Wir erregen uns. Denn wir staunen nicht mehr

Wer die Debatte um einen bekannten Fußballer verfolgt, kommt zu folgender Analyse: Je geistig kleinkarierter die Beiträge, desto mehr Schlagzeilen kann eine Sache erzeugen, desto größer ist die Halbwertzeit der Empörung. Woran aber liegt das? Vielleicht fehlen uns bloß die Höhepunkte, die Momente des wirklichen Staunens.

Früher war das  anders. Nehmen wir die Mondlandung. Als am 21. Juli vor 49 Jahren (unrundes Jubiläum, aber egal) Neil Armstrong auf dem Erdtrabanten hopste, war das für die Menschen das einzig mögliche Gesprächsthema. Die öffentlich-rechtlichen Sender deaktivitierten ihr so genanntes Testbild und zeigten die milchig verschwommenen Schwarz-Weiß-Bilder, welche von der Nasa gesendet wurden.

Wir standen mitten in der Nacht auf, um das mitzubekommen. Denn wir waren sicher, miterlebt zu haben, dass die Menschheit etwas ganz und gar Unmögliches geschafft hat. In die Kategorie „Sensationen für Alle“ fielen auch Boxkämpfe mit Muhammed Ali oder Edgar-Wallce-Krimis, die abends die Straßen leerfegten.

Doch es scheint so, als hätten wir das Staunen verlernt. So herrschte nach den ersten Fernsehauftritten des Mental-Gabelverbiegers Uri Geller wochenlange Begeisterung. Seine neuen TV-Gastspiele wurde eher mit Langeweile quittiert. Man könnte auch fragen, wie weit es Jesus bringen würde, wenn er Wasser in Wein verwandelt. Ins Supertalent mit Dieter Bohlen schon. Aber mehr?

Wir sind abgebrüht. Einerseits. Und erregen uns. Andererseits. Ist das Banale gerade deshalb so aufregend, weil es das wirklich Große nicht mehr für uns gibt? Ja, es ist paradox. Aber kein Mesut Özil landet jeweils auf dem Mond.