Röttgen, oder: Wenn der Blender bleich wird

Norbert Röttgen: Schöne Brille, aber sonst?

Norbert Röttgen: Schöne Brille, aber sonst?

Es gehört zu unseren Grundbedürfnissen, dass wir Menschen rein äußerlich mit ihren Aufgaben identifizieren möchten. Ein Model muss dürr, ein Profifußballer tätowiert und ein Popstar bunt angezogen sein. Darin steckt die Chance für die Blender dieser Welt. Es ist gut wenn diese scheitern. So wie am Sonntag der vormalige CDU-Star Norbert Röttgen.

Mit den größten Blendern der jüngeren Vergangenheit, Allzweckminister Karl Theodor zu Guttenberg oder Multimanager Thomas Middelhoff, kann Röttgen nicht mithalten. Aber so wie ihn hat man sich einen klugen Politiker schon vorgestellt. Graumeliertes, sorgfältig frisiertes Haar, Klugschau-Brille, geschliffene Rhetorik. Eben einer, der optisch auch einen Konzernmanager geben könnte und den man sich auch deshalb für die ganz großen Aufgaben (Merkel-Nachfolge?) vorstellen konnte.

Und dann versagt dieser Mensch in einem Wahlkampf von vorne bis hinten. Erklärt, dass „leider“ die Wähler/-innen und nicht die Parteifreunde über sein Schicksal entscheiden oder dass in Nordrhein-Westfalen über die Europa-Sparpolitik seiner Kanzlerin abgestimmt wird. Zudem gibt er zu erkennen, dass ihm dieses Bundesland nur dann nicht egal ist, wenn er dessen Chef wird.

Tja, heute gibt’s Blümchen von Angela Merkel. Vermutlich so ein mickriges Verlierergesteck, das Menschen beim Discounter für ihre nicht so sehr geliebten Müttern kaufen. Das haben zuletzt etliche hoffnungsvolle CDU-Politiker bekommen. Ein schöner Kranz wäre jeweils ehrlicher gewesen. Wahrscheinlich auch für Norbert Röttgen, den nächsten bald Vergessenen.