Posts Tagged ‘Show’

April 6th, 2014

Wenn das Show-Sofa zum Sarg wird

“Wetten, dass…?” ist nicht mehr. Ja, dieser Satz wird wahr. Die größte Show des deutschen Fernsehen wird Ende des Jahres von uns gegangen sein – nach langem Siechtum. Dieser Tod war absehbar.

Ich zitiere mich einfach selbst. Zum Abschieds-Auftritt von Thomas Gottschalk Ende 2012 habe ich geschrieben:

“Eines der faszinierendsten Themen für uns Menschen ist der Tod. Deshalb musste Jesus leiden und auferstehen, deshalb liegen millionenfach Krimis und Thriller unter dem Weihnachtsbaum – und deshalb hatte “Wetten, dass…?” am 3. Dezember eine Zuschauerzahl, wie man sie sonst nur von wichtigen Fußballspielen kennt. 14,73 Millionen Menschen wollten den Abgang von Thomas Gottschalk miterleben.

Die Fernsehzuschauer machten also klar: Vielleicht hat man den Meister des Breitgrinsens irgendwo satt, vielleicht mag man seine PR-lastige Show gar nicht mehr so sehr, aber zum Begräbnis geht man als anständiger Mensch.

So hat sich das auch gehört. Denn jede/r Nachfolger/in wird scheitern. Die Frage ist nur, mit welcher Wucht. Das Konzept und die Präsentation von Wetten, dass…? sind derart verstaubt, dass es nur durch und mit Gottschalk funktioniert hat. Seine Abschieds-Show zeigte das. Gäste oder Wetten waren völlig nebensächlich. Es ging nur um den Chef…”

So ist es gekommen. Der bedauernswerte Markus Lanz  erlebte seitdem von Show zu Show eine Echo, das von “einigermaßen vernichtende Kritik” über “ziemlich vernichtende Kritik” bis “völlig vernichtende Kritik” reichte. Noch ein paar Sendungen, und der Schrecken hat zumindest für ihn ein Ende.

Wir werden das Ende von “Wetten, dass…?” überleben. Ein Volk, das ohne Peter Frankenfeld und Rudi Carrell auskommt, wird auch ein Dasein ohne Samstags-Lanz durchstehen.

Wirklich Grund zum Heulen haben jedoch die Mitglieder eines eingetragenen Vereins, nämlich des VdDP mit Sitz in Herford/Nordrhein-Westfalen. Die Abkürzung steht für “Verband der Deutschen Polstermöbelindustrie”, einer Vereinigung, die vom ZDF-Showjuwel mehr profitiert haben dürfte, als die allermeisten Gaststars. Ging doch von “Wetten, dass…?” immer die Botschaft aus, dass unterhaltsame Gespräche immer dann entstehen, wenn Menschen nebeneinander auf einem Sofa sitzen. Nun wird die Couch aus dem Fernsehgeschehen verschwinden, das Volk blickt lieber auf unbequeme Holzpritschen in australischen Dschungelgebieten.

Das zauberhafte Sitzmöbel wird zum Grab, es taugt bestenfalls noch für’s Museum. Und unser VdDP muss mit seltsamen Botschaften dagegen halten. Seine neueste Pressemitteilung lautet so: “Die widersinnige Grenzwert-Ziehung bei Formaldehyd in Höhe von 0,01 ppm durch russische Gesundheitsbehörden lässt die Branchenverbände der Möbelindustrie in Deutschland und Russland zusammenrücken. Ein Ergebnis ist der geplante Aufbau einer gemeinsamen Zertifizierungsstelle für Möbel in Russland.” Wie traurig, dass wir das jetzt brauchen,

 

Februar 26th, 2013

Silvio? Die Mörderpuppe ist nie ganz weg

Es lebe die Mörderpuppe!

Es lebe die Mörderpuppe!

Es gibt Lebewesen und Dinge, die man einfach nicht wegkriegt. Spinnen, Kakerlaken, Hundeflöhe, Gartenschnecken, Maulwürfe, aber auch Blut-, Rost- und Rote-Beete-Flecken. Und es gibt Silvio Berlusconi. Über ihn wissen wir jetzt endgültig, dass er nie ganz weg sein wird. So lange es in Italien Politik gibt.

Beim Anblick des Cavaliere, dem die Mimik inzwischen komplett aus dem Gesicht operiert worden ist, rauschen mir – passend eigentlich – 50 Jahre Fernsehgeschichte durch den Kopf. Berlusconi erinnert mich an einen Helden meiner Kindheit, den Springteufel Zebulon. Wenn die kleinen Fernsehzuschauer dachten, dass Ruhe im Karton ist, ging der Deckel hoch, und das seltsame Wesen sprang mit einem lauten “Turnikuti, Turnikuta, Zebulon ist wieder da!” aus der Schachtel. Das war Mitte/Ende der 60-er Jahre. Auch der Zonk aus der TV-Show “Geh aufs Ganze!” erinnert mich an unseren ewigen Zombie.

Aber das ist nicht richtig. Denn eigentlich ist das Problemäääh, dass wir Deutsche nicht wolle verstähä, was italienise Sääle bewägä tut.” In seiner Heimat ist Berlusconi nämlich ein Mischwesen aus zwei anderen Protagonisten der Fernsehunterhaltung. Des grimmigen Alles-Wegräumers Gernot Hassknecht aus der heute-show und des Glücksbringers im Postboten-Gewand, Walter Spahrbier. Des biederen Schutzheiligen der “Aktion Sorgenkind”.

Silvio, ein Glücksbringer? Kann nicht wahr sein – stimmt aber doch. Denn so sehr es sich bei Berlusconi um einen offensichtlichen Lumpen und altersgeilen Bock handelt, so clever ist er als Verkäufer in eigener Sache. Er gibt seinen Landleuten immer noch das Gefühl, dass er sie vor Angela Merkel, verückten Richtern, Dieben aller Art und dem Staat als solchem beschützt. Was weh tut, wird von Onkel Silvio geheilt. Deses Volk will in Freiheit glücklich sein. Oder wenigstens daran glauben.

Übersehen wird dabei ein wichtiger Aspekt. Berlusconi tut zwar so, als würde er seine Wahlversprechen mit Milliarden aus seinem Geldspeicher bezahlen. Daran aber denkt er gar nicht. Er macht Politik, um seine Reichtümer zu bewahren. Egal, wem das schadet. Arme Italiener, Ihr verehrt einen Filmstar, die Reinkarnation von Chucky, der Mörderpuppe. Wer das nicht glaubt, schaue auf das Bild zu diesem Beitrag. Er ist es. Und er kommt immer wieder.

April 18th, 2012

Erst die Titanic, jetzt Gottschalk

Dank der zahlreichen Castingshows haben wir uns daran gewöhnt, dass Super- und Megastars heute kommen und spätestens übermorgen gehen. Moderne Stars sind wie U-Bahnen. Es kommt immer gleich eine andere.

Wie anders erschien uns da Thomas Gottschalk. Als bis vor kurzem größter Showmaster des Landes, als Luxusliner der TV-Unterhaltung, wagte er sich an eine neue Herausforderung. Mit einer Live-Wohnzimmer-Show wollte er dem öden Vorabendprogramm der ARD frisches Leben einhauchen.

Unsinkbar sollte er unter vollem Dampf durch die Todeszone des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kreuzen. Mit spontanen Späßen und richtig berühmten Gästen. Ganz anders als die Privatsender mit ihren blutjungen Plaudertaschen oder seichten Daily Soaps.

Kein Eisberg sollte sich ihm in den Weg stellen. Und das tat auch keiner. Es kam noch ärger: Das schlimmste Eis für einen Moderator ist die kalte Schulter des Publikums. Sie lauert knapp unter dem Wasser und schlägt bei sinkendem Quotenpegel erbarmungslos zu.

Titanic ist überall. Am 7. Juni ist für Gottschalk in der ARD Schluss. Und wenn er sich nicht zum anderen Luxusdampfer MS Harald Schmidt auf die Altenheimterrasse setzen will, bleibt ihm nur noch eine Hoffnung: Dass sein Nachfolger Markus Lanz bei “Wetten, dass…?” versagt. Denn dort könnten sie den alten Chaoten immer brauchen. Ganz bestimmt.

Februar 2nd, 2012

“Wetten, dass…?”: Wir brauchen ein Casting

Ach, dieses Drama um “Wetten, dass…?”. Wenn es sogar Aufsehen erregt, dass ein Jörg Pilawa absagt, dann hat die angeblich größte Show im deutschen Fernsehen tatsächlich ein Problem. Jetzt hilft nur noch eines: Wir brauchen ein großes Moderatoren-Casting.

Eine letzte Alternative vor einem solchen Showmaster-Roulette wäre der Rückkehr von Thomas Gottschalk. Dieser vertreibt gerade die Zuschauer aus dem ARD-Vorabendprogramm mit einer wirklich seltsamen Sendung. Jenseits von “Wetten, dass…?” sieht er schlecht aus. Ein Schicksal, das er mit seinem alten Kumpel Günther Jauch teilt. Dieser feiert am 3. Februar die 1000. Sendung von “Wer wird Millionär?”. Als Polit-Talker am Sonntagabend ist er aber nicht sehr überzeugend. Sofern er überhaupt etwas sagt.

Schließen wir also die Marktlücke. Es ist doch seltsam, dass es für alles und jedes und jeden ein Casting gibt. Wir suchen massenweise großartige Sänger, Artisten, Hobbytänzer, Dschungelköniginnen oder Frauen für Bauern. Aber es ist scheinbar noch keiner auf die Idee gekommen, jemand für die Krone der TV-Unterhaltung zu suchen. Traut man dem Volk nicht zu, dass es per Telefon klären kann, wer den Samstagabend am besten totplappern könnte?

Sicher müsste man eine sorgfältige Auswahl treffen. Um zu vermeiden, dass ein hübscher, aber ansonsten unfähiger Teeny-Schwarm gewählt wird. Davon abgesehen hätte das Casting ausschließlich Vorteile. Wir bekämen den Besten der Besten. Und das ZDF käme dank der Einnahmen durch viele Millionen Telefonanrufe in Zukunft mit geringeren Rundfunkgebühren aus.

Ansonsten bliebe nur noch das von der Papstwahl bekannte Konklave. Wobei sich das ZDF, wie das heute modern ist, von einem Privatsender unterstützen lässt. 50 Fernsehmoderatoren werden im Big Brother-Container eingesperrt und erst wieder freigelassen, wenn einer übrig geblieben ist oder freiwillig aufgegeben hat. Und jetzt alle Kandidaten im Schnelldurchlauf…

Januar 29th, 2012

Die Quoten-Maschine: Loddar und Micaela in Love

Der Verfall von Menschen lässt sich im normalen Leben ungefährt so ablesen: Rennrad, Limousine, Rollator. Bei berühmten Persönlichkeiten läuft es so: Wetten, dass…?-Couch, Beckmann, Perfektes Promi-Dinner, Leute heute, Doku-Soap, Dschungelcamp.

So gesehen stehen wir gerade an der Schwelle zu einer Götterdämmerung des Weltfußballs. Lothar “Loddar” Matthäus, dereinst zum besten Kicker, in Bulgarien aber jüngst zum schlechtesten Trainer der Welt gewählt, wird Selbstdarsteller in einer Doku-Soap auf Vox. Er öffnet sein Leben für die Gaffer und Spötter, wird Kollege von Ehepaar Geissen und Daniela Katzenberger.

“Ganzheitlich” will er sich präsentieren. Mit seiner Freundin Joanna, seinen Kindern, seinen Reisen, seiner Arbeit und seiner Freizeit. Sätze wie “Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen!” oder “Die Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren. Sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd, waschen Wäsche und passen aufs Kind auf.” gibt es also irgendwann im Wochenrhythmus frei Haus. (Der Sendetermin ist noch unklar)

Jedoch: Im Schlaf- und Badezimmer sollen keine Kameras stehen. Das ist, Verzeihung, ein Quoten-Hemmnis. Genau das wollen die Leute ja ehen.

Aber vielleicht fehlt dazu die richtige Frau, vielleicht ist Joanna zu schüchtern. Wie also wäre es, wenn sich Loddar Micaela Schäfer krallen würde. Sie ist als 28-Jährige vielleicht ein bisschen zu alt für ihn. Sie hat aber gerade in Australien Erfahrungen mit schweren Lebensprüfungen gesammelt, die ihr auch ein Leben als Frau Matthäus ermöglichen sollten. Sie verabscheut textile Bekleidung, die Brüste sind bereits vergrößert.

Alsdenn: “Lothar und Micaela in Love”. Das wär’ der Quoten-Bringer. Ganz bestimmt!

Dezember 4th, 2011

Gottschalk Abschied: Es war wie Winnetou IV

Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist: Eines der faszinierendsten Themen für uns Menschen ist der Tod. Deshalb musste Jesus leiden und auferstehen, deshalb liegen millionenfach Krimis und Thriller unter dem Weihnachtsbaum – und deshalb hatte “Wetten, dass…?” am 3. Dezember eine Zuschauerzahl, wie man sie sonst nur von wichtigen Fußballspielen kennt. 14,73 Millionen Menschen wollten den Abgang von Thomas Gottschalk miterleben.

Die Fernsehzuschauer machten also klar: Vielleicht hat man den Meister des Breitgrinsens irgendwo satt, vielleicht mag man seine PR-lastige Show gar nicht mehr so sehr, aber zum Begräbnis geht man als anständiger Mensch. Wir haben, wie man in unseren Breiten sagt, “a scheene Leich” erlebt.

So hat sich das auch gehört. Denn jede/r Nachfolger/in wird scheitern. Die Frage ist nur, mit welcher Wucht. Das Konzept und die Präsentation von Wetten, dass…? ist derart verstaubt, dass es nur durch und mit Gottschalk funktioniert hat. Seine Abschieds-Show zeigte das. Gäste oder Wetten waren völlig nebensächlich. Es ging nur um den Chef.

Wobei sich dieser ungewöhnlich nachdenklich gab. Er habe eigentlich nichts anderes als Seifenblasen produziert, sagte er. Und anders als bei seinem ersten Abschied von “Wetten, dass…?”, als “Show must go on” von Queen dröhnte, setzte er diesmal auf sanfte Orchestermusik. Als Gottschalk seinem Publikum zum Abschied den Rücken kehrte, klang es wie Winnetou IV.

Letztlich gilt auch für ihn: Der Tod ist der lebendige Beweis, dass kein Mensch unentbehrlich ist. Oder doch? Gottschalks letzte Worte waren: “Ich komme bald wieder”. Wir sind gespannt, Messias!

November 6th, 2011

“Ich moderiere Wetten, dass…?. Oder nicht.”

Na, bitteschön, da ist es doch – das Erfolgs-Fernsehformat der nächsten Jahre. Thomas Gottschalk moderiert seine Show weiter wie gewohnt und konfrontiert jeweils einen Studiogast mit der Aussage “Ich moderiere Wetten, dass…?. Oder nicht.” Das sorgt so lange für Hochspannung im Publikum, bis jemand “Ja, ich will” sagt. Am Samstag hat das schon mal prima funktioniert.

Das ZDF hatte ein klares Wort des bislang heißesten Gottschalk-Nachfolgekandidaten angekündigt. Und schon hatte “Wetten, dass…?” fast genau zehn Millionen Zuschauer, während die Konkurrenz-Show “Das Supertalent” 6,40 Millionen Fans verzeichnete. Hansi Hinterseer wollten in der ARD sogar nur 0,21 Millionen sehen.

Kerkeling lehnte ab. Wahrscheinlich, weil er klug genug ist, um zu erkennen, dass diese Show derart mit dem Moderator Gottschalk verwoben ist, dass andere Moderatoren/-innen sowieso scheitern müssen.

Aber warum nicht so weitermachen, wenn es Quote bringt? Im Fernsehen wird alles Mögliche gecastet: Sänger und Musiker, Song-Contest-Teilnehmer, Top-Models, Dackeldompteure, Jongleure oder notgeile Agrarökonomen. Warum also nicht auch den Super-Moderator suchen?

Das ZDF hätte eine neue Showidee etabliert. Und “Wetten, dass…?” würde den denkbar besten Mann für die Promis-präsentieren-ihr-neuestes-Produkt-Party bis auf Weiteres behalten. Alsdenn.

Oktober 9th, 2011

Schöne Zeiten enden – bei ZDF und CSU

Die Zukunft ruft. Sie lockt mit stetem Wandel und der Verheißung auf immer neue Rettungsschirme. Bloß: Viele hören nicht hin. Sie wollen, dass alles bleibt wie es ist. Oder das es wieder so wird, wie es einmal war. Zu erleben war dies am Wochenende gleich bei zwei Veranstaltungen im Nürnberger Messezentrum: beim CSU-Parteitag und bei “Wetten. dass….?”.

Erstmal zeigte sich der Hang zum Immergleichen am Beispiel der Show. Obwohl Moderator Thomas Gottschalk inzwischen als Auslaufmodell antritt, war er mit 9,06 Millionen Zuschauern der Sieger des Samstagsabends. Konkurrent Dieter Bohlen kam mit seinem “Supertalent” nur auf 6,58 Millionen Fans.

Wie kann das sein? Ein paar bekannte Showgrößen lümmeln auf einer Couch, dürfen kostenlose Werbung für ihre neuen Produkte machen. Dazwischen gibt es abstruse Wetten und ein bisschen Musik. Neu ist das alles nicht, aber “Wetten, dass…?” hat eben den Status von Tagesschau, Tatort oder Neujahrs-Skispringen. Es war irgendwie immer da und wird deshalb auch geguckt.

Allerdings: Gerade diese Show wird heftigst mit ihrem Moderator indentifiziert. Wer immer für Gottschalk kommt, wird es schwer haben oder wird schon bald das Comeback seines Vorgängers ankündigen. Ein ganz neues Gesicht, also einen großen Wandel, hält “Wetten, dass…?” nur schwer aus.

Nicht viel anders geht es der CSU. Früher war diese Partei ein echter Machtfaktor. In der alten Bundesrepublik schaute man nach Bayern, die Gamsbartträger am alpenländischen Sonntags-Stammtisch konnten die Weltpolitik in der Überzeugung diskutieren, dass die Oberen ihrer Partei in Bonn für Zucht und Ordnung sorgen würden.

Heute muss die CSU das tun, was eine ostdeutsche Pfarrerstochter will. Und so hatten beim Parteitag fast die hälfte der Delegierten Lust auf den Anti-Euro-Illusionisten Peter Gauweiler. Kein Seehofer-Stellvertreter hebt die Welt aus den Angeln. Das weiß man. Aber da wäre wenigstens wieder einer gewesen, der so redet wie damals.

Das Signal von Nürnberg von Anfang Oktober lautet also: Es ist nicht leicht, wenn schöne Zeiten zu Ende gehen. Ob beim ZDF – oder bei der CSU.

Juli 13th, 2011

“Wetten, dass…?”: Pelzig hält sich, aber die Frisur…

Ich bin noch die Auflösung meiner Umfrage zur Nachfolge für Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass…?” schuldig. (siehe hier)

Alsdenn: Favorit meiner Leser(innen) ist demnach Hape Kerkeling. Er bekam 45,24 Prozent der Stimmen. Überraschend gut gehalten hat sich der bislang noch überhaupt nicht gehandelte Erwin Pelzig. 40,48 Prozent trauen dem fränkischen Kabarettisten den edelsten ZDF-Job zu. Anke Engelke und Jörg Pilawa sind mit je 7,14 Prozent abgeschlagen, Oliver Geissen will niemand sehen.

Ich muss aber zugeben, dass ich den strukturellen Konservatismus der öffentlich-rechtlichen Showmanager unterschätzt hatte. Dem Vernehmen nach läuft nämlich derzeit alles auf Michelle Hunziker zu. Mit ihr wäre, bei allen sonstigen Unterschieden zu Thomas Gottschalk, eine klare Kontinuität hinsichtlich Haarfarbe und -frisur gegeben.

Diesen Aspekt hatte ich unterschätzt. Aber wer weiß: Der weiße Rauch soll erst im Dezember aufsteigen. Vielleicht kann der verunglückte Kandidat von damals wieder gehen – und es bleibt alles, wie es war. Gottschalks Frisur hält auf jeden Fall.

März 3rd, 2011

Bis zum Comeback helfen Heidi und Ken

Ken (50) - irgendwie der bessere zu Guttenberg

„Wir wollen Guttenberg zurück!“ An diesem 3. März gegen 11 Uhr hatten sich hierzu auf Facebook bereits über eine halbe Million Menschen bekannt. Aber geht es diesen Menschen wirklich um gute Politik? Darum, dass Deutschland am Hindukusch durch die CSU verteidigt wird? Nein. Hinter diesem Aufschrei steckt unsere Sehnsucht nach Schönheit. Der Trost: Uns kann geholfen werden.

Gut, auch Thomas de Mazière hat das Gesicht eines Politikers, welcher ernsteste Probleme löst. Aber er ist keine „Stilikone“, wie „Bild“ seinen Vorgänger betitelt hat. Doch was soll man machen, wenn ein Stern zunächst so gleißend hell strahlt, um dann umso schneller zu verglühen?

Eine viel größere Ausdauer zeigt zu Guttenbergs in feinsten Kunststoff gegossenes Ebenbild. Ken, der keimfreie Gefährte von Barbie, feiert bald seinen 50 Geburtstag. Am 11. März 1961 tauchte er unter seinem vollständigen Namen Ken Carson erstmals im Handel auf. Bei seiner Premiere trug er rote Badeshorts, Sandalen und ein gelbes Handtuch. 1973 gab es Ken erstmals mit kämmbarem Haar, er erschien uns als Pilot, Olympiawettkämpfer oder Pilot.

Dass er von Anfang an ein ziemlich hirntoter Lackaffe war, wurde ihm angesichts des blendenden Äußeren verziehen. Das kennen wir ja von irgendwo her.

Aber eine aufs Sofa gesetzte Puppe, so wird mancher nun einwenden, ersetzt doch keinen Politiker aus Fleisch und Blut. Gut, dann legen wir eben noch was drauf: Heute, am Tag 2 nach Guttenbergs Rücktritt, beginnt wieder die famose Castingshow „Germany`s Next Top Model“. Und auch dort wird unsere Super-Dummina Heidi Klum Fachwissen darüber vermitteln, wie wichtig es im Leben ist, immer blendend auszusehen.

Die stilbewussten Guttenberg-Fans sollten Ken und diese Sendung nutzen, um die Zeit bis zum Comeback ihres wahren Stars zu überbrücken. Denn dass es zur glänzenden Wiederkehr kommen wird, lehrt uns der Lyriker Rainer Maria Rilke: „Alle, die in Schönheit gehen, werden in Schönheit auferstehn.“

März 1st, 2011

Die Lösung: Die Guttenbergs zu “Wetten, dass…?”

“In diesen Tagen ist der sonst als Stilikone auftretende Mann zu beobachten, wie er eingefallen und stoppelbärtig erscheint. Er nestelt ungeschickt an seinem Jackett herum. Plötzlich wahren auch solche Menschen Distanz zu ihm, die sich vorher nicht dicht genug zu ihm hindrängen konnten. Wie hält der Mann das aus? Wie kämpft er gegen sein Leid?”

Diese (minimal veränderte) Herz-Schmerz-Prosa aus “Bild” gilt nicht einem unverschuldet in Hartz IV abgedrifteten Ex-Angestellten, sondern unserem Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg am Tag vor dessen Rücktritt. Die Frage ist aber nicht, wie die Leser ihren Schmerz beim Lesen dieses Textes überwinden. Es geht darum, was wir mit ihm anfangen. Nach seinem Leben in der Politik. Wie wir alle miteinander verhindern, dass er aus schierer Verzweiflung irgendwann stockbesoffen unter den Brücken von Kundus herumliegt.

Und ja, es gibt eine mögliche Fügung des Schicksals, nämlich “Wetten, dass…?”.

Ich hatte vor einigen Tagen nach möglichen Nachfolgern für Thomas Gottschalk gefragt. Als klarer Favorit entpuppte sich mit 80,42 Prozent der Stimmen Hape Kerkeling. Allerdings ist diese Quote anzuzweifeln, weil es schwer danach aussieht, als hätte sich da ein Hardcore-Fan die Finger wundgeklickt. Während Frank Elstner total und Jörg Pilawa ziemlich herb durchfielen, kam Dieter Bohlen mit 5,59 Prozent auf Platz drei.

Auf Platz zwei jedoch finden wir – richtig – Stephanie zu Guttenberg. Ihr trauen 10,49 Prozent zu, die berühmteste ZDF-Show zu moderieren. Ja, und nun stellen wir doch mal ihren Göttergatten dazu.
Wie Thomas Gottschalk kommt er aus Oberfranken, wird von den Leuten gerne angeschaut, kann ohne Punkt und Komma reden, ist im Herzen ein Rocker und weiß sich immer passend anzuziehen. Schließlich: Er würde eine Sendung übernehmen, in der fast immer die Schummler das größte Aufsehen erregt haben.

Stephanie und KT als Moderatorenpaar bei “Wetten, dass…?” – es wäre die von Millionen Rentnern herbeigesehnte Wiederkehr von Paola und Kurt Felix im 21. Jahrhundert. 15 Millionen und mehr würden zuschauen. Und Gottschalk wäre schnell vergessen.

Februar 27th, 2011

DSDS: Das Volk will keine “Superstarin”

Es gibt wahrlich gute Gründe, die alljährliche Suche nach Deutschlands neuem Superstar doof, schlecht, abschaltungs- oder gar verabscheuungswürdig zu finden. Aber diese Sendung erzählt uns viel etwas über unsere Gesellschaft. Nämlich dieses: Der Sozialismus mag irgendwann zurückkehren. Doch der Feminismus siegt nie.

So zeigte die erste RTL-”Mottoshow”, dass eine seit langem bekannte Grundregel der Politik unverändert gilt: Frauen wählen keine Frauen.

Februar 13th, 2011

Gottschalk und der Werther-Effekt

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Ein Grund dafür, warum sich anständige Medien mit Berichten über Suizide zurückhalten, ist der so genannte “Werther-Effekt”. Dieser besagt, dass spektakuläre Abschiede von dieser Welt, über die viel geschrieben und gefunkt wird, immer Nachahmer finden. Nun ist auch jeder Rücktritt ein kleiner Tod. Und somit hat Hosni Mubarak einen solchen Nachfolger gefunden. Thomas Gottschalk ist der neue Werther.

Gut, seine Rücktrittsankündigung in der gestrigen “Wetten, dass…?”-Sendung war uns irgendwie klar.

September 9th, 2010

Die neue Tatjana Gsell heißt Florian

So präsentiert sich Florian Stöhr ins seiner Eigenwerbung.

So präsentiert sich Florian Stöhr ins seiner Eigenwerbung.

Unsere allseits beliebte Glamour-Tante Tatjana Gsell befindet sich nachweislich im Spätherbst ihrer Karriere. Es braucht eine Nachfolgerin. Am besten natürlich aus Franken. Und bitteschön: Hier ist  Florian Stöhr! Etwa Mitte Zwanzig und mit allem gesegnet, was es zur Berühmtheit braucht.

Zuletzt hat sich der gebürtige Ochsenfurter im RTL-Machwerk ”101 Wege aus der härtesten Show der Welt” an der Seite von wichtigen Persönlichkeiten wie “Porno-Klaus” oder Daniela Katzenbergers Mutter Iris Klein als Kandidat bewährt.  Dabei bewies er durchaus Humor. Nach einem Bad in dem für gescheiterte Bewerber bereitgestellten Pool meinte er: “Die anderen Kandidaten werden nie so gut ausschauen nach dieser Sache, weil ich hab wasserfestes Make-up“.

Florian Stöhr kann man sich gut als eine etwas femininere Zweitausgabe von Daniel Küblböck zu dessen schlimmeren Zeiten vorstellen. Und wie beim Erfinder der “Positiven Energie” hat er einen Teil seines jungen Lebens in Nürnberg verbracht. Stöhr tauchte in der Noris als Friseur des Trend-Salons “mod`s Hair” auf. Nald wurde er auf  diversen Partys gesichtet. Speziell im “Indabahn” wurde er oft mit dicker Schminke und Handtäschchen gesichtet. Auch auf dem Norisring suchte er die Nähe zur Prominenz. Nun hat er es schon mal ins Samstagabend-Fernsehen geschafft.

Was aber verbindet Florian S. mit Tatjana G.? Nicht nur, dass er es war, der sie im april dieses Jahres wegen angeblichen Kokain-Genusses anschärzte. Sondern viel mehr sein Hang zu Schönheitsoperationen. Im Lebenslauf auf seiner Homepage nennt er unter “Besonderheiten” zwei Nasen-OP´s (11.500 Euro), Lippenaufspritzen (2.500 Euro), Botoxbehandlungen (8.000 Euro), Wangenknochenunterspritzen  (1.000 Euro), Magenverkleinerung (bei 1,80 Meter Größe und 59 Kilo Lebendgewicht) sowie die Entfernung zweier Rippen für eine schlankere Silhouette. Im Vorfeld der RTL-Show gab er zudem bekannt, dass er sich gerade die Po-Backen mit je 150 Gramm Silkon habe aufpolstern lassen.

Man sieht, da ist einer bereit, um in die Fußstapfen einer großen Vorgängerin zu treten. Und auch seine Lebenseinstellung könnte von Tatjana Gsell stammen: “Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Arbeiten nicht so liegt, denn es ist schöner Dienstleistungen zu empfangen als sie zu geben.”

Franken und der Rest der Welt dürfen sicher sein: A Star is born!

März 1st, 2010

Im Ring der Wiederkehr: DSDS und die Politik

Gesanglich der Einäugige unter den Blinden: Mehrzad Marashi.

Gesanglich der Einäugige unter den Blinden: Mehrzad Marashi.

Es war der geniale, letzten Endes aber ziemlich irre Philosoph Friedrich Nietzsche, der die Menschen im „Ring der ewigen Wiederkehr“ gefangen. Populärwissenschaftlich wurde dieser Stoff im Hollywood-Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ verarbeitet. Es gibt aber mindestens zwei weitere Institutionen, die uns das immer Gleiche als immer Neues präsentiert: Der Fernsehsender RTL und die Bundesregierung.

Als unser dicker Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der 80-er Jahre die „geistig-moralische Wende“ ausrief, hatten wir Fernsehzuschauer ganz andere Erwartungen. Hier waren die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren ständigen Wiederholungen alter Filme. Dort die privaten TV-Pioniere, die uns tagtäglich neue Überraschungen bieten würden. Das ist vorbei: Zu Tages- und Sportschau gesellten sich beim ZDF „Wetten, dass…“ und bei RTL „Wer wird Millionär?“ als ständige Neuauflagen des immer Gleichen. Bei diesen Angeboten geht das aber noch. Schlimm wird es allerdings, wenn Machwerke wie „Deutschland sucht den Superstar“ zu Konstanten des kollektiven Daseins werden.

Das Problem ist nämlich, dass diese alljährliche Wiederkehr nicht rund, sondern spiralförmig verläuft. Die Qualität, gemessen am Radius der Umdrehungen, wird immer kleiner. Die Geschwindigkeit, mit der junge Menschen vom Ruhm ins Vergessen geschleudert werden, steigt. Die Qualität nimmt Jahr für Jahr ab.

So ist es doch im Jahr 2010. Diese angebliche Mega-Show mutiert erreicht nach und nach das Niveau einer Agrardisco-Karaokeparty. Niemand bleibt vor allem deshalb drin, weil er/sie gut ist. Sondern deshalb, weil es noch schlechtere Bewerber(innen) gibt.

Und damit ist die Parallele zur aktuellen Politik da: Steuersünder, Steuersenkung, Hartz IV, Kopfpauschale, Afghanistan – die Diskussionen drehen sich im Kreis, der Regierung gelingt scheinbar immer weniger. Nach jeder neuen Debattenrunde ist das Bild diffuser anstatt klarer. Viele Wähler(innen) sind schon froh, wenn sie für sich das kleinere Übel finden.

Dumm ist nur eines: Beim Karoke kann sich jeder selbst blamieren, wann immer er will. In die Politik geht es nur nach Wahlen, so alle vier bis sechs Jahre.