Posts Tagged ‘Regierung’

Dezember 18th, 2013

GroKo und die weiß-blauen Bettvorleger

Als Löwen gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Dieses Schicksal hat gerade die CSU ereilt. In der neuen Großen Koalition ist sie die neue FDP, also weitgehend überflüssig.

Vor einigen Wochen hatte das noch ganz anders ausgesehen. Absolute Mehrheit in Bayern zurückerobert, Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem blendenden Wahlergebnis zwischen Main und Zugspitze in die Nähe derselben gebracht. Horst Seehofer und die Seinen schwelgten im Glück, sie konnten vor Kraft nicht laufen.

Und nun? Der neue Verkehrsminister heißt Alexander Dobrindt. Der Experte für überflüssiges Getöse und schiefe Sprachbilder darf also beweisen, dass er sowohl Pkw-Maut als auch Berliner Flughafen hinbekommt. Sein Kollege Gerd Müller führt das Entwicklungshilfeministerium, dessen Existenzberechtigung ja durchaus umstritten ist.Den großartigsten Abstieg aber hat Hans-Peter  Friedrich hingelegt. Der ehemalige Innenminister, der dem Großen Verbündeten USA so mutig die Stirn geboten hat, darf in Zukunft gemeinsam mit den Imkern gegen die Verbreitung der Varroa-Milbe kämpfen und sich an der Seite des EU-Bürokratenschrecks Edmund Stoiber für den freien Verkauf krummer Salatgurken einsetzen. Da Verbraucherschutz nicht mehr zu seinem Ressort gehört, wird er sich mit seinem Staatssekretär heftig um den Posteingang balgen.

Wie aber konnte das passieren? Wer, bitteschön, hat unsere CSU geschrumpft? Antwort: Es war der Horst. Man darf davon ausgehen, dass Parteichef Seehofer die Bundespolitik egal ist. Sinnstiftend für die CSU ist die absolute Mehrheit im schönen Bayern. Und dann ist es gut, wenn man mit den wirklich kontroversen oder schmerzhaften Themen nichts zu tun hat. Eurorettung? Macht der Mann im Rollstuhl. Energiewende? Schaut Leute, der irre Gabriel schröpft die Bürger. Pflegenotstand? Den regelt der Gröhe mit der lustigen Frisur. Gäbe es ein Bundesministerium für Bedeutungslosigkeit – die CSU hätte es genommen.

Denn was immer auch in Berlin passiert: Schuld sind die anderen. Man kann das als taktisch versiert ansehen. Tatsächlich zeigt es eine feige Gesinnung. Manche Bettvorleger haben ihr Schicksal verdient…

Dezember 16th, 2013

Frau Ursula, wir warten auf die Sturmfrisur

Die Große Koalition ist perfekt! Und allen Grund zum Jubeln haben die Haar-Stylisten. Mit Ursula von der Leyen gibt es eine Frau mit allem Potential zum Trendsetting. Es lebe die Sturmfrisur.

Das Dasein der Friseurinnen und Friseure ist nicht das Leichteste. Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Kundschaft so aussieht, wie sie sich selbst am liebsten sieht. Sie müssen aber auch fähig sein, die seltene Situation zu meistern, dass jemand einen ganz neuen Schnitt haben möchte. Gerade Frauen in Trennungs- beziehungsweise Veränderungssituationen neigen zu neuen Farben oder Föhnwellen. Dafür braucht es Vorbilder, bevorzugt Prominente. Beispiel: Auf Victoria Beckham und ihre professionellen Stilwechsel blickten die Figaros mit Hingabe.

Und jetzt Ursula von der Leyen. Es hat etwas Absurdes, dass ausgerechnet eine Mutter von sieben Kindern dafür verantwortlich sein soll, junge Menschen in Kriege zu schicken. Sollte sie es besonders überlegt tun, wäre das nur gut. Sicher darf man sein, dass die Betrachtungen der neuen Ministerin zur Sicherheitslage gut klingen werden. Diese Frau hat kein Problem, rhetorisch von der Frühförderung in der Krabbelstube zum Training für Scharfschützen zu wechseln. Sie kann zu jedem Thema ohne Punkt und Komma referieren,

Aber sie wird auch stylingtechnisch hinterfragt werden. Die ihrerseits journalistisch stilbildende “Bild am Sonntag” zeigte sie bereits mit lustiger Tarnschminke und Kampfhelm. Und was steckt drunter? Die bisherige saubere Blondfrisur ist für Berlin oder Hannover blendend geeignet. Im zugigen Sand- und Geröllstaat Afghanistan hält sie wohl nicht einmal mit Armee-Drei-Wetter-Taft. Da bleibt nur: Toupieren, wild und grell, so dass selbst der übelste Taliban den Fluchtreflex verspürt.

Dann ist das Versprechen erfüllt: Das deutsche Kabinett hat einen neuen Star. Blond, immer lächelnd, eher leise als laut – aber bei Bedarf ultra-hart. Wenn Panzer und Drohne gemeinsam inkarnieren…

 

 

 

 

 

September 29th, 2013

Wer hüpft ins Bett der schwarzen Witwe?

Es muss ja nicht gleich Elfriede Blauensteiner sein. Jene Österreicherin, die am Ende des vergangenen Jahrtausends mindestens drei Menschen ins Jenseits befördert haben soll und seitdem als „Schwarze Witwe“ die Kriminalgeschichte ihres Landes bereichert. Uns reicht schon Angela Merkel. Auch von ihr ist bekannt, dass ihre männlichen Parteifreunde und sonstigen politischen Lebensabschnittsgefährten gefährlich leben. Traut sich trotzdem jemand in ihre Nähe?
Ich habe Angela Merkel auch schon als “die wahre Femme Fatale” dargestellt. Aber so prophetisch dieses Video aus heutiger Sicht ist, so unpassend ist der Vergleich am Ende. Frauen dieser Kategorie haben ihre Opfer bevorzugt mit Erotik ins Verderben gelockt. Angela Merkel ködert mit Macht, sie ist somit ein eher männlicher Gegenentwurf zur unwiderstehlichen Sexbombe.
Schwarze Witwe passt besser. Es darf als feministischer Urtraum vermutet werden, einen Sexpartner für dessen fahrlässig ausgeführte Penetration mit einem verheerenden Biss in den Nacken zu bestrafen. Die Frauenforschungsstelle Münster hat sich vielleicht auch deshalb bei ihrer Gründung nach der Mörderspinne benannt.
Nun ist die Zahl der Opfer Merkels geradezu unmenschlich hoch. Kohl, Merz, Westerwelle, Koch, Rösler, Steinmeier, Müntefering, etc., etc., etc. Außerdem ist die Bundeskanzlerin tatsächlich frisch verwitwet – und wie bei den Spinnen sind die potenziellen Männchen deutlich kleiner als sie selbst.
Womit wir doch wieder bei Elfriede Blauensteiner angekommen sind. Auch sie ließ die Erotik beiseite und suchte lieber nach pflegebedürftigen Männern und Frauen, die wirtschaftlich etwas zu bieten hatten. Auch die SPD sehnt sich danach, aufgepäppelt zu werden, wobei sie einige Inhalte mitbringt, die im Laufe der Jahre sicher zum Programm der Union werden dürften.
Vor Gericht auf das überraschende Ableben ihrer Klienten angesprochen zitierte die Blauensteiner Pontius Pilatus: „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Hat sich Angela Merkel in der Fernseh-Elefantenrunde zum Ableben der FDP nicht ganz ähnlich geäußert?
Alsdenn, wer springt in Angies Bett? Die Sozialdemokraten sollten sich zumindest vorsehen…

Hier das Video: http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2011/06/30/die-wahre-femme-fatale/

August 30th, 2013

Und was wünschen Sie?

Die Wahlkampfzeit ist immer auch die Zeit der Umfragen: Ich rufe Sie auf, aus fünf tatsächlich vorhandenen Wahlkampfthesen Ihren Favoriten auszuwählen. Rechtzeitig vor der Wahl wird aufgelöst, welche Forderung zu welcher Partei gehört.

 

Juli 26th, 2013

Der Zeitgeist fährt im Kreis

Jeder Zeitraum hat seine Bauwerke, die einen besonderen Geist ausstrahlen. Im Mittelalter waren es die Burgen, im Barock die Schlösser, im Nachkriegsdeutschland die Berliner Mauer und die CSU-Zentrale. Rot-Grün hat unsere Landschaft um riesige Windräder bereichert. Das Zeitgeist-Bauwerk dieser Tage aber ist der Kreisverkehr.

Es scheint so, als sei es La Grande Nation gelungen, einen Mega-Trend zu setzen. Mit Autos aus Frankreich haben wir es ja nicht mehr so. Aber neben Baguette, Sigarette, Fromage und Vin galt uns  der Kreisverkehr  als gallische Spezialität. Was historisch nicht ganz stimmt. Zwar wurde der erste große Kreisverkehr in Europa 1907 am Triumphbogen in Paris angelegt, aber auch in Deutschland waren diese Rondelle lange Zeit gang und gäbe.

Erst ein internationales Abkommen über den Straßenverkehr aus dem Jahr 1968, wonach in Kreisverkehren zwingend die Rechts-vor-Links-Regel  gelten müsse, hat das geändert. Die Deutschen waren anderer Meinung und stellten fortan lieber Ampeln auf.

Was aber hat das mit unserem heutigen Leben zu tun? Zunächst ist es so, dass sich Journalistinnen und Journalisten wie auch die von ihnen beobachteten Politiker/-innen in einem immerwährenden Kreisverkehr befinden. Nehmen wir Nürnberg: Das Jahr beginnt mit der Inthronisation des Faschings-Prinzenpaares, gefolgt vom Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters, Spielwarenmesse,  Frühlingsvolksfest, wahlweise Abstieg oder Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg, Norisring-Rennen, Klassik Open Air, Herbstvolksfest, Altstadtfest und Christkindlesmarkt. Dann geht es wieder von vorne los.

Auf höherer Ebene wiederum läuft es inzwischen anspruchsvoller. Auch die große Politik kennt ihre zuverlässig wiederkehrenden Themen. Etwa dieses: Ilse Aigner verspricht nach einem Lebensmittelskandal schärfere Kontrollen. Angela Merkel allerdings hat auch die heilsame Wirkung der Neben-Ausfahrten entdeckt. Atomkraft geradeaus? Biegen wir doch mal ab.

Viele andere Themen könnten wir so beschreiben. Der Kreisverkehr ist da, aber manches fliegt erst mal raus und landet in einem anderen Rondell, wo es talkshow-kompatibel weiterrotiert. Das ist Regierungskunst, wie sie der Zeitgeist verlangt. Glückwunsch, Frau Kanzlerin!

Nachsatz: Wenn in einigen Jahrhunderten Außerirdische die Erde betreten, werden sie uns als heidnisches Volk einstufen, welches seine wichtigsten Straßen um Keltengräber herumgebaut hat. Aber das sollen sie ruhig denken. Was wissen Aliens schon von unserem Zeitgeist?

 

März 4th, 2013

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

“Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!” – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

Mai 4th, 2012

Willkommen zum Benzinwucher-Livestream

Der Pranger war im Mittelalter eine beliebte Erziehungsmaßnahme. Diebe, Ehebrecher und andere Bösewichte wurden auf den Markplatz geschraubt und durften dort begafft, beschimpft und bespuckt werden. Das auf diese Weise geläuterte Opfer war hinterher ein guter Mensch. Wenn es nach dem Bundeskabinett geht, werden demnächst die Mineralölkonzerne als Kleinkriminelle bloßgestellt.
Es gibt es ja drei Dinge, die vom Volk unbedingt gebraucht und deshalb zu Wucherpreisen verkauft werden: Benzin, Diesel und das Sortiment von Apple. Aggressionen löst allerdings nur die Ausbeutung der Autofahrer aus. Weil es sich um stinkendes Zeug handelt, das von hässlichen Widerlingen verkauft wird, die mit ihrer Kundschaft weder Gnade noch Erbarmen kennen.
Das kann die Politik nicht ruhen lassen. Also müssen die Betreiber der 14700 Tankstellen in Deutsch­land künftig bei einer “Markttransparenzstelle” detailliert melden geben, wann und in welchem Umfang sie die Preise erhöhen oder senken. Die Kundschaft kann im Internet in Echtzeit zuschauen.
Eine famose Idee! Die Preise werden weiter steigen. Weil es auf dieser Welt immer eine Krise gibt. Sei es nun das Auftauchen eines politischen Halbirren in Arabien, sei es die steigende Nachfrage in China oder die sinkende Nachfrage in Portugal. Sei es der Bau einer teuren Pipeline, sei es der Umstand, dass diese Pipeline zwecks Schutz des kaukasischen Wanderhamsters nicht gebaut werden kann. Schließlich wegen der Fünf-Euro-Kräfte, die die neuen Tarife eintippen.
Aber die ganze Welt schaut zu, wenn die Preisschilder ausgetauscht werden. Weshalb sich die Manager der Ölkonzerne in Zukunft richtig schlecht fühlen werden, wenn sie ihren Aktionären Rekorddividenden verkünden. Und weshalb sie die Abrechnungen mit ihrem Millionengehalt nur noch mit allergrößter Verachtung entgegennehmen werden.
“Denen haben wir es aber gezeigt”, werden wir uns freuen. Und vielleicht erreicht die Meldebehörde sogar ihr eigentliches Ziel: Dass Philipp Rösler und seine FDP als Groß-Verbraucherschützer ans rettende Fünf-Prozent-Ufer hüpfen können. Oder mit seinen Worten gesagt: Pack den Laubfrosch in den Tank.

November 9th, 2011

Silvio, jetzt nimm doch mal die Maske ab

Irgendwann muss jeder gehen...

Irgendwann muss jeder gehen...

Caduto! (Gestürzt!) Finalmente! (Endlich!) Santo subito! (Heilig, sofort!) Halt, ganz am Schluss war ich auf der falschen Baustelle. Kaum jemand käme ja auf die Idee, den italienischen Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi heilig zu sprechen. Außer er selbst, versteht sich. Viele, viele andere Menschen sind glücklich über seinen baldigen Rücktritt.

Als Blogger mit einem Herz für Kurioses werde ich den Cavaliere im Falle seines tatsächlichen Verschwindens auch vermissen. Denn er war stets ein zuverlässiger Click-Generator. Bezogen auf die meistgelesenen Beiträge meines Blogs ist er die Kader Loth der europäischen Politik. Ein irrealer Typ, dessen Haare wie aufgeklebt und hingetatscht aussehen und bei dessen maskenhaftem Gesicht man sich inzwischen fragt, ob darin nicht schon mehr Falten weggebügelt wurden als im Gesicht von Cher.

Berlusconi, das ist ein mit Testosteron getunter Gerhard Schröder. Ein Regierungschef, der sich keine Mühe gibt, seine Niveaulosigkeit durch schlaues Gerede zu kaschieren. Eine Beschreibung für Barack Obama wie “Er ist jung, gut aussehend und gut gebräunt” kann nur von ihm kommen. Schließlich ist er ein Medien-Mogul, der seinen Landsleuten auf allen Kanälen vorführen lässt, wie Frauen auszusehen haben: Brünette Mähne, möglichst blaue Augen, Traumfigur und ganz lange Beine auf sehr hohen Schuhen.

Über die Frage, wie er sich überhaupt so lange halten konnte, rätselt die halbe Welt. Ich sehe es so: Die Leute glaubten an ihn, dass er “den Menschen Arbeit gibt”, wie mir ein Italiener mal erklärt hat. Es wurde bewundert, wie er sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Berlusconi verkörpert den Typ des Unternehmers, der gegen alle Widerstände von Behörden und/oder Staat sein Ding macht. Er beherrscht die typischen Konversations-Gesten der Italiener perfekt. Und seine Frauen-/Mädchen-Affären? Er arbeitet doch auch viel. Ein erfolgreicher Mann muss sich auch mal etwas gönnen dürfen.

So haben das viele im Volk gesehen. Silvio Berlusconi auch. Ob er geht, ist für mich noch nicht sicher. Da fehlen noch einige Beratungen mit seinen Anwälten. Wenn es aber so kommen sollte, wie er jetzt gerade scheint, dann habe ich einen Wunsch: “Bitte, Silvio, nimm beim Abschied deine Maske ab. Ich möchte wissen, wer du wirklich bist.”

September 27th, 2011

Putin und Medwedew: Das Prinzip Dick und Doof

Die Zirkus-, Theater-, Film-, Musik-, ja die gesamte Menschheitsgeschichte ist voll von gegensätzlichen und daher (tragi-)komischen Paaren. Denken wir nur an Dick und Doof, Pat und Patachon, Starsky und Hutch, Hänsel und Gretel, Kain und Abel, Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder an Don Quichotte und Sancho Pansa.

Sie alle zeigten uns den Facettenreichtum des menschlichen Wesens. Wahlweise nach der Devise “Gemeinsam sind wir unerträglich” oder eben “Gemeinsam sind wir unschlagbar”.

Es war eine Frage der Zeit, bis dieses Prinzip in der Politik erprobt wurde. Nach der Endphase von Helmut Kohl und keinem anderen gaben Gerd und Joschka ein recht schlüssiges Tandem ab. Bei Angela und Philipp klappt das auch ohne Guido nicht so recht.

Ein wahrhaftiges Traumpaar gibt es dafür in Russland. Dort haben der aktuelle Präsident Dmitrij Medwedew und der derzeitige Ministerpräsident Wladimir Putin beschlossen, das Land unter sich aufzuteilen. Da das Volk das Ganze offenbar mitmachen wird, werden zu bestimmten Terminen die Paläste getauscht. Wobei der “lupenreine Demokrat” Putin sehr eindeutig das Krokodil und Medwedew der Kasper ist.

Kann ein solcher ständiger Rollentausch auch bei uns funktionieren? Und falls ja, mit wem? Bitte stimmen Sie ab.

Juli 14th, 2011

Panzer verkaufen? Gut, das es miese Vorbilder gibt

Mit Vorbildern ist das so eine Sache. Ganz absolut und völlig zweifelsfrei gibt es keine. Der eine bewundert den Freund, der es zur Doppelhaushälfte gebracht hat, während der überzeugte Mieter denselben für spießig hält. Das erfolgreiche Arbeitstier gilt manchem als Idol, während der Familienmensch meint, dass sich da jemand auf Dauer bloß unglücklich macht. Und so sucht sich jede/r seinVorbild heraus, an dem sie/er sich ganz persönlich orientiert.

Clevere Menschen wissen, dass es sinnlos ist, herausragenden Idolen zu folgen. Wer etwa meint, er könne beim Fußball jemals dribbeln wie Lionel Messi, singen wie Anna Netrebko oder kochen wie Tim Mälzer (okay, mäßiges Beispiel), legt damit den Grundstein zu dauerhaftem Unglück. Die besten Vorbilder sind jene, die man erreichen und irgendwann übertrumpfen kann. Was aber tun, wenn man gerade nicht so gut in Form ist? Antwort: Dann folgt man erstmal schlechten Vorbildern. Denn wer ganz unten ist, steigt irgendwann nach oben.

Womit wir bei unserer Bundesregierung und bei den Panzerlieferungen für Saudi-Arabien wären. Hier geht es – wie auch bei den Patrouillenbooten für Angola – sehr offensichtlich fast nur ums Geschäft und gar nicht um die Moral. Gerade Saudi-Arabien, eine Unterdrücker-Monarchie der ersten Kategorie, wird mit Stahlmonstern beliefert, die laut Hersteller bestens für “asymmetrische Einsätze” geeignet sind. Also zum Beispiel für das Niederwalzen von Demonstranten.

Das geht gar nicht, möchte man sagen. Doch zum Glück für die Händler gibt es Vorbilder, wenn auch schlechte.Das Hauptargument der Regierung für den großen Deal lautet also: “Wenn wir die Panzer nicht verkaufen, macht es jemand anders.”

Glückwunsch. Dieses Motto lässt sich nun wirklich auf nahezu sämtliche Lebenslagen übertragen. Wenn ich das Gammelfleisch nicht verkaufe, macht es meine Konkurrenz. Wenn ich der alten Frau die Tasche nicht klaue, macht es ein anderer Dieb. Wenn ich keine Steuern hinterziehe, bin ich doch bloß in der Minderheit. Wenn ich meinen Kollegen nicht wegmobbe, wird bloß ein anderer Abteilungsleiter.

So funktioniert heute Politik in unserem Namen!? Es ist grauslig. Sonst nichts.

 

 

 

Juni 5th, 2011

Böse Sprossen – jetzt wird’s im Baumarkt billig

Wenn sie am Anfang dieser Woche Ihre Zeitung auseinanderklappen, ist klar, was rausfällt: Prospekte von Baumärkten, die die Preise für Fenster und Leitern gesenkt haben. Denn es gibt neue Hauptverdächtige für die EHEC-Pest. Die Sprossen aus Uelzen.

Preisverfall und Heimwerkersorgen sind allerdings überflüssig, die Frage “Muss ich die Schuhe desinfizieren, wenn ich meinen Kirschbaum abgeerntet habe?” darf mit Nein beantwortet haben. Denn natürlich geht es um Essbares wie Brunnenkresse oder Sojasprossen. Aber das wird in einer Panik schon mal übersehen.

Ist auch egal, denn man darf sicher sein, dass die Regierung und das Robert-Koch-Institut schon bald die nächste EHEC-Sau durchs globale Dorf treiben werden. Erst waren es Gurken aus Spanien, dann ein Wirt aus Lübeck, jetzt gerade die Sprossen – aber das wird nicht reichen. Denn eines hat in dieser schweren Stunde unserer Nation allerhöchste Priorität: Die Politik muss beweisen, dass sie auf der Höhe des Geschehens ist und die Situation im Griff hat. Obwohl sie vielleicht gar nichts weiß.

Dass Opfer wie insolvente Gemüsebauern hierfür in Kauf zu nehmen sind, ist seit jeher Bestandteil zeitgemäßer Regierungskunst. Und deshalb sieht es vermutlich schlecht aus für Spargel aus der Hallertau, für Schinken aus Parma oder für Pommes aus Fritz. Und was ist mit Sommersprossen aus Irland?

Lassen wir uns überraschen. Ich hingegen denke wieder an die großen Worte eines Kommunalpolitikers, den ich irgendwann in den 90-ern zu seinem Abschied interviewt habe: “Das Wichtigste ist doch, dass die Leute anständig kacken können.” Mir scheint, der Mann hatte recht.

März 28th, 2011

Bei Wahlen siegt die Wahrheit – aber nicht immer

“Nur die Wahrheit trägt den Sieg davon.” So also sprach ums Jahr 400 herum der Kirchenvater und Heilige Augustinus Aurelius. Wie wahr dieser schlichte Satz auch in der heutigen Zeit ist, hat sich am Sonntag in den Bindestrich-Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gezeigt. Die Grünen haben gewonnen. Und wie.

Ein Sieg der Wahrheit war es insofern, als tatsächlich nur die Grünen immer gegen Kernkraft waren. Das war in den Anfängen dieser Partei auch ziemlich einfach, weil mit einer Regierungsbeteiligung nicht zu rechnen war. Dort, wo sie mittlerweile mitregiert hat, drückte die Öko-Partei zwar nicht so ganz strikt auf den Abschaltknopf. Aber das macht nichts. Den Menschen war klar: Von allen deutschen Politikern/-innen hat Claudia Roth den Super-Gau von Fukushima am wenigsten gewollt. Und nur sie und ihre Freunde garantieren, dass Mercedes, Saumagen und Riesling für immer weniger verstrahlt sind als Toyota, Sushi und Reiswein.

Die CDU zeigte im Wesentlichen zwei Gesichter: Da moserte Bildungsministerin Annette Schavan bei Anne Will über die Ungerechtigkeit, dass ihr Stefan Mappus weniger Stimmenanteile verloren habe als Kurt Beck in Mainz, anders als dieser aber abtreten müsse. Andererseits zeigte die frühere Weinkönigin Julia Klöckner als CDU-Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz, dass man auch von 2,5 Prozent besoffen werden kann.

Die SPD wiederum erweiterte das Spektrum der menschlichen Psychologie um die Erscheinungsform des überglücklichen Verlierers. Fast zehn Prozent weniger in Rheinland-Pfalz? Egal? Nur noch drittstärkste Kraft in Baden-Württemberg? Total wurscht, so lange die anderen verlieren? In dieser Schönheit hat man einen solchen Verlierer-Jubel zuletzt nach der Fußball-Vizeweltmeisterschaft 2006 gesehen.

Und die FDP? So bot ein Bild des Jammers. Und sie widerlegte unseren Heiligen Augustinus. Da hatte ihr Spitzenmann Rainer Brüderle in Sachen Atom-Wahltaktik die Wahrheit gesagt – und trotzdem gab es zwei Klatschen. Tja, wenn die Wahrheit aus einer Ecke kommt, aus der man sie am wenigsten erwartet, ist es eben auch nicht recht.

März 7th, 2011

E10-Benzin? E 605 ist uns lieber

“E10 muss weg!” Mitten hinein in vereinzelte Guttenberg-Rückholaktionen ist eine Protestbewegung entstanden, die dem politischen Führungspersonal dieser Republik noch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Das Volk lehnt ein neues Benzin ab – und das sagt auch einiges über den Zustand dieser Gesellschaft.

Ich bin mir noch nicht so sicher, was ich denken soll. Das ist so, weil ich als Dieselfahrer nicht betroffen bin. Aber dann wird`s schon dialektisch. Einerseits finde ich es immer prima, wenn die Menschen der Politik und den Konzernen mit ihrer geballten Verbrauchermacht zeigen, dass sie nicht jeden Quatsch klaglos mitmachen. Die angeblich segensreichen Auswirkungen des Biosprits in Sachen Klimawandel sind weiß Gott sehr umstritten.

Und die Risiken für die Automotoren sind offenbar nicht hundertprozentig erforscht. Soll demnach – um mal eine Verschwörungstheorie zu entwerfen – durch höheren Verschleiß ein verstecktes Konjunkturprogramm gestartet werden? Nach dem Motto: Wi mehr kaputt, wird mehr gekauft?

Andererseits: Gab es nicht schon früher vor Neuerungen aufgeregte Warnungen? Hieß es nicht, dass bleifreies Benzin sämtliche Motoren ruinieren würde? Und wurde uns nicht gesagt, dass Katalysatoren sündhaft teure Verschleißteile seien? So schlimm war es dann ja doch nicht.

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Der heftige Streit um E10 zeigt, dass unsere wahren Sorgen Maschinen gelten. Wenn unserem Auto Schaden droht, gehen wir auf die Barrikaden oder zeigen den Herstellern durch unseren Boykott die Rote Karte.

Nach Lebensmittelskandalen ist die Aufregung anfangs auch groß. Aber dann gehen wir recht schnell wieder zur Tagesordnung über. Ja, wir zahlen freiwillig deutlich mehr Geld für ein vermeintlich “gesünderes” Produkt. Bei Lebensmitteln sind wir da weniger konsequent.

Zusammengefasst heißt unsere Parole: Lieber E605 als E10. Oder machen wir uns über Schädlingsbekämpfungsmittel ähnlich viel Gedanken wie Pflanzenöl im Sprit? Doch eher nicht, oder?

Februar 4th, 2011

Dank sei Dir, Anti-Quoten-Frau!

Eigentlich das schönste Paar seit Barbie und Ken: Kristina Schröder (links) und Karl Theodor zu Guttenberg. F.: CDU

Fast wie Barbie und Ken: Kristina Schröder (li.) und Karl Theodor zu G. F.: CDU

Ist es Michelle HunzikerChristine Neubauer? Daniela Katzenberger? Narumol aus “Bauer sucht Frau”? Auf die Frage nach der eigentlichen Traumfrau des deutschen Mannes wird es viele Antworten geben. Dabei verdient, jedenfalls politisch gesehen, nur eine einflussreiche Dame diesen Titel: Kristina Schröder, unsere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie ist fast schon mehr, nämlich Retterin des bedrängten männlichen Geschlechts.

Gerade gezeigt hat sie das anlässlich der Diskussion um die Frauenquote in der deutschen Wirtschaft. Mutig hat sie sich ihrer energischen Kollegin Ursula von der Leyen in den Weg geworfen, als diese die Firmen verpflichten wollte, 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Die junge Ministerin, die bei Betrachtungen zum Geschlechterkampf immer mal (für Männer erfreuliche) Tussi-Statements abgibt, will das lieber den Markt regeln lassen. Dafür findet sie laut Tagesschau-Deutschland-Trend zwischen 63 und 79 Prozent Zustimmung in allen Parteien. Schließlich und endlich hat sie Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter sich gebracht. Also Basta!

Das Nachdenken über die Frauenquote ist damit nicht am Ende. Wie also ist es damit?

Die hohe Politik lehrt uns, dass die Quotenregelungen für einen größeren Einfluss von Frauen gesorgt haben. Das hat aber keine Politik hervorgebracht, durch die das Vertrauen der Wähler(innen) in “die da oben” gewaltig gewachsen wäre. Gerade das Beispiel Merkel zeigt, dass Frauen, die an der Spitze angekommen sind, bei wichtigen Entscheidungen sehr ähnlich handeln, wie ihre männlichen Kollegen.

Wie ist es in der Wirtschaft? Wenn man sieht, welch grausame Versager durch funktionierende Männer-Netzwerke an die Spitze von Unternehmen geschubst werden, möchte man sofort für die Frauenquote sein. Schlechter können es Chefinnen nicht machen. Dagegen spricht, dass sich Frauen viel schwerer mit dem Umstand tun, dass ein Großteil der Macht einfach nur ersessen ist. Der Chef muss immer erreichbar beziehungsweise präsent sein. Schon deshalb, damit ihm kein Intrigant in seiner Abwesenheit ein Messer in den Rücken rammen kann.

Dem steht der Wunsch der Frauen gegenüber, auch noch andere Interessen zu pflegen oder auch nur für Familie und Freunde da zu sein. Weshalb sie stärker zu Teilzeitarbeit tendieren. Welche nach den immer noch geltenden Regeln dazu führt, dass sie schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wollen die Frauen also überhaupt so sehr nach oben, wie sie dank Quote könnten?

Eine Antwort auf diese Frage hat Zeit, denn eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft wird nur sehr wenig bewirken. Zunächst aber sollten alle Männer Frau Schröder Grüße zum Valentinstag schicken: Dank Dir, Du Anti-Quoten-Frau!”

Januar 25th, 2011

Karl Theodor, verlass uns nicht!

Es hat ja schon einige merkwürdige Politiker-Rücktritte gegeben. Da gab es eine seltsame Affäre um Einkaufswagen-Pfandsysteme, der ex-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann zum Opfer fiel. Bei Bundespräsident Horst Köhler weiß man bis heute nicht so genau, warum er abgetreten ist. Also sollten wir uns durchaus Sorgen um unseren Bundes-Hoffnungsträger Karl Thedor zu Guttenberg machen.

Wir brauchen diesen Mann. Er flößt uns Vertrauen ein und weiß einfach, wie man sich passend zum Anlass kleiden muss. Im Smoking bei den Bayreuther Festspielen, im dunkelblauen Anzug in der Wall Street und in Kampfstiefeln und Tarnweste in Afghanistan. Er könnte doch noch so viele Polit-Jobs richtig schick machen. Im Trucker-Karohemd als Verkehrsminister,