Das große Geld für geduldige Mütter

Eigentlich, so denkt man, ist das Undenkbare das Arbeitsfeld der Drehbauchautoren für Science-Fiction-Filme oder der Verfasser von Fantasy-Romanen. Aber so ganz stimmt das nicht. Denn ist gibt ja Unternehmen wie Google und Facebook.  Deren Chefs glauben daran, dass alles machbar ist, wenn es den eigenen Zielen dient. Zumal diese Ziele – nach deren Überzeugung – weitestgehend identisch mit den Bedürfnissen der Weltbevölkerung ist. Die neueste Vision: Hoffnungsvolle Mitarbeiterinnen werden mit 20.000 Dollar belohnt, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen, um ihren Kinderwunsch erst dann zu verwirklichen, wenn es in die Karriereplanung passt.

Spontan hat diese Idee auf mich geradezu faschistisch gewirkt. Ein Unternehmen schickt sich an, über die Körper seiner Beschäftigten zu herrschen. So lange die Frauen jung, lern- und leistungsfähig sind, sollen sie unbelastet von Kinder- und Familien-Gedöns arbeiten. Es soll auch nicht ihr Schaden sein. Erst dann, wenn die steile berufliche Karriere in den Gleitflug übergegangen ist, soll Nachwuchs dazukommen. Nach einem sauber geplanten Zeugungszeitpunkt, der sich zum Beispiel nach Mondphasen und weiteren (pseudo-)wissenschaftlichen Erkenntnissen richten kann.

Wie soll das aber gehen? Zunächst muss man fragen, ob sich Google- oder Facebook-Mitarbeiterinnen per Eizellen-Einfrier-Vertrag zum Verzicht auf spontanen Sex verzichten. Es wird sich auch noch zeigen müssen, ob die Unternehmen bei der Auswahl eines internet-affinen Samenspenders behilflich sind. Vielleicht ist sogar noch eine höhere Prämie möglich. Nämlich dann, wenn sich die Frauen dazu verpflichten, ihre Omas einzufrieren, die die Kinder später von Kindergarten oder Schule abholen.

Es gibt aber einen Aspekt, weshalb die Idee des “Social freezing” nicht völlig absurd wirkt: Die Phantasielosigkeit der allermeisten Unternehmen, wenn es um die Karriere von Eltern und/oder Teilzeitkräften geht. Wer behauptet, dass Kinder kein Karrierehindernis darstellen, lügt. Viele Frauen, die eingestellt wurden, weil sie besonders klug und talentiert waren, verschwinden aus dem Blickfeld der Chefs, sobald sie wegen ihrer Familienpflichten keine Überstunden mehr klopfen. Statt voranzukommen erleben sie einen dauerhaften Stillstand.

So gesehen, müsste man Google oder Facebook dafür danken, dass sie Frauen die Chance geben, ihr berufliches Schicksal nachhaltig zu beeinflussen. Müsste man, wenn man glauben könnte, dass diese Konzerne zuallerst aus Nächstenliebe handeln.

Wer, bitteschön, ist so naiv? Also, lassen wir das. Verändern wir lieber die Arbeitswelt für Menschen mit Familie. Und vermerken wir aufmerksam, wie viel Geld Unternehmen für schockgefrostete Eizellen auszugeben bereit sind. Gute Mitarbeiter/-innen sind offenbar mehr wert, als uns unsere Chefinnen und Chefs üblicherweise sagen.

 

Wer hüpft ins Bett der schwarzen Witwe?

Es muss ja nicht gleich Elfriede Blauensteiner sein. Jene Österreicherin, die am Ende des vergangenen Jahrtausends mindestens drei Menschen ins Jenseits befördert haben soll und seitdem als „Schwarze Witwe“ die Kriminalgeschichte ihres Landes bereichert. Uns reicht schon Angela Merkel. Auch von ihr ist bekannt, dass ihre männlichen Parteifreunde und sonstigen politischen Lebensabschnittsgefährten gefährlich leben. Traut sich trotzdem jemand in ihre Nähe?
Ich habe Angela Merkel auch schon als “die wahre Femme Fatale” dargestellt. Aber so prophetisch dieses Video aus heutiger Sicht ist, so unpassend ist der Vergleich am Ende. Frauen dieser Kategorie haben ihre Opfer bevorzugt mit Erotik ins Verderben gelockt. Angela Merkel ködert mit Macht, sie ist somit ein eher männlicher Gegenentwurf zur unwiderstehlichen Sexbombe.
Schwarze Witwe passt besser. Es darf als feministischer Urtraum vermutet werden, einen Sexpartner für dessen fahrlässig ausgeführte Penetration mit einem verheerenden Biss in den Nacken zu bestrafen. Die Frauenforschungsstelle Münster hat sich vielleicht auch deshalb bei ihrer Gründung nach der Mörderspinne benannt.
Nun ist die Zahl der Opfer Merkels geradezu unmenschlich hoch. Kohl, Merz, Westerwelle, Koch, Rösler, Steinmeier, Müntefering, etc., etc., etc. Außerdem ist die Bundeskanzlerin tatsächlich frisch verwitwet – und wie bei den Spinnen sind die potenziellen Männchen deutlich kleiner als sie selbst.
Womit wir doch wieder bei Elfriede Blauensteiner angekommen sind. Auch sie ließ die Erotik beiseite und suchte lieber nach pflegebedürftigen Männern und Frauen, die wirtschaftlich etwas zu bieten hatten. Auch die SPD sehnt sich danach, aufgepäppelt zu werden, wobei sie einige Inhalte mitbringt, die im Laufe der Jahre sicher zum Programm der Union werden dürften.
Vor Gericht auf das überraschende Ableben ihrer Klienten angesprochen zitierte die Blauensteiner Pontius Pilatus: „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Hat sich Angela Merkel in der Fernseh-Elefantenrunde zum Ableben der FDP nicht ganz ähnlich geäußert?
Alsdenn, wer springt in Angies Bett? Die Sozialdemokraten sollten sich zumindest vorsehen…

Hier das Video: http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2011/06/30/die-wahre-femme-fatale/

Wahlmüde? Der Politik fehlt Sex-Appeal

Haaaallooo! Aufwachen! Wahl ist bald! Nicht zum ersten Mal frage ich mich, was mit den Menschen los ist. Politischer Meinungsstreit? Fehlanzeige. Das Land scheint sich zu einer Schnarchzapfen-Republik entwickelt zu haben. Die spannendsten Kommentare zur aktuellen Politik kommen von den erklärten Nichtwählern.

Woran liegt das? Vielleicht ja daran, dass Politiker/-innen nicht sexy sind. Das behauptet zumindest ein Dating-Portal, welches sich “Deutschland beliebtestes” nennt. 5000 seiner Nutzer/-innen hat es nach den Berufen mit dem größten Sex-Appeal gefragt. Das Ergebnis für die Politiker/-innen ist niederschmetternd.

Besonders erotisch sind demnach Uniformträger/-innen. Insbesondere dann, wenn die Männer muskulös und die Arbeitskleidungen der Frauen knapp geschnitten sind.  Wäre demnach Peer Steinbrück von Anfang an in der Gala-Uniform eines Flotillen-Admirals aufgetreten, hätte er schon jetzt mindestens 28 Prozent. Angela Merkel müsste als Krankenschwester zum Gegenangriff übergehen. Denn Männer verehren zu 31 Prozent die helfenden Engel in den kurzen Schürzen. Dicht dahinter liegen Stewardess oder Ärztin. Frauen stehen der Umfrage zufolge vor allem auf Polizisten, Piloten und – endlich ein ziviler Beruf – Barkeeper.

Völlig abgeschlagen auf einem der letzten Plätze rangieren dagegen die Politiker. Für lediglich 0,8 Prozent aller befragten Männer und Frauen haben Politiker und Politikerinnen das gewisse Etwas, bilanziert das Dating-Portal, welches somit Rainer Brüderle und Claudia Roth gleichermaßen als schwer vermittelbar einstuft. Das Sex-Appeal der gewählten Weltenlenker entspricht jenem der Pfarrer/-innen. Es wird nur noch durch Bestatter/-innen, Metzger/-innen und Müllmänner und -frauen unterboten.

Richtig deutlich wird die Pleite der Politik, wenn man sieht, welche Berufe zehn Mal mehr Verehrer/-innen zählen: Bankkaufmann, IT-Experte oder – echt wahr – Sekretär nannten die Frauen. Und für die Männer sind Bankkauffrauen, Verkäuferinnen sowie Architektinnen deutlich heißer als Kristina Schröder.  Die Wahlkampfstrategen sollten all dies bedenken. Für 2013 ist es wohl zu spät. Aber für die Zukunft gilt: Baut Muskeln auf, macht Euch schick, setzt Häubchen auf oder näht Euch ein rotes Kreuz auf den Oberarm. Dann wird das gelingen, worauf wir alle warten: Dass die heiße Wahlkampfphase wirklich heiß wird.

Der Mann schrubbt – leider oft vergebens

Männer, auch begabte Sexisten, müssen sich damit abfinden: Die einzige sichere Eigenschaft von Frau ist ihre Widersprüchlichkeit. Da läuft seit gut 30 Jahren unter dem Stichwort “Feminismus” ein riesiger gesellschaftlicher Feldversuch mit dem Ziel der Umerziehung des Mannes zu einem kooperativen, gerechten, sanften, hilfsbereiten Wesen. Und nun das: Ehemänner, die Hausarbeit leisten, verlieren die Lust auf Sex und werden von ihren Frauen als weniger attraktiv eingeschätzt.

Das behauptet Medien zufolge das Center for Advanced Studies am Juan-March-Institut in Madrid. Mittels einer Befragung von 7002 Teilnehmern will es herausgefunden haben, dass insbesondere das Erledigen von Arbeiten, die als typisch weiblich gelten, die Libido beeinträchtigen. Wogegen Männer, die im Garten arbeiten oder Rechnungen bezahlen, gemäß dieser Studie häufiger Tanzkarten verteilen.

Ich gebe zu bedenken: Hinter den meisten Umfragen steckt ein Auftraggeber. Und selbst Professoren sind bestechlich. Einen Geldgeber wird es auch hier gegeben haben, zumal es sich bei diesem bislang völlig unbekannten Institut entweder um eine frische Existenzgründung oder um eine betrügerische Briefkastenfirma handeln könnte. Wer weiß, vielleicht stecken die Baumärkte in der Umsatzkrise und wollen Hornbach-Erotik mit Nachdruck salonfähig machen. Eventuell wollen uns die darbenden Handelskonzerne einbleuen, dass das Abzeichnen von Quittungen ein majestätischer, mega-männlicher Akt ist. Oder die von einbrechenden Verkaufszahlen gebeutelte Autoindustrie wollen den Männern wieder klar machen, dass das Einseifen der verdreckten Karre schärfer macht als das Schrubben der Toilettenschüssel. Zumal Letzteres zwangsläufig den Anteil der Sitzpinkler steigert.

Vielleicht aber leben wir nur in seltsamen Zeiten. Wenn das RTL-Dschungelcamp für einen angesehenen Fernsehpreis nominiert wird, kann es ja sein, dass in unserer Wahrnehmung die Grenzen zwischen blöd und originell verwischen. Was auch für Umfragen gelten könnte.

Zumal es auch andere Studien gibt. Demnach hängt die Zufriedenheit von Frauen in der Ehe stark davon ab, ob und wie stark sich ihre Männer im Haushalt beteiligen. Tja. Frauen sind eben so – unbestimmt. Und für den Mann des 21. Jahrhunderts gilt wohl ein schöner fränkischer Satz. “Wäimers machd, is verkährd.” (Wie man es macht, ist es verkehrt) Und so putzen wir vergebens. Das ist die Tragik des Lebens.

Ergo-Skandal: Die nächste Lustreise führt ins Kloster

“Versichern heißt verstehen.” So laut ein Werbeslogan der Ergo Versicherung. So richtig Verständnis findet das Unternehmen zurzeit aber nicht. Die Welt wundert sich darüber, dass es zur Motivation der Verkäufer offenbar Lustreisen in Bordelle oder Swingerclubs braucht. Die Welt fragt, ob das nicht anders geht.

Unbedingt geht das. In allen Unternehmen, die etwas verkaufen oder mit cleveren Dienstleistungen punkten wollen, ist die Motivation der dafür zuständigen Mitarbeiter/-innen ein ganz großes Thema. Eine ganze Branche – die Unternehmensberatungen, Coaching-Agenturen und sonstigen Psychoberater – lebt davon. Und denkt sich auch viel aus: Da gibt es Gespräche, in denen die Hilfschefs fachlich und seelisch die Hosen herunterlassen müssen. Führungskräfte bekommen auf Seminaren das Wesen des “Lean Management” – mit rückläufigem Humankapital immer effizientere Ausbeutung realisieren – erläutert.

Abteilungsleiter und Unterabteilungsleiter hängen an Bäumen, sie stolpern zwecks “Teambildung” über Hochseilgärten. Sie kriechen auf der Suche nach dem richtigen Weg durch dunkle Höhlen, sie marschieren durch Wälder, wo sie sich drei Tage lang nur von Beeren ernähren können. Sie sausen in Schlauchbooten durch Stromschnellen und entdecken die pure Lust am gemeinsamen Kentern.

Viel Psychologie steckt in all diesen Formen der Gehirnwäsche. Aber eine Ergo Versicherunges verspricht nicht nur via Werbung “Klartext”, sie wählt auch die direkte Art. Da man seit der Antike weiß, dass der Entzug von Sex Frieden zu stiften vermag, ist es auch klar, dass wilder, hemungsloser Sex den Mann erst richtig zum Krieger macht.  Und herrscht nicht Krieg in der Versicherungsbranche? Kann man unrentable Lebensversicherungen ohne pathologischen Testosteronüberschuss überhaupt überzeugend verkaufen?

Die Antworten liegen auf der Hand.  Für die Turboverkäufer der nunmehr moralisch geläuterten Ergo Versicherung dürfte dennoch bald ein anderer Wind wehen. Sie werden die jeweils neuen Verkaufsziele in Exerzitien in abgelegenen Klöstern verinnerlichen. Auf die Ergebnisse der konzerninternen Studie zum Thema “Auswirkungen des Heiligenscheins auf die strukturelle Abschlussorientierung” sind wir wahrlich gespannt.

 

 

122 Millionen Mal Glück ist nicht genug

Wer heutzutage das Glück sucht, dem stehen viele, viele Helferlein zur Seite. Der Suchbegriff „Glück“ führt bei Google zu 122 Millionen Treffern. Beim Internet-Händler Amazon meldet die gleiche Anfrage 44.744 Produkte, für die dieser Begriff verwendet wird. Tipps für die Suche nach seliger Zufriedenheit fehlen also nicht. Warum sind dann viele Menschen so furchtbar unzufrieden?

Ein Grund ist sicher, dass das, woran wir gerade denken, immer woanders ist. Eine neuere wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass die meisten Männer beim Aufstehen die Arbeit im Kopf haben. Dort angekommen, denken sie an Sex. Und wenn sie wieder daheim sind, denken sie an Sport, vorzugsweise Fußball. Tatsächlich aber werden sie, falls sie verheiratet sind, mit der Frage konfrontiert: “Wie war Dein Tag?”. Die ehrliche Antwort – prallvoll mit Sexphantasien – verbietet sich. Die sonstige Ratlosigkeit jedoch wird als Kommunikationsverweigerung aufgefasst. Also müssen die Männer erklären, warum während bedeutender sportlicher Begegnungen Gespräche nicht erwünscht sind.

Diese Unterredung endet erst, wenn die spannendsten Momente des Sportereignisses vorbei sind. Unser Mann trinkt einen Absacker, schläft zornig ein – und träumt vermutlich von der Arbeit.

Ja, aber wo ist da die Liebe? Wo ist die Erotik? Braucht es nicht, denn nach einer anderen Studie würden 57,6 Prozent der Frauen lieber ein Jahr lang auf Sex verzichten als auf Fernsehen. Dieser ist zuverlässig vorhanden. Sport läuft ja nicht immer.

Bei Männern soll es übrigens ganz anderes sein: Für 61,6 Prozent ist TV eher verzichtbar als Erotik. Sagen die Männer über sich selbst. Gelegenheiten, den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu untersuchen gibt es in Kürze während der Olympischen Spiele.  Der Test für Frauen geht so: Bestehen Sie auf der Übertragung vom Dressurreite, während zeitgleich Beach-Volleyball der Damen läuft.

Es wird sich – meine Prognose – der große Wahrheitsgehalt einer anderen Studie erweisen: Es gibt einen starken Trend zum Zweitfernseher.

 

Alkohol macht schön!?

Welcher einsame Großstadt-Wolf  kennt das nicht? Er sitzt an der Bar. Irgendwie hormonell aufgeladen, aber angesichts der anwesenden Ladys nicht übermäßig motiviert. Er trinkt was, und schließlich wird der Wolf zum Jäger. Er reißt seine Beute, erlebt eine heiße Nacht – und erschrickt beim Aufwachen. Wie kommt einer wie er zu dieser hässlichen Frau?

So stellen wir uns gemeinhin den Akt und die Folgen des Schönsaufens vor. Der pirschende Mann trübt seine Sinne, damit sie ihm Attraktivität vorgaukelt, wo gar keine ist.

 Bloß: So stimmt das nicht. Durch Alkohol wird nämlich der Wolf sexy. Französische Wissenschaftler wollen dies in einer Studie mit dem Titel “Die Schönheit liegt im Auge des Biertrinkers” herausgefunden haben. Demnach ist der verklemmte und/oder verschüchterte  Nachtschwärmer, der sich ansonsten schon dann erotisch wähnt, wenn er auf Facebook mit zitternden Fingern auf “Anstupsen” drückt , zunächst hilflos. Männer haben ja Probleme, Lustsignale von Frauen zu empfangen und zutreffend zu bewerten.

Der Alkohol jedoch fließt nicht nur in die Leber, sondern offenbar auch ins Rückgrat. Unser Jäger strafft sich und beginnt, sich selbst immer attraktiver zu finden. Schön, wie er sich nunmehr fühlt, ist er bereit zum zielführenden Gespräch.

Soweit die Forscher. Nicht untersucht haben sie allerdings, wie sich die Attraktivität eines zunehmend besoffenen Menschen in der Wahrnehmung der Umgebung verändert. Es liegt sicher am Ausmaß des Saufens und am Mundgeruchfaktor des jeweiligen Getränkes. Wodka oder Wein haben da bestimmt eine bessere Prognose als fränkisches Landbier.

Zwei Probleme aber bleiben: Auf jeden Rausch folgt der Kater. Und jeder Depp bleibt Depp. Ohne Alkohol leben, aber über lange Strecken einsam sein, ist alles in allem gesünder. Man nennt es auch Marathonlauf. 

Wo kein Weib, ist immerhin noch Wein

Wenn das keine Verheißung war: „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“. Dies erklärte unser großer Reformator Martin Luther und machte so der katholischen Lustfeindlichkeit ein Ende. Vor allem aber vermittelte er damit das Bild, dass das alles zusammengehöre.  Männliche Fruchtfliegen können da nur süß-sauer lächeln.

Aber zurück zum Motto: Der galante Wiener Walzerkönig Johann Strauß machte den Wahlspruch zum Titel eines seiner Werke. Damals war die Welt von Mann und Frau offenbar noch wohlgeordnet. Als aber ein gewisser Ian Dury 1977 seine Punk-Folk-Version unter dem Titel “Sex and Drugs and Rock´n Roll” herausbrachte, konnte man schon den Eindruck haben, dass alles zusammen schwer erreichbar sein könnte. Der Mann war einfach zu hässlich und hatte auch noch richtig schlechte Zähne.

Außerdem hatten Udo Jürgens mit “Griechischer Wein” und Peter Alexander mit “Die kleine Kneipe” schon 1974 und 1975 davon gesungen, dass Saufen auch mit anderen, ernsteren Themen zu tun haben könnte.

Das Thema “Ersatzbefriedigung” rückt seitdem mehr und mehr in den Blickpunkt der Gelehrten. Womit wir bei der Fruchtfliege wären. Forscher der University of California haben nämlich herausgefunden, dass sich männliche Fruchtfliegen mit Alkohol trösten, wenn sie keinen Sex bekommen. Sie hatten im Labor männliche Fliegen mit Weibchen zusammengebracht, die sich zuvor gepaart und folglich kein Interesse mehr an Sex hatten.

Die zurückgewiesenen Männchen hatten im Anschluss die Wahl zwi­schen normalem und Ethanol-halti­gem Futter. Sie stürzten sich auf den Alkohol.

Nun versprechen sich die Forscher von ihrer Studie neue Erkenntnisse über das Suchtverhal­ten beim Menschen. Mit Verlaub: Ich mag daran nicht glauben. Dazu ist sie einfach zu unvollständig. So wurde den Fruchtfliegen als Alternative weder Halbmarathon, Harley-Davidson, Bundesliga-Dauerkarte noch eine Mitgliedschaft im Golfverein vorgeschlagen.

Und es fehlen Hinweise auf die geheimen Gelüste verschmähter Fruchtflieginnen. Unser singender Menschenkenner und -freund Udo Jürgens hatte dafür im Jahr 1976 eine Idee. Torte – “Aber bitte mit Sahne!”.

 

Keine Sorge, die nackten Mädchen wandern nur

So, Haken dahinter: Der internationale Frauentag ist auch wieder geschafft. Jetzt noch amMuttertag Pralinen verschenken. Dann war’s dann wieder mit der Frauenfreundlichkeit, bis zum Valentinstag 2013.  Man darf es mit der Gleichberechtigung nicht übertreiben. ZumGlück haben Aktionstage keine Folgen. Ach! Und was ist mit der Revolution bei “Bild”?

Da hat doch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung tatsächlich von einem Frauentag auf den anderen das Seite-1-Mädchen abgeschafft. Dabei war doch die Kombination aus nackter Haut und neckischen Texten eines der wichtigsten Kauf- oder zumindest Hinguck-Argumente. Über 5000 Mal waren hüllenlose Schöne zu betrachten. Was haben sich die Herren der Redaktion (die Frauen hatten am 8. März frei) dabei bloß gedacht?

Vielleicht wollten sie beweisen, dass Frauenrechte auch durch Frauenversteher gewährleistet werden können. Wäre das so, könnte man sich die Debatte um Quoten für redaktionelles Führungspersonal sparen. Und kennen wir es nicht auch von Seminaren oder Unternehmensberatungen, dass die besten Ideen meistens “jemand von außen” hat?

Vielleicht plant “Bild” lediglich Brustvergrößerungen. Da auf der Titelseite wegen zurücktretender Bundespräsidenten, fistelstimmiger Castings-Stars, Helden des Sports und sonstigen Katastrophen immer drangvolle Enge herrscht, eröffnet das Verlegen des Nackig-Girls auf Seite 3 neue gestalterische Möglichkeiten. Man kann dann so ein schönes Strapsbild ja auch mal ganz groß bringen.

Vielleicht geht es aber nur ums Geld. Die Verkaufszahl der “Bild”-Zeitung im vierten Quartal ist von 2010 auf 2011 um 6,8 Prozent zurückgegangen. Glaubt man also, dass die Gelegenheitsgaffer zu zahlenden Kunden werden, wenn sie das Blatt am Kiosk in die Hand nehmen und umblättern müssen? (“Lesen verpflichtet zum Kauf”)

Denken wir in Ruhe drüber nach. Sicher dürfte aber sein, dass es sich bei der großen Frauenaktion um Heuchelei handelt. “Bild” ohne nackte Haut und ohne die Sex-Beichten von A- bis F-Promis ist für das breite Publikum so interessant wie ein Fußballspiel ohne Ball und Zalando ohne Schuhe.

Also Männer: Haken dahinter. Die Bild-Zeitung bleibt, wie und was sie ist. Und der nächste Internationale Frauentag kommt ganz bestimmt.

 

Von der Sex- zur Steuersteuer

Zu den edelsten Rechten der Kommunen zählt das Steuerfindungsrecht. Jede Stadt könnte, wenn sie es denn wollte, eine Abgabe auf Hauskatzen, Papageien oder Goldfische einführen. Bei uns in Nürnberg wäre auch eine Bratwurststeuer ein lukratives Geschäft. Die Stadt Bonn hat nun die Prostituierten als Geldquelle entdeckt.

Die Huren auf dem Straßenstrich müssen künftig vor Arbeitsbeginn ein “Steuerticket” ziehen. Sechs Euro kostet der Zettel, der aus einem umgebauten Parkscheinautomat gezogen wird. Dieser berechtigt die Prostitutierten zu einer “Betriebszeit” von 20.15 bis 6 Uhr.

Selbstverständlich will die Stadt Bonn durch ihre Straßenstrichsteuer niemand schröpfen. Sagt sie. Es gehe vielmehr darum, “Steuergerechtigkeit” herbeizuführen. Schließlich müssten auch stationäre Bordell-Prostituierte Geld abführen. Dass jährliche Einnahmen von 300.000 Euro erwartet werden, ist demnach nur ein netter Nebeneffekt. Ein Gerechtigkeitsbonus, sozusagen.

Nun könnte man fragen, ob eine Stadt, die sich an der Prostitution bereichert, nicht selbst zur Zuhälterin wird. Aber das ist Quatsch. Wer Kindergärten, Schulen und Sportplätze finanzieren will, muss eben dort hinlangen, wo etwas läuft. Auf dem Volksfest mit der Biersteuer, bei Starbucks mit der Kaffeesteuer, in der Schnapsbar mit der Branntweinsteuer, in Wäldern und auf Wiesen mit der Jagd- und Fischereisteuer, an unseren Arbeitsplätzen mit der Vergnügungssteuer, in den Werbeagenturen mit der Drei-Tage-Bart-Steuer, in den Stadien mit der Jubelsteuer, in den Dixie-Klos mit der Urinsteuer, in Vorgärten mit der Spatzensteuer und in Kirchen mit der Leuchtmittelsteuer auf Kerzen.

Sie finden, das alles geht zu weit? Quatsch, alle diese Abgaben gibt es oder hat es so oder so ähnlich schon irgendwann gegeben.

Sie sind deshalb froh, dass es das schlimmste fiskalische Folterinstrument nicht gibt, die Steuersteuer auf alles, was Steuern kostet? Auch Quatsch. Auch die gibt es, sie heißt nur eleganter Mehrwertsteuer. Aber die kriegen Bund und Länder. Da sind die Kommunen nicht schuld. Ausnahmsweise.