie hierzu die Macht. Präsident Erdogan braucht für eigene Propaganda-Zwecke ein paar nette Worte? Dann wird das gemacht.

Nehmen wir Apple. Dieser Konzern hat sich bleibende Verdienste um die Welt erworben, weil er zur rasanten Verbreitung der größtmöglichen Ablenkungs-Spielzeuge erworben hat. Dieses Unternehmen ist also schwer in Mode, weshalb es Länder gerne auf ihrem Territorium ansiedeln möchten. Apple residiert mit seiner Europa-Zentrale in Irland, seine Deutschland-Filiale hat ihren Sitz in München.

Nun hat die EU-Kommission den Konzern zu einer Nachzahlung von 13 Milliarden Euro an den irischen Staat verdonnert. Und siehe da: Irland will das Geld gar nicht, der bayerische Finanzminister Markus Söder winkt schon mal ab. Apple hat die Macht, den Standort zu wechseln. Es soll bitte bleiben, wo es ist. Wofür hat ein Gemeinwesen die arbeitende Bevölkerung?

Auch da ist sie wieder, die böse, böse Macht von oben. Wir wenden uns mit Grausen ab – und liegen falsch. Schließlich sind solche Fragen auch unser Alltag. Etwa dann, wenn wir mit einem Vorschulkind in die Quengelzone der Supermarktkasse vordringen. Auch dann geht es darum, wer sich durchsetzt.

Am Ende ist es die alte Leier. Man kann mit uns alles machen, wenn wir es uns gefallen lassen. Das Sofa ist bequem. Aber Macht entsteht dort nicht.

„Seine Exzellenz“ Seehofer: Gemach, der Frankenkönig lauert

Seine Exzellenz! Ministerpräsident Horst Seehofer darf sich zwar in überragenden Zustimmungsquoten seiner Bayern, noch mehr aber der AfD-Anhänger sämtlicher Bundesländer sonnen. Aber um wirklich angemessen verehrt zu werden, muss er immer noch ins Ausland. Sein ungarischer Männerfreund Viktor Orbàn tat ihm jetzt den Gefallen. Anlässlich der jüngsten Begegnung in Budapest umschmeichelte er den CSU-Vorsitzenden mit dem wahrhaft edlen Titel.

Wichtig: Die Initiative kam von den Ungarn. Wäre es anders gewesen, müsste sich Horst Seehofer den Vorwurf der Hochstapelei gefallen lassen. Als „Exzellenz“ werden nämlich nach dem heutigen Protokoll die Staatsoberhäupter beziehungsweise Regierungschefs fremder Staaten angesprochen. Dies gilt nicht für Teilstaaten, wenngleich zu konstatieren ist, dass Bayern weiten Teilen Deutschlands fremd geworden ist. Weitere Exzellenzen sind der Apostolische Nuntius, katholische Bischöfe und orthodoxe Vikariatsbischöfe.

Auch Persönlichkeiten mit dem Rang Großkreuz oder Großkomtur eines Ritterorden werden mit diesem Titel untertänigst begrüßt. Das kommt der Sache nahe, schließlich haben sich in Budapest zwei veritable Ritter des Abendlandes die Pranken gereicht.

Horst Seehofer war der Titel „Seine Exzellenz“ gewiss nicht peinlich. Bereits 2007 war als „Botschafter des Bieres“ so geehrt worden. Jenes Bieres, dessen Reinheitsgebot vor 500 Jahren in seiner Heimatstadt Ingolstadt ausgerufen worden ist. Als CSU-Ministerpräsident sieht er sich zudem sowieso  in direkter Linie mit dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher, welches über Jahrhunderte hinweg das schöne Bayern regiert hat. Haltung und Selbstbewusststein entscheiden, weshalb die mögliche Unterbrechung der Erbfolge durch demokratische Wahlen vernachlässigt werden darf.

Gerade in diesen Tagen bezieht sich der CSU-Chef auf die Wurzeln der Wittelsbacher. Einer ihrer Urväter, Arnulf der Böse, wurde im Jahr 919 zum deutschen Gegenkönig gewählt, unterwarf sich aber in letzter Konsequenz Heinrich von Sachsen. Die Bayern und die Ossis – man kennt das.

Wirklich unschön für den Landesvater ist allerdings der Ursprung von „Seine Exzellenz“. Zuerst führten diesen Titel unter anderem die Franken-Könige. Horst Seehofer kann die Grenzen noch so mutig schützen – diesen Markus Söder kriegt er nicht mehr richtig von der Backe.

Burka-Frauen, zeigt das Gesicht!

Eine wissenschaftliche Studie über Islam-Diskussionen brächte wahrscheinlich dieses Ergebnis: Spätestens nach 24 Minuten fällt das Stichwort „Burkaverbot“. Das Warnen vor der Bedrohung der abendländischen Kultur durch weibliche Ganzkörper-Verhüllung gehört einfach zum Repertoire der Religionskritiker. Zuletzt äußerte sich dazu die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

„Es passt nicht in unsere Kultur, sich zu verbergen – und es widerspricht unserer Vorstellung von einer Gleichberechtigung der Frau“, ließ die CSU-Politikerin verlauten. Sogar Touristinnen sollten sich bekleidungsmäßig an die hierzulande herrschende Mode anpassen.

Gut, so genannte „Dresscodes“ kennt man. Es gibt Erwartungen, wie man gekleidet sein sollte, wenn man irgendwo Einlass begehrt. Zur Beerdigung kommt man nicht in Knallbunt, zur Hochzeitsfeier nicht in der Monteurs-Latzhose und ins Opernhaus geht man nicht in der Kittelschürze. Aber kann man das auf ein ganzes Land übertragen? Burka weg – und schon gibt’s das rosa Armbändchen für die große Non-Stop-Bayern-Party?

Ilse Aigner fordert das Anpassen von Touristinnen auch deshalb, weil sie das selbst tue. Bei einem Iran-Besuch habe sie ein Kopftuch getragen. Allerdings gibt es einen Unterschied: Anders als Iran hat Deutschland ein Grundgesetz, das den Menschen größtmögliche Freiheit gewährt. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist darin garantiert

Grundrechte sind dann einzuschränken, wenn sie ausgenutzt werden könnten, um anderen Menschen zu schaden. Bei Großveranstaltungen mit Personenkontrollen oder bei Kundgebungen muss das Gesicht gezeigt werden. Auch Ausweiskontrollen gehen mit Burka nicht. Die Kränkung des mehrheitlichen ästhetischen Empfindens reicht aber nicht für Verbote.

Es gibt ein weiteres Argument dafür, dass es kein Burkaverbot geben wird. Im September 2010, also vor über fünf Jahren, hatte es der heutige Finanzminister Markus Söder mit größter Vehemenz gefordert. Wenn er es nicht geschafft hat, bleibt nur dieses Fazit: Das Burkaverbot erreicht nicht die politische Relevanz von Betreuungsgeld oder Pkw-Maut. Schlagzeilen erzeugt es aber allemal.

Paris: Schaltet die Lautsprecher ab

Paris war ein Schock. Auch Menschen wie mir, denen ansonsten zu jedem Thema etwas einfällt, haben die Worte gefehlt. Einigen anderen Leuten möchte man diese Sprachlosigkeit ein bisschen länger wünschen. Die politischen Lautsprecher waren viel zu schnell auf Sendung.

„Paris ändert alles“, funkte der bayerische Finanzminister Markus Söder auf Twitter. Alles? Wirklich? Hat sich das Ozonloch geschlossen? Sind Einkommen und Vermögen plötzlich gerecht verteilt? Was bezweckt ein Politiker, indem er ein sowieso unbegreifliches Geschehen zusätzlich überhöht?

Söders Parteichef Horst Seehofer pfiff ihn zwar zurück, sang dann aber doch wieder das Lied von den gefährlichen Eindringlingen. Es dürfe nicht mehr sein, dass sich Fremde unkontrolliert in diesem Land bewegten. Was also machen wir mit schwarzhaarigen Touristen auf dem Christkindlesmarkt? Passkontrollen am Glühweinstand?

Es gibt auch ein anderes Phänomen. Wer leise redet, verwendet schreiende Begriffe. So etwa Bundespräsident Joachim Gauck, wenn er von „einer anderen Art von Krieg“ spricht. Das Wort „Krieg“ entspricht der Propaganda der Terroristen. Müssen wir deren Sprache übernehmen?

Nein, müssen wir nicht. Denn es sind Mörder, die es weder bedeutender noch besser macht, dass sie von ihren kriminellen Auftraggebern mit pseudo-religiösem Unsinn motiviert werden. Sie bringen den Tod durch Kalaschnikows oder Sprengstoff an viele Orte der Welt.

Gewinnen dürfen sie nicht. Ebenso wenig wie jene, die Hass gegen Fremde predigen. Deutsche Faschisten und islamistische Killer sind Brüder im Geiste. Begegnen kann man ihnen nur mit einer klaren Haltung und dem Bekenntnis zur Freiheit. Das Gebrüll der Lautsprecher braucht es dafür nicht. Schalten wir sie ab!

 

 

Griechenland, die Krönungskrise für die CSU

Ach, hätten unsere Politiker doch mehr Mut. Der Nicht-Grexit würde anders ausfallen. Nehmen wir bloß die CSU: Sie hätte die Chance gehabt, ihren Ur-Traum zu verwirklichen, unmittelbar in die Fußstapfen der Wittelsbacher zu treten und eine nach-parlamentarische Monarchie zu errichten. Mit König Horst, Prinz Markus und Prinzessin Ilse. Aber nix war’s.

Gerade Bayern hat Hellas viel gegeben. Nachdem ein damals 16-jähriger Wittelsbacher-Spross im Jahr 1832 als Otto I. König von Griechenland gekrönt worden war, gab es zahlreiche Veränderungen. Das Bayerische Reinheitsgebot wurde eingeführt, weshalb die Griechen bis heute ein ordentliches Bier brauen. Die weiß-blaue Flagge folgte farblich dem freistaatlichen Vorbild, die originellen Trachten der Athener Palastwachen wurden von Ottos Gemahlin Amalia entworfen.

Es geht sogar die Sage, dass das damals gängige Wort „Baiern“ wegen der königlichen Beziehungen nach Griechenland geändert wurde. Das „i“ kommt im griechischen Alphabet nicht vor, das „y“ sehr wohl.

Und in diesen Jahren der Euro-Krise regiert eine Partei in Bayern annähernd monarchisch. Ohne die CSU geht nichts, Opposition wird mit erledigt.  Also sieht man sich gewiss in der Nachfolge des alten Herrschergeschlechts. Aber taugt man auch dazu? Eine wenigstens zeitweise Wieder-Übernahme Griechenlands, der „GrEnter“, wäre als Lackmus-Test für dieses Projekt ideal gewesen.

Doch nicht einmal der ansonsten so zupackende Finanz- und Heimatminister Markus Söder hat hierfür den Mut. Er, der Herr über die bayerischen Schlösser und Seen ist und er, der sich energisch an die Wiederbelebung des seit vielen Jahren stillgelegten Nürnberger Fernsehturm-Restaurants macht, zeigt den Hellenen die kalte Schulter. Lieber verteilt er Schulnoten für deren Reformbemühungen – in einer Bandbreite zwischen Fünf minus und Sechs.

Ich hatte ihn in diesem Blog vor knapp drei Jahren, am 7. August 2012, als König von Griechenland vorgeschlagen. Söder jedoch wählte die Rolle des großtmöglichen Grexit-Propheten. Mit den unvergessenen Sätzen „Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich mit in den Abgrund zu reißen, musst du das Seil kappen” und “Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen”.

Tja, es kommt anders. Tsipras sitzt wieder am Tisch von Mutti. Die CSU aber mault und mault und mault. Sie ist eben doch nur christsozial und gar nicht königlich.

PS.: Der Ausgewogenheit halber sei angemerkt: Nach König Ottos Sturz im Jahr 1862 beliefen sich die Schulden Griechenlands gegenüber dem Staat Bayern auf 1.933.333 Gulden und 20 Kreuzer oder 4.640.000 Drachmen. Ohne das letzte Darlehen von einer Million Gulden, das König Ludwig ermöglichte, hätte Griechenland den Staatsbankrott anmelden müssen. Die Nicht-Rückzahlung der Darlehen belastete bis zu der abschließenden Verhandlungslösung 1881 die griechisch-bayerischen Beziehungen sehr…

 

 

Du böser, böser Souvlaki-Finger!

Diese, unsere Welt hat schon viele schlimme Dinge gesehen und gehört. Kriege, Massaker, religiös verbrämten Wahnsinn, verheerende Wirbelstürme. Doch nun ist die Schmerzgrenze überschritten. An heiligen Sonntag saßen wir vor dem Fernsehgerät und haben das denkbar Übelste erlebt: den Souvlaki-Finger!

Da hat also der supercoole Athener Finanzrocker Yanis Varoufakis in einem Youtube-Video im Jahr 2013 über Deutschland geredet und dabei mutmaßlich den Stinkefinger nach oben gestreckt. Ganz so, also wollte er in griechischer Manier zwei Fleischbrocken darüber schieben. Zu besichtigen war das Ganze in der Talkshow von Günther Jauch.

Varoufakis dementierte sofort. Er behauptete, das Video sei gefälscht, weshalb nun nicht nur der Macher des Filmchens, ein gewisser Alessandro del Prete, beleidigt ist. Zusätzlich lässt es die Redaktion des Talkmasters Jauch von gewieften Video-Forensikern sezieren. Das Ziel: Schnellstmöglich soll die ganze Wahrheit ans Licht.

Bei dieser Gelegenheit sollte aber auch gleich geklärt werden, ob der ausgestreckte Mittelfinger in Griechenland tatsächlich als dramatische Beleidigung gilt. Die Verletzungsgrade durch Gesten und Worte sind ja regional sehr unterschiedlich.

Ein Beispiel: Sagt ein Grieche Kolotripida, heißt das Arschloch und ist böse gemeint. In meiner fränkischen Heimat kann Arschloch, oder besser Oorschluuch, bei entsprechendem Kontext und Sanftheit der Stimme eine Liebkosung sein. Der nach oben gestreckte Daumen wird in Deutschland, den USA und bei Facebook als „sehr gut“ verstanden. In Russland und im Mittleren Osten  ist er eine Aufforderung zum Sex, in Griechenland gilt er als Beschimpfung. Wer sich an die Stirn tippt, zeigt bei uns den Vogel, in Rumänien jedoch seine Bewunderung für eine gute Idee.

Nehmen wir aber mal an, dass der ominöse Mittelfinger eine global Wüstheit darstellt: Dann wäre immerhin noch zu berücksichtigen, dass der griechische Finanzminister heute für eine (dementierte) Geste aus einem früheren Leben an den Pranger gestellt wird. Die Schwere jeder Tat verblasst jedoch mit der Zeit. Außerdem: Hat nicht ein Politiker namens Peer Steinbrück im Wahlkampf den Mittelfinger ausgestreckt?

Dieser wiederum war deutscher Finanzminister. Und könnte ein Grieche unserer Tage auf diesem Planeten überhaupt ein größeres Vorbild als einen Träger dieses hohen Amtes haben?

Hinzu kommt, dass der Grieche im Sonntags-Talk wie gewohnt behandelt wurde, nämlich herablassend. Er möge doch nicht so viele Interviews geben, sondern seine Hausaufgaben machen, lautete der Auftrag des bayerischen Amtskollegen Markus Söder. Und der als politischer Journalist wie immer überforderte Günther Jauch attestierte Varoufakis am Ende des Gesprächs höchst generös: „Sie haben sich tapfer geschlagen.“

Mal ganz ehrlich: Wenn da ein Finger zuckt – könnte man es nicht verstehen?

 

 

Bassd scho, Markus. Wir schau’n Dich dahoam

„Staatsferne sichern!“ So erschallt der Ruf anlässlich des Auftritts unseres Heimat- und Finanzministers Dr. Markus Söder in der bayerischen Fernseh-Soap „Dahoam is dahoam“. Die TV-Macher hätten sich wie in alten Zeiten an die Mächtigen des Freistaats herangewanzt, schimpfen die Kritiker. Auch wenn es mir nicht leicht fällt: Ich widerspreche.

Wir leben doch in Zeiten, in denen das Wahre, das Authentische, die Menschen am meisten interessiert. Die Einschaltquoten gehen hoch, wenn ein paar nette Leute ein verwanztes Wohnhaus auf Vordermann bringen, wenn Trödeltrupps die Garagen von gehbehinderten Rentnern ausräumen und wenn sich hässliche Entlein mit Hilfe eines stets verzückten Modedesigners in schillernde Shopping-Queens verwandeln.

Auch das berühmt-berüchtigte Dschungelcamp lebt davon, dass da Menschen gequält werden, von denen wir meinen, dass wir sie kennen würden.

Wenn schon Berti Vogts und Helene Fischer in Tatorten auftreten, warum nicht auch Politiker in einer Vorabend-Soap? Wenn diese in Bayern spielt, muss aber die Wahl zwangsläufig auf Markus Söder fallen. Horst Seehofer hat grundsätzlich immer Wichtigeres zu tun. Ilse Aigner wirkt stets ernsthaft, handlungsorientiert und verbissen. Sie ist somit allenfalls für eine Folge geeignet, in der es um verschärfte Kontrollen für Salmonellen, Rauchgasentgiftung, kommunale Streusalzverschwender oder irgendetwas Ähnliches geht.

Der Rest des bayerischen Kabinetts? Kennt keiner. Die Opposition? Auch unbekannt, seitdem Gabriele Pauli auf Sylt Sand-Rathäuser baut.

Also gilt in diesem Fall: Es konnte, es kann nur einen geben. Zumal wir alle wissen, dass sich dieser Mann für gar nichts schämt. Der zweite Freistaats-Bürger mit einem ähnlich starken Ego, Uli Hoeneß, ist gerade nicht für Fernseh-Rollen verfügbar.

Alsdenn: Hören wir auf zu schimpfen. Und schauen den Markus. Bei uns dahoam.

Meine Jahrescharts: Vom Tag der Schande bis zum Apple-Kult

Danke CSU! Ich bin froh, dass es Dich gibt. Nichts hat im Jahr 2014 für mehr Klicks gesorgt, als Betrachtungen zu Deinen politischen Vorschlägen. Dies zeigt der Blick auf meine Jahres-Klick-Charts.

Absoluter Renner war der christ-soziale Doppelschlag am 5. Dezember. Die CSu hat voll hingelangt und die Wahl des ersten Ministerpräsidenten der Linken zum „Tag der Schande“ im wiedervereinigten Deutschland erklärt.   Nebenbei wurde den Migranten noch mitgegeben, dass sie doch bitteschön zuhause Deutsch reden sollen. Bingo!

Rein ethisch ist meine Leserschaft gut sortiert. Sonst wäre der Beitrag „Die Gier siegt über die Gerechtigkeit“

nicht so famos geklickt worden. Thema des nach Klicks zweitplatzierten Beitrags war das erstaunlich milde Urteil gegen den Formel-1-Gauner Bernie Ecclestone.

TTIP, ein Aufreger-Thema vom Feinsten, stieß auch in meinem Blog auf Interesse. Kann man sich

Franzosen ohne Wein  vorstellen? Dafür gab’s Platz 3.

Platz 4 für ein Thema, das immer gut ankommt: Die unerfüllte Sehnsucht der Franken nach „Glämmer“ – in diesem Fall beschrieben am Scheitern des Nürnberger Opernballs.

Klick-Meistbeteiligung Nummer 5 für eine Betrachtung zu den Veränderungen, die moderne Kommunikationstechnik mit uns Menschen anrichtet: Der  Sims-Daumen kann keine Schönschrift.

Ein weiteres, mittlerweile erst recht politisches Thema bekam die sechstmeisten Klicks. Nämlich ein Kommentar zur Aufregung um die von ein paar Deppen gegründete Wuppertaler „Islam-Polizei“.

Auf den weiteren Plätzen folgten als Themen:

– Der neue Rekordpreis für die Oktoberfest-Maß.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/06/1010-e-franken-bestaunt-den-wiesn-mauerfall/

– Die Suche des bayerischen Finanzministers Markus Söder nach der Mitte Frankens.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/03/mit-dem-bobbycar-zur-vollkommenen-mitte/

– Das WM-Aus für galaktische Fußballer.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/16/wenn-messi-und-ronaldo-sterben/

– Schließlich: Die neue Super-Uhr der Super-Firma Apple.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/09/14/apple-hilf-wir-haben-keine-zeit/

In einer Hinsicht staune ich: Nicht in meine Charts geschafft hat es ein Beitrag über Helene Fischer. Er kam nur auf Rang 13. Nicht alle lesen eben atemlos…

 

 

 

Ob Krisenherd oder Lotto: Hohe Bälle machen glücklich

Ob man sich glücklich oder niedergeschlagen fühlt, hat immer mit der persönlichen Wahrnehmung zu tun. Pickel auf der Seele verursacht uns etwa das Gefühl, dass uns Informationen  intellektuell überfordern. Und dazu genügt mitunter die Lektüre einer einzigen Tageszeitung.

Darin steht beispielsweise, dass die Wirtschaft die Krisenherde spürt. Sofort fragt man sich, ob diese gegen die kalte Progression helfen, die uns ja gräßlich frösteln lässt. Man erfährt aber auch, dass sich die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, wegen einer Modellauto-Affäre im Kampfmodus befinde. Ihr Vorbild dabei sei die Superheldin Lara Croft.

Diese ist virtuell, wird aber leibhaftig von Angelina Jolie gespielt. Fragt sich also, wer Frau Haderthauers Brad Pitt ist. Horst Seehofer wäre – bei allem Respekt – für diese Rolle fehlbesetzt. Bleibt als hochrangiger Parteifreund Finanzminister Dr.Markus Söder. Und dieser wagt sich tatsächlich an schier übermenschliche Aufgaben. Ihm wird es zu verdanken sein, wenn Westmittelfranken in eine „neue Förderkulisse“ aufsteigen wird. Dank „dezentraler  Entwicklungsachsen“.

Wir wissen nicht, was das ist. Aber hier handelt ein Held. Oder? Gleichfalls lesen wir nämlich, dass der von ihm geschaffene Sandstrand am Wöhrder See in Nürnberg von Enten und Gänsen erobert wurde und gnadenlos zugekackt wird. Dieser Mann, der mit der geballten Landtags-Opposition je nach Lust und Laune mehr oder weniger heftig Schlitten fährt, kapituliert vor einer Ansammlung von Stadtgeflügel?

Wer soll sich da glücklich und geborgen fühlen? Letztlich sind wir – wie bei verrückten Lottozahlen – dem Zufallsgenerator des Lebens ausgeliefert. Doch wir resignieren nicht. Haben doch die deutschen U-19-Fußballer ihre  Europameisterschaft gewonnen. „Gegen tief stehende Portugiesen“, wie die Zeitung schreibt. Unsere Wahrnehmung ist eindeutig: Hohe Bälle machen glücklich.

Mit dem Bobbycar zur vollkommenen Mitte

Stolz sind wir Nürnberger auf das von unserem Finanzminister Markus Söder erfundene und geführte bayerische Heimatmuseum auf dem Lorenzer Platz. Bisher wusste bloß keiner,  was dort passsiert. Doch jetzt ist der erste große Coup gelungen: Der Mittelpunkt von Mittelfranken ist gefunden.

Exakt lokalisiert hat ihn die unbestechliche Bayerische Vermessungsverwaltung auf einem Acker bei Heilsbronn im Landkreis Ansbach. Also nahe jener Gemeinde, die bislang in erster Linie für ihr romanisches Münster bekannt war. Am Rathaus wurde eine Ehrentafel aufgestellt, zugleich wurde uns mit dieser Mitteilung Staunen gemacht: „Eine ausgesägte Platte mit den Konturen Mittelfrankens wäre in diesem Punkt perfekt ausbalanciert.“

Man fragt sich  zwar, wem dieses Wunder der Schwerkraft weiterhilft. Außer den Laubsäge-Gruppen unserer regionalen Volkshochschulen. Die Erkenntnis, dass die Australier als unsere Antipoden genau auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs wohnen, beeinflusst unser tägliches Leben ja auch nur sehr am Rande.

Jedoch: Die Mitte, der Mittelpunkt von etwas zu sein, ist immer ein gutes Werbeargument. Die Gemeinde Niederdorla in Thüringen ist als Mittelpunkt Deutschlands berühmt geworden, ihr germanisches  Opfermoor hat sie nicht so stark vorangebracht. Wo kein Mittelpunkt ist, wird es schwierig. Viel Zeit und Geld werden investiert, damit verkündet werden kann, dass Städte  „im Herzen“ von etwas liegen, dass sie „bunt“, „anders“, „weltoffen“ oder  „lebendig“ sind. Wer Standort einer Universität ist, wirbt mit seinem geballten Wissen oder verkauft sich als „Stadt der Moderne“.

Wer hingegen Mittelpunkt ist, hat es gut. Denn der Mittelpunkt ist der Nabel, der Nabel der kleinen und großen Welt. Und wenn die Mitte auch noch in Mittelfranken liegt, dann ist das sozusagen das Zentrum im Zentrum, der annähernd vollkommene Punkt definiert.

Und so etwas passt – ganz genau – zu unserem Vollblutpolitiker Markus Söder. Eine einfache Mitte wäre nicht sein Ding. Seine  Aktion erinnert weniger an den mit einer Warnweste bekleideten Landvermesser, als an den großen Visionär Jules Verne. Und so wird das Heimatministerium bald Exkursionen anbieten. „In 80 Tagen durch die Region“ werden sie heißen; zu absolvieren sind sie auf Bobbycars. Das Ziel der Tour wiederum ist klar: Irgendwo bei Heilsbronnn. Im Festzelt auf einem Acker.