Bleibt lässig, auch wenn die Roboter kommen

860.000.000. Eine gewaltige Zahl. So viele Überstunden wurden im vergangenen Jahr von den abhängig Beschäftigten in Deutschland geleistet. Wir haben Arbeit, aber unsere Zeit dafür scheint zu kurz zu sein.

Knallharte Controller oder auch Kampagnentexter der so genannten Initative Soziale Markwirtschaft werden sofort Einspruch einlegen. 860 Millionen Überstunden seien doch lächerlich wenig. Das seien pro Kopf bloß rund 20 Stunden Zusatzarbeit. Und das pro Jahr. Davon gehe niemand kaputt. Wer hieraus ein Problem mache, sorge dafür, dass unser Exportweltmeister-Land wieder zum kranken Mann Europas werde.

Dumm ist bloß: Diese Überstunden sind von seriösen Unternehmen seriös registriert und seriös in Freizeit oder Geld ausbezahlt worden. Das, was in irgendwelchen Ausbeuter-Klitschen zum Nulltarif heruntergeklopft worden ist, ist in dieser Statistik nicht enthalten. Man kennt die Zahlen nicht. Man soll ja nicht darüber reden. Und außerdem: Wer als Mitarbeiter einer Firma immer noch meint, dass es in Ordnung sei, zwischen Freitagnachmittag und Montagfrüh völlig unproduktiv zu existieren, der hat „die Welt da draußen“ noch nicht verstanden. Für jeden Spezialisten, den eine Firma für teures Geld beschäftigt, sitzt in der Internet-Cloud ein anderen, der denselben Job für ein Drittel des Geldes erledigt.

Aber diese armen Schlucker werden schon bald das kleinere Problem sein. Die Ära der Industrie 4.0 ist angebrochen. Roboter greifen ins Geschehen ein und werden uns Menschen mehr und mehr den Takt vorgeben. Mehrere Studien prophezeien, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland die Hälfte der heutigen Jobs aufgrund von Digitalisierung wegfallen wird. Der einst stolze Facharbeiter wird dann seinen Tag damit verbringen, als Maschinentherapeut der Maschinen beim Arbeiten zuzusehen und nur dann eingreifen, wenn es irgendwo hakt. An die Computerstimme der Service-Hotline haben wird uns schon gehört. Auch einen Beitrag wie diesen schreibt ein Roboter schneller.

Was bleibt dem Menschen? Er wird sich in einer auf Präzision und Produktivität getrimmten Arbeitswelt zurechtfinden müssen. Alles muss stimmen, Kollege Roboter zeigt uns, wie das geht. Trödeln schadet dem Standort. Versagen waren gestern.

Aber Stopp! Ist das wirklich so erstrebenswert? Der kunstvoll gezirkelte Freistoß beim Fußball sorgt selten für genauso lebendige Diskussionen wie der zu Unrecht gegebene Elfmeter. Der menschliche Fehler ist nicht nur charmant. Er treibt uns auch an. Denn wer kann in einer von Maschinen global optimierten Welt besser sein als andere?

Was also tun? Sollen wir ohne Pause schuften, damit wir noch besser als die Roboter sind? Falscher Weg, denn der Mensch ist nie eine Maschine.  Bleiben wir gelassen. Es gibt ein Leben vor dem Tod. Und das macht selten Überstunden.

 

 

Wir werden alt. Wir brauchen Roboter.

„Tut mir leid. Ausverkauft.“ Diese Entschuldigung höre ich, wenn bei der Schreibwaren-Zeitschriften-Lotto-Frau meines Vertrauens nach der neuesten Ausgabe der „Landlust“ frage. Die Sehnsucht nach sattem  Grün, fröhlichen Schweinen und nach Bauerngärten, in denen die wackere Landfrau das Arzneipflanzenbeet nach den Visionen von Hildegard von Bingen pflegt, hat uns kollektiv erfasst. Wir wandeln auf Asphalt und wünschten, es wäre ein mit Jaucheresten aromatisierter Feldweg. Natur ist groß in Mode. Technik ist uns zuwider.

Diese Einstellung ist ganz nett. Aber, meine Herrschaften, sie muss schleunigst geändert werden. Denn wir alle werden älter, noch älter, am ältesten. Zwar lassen wir uns schon heute unseren Spargel von Wanderarbeitern aus früheren Ostblockstaaten stechen. Aus Bequemlichkeit. Aber es kommt die Zeit, in der wir auch objektiv den Rücken für diesen Job nicht mehr krümmen können. Dann brauchen wir Hilfe. Doch von wem?

Denn andere Menschen betreuen oder gar pflegen – das wollen nicht mal Schlecker-Frauen. Bereits in wenigen Jahren werden für die entsprechenden Job bis zu 300.000 Arbeitskräfte fehlen. Das wird kaum zu vermeiden sein. Die wenigen Könner werden so viel Geld kosten, dass das bisschen Rente futsch ist.

Was kann da noch helfen? Klar doch, mehr Produktivität. Klar doch, unser guter deutscher Maschinenbau. Wir sollten uns dringend daran machen, Maschinen zu konstruieren, die Routinearbeiten in der Pflege übernehmen. Und vielleicht ein bisschen kommunizieren. Das können wir, mit technischen Produkten ist die Wirtschaft dieses Landes groß geworden.

Seien wir stolz auf unsere Pflege-Ingenieure. Und freuen wir uns auf die ausverkauften neuen Zeitschriften der Zukunft: „Roboter und Hund“, „Focus-Humanoid“, „“Pflegen und Blinken“ oder „Welt der Wunder – Robo Sapiens“. Das Leben wird schön.

Kein Gold? Deutsche Roboter für Olympia!

Welch Leid, welch Leid! Ein ganzes Wochenende hat unsere Nation vergeblich gehofft und gebangt. Zum Olympia-Auftakt hat es keine einzige Goldmedaille gegeben. Doch wir haben Hoffnung: Setzen wir auf deutsche Ingenieurskunst.

Es ist das Wesen des Sportfans, dass er die kleinen Männchen und Weibchen, die da über seinen Bildschirm laufen, als Maschinen betrachtet. Für die Generation Playstation etwa unterscheidet sich ein virtueller Ronaldo kaum noch vom echten. Und so erwarten wir, dass diese Sportlerinnen und Sportler  gefälligst funktionieren und gewinnen. Was aber, wenn sämtliche Schwimmer absaufen und wenn es nicht mal mehr in Randsportarten wie dem Tontaubenschießen oder dem Frauenradfahren  zu Goldmedaillen reicht?

Es muss etwas geschehen. Denn der Anblick des Medaillenpiegels bohrt tief in unsere offenen Wunden. So lernen wir aus dieser Statistik, dass der Kommunismus tatsächlich die überlegene Gesellschaftsform ist. Und wir stellen fest, dass Klasse auch aus Masse entsteht. Ein Volk, das in der Fortpflanzung versagt, gerät irgendwann zwangsläufig ins Hintertreffen.

Wenn aber nicht einmal eine Ministerin wie Kristina Schröder einen Babyboom auszulösen vermag, bleibt uns nur noch der Blick auf die Olympischen Spiele für Roboter, die es in diesen Tagen gegeben hat. Dort treten Maschinen in sämtlichen olympischen Sportarten an und schneiden meist besser ab als die tollsten Menschen.

In China wird ein Schwimm-Teenager dank eines 2wissenschaftlichen Trainings“ auf Männerzeiten hingezüchtet? Lächerlich! Das wird ihnen nichts mehr helfen, wenn die deutschen Athletinnen und Athleten direkt den Labors und Hallen des weltweit einmaligsten Maschinenbaus entspringen. Von wegen „Der Sozialismus siegt!“. Gehen wir es an – mit einer kleinen Ausnahme. Beachvolleyball der Damen sollte weiterhin von echten Menschen gespielt werden.