Gib mir Sicherheit…

Wir brauchen Sicherheit, wenigstens ein kleines bisschen. Genauso wie das Zootier, das für regelmäßiges Fressen bereitwillig seine Wildheit einbüsst, akzteptieren auch wir seltsame Dinge, wenn uns denn nichts passiert. Zum Beispiel im Flugverkehr.

Nehmen wir einen durchschnittlichen Flug mit Chickenwings (Name von der Redaktion geändert). Hier wird der Passagier zunächst bewusst verunsichert. Er kommt mit einem Gepäckstück, welches nur unwesentlich größer ist als der Schminkkoffer einer in Würde gealterten Film-Diva. Weil er Flüssigkeiten mitführt, möchte unser Flugfreund sein Köfferchen aufgeben. 25 Euro würde der Transport kosten. Mehr, als es im Nebensaison-Sale gekostet hat. Keine Alternative also.

Fortgesetzt wird die Konditionierung des Fluggastes an der Sicherheitskontrolle. Auf Höhe des Schildes „Diskretion“ ist quer über den Boden eine gelbe Linie gezogen. Diese darf auf gar keinen Fall überschritten werden. Sonst folgt, so unsere Befürchtung, wie beim olympischen Dreisprung die Disqualifikation durch Ungültigmachung der Bordkarte. Vor allem ältere Ehepaare diskutieren Verstöße schonungslos.

Dann die Sicherheitskontrolle: Man hat also noch Shampoo. Bis zu 100 Milliliter sind erlaubt, sofern sie „sicher“ in einer mit einem Reißverschluss versehenen – und bestimmt explosionssicheren – Plastiktasche verpackt sind. Unser Passagier hat eine 150-Milliliter-Flasche. Also rein damit in den Flüssigkeiten-Sammelkorb.

Man könnte den Kosmetik-Artikel leicht identifizieren. Einfach mal dran riechen, denn es ist doch unwahrscheinlich, dass es einem Terroristen gelingen könnte, das von einem Weltkonzern komponierte Pfirsich-Aroma originalgetreu zu fälschen. Was aber soll ein Bösewicht mit Haarshampoo machen? Landeklappen verkleben, es dem Piloten in die Augen schmieren und ihn auf diese Weise blind machen? Am Sitzplatz Panik-Schaum erzeugen? Pfirsich-Allergiker zu Geiseln machen?

Gut, all das kann nicht mehr passieren. Aber anderseits gibt es viel schlimmere, völlig legale Bedrohungen. Der dem Shampoo-Fläschchen beraubte Fluggast kann nämlich im Airport-Shop einkaufen. Dort gibt es massive Spirituosen-Flaschen oder Monster-Toblerone-Riegel, die man dem Piloten über die Rübe ziehen könnte. Gekauft werden können auch die wunderbaren Produkte der Parfüm-Industrie, die entweder das Cockpit-Personal benebeln oder in einen todbringenden Hormonrausch versetzen könnten.

Im Flugzeug selbst gibt es Ledergürtel und Schals zum Erdrosseln und massive Kugelschreiber, die sich gut als Behelfs-Dolche eignen. Man könnte Terrorist sein, wenn man Terrorist sein wollte. Auch ohne unser Shampoo.

Zum Abschluss folgende Mitteilung: Der Chickenwings-Flug A799 ist sicher gelandet. Immerhin.