Wie zählt Schnaps in der Ehe?

Eine kleine Frage zum 11. November: Welche Menschen schauen heute Abend in besonders müde Augen? Antwort: Es sind die Angehörigen von Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Denn diese hatten Zwecks Spezial-Datum irrsinnig viel zu tun.

Man überlegt sich schon, warum Paare so wild darauf sind, an einem Schnapszahl-Tag zu heiraten. Ist es die Hoffnung, dass der angenehme Effekt des gegenseitigen Schönsaufens auf diese Weise dauerhaft in der Beziehung verankern ließe? Will man Verwandten und Freunden zeigen, dass man den festen Willen zu einer ganz einmaligen Ehe hat? Oder glaubt man daran, dass man diesen Hochzeitstag selbst niemals vergessen wird?

Hofft man gar darauf, dass sich der latente Frohsinn, der dem Datum 11.11. innewohnt, auf die große Liebe übertragen lässt? Glaubt man daran, dass ein Streit weniger schlimm ist, wenn er, wie eine Büttenrede, in Reimform ausgetragen wird? Hat es mit der Vision des Mannes zu tun, dass die Angetraute fortan ausschließlich in superkurzen Röckchen durch die Wohnung hüpfen wird?

Wir können die Motive wohl nur erahnen, müssen aber der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass sich an früheren Schnapstagen nicht alle Hoffnungen erfüllt haben. So hat das Berliner Standesamt mitgeteilt, dass die am 9.9.09 geschlossen Ehen überdurchschnittlich häufig geschieden wurden.

Die Schnapsdrosseln auf Freiersfüßen werden wieder am 12.12.12 in Scharen unterwegs sein. An einem Tag also, der auch Nationalfeiertag von Kenia ist. Was für die Liebe in Westeuropa natürlich gar nichts bedeutet. Egal. Wir sehen uns am nächsten Red Nose Day der Traualtare!

PS.: Zur sehr wahrscheinlichen Schicksalshaftigkeit eines Datums kommt eine aktuelle Meldung aus Köln. Dort soll es am 11.11 genau um 11.11 Uhr die Geburt eines Zwillingskindes gegeben haben. Alles andere als eine Karriere im Karneval wäre in diesem Fall sehr erstaunlich.