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Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor
In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?
Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie “Der Bachelor”. Der “Bätschalla”, wie die “Bild”-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.
Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.
Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit “Germany’s Next Top Model” weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.
Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.
Und deshalb gilt – auf Fränkisch gesagt: “Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.”
PS: Das Wort “Baddscha” steht für “Patscher” und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.
Die Quoten-Maschine: Loddar und Micaela in Love
Der Verfall von Menschen lässt sich im normalen Leben ungefährt so ablesen: Rennrad, Limousine, Rollator. Bei berühmten Persönlichkeiten läuft es so: Wetten, dass…?-Couch, Beckmann, Perfektes Promi-Dinner, Leute heute, Doku-Soap, Dschungelcamp.
So gesehen stehen wir gerade an der Schwelle zu einer Götterdämmerung des Weltfußballs. Lothar “Loddar” Matthäus, dereinst zum besten Kicker, in Bulgarien aber jüngst zum schlechtesten Trainer der Welt gewählt, wird Selbstdarsteller in einer Doku-Soap auf Vox. Er öffnet sein Leben für die Gaffer und Spötter, wird Kollege von Ehepaar Geissen und Daniela Katzenberger.
“Ganzheitlich” will er sich präsentieren. Mit seiner Freundin Joanna, seinen Kindern, seinen Reisen, seiner Arbeit und seiner Freizeit. Sätze wie “Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen!” oder “Die Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren. Sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd, waschen Wäsche und passen aufs Kind auf.” gibt es also irgendwann im Wochenrhythmus frei Haus. (Der Sendetermin ist noch unklar)
Jedoch: Im Schlaf- und Badezimmer sollen keine Kameras stehen. Das ist, Verzeihung, ein Quoten-Hemmnis. Genau das wollen die Leute ja ehen.
Aber vielleicht fehlt dazu die richtige Frau, vielleicht ist Joanna zu schüchtern. Wie also wäre es, wenn sich Loddar Micaela Schäfer krallen würde. Sie ist als 28-Jährige vielleicht ein bisschen zu alt für ihn. Sie hat aber gerade in Australien Erfahrungen mit schweren Lebensprüfungen gesammelt, die ihr auch ein Leben als Frau Matthäus ermöglichen sollten. Sie verabscheut textile Bekleidung, die Brüste sind bereits vergrößert.
Alsdenn: “Lothar und Micaela in Love”. Das wär’ der Quoten-Bringer. Ganz bestimmt!
Die Liebe der Nation: Dschungelmaden auf Silikon
Die Kundschaft der Medien ist schon etwas ganz Besonderes. Sie zeigt sich voller Abscheu über inhumane Kampagnen, sorgt sich um Ethik und um die Reinheit der Kinderseelen. Deshalb rufen Leser, Hörer und Seher immer wieder nach guten, schönen, glücklich machenden Nachrichten. Wenn dann aber Menschen dazu “eingeladen” werden, vor laufender Kamera Maden auszulutschen, Käfer zu essen oder Emu-Blut zu trinken, sitzt die halbe Nation vor den Fernsehgeräten. So geschehen beim Start der neuesten Staffel des RTL-Dschungelcamps.
6,88 Millionen Zuschauer haben die Marktforscher ermittelt, den Rekordwert für Freitagabend. Aber wie kann das sein, wo doch linke Intellektuelle solche Sendungen angewidert ablehnen, aber sogar konservative Kreise einst ein Verbot des Ekelcamps gefordert haben? Ist den Menschen gar nichts mehr heilig?
Klare Antwort: Nein. Jedenfalls nicht, wenn es um gescheiterte Promis geht. Scheiternde Berühmtheiten sind das Brot einer ganzen Branche. Wenn eine alternde Filmdiva von ihrem jungen Lover betrogen wird, wenn eine Sängerin mit ihrem Kinderwagen einen Linienbus rammt oder wenn ein Schauspieler auf Mallorca besoffen in den Hotelpool stolpert, dann tröstet das uns mutmaßlich normale Menschen. Weil es den Reichen und Schönen trotz all ihres Ruhms und ihres Geldes nicht besser geht. Noch mehr gefällt es uns, wenn sich Stars durch eigene Blödheit ruiniert haben.
Davon lebt die Klatschpresse – und davon lebt erst recht das Fachblatt für Ekeljournalismus, die Bild-Zeitung. Sie hat RTL in großen Lettern dazu gratuliert, dass schon in der ersten Sendung der neuen Staffel alle bisherigen Ekel-Grenzen überschritten wurden. Und der Umstand, dass ein übernatürlich vollbusiges Model zuallererst mit Dschungelviechern traktiert wurde, lieferte Stoff für die zweideutige Überschrift “Dschungel-Micaela schluckt alles”.
Da hechelt der geneigte Leser gemeinsam mit dem Redakteur. Und alle sind froh.
Ich eigentlich auch, aber aus einem anderen Grund. Weil in Australien wieder Stabheuschrecken gelutscht werden, werden die Schlagzeilen über unseren unglücklichen Bundespräsidenten Christian Wulff kleiner. Das Land hat ein zweites großes Thema. Hurra! Willkommen in der Normalität.
Das “Supertalent” für Aasfresser und Titanen
Da ich in diesen Tagen unter erhöhtem Zerstreuungsbedarf leide, habe ich es getan: Ich habe das “Supertalent” angeschaut, was ja laut RTL “die größte Show im deutschen Fernsehen” sein soll. Ergebnis: Ich bin empört!
Nein, nicht wegen der Jury. Nicht wegen der drallen Frohsinnsbeauftragten Motsi Mabuse, die zwar von wenig eine Ahnung hat, aber dafür fast alles toll findet. Nicht wegen Sylvie van der Vaart, die superhübsch ist, aber manchmal wie ein Kalb schaut, das man versehentlich auf den Mars geschossen hat. Und nicht wegen des angeblichen Pop-Titanen Dieter Bohlen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters engste Jeans tragen muss, so dass er nur sehr ungeschmeidig laufen kann.
Ich bin empört, weil ich die Inkarnation meines persönlichen Hassobjektes erleben musste. Einen Indio, der auf der Panflöte “El Condor Pasa” spielt. Ich gebe ja zu, dass ich diese Anden-Version von “Komm, großer schwarzer Vogel” mitgepfiffen habe, damals, als Simon & Garfunkel damit in 180 nationalen Hitparaden insgesamt 500 Wochen lang auf Platz eins standen. Aber kann es sein, dass damit heutzutage einer ins Finale einer Castingshow kommt? Haben wir noch nicht bemerkt, was da für ein abgekartetes Spiel läuft? Dass in Bolivien und Peru kurz vor der Adventszeit ganze Landstriche ewntvölkert werden, damit deren männliche Bewohner in Flugzeuge gesetzt werden, um dann unter unseren Weihnachtsbeleuchtungen das Lied vom depperten Aasfresser zu dudeln? Brauchen wir das auch noch Samstagnacht?
Das Telefonabstimmungs-Volk sagte Ja. Was aber vielleicht auch an der mäßigen Konkurrenz lag. Frauen hatten gar keine Chance. Dafür schafften es mit unserem Indianer ins Finale ein durchaus guter Sänger in einem Presswurst-Overall, ein Tänzer, der ohne Bühnenbild langweilig gewirkt hätte, ein biegsamer Mann in einem abartigen roten Froschkostüm sowie ein Punk aus Zürich, der ziemlich gut Klavier spielt. Was gut kommt, weil er nach Gitarre ausschaut.
Sie alle eint es, dass sie “Supertalent” heißen. Sie müssen also schon vom Titel der Show her nichts können, sondern nur die Veranlagung zu großen Fähigkeiten haben. Das kann man bestätigen, wenn man nett sein will.
Schade nur um den Engländer, der alles mögliche Zeug schluckt, um es leicht bearbeitet wieder herauszuwürgen. Die Fans wollten das nicht mehr sehen. Ich glaube, er wird seine Kunst verfeinern und in Zukunft nach dem Verzehr von drei russischen Babuschkas, einem Feuerzeug und 100 Millilitern zitronen-Spülmittel extrem aromatische Kaffeebohnen kacken.
Auf Wiedersehen, beim “Supertalent 2012″!
“Bauer sucht Frau” und der rosa Traktor
Ach ja, im Fernsehen ist es doch immer dasselbe: Sobald die Quote zu bröckeln drohen, beginnt die Suche nach jener Provokation, die uns wieder neugierig machen könnte. Sogar bei der beliebten, treudoofen Agrar-Kuppelshow “Bauer sucht Frau” läuft das so: Zum ersten Mal ist ein schwuler Landwirt am Start.
Es stimmt doch. Wir hatten uns immer gedacht, dass sich draußen in der Pampa manchmal nicht nur Fuchs und Hase, sondern auch Sodom und Gomorrha “Gute Nacht” sagen würden. Uns war auch aufgefallen, dass in entlegenen Dörfern überraschend viele Menschen überraschend oft die gleichen Namen tragen. Aber Schwulsein? Davor sollte doch die psychosoziale Zwangsmitgliedschaft in Feuerwehr und Schützenverein schützen. Dachten wir.
Doch jede Show braucht neue Reize. Also reicht es nicht, dass unsere Franken-Transe Valencia Vintage alias Florian Stöhr einige Zeit lang durchs Big-Brother-Haus gehüpft ist. Bald also sucht der schwule “attraktive Biobauer” Jan-Oliver Seit’ an Seit’ mit dem “sanften Schweinebauern” Uwe , dem “liebevollen Lausitzer” Dirk und dem “gutmütigen Kuhbauern” Horst nach dem großen Glück.
Und die Menschen freuen sich auf TV-Bildern von Fahrten mit dem rosa Traktor und auf die Abenteuer rund ums Jauchefass von Alessi.
Ich aber bitte die Zuschauer inständig: Lasst Euch verarschen, schaltet zahlreich ein und schaut die neue Staffel bis zur letzten Folge. Nur dann bleibt die nächste Steigerung des Nervenkitzels aus. Nur dann heißt es auch in Zukunft: Nein, Schäfer Heinrich, wir wollen nicht wissen, was Du abends machst.
Achtung, die Dicken greifen an
Voll respektierte dicke Menschen im Fernsehen kannte man bisher vor allem als bildschirmfüllende Kartenleserinnen bei Astro-TV. Grundsätzlich gehörten sie aber doch zu den bedauernswerten Verlierern der Evolution. So wie jene einst 370 Kilogramm schwere Transsexuelle namens Jacky Duvall, die nach dem Verlust von 220 Kilogramm Lebendgewicht verschieden ist und gerade in einem RTL-Beitrag mit reichlich Schwulstmusik ins Jenseits verabschiedet wurde. Aber das Image der Dicken ändert sich gerade. Durch die Tanzshow “Let’s Dance”.
Noch geheim: Das “Let’s-Dance”-Casting für 2012
Das Fernsehen macht uns sooo müüüde…
Sehen wir den Dingen ins Auge: Wir sind ein Volk der müden, nervösen und traurigen Menschen geworden. Aufstehen und Bäume ausreißen war gestern. Heute fühlen wir uns ausgebrannt, bevor auch nur das kleinste Feuer gelodert hat. Und wer ist schuld? Ich sage, das Fernsehen.
Der Beruf mag eine Rolle spielen. Die Arbeitsverdichtung nimmt ebenso zu wie der Druck, mit elektronischer Unterstützung mit wachsendem Zeitaufwand sinnlose Dinge zu tun. Und diese für wichtig zu halten. So wie und das weiß behemdete Bahnfahrer mit Laptop vorführen.
Aber die Ursache unserer Müdigkeit haben wir schnell gefunden, wenn wir an frühere Zeiten zurückdenken. Ja, es war tatsächlich so, dass es drei Fernsehprogramme gab, von denen 80 Prozent eine wichtige Sendung (Edgar Wallce, Raumschiff Orion etc.) angeschaut haben. Arbeitsbeginn war gegen 7 Uhr. Und aus Rücksicht auf die werktätigen Massen kamen die bedeutenden Sachen früh genug, damit man ausschlafen konnte. Nach 23 Uhr wurde ein buntes Testbild gesendet.
Heute ist das anders. Da schauen 4,4 Millionen Menschen das spanische Fußball-Pokalfinale, welches mit Verlängerung bis kurz vor Mitternacht dauert. Sie haben erlebt, wie “Der Checker” bei “Let’s Dance” den alten Samba-Mimen Bernd Herzsprung hinausgeworfen hat und liegen lange wach, um zu ergründen, wie das geschehen konnte. Sie haben Jutta Ditfurth bei “Hart, aber fair” diskutieren sehen und sind aufgewühlt bis unter die Milz. Von den heißen Tränen, die nach Beckmanns nächtlichen Psycho-Seancen vergossen werden, ganz zu schweigen.
Das Problem unserer Zeit ist dieses: Unser Arbeitsbeginn ist so früh, wie er immer war. Aber das Fernsehen lässt uns immer später ins Bett.
Wohl dem, der am Arbeitsplatz dösen kann. Noch wohler dem, der im Wortsinn abschalten.
DSDS: Das Volk will keine “Superstarin”
Es gibt wahrlich gute Gründe, die alljährliche Suche nach Deutschlands neuem Superstar doof, schlecht, abschaltungs- oder gar verabscheuungswürdig zu finden. Aber diese Sendung erzählt uns viel etwas über unsere Gesellschaft. Nämlich dieses: Der Sozialismus mag irgendwann zurückkehren. Doch der Feminismus siegt nie.
So zeigte die erste RTL-”Mottoshow”, dass eine seit langem bekannte Grundregel der Politik unverändert gilt: Frauen wählen keine Frauen.
Das Grauen im Fernsehdschungel
Jeder kennt den Spruch “Das Grauen hat viele Gesichter”. Seit 14. Januar hat es genau elf Gesichter. Dann startet die neue Staffel des RTL-Dschungelcamps. Der australische Dauerregen der letzten Zeit hat nichts genutzt. Diese Sendung läuft. Marcel Reich-Ranicki wurde nicht gehört.
Wenngleich man Machwerke wie das Dschungelcamp mit Missachtung strafen möchte, kommt man daran nicht ganz vorbei. Denn es sagt viel über diese Gesellschaft aus.
Nach Kerner, Steffi und KT: Schickt die RTL-Kasper ins Wüstencamp
Heute Abend also die Fernseh-Sensation des Jahres: Johannes B. Kerner sitzt gemeinsam mit Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg auf einer Bühne im Bundeswehr-Camp Mazar-e-Sharif und schildert der staunenden Nation, wie das Leben der Soldaten in Afghanistan wirklich ist. Bevor dieses Theater beginnt, sage ich: Eklatante Fehlbesetzung. Das wird nichts.
Unser christlich-sozialer “Sonnenbrillenträger des Jahres” passt hin, da gibt es gar nichts. Hat er doch wieder einmal für großartige Bilder aus der Wüste gesorgt. Wie er an der Seite seines blonden Schutzwesten-Engels Stephanie auf die Fotografen zumarschiert ist, war ein neuerliches Staatsschauspiel der allerersten Güte. Er wie Bruce Willis mit Haaren, sie wie Lilli Marleen ohne Laterne. Glaubwürdig, optimistisch, erfolgsorientiert.
Aber Kerner? Da ist doch einer nach Afghanistan geflogen, der seine Schlacht um die Zuschauer längst verloren hat. Beim ZDF war er für jeden und alles zuständig. Für Fußball, Kochen, Menschen und andere Sensationen. Sein Wechsel zu Sat1 ist ihm aber überhaupt nicht bekommen. Keiner mag ihn mehr sehen. Was sich auch daran zeigt: Sein todesverachtender Talkshow-Fronteinsatz wird erst ab 23.15 Uhr gezeigt. Nach “Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit.” Stimmt. Kurz vor Mitternacht sind die Einschaltquoten eher schlecht.
Eine afghanische Fernseh-Sensation müsste ohnehin RTL übernehmen. Mitte Januar startet das neue Dschungelcamp, unter anderem mit Kachelmanns SMS-Tussi Indira Weis, Liebesgott Rainer Langhan, Spaßkugel Dirk Bach sowie unserer unvergleichlichen oberfränkischen Sex-Göttin Tatjana Gsell.
Dieses Grauen in Mannschaftsstärke müsste vorübergehend als “Wüstencamp” an den Hindukusch verlegt werden. Ungeziefer aller Art sollte reichlich vorhanden sein, als Mutprobe wäre ein Bergdorf-Burka-Lauf denkbar. Wir würden zusehen, bibbern, für unsere Kandidaten beten.
Und die Taliban würden vielleicht sogar kapitulieren. Denn eines würde ihnen mit aller Macht klar: Eine Gesellschaft, die trotz solcher Sendungen ohne Selbstmordattentate auskommt, kann man nicht besiegen.
Ein Präsidenten-Wurm tut nichts und macht berühmt
Aus gegebenem Anlass eine wichtige Nachricht aus der Welt der Stars: Im nächsten RTL-Dschungelcamp werden ab Januar 2011 Pop-Sternchen und Kachelmann-Kurzzeit-Schatzi Indira Weis, Schlager-Nervensäge Michael Wendler und vielleicht auch “Richter Gnadenlos” Ronald Schill dabei sein. Und alle werden sie sich irgendwann zwischen Kakerlaken-Bad und Opposumnasen-Lutschen jener Probe stellen, die ein anderer berühmter Mann namens Christian Wulff gerade mit Würde bestanden hat: dem Wurmessen.
Da soll sich doch tatsächlich beim Moskauer Festbankett
Die neue Tatjana Gsell heißt Florian
Unsere allseits beliebte Glamour-Tante Tatjana Gsell befindet sich nachweislich im Spätherbst ihrer Karriere. Es braucht eine Nachfolgerin. Am besten natürlich aus Franken. Und bitteschön: Hier ist Florian Stöhr! Etwa Mitte Zwanzig und mit allem gesegnet, was es zur Berühmtheit braucht.
Zuletzt hat sich der gebürtige Ochsenfurter im RTL-Machwerk ”101 Wege aus der härtesten Show der Welt” an der Seite von wichtigen Persönlichkeiten wie “Porno-Klaus” oder Daniela Katzenbergers Mutter Iris Klein als Kandidat bewährt. Dabei bewies er durchaus Humor. Nach einem Bad in dem für gescheiterte Bewerber bereitgestellten Pool meinte er: “Die anderen Kandidaten werden nie so gut ausschauen nach dieser Sache, weil ich hab wasserfestes Make-up“.
Florian Stöhr kann man sich gut als eine etwas femininere Zweitausgabe von Daniel Küblböck zu dessen schlimmeren Zeiten vorstellen. Und wie beim Erfinder der “Positiven Energie” hat er einen Teil seines jungen Lebens in Nürnberg verbracht. Stöhr tauchte in der Noris als Friseur des Trend-Salons “mod`s Hair” auf. Nald wurde er auf diversen Partys gesichtet. Speziell im “Indabahn” wurde er oft mit dicker Schminke und Handtäschchen gesichtet. Auch auf dem Norisring suchte er die Nähe zur Prominenz. Nun hat er es schon mal ins Samstagabend-Fernsehen geschafft.
Was aber verbindet Florian S. mit Tatjana G.? Nicht nur, dass er es war, der sie im april dieses Jahres wegen angeblichen Kokain-Genusses anschärzte. Sondern viel mehr sein Hang zu Schönheitsoperationen. Im Lebenslauf auf seiner Homepage nennt er unter “Besonderheiten” zwei Nasen-OP´s (11.500 Euro), Lippenaufspritzen (2.500 Euro), Botoxbehandlungen (8.000 Euro), Wangenknochenunterspritzen (1.000 Euro), Magenverkleinerung (bei 1,80 Meter Größe und 59 Kilo Lebendgewicht) sowie die Entfernung zweier Rippen für eine schlankere Silhouette. Im Vorfeld der RTL-Show gab er zudem bekannt, dass er sich gerade die Po-Backen mit je 150 Gramm Silkon habe aufpolstern lassen.
Man sieht, da ist einer bereit, um in die Fußstapfen einer großen Vorgängerin zu treten. Und auch seine Lebenseinstellung könnte von Tatjana Gsell stammen: “Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Arbeiten nicht so liegt, denn es ist schöner Dienstleistungen zu empfangen als sie zu geben.”
Franken und der Rest der Welt dürfen sicher sein: A Star is born!
DSDS-Mehrzad: Der Feminismus lebt doch noch
DSDS 2010 sei eine Pleite für den Feminismus hatte ich kürzlich in diesem Beitrag
geschrieben. Es gab daran Zweifel, und nach dem Sieg von Mehrzad Marashi sieht es so aus,als seien diese berechtigt gewesen. Das Schlimmste wurde vermieden.
Schließlich sind es junge Frauen, die mit ihren superschnellen SMS-Daumen für die Entscheidung gesorgt haben. Sie hatten die Wahl zwischen einem soften Typen, dem Frau und Familie viel bedeuten. Und der als dunklen Fleck in seiner Biographie nur einen verlorenen Führerschein herzeigen kann.
Auf der anderen Seite einer, den manche Medien bei anderer Gelegenheit als jugendlichen Intensiv-Straftäter führen würden. Einer, der selbst nach einer sanften Nummer wie ein hochexplosives Aggressionsbündel auf der Bühne steht. Dessen Blick nach der Entscheidung schlichtweg furchterregend war. Das also soll er sein, der Mann, den junge Frauen wünschen. Kann das wirklich sein?
Selbst die “Bild”-Zeitung flehte gestern geradezu, den “mächtigen Sieger” (so die Übersetzung des althochdeutschen Wortes Menowin) nicht zu wählen. Und wurde erhört. Vielleicht könnte Mehrzad zu den Lesern meines Blogs gehört. Die haben nämlich via Abstimmung
entschieden, dass “Erdbeerpfötchen” ein sinnlicher Kosename ist. 44 Prozent waren dieser Meinung. “Abendstern” kam auf 28 Prozent, “Sinuskürvchen” auf 18 Prozent. Es ist vorstellbar, dass der neue Superstar in seiner Beziehung einen dieser Namen verwendet. Wäre es Menowin geworden, hätte ich neu über die die Liebkosung “Schlampe” abstimmen lassen müssen.
Wie gesagt: Das Schlimmste wurde vermieden.





Der Dschungel – unsere heimliche Liebe
Die heimliche Liebe ist besonders schön. Wer wollte diesem Satz lügenfrei widersprechen? Und so geht es gerade den Menschen in Deutschland. Millionen v0n ihnen sind dem RTL-Dschungelcamp verfallen. Aber zugeben wollen sie es nicht.
Dieses peinliche Verleugnen hat es schon immer gegeben. Wer sich das Bücherregal eines durchschnittlichen Bildungsbürgers näher anschaut, könnte Folgendes feststellen: Ganz vorne stehen die Prachtbände mit Lederrücken, dort ist der Platz für hochwertige Prosa, die jeden Gast beeindrucken werden. Wirklich interessant aber wird es in der hinteren Reihe. Dort stehen die Bücher, die wirklich gelesen wurden. Früher hieß ein solches “Dallas – Die ganze Geschichte”, heute sind es die Lebensbeichten von Bettina Wulff oder Daniela Katzenberger. Es gibt kaum Lustigeres, als sich am Sinnlosen zu ergötzen.
Genauso geht es uns mit dem Dschungelcamp. Dort sind so genannte Promis eingesperrt und müssen seltsame Ekel-Aufgaben lösen. Allesamt handelt es sich um Menschen, denen man das Gefangenen-Schicksal durchaus gönnt. Ab und zu blitzt auch bei den Camp-Bewohnern wahrer Witz auf, auch die unvermeidbare Superzicke sorgt für Vergnügen. Aber insgesamt handelt es sich um eine Ansammlung gescheiterter Gestalten. Und das tut uns gut.
Denn wir mögen die Krisen der Prominenten. Weil es tröstet, wenn auch dem Multimillionär die Frau davonläuft. Weil es sich gut anfühlt, wenn auch die vielfach operierte Hollywood-Diva irgendwann zugeben muss, dass sie alt geworden ist. Weil es uns hilft, wenn wir sehen, dass auch vermeintliche Superstars derart abstürzen können, dass sie durch Rattentunnel kriechen, in Schleim baden und ekliges Zeug essen müssen. Würde uns ja nie passieren.
Nein, das RTL-Dschungelcamp ist mega-in und noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Es fehlen nur noch drei bis vier “Wetten, dass…”-Sendungen. Dann heißt es: Lanz kocht Maden. Für seine Mitbewohner.