Posts Tagged ‘Seehofer’

Juni 3rd, 2013

Wir nach der Sintflut

“Das ist ja wie die Sintflut!” Das rufen die Menschen gerade überall. Selten hat es eine derartige massenhafte Wiederentdeckung des Alten Testaments gegeben. Was die meisten übersehen: Es ist tatsächlich eine neue Sintflut. Gott hat es mit dem Bestrafen der Menschen heute bloß schwerer.

Der Herr hat gute Gründe für seinen Zorn. Wir glauben immer noch fest an Angela Merkel, die CSU könnte trotz der Verwandtenaffäre die absolute Mehrheit bekommen. Die FDP ist völlig grundlos wieder bei fünf Prozent – und Bayern München gewinnt alles, was es zu gewinnen gibt. Wer fressen die sinnlosesten Lebensmittel und bereiten uns durch den Kauf von Vierrad-Fahrzeugen auf die schwierigeren Straßenverhältnisse durch Starkregen und Wüstenausbreitung vor. Die Nation glotzt “Wer wird Millionär?” oder “Germany’s Next Top Model”, während in Südeuropa zwecks Jobmangel eine junge Bürgerkriegsgeneration herangezüchtet wird. Und, und, und…

Sicher, zur Zeit des Alten Testaments gab es reichlich Unrecht und Barbarei. Wer sich mit dem Nachbarn über einen falsch gesetzten Gartenzaun gestritten hat, hat ihm mit dem Knüppel die Rübe weggehauen. Heute schickt man Drohnen los. Diese töten mit dem Bösewicht zwölf unschuldige Zivilisten. Sie arbeiten aber sauberer.

Recht hat er also, der liebe, wütende Gott. Er hat bloß ein Problem: Er kriegt das mit der Höchststrafe – dem Ausradieren aller Sünder – nicht mehr hin. Denn seit Noah hat sich einiges geändert. Es wurden Deiche gebaut, in jedem Baumarkt gibt es Hochleistungspumpen. Und schließlich sind überall aktive Ortsgruppen von Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk im Einsatz.

Man fragt sich doch: Wie wäre es in der Bibel weitergangen, wenn es zu Noahs Zeiten schon Talsperren und Regenrückhaltebecken gegeben hätte? Wenn die freiwilligen Abpumper schon gelebt hätten? Wären vielleicht nur die Nagetiere ersoffen und die Menschen hätten Gott besiegt und wären noch schneller böse geworden?

Wir werden darauf, wie auf viele Fragen des Glaubens, keine eindeutige Antwort finden. Wir wissen allerdings, dass Angela Merkel und Horst Seehofer das überflutete Passau besuchen werden. Gemeinsam, wahrscheinlich in Gummistiefeln. Das ist der endgültige Sieg des modernen Menschen über das Alte Testament. Fürchtet Euch nicht!

Mai 15th, 2013

Horst Seehofer und seine CSU 21

Eines muss man Horst Seehofer lassen: Wenn es um Machterhalt geht, arbeitet er ohne Rücksicht auf Verluste. Die berühmte Steigerungsformel Feind, Todfeind, Parteifreund stimmt bei ihm. Wer nichts mehr bringt, wird abserviert. Bis aus seiner Sicht alles wieder im Lot ist, werden noch einige Opfer Donau, Inn oder Main hinabschwimmen.

Oder auch die Pegnitz? Die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl hat zurzeit ziemliche Probleme. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sie mit einem Beratervertrag für die Schweizer Sarasin-Privatbank ähnlich viel Geld verdient wie für ihr Bundestagsmandat. Das ist schädlich, weil man in diesen schweren Zeiten für Steuersünder die Nähe zu Geldinstituten der Alpenrepublik meiden sollte. Da muss jemand die nächste Zeit höllisch aufpassen.

Wie dem auch sei: Dem CSU-Chef ist zu bestätigen, dass er aus der jüngeren Geschichte gelernt hat. Nämlich von Stuttgart 21. Wenn die Probleme zu groß werden, wenn sich gar zwei bis drei Prozent der Wähler/-innen abzuwenden drohen, holt man eine Persönlichkeit von früher, die als moralisch sauber gilt. Beim berüchtigten Bahnhof war es Heiner Geißler, bei der CSU ist es Theo Waigel. Ein Mann, dem man zutraut, jene Verhaltensregeln zu formulieren, die für anständige Politiker/-innen selbstverständlich sein sollten. Ich denke, das schafft er. Mich hätten sie aber genauso fragen können.

Oder Günther Beckstein. Man kann ihm vorwerfen, dass er in Sachen Innere Sicherheit eine mitunter extreme Nervensäge war. Andererseits konnte man ihn nicht einmal in seiner Zeit als bayerischer Kurzzeit-Sonnenkönig mit Raffgier-Vorwürfen in Verbindung bringen. Seine Ehefrau hat ihr Geld immer selbst verdient – und sogar das Oktoberfest-Dirndl verweigert.

Somit wäre er nicht der schlechteste Anstands-Sanierer für die CSU. Aber: Seine Leiche ist die Pegnitz schon hinabgeschwommen. Letztlich mit den Zielen Regnitz, Main, Rhein und Nordsee. Dort wird er wohl verschollen bleiben. Bayern ist nicht die hohe See. Hier meucheln sich die poilitischen Binnenschiffer. Wer am Ende übrig bleiben wird – außer dem Horst – wird sich noch zeigen…

April 22nd, 2013

Rettet die CSU-Politikerfrauen!

Angesichts der Steuerhinterziehung durch Uli Hoeneß, Fußballgott, ist für die Öffentlichkeit ein anderer großer bayerischer Skandal in den Hintergrund gedrängt worden: Es geht um das Schicksal von Frauen. Genauer gesagt, um das weitere Überleben der Frauen bedeutender CSU-Politiker.

Politischen Beobachtern ist seit langem klar, dass die CSU den Freistaat Bayern als ihr Eigentum betrachtet. Die meisten Wahlergebnisse der Vergangenheit haben – das sei der Partei zugestanden – diese Vermutung durchaus gestützt.
Was aber ist gerade los?

Alle Landtagsabgeordneten erhalten eine Pauschale, mit der sie Bürokräfte bezahlen können. Aber brauchen das Volksvertreter einer Partei, der aus Tradition sowieso sämtliche Ministerien treu und ergeben zuarbeiten? Also dachten sich alte Recken wie der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Ludwig Spaenle und Fraktionsschef Georg Schmid, dass man dieses Geld doch auch in der Familien lassen könne. Man beschäftigt also, so wie das Oktoberfest-Wirte und Dönerbuden-Besitzer tun, die eigene Frau. Und entschädigt sie so nebenbei für die Entbehrungen an der Seite eines hauptberuflichen Weltenlenkers.

Jetzt ist diese besondere Form der Arbeitsbeschaffung herausgekommen. Und sofort gab CSU-Chef Horst Seehofer die Büro-Gattinnen zum Abschuss frei. Spaenle kündigte seiner Frau zum 1. Mai, Schmid schickte seine Angetraute mit sofortiger Wirkung zur Arbeitsagentur.

Als überzeugter Gewerkschafter finde ich das unerhört. Wo bleibt der Aufschrei meiner Organisation? Sind nicht sechs Wochen zum Quartalsende die Mindest-Kündigungsfrist? Ist die Politik ein rechtsfreier Raum, in der langjährige Mitarbeiterinnen einfach auf der Straße gesetzt werden, weil irgendein Oberboss den Daumen senkt? Wo bleibt die Vorbildfunktion für andere Arbeitgeber?

Nach allem, was ich weiß, gibt es betriebsbedingte Kündigungen. Was bedeutet, dass ein Arbeitgeber jemand auif die Straße setzt, weil er sich die Beschäftigung dieses/dieser Mitarbeiter/-in nicht mehr leisten kann. Diese Stelle muss nach der Entlassung frei bleiben.

Ein Abgeordneter ohne Büro ist aber undenkbar. Somit bleibt nur die außerordentliche, sprich fristlose Kündigung. Hier muss sofort auf ein eklatantes Fehlverhalten reagiert werden.

Aber was könnten diese Frauen getan haben? Haben sie Horst Seehofer beleidigt? Haben sie beharrlich die Arbeit verweigert oder haben sie eine Krankheit vorab angekündigt? (Und heut’ Abend hab’ ich Kopfweh?) Haben sie Menschen für blöd erklärt, weil diese immer noch CSU wählen? Haben Sie die Rede für das Kaninchenzüchter-Jubiläum geklaut? Waren sie pampig zu Lobbyisten?

Diese und viele andere Fragen stehen im Raum. Mindestens ein Grund muss zutreffen. Ansonsten werde ich mich auf allen Ebenen meiner Gewerkschaft für eine massivst-mögliche Kündigungsschutzklage einsetzen. Wie? Was? Frau S. wurde in einem Bayern-Trikot in der Schweiz gesehen? Na gut, dann hat er recht, der Horst. So etwas geht wirklich nicht mehr…

März 4th, 2013

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

“Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!” – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

Oktober 27th, 2012

CSU-Affäre, oder: Die Macht der Problembären

Wie können die bloß so blöd sein? Angesichts der Drohanruf-Affäre der CSU schießt einem diese Frage ganz zwangsläufig durch den Kopf. Spätestens seit Christian Wulffs Absturz hätte eigentlich klar sein sollen, dass derartige Aktionen gegen die Pressefreiheit äußerst gefährlich sein können. Warum ist es trotzdem passiert?

An Übereifer beim bisherigen CSU-Sprecher Hans Michael Strepp glaube ich nicht. Trotz aller Dementis. Denn der Versuch, durch “gut gemeinte Hinweise” Einfluss auf Medien zu nehmen, ist seiner Partei keineswegs fremd. So hat Markus Söders Ex-Sprecherin Ulrike Strauß beim Bayerischen Rundfunk erfolgreich gegen einen Beitrag interveniert. Vor allem aber lokale Medien werden das bestätigen.

Dazu muss man wissen, dass die CSU ihrem Wesen nach keine Großstadtpartei ist. Typische Themen oder Probleme der Zentren – Ablehnung von Institutionen, Vereinzelung, hoher Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit, Straßenkriminalität, unkontrollierte Kreativität – sind ihr zuwider. Toleranz steht im Wertesystem der CSU nicht ganz weit oben. Sie ist mehr die Partei des “gesunden Menschenverstandes”, der mit Geranien geschmückten Eigenheime, der eifrig genutzten Beichtstühle und der Feuerwehrfeste. Laptop ja, aber bitte mit mentaler Lederhose. Dort, wo erfolgreiche Milchviehhalter Vip-Status haben, atmet der Geist der Christsozialen besonders frei. Ihr Generalsekretär Alexander Dobrindt stammt aus Peißenberg. 12.500 Einwohner hat diese Marktgemeinde. Das passt perfekt.

In solchen Umgebungen ist es normal, dass einer Partei wie der CSU nicht nur der verfassungsgemäße Beitrag zur politischen Meinungsbildung zukommt. Vor allem dort, wo sie unangefochten regiert, bestimmt sie auch gerne mit, was in der Zeitung steht. Die Ermahnung an Journalisten, dass man doch das Wohl der Stadt sehen möge, ist wohlbekannt.

Wir haben es also mit einem Problem der Mentalität und dem Verhältnis zur Macht zu tun. Die CSU war nach ihrer Wahlpleite von 2008 bescheidener geworden. Wenn aber, wie jüngst, die Umfragewerte nachoben gehen, werden die alten Denkmuster neu stimuliert. Und dann wird es gefährlich.

Das können Menschen treffend beschreiben, die das Innenleben der CSU bestens kennen. Wie etwa die allgemein kaum mehr ernstgenommene frühere “schöne Landrätin” Gabriele Pauli. Sie hat zum aktuellen Geschehen Pressemitteilungen verschickt. Ich leiste mir den Luxus, daraus zu zitieren:

“‘Wenn Horst Seehofer die CSU als ‘bärenstark’ bezeichnet, fallen mir sofort die Probleme mit dem ‘Schadbären’ Bruno aus dem Jahr 2006 wieder ein. Man weiß ja, wie die Sache damals ausging, selbst der starke Bär wurde erlegt. Die Partei lullt sich derzeit mit bestellten honigsüßen Umfragen selbst ein. Die Partei hat nach wie vor ein grosses Frauenproblem und viele männliche ‘Problembären’. Erst maulen sie über Monate hinweg lauthals gegen Merkels Europapolitik und fordern das Zudrehen des Geldhahns für Griechenland. Aber wenn die Kanzlerin beim Parteitag im Saal spricht, wirken Seehofer, Dobrindt und Söder wie kuschelige Teddybären und tanzen nach Merkels Taktstöckchen.”

Und zur Anrufaffäre lässt Pauli verbreiten: “Die CSU von 2012 unterscheidet sie in ihrer Skrupellosigkeit nicht von der CSU unter Edmund Stoiber. Sie ist machtvergessen und machtversessen. Die DDR wurde nicht aufgelöst, in Bayern lebt sie noch.” Paulis Fazit zum missratenen Telefonat: “Das ist der Anfang vom Ende der CSU bei der Landtagswahl 2013.”

Interessante Analyse, verwegene Prognose. Würde beides stimmen, wär’s ein Wunder.



September 3rd, 2012

Herdprämie, die stille Revolution

Oh heilige Statistik! Man stellt es sich doch ganz einfach vor. Man sammelt Daten, wertet sie aus – und weiß hinterher ganz genau, was Sache ist. Aber das stimmt nicht. Denn es kommt immer noch darauf an, wer die Zahlen anschaut. Vor allem dann, wenn es um revolutionäre Veränderungen geht.

Ich habe das bei einer politischen Diskussionsrunde am Beispiel Krippenplätze ganz frisch erlebt. Einer amtlichen Statistik zufolge verfügt München über 14.729 Krippenplätze. Das sind 52 Prozent aller Krippenplätze in Bayern. Die SPD bejubelt deshalb ihren Oberbürgermeister und Landtags-Spitzenkandidaten Christian Ude als “Usain Bolt der kinderfreundlichsten Politiker”.  Die CSU kontert prompt: In München lebten die meisten Menschen. Also sei klar, dass es dort die meisten Krippenplätze gebe. Tatsächlich stellt das CSU-geführte Sozialministerium München und Nürnberg als Bayerns größte Problemzonen in Sachen Kinderbetreuung an den Pranger. Hier fehlten die meisten Betreuungsplätze.

Aber es gibt ja noch das Betreuungsgeld. Und die von Spöttern so genannte “Herdprämie” ist eine Revolution, der weitere Revolutionen folgen könnten. Denn sie ist die erste staatliche Subvention, die gewährt wird, weil man ein Recht gegenüber dem Staat nicht in Anspruch nimmt.

Man bekommt diese Zuwendung  ja nur dann, wenn man auf einen Kinderbetreuungsplatz verzichtet. Genau das aber lässt sich weiterdenken. Es wäre demnach doch ganz normal, wenn Fußgänger Geld aus der Mineralölsteueraufkommen dafür bekämen, dass sie die Straßen nicht benutzen. Wer unterschreibt, dass er auf keinen Fall ins Opernhaus geht,  könnten seinen Anteil an den öffentlichen Kultursubventionen erwarten.

Gleiches müsste für Menschen gelten, die nie öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Und wer einen Bogen um die Stadtbibliothek macht, dürfte sich auf einen Buchgutschein freuen.

Man sieht: Es gibt schier unendliche Möglichkeiten, Prämien zu finden. Fangen wir an, gehen wir bis zum Koalitionsbruch – und danken wir Horst Seehofer und Co. für deren wunderbare Idee.

Juli 31st, 2012

Der wahre Terrorist hat Aknepickel

Deutschland, sei wachsam! Der Feind lauert in deinem Inneren! Er ist jung. Er hat gerade noch Salbe auf seine Aknepickel geschmiert, ehe er seiner perversen Lust auf große Getümmel freien Lauf lässt. Jawohl, der Staatsfeind ist Veranstalter einer Facebook-Party.

Es hat tatsächlich den Anschein, als seien sozial netzwerkende Jugendliche die zweite große Bedrohung neben Al Kaida. Sobald die Klickzahl auf einer Veranstaltungsseite die Marke von 1000 übersteigt, zwängen sich die Männer und Frauen vom Sondereinsatzkommando der Polizei in ihre Kampfkleidung und schnüffeln zähnefletschende Schäferhunde an Flachbildschirmen. Hubschrauber werden betankt, das Waffengeschäft mit Katar kommt ins Stocken, weil man die Leopard-Panzer vielleicht doch im eigenen Land braucht. Einfach so feiern? Wo kommen wir da hin?

Der bislang letzte nachhaltig entlarvte Partyterrorist war ein Auszubildender in Konstanz. Dieser hatte für eine Facebook-Party im dortigen Freibad 2500 Anmeldungen gesammelt. Bei der Veranstaltung kam es zu Sachbeschädigungen und zu Rangeleien mit der Polizei. Letztlich wurde dem Lehrling eine Rechnung über 227.052 Euro präsentiert.

Man darf an dieser Stelle doch einmal fragen, ob das alles sein musste. Wo soll eigentlich die Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegen, wenn sich in einem Freibad 2500 Menschen treffen? An einem sonnigen Tag sind es noch viel mehr. Ist es notwendig, dass die Polizei in einem solchen Fall ausrückt und durch ihren Auftritt Widerstände erst provoziert? Gerät dieser Staat wirklich ins Wanken, wenn es eine Freiluft-Party gibt, die nur unwesentlich mehr Gäste hat als jede durchschnittliche türkische Hochzeit? Wie groß wird das Polizeiaufgebot sein, das die Besucher des nächsten Klassik-Open-Airs kontrolliert und bewacht?

Zumal andere Partyterroristen geradezu gehätschelt werden. Nehmen wir Horst Seehofer. Dieser hatte – um die Jugendlichkeit seiner Partei und seiner selbst zu beweisen – zur Facebook-Sause in den Münchner Schickimicki-Bumsschuppen P 1 eingeladen. 2500 Menschen drohten mit ihrem Erscheinen, wegen der riesigen Nachfrage wurde die Einladungsliste in einer panischen Aktion geschlossen. Wurde damals Ritter, Tod und Teufel geschrien? Wurde gar der CSU nach der müden Veranstaltung eine saftige Rechnung der Sicherheitskräfte ausgestellt?

Nein, und das, obwohl ein Horst Seehofer für diesen Staat gefährlicher ist als jeder wildgewordene Azubi aus Konstanz. Droht ständig mit Koalitionsbruch, wechselt seine politische Meinung bei Bedarf alle drei Tage. Er ist wahrhaftig ein unsicheres Element.

Aber klar, das ist jetzt polemisch hoch drei. Die Wahrheit ist und bleibt: Eine größere Bedrohung als die Jugend kann es für eine Gesellschaft wie die unsere gar nicht geben.

 

 

Juli 5th, 2012

Wenn der Strom ausfällt, steigt das Vertrauen

Dieser Gesellschaft fehlt es nicht an Brot, Butter, Bratwürsten und billigem Bier. Es fehlt ihr vor allem am Vertrauen. An jener Empfindung, sich bei anderen Menschen und wohltätigen Organisationen rundum sicher zu fühlen. Unabhängig davon, ob diese mehr wissen oder wirklich ein guter Charakter sind. Und die Folgen sind fatal.

Nehmen wir die Geburtenzahl in Deutschland. Die Politik hat unfassbar viel unternommen, damit wir für künftige Schlüsselpositionen unserer Wirtschaft dank vieler eigener Kinder keine Inder brauchen. Vor allem für das Elterngeld wurden immense Beträge ausgegeben. Aber es hilft nichts. Aus irgendeinem Grund ist Staatsknete nicht erotisch. Warum auch immer werden nach Pressekonferenzen von Ministerin Kristina Schröder keine nationalen Hormonfluten ausgeschüttet. Die Menschen wollen sich  einfach nicht vermehren; die Zahl der neuen Babys war 2011 so niedrig wie in keinem Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg. 663.000 waren es, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Was soll aus VW und BMW bloß werden, wenn es keine neuen Kunden gibt?

“Vertrauen! Vertrauen auf das Bruderherz! Anker im Sturm, und sanfte Ruhestätte, wenn der Himmel lächelt! Du bist einer der Züge der Menschen, die an Gottes Ebenbild erinnern.” Tja, wäre es, wie hier hmynisch vom Schriftsteller Graf Ernst von Bentzel-Sternau beschrieben, hätten wir es gut. Zu seinen Lebzeiten gab es unter anderem die Französische Revolution. Die Menschen lernten, wie viel man erreichen kann, wenn sich mehr als zwei von ihnen aufeinander verlassen können.

Heute jedoch: Uneinigkeit, Vereinzelung der Interessen allüberall. Nur während der großen Fußballturniere unterhalten sich Menschen noch über das Fernsehprogramm vom Vorabend. Die großen Zeitschriften schwächeln, stattdessen boomen Blätter wie Landlust oder Essen + Trinken. Ganz nach der Devise: Ich schau mir an, was ich will. Genieße, was ich mag. Die eigentliche Welt ist mir egal.

Vielleicht steckt dahinter auch Resignation. Wie soll man vertrauen, wenn man sich die Maßnahmen zur Euro-”Rettung” anschaut? Woran soll man glauben, wenn bei unserem großen bayerischen Landesvater Horst Seehofer eigentlich nur als sicher gelten darf, dass er übermorgen anders redet als gestern?

Es geht nicht. Und doch: Die Zeit der Babybooms wird kommen. Dank Angela Merkel. Sie war es, die die Atomkraftwerke abschalten ließ, ohne einen guten Plan dafür zu haben, wie man grünen Strom in alle Steckdosen bringt. Es werden harte Winter kommen. In den Wohnungen wird es dunkel und kühl werden. Wir werden kuscheln müssen. Und dann…Geburtenwachstum! Jawoll!

Juni 5th, 2012

Unsere Regierung: Nix Großes, aber kleiner Mist

Nun lasst es doch mal gut sein. Diese Bundesregierung ist gar nicht so schlecht, wie alle sagen. Sie ist vielmehr ganz nah dran am Volk. Wie viele von uns, bekommt sie nichts hin. Und der dazugehörige Satz lautet: “Morgen fange ich an.”

Wir kennen das, insbesondere von unserem persönlichen Gesundheitsmanagement. Wir haben uns entschlossen, unsere Rente langfristig auszukosten. Dazu müssen wir – logisch – unseren Körper in Schuss halten. Wir müssen Sport treiben, Fett abbauen. Dazu fassen wir Pläne.

Bloß: Der Einstieg ins Zukunftsprogramm mag uns nicht so recht gelingen. Also vertagen wir den Raketenstart auf morgen oder übermorgen. Und fangen mit kleinen Dingen an. Zum Beispiel mit temporärem Gummibärchen-Verzicht.

Und so macht es auch die schwarz-gelbe Koalition. Gestartet ist sie einst mit der machtvollen Parole vom “Durchregieren”. Zwischendrin gab es einen ziemlich folgenlosen “Herbst der Entscheidungen”. Nunmehr folgten Koalitionsgipfel und Kabinettssitzung. Mit einer enormen Tagesordnung, aber minimalen Ergebnissen.

Wichtiges wurde verschoben, das Betreuungsgeld hingegen wurde beschlossen. Dafür dankt die CSU. Außerdem gibt’s fünf Euro für die Pflegeversicherung. Dafür danken die FDP und die ihr treu verbundene Versicherungswirtschaft.

Politik also frei nach der Devise: Wachsen uns die Aufgaben über den Kopf, schaffen wir wenigstens noch kleinen Mist. Da brummt er zufrieden, der bayerische Problem-, äh Koalitionsbär.

Mai 9th, 2012

CSU-Party? Seehofer braucht High Heels

Jung, trendy, stylish, sexy: Diese Attribute hat man bisher eher mit Dolce & Gabbana als mit Seehofer & CSU in Verbindung gebracht. Doch das hat sich seit Dienstagabend geändert. Die erste Partei-Facebook-Party hat stattgefunden. Ohne Tote und Verletzte, vielleicht mit einer paar Besoffenen.

Nach Auskunft von Teilnehmern soll die Party ganz nett gewesen sein. Der erwartete riesige Ansturm sowie die Rache der am Einlass Enttäuschten ist ausgeblieben. Die Zahl der Medienvertretert war groß, alles lief in ruhigen Bahnen. Also alles in Butter?

Finde ich nicht. Es gab immer wieder mal Diskussionen über die Frage, ob Parteienwerbung durch öffentliche Gelder finanziert werden darf. Die CSU hat mit ihrer flapsigen Einladung das Versprechen auf ein riesiges Chaos ausgelöst. Belohnt wurde sie mit einem überragenden Medienecho. Der Polizeieinsatz zur Absicherung der Veranstaltung wiederum geht auf Kosten der Steuerzahler. Die Partei zahlte ihren Gästen gerade mal ein Freigetränk.

Ausgeprägte Volks- oder Zielgruppennähe hat die CSU eh nicht bewiesen. Um Horst Seehofer nahe zu sein, musste die Jugend der Welt laut Medienberichten zehn Sicherheitsschleusen passieren. Als Veranstaltungsort wurde eine Nobeldisco ausgewählt, wie sie auch einem Sarkozy gefallen hätte. Schließlich: Jede Salsa- oder High-Heels-Party in einer mittelfränkischen Großdisco lockt mehr Besucher an als die CSU-Facebook-Sause. Schöne Schuhe hätten vielleicht was gebracht.

Der Erfolg bestand letztlich in der öffentlichen Wahrnehmung. Weil man dachte, dass an diesem Abend Dinge zusammenwachsen könnten, die eigentlich nicht zusammengehören. Wahrscheinlich nehmen sich andere Institutionen bald ein Beispiel. Die FDP-Facebook-Party bei der Heilsarmee ist nur noch eine Frage der Zeit.

April 11th, 2012

Eigener Herd ist Geldes wert

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.

Wenn es um Mann, Frau, Kind und Familie geht, sitzt bei der CSU der Stachel der Moderne tief. Gerade Kinderkrippen sehen Teile unserer früheren Alleinregierungspartei noch immer als Teil einer sozialistischen Verschwörung an. Wurde dieses System doch in der früheren DDR eingeführt und erprobt.

Was solle denn bitteschön, hieß es in zurückliegenden Diskussionen, aus der Beziehung von Eltern und Kind werden, wenn schon kleinste Kinder von der Mutterbrust gerissen und in die Obhut staatlich ausgebildeter Fachkräfte gegeben würden? Auch das staatliche Familiengeld war lange Zeit nicht im Sinne der CSU. Deren Idealbild war die oberbayerische Vorzeigefamilie, in der die Kinder den Papa bei dessen Rückkehr aus dem rauen Alltag mit zünftiger Zither- und Hackbrettmusik empfangen und Mamas Schweinebraten mit einem innigen Tischgebet begrüßen.

Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Selbst die naivste Frau weiß inzwischen, dass es für ihr Geschlecht drei entscheidende Karrierehindernisse gibt: 1. Die Möglichkeit, dass sie ein Kind bekommt. 2. Dass sie ein Kind bekommen hat. 3. Dass sie wegen eines Kindes für längere Zeit nicht mehr am Arbeitsplatz erscheint. Entsprechend handelt der Großteil unserer famosen Wirtschaft.

Also bleibt für die CSU nur das Betreuungsgeld als letztmögliche Brandmauer gegen die alles verderbende Kinder-Gleichmacherei. Die Mütter und Väter sollen „freiheitlich” ent­scheiden dürfen, ob sie ihre Kinder in eine Krippe geben oder sie zu Hause erziehen wollen. Und wer daheim erzieht, soll finanziell belohnt werden.

Parteichef Horst Seehofer will das bedingungslose Heimerziehungs-Grundgehalt mit ganzer Macht einführen. Verschiedentliche Zweifel hat er mit dem Satz gekontert: “Da wird kein Jota verändert.” Gut, allerdings wissen wir auch: Schon mehrfach in den letzten Jahren hat der Stellvertreter des bayerischen Löwen auf Erden laut gebrüllt. Doch wenn es ernst wurde, waren die Zähne immer weg. Also, schaumer mal.

Januar 20th, 2012

Guttenbergs Brief: Bis Ende 2013 gescheitert

“Vorerst gescheitert” lautet der Titel des Buches mit dem Männergespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seit heute wissen wir, dass das Scheitern bis Ende 2013 anhalten wird. Der ehemalige Politik-Star hat den CSU-Mitgliedern einen entsprechenden Brief geschrieben. Hier ist er. Sprachanalytiker, Graphologen und sonstige Kommentatoren bitte vortreten…

Januar 2nd, 2012

Seehofer, der scheinheilige Rentenzweifler

Was bringt das neue Jahr – außer guten Vorsätzen, die man schnell vergisst? 2012 ist es die Aussicht auf mehr Arbeit. Mehr Lebensarbeit. Denn die Aktion “Rente mit 67″ beginnt. Und schon schlägt die Stunde des großen Populisten Horst Seehofer.

Falls das Rentenalter steige, ohne dass es mehr Arbeit für Ältere gebe, sei das eine Rentenkürzung durch die Hintertür. Und das sei nicht sozial, hat der bayerische Ministerpräsident fein erkannt. Allerdings ist er mit dieser Kritik der Zweifelsheuchler der alten CSU-Schule. Als solcher folgt er diesem Prinzip: Mitregieren, mitbeschließen, kritisieren, Nachdenken fordern – und dann weitermachen wie zuvor beschlossen. Ernst nehmen müsste man das nicht, wenn es nicht noch immer Menschen gäbe, die auf diese Masche hereinfallen.

Aber wie ist es denn nun, mit der Rente ab 67? Ich halte dieses Gesetz für unsozial. Sicher, es ist ein Argument, dass längeres Arbeiten möglich sein müsste, wenn es immer weniger junge Leute gibt und der Altersdurchschnitt steigt. Nicht in Ordnung ist allerdings, dass wie so oft vor allem jene Menschen benachteiligt werden, denen es ohnehin wirtschaftlich schlechter geht.

Wer einfachere, schlechter bezahlte körperliche Arbeit macht, hat einen höheren Verschleiß. Er wird also früher aus dem Berufsleben ausscheiden. Das bedeutet kräftige Abstriche.

Auf der anderen Seite gibt es genug Menschen, die in ihrem Beruf weitermachen möchten und könnten. Die es aber nicht dürfen, weil es eine Altersgrenze gibt. Sinnvoll ist auch das nicht.

Es bräuchte also Regelungen, die an den jeweiligen Einzelfall angepasst ist. Wirklich? Wo das hinführt, zeigt das Steuerrecht. Die Sache wird elend kompliziert – und ist am Ende auch nicht gerecht.

Man kann es mit den Rentnern also eigentlich nur mehr oder weniger falsch machen. Wünschen wir also Horst Seehofer alles Gute für seinen Kampf gegen die Rente mit 67. Und arbeiten wir stattdessen schon mal für ein besseres Image der Rentner. Auch da gibt es viel zu tun, wie dieser Satz zeigt: “Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.” Gesagt hat ihn der Dichter Jean-Jacques Rousseau irgendwann im 18. Jahrhundert. Seien wir ehrlich: Manche sehen das noch heute so.

November 3rd, 2011

Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Heute ziehe ich den Hut vor der CSU! In einer Zeit der schleichenden Feminisierung dieser Gesellschaft zeigt sie uns, dass sie echte Kerle zu schätzen weiß. Sie hat Markus Söder aus Nürnberg zum bayerischen Finanzminister ernannt. Und das ist, ob es der Konkurrenz gefällt oder nicht, ein starkes Signal zum heutigen Weltmännertag.

Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.

Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.

Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.

Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”

So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.

Oktober 9th, 2011

Schöne Zeiten enden – bei ZDF und CSU

Die Zukunft ruft. Sie lockt mit stetem Wandel und der Verheißung auf immer neue Rettungsschirme. Bloß: Viele hören nicht hin. Sie wollen, dass alles bleibt wie es ist. Oder das es wieder so wird, wie es einmal war. Zu erleben war dies am Wochenende gleich bei zwei Veranstaltungen im Nürnberger Messezentrum: beim CSU-Parteitag und bei “Wetten. dass….?”.

Erstmal zeigte sich der Hang zum Immergleichen am Beispiel der Show. Obwohl Moderator Thomas Gottschalk inzwischen als Auslaufmodell antritt, war er mit 9,06 Millionen Zuschauern der Sieger des Samstagsabends. Konkurrent Dieter Bohlen kam mit seinem “Supertalent” nur auf 6,58 Millionen Fans.

Wie kann das sein? Ein paar bekannte Showgrößen lümmeln auf einer Couch, dürfen kostenlose Werbung für ihre neuen Produkte machen. Dazwischen gibt es abstruse Wetten und ein bisschen Musik. Neu ist das alles nicht, aber “Wetten, dass…?” hat eben den Status von Tagesschau, Tatort oder Neujahrs-Skispringen. Es war irgendwie immer da und wird deshalb auch geguckt.

Allerdings: Gerade diese Show wird heftigst mit ihrem Moderator indentifiziert. Wer immer für Gottschalk kommt, wird es schwer haben oder wird schon bald das Comeback seines Vorgängers ankündigen. Ein ganz neues Gesicht, also einen großen Wandel, hält “Wetten, dass…?” nur schwer aus.

Nicht viel anders geht es der CSU. Früher war diese Partei ein echter Machtfaktor. In der alten Bundesrepublik schaute man nach Bayern, die Gamsbartträger am alpenländischen Sonntags-Stammtisch konnten die Weltpolitik in der Überzeugung diskutieren, dass die Oberen ihrer Partei in Bonn für Zucht und Ordnung sorgen würden.

Heute muss die CSU das tun, was eine ostdeutsche Pfarrerstochter will. Und so hatten beim Parteitag fast die hälfte der Delegierten Lust auf den Anti-Euro-Illusionisten Peter Gauweiler. Kein Seehofer-Stellvertreter hebt die Welt aus den Angeln. Das weiß man. Aber da wäre wenigstens wieder einer gewesen, der so redet wie damals.

Das Signal von Nürnberg von Anfang Oktober lautet also: Es ist nicht leicht, wenn schöne Zeiten zu Ende gehen. Ob beim ZDF – oder bei der CSU.