Beten zum Fußballgott? Sinnlos, denn sein Name ist Sepp

Keiner mag ihn, jeder hasst ihn, alle dreschen auf ihn ein. Und trotzdem: Sepp Blatter bleibt Präsident des Weltfußball-Verbandes Fifa. Wie schafft er das bloß?

Zunächst einmal: Dieser Schweizer hat noch mehr Stehvermögen als seine teure Landeswährung. Er hat schon so viele Skandale an sich abperlen lassen, dass er sich jetzt, mit 79 Jahren, erst recht gelassen in jede Schlacht stürzt. Wobei das bei ihm schon lange so war. In diesem Blog wurde seine Karriere am 3. Dezember 2010 ausführlich beleuchtet. Und die zwangsläufige Überschrift lautete: Unser Präsident für die Ewigkeit .

Aber all die Skandale? Muss man nicht ernst nehmen. Bedeutende Fußball-Funktionäre sind als kleine Kicker in ihren Vereinen sozialisiert worden. Und dort geht es nicht immer sauber zu. Wer an seine Anfänge zurückdenkt, wird sich nostalgisch lächelnd an wilde Gefechte auf überschwemmten Hartplätzen erinnern. Ein Sumpf ist für echte Fifa-Männer also mehr Verheißung als Grauen.

Zudem pflegt einer wie Sepp Blatter “die Liebe zum Spiel” in dem festen Bewusstsein, dass er die Welt beglückt. Deshalb sieht er keinerlei Grund, sich vor irgend jemand zu rechtfertigen. Auch nicht vor dem Fußball-Gott. Denn er ist es selbst. Selbst Stoßgebete für die Fifa landen direkt beim Sepp.

Wie also geht es weiter? Der Fifa-Präsident wird weiter regieren, um sich am Ende seiner Amtszeit als alternativlos zu präsentieren. Auch 2019 werden die Zeiten schwer sein, auch dann wird der Lotse an Bord bleiben müssen. Gegenkandidaten werden schnell resignieren, was bedeutet: Ein Sepp Blatter bekommt immer eine Verlängerung. Ein Elfmeterschießen, also eine Kampfabstimmung, braucht er nicht.

Ändern könnten das nur die Fußball-Verbraucher weltweit. Indem sie das Produkt so stark boykottieren, dass geldgebende Konzerne die Lust verlieren. Machen wir den Test: Schauen wir uns eine ehrliche Amateur-Schlammschlacht auf einem Hartplatz an und fragen wir uns, ob ein solcher Kick Deutschland gegen Brasilien ersetzen kann. Tja, wahrscheinlich hat er uns im Griff. Der ewige Sepp.

 

Das beste Wissen kann auch falsch sein

Sollte Angela Merkel vor 45 Jahren West-Fernsehen angeschaut haben, dürfte ihr der Begriff “Gewissen” recht oft über den Weg gelaufen sein. In Werbespots mahnte er Hausfrauen, ausschließlich Lenor, den allerbesten Weichspüler zu verwenden. Weich und weiß sollte die dreckige Wäsche werden.

Im Jahr 2013 hatte die Kanzlerin ihren Weichspüler immer in der Nähe. Nämlich den Nasal-Akrobaten Ronald Pofalla. Ihm gelang es, die dummerweise kurz vor der Bundestagswahl aufkeimende NSA-Affäre mit allerlei Halbwahrheiten und – wie wir heute wissen – frechen Lügen  wirksam zu beendet. Merkel wurde glorreich wiedergewählt. Und Abhöraffären, mit deutscher Hilfe gar? Die gab und gibt es entweder nicht oder die Chefin wusste nichts. Schließlich agiert sie “nach bestem Wissen und Gewissen”.

Unsere Regierungschefin sagt also nichts als die Wahrheit? Nicht unbedingt. Die Sprache der Juristen meint nicht immer, was man bei flüchtigem Hinsehen zu lesen glaubt. “Grundsätzlich” etwa bedeutet nicht, dass etwas immer so gemacht wird. Ausnahmen vom Grundsatz sind immer möglich. Auch “in aller Regel” besagt letztlich nur, dass etwas oft so ist, aber auch anders sein kann.

“Nach bestem Wissen” bedeutet demnach nicht, dass dieses Wissen richtig ist. Man kann ja falsche Informationen bekommen haben oder von bösen Individuen absichtlich getäuscht worden sein. Oder man hat Zusammenhänge versehentlich falsch interpretiert. Dann handelt man auf der Basis von Unsinn, kann aber nichts dafür, weil noch besseres Wissen gerade nicht verfügbar war.

Und das Gewissen, das beste Gewissen gar? Das ist ein äußerst dehnbarer Begriff. Wir mögen romantisch davon träumen, dass Gewissen pur und rein sei. Aber auch hier gilt, was Juristen gerne sagen: Es kommt darauf an. Nämlich darauf, wem oder welcher Sache wir helfen wollen oder dienen, wenn wir unserer inneren Stimme folgen. Gerade in der komplizierten Politik sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt.

Wir folgern: Der Satz “nach bestem Wissen und Gewissen” ist nicht das Versprechen der objektiven Wahrheit, das das Volk so gerne hören möchte. Falsches sagen, ohne zu lügen, das ist vielmehr die Kunst der hohen Politik. Und Angela Merkel ist sehr begabt…

Franziskus und die keuschen Kaninchen

Hoppla, da hat es aber gescheppert. Da schien es so, als hätten sie in Rom endlich einen tatsächlichen unfehlbaren Papst gewählt. Einen Mann, dem man einfach alles glaubt. Doch nun sieht sich Franziskus einem mächtigen Feind gegenüber: Der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter reibt sich an einem aktuellen Wort des Kirchenoberhauptes.

Der Papst hatte, vermutlich berauscht von der größten Messe aller Zeiten, nach seinem Abflug von den Philippinen betont, dass sich Katholiken nicht unbedingt wie die Karnickel vermehren müssten. Hierzu ist zu sagen, dass das sowieso nicht geht. Die Tragzeit der Katholikinnen ist zu hoch, unbefleckte Empfängnisse sind, nach allem was wir wissen, ein sehr seltenes Ereignis.

Bei Züchterpräsident Erwin Leowsky kam die flapsige Bemerkung des Papstes gleichwohl als Rufmord an. Gegenüber den Medien stellte er klar, dass nicht allen Kaninchen ein stark erhöhter Sexualtrieb zu unterstellen sei. Wahrhaftige Ausschweifungen gebe es nur in freier Wildbahn. Die Fortpflanzungstätigkeit der Zuchtkaninchen verlaufe hingegen in geordneten Bahnen.

Man fragt sich: Was treibt den Mann? Stünde es einem Züchterpräsident nicht besser zu Gesicht, unentwegt die Kraft der Lenden von Meißner Widdern, Großchincillas, Schwarzgrannen und Englischen Schecken zu rühmen? Kann es Sex und Vermehrung in einer reineren und unschuldigeren Form geben, als in den mit Stroh ausgepolsterten Ställen der Rassezüchter?

Vielleicht hat ihn einfach die Sorge um seine Mitglieder getrieben. Wenn schon ein katholischen Papst auf die Sexsucht der Kaninchen verweist,  müsste dies nicht zur Folge haben, dass die Halter der gierigen Rammler einem wachsenden Argwohn ihrer Nachbarn ausgesetzt wären, Lärmschutzklagen inklusive? Swingerclubs sind eben lauter als Friedhöfe.

Vielleicht ist es aber so. dass Deutsche Großsilber in der Nähe des Züchters dem Menschen ähnlicher werden. Geordnete Verhältnisse dämpfen die Libido. Verfügt Erwin Leowsky über empirische Erkenntnisse, wonach die Fortpflanzungsrate der Kaninchen rückläufig ist? Wir Freunde der Zucht würden dies nachhaltig bedauern. Der Papst, indes, hätte eine Sorge weniger. Was ihm absolut zu gönnen wäre.

Nach dem Biss des wilden Stürmers

Nach den Grundregeln der journalistischen Kunst ist die Schlagzeile “Hund beißt Mann” wertlos, die Schlagzeile “Mann beißt Hund” hingegen sensationell. Jetzt lernen wir, dass auch “Mann beißt Mann” enorme Aufregung zu generieren vermag. Zumal dann, wenn berühmte Fußballer beteiligt sind.

Da hat also Luis Suarez, Nationalspieler Uruguays mit knapp 7,5 Millionen Facebook-Verehrern, bei der WM den Italiener Chiellini an der Schulter attackiert. Und weil er das alte Sprichwort “Man soll den Bissen nicht größer nehmen als der Mund ist” nicht beachtet hat, plagten ihn hinterher ziemliche Zahnschmerzen. Eine brutale Sperre durch die Fifa gab’s obendrauf.

Wirklich wundern musste man sich nicht. Suarez verfügt über auffällige Schneidezähne, weshalb man ihn schon bisher wahlweise als Mörderkaninchen oder als geheimen Sohn von Queen-Sänger Freddie Mercury wahrnehmen konnte. Er ist zudem Wiederholungstäter. Schließlich: Uruguay gilt seit jeher als Land der ungesunden Härte. Auch das übelste aller Fouls, die Blutgrätsche, soll gängigen Fußball-Legenden zufolge dort erfunden worden sein.

Warum aber regt uns gerade ein Biss so auf? Weil er das Böse signalisiert. In seiner schlimmsten Inkarnation ist der Beißende ein Vampir. Ein Untoter, der die Tagschicht im Sarg verschläft, um nächtens das Blut schönster Frauen zu saufen. Das ist nicht nur hinterlistig, sondern extrem dekadent. Als ehrlich, aber trotzfdem bissig gelten Wolf, Bär, Hund, Hai, Kreuzotter und Schnappschildkröte.

Die Gefahr, völlig überraschend in ein empfindliches Körperteil gezwickt zu werden, droht also immer und überall. Und deshalb lehrt ein Suarez auch uns das Schauern.

Was aber tun? Die Antwort ist nicht leicht, denn man steckt in keinem Lebewesen drin.  Der große Mark Twain hat die Lösung schon vor über 100 Jahren formuliert: “Vielleicht stünde es besser um die Welt, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen.” Probieren könnte man es aber mit Knoblauch-Deo, was ja wenigstens Vampire abhalten soll. Ermutigende Erfahrungen mit dem Einsatz von Spray hat die Fifa ja bereits gesammelt.

Der Flüsterer ist oft der Dumme

Es ist tragisch. In der schwarz-gelben Koalition war Hans-Peter Friedrich das Montagsauto unter den Ministern. Sein Überleben als Innenminister war er vor allem dadurch gesichert, dass sein  Parteichef Horst Seehofer ausschließlich selbst entscheidet, ob und wann er sich – auch in Personalfragen – getäuscht hat. Mit Ackerbau und Viehzucht, mit Schulobst und Imkerei war nun ein Aufgabenfeld gefunden worden, das sich auch mit beschränkten Fähigkeiten beackern lässt. Und nun stolpert der arme Mann über den Skandal eines anderen. Dabei hatte er es doch bloß gut gemeint.

Friedrichs Sturz ist ein neuerlicher Beweis für die uralte Erkenntnis, dass Überbringern schlechter Nachrichten Ungemach droht. Der Agrarminister erlebt gerade eine Art Edward-Snowden-Gefühl. Eigentlich müssten ihm Staat und Regierung dankbar dafür sein, dass er einen bösen Verdacht angesprochen und somit einem GroKo-Skandal vorgebeugt hat. Stattdessen steht er selber im Abseits. Man kann auch – ganz andere Baustelle – an Uli Hoeneß denken. Er hatte seinerzeit öffentlich gemacht, dass der designierte Fußball-Bundestrainer Christoph Daum weiße Linien nicht nur als Spielfeldmarkierungen betrachten würde. Der Koks-Verdacht war zutreffend, der Flüsterer wurde gleichwohl aufs Heftigste beschimpft.

Übel spielt das Leben mit den naiv Aufrechten. Aber warum ist die CSU nun derart empört? Das wiederum ist normal. Es ist integraler Bestandteil unseres politischen Systems, dass es reale Feindschaften politischer Gegner in Wirklichkeit nicht gibt. Die Akteure, speziell der etablierten Parteien, wissen nur zu gut, dass sie einander immer wieder brauchen. Das Publikum bekommt die im Rahmen der politischen Meinungsbildung erforderliche Talk-Show-Debatte, beim anschließenden Bier duzt man sich und haut sich auf die Schultern. Politiker/-innen verbindet eine Grund-Sympathie und -Solidarität. Schließlich erledigt man einen harten und sehr oft miesen Job, für die “die Menschen draußen” zu faul und feige sind. Also hilft man sich auch mal, Schlimmes zu vermeiden.

Das ist nicht mal schlecht für’s Land. Aber schwierig wird es dann, wenn es im Zuge eines Skandals nur ein einzelnes politisches Lager erwischt. Auch nach dem Sturz des Edelmannes Karl Theodor zu Guttenberg reagierte die CSU zunächst mit dramatischen Solidaridätsadressen und Beschimpfungen der Fürstenmörder. Und bei Hans-Peter Friedrich muss das vermeintliche Unrecht erst recht herausgestellt werden. Schließlich ist die Sicherheit, der Schutz des Volkes vor Ungemach und somit die enge Zusammenarbeit mit Ermittlern und Gerichten, ein Markenkern der CSU. Ein Versagen auf diesem Gebiet kann nur aus edlen Motiven erfolgen.

Meine Prognose: Das Geheul wird noch ein, zwei Wochen anhalten. Dann ist der Kurzzeit-Agrarminister vergessen. Für die Frage allerdings, ob es zwecks Edathy und Friedrich auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erwischt, ist nur eines entscheidend: Ist Vizekanzler Gabriel in die Angelegenheit verwickelt? Falls ja, sieht es für den nachrangigen Sozi übel aus. Kann man nichts machen. So geht sie eben, die große Politik.

 

 

 

Die Flucht vor den Gelben Engeln

Es ist immer tragisch, wenn Institutionen bröckeln. Jetzt also geschieht dies mit dem ADAC. Einem Verein, von dem ich schon als Kind wusste: Er ist zuverlässig und hilft den Menschen. Seine politischen Parolen mögen manchmal blöd sein. Aber ehrlich ist er.

Ich habe den ADAC tatsächlich als rettende Organisation erlebt. Vor allem denke ich an die Benzingutscheine. Sprit war in Italien schon in den 70-er Jahren ausgesprochen teuer. Der “Allgemeine Automobilclub” sorgte durch kräftige Rabatte dafür, dass die Überquerung der Großglockner-Hochalpenstraße nicht durch übermäßige Treibstoffkosten belastet wurde. Und wenn ein Mann seinen ersten Schutzbrief gekauft hatte, wusste man, dass Liebesbriefe fortan selten würden. Die Jugend war zu Ende. Man war Autofahrer geworden, der jeweils samstags die rollende Gefährtin einseifte, während die Gattin daheim den Boden schrubbte. Die “Gelben Engel” wiederum beeindruckten nicht durch wallende Gewänder oder Leuchtschwerter, sondern durch die besten Starthilfekabel der Welt.

In den 80-er Jahren wiederum bin ich – wirklich wahr – aus dem ADAC ausgetreten. Unter den damaligen Umständen ein ungeheurer Akt der Rebellion. Mich hatte die Haltung des Clubs zum Thema Tempolimit elendig genervt. Also habe ich nachgefragt, wo man denn in diesem Verein eine andere Meinung unterbringen könnte. Es gab keine Möglichkeit. Ich hätte wohl nur über einen Motorsportclub den Zugang zu den Entscheidern bekommen können. Ich habe für mich den Schnitt vollzogen. Das Röhren von Sportwagen wurde mir gleichgültig. Stattdessen lauschte ich den Gesängen der Buckelwale.

Im Ernst: Der ADAC ist schon lange kein Verein mehr, der in erster Linie den Menschen dient. Er ist ein astreines Wirtschaftsunternehmen, das sich wegen seines gemeinnützigen Status Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschafft. Was nur geht, weil er wegen seiner enormen Zahl an Mitgliedern ein Machtfaktor ist, mit dem sich die Politik nicht anlegen möchte. Ein lausiger Arbeitgeber ist er – zumindest in einigen Regionen – obendrein. So hatte und hat das Arbeitsgericht Hannover reichlich Arbeit mit den Aktionen einer ziemlich durchgeknallten Gschäftsführung.

Aber wird der “Allgemeine Automobilclub” jetzt untergehen? Das sicher nicht. In der “Motorwelt” sind heute deutlich mehr Anzeigen für Treppenlifte als für Auto-Tuning abgedruckt. Das dazugehörige Publikum geht nicht so einfach. Alte Bäumre verpflanzt man nicht. Ein paar Tausend Leute werden gehen, doch das ist bei Groß-Institutionen normal. Den Kirchen geht es nicht anders. Somit ist alles gut: Engel sind ans Davonlaufen gewöhnt.

 

Limburgs Bischof und sein Bobby-Car

Geht das immer so weiter? Hört das nie auf? Müssen wir uns für alle Zeiten mit Nebensächlichem befassen, anstatt über wirklich wichtige Probleme zu diskutieren? Ja, es ist so. Das zeigt die Aufregung um den klapperdürren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Man hatte doch hoffen dürfen, dass das mediale Aufblasen von Kleinkram wenigstens nach den Wahlen aufhören würde. Stattdessen wird ganz Deutschland mit den Verfehlungen eines katholischen Provinzfürsten medial befeuert. Sicher, die Ausgangsposition für einen Skandal ist wie gemalt. Hier die heilige katholische Kirche, die unter dem neuen Papst aus Argentinien die reinigende Kraft der Armut entdeckt. Da der unheilige Verschwender, der in der Luxusklasse in indische Slums fliegt. Das passt, das Böse in der Kirche ist ein seit Jahrhunderten beliebtes Thema, das ganze Biblio- und Videotheken zu füllen vermag.
Doch seht, liebe Leute: Der Nachweis, dass die von Franziskus ausgerufene Bescheidenheit am Ende mehr sein wird, als eine clevere PR-Aktion, muss erst noch erbracht werden. Und wo wären wir, wenn die katholische Kirche niemals verschwendet hätte? Wir hätten ein paar Sehenswürdigkeiten und Kunstschätze weniger. Früher litten die Menschen unter der Ausbeutung, aber sie waren dann doch stolz, wenn mit ihrem Geld zum Ruhme Gottes der höchste Kirchturm der Region aufgeschichtet wurde. Wo Macht ist, wird verschwendet. Das wissen wir doch.
Und so ist der Amtssitz des Limburger Bischofs kaum etwas anderes als der Mittelfinger von Peer Steinbrück, das vegetarische Kantinen-Essen der Grünen oder das Bobby-Car von Christian Wulff. Es ist die Aufarbeitung des vermeintlich Unfassbaren, das am Ende schnurzegal ist. Weil nichts leichter ist als die Empörung über einen folgenlosen Skandal. Denn Limburg wird in einem halben Jahr in den überregionalen Medien wieder ähnlich selten vorkommen wie Unterschlauersbach oder Ouagadougou.
Dass Geistliche nicht ausschließlich erleuchtet sind, hat der französische Philosoph Denis Diderot blendend beschrieben: “Der Priester, ob gut oder schlecht, ist immer ein zweideutiges Geschöpf, ein zwischen Himmel und Erde schwebendes Wesen.” Alsdenn, Herr Papst. Befreien Sie Limburg, versetzen Sie diesen Tebartz-van Elst in eine Missionsstation in Afrika. Aber wehe, er fliegt Erster Klasse.

Das große Finale für Angela Merkel

Am 1. Juni rollt es nochmal so richtig, das runde Leder. Auf zahllosen Sofas werden die Menschen verfolgen, ob der FC Bayern München Geschichte schreibt, indem er das Gleiche schafft wie die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg: In einer Saison Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal zu gewinnen. Doch nach dem Abpfiff ist definitiv Schluss mit lustig. Dann wird es ernst für Angela Merkel. Denn dann schlägt die Stunde der Politik.

Schon unpraktisch, wenn in einem unrunden Jahr wie 2013 gewählt wird. Keine glanzvolle Fußball-WM oder -EM, kein deutscher Dreifach-Triumph beim olympischen Kanufahren, kein Dressurreiten zu “Glorious”. Neue Superstars und Top-Models sind schon gefunden, nur ein paar Bauern suchen noch eine Frau. Die Menschen, die sich zuletzt vor lauter Fußball so gar nicht über versemmelte Drohnen-Millionen, über die schleichende Enteignung durch Mini-Zinsen oder über das ungebremste Morden in Syrien aufregen konnten, sind jetzt nicht mehr abgelenkt. Sie können sich voll auf die Leistungen der Politik konzentrieren. Und werden vielleicht feststellen: Ähem, da ist ja gar nichts.

Gut, die Bild-Zeitung wird sich alle Mühe geben, damit Angela Merkel weiterhin weitgehend verdeckt operieren kann. Es werden sich schon ein paar unglückliche Promis für eine Schmerzensgeschichte finden lassen. Mit dem heutigen Aufmacher über einen “Malerfürsten”, der bei Rot über die Ampel gegangen und der Polizei in die Arme gelaufen ist, wurde der Doofheits-Level schon mal nach unten ausgelotet. Weiterer Krampf wird folgen. Wenn es sein muss, täglich.

Wenn all das nichts hilft, wenn sich kein Promi-Paar in Scheidung und Rosenkrieg stürzt, heißt es: Ring frei! Zu einem bislang ungleichen Kampf, bei dem – um im Fußball zu bleiben – Angela Merkel wie Jogi Löw und Peer Steinbrück wie Werner Lorant gewirkt hat.

Aber das kann sich ändern. Denn Geschichte wird immer wieder neu geschrieben. Warum eigentlich bloß durch Bayern München?

Drohnen sind gar nicht so schlimm

Mit allem Nachdruck möchte ich diesen Beitrag einem missverstandenen Lebewesen widmen. Nämlich der Drohne, die ja gerade einem politischen Skandal ihren Namen gibt. Rund 600 Millionen Euro soll das Bundesverteidigungsministerium mit seinen verkorksten Versuchen zum Kauf von unbemannten Horch-Guck-und-Tötungsfliegern in den Sand gesetzt haben. Ich stelle hierzu Folgendes fest: Drohnen sind gar nicht so.

Aus feministischer Sicht sind Drohnen die wahrhaftigen Männer. Während andere schuften, sitzen diese fetten Viecher herum, lassen sich füttern und haben nur eines im Kopf: Sex mit der Königin. Sie sind genau diese nutzlosen Lustmolche, wie sie auf vielen Sofas dieser Republik lümmeln. Und weil es um spätrömisch dekadente Intimitäten geht, wenden sich auch die Gläubigen und Gelehrten von dieser Lebensform ab. In der Lyrik kommt die Drohne so gut wie gar nicht vor. Der englische Theologe und Baptistenprediger Charles Haddon Spurgeon formulierte am Ende des 19. Jahrhunderts voller Abscheu diese Sätze: “Besser wilde Feuer als gar kein Feuer. Besser ein Eiferer genannt zu werden, als eine Drohne im Bienenstock Christi.”

Damit lieferte der fromme Kämpfer aber auch den Beweis dafür, wie sehr der Drohne heute Unrecht zugefügt wird. Man darf davon ausgehen, dass diese männliche Biene ihre arbeitenden Artgenossinnen überhaupt nicht beobachtet. Nie käme es ihr in den Sinn, darauf zu achten, ob gewisse Honigbienen ihre Waben mit Minaretten oder anderen muslimischen Symbolen versehen. Der Bienenmann ist vielmehr ein wahrer Märtyrer. Selbstlos bis zum Letzten kümmert er sich um die Erhaltung seiner Art. Er opfert das Kostbarste, was er hat. Sobald er seinen Penis einsatzbereit gemacht hat, hat er sein Dasein verwirkt.

Somit ist die Existenz der wahren Drohne ganz und gar dem Leben und nicht dem Töten gewidmet. Gewiss wäre es ihr auch zutiefst zuwider, beim Akt der Königinnen-Begattung von einem kettenrauchenden Nerd gesteuert zu werden.

So könnte es weitergehen, wenn es nicht die Evolution gäbe. Sie hat es vermocht, die Unterart “Politische Drohne” hervorzubringen. Wie etwa Eckhart von Klaeden. Dieser CDU-Politiker, der immer wie einer wirkt, mit dem in der Kindheit keiner spielen wollte, wird als heute 47-Jähriger seit fast 20 Jahren als Bundestagsabgeordneter von der Gemeinschaft der Steuergelder reich genährt. Als Staatsminister im Bundeskanzleramt lebt und wirkt er seit Oktober 2009 im engsten Umfeld der Königin.

Um nun bekanntzugeben, dass er Ende dieses Jahres als Cheflobbyist zur Daimler AG wechseln wird. Er nimmt sein Wissen und seine Kontakte mit, lässt sich noch besser ernähren – und wird alsbald den Kommunikationspenis ausfahren, um staatliche Subventionen für Elektroautos zu fordern. Man darf fest davon ausgehen, dass er all das überleben wird. Ach, wie herzensgut ist doch die echte Drohne!

Die Gesellschaft der feinen Asozialen

Was sind Steuersünder wirklich? Fehlgeleitete Schafe, die man mit ausgebreiteten Armen liebevoll wieder in die Gemeinschaft aufnehmen sollte? Oder strunznormale Kriminelle, die den großen Vorteil haben, dass ihnen bei offiziell bekundeter Reue Straffreiheit winkt? Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß zählt sich selbst ganz klar zur ersten Kategorie. Und klagt deshalb von der Titelseite der “Zeit”: “Ich gehöre nicht mehr dazu.”

Er sieht sich also als Ausgestoßener. Da aber täuscht er sich radikal. Hoeneß wurde durch seinen Steuerbetrug eben nicht aus der Gesellschaft hinauskatapultiert. Er war gar nicht drin.

Reiche, mächtige und berühmte Menschen kreieren sich ihre eigene Gesellschaft. Sie basteln sich ihr persönliches Umfeld, in dem die Regeln der großen Masse nicht gelten. Der Golfplatz ist kein Wirtshaus, die Schweizer Privatbank keine Kleinstadt-Sparkasse. Und der FC Bayern München ist, nun ja, sowieso von Lichtgestalten bevölkert und mithin nicht mehr erdgebunden, sondern Zentralgestirn einer von allen Zwängen befreiten Lederhosen-Galaxie.

Einer wie Uli Hoeneß macht keine Fehler. Sie werden mit ihm gemacht. Wenn er jetzt im Interview darauf hinweist, dass er zum krankhaften Zocker geworden war, dann hat nicht er Mist gebaut. Er wurde durch die Sucht, durch die äußeren Umstände dazu getrieben. Diese Problembeschreibung kennt jede betrogene Ehefrau.

Aber ist dieser Fußball- und Bratwurstpräsident mehr als die Spitze des Eisbergs? Das wiederum nicht. Dazu gibt es zu viele Abzocker. Nehmen wir nur die vielen Unternehmen, die Dumpinglöhne bezahlen. Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor in Europa. Mehr als jede/r Fünfte wird auf geringem Niveau entlohnt.

Wenn es für diese Menschen aber doch zum Leben reicht, dann durch das Aufstocken über Hartz IV. Das Geld hierfür kommt aus den Steuern und Sozialbeiträgen der Masse der Beschäftigten. Auch ein Uli Hoeneß lässt (selbstredend ausschließlich durch seinen Sohn) in seinem Familienbetrieb Niedriglöhne zahlen. Eine Bananenflanke von Ribéry ist zehntausend Mal mehr wert als eine sauber geschlachtete Sau.

Und so kommt es, dass feine bis feinste beziehungsweise wichtige bis wichtigste Persönlichkeiten unserer Wirtschaft in Wirklichkeit nichts anders als elende Schmarotzer sind, die sich ihren Profit über die Gemeinschaft sichern lassen. Der Bundespräsident liegt richtig, wenn er für die Abzocker das Wort “Asozial” verwendet. Gut für sie, dass es so viele fromme Schafe gibt.