Der Seehofer ist dem Söder sein Freund

Warum schlägt Horst Seehofer bloß so um sich? Und haut den armen Söders Markus? Ist er nun ein Politiker von Format, der das freistaatliche Schiff durch die Wogen der bayerischen Flüsse und Seen lenkt? Oder ist er Crazy Horst, der ewige Punk? Der es, wenn unter dem zu engen Anzug das Brustwarzenpiercing zwickt, so richtig krachen lässt? Bitte glauben Sie mir: Der Horst weiß genau, was er tut. Er ist dem Markus sein bester Freund.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Menschen berühmt zu machen. Weg 1: Man lobt ihn ohn‘ Unterlass. Für seine Freundlichkeit, sein großes Herz, für seine Offenheit, sein Toleranz undsoweiterundsofort. Irgendwann sind die letzten Skeptiker mürbe gemacht. Sie glauben, dass das alles stimmt. Der Held ist geboren – und kann damit beginnen, den Nachweis zu erbringen, dass Menschen ohne auch nur eine schlechte Eigenschaft nicht existieren. Zumindest nicht auf diesem Planeten.

Weg 2: Du greifst den künftigen Helden frontal an. Du sprichst seine schlechten Eigenschaften an. Dass er viel zu ehrgeizig, zu egoistisch ist. Dass er alle Konkurrenten gnadenlos aus dem Weg räumt. Egal, welche „Schmutzelei“ es dafür braucht. Und dass er Macht gegebenenfalls skrupellos anwendet.

Wer so angegangen wird, kann einen nachhaltigen Imagewechsel schaffen. Denn er ist zum Opfer geworden. Und den Opfern gilt unsere Sympathie. Was vorher war, was – bei unfähigen Menschen – nicht war, interessiert dann nicht mehr. Das ist der Dienst, den der gute böse Onkel seinem Zögling leisten kann.

Wir können sicher sein: Horst Seehofer weiß, was er tut. Er hat Markus Söder als seinen Kronprinzen auserwählt. Über Schmutzeleien redet jetzt keiner mehr. Sondern darüber, dass der Markus einen neun Meter hohen Christbaum samt energiesparenden LED-Leuchten auf die Nürnberger Kaiserburg gestellt hat. Auf dass das Nadelgewächs  – höher als jedes Minarett dieser Welt – vom Christlichen in der Sozialen Union künden möge.

Eigentlich ist der Söder doch gar nicht so…