Posts Tagged ‘Rösler’

Mai 4th, 2012

Willkommen zum Benzinwucher-Livestream

Der Pranger war im Mittelalter eine beliebte Erziehungsmaßnahme. Diebe, Ehebrecher und andere Bösewichte wurden auf den Markplatz geschraubt und durften dort begafft, beschimpft und bespuckt werden. Das auf diese Weise geläuterte Opfer war hinterher ein guter Mensch. Wenn es nach dem Bundeskabinett geht, werden demnächst die Mineralölkonzerne als Kleinkriminelle bloßgestellt.
Es gibt es ja drei Dinge, die vom Volk unbedingt gebraucht und deshalb zu Wucherpreisen verkauft werden: Benzin, Diesel und das Sortiment von Apple. Aggressionen löst allerdings nur die Ausbeutung der Autofahrer aus. Weil es sich um stinkendes Zeug handelt, das von hässlichen Widerlingen verkauft wird, die mit ihrer Kundschaft weder Gnade noch Erbarmen kennen.
Das kann die Politik nicht ruhen lassen. Also müssen die Betreiber der 14700 Tankstellen in Deutsch­land künftig bei einer “Markttransparenzstelle” detailliert melden geben, wann und in welchem Umfang sie die Preise erhöhen oder senken. Die Kundschaft kann im Internet in Echtzeit zuschauen.
Eine famose Idee! Die Preise werden weiter steigen. Weil es auf dieser Welt immer eine Krise gibt. Sei es nun das Auftauchen eines politischen Halbirren in Arabien, sei es die steigende Nachfrage in China oder die sinkende Nachfrage in Portugal. Sei es der Bau einer teuren Pipeline, sei es der Umstand, dass diese Pipeline zwecks Schutz des kaukasischen Wanderhamsters nicht gebaut werden kann. Schließlich wegen der Fünf-Euro-Kräfte, die die neuen Tarife eintippen.
Aber die ganze Welt schaut zu, wenn die Preisschilder ausgetauscht werden. Weshalb sich die Manager der Ölkonzerne in Zukunft richtig schlecht fühlen werden, wenn sie ihren Aktionären Rekorddividenden verkünden. Und weshalb sie die Abrechnungen mit ihrem Millionengehalt nur noch mit allergrößter Verachtung entgegennehmen werden.
“Denen haben wir es aber gezeigt”, werden wir uns freuen. Und vielleicht erreicht die Meldebehörde sogar ihr eigentliches Ziel: Dass Philipp Rösler und seine FDP als Groß-Verbraucherschützer ans rettende Fünf-Prozent-Ufer hüpfen können. Oder mit seinen Worten gesagt: Pack den Laubfrosch in den Tank.

April 22nd, 2012

Herr Rösler und der Weg der Mitte

Die Frage lautet: Was ist das Ziel der meisten Parteipolitiker? Die Antwort liefert Wikipedia: “Bei einer Strecke, einem Kreis, einer Kugel oder allgemein bei einer n-dimensionalen Sphäre ist der Mittelpunkt der Punkt, der von allen Punkten dieser Sphäre den gleichen (minimalen) Abstand besitzt.” Jawohl, es ist die Mitte.

Viele Jahrzehnte lang war die politische Mitte etwas, zu dem das Wort “minimal” auf gar keinen Fall passte. Fast jeder wollte dorthin und fühlte sich auch dort daheim: CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, die Grauen, die Bayernpartei, und, und, und… Die Mitte in der Politik, das war wie der Saturn. Ein riesiges Gebilde, das auf einer Ringstraße von ein paar unmaßgeblichen Halbirren umkreist wurde. Nur wer auf dem “Planeten Mitte” war, schien Chancen auf Wahlerfolge zu haben.

Inzwischen haben sich die Dinge verschoben. Es ist wieder schick geworden, sich “links” zu nennen. Auch die Rechten werden immer frecher. Aber ein solides Eigelb in einem Spiegelei ist die Mitte mindestens noch. Schließlich wird hier der ruhende Pol der Gesellschaft vermutet. Oder wie es der chinesische Philisoph Mo Ti vor 1600 Jahren darstellte: “Der edle Mensch verkörpert den Weg der Mitte, der gemeine Mann handelt dem Weg der Mitte zuwider. Der edle Mensch scheut keine Mühe, um das Leben anderer zu erleichtern.”

Gerade hier will sich nun Philipp Rösler festsetzen. Auf dem Bundesparteitag der Liberalen hat er erklärt, dass die “Bürgerliche Mitte” ausschließlich seiner stark geschrumpften FDP gehöre. Die Konkurrenz sei ja kollektiv auf dem Pfad nach links.

Und somit sind Saturn oder Eigelb zum Zehner auf einer Zielscheibe geschrumpft. Wenn Rösler zuletzt so viel daneben ging, müssen wir uns zumindest nicht mehr wundern.

Februar 27th, 2012

Rösler und Merkel: Da wird der Prinz zum Frosch

Im harten Alltagsgeschäft gerät allzu leicht in Vergessenheit, dass Angela Merkel eine Frau ist. Auch ihr Vizekanzler Philipp Rösler hat das gerade verdrängt. Er hat seine politische Lebensabschnittsgefährtin mit einem Frosch verglichen.  Das ist heftig. So heftig, dass alles unterhalb der ewigen Feindschaft eine Überraschung wäre.

Sicher, man könnte abwinken, “Ach ja, der Rösler” sagen und einfach weitermachen. Ist doch der FDP-Chef für seine Witze berühmt-berüchtigt. Seine Ironie geht oft haarscharf am Ziel vorbei, so dass hinterher jemand beleidigt ist.

Und Verniedlichungen oder gar Kosenamen sind ohnehin so eine Sache. Man kommt sich ziemlich nahe. Nicht jede möchte sich ungefragt Hasi, Engel, Sahneschnitte, Erdbeerpfötchen oder Puddingbrumsel nennen lassen.

Unbedingt vermeiden sollte man aber Vergleiche, welche  der oder die andere garantiert nicht mag. Wie das beim Frosch der Fall ist. Dieses Tier ist bestenfalls lustig (in der Inkarnationsform Kermit), sitzt aber ansonsten dumm, aufgeblasen und dick auf einem Seerosenblatt oder auf einem Stein herum, quakt und wartet darauf, dass Beute vorbeifliegt. Frösche gelten zwar als schöner als Kröten. Trotzdem haftet ihnen etwas Glitschiges an.

Selbst als Märchenfigur ist der Frosch nur zweite Wahl. Wir alle haben als Kind gelernt, dass etwas ganz Schönes herauskommt, wenn man ihn ganz lieb küsst. Was also will Philipp Rösler? Merkel küssen und Nahles bekommen? Oder Sigmar Gabriel? Oder Claudia Roth?

Wahrscheinlicher ist da schon dieser Fall: Merkel küsst Rösler und verwandelt ihn in einen Frosch. Und dann wird sie ihn kochen. Ganz langsam. Mit Genuss. Ganz bestimmt.

Januar 7th, 2012

Röslers Mitte hilft uns gar nicht

Also sprach Philipp Rösler: “Wir brauchen Wachstum in der Mitte.” So also stellt sich der FDP-Chef den Weg zur Rettung des Landes, seiner Partei und seiner eigenen Jobs vor. Warum das alles so gut sein soll, sagt er aber nicht.

Wir alle wissen, dass sich außer der Linken alle Bundestagsparteien in “der Mitte” daheim fühlen. Das liegt wohl daran, dass man dort die große Masse an Menschen und somit das größte Wählerpotenzial vermutet. Wahrscheinlich denkt man auch, dass dort Eigenschaften wie Vernunft, Politikverstand und Duldsamkeit verortet sind.

Das Zentrum hat aber einen großen Nachteil: Es ist nur bedingt zukunftsfähig. Die Masse der Vernünftigen strebt vor allem danach, gut zu funktionieren. Kreativität, die Lust auf Veränderung, kommt hingegen meistens von den Rändern. Das Wort “Mittelstand”, das jeder FDP-Chef permanent vorbeten muss muss, signalisiert keinesfalls die Lust auf Bewegung.

Und wenn man sich einen normal proportionierten Menschen anschaut, so sitzt die Mitte irgendwo in der Nähe des Bauchnabels. Dort wächst also in erster Linie das Bauchfett.

Wachstum in der Mitte führt also letztlich zur Figur von Helmut Kohl. Und einen solchen Politiker wollen wir so schnell nicht wieder haben. Nicht mal als FDP-Chef. Schlechtes Motto, Herr Rösler!

November 13th, 2011

Rösler und die Taschentücher: Wir winken zum Abschied

“Schluss mit der Trauer, Schluss mit den Tränen: Es ist Zeit, die Taschentücher wegzustecken”. Ach, wie ist er doch knuffig, der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler. Er hat genug davon, dass seine Partei unter ständigen Wahlniederlagen ächzt. Also erklärt er das Problem für beendet. Kann das gehen?

Rösler erinnert an einen Menschen, der sich krankhaft vor Dunkelheit fürchtet, aber unbedingt in den Keller muss. Also steigt er – scheinbar – vergnügt pfeifend oder singend die Treppen hinunter, an deren Ende irgendein Grauen lauern könnte. Der FDP-Chef, der in seinem früheren Leben als Arzt seine jüngsten Patienten als Bauchredner aufgemuntert hat, probiert es also mit Humor. Oder was er dafür hält.

In seiner Parteitagsrede philosophierte er darüber, dass sich SPD-Chef Sigmar Gabriel zuletzt deshalb von den Grünen distanziert habe, weil diese eine Sondersteuer für dicke Menschen planten. Und die Meldung, dass Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht ein Paar seien, kommentiert er so: “Sie hat ganz kleine Augen. Ich kenn mich damit aus.” Wahrhaft ein Hammer-Gag!

Würde Philipp Rösler einsehen, dass sein Kollege Rainer Brüderle der begabtere Humorist ist, würde das ihm und seiner Partei sehr helfen. So aber gibt es keinen Grund, die Taschtücher wegzustecken. Ganz im Gegenteil: Wir werden sie brauchen – um der FDP zum Abschied zuzuwinken.

September 27th, 2011

Putin und Medwedew: Das Prinzip Dick und Doof

Die Zirkus-, Theater-, Film-, Musik-, ja die gesamte Menschheitsgeschichte ist voll von gegensätzlichen und daher (tragi-)komischen Paaren. Denken wir nur an Dick und Doof, Pat und Patachon, Starsky und Hutch, Hänsel und Gretel, Kain und Abel, Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder an Don Quichotte und Sancho Pansa.

Sie alle zeigten uns den Facettenreichtum des menschlichen Wesens. Wahlweise nach der Devise “Gemeinsam sind wir unerträglich” oder eben “Gemeinsam sind wir unschlagbar”.

Es war eine Frage der Zeit, bis dieses Prinzip in der Politik erprobt wurde. Nach der Endphase von Helmut Kohl und keinem anderen gaben Gerd und Joschka ein recht schlüssiges Tandem ab. Bei Angela und Philipp klappt das auch ohne Guido nicht so recht.

Ein wahrhaftiges Traumpaar gibt es dafür in Russland. Dort haben der aktuelle Präsident Dmitrij Medwedew und der derzeitige Ministerpräsident Wladimir Putin beschlossen, das Land unter sich aufzuteilen. Da das Volk das Ganze offenbar mitmachen wird, werden zu bestimmten Terminen die Paläste getauscht. Wobei der “lupenreine Demokrat” Putin sehr eindeutig das Krokodil und Medwedew der Kasper ist.

Kann ein solcher ständiger Rollentausch auch bei uns funktionieren? Und falls ja, mit wem? Bitte stimmen Sie ab.

September 16th, 2011

Rösler muss sich scheiden lassen

Kann man sich Philipp Rösler mit dicken Backen und Bauch vorstellen? Schwierig, aber es ist denkbar. Denn in Berlin besteht akute Scheidungsgefahr. Also drohen ihm ein paar neue Pfunde.
Warum? Bisher galt es als ehernes Gesetz, dass Männer nur in festen Beziehungen zunehmen. Weil Frauen, die ihrerseits am Anfang gemeinsamer Lebensabschnitte runder werden, ihren Liebsten gerne füttern. Weil ihnen ein treues Dickerchen letztlich lieber ist als ein schicker Fremdgänger.
Der Wegfall der eigentlichen Ernàhrerin würde demnach, so denkt der Laie, wie eine Diät wirken. Tut es aber nicht. Nach einer Langzeit-Studie der Universität von Ohio nehmen die meisten Männer auch nach einer Scheidung zu. Der wahre Lehrsatz lautet demnach: Wer jemals in einer Beziehung war, wächst an den falschen Stellen. Egal, wie sein Leben läuft.
Soll man also Philipp Rösler zur politischen Scheidung raten? Auf jeden Fall. Denn die Krux der derzeitigen FDP-Führungsriege ist doch, dass sie alle so jung und schlank sind, dass man meint, dass sie wie aufgeputschte Windhunde jedem möglichen Thema hinterherhetzen. Dass sie heute hier und morgen da sind, dass sie unbedingt beachtet werden wollen, aber eigentlich keine Prinzipien.
Das Volk will aber auch Wohlfühl-Minister. Es sucht jemand, dem es vertrauen kann, an dem es sich ankuscheln kann. Das kann ein Brüderle gegen Westerwelle, Lindner und Bahr nicht schaffen. Rösler sollte also weg von Mutti, um dann nach einer ausgiebigen Schlemmerreise durch treudeutsche Schweinebraten-Kneipen im Genschman-Format mit gelbem Pullunder zurückzukehren.
Sie wollen Beweise für den Erfolg dieser Strategie? Schauen Sie doch mal den Gabriel an.

September 13th, 2011

Griechenland-Pleite? Wir hassen die Antike

Man kann sich zur scheinbar unvermeidbaren Staatspleite viele Informationen oder Gerüchte einverleiben. Ich bin heute mal ein gläubiger Mensch. Ich glaube daran, dass dieses Land gerade für all das Leid bestraft wird, da es Menschen wie mir in dessen Jugend angetan hat. Pythagoras, die Zahl Pi – griechische Erfindungen wie diese haben mich einst bis an den Rand einer Therapie gedemütigt. Ich habe lange gebraucht, um neues Selbstbewusstsein aufzubauen. Und jetzt stellt sich raus: Die können selber gar nicht rechnen.

“Ich liebe dieses Griechenland überall. Es trägt die Farbe meines Herzens.” Für Schwärmereien wie diese des Dichters Hölderlin ist zurzeit überhaupt keine Zeit. Wir sind sauer auf die Hellenen. Und diese fangen gerade an, uns so richtig schön zu verachten. Es hört ja auch niemand gerne, dass die harte Arbeit, die er ein Leben lang geleistet hat, in anderen Ländern eigentlich nur als Kostenfaktor gesehen wird. Es kann auch niemand begreifen, dass er nur noch sparen soll. Man mag sich gar nicht ausmalen, was bei uns los wäre, wenn wir von unserer Regierung ein ähnliches Streichprogramm vorgesetzt bekämen.

Warum aber heizt jetzt der FDP-Vorsitzende Rösler die Anti-Hellas-Stimmung an? Ja, vielleicht ist es tatsächlich eine tief sitzende Abneigung der jungen Liberalen gegen die Antike. Guido Westerwelle hatte seine Abscheu über die spätrömische Dekadenz hinausposaunt. Aber waren die Griechen – bei allem Schönen und Guten, was sie uns gebracht haben – nicht auch dekadent im Quadrat?

Das soll hier nicht vertieft werden. Jedenfalls hatte ich, hatten wir eine Rechnung offen. Die wird in diesen Tagen verbal beglichen. Aber jetzt muss es auch wieder gut sein. Pythagoras wird durch die Drachme nicht besser. Liebe Griechen, ich verzeihe Euch. Wir schaffen es!

April 17th, 2011

Philipp Rösler und die Rente mit 100

Ist es gut? Schlecht? So zwischendrin? Unser Leben besteht zu einem großen Teil aus einem “Einerseits – Andererseits” Im Grunde genommen sind wir ständig auf der Suche nach dem kleineren Übel. Nur unverbesserliche Optimisten sehen immer und überall neue Chancen. Den anderen vergeht der Spaß zumindest ab und zu.

Nehmen wir zwei Artikel aus meiner Lieblings-Sonntagszeitung “Sonntagsblitz”. Erstens: “Rösler feilt an seinem Personaltableau”. Tatsächlich, der designierte FDP-Chef hat einiges zu tun. Mit einer neuen Führungsriege soll er das Volk begeistern. Aber wen hat er schon greifbar? Zum Beispiel zwei Herren namens Lindner. Der eine, Martin, ein ondulierter neoliberaler Alleswisser. Der andere, Christian, ein höchbegabter hyperaktiver Klugscheißer.

Bringt’s das? Eigentlich kann es Rösler gelassen sehen. Weiß man doch aus dem Fußball, dass jeder, der eine Mannschaft auf deren Tiefpunkt übernimmt,  immer gut aussieht. Weil es ja nur besser werden kann. Aber noch toller würde es laufen, hätte die FDP auf das Ergebnis meiner Umfrage in Sachen Westerwelle-Nachfolge gehört: 48,39 Prozent plädierten für Sylvie van der Vaart, 41,94 Prozent für Gabriele Pauli. Da fehlte der Mut zur Frau. Andererseits: Philipp Rösler bekam in dieser Umfrage 6,45 Prozent. Seine Partei wäre da schon froh.

Bericht Nummer zwei: “Er wurde 114 Jahre alt.” Es handelte sich um einen Nachruf auf den gerade verstorbenen mutmaßlich ältesten Mann der Welt, den US-Amerikaner Walter Breuning. Auch hier gilt das “Einerseits – Andererseits.” Schade, dass er tot ist. Schön, dass er so lange leben durfte.

Letztlich aber beunruhigt er uns. Weil wir wissen, dass sein Altersrekord schon bald überholt werden und seine Lebenserwartung normal werden wird. Was Folgen hat. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass die Rente so lange sicher ist, wie sie – wie heute – um die 15 Jahre lang bezahlt wird, bedeutet das ja nichts anderes, als dass irgendwann die Rente mit 100 eingeführt werden muss.

Wollen wir das wirklich? Nein, nicht mal Philipp Rösler will das. Er möchte mit 45 mit der Politik aufhören. Was Walter Breuning dazu sagen würde?

April 5th, 2011

Philipp, Sylvie, Gabi? Wen braucht die FDP?

Schon lustig, diese FDP. Jetzt haben sie ihren „Igitt-Faktor-Mann“ Guido Westerwelle weg – und wissen nicht mehr weiter. Also helfen wir. Suchen wir den/die ideale/n Nachfolger/in.

Offenbar läuft alles auf Philipp Rösler zu. Für ihn spricht, dass er alles Leid dieser Welt mit asiatischer Gelassenheit kommentieren kann. Außerdem erinnert er stark an Harry Potter, spricht also belesene junge Frauen an. Und Lord Voldemort alias Wolfgang Schäuble ist auch ruhiger geworden.

Heiße Kandidatin Nummer 2: Sylvie van der Vaart. Die FDP war Spaßpartei immer am angenehmsten. Und außerdem
feierte sie große Erfolge, wenn sie hübsche, aber politisch unbedarfte Frauen ins Rennen schickte. Wie zuletzt mit “Katja” in Hamburg.

Rainer Brüderle darf nicht vergessen werden. Ein Politiker, der für alle Gelegenheiten eine Kiste Wein im Schreibtisch hat, ist überall gerne gesehen. Außerdem steht er als schwatzhafter Geselle für eine Öffnung der Partei.

Arnulf Baring wäre der Gegenentwurf zu Sylvie van der Vaart. Aufgrund seines Alters ein Übergangskandidat, glänzt er durch notorische Empörung. Als gut trainierter und viel gebuchter Talk-Show-Gast ist er attraktiv.

Schließlich Gabriele Pauli: Ist als brave bayerische Landtagsabgeordnete in Vergessenheit geraten. Ist aber immer bereit, wenn ein heikler Führungsjob zu vergeben ist. Ihre Esoterik-Erfahrung sollte der richtunglosen FDP beim geistig-moralischen Neuanfang helfen.

Dezember 20th, 2010

Fast drei Prozent: Guido darf von Bord

Wie lange bleibt er? Wann fällt er um? Es scheint so, als habe ganz Deutschland einstimmig beschlossen, dass Guido Westerwelle unverzüglich abzuservieren ist. Obwohl für seine Partei die Abkürzungs-Variante “fast drei Prozent”  wahr zu werden scheint, hält der FDP-Vorsitzende  dagegen. Er streckt trotzig das Kreuz durch und verkündet mit fester Stimme: “Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt”.

Was will er uns damit sagen? Zunächst einmal ist sicher, dass sich Westerwelle zum Montagsauto unter den deutschen Außenministern entwickelt hat. Es ist schon eine hohe Kunst, ständig den Mächtigsten der Mächtigen die Hände zu schütteln, das globale Geschehen ein Stück weit mitzulenken, und trotzdem unbeliebter zu sein als Gregor Gysi oder Horst Seehofer. Dramatische Fehlbesetzung, würde man im Theater sagen.

November 13th, 2010

Die Internationale vor dem Grand Hotel

Das Proletariat beschallt das Grand Hotel.

Das Proletariat beschallt das Grand Hotel.

“Und die Goldene Ehrennadel geht an Frau Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel.” Seit dem heutigen Samstag halte ich dies für einen denkbaren Satz bei einem großen Gewerkschaftskongress im Jahr 2014. Denn eines schafft die schwarz-gelbe Bundesregierung: Sie treibt die Menschen in hellen Scharen zum Protest auf die Straße. Nicht nur gegen Atomstrom, sondern auch gegen ihr “Sparpaket”. Mindestens 30.000 waren es alleine in Nürnberg.

Vor ein paar Jahren hätte dies niemand für möglich gehalten. Engagement für die Gewerkschaft wirkte manchmal ähnlich prickelnd wie das Reiten eines totes Pferdes. Junge Menschen fragten schon mal, wozu sich Arbeitnehmer organisieren sollten. Sie selbst fühlten sich in der Barmer schließlich gut aufgehoben.

Gestern waren auffällig viele junge Leute dabei. Und diese sorgten auch für lustige Momente im Demonstrationszug. Eine Gruppe von Mädchen schrie sich immer wieder derart die Seele aus dem Leib, als würde nicht der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena, sondern Robbie Williams am Mikrofon stehen.  Von einem Wagen aus warfen junge Leute wie im Fasching Bonbons und Traubenzucker ins Volk und drehten die Musik auf volle Lautstärke.

Und als der Zug wegen des übergroßen Andrangs ins Stocken kam, wurde das Le Meridien Grand Hotel gut 20 Minuten lang kräftigst beschallt. Unter anderem mit der “Internationalen” . “Völker, hört die Signale”, ausgerechnet vor Nürnbergs  Luxusherberge? Passt eigentlich schon. Denn so gut sind die Löhne in der Hotellerie ja auch nicht…

PS.: Mit einer Ehrennadel für Gesundheitsminister a. D. Rösler wäre ich auch einverstanden.

Oktober 12th, 2010

Deutschenfeindlichkeit: Kann man im eigenen Land fremd sein?

Für gewöhnlich verbringe ich meine Herbst-Urlaube fernab der deutschsprachigen Medienzivilisation. Kein Internet, nicht mal ein Stand mit der “Bild”-Zeitung. Es gibt nur das italienische Fernsehen. Dann wundere ich mich (unter anderem darüber, dass selbst News-Moderatoren mehr schreien als reden und dass es dort einen Lotto-Jackpot mit 158 Millionen Euro gibt), denke mir aber dann, dass ich eben anders bin. So, wie das Karl Valentin umschrieben hat: “Der Fremde ist ein Fremder nur in der Fremde.”

Letzten Sonntag aber schlurfe ich doch an einem international bestückten Kiosk vorbei. Und lese auf Seite 1 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung diese Schlagzeile: “Kampf der Deutschenfeindlichkeit”. Also wirklich: Während meinen früheren Urlauben ist Bundeskanzler Helmut Schmidt zurückgetreten und ist die Berliner Mauer gefallen. Was ist denn jetzt daheim schon wieder los?

Februar 11th, 2010

“Anstrengungsloser Wohlstand”: Nervensäge Guido und Papa Boris

Seufz! Es wäre doch, gerade weil`s draußen so unaufhörlich schneit, höchste Zeit für eine gute, schöne, lustige, hoffnungsvolle Nachricht. Jedoch, diese Welt ist grausam. Wunderschöne Tier- und Pflanzenarten sterben aus – die Existenz der FDP dagegen ist möglich. Deren Ober-Lautsprecher Guido Westerwelle hat es jetzt geschafft, in Zusammenhang mit Hartz IV von Wohlstand zu reden.

Gut, man soll mit den Liberalen ein bisschen Nachsicht üben. Etwa mit Blick darauf, dass der junge Doktor Philipp Rösler offenkundig gar nichts auf die Reihe bekommt. Das ist okay, denn unser Gesundheitssystem ist dermaßen durchgeknallt, dass kaum jemand unter einer Einarbeitungszeit von mindestens drei Jahren zurechtkommen kann. Das ist halt so.

Aber uns Guido! In einem Zeitungsbeitrag attestiert er der Diskussion um Hartz IV “sozialistische Züge”. Leistung sei wichtig. Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu “spätrömischer Dekadenz” ein. O-Ton Westerwelle hier…

Abgesehen davon, dass “anstrengungsloser Wohlstand” ein erster Kandidat für das Unwort des Jahres 2010 ist, muss man doch auch fragen, was einer wie Westerwelle für Wohlstandskategorien im Kopf hat. Hartz-IV-Empfänger bekommen zehn Prozent vom nationalen Durchschnittslohn. Hält Westerwelle diese 323 Euro für Luxus, weil er als Politiker bei seinen Reisen und Terminen sowieso alles geschenkt bekommt? Weil es seine bisherige Haupt-Lebensleistung war, gegen Bezahlung durch seine Partei schlaue Reden zu halten?

Nein, da ist uns einer seiner Kollegen, der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Lindner geradezu  sympathisch. Er sagte dieses: “Ich möchte nicht, dass wir über ein neues System Anreize schaffen, dass man übers Kinderkriegen Geld verdienen kann.” Er darf das, weil er selbst sechs Kinder in die Welt gesetzt hat und ja auch auf Staatskosten lebt. Wobei er in Münchens Nobel-Stadtteil Grünwald aufgewachsen ist, also eher nicht weiß, wie sich sechs Kinder in einer Zwei-Zimmer-Wohnung anfühlen.

Jedenfalls hat Lindner – versehentlich wahrscheinlich – auch eine scharfe Medienkritik geübt. Dass man mit Kinderkriegen Geld verdienen, zeigen uns nämlich gerade die “Bunte” und ein Ex-Held namens Boris Becker:  “Baby ist da!”

Womit wir dann doch noch bei den netten Nachrichten wären…

Februar 7th, 2010

Wenn Westerwelle droht, grinst die CSU

“Ich habe eine Engelsgeduld. Aber die FDP kann auch anders.” Oha: Jetzt wird es aber ernst für die CSU. Koalitionspartner Gudio Westerwelle ist – wie seine neueste Verlautbarung zeigt -  inzwischen mit der Gesamtsituation unzufrieden und wirklich sauer. Horst Seehofer und Co., setzt euch und  seid endlich brav! und zieht Euch warm an.

Oder vielleicht doch nicht. Denn den Satz, den der Oberliberale in Richtung Bayern abgefeuert hat, kennt doch jeder Mensch aus seiner Kindheit. Speziell wenn Mutti angesichts ständiger Frechheiten der Kleinen überfordert war, drohte sie ernste Konsequenzen an. Das sorgte tatsächlich für Schrecken und für Gehorsam. Aber eben leider nur bis zur Grundschule.

Danach war die Drohung gewissermaßen in die jeweilige Frechheit eingepreist. Man hatte Spaß dabei, Mami oder Papis großen Auftritt vorauseilend nachzuäffen. Wirklich Angst hatte keiner mehr. Und irgendwann hatte sich der Nachwuchs durchgesetzt.

Gehen wir also ruhig davonaus, dass Markus Söder seinen Berliner Kollegen Philipp Rösler weiterhin ärgern wird, wo er nur kann.

Denn, und hier greife ich auf einen großen Satz der Kauffrau Vera Hinselmann (veröffentlicht auf http://www.aphorismen.de) zurück: “Konsequenzloses Drohen beängstigt ebenso wie ein ausgestopfter Wachhund.”

So isses. Genau so.