Posts Tagged ‘Seehofer’
Eigener Herd ist Geldes wert

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.
Was solle denn bitteschön, hieß es in zurückliegenden Diskussionen, aus der Beziehung von Eltern und Kind werden, wenn schon kleinste Kinder von der Mutterbrust gerissen und in die Obhut staatlich ausgebildeter Fachkräfte gegeben würden? Auch das staatliche Familiengeld war lange Zeit nicht im Sinne der CSU. Deren Idealbild war die oberbayerische Vorzeigefamilie, in der die Kinder den Papa bei dessen Rückkehr aus dem rauen Alltag mit zünftiger Zither- und Hackbrettmusik empfangen und Mamas Schweinebraten mit einem innigen Tischgebet begrüßen.
Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Selbst die naivste Frau weiß inzwischen, dass es für ihr Geschlecht drei entscheidende Karrierehindernisse gibt: 1. Die Möglichkeit, dass sie ein Kind bekommt. 2. Dass sie ein Kind bekommen hat. 3. Dass sie wegen eines Kindes für längere Zeit nicht mehr am Arbeitsplatz erscheint. Entsprechend handelt der Großteil unserer famosen Wirtschaft.
Also bleibt für die CSU nur das Betreuungsgeld als letztmögliche Brandmauer gegen die alles verderbende Kinder-Gleichmacherei. Die Mütter und Väter sollen „freiheitlich” entscheiden dürfen, ob sie ihre Kinder in eine Krippe geben oder sie zu Hause erziehen wollen. Und wer daheim erzieht, soll finanziell belohnt werden.
Parteichef Horst Seehofer will das bedingungslose Heimerziehungs-Grundgehalt mit ganzer Macht einführen. Verschiedentliche Zweifel hat er mit dem Satz gekontert: “Da wird kein Jota verändert.” Gut, allerdings wissen wir auch: Schon mehrfach in den letzten Jahren hat der Stellvertreter des bayerischen Löwen auf Erden laut gebrüllt. Doch wenn es ernst wurde, waren die Zähne immer weg. Also, schaumer mal.
Guttenbergs Brief: Bis Ende 2013 gescheitert
“Vorerst gescheitert” lautet der Titel des Buches mit dem Männergespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seit heute wissen wir, dass das Scheitern bis Ende 2013 anhalten wird. Der ehemalige Politik-Star hat den CSU-Mitgliedern einen entsprechenden Brief geschrieben. Hier ist er. Sprachanalytiker, Graphologen und sonstige Kommentatoren bitte vortreten…
Seehofer, der scheinheilige Rentenzweifler
Was bringt das neue Jahr – außer guten Vorsätzen, die man schnell vergisst? 2012 ist es die Aussicht auf mehr Arbeit. Mehr Lebensarbeit. Denn die Aktion “Rente mit 67″ beginnt. Und schon schlägt die Stunde des großen Populisten Horst Seehofer.
Falls das Rentenalter steige, ohne dass es mehr Arbeit für Ältere gebe, sei das eine Rentenkürzung durch die Hintertür. Und das sei nicht sozial, hat der bayerische Ministerpräsident fein erkannt. Allerdings ist er mit dieser Kritik der Zweifelsheuchler der alten CSU-Schule. Als solcher folgt er diesem Prinzip: Mitregieren, mitbeschließen, kritisieren, Nachdenken fordern – und dann weitermachen wie zuvor beschlossen. Ernst nehmen müsste man das nicht, wenn es nicht noch immer Menschen gäbe, die auf diese Masche hereinfallen.
Aber wie ist es denn nun, mit der Rente ab 67? Ich halte dieses Gesetz für unsozial. Sicher, es ist ein Argument, dass längeres Arbeiten möglich sein müsste, wenn es immer weniger junge Leute gibt und der Altersdurchschnitt steigt. Nicht in Ordnung ist allerdings, dass wie so oft vor allem jene Menschen benachteiligt werden, denen es ohnehin wirtschaftlich schlechter geht.
Wer einfachere, schlechter bezahlte körperliche Arbeit macht, hat einen höheren Verschleiß. Er wird also früher aus dem Berufsleben ausscheiden. Das bedeutet kräftige Abstriche.
Auf der anderen Seite gibt es genug Menschen, die in ihrem Beruf weitermachen möchten und könnten. Die es aber nicht dürfen, weil es eine Altersgrenze gibt. Sinnvoll ist auch das nicht.
Es bräuchte also Regelungen, die an den jeweiligen Einzelfall angepasst ist. Wirklich? Wo das hinführt, zeigt das Steuerrecht. Die Sache wird elend kompliziert – und ist am Ende auch nicht gerecht.
Man kann es mit den Rentnern also eigentlich nur mehr oder weniger falsch machen. Wünschen wir also Horst Seehofer alles Gute für seinen Kampf gegen die Rente mit 67. Und arbeiten wir stattdessen schon mal für ein besseres Image der Rentner. Auch da gibt es viel zu tun, wie dieser Satz zeigt: “Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.” Gesagt hat ihn der Dichter Jean-Jacques Rousseau irgendwann im 18. Jahrhundert. Seien wir ehrlich: Manche sehen das noch heute so.
Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag
Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.
Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.
Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.
Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”
So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.
Schöne Zeiten enden – bei ZDF und CSU
Die Zukunft ruft. Sie lockt mit stetem Wandel und der Verheißung auf immer neue Rettungsschirme. Bloß: Viele hören nicht hin. Sie wollen, dass alles bleibt wie es ist. Oder das es wieder so wird, wie es einmal war. Zu erleben war dies am Wochenende gleich bei zwei Veranstaltungen im Nürnberger Messezentrum: beim CSU-Parteitag und bei “Wetten. dass….?”.
Erstmal zeigte sich der Hang zum Immergleichen am Beispiel der Show. Obwohl Moderator Thomas Gottschalk inzwischen als Auslaufmodell antritt, war er mit 9,06 Millionen Zuschauern der Sieger des Samstagsabends. Konkurrent Dieter Bohlen kam mit seinem “Supertalent” nur auf 6,58 Millionen Fans.
Wie kann das sein? Ein paar bekannte Showgrößen lümmeln auf einer Couch, dürfen kostenlose Werbung für ihre neuen Produkte machen. Dazwischen gibt es abstruse Wetten und ein bisschen Musik. Neu ist das alles nicht, aber “Wetten, dass…?” hat eben den Status von Tagesschau, Tatort oder Neujahrs-Skispringen. Es war irgendwie immer da und wird deshalb auch geguckt.
Allerdings: Gerade diese Show wird heftigst mit ihrem Moderator indentifiziert. Wer immer für Gottschalk kommt, wird es schwer haben oder wird schon bald das Comeback seines Vorgängers ankündigen. Ein ganz neues Gesicht, also einen großen Wandel, hält “Wetten, dass…?” nur schwer aus.
Nicht viel anders geht es der CSU. Früher war diese Partei ein echter Machtfaktor. In der alten Bundesrepublik schaute man nach Bayern, die Gamsbartträger am alpenländischen Sonntags-Stammtisch konnten die Weltpolitik in der Überzeugung diskutieren, dass die Oberen ihrer Partei in Bonn für Zucht und Ordnung sorgen würden.
Heute muss die CSU das tun, was eine ostdeutsche Pfarrerstochter will. Und so hatten beim Parteitag fast die hälfte der Delegierten Lust auf den Anti-Euro-Illusionisten Peter Gauweiler. Kein Seehofer-Stellvertreter hebt die Welt aus den Angeln. Das weiß man. Aber da wäre wenigstens wieder einer gewesen, der so redet wie damals.
Das Signal von Nürnberg von Anfang Oktober lautet also: Es ist nicht leicht, wenn schöne Zeiten zu Ende gehen. Ob beim ZDF – oder bei der CSU.
Die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler
Fast drei Jahre hatte bei uns ein Glaubenskrieg getobt. Seit genau einem Jahr nun gibt es die vom gesundheitsbewussten Teil des Volkes gewollten strikten Regeln. Und es hat sich viel verändert. Die Raucher sind – der billigen Schmuggelware sei Dank – zwar noch nicht zur völlig unbedeutenden Randgruppe geworden. Aber sie sind netter und rücksichtsvoller als noch vor ein paar Jahren. Sie stellen sich zum Beispiel in die Rauchfrei-Quadrate auf den Bahnhöfen und nehmen mit bewundernswertem Gleichmut in Kauf, wie bescheuert das aussieht.
Und doch fehlt etwas. Nämlich diese mit Unbelehrbarkeit und Krebsverachtung gepaarte Lässigkeit der Raucher. Es fehlen die Qualmer, die in ihrer Stammkneipe beim Abfackeln ihres Tabaks den Gang der Dinge analysierten, kreativ-sarkastisch in die Zukunft schauten, dabei ordentlich becherten und am nächsten Tag mit einem schweren Kopf und dunklen Augenringen aufwachten. Oder die sich bei einem Glas Rotwein an kubanischen Pralinen verlustierten. Menschen, die anders waren, als die heute so sehr als Vorbild gepriesenen Marathonläufer.
Kurzum, die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler. Die Zeiten für Dichter und Denker sind schwierig geworden. Aber in einem Land, in dem sich die Leute freiwillig von Merkel, Westerwelle und Seehofer regieren lassen, muss das vielleicht so sein.
Seehofer hat lieber Mut als Mist
Aufgepasst: Wir leben in einem “Premiumland”. So hat es Horst Seehofer auf dem Politischen Aschermittwoch der CSU verkündet. Gemeint hat er mit Sicherheit vor allem Oberbayern. Stimmungsmäßig geholfen hat ihm der oberfränkische Freiherr.
Während der Rede des Parteichefs war der Jubel nämlich am lautetesten, als Seehofer versprach, er werde persönlich dafür sorgen, dass Karl Theodor zu Guttenberg/ in die große Politik zurückkehren kann.
46 Prozent: Die CSU wird wieder frech
Da schau her, die CSU bekommt wieder Oberwasser. Laut einer neuen Umfrage ist die absolute Mehrheit in Bayern mit angeblichen 46 Prozent Stimmenanteil wieder in Reichweite. Also wird man wieder frech.
Ein Zeichen für das gestiegene Selbstvertrauen: Der Fahrer von Innenminister Joachim Herrmann stand anlässlich eines Redaktionsbesuches bei den Nürnberger Nachrichten etwa eine Stunde lang seelenruhig im absoluten Halteverbot. So wie früher, als Bayern definitiv der CSU gehörte. Und das Video zeigt, dass sich die Partei wieder stark genug fühlt, um politische Gegner verächtlich zu machen. Mit einem Spot, der vom Niveau her, auf 9Live oder vergleichbaren Bumssendern am besten kommen sollte.
Aber warum geht es der CSU immer besser? Die Frage nach den Erfolgen von Horst Seehofer hat mir seit gut einem Jahr niemand beantwortet. So groß können sie auch nicht sein. Schließlich sind 2,6 Prozent gegenüber der angeblich unfassbar schlechten Beckstein-Wahl kein dramatischer Zugewinn.
Verbesserte Umfrageergebnisse wird es trotzdem gehen, weil es sich um ein religiöses Phänomen handelt. Die CSU lebt nämlich zurzeit von der Verheißung, dass irgendwann der Messias kommt. Der Weltenretter in Gestalt von Karl Theodor zu Guttenberg.
Bei einer traditionell spirituell veranlagten Bevölkerung – in Ober- und Niederbayern durch regelmäßigen Kirchgang, in München durch Prosecco und Kokain – kommt so etwas natürlich sehr gut an.
Eigentlich stört nur noch Horst Seehofer…
Vergesst den Spiegel! “Dübelleaks” hat alles schon enthüllt.
Gut, jetzt ist es raus: Ich bin ein Staatsfeind! Denn wenn ich mir die Aufregung um den Super-Geheimpapier-Skandal mit den von Wikileaks geklauten Dokumenten sehe, wird mir ganz schwummrig. Ich habe das alles nämlich schon selber geschrieben. Dübelleaks war den Amis und damit der globalen Zeitrechnung weit voraus.
Als wahrhaftige Alternative zum Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” will ich nur einige Beispiele zum Nachlesen anbieten. Am 30. August dieses Jahres nannte ich Angela Merkel die Chefin im Wartehaeuschen. Bereits am 10. Juli hatte ich einen Draufhau-Tisch für Mutti gesucht. Und am 24. März 2009 (1) hatte ich gefragt wieviel Langweile seitens der Kanzlerin zu ertragen ist.
Horst Seehofer habe ich mit dem Beitrag “Der Umfragewerte-Konservative” am 9. August 2010 hinreichend beschrieben. Und dass Guido Westerwelle gelegentlich der Gaul durchgeht stand am 9. Februar 2010 im Beitrag über “anstrengungslosen Wohlstand”.
Was lernen wir aus dem aktuellen “Skandal”? Zum Beispiel, dass es in der Menschheit offenbar eine grenzenlose Naivität gibt. Es ist doch völlig klar, dass Außenministerien die Politiker anderer Länder bewerten. Und es ist auch klar, dass dabei nicht alle gut wegkommen. Den/die perfekte Staatsmann/Staatsfrau gibt es ja nicht.
Wir lernen weiter, dass es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist, dass nicht ich, sondern der Irokesen-Gockel Sascha Lobo zu Anne Will eingeladen wurde.
Und wir lernen, dass es scheinbar keine echten Skandale gibt, wenn der Wikileaks-Krampf derart hohe Wellen schlägt. Ich finde, man sollte das Sparpaket der Bundesregierung genauer anschauen. Da steckt viel mehr Stoff drin, als in einem Diplomaten-Gekritzel…
Männer, wacht auf! Sonst seid Ihr vergessen!
Diese Zeiten sind grausam. Für Männer. Auch bei mir zeigt sich das mit voller Wucht. Seit zirka 50 Stunden will ich über den Welttag des Mannes schreiben. Aber ich komme nicht dazu. Dabei gäb`s so viel mitzuteilen.
Zum Beispiel, dass wir zum vergessenen Geschlecht geworden sind. Die Frauen, deren weltweite Unterdrückung sich aus Männersicht außerordentlich gut bewährt hatte, sind zumindest in Europa und in den USA aufgewacht. Sie brauchen uns nicht mehr. Man denke nur an die Gesten, mit denen Kanzlerin Angela Merkel Worte des Vorsitzenden Horst Seehofer zu begleiten pflegt.
Was aber macht der fortschreitende Bedeutungsverlust mit uns Männern? Wir verstecken uns, werden träge und fett.
“Geh waida, El Kaida!”
Und hier kommt mein Posting zum Ausklang des CSU-Parteitages: Ich hatte in einer Umfrage nach einem stimmenträchtigen zuwanderungs- und islamkritischem Parteislogan gefragt. Die Zahl der Teilnehmer(innen) war mit 75 gut. Weitere Klicks sind willkommen.
Favorit meiner Leser(innen) war der Spruch “Geh waida, El Kaida”. 42,67 Prozent fanden ihn am besten. Mithalten konnte da nur noch die frauen- und dekolleté-freundliche Formulierung “Dirndl statt Burka” mit sehr ordentlichen 36 Prozent.
Bier- statt Beduinenzelt! Was wird der neue CSU-Slogan?
Jetzt hat er aber mal wieder ordentlich Wind gemacht, der Seehofer Horst. Hat erklärt, dass es keine weitere Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen mehr bräuchte und dass sich Türken und Araber nur mühsam integrieren. Meint er das wirklich so? Das Schlimme ist: Man weiß es nicht.
Eigentlich würde es genügen, auf ein Posting von Anfang August hinzuweisen. Damals habe ich geschrieben,
Angela Merkel: Die Chefin im Wartehäuschen
Wenn es aufwärts geht, ist alles gut. Wenn die Kurve nach unten zeigt, sind Chef oder Chefin schuld. So stellt man sich das derzeit mit Blick auf die Bundesregierung vor. Angela Merkel hat seit einem Jahr kaum eine Kurve gekriegt. Es kommt scheinbar immer anders, als sie es gerne hätte.
Horst Seehofer, der Umfragewert-Konservative
Am 13. Februar wollte ich es wissen: „Was sind Seehofers Erfolge?“ hatte ich meine Leser(innen) gefragt, und 58,8 Prozent wählten die Antwort „Erfolge???“. Würde diese Quote heute anders ausfallen? Aus meiner Sicht eher nicht. Oder kann man diese Frage gar nicht beantworten? Weil die Erfolge und Misserfolge des Bayerischen Ministerpräsidenten so schleierhaft sind, wie seine politische Linie ganz generell?
Eine solche müsste er haben, als selbst ernannter Held der Wertkonservativen.



CSU-Party? Seehofer braucht High Heels
Nach Auskunft von Teilnehmern soll die Party ganz nett gewesen sein. Der erwartete riesige Ansturm sowie die Rache der am Einlass Enttäuschten ist ausgeblieben. Die Zahl der Medienvertretert war groß, alles lief in ruhigen Bahnen. Also alles in Butter?
Finde ich nicht. Es gab immer wieder mal Diskussionen über die Frage, ob Parteienwerbung durch öffentliche Gelder finanziert werden darf. Die CSU hat mit ihrer flapsigen Einladung das Versprechen auf ein riesiges Chaos ausgelöst. Belohnt wurde sie mit einem überragenden Medienecho. Der Polizeieinsatz zur Absicherung der Veranstaltung wiederum geht auf Kosten der Steuerzahler. Die Partei zahlte ihren Gästen gerade mal ein Freigetränk.
Ausgeprägte Volks- oder Zielgruppennähe hat die CSU eh nicht bewiesen. Um Horst Seehofer nahe zu sein, musste die Jugend der Welt laut Medienberichten zehn Sicherheitsschleusen passieren. Als Veranstaltungsort wurde eine Nobeldisco ausgewählt, wie sie auch einem Sarkozy gefallen hätte. Schließlich: Jede Salsa- oder High-Heels-Party in einer mittelfränkischen Großdisco lockt mehr Besucher an als die CSU-Facebook-Sause. Schöne Schuhe hätten vielleicht was gebracht.
Der Erfolg bestand letztlich in der öffentlichen Wahrnehmung. Weil man dachte, dass an diesem Abend Dinge zusammenwachsen könnten, die eigentlich nicht zusammengehören. Wahrscheinlich nehmen sich andere Institutionen bald ein Beispiel. Die FDP-Facebook-Party bei der Heilsarmee ist nur noch eine Frage der Zeit.