Posts Tagged ‘Rauchverbot’

Januar 31st, 2013

Erst Fortschritt, dann Sexismus

Sag mal, Hirndübel. Warum hast Du nichts über den Brüderle gebloggt? Brüderle? Ach ja, dieser FDP-Möchtegern-Berlusconi. Vergiss es! Es widerstrebt meiner fränkischen Mentalität, mich zu sehr mit der miesen Verbalerotik alter Männer zu befassen.
Wir Franken sind ernsthaft. Das Ergebnis des Volksbegehrens zur Abschaffung der Studiengebühren in Bayern hat das gerade wieder gezeigt. Extrem hohe Zustimmungsquoten werden da gemeldet. 22 Prozent der Wahlberechtigten haben in der Universitätsstadt Erlangen unterschrieben, sogar 29,4 Prozent in der Gemeinde Ottensoos im Nürnberger Land. Auf eine gängige Wahlbeteiligung umgerechnet, wäre das die absolute Mehrheit.
Dagegen Oberbayern! In München ist man gerade so über die Zehn-Prozent-Linie gekrebst. Beim Rauchverbots-Volksentscheid war das ähnlich. Oberbayern ist eben die Region des Leben-und-Leben-Lassens. Es ist die Schaubühne der Bussi-Bussi-Gesellschaft, der Fußballer, die echte Stars sind und in Discotheken Jagd auf junge Dinger machen. Das Land der immer noch berühmten Alt-Ministerpräsidenten und der dekadenten Könige. Und überhaupt: Was kümmern 500 Euro Studiengebühr in einer Stadt, in der man für dieses Geld möblierte Zimmer mieten kann?
Ja, Oberbayern ist die Gegend, in der der Satz “Sie könnten ein Dirndl ausfüllen” tatsächlich passt. Fehlt das uns Franken? Nein. Altersgeile Sprüche dieser Art interessieren uns allenfalls dann wieder, wenn wir dem gesellschaftlichen Fortschritt zuvor nachhaltig gedient haben. So wie jetzt in Sachen Studiengebühren. Und das ist richtig gut so.

Oktober 23rd, 2012

Vom alkoholfreien Bahnhof zum Badekappenzwang

Also machte er sich auf. Edmund, der weiße Ritter von Wolfratshausen, wild entschlossen, der bösen Bürokratie Einhalt zu gebieten. Das Leben in Europa sollte einfacher werden. Zuerst in Brüssel – und dann auf allen Ebenen des Zusammenlebens bis in die kleinste Gasse. Doch so läuft das nicht. Das Leben wird schwieriger.

Einen Komplikationsschub hat uns das Rauchverbot gebracht. Ob in geselliger Runde oder am Arbeitsplatz – immer wieder erlebt man, wie Menschen wortlos aufstehen und sich in böser Absicht ins Freie zu schleichen. Nur dort, an der so genannten frischen Luft, ist das Rauchen noch erlaubt. Und auf Bahnsteigen lernen wir, dass  belastbarer Himmel mit gelben Vierecken zu markieren ist.

Gut, das Rauchverbot hat überraschend gut funktioniert. Amokläufe durch zwangsentwöhnte Qualmern sind ausgeblieben.  Die CSU schnuppert wieder an der absoluten Mehrheit. Wer mutwillig Tabak verschwelt, gilt nicht mehr als kreativ, auch nicht mehr als sexy, sondern nur noch als zu schwach.

Jetzt aber kommt die nächste Säuberungswelle: Die Deutsche Bahn hat für ihren Nürnberger Hauptbahnhof ein Alkoholverbot.  An „sensiblen Tagen“, also am Freitag- und Samstagabend, darf man zwar betrunken durch den Bahnhof laufen. Trinken oder das sichtbare Mitführen von Promillehaltigem wird mit Platzverweis bestraft. Mindestens. Wer saufen möchte oder die Nähe zu Saufenden sucht, geht gefälligste ins Freie.

Für mich ist das Verbot zwiespältig. Niemand möchte zwischen Yormaz und Müller in den handfesten Streit einer Horde besoffener Jugendlicher hineingeraten. Pluspunkt. Es dienst der Gesellschaft, wenn auch einmal deutlich gezeigt wird, dass ein Rausch unerotisch und unwillkommen ist. Pluspunkt. Aber hilft es der Müllabfuhr wirklich, wenn sie noch mehr als bisher Sonntagfrüh verstopfte Mülleimer ausleeren und zerbrochene Flaschen zusammenkehren muss? Minuspunkt. Bedroht ist zudem die Volksgesundheit. Der Hauptbahnhof ist Teil einer Partymeile – und in den entsprechenden Clubs sind die Stoffe sehr dünn und die Röcke sehr kurz. Das führt bei Kälte zu gefährlichen Krankheiten. Klarer Minuspunkt.

Es stellt sich die Frage, ob das alles sein muss. Und ob es besser ist, im Freien angepöbelt zu werden. Als böse Vision habe ich als nächsten Schritt die Rückkehr zum Badekappenzwang für öffentliche Schwimmbäder aus den 70-er Jahren vor Augen. Und dabei, Edmund, hatte ich doch so an Dich geglaubt.

April 17th, 2012

Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder sorgt für saubere Luft.

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.

Der Kampf schien vorbei, das Problem befriedet: Mit dem schärfsten Rauchverbot aller Zeiten wurde Frieden zwischen den Menschen mit und ohne Mundgeruch geschaffen. Schien es. Doch wir wissen, dass eine funktionierende Bürokratie und eine mitfühlende Politik für jedes Problem stets noch eine offene Frage findet.

In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.

An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.

Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.

Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!

Mai 31st, 2011

Aussteigen ist möglich – das zeigen die Raucher

Dieses Bild findet keiner mehr lustig oder sexy...

Dieses Bild findet keiner mehr lustig oder sexy...

Ausstieg? Geht das überhaupt? Ein Teil-Ausstieg auf jeden Fall. Am heutigen Welt-Nichtrauchertag kann man getrost feststellen. Der Versuch, den Menschen die Lust aufs Rauchen zu nehmen, war erfolgreich. Wer qualmt, ist heute Mitglied einer Randgruppe. Schick ist die Zigarette im Mundwinkel überhaupt nicht mehr.

Wenn man zurückdenkt, welch gewaltige Seelenwallungen die Diskussion um das bayerische Rauchverbot ausgelöst hat, ist das kaum zu glauben. Damals dachte man, die Freiheit würde zu Schutt und Asche verfallen, die Demokratie würde durch einen reinen Bevormundungsstaat abgelöst. Ich habe das auch lange Zeit gedacht.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass das Nichtraucherschutzgesetz, absehen von einigen Regelungs-Auswüchsen, insgesamt funktioniert hat. Die meisten Menschen haben sich damit arrangiert, der tägliche Konsum fertiger Ziga­retten sank von 391 Millionen Stück im Jahr 2001 auf 229 Millionen Stück im Jahr 2010. Das ist ein stolzer Rückgang, der allerdings durch eine Zunahme bei selbst gedrehten und geschmuggelten Zigaretten zu einem ordentlichen Teil konterkariert wird.

Ja, es gibt noch reichlich “Stand-by-Raucher”. Bis 2022 werden es aber noch viel weniger sein. Veränderungen durch Abstinenz sind möglich. Rückfälle aber auch…

Oktober 26th, 2010

Liebe Nichtraucher, zahlt auch mal was

Seit Anbeginn dieses Blogs habe ich den Niedergang des Zigarrettengenusses in Deutschland sowie den lediglich von Altkanzler Helmut Schmidt gut überstandenen Imagewandel des Rauchers vom klugen Kopf zum  verachtungswürdigen Deppen sorgfältig dokumentiert. Richtige Feststellungen wie jene, dass Raucher sowohl als Frühsterbende wie auch als Steuerzahler der Gesellschaft dienen, stießen auf Widerspruch. Doch jetzt wird die Heuchelei der Qualmgegner überdeutlich.

September 23rd, 2010

Söder und die Burka: Das Aus für die Fata Morgana?

Nein, schwarz-braune Gestalten wollen wir nicht.

Nein, mit Burka und Lederhosen - das wollen wir nicht.

Erinnern wir uns doch mal an den schönen Satz “Leben und leben lassen”. Dieser galt einst als Alleinstellungsmerkmal Bayerns innerhalb der deutschen Bundesländer. Sollten doch die Sozis in ihrem NRW und Bremen alles kaputt regulieren, die CSU würde das liberale Klima ihres Freistaates auf jeden Fall bewahren. Aber das ist rum: “Lebensminister” Markus Söder fordert ein Burkaverbot.

Was treibt ihn dazu?

September 12th, 2010

Atomdeal Ja! Aber bitte für Alle!

So, jetzt waren wir aber wieder empört. Wegen dieses Atomdeals. Da kungeln also Bundesregierung und Stromkonzerne eine Laufzeitverlängerung der Kraftwerke aus. Und im Kleingedruckten wird gleich mit festgelegt, dass Aufwand und Ertrag für Konzerne und Aktionäre auch im Falle eines wie immer gearteten Regierungswechsels abgesichert sind. Manche finden das unsauber, ja unmoralisch. Falsch!

Betrachten wir das doch mal locker.

August 8th, 2010

Rauchverbots-Abschluss: “Ich sitz in meinem Bonker.”

Versprochen hatte ich ja, kurz nach dem 1. August die Abschlussbilanz meiner Rauchverbots-Umfrage zu ziehen. Bitteschön:

Bei 128 Stimmen (großartig, danke) entschied sich die größere Zahl der Teilnehmer(innen) für den Untergrund: 40 Prozent wollen in Zukunft im Keller rauchen, weil sie da ja schon zum Lachen hingehen. 30 Prozent wollen Tabak künftig als Rohkost mit Basmatireis konsumieren.

Juli 7th, 2010

Rache für den Raucherentscheid: Das Rasenmäherverbot!

Wo bleibt eigentlich Thilo Sarrazin? Es wird doch höchste Zeit, dass sich grausamste Rächer der öffentlichen Finanzen zu Wort meldet. Schließlich ist das bayerische Rauchverbot ein erheblich härter Schlag für Hartz-IV-Empfänger, als es jede Leistungskürzung sein könnte. So jedenfalls würde es Sarrazin formulieren, wenn er denn etwas von sich geben würde.

Man muss es doch einmal sagen: Das bayerische Rauchverbot ist ein Triumph der Jägerzaunbesitzer über die Bewohner von Mietskasernen und Bepflanzer von Kleinstbalkonen.

Juli 5th, 2010

Die große Frage: Wo kann man überhaupt noch rauchen?

So hatten wir das nicht erwartet: Der Sieg der Nichtraucher-Fraktion beim Volksentscheid war in dieser Klarheit eine ähnliche Überraschung wie das 4:0 gegen Argentinien. Es war, wenn man die einzelnen Ergebnisse anschaut, ein Triumph der Besitzer gepflegter Vorgärten über die Bewohner von Mietwohnungen in Stadtvierteln mit hoher Wirtshausdichte.

Die Raucherinnen und Raucher bewegt nunmehr vor allem die Frage, wo sie ihr Laster überhaupt noch ausleben können. Ich bitte um Meinungen:

Juli 3rd, 2010

Qualm in WM-Zeiten: Wer kriegt eins in die Fressi?

Rauchen oder nicht? Nach dem 4. Juli wissen wir mehr.

Ach ja, das Rauchen. Sollten sich nachher beim Public Viewing Menschen in einem super-spannenden Moment eine Zigarette anzünden, geht es vielleicht wirklich nur darum, ob sich die heutige Prophezeiung von Deutschlands meistgekauftem Satireblatt erfüllen wird, die da lautete: “Messi kriegt eins in die Fressi.” In Zukunft könnte diese “Bild”-Schlagzeile alle treffen, die an einem öffentlichen Ort qualmen wollen.

Juli 20th, 2009

Zigaretten – in Bayern die Fackeln der Freiheit

Hurra, wir sind wieder frei!!!
Hurra, wir sind wieder frei!!!

Ach, wie doch die Zeit vergeht: Es ist schon wieder fast eineinhalb Jahre her, dass in Bayern die Schonzeit für Raucher geendet hat und der “Ziggi-Igel” zur Skulptur der Neuzeit wurde.

Angetrieben vom verkniffenen Rauchfrei-Fundamentalisten Georg Schmid (“Schüttel-Schorsch”) hatte die CSU das härteste Rauchverbot aller Zeiten erlassen. Dann aber im Vorfeld der Frühlings-Volksfeste schnell wieder aufgeweicht.
Seitdem haben sich die Menschen eigentlich gut an das auch von mir als eher unnötig freiheitsraubende Regelung angesehene Gesetz gewöhnt. Die Nichtraucher waren zufriedener, die Raucher lernten mehr Rücksichtnahme.  Oder zogen in ihre Reservate um.
Jetzt aber liefern CSU und FDP als Koalitionspartner in der Landesregierung ein Meisterstück an Regierungskunst ab, wie es die Welt auch noch nicht erlebt hat. Obwohl sich ein Gesetz offenkundig bewährt hat, wird es entschärft. Und das, obwohl die Europäische Union in nicht allzu ferner Zeit Regeln für den Nichtraucherschutz aufstellen wird, die ungleich härter sind.
Na gut, entwöhnen, neu anfangen, entwöhnen - das kennen viele Raucher ja bestens. Aber hinter diesem Vorgehen steckt doch wohl nur eins: Wenn schon kommt, was kommen wird, ist man es wenigstens nicht gewesen. Der Aschenbecher wird zum EU-Traktorsitz des Bierzeltes, die brennende Zigarette zur letzten Fackel der Freiheit gegen das Wüten der Bürokraten.
Recht so, geben wir der Zigarette noch einmal eine Chance. Wo uns die Tabakindustrie doch so wunderbare Werbeslogans geschenkt hat. Denken wir nur an “Dafür geh ich meilenweit” (Camel), ”Welch ein Vergnügen” (Stuyvesant), “Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben” (Attika) oder der unverwüstliche Spruch “Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer” (Marlboro).
Aber dann ist da noch ein Werbespruch aus der Zeit der Wiedervereinigung: “Unser Kandidat ist käuflich.” So sollte 1990 der Absatz der Marke “Lucky Strike” gesteigert werden. Kann es sein, dass da mit dem Texter die Wahrheit durchgegangen?
Aber niemals nicht. Das würde ja bedeuten, dass die Tabaklobby Einfluss nehmen und sich mit Spenden für die Wahlkampfkassen bestimmter Parteien revanchieren kölnnte. Und sowas – das wissen wir – ist doch völlig ausgeschlossen.   

August 2nd, 2008

Rauchverbot – der Glaubenskrieg geht weiter

nichtrauch.jpgSchon erstaunlich. Man fährt in den Urlaub, in der festen Gewissheit, dass nichts Unerwartetes passieren wird. Und dann das: Der Glaubenskrieg ums Rauchen ist wieder ausgebrochen.

Dabei schien das Thema ähnlich tot wie Vogelgrippe und BSE. Hatte mein Beitrag über die neue Randgruppe Raucher die meisten Kommentare von allen Postings in diesem Blog ausgelöst, so war es, nachdem die CSU in Bayern zwecks Oktoberfest nachjustiert hatte, ruhig geworden an der Qualm-Front. Es gab da noch eine Kurznachricht, wonach Paffer häufiger depressiv seien als Nichtraucher. Aber nicht einmal Fußball-Bundestrainer Jogi Löw konnte mit seiner Zigarette in der Schlussphase des EM-Viertelfinalspiels gegen Portugal echte Empörung auslösen. Lediglich der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding (ehemaliger Roth-Händle-Kettenraucher) brabbelte von Verantwortungsbewusstsein und Vorbildfunktion.

Aber jetzt kommt das Verfassungsgericht, ergänzt unseren süddeutschen Wortschatz um das Substantiv “Einraumkneipe” und lässt die Raucher und viele ihrer gastronomischen Herbergsväter jubeln (Foto: dpa). In Bayern allerdings nicht, denn da hat die CSU in ihrer ganzen Cleverness ein Rauchverbot erlassen, das angeblich das Schärfste aller Zeiten, letzlich aber ein recht Weiches ist. Schließlich lassen rund 10.000 Wirte im Freistaat ganz legal rauchen, weil sie ihr Lokal zum Raucherclub erklärt haben.

Da das Bundesverfassungsgericht nicht ausreichend erkannt hat, dass auch Bierzelte im Grunde genommen Einraumkneipen sind, indem es deren Größe auf 75 Quadratmeter beschränkt hat, muss die CSU zunächst nicht nochmal an ihr Gesetz. Was vor allem seinen miterfinder, den Landtags-Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid freut. Wegen seiner mitunter allzu plakativ praktizierten Volksnähe auch “Schüttel-Schorsch” genannt, bestätigte er kürzlich im Nürnberger Presseclub alle Vorurteile über ehemalige Raucher. Er äußerte sich zum Rauchen außerordentlich verbiestert, ja geradezu militant.

Mit dem gleichen Hass reden Raucher über jemand wie ihn. Die Münchner Promi-Wirtin Birgit Netzle scharrt schon mit den Hufen und will das bayerische Rauchverbotsgesetz wegen seiner Ausnahmeregelungen vor das Bundesverfassungsgericht bringen. Und frisch diskutiert werden darf nicht zuletzt deshalb, weil das Bundesverfassungsgericht selbst Glaubensfragen aufwirft: Ist ein Käsebrötchen eine zubereitete Speise oder nicht? Da haben die Juristen mächtig was zum Kauen.

März 7th, 2008

Rauchverbot!? Die Randgruppe schlägt zurück

rauch.jpgRandgruppen, das wissen wir, können ihre Ziele manchmal besser durchsetzen, als die so genannte schweigende Mehrheit. Denken wir nur daran, wie lange die FDP fast überall in der Republik mitregiert hat oder wie groß seit jeher der Einfluss der Sudetendeutschen auf die CSU-Politik ist. Und nun obsiegen die Raucher. Eine Randgruppe schlägt zurück.

Die erfolgreichste demokratische Partei aller Zeiten hat also festgestellt, dass ihr das allzu strenge Rauchverbot bei der Kommunalwahl sehr geschadet hat. Zu viele Tabakfreunde haben die Wahllokale angeblich zu raucherfreien Zone gemacht. Nix Wahlbeteiligung ist gleich viel SPD und Freie Wähler, lautet die Erklärungsformel.

Das überrascht ein wenig. Hatte doch Landtags-Fraktionschef Georg Schmid, Erfinder des hammerharten Nichtraucherschutzes, und wegen seines Hangs zum exzessiven Händeschütteln auch als “Schüttel-Schorsch” bekannt, in der Wahlnacht von der ungeheuren Stärke der CSU auf dem flachen Land geschwärmt. Dort also, wo Wirtshaus, Sportheim und Schwarzgastronomie der Feuerwehr die entscheidenden Kristallisationspunkte des Männervergnügens sind. Dort soll es keinen Verweigerungsprotest gegeben haben, wohl aber in den Städten, wo inzwischen an jeder Ecke ein Raucherclub besteht? Unlogisch.

Erlauben will man jedenfalls das Rauchen in den Münchner Oktoberfest-Zelten. Weil erstens, so die Begründung, Freiflächen für die Raucher fehlen und weil die Zelte so umgebaut werden müssten, dass diese Flächen nur vom Zelt aus erreicht werden können. Letzteres klingt seltsam. Aber man muss wissen, das in Oktoberfest-Zelten schon am Vormittag um Sitzplätze gerangelt wird. Dann wird wegen Überfüllung geschlossen, am Abend gehören die Zelte den Firmengruppen und Schickimicki-Vereinigungen. Auf der Wies`n ist es zeimlich undenkbar, dass ein Raucher wegen einer Zigarettenpause seinen Platz auf der Bierbank verliert. Es gäbe Mord und Totschlag. So die Vermutung.

Was das für Nürnberg bedeutet, ist unklar. Mit Blick auf das große “Oxen-Zelt” auf dem Volksfest kann wahrlich niemand mit dem großen Andrang argumentieren. Die Auslastung der Plätze ist manchmal so gering, dass vereinzelte Raucher völlig wurscht sind. Man könnte sie gewissermaßen nach einem Egalitäts-Prinzip behandeln. Andererseits verbringt Festwirt Herrmann Murr ohnehin einen beachtlichen Teil seines Lebens damit, gegen Gesetze zu rebellieren und Ordnungswidrigkeiten zu begehen. Ein Rauchverbot in sdeinem Zelt wird ihn nicht ruhen lassen. Garantiert.

Es bleibt also spannend. Die Randgruppe Raucher ist jedenfalls erstmal obenauf.

Februar 8th, 2008

Schöne Messeparty für die Raucher

Nur, weil wir so eine schöne Debatte über die Randgruppe Raucher hatten.

Bei der Eröffnungsparty der Spielwarenwesse zeigte sich das internationale Nürnberg von seiner toleranten Seite. In der Arena wurden 1080 Gäste bewirtet - im Umfeld der Bar auf der Empore war das Rauchen freigegeben. Weil es sich um eine geschlossene Gesellschaft handelte. Die Einladung wurde gerne angenommen.

Beschwerden gab es vielleicht deshalb nicht, weil auf dem Bartresen ein kleines Laboratorium aufgebaut war. Der auf Molkularküche spezialisierte Chefkoch des NH Hotel servierte zum Beispiel Pina Colada in der Form eines Spiegeleis.

Außerdem sollte die “toynight” gemäß Veranstalter in fremde Galaxien entführen. Und von Rauchverboten im Weltall haben wir ja noch nichts gehört.