Nix mehr Papst! Man kann's verstehen

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?

Jetzt sind die Grundfesten dieser Welt erschüttert. Endgültig. Für immer. Unser Wir-Papst Benedikt XVI. hat für den 28. Februar 2013 seinen Rücktritt angekündigt. Einfach so. Ihm fehle die Kraft, sein Amt weiterhin gut auszuüben. Als ob das für einen 85-Jährigen eine stichhaltige Begründung wäre.

Die wahren Ursachen liegen doch auf der Hand. Für die katholische Kirche läuft es derzeit, mit Verlaub, beschissen. In Europa, und insbesondere in Deutschland, werden dauernd sinnlose Reformen gefordert. Zölibat abschaffen, Priesteramt für Frauen, Barmherzigkeit für Vergewaltigungsopfer, Verfolgung von Kinderschändern – alles ein furchtbares Gedöns, das den Blick von ewigen Wahrheiten ablenkt. “Katholiken fühlen sich gerade wie Fans von Schalke 04″, hat es die famose Fernsehwurst Johannes Benedikt Kerner gerade bei Günther Jauch auf den Punkt gebracht.

Immer mehr Katholiken laufen ihrer Kirche davon. In anderen Teilen der Welt werden Christen verfolgt, weil sie Christen sind. Schwierigkeiten, wohin das Auge blickt.

Und daheim in Rom ist es auch nicht mehr so schön. Man muss schließlich auch einem alten Papst zugestehen, dass er gelegentlich etwas Neues erleben möchte. Stattdessen: Immer die selben Rituale. Beten, Füße waschen, in 150 Sprachen die Welt grüßen. Der Papst hat vielleicht erkannt, dass er einer der größten Plagiatoren unter der Sonne ist. Und für die ist das Leben gerade nicht so leicht.

Aber wenden wir uns seinen eigenen Worten zu. Sofern den Journalisten die Übersetzung aus dem Lateinischen gelungen ist, sagte Benedikt XVI.: “Ich gehe zum Wohl der Kirche.” Das mag sein. Man weiß aber nicht, was nachkommt. Ihn drücke das Alter, sagte er weiter. Kann man verstehen. Aber bisher war das kein Argument. Fast alle Päpste sind direkt ins Jenseits abgetreten. Laut Wikipedia gibt es nur folgende Ausnahmen: 537 gab Silverius auf oströmischen Druck hin drei Wochen vor seinem Tod das Amt auf. Johannes von Velletri, 1059 als Benedikt X. inthronisiert, konnte sich kein Jahr halten und wurde obendrein exkommuniziert. Coelestin V. trat Ende 1294 zurück und starb 1296. Gregor XII. wurde schon 1409 abgesetzt, erklärte aber erst 1415 offiziell seinen Rücktritt.

Ein mutiger Schritt also. Bleibt die Frage: Wie kommt Papst auf dieses Rücktrittsdatum? Die Antwort: Im Dreikaiseredikt Cunctos populos von Thessaloniki schufen die Herrscher Theodosius I., Gratian und Valentinian II. am 28. 2. 380 das Fundament für das Christentum als römische Reichskirche.

Tja, das ist ein Pfund. Und die Bild-Schlagzeile nehmen wir auch gleich vorweg: “Nix mehr Papst!” Wetten, dass…?

Der große Trend: Anonym killt gut

Es ist ein uralter Menschheitstraum: Die Idee, zumindest zeitweise unsichtbar zu sein, um andere Menschen ungestört beobachten oder aber gefahrlos erledigen zu können. Für Nibelungen-Siegfried gab es eine welt-exklusive Tarnkappe bei Giftzwerg Alberich. Heute ist diese Vision für viele Menschen wahr geworden. Dank Computertechnik liegt anonymes Attackieren voll im Trend.

Das prominenteste Opfer dieser Tage ist die bisherige Hochschulministerin Annette Schavan. Der offenbar richtige Vorwurf, sie habe beim Schreiben ihrer Doktorarbeit allzu großzügig abgekupfert, ist anonym aus dem Internet aufgetaucht. Ab diesem Moment hatte die Ministerin kaum noch eine Chance. Den Mitteilungen geheimer Ermittler wird gerne geglaubt. Selbst von Menschen, die das weltweite Netz ansonsten als Tummelplatz für Betrüger und andere Gauner ansehen.

Früher hätten sich Medien geweigert, Geschichten zu veröffentlichen, die auf unbekannten, nicht überprüfbaren Quellen beruhen. Zumal von Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind und somit getrost zusehen können, wie ihre Giftpfeile wirken. Man kann darüber streiten, ob die anonymen Attacken gegen sie verdienstvoll oder feige waren. Aber letztlich geht es in diesem Fall nur um eine einzelne Person.

Anlass zur Empörung haben unsere Regierungs-Politiker/-innen jedenfalls nicht. Setzen sie doch selbst auf den virtuellen Hinterhalt, wenn sie sich daran machen, für die Bundeswehr unbemannte Drohnen anzuschaffen. Also fliegende Tötungsmaschinen, die von Menschen gesteuert werden, die irgendwo auf der Welt vor Computer-Bildschirmen sitzen. Menschen, die mit dem von ihnen ausgelösten Sterben genauso wenig zu tun haben, wie der Teenager, der auf seinem Laptop ein Vernichtungsspiel spielt. Sie arbeiten effizient, risiko- und gefühlsfrei. Eine überlegene Technik, die es leicht macht, Krieg zu führen.

Unterm Strich gibt es einen großen Trend: Das offene Visier ist von gestern. Erfolg hat, wer nicht erkannt wird, wer nichts zu befürchten hat. Es lebe die Tarnkappe!

Da geht der Wulff – und keiner weint

Mit Heiligenschein hätte es vielleicht geklappt.

Mit Heiligenschein hätte es vielleicht geklappt.

Da geht er hin. Und keiner, außer ein paar loyalen Amtssitz-Mitarbeitern, findet es zum Weinen.  Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat einen Abgang dritter Klasse bekommen. Weil er zu spät kapiert hat, dass er keine Chance hatte. Ein paar Wochen früher, man hätte ihm den Rücktritt als Zeichen eines starken Charakters ausgelegt.  Jetzt aber heißt es, frei nach einem französischen Sprichwort: “Wenn der Wulff erlegt ist, beißen ihn alle Hunde.”

Der Präsident beugte sich dem Unvermeidlichen. Wobei seine  Amtszeit wird auf lange Sicht nur eine kleine Randnotiz  sein wird. Wulffs berühmtester Satz “Der Islam gehört zu Deutschland” dürfte gelegentlich zitiert werden. Aber ansonsten wird er als jenes Staatsoberhaupt in Erinnerung bleiben, das die Bild-Zeitung zum Opfer gemacht und der trotz anerkannter Farblosigkeit die meisten Talkshows beschäftigt hat. Jauch, Plasberg, Illner und Co. haben nun natürlich das Problem, dass sie auf die Schnelle ein zweites Thema brauchen.

Das Land braucht auf die Schnelle eine/n neue/n Präsidenten/-in. So schwierig wie bei “Wetten. dass…? wird die Suche nicht werden. Claudia Roth von den Grünen hat klargestellt, dass es kein Präsidenten-Casting geben wird. Wie zu hören ist trifft sich morgen eine Koalitions-Kungelrunde in der Besetzung Merkel, Seehofer, Rösler, Kauder, Hasselfeldt und Brüderle. Sie wird klären, was die Regierung denkt, was sie in Sachen Nachfolger denken könnte.

Ich rechne mit einem klaren Gegenentwurf zu Wulff. Also mit einer älteren Persönlichkeit mit reichlich Lebenserfahrung. Sollte Joachim Gauck noch mögen, hätte er gute Chancen. Auch Klaus Töpfer wäre nur schwer zu verhindern. Der verwegenere Plan wäre es,  Margot Käßmann zu berufen. Von ihr weiß man, dass sie gegebenenfalls schnell und konsequent zurücktritt. Zudem ist das dunkelste Kapitel ihrer Lebensgeschichte schon so gut bekannt, dass sich das Recherchieren auch für “Bild” nicht mehr lohnt.

Die besoffenste Idee kam übrigens von der Jungen Union Bayern. Sie hat Edmund Stoiber vorgeschlagen. Da sage ich: Vielen Dank, dann schon lieber Hape Kerkeling.

Silvio, jetzt nimm doch mal die Maske ab

Irgendwann muss jeder gehen...

Irgendwann muss jeder gehen...

Caduto! (Gestürzt!) Finalmente! (Endlich!) Santo subito! (Heilig, sofort!) Halt, ganz am Schluss war ich auf der falschen Baustelle. Kaum jemand käme ja auf die Idee, den italienischen Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi heilig zu sprechen. Außer er selbst, versteht sich. Viele, viele andere Menschen sind glücklich über seinen baldigen Rücktritt.

Als Blogger mit einem Herz für Kurioses werde ich den Cavaliere im Falle seines tatsächlichen Verschwindens auch vermissen. Denn er war stets ein zuverlässiger Click-Generator. Bezogen auf die meistgelesenen Beiträge meines Blogs ist er die Kader Loth der europäischen Politik. Ein irrealer Typ, dessen Haare wie aufgeklebt und hingetatscht aussehen und bei dessen maskenhaftem Gesicht man sich inzwischen fragt, ob darin nicht schon mehr Falten weggebügelt wurden als im Gesicht von Cher.

Berlusconi, das ist ein mit Testosteron getunter Gerhard Schröder. Ein Regierungschef, der sich keine Mühe gibt, seine Niveaulosigkeit durch schlaues Gerede zu kaschieren. Eine Beschreibung für Barack Obama wie “Er ist jung, gut aussehend und gut gebräunt” kann nur von ihm kommen. Schließlich ist er ein Medien-Mogul, der seinen Landsleuten auf allen Kanälen vorführen lässt, wie Frauen auszusehen haben: Brünette Mähne, möglichst blaue Augen, Traumfigur und ganz lange Beine auf sehr hohen Schuhen.

Über die Frage, wie er sich überhaupt so lange halten konnte, rätselt die halbe Welt. Ich sehe es so: Die Leute glaubten an ihn, dass er “den Menschen Arbeit gibt”, wie mir ein Italiener mal erklärt hat. Es wurde bewundert, wie er sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Berlusconi verkörpert den Typ des Unternehmers, der gegen alle Widerstände von Behörden und/oder Staat sein Ding macht. Er beherrscht die typischen Konversations-Gesten der Italiener perfekt. Und seine Frauen-/Mädchen-Affären? Er arbeitet doch auch viel. Ein erfolgreicher Mann muss sich auch mal etwas gönnen dürfen.

So haben das viele im Volk gesehen. Silvio Berlusconi auch. Ob er geht, ist für mich noch nicht sicher. Da fehlen noch einige Beratungen mit seinen Anwälten. Wenn es aber so kommen sollte, wie er jetzt gerade scheint, dann habe ich einen Wunsch: “Bitte, Silvio, nimm beim Abschied deine Maske ab. Ich möchte wissen, wer du wirklich bist.”

Keiner mag ihn. Keiner traut ihm. Es ist Guido.

Lach nur, Guido. Dich mag trotzdem keiner.

Lach nur, Guido. Dich mag trotzdem keiner.

Also, jetzt muss doch mal Schluss sein. Es kann nicht so weitergehen, dass der gesamte, in diesem Land vorhandene Hass auf die Politik auf eine einzige Person projiziert wird. Ist aber so: Guido Westerwelle ist der Giga-Mega-Anti-Typ schlechthin.

Als Moderator eines Politik-Frühschoppens habe ich das am Sonntag live erlebt. Da wurden sämtliche Aussagen von Abgeordneten von fünf Parteien gelassen zur Kenntnis genommen. Aber schon die Erwähnung des Namens Westerwelle brachte das Blut der Zuhörer in Wallung. Und als ihn FDP-Landtagsvizepräsident Jörg Rohde als “den besten Außenminister seit Genscher” bezeichnete, gab es höhnische bis wütende Proteste.

Kein Zweifel, dieser Mann kann tun was immer er will. In den Augen der Menschen macht er es falsch. Er hat das eigentlich für höchste Popularitätswerte bekannte Amt des Außenministers im öffentlichen Ansehen derart heruntergewirtschaftet, dass er in der Beliebtheitsskala ganz unten herumkrebst. Aus dem einstigen Überflieger der Liberalen ist der Maulwurf der Nation geworden. Zu seinem beiden linken Händen kommen mindestens zwei linke Füße.

Ist es gerecht? Zunächst: So schlecht kann er seine Arbeit gar nicht machen, als dass die Komplett-Ablehnung der Menschen gerechtfertigt wäre. Aber Guido Westerwelle ist eben so ein Typ, der wahrscheinlich schon als Kind keine Spielgefährten gefunden hat. Ein Großmaul mit Hang zur übertriebenen Selbstdarstellung. Ob er nun 18-Prozent auf seine Schuhsohlen malte, im Big-Brother-Container auftauchte oder mit einem Gaga-Mobil auf Wahlkampftour ging oder das blödsinnige Wort von der “spätrömischen Dekadenz” in die Welt setzte.

Keiner mag ihn. Keiner will ihn mehr. Keiner findet ihn gut. Der ehemalige CSU-Halbgott Franz-Josef Strauß meinte mal: “Everybody’s darling is everybody’s Rindviech”. Mancher schafft Letzteres, ohne jemals Darling gewesen zu sein.

Für Interessierte hab ich das noch: http://www.istwesterwellenochimamt.de/
und die von mir gegründete Facobook-Gruppe “Schickt Guido Westerwelle auf die Alm”. http://www.facebook.com/groups/257545684265515/

Die Lösung: Die Guttenbergs zu "Wetten, dass…?"

“In diesen Tagen ist der sonst als Stilikone auftretende Mann zu beobachten, wie er eingefallen und stoppelbärtig erscheint. Er nestelt ungeschickt an seinem Jackett herum. Plötzlich wahren auch solche Menschen Distanz zu ihm, die sich vorher nicht dicht genug zu ihm hindrängen konnten. Wie hält der Mann das aus? Wie kämpft er gegen sein Leid?”

Diese (minimal veränderte) Herz-Schmerz-Prosa aus “Bild” gilt nicht einem unverschuldet in Hartz IV abgedrifteten Ex-Angestellten, sondern unserem Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg am Tag vor dessen Rücktritt. Die Frage ist aber nicht, wie die Leser ihren Schmerz beim Lesen dieses Textes überwinden. Es geht darum, was wir mit ihm anfangen. Nach seinem Leben in der Politik. Wie wir alle miteinander verhindern, dass er aus schierer Verzweiflung irgendwann stockbesoffen unter den Brücken von Kundus herumliegt.

Und ja, es gibt eine mögliche Fügung des Schicksals, nämlich “Wetten, dass…?”.

Ich hatte vor einigen Tagen nach möglichen Nachfolgern für Thomas Gottschalk gefragt. Als klarer Favorit entpuppte sich mit 80,42 Prozent der Stimmen Hape Kerkeling. Allerdings ist diese Quote anzuzweifeln, weil es schwer danach aussieht, als hätte sich da ein Hardcore-Fan die Finger wundgeklickt. Während Frank Elstner total und Jörg Pilawa ziemlich herb durchfielen, kam Dieter Bohlen mit 5,59 Prozent auf Platz drei.

Auf Platz zwei jedoch finden wir – richtig – Stephanie zu Guttenberg. Ihr trauen 10,49 Prozent zu, die berühmteste ZDF-Show zu moderieren. Ja, und nun stellen wir doch mal ihren Göttergatten dazu.
Wie Thomas Gottschalk kommt er aus Oberfranken, wird von den Leuten gerne angeschaut, kann ohne Punkt und Komma reden, ist im Herzen ein Rocker und weiß sich immer passend anzuziehen. Schließlich: Er würde eine Sendung übernehmen, in der fast immer die Schummler das größte Aufsehen erregt haben.

Stephanie und KT als Moderatorenpaar bei “Wetten, dass…?” – es wäre die von Millionen Rentnern herbeigesehnte Wiederkehr von Paola und Kurt Felix im 21. Jahrhundert. 15 Millionen und mehr würden zuschauen. Und Gottschalk wäre schnell vergessen.

Gottschalk und der Werther-Effekt

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Ein Grund dafür, warum sich anständige Medien mit Berichten über Suizide zurückhalten, ist der so genannte “Werther-Effekt”. Dieser besagt, dass spektakuläre Abschiede von dieser Welt, über die viel geschrieben und gefunkt wird, immer Nachahmer finden. Nun ist auch jeder Rücktritt ein kleiner Tod. Und somit hat Hosni Mubarak einen solchen Nachfolger gefunden. Thomas Gottschalk ist der neue Werther.

Gut, seine Rücktrittsankündigung in der gestrigen “Wetten, dass…?”-Sendung war uns irgendwie klar. Weiter lesen

Wenn die Macht wie Pattex klebt…

Wer soll das begreifen? Da lehnt sich ein Volk gegen seinen Präsidenten auf. Aber der alte Mann will nicht aufhören. Zunächst mal. Man fasst sich an den Kopf und fragt sich: Was ist los mit diesem Hosni Mubarak? Warum macht er nicht endlich das, was wir alle erwarten? Wir haben schließlich auch noch anderes zu tun.

Um Antworten zu finden, blicken wir doch mal in unsere eigene jüngere Geschichte. Der letzte deutsche Mubarak war ein Sozialdemokrat namens Gerhard Schröder. Nachdem er seine Wahl verloren, sah er zunächst keinen Grund zum Aufhören. Offensichtlich angetrunken maulte er vor laufenden Kameras herum, musste aber schließlich einsehen, dass nichts mehr zu machen war. Immerhin durfte seine Partei noch ein bisschen mitregieren.

Ein härteres Kaliber war Helmut Kohl. Ihm war – ebenfalls im fortgeschrittenen Alter – die Macht so wichtig, dass er seine CDU mit nach unten riss. Wie sein ägyptischer Freund hatte auch er nicht begriffen, dass seine Zeit vorbei war. Der heutige, unumstrittene Mubarak Europas ist jedoch Silvio Berlusconi. Er ist ein wahrer Bruder im Geiste des Despoten vom Nil, inzwischen aber auch ein Auslaufmodell. Sein möglicher, vermutlich aber letzter Erbe, dürfte aus heutiger Sicht Nicolas Sarkozy sein. Der ja auch aussieht wie Mubarak in klein.

Alle genannten Politiker irritieren uns, weil die jetzige Generation ziemlich verweichlicht ist. Was hatten wir nicht für Rücktritte. Der Bundespräsident geht, weil er kurzfristig beleidigt ist. Der Hamburger Bürgermeister, weil er sich lieber schöngeistigen Dingen widmen will. Der hessische Ministerpräsident, weil er lieber Bagger fährt.

Ein Mubarak verstört uns aber auch, weil er in anderen Zeitdimensionen denkt. Wir gehen ja davon aus, dass persönliche Schicksale in kürzester Zeit entschieden werden. So kennen wir das vom Fernsehen. Ein Rücktritt darf nicht zu lange dauern, weil die Angelegenheit sonst langweilig werden könnte. 18 Tage Revolution – das ist schon jetzt eine Qual für unsere Medien.

Der ägyptische Staatschef hingegen beschwört, dass er seinem Land seit 60 Jahren diene. Außerdem sei die Lage immer dann am besten gewesen, wenn man zusammengehalten habe. Das sei am Nil seit 7000 Jahren so. Nicht gesagt hat Mubarak in seiner Rede, dass er die Pyramiden selbst gebaut hat. Ich vermute: Diesen Hinweis hat er sich für seine nächste Rede aufgehoben…

Karl Theodor, verlass uns nicht!

Es hat ja schon einige merkwürdige Politiker-Rücktritte gegeben. Da gab es eine seltsame Affäre um Einkaufswagen-Pfandsysteme, der ex-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann zum Opfer fiel. Bei Bundespräsident Horst Köhler weiß man bis heute nicht so genau, warum er abgetreten ist. Also sollten wir uns durchaus Sorgen um unseren Bundes-Hoffnungsträger Karl Thedor zu Guttenberg machen.

Wir brauchen diesen Mann. Er flößt uns Vertrauen ein und weiß einfach, wie man sich passend zum Anlass kleiden muss. Im Smoking bei den Bayreuther Festspielen, im dunkelblauen Anzug in der Wall Street und in Kampfstiefeln und Tarnweste in Afghanistan. Er könnte doch noch so viele Polit-Jobs richtig schick machen. Im Trucker-Karohemd als Verkehrsminister, Weiter lesen