Erst Fortschritt, dann Sexismus

Sag mal, Hirndübel. Warum hast Du nichts über den Brüderle gebloggt? Brüderle? Ach ja, dieser FDP-Möchtegern-Berlusconi. Vergiss es! Es widerstrebt meiner fränkischen Mentalität, mich zu sehr mit der miesen Verbalerotik alter Männer zu befassen.
Wir Franken sind ernsthaft. Das Ergebnis des Volksbegehrens zur Abschaffung der Studiengebühren in Bayern hat das gerade wieder gezeigt. Extrem hohe Zustimmungsquoten werden da gemeldet. 22 Prozent der Wahlberechtigten haben in der Universitätsstadt Erlangen unterschrieben, sogar 29,4 Prozent in der Gemeinde Ottensoos im Nürnberger Land. Auf eine gängige Wahlbeteiligung umgerechnet, wäre das die absolute Mehrheit.
Dagegen Oberbayern! In München ist man gerade so über die Zehn-Prozent-Linie gekrebst. Beim Rauchverbots-Volksentscheid war das ähnlich. Oberbayern ist eben die Region des Leben-und-Leben-Lassens. Es ist die Schaubühne der Bussi-Bussi-Gesellschaft, der Fußballer, die echte Stars sind und in Discotheken Jagd auf junge Dinger machen. Das Land der immer noch berühmten Alt-Ministerpräsidenten und der dekadenten Könige. Und überhaupt: Was kümmern 500 Euro Studiengebühr in einer Stadt, in der man für dieses Geld möblierte Zimmer mieten kann?
Ja, Oberbayern ist die Gegend, in der der Satz “Sie könnten ein Dirndl ausfüllen” tatsächlich passt. Fehlt das uns Franken? Nein. Altersgeile Sprüche dieser Art interessieren uns allenfalls dann wieder, wenn wir dem gesellschaftlichen Fortschritt zuvor nachhaltig gedient haben. So wie jetzt in Sachen Studiengebühren. Und das ist richtig gut so.

Vom alkoholfreien Bahnhof zum Badekappenzwang

Also machte er sich auf. Edmund, der weiße Ritter von Wolfratshausen, wild entschlossen, der bösen Bürokratie Einhalt zu gebieten. Das Leben in Europa sollte einfacher werden. Zuerst in Brüssel – und dann auf allen Ebenen des Zusammenlebens bis in die kleinste Gasse. Doch so läuft das nicht. Das Leben wird schwieriger.

Einen Komplikationsschub hat uns das Rauchverbot gebracht. Ob in geselliger Runde oder am Arbeitsplatz – immer wieder erlebt man, wie Menschen wortlos aufstehen und sich in böser Absicht ins Freie zu schleichen. Nur dort, an der so genannten frischen Luft, ist das Rauchen noch erlaubt. Und auf Bahnsteigen lernen wir, dass  belastbarer Himmel mit gelben Vierecken zu markieren ist.

Gut, das Rauchverbot hat überraschend gut funktioniert. Amokläufe durch zwangsentwöhnte Qualmern sind ausgeblieben.  Die CSU schnuppert wieder an der absoluten Mehrheit. Wer mutwillig Tabak verschwelt, gilt nicht mehr als kreativ, auch nicht mehr als sexy, sondern nur noch als zu schwach.

Jetzt aber kommt die nächste Säuberungswelle: Die Deutsche Bahn hat für ihren Nürnberger Hauptbahnhof ein Alkoholverbot.  An „sensiblen Tagen“, also am Freitag- und Samstagabend, darf man zwar betrunken durch den Bahnhof laufen. Trinken oder das sichtbare Mitführen von Promillehaltigem wird mit Platzverweis bestraft. Mindestens. Wer saufen möchte oder die Nähe zu Saufenden sucht, geht gefälligste ins Freie.

Für mich ist das Verbot zwiespältig. Niemand möchte zwischen Yormaz und Müller in den handfesten Streit einer Horde besoffener Jugendlicher hineingeraten. Pluspunkt. Es dienst der Gesellschaft, wenn auch einmal deutlich gezeigt wird, dass ein Rausch unerotisch und unwillkommen ist. Pluspunkt. Aber hilft es der Müllabfuhr wirklich, wenn sie noch mehr als bisher Sonntagfrüh verstopfte Mülleimer ausleeren und zerbrochene Flaschen zusammenkehren muss? Minuspunkt. Bedroht ist zudem die Volksgesundheit. Der Hauptbahnhof ist Teil einer Partymeile – und in den entsprechenden Clubs sind die Stoffe sehr dünn und die Röcke sehr kurz. Das führt bei Kälte zu gefährlichen Krankheiten. Klarer Minuspunkt.

Es stellt sich die Frage, ob das alles sein muss. Und ob es besser ist, im Freien angepöbelt zu werden. Als böse Vision habe ich als nächsten Schritt die Rückkehr zum Badekappenzwang für öffentliche Schwimmbäder aus den 70-er Jahren vor Augen. Und dabei, Edmund, hatte ich doch so an Dich geglaubt.

Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder sorgt für saubere Luft.

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.

Der Kampf schien vorbei, das Problem befriedet: Mit dem schärfsten Rauchverbot aller Zeiten wurde Frieden zwischen den Menschen mit und ohne Mundgeruch geschaffen. Schien es. Doch wir wissen, dass eine funktionierende Bürokratie und eine mitfühlende Politik für jedes Problem stets noch eine offene Frage findet.

In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.

An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.

Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.

Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!

Aussteigen ist möglich – das zeigen die Raucher

Dieses Bild findet keiner mehr lustig oder sexy...

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Ausstieg? Geht das überhaupt? Ein Teil-Ausstieg auf jeden Fall. Am heutigen Welt-Nichtrauchertag kann man getrost feststellen. Der Versuch, den Menschen die Lust aufs Rauchen zu nehmen, war erfolgreich. Wer qualmt, ist heute Mitglied einer Randgruppe. Schick ist die Zigarette im Mundwinkel überhaupt nicht mehr.

Wenn man zurückdenkt, welch gewaltige Seelenwallungen die Diskussion um das bayerische Rauchverbot ausgelöst hat, ist das kaum zu glauben. Damals dachte man, die Freiheit würde zu Schutt und Asche verfallen, die Demokratie würde durch einen reinen Bevormundungsstaat abgelöst. Ich habe das auch lange Zeit gedacht.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass das Nichtraucherschutzgesetz, absehen von einigen Regelungs-Auswüchsen, insgesamt funktioniert hat. Die meisten Menschen haben sich damit arrangiert, der tägliche Konsum fertiger Ziga­retten sank von 391 Millionen Stück im Jahr 2001 auf 229 Millionen Stück im Jahr 2010. Das ist ein stolzer Rückgang, der allerdings durch eine Zunahme bei selbst gedrehten und geschmuggelten Zigaretten zu einem ordentlichen Teil konterkariert wird.

Ja, es gibt noch reichlich “Stand-by-Raucher”. Bis 2022 werden es aber noch viel weniger sein. Veränderungen durch Abstinenz sind möglich. Rückfälle aber auch…

Liebe Nichtraucher, zahlt auch mal was

Seit Anbeginn dieses Blogs habe ich den Niedergang des Zigarrettengenusses in Deutschland sowie den lediglich von Altkanzler Helmut Schmidt gut überstandenen Imagewandel des Rauchers vom klugen Kopf zum  verachtungswürdigen Deppen sorgfältig dokumentiert. Richtige Feststellungen wie jene, dass Raucher sowohl als Frühsterbende wie auch als Steuerzahler der Gesellschaft dienen, stießen auf Widerspruch. Doch jetzt wird die Heuchelei der Qualmgegner überdeutlich. Weiter lesen

Söder und die Burka: Das Aus für die Fata Morgana?

Nein, schwarz-braune Gestalten wollen wir nicht.

Nein, mit Burka und Lederhosen - das wollen wir nicht.

Erinnern wir uns doch mal an den schönen Satz “Leben und leben lassen”. Dieser galt einst als Alleinstellungsmerkmal Bayerns innerhalb der deutschen Bundesländer. Sollten doch die Sozis in ihrem NRW und Bremen alles kaputt regulieren, die CSU würde das liberale Klima ihres Freistaates auf jeden Fall bewahren. Aber das ist rum: “Lebensminister” Markus Söder fordert ein Burkaverbot.

Was treibt ihn dazu? Weiter lesen

Atomdeal Ja! Aber bitte für Alle!

[polldaddy poll=”3752028″] So, jetzt waren wir aber wieder empört. Wegen dieses Atomdeals. Da kungeln also Bundesregierung und Stromkonzerne eine Laufzeitverlängerung der Kraftwerke aus. Und im Kleingedruckten wird gleich mit festgelegt, dass Aufwand und Ertrag für Konzerne und Aktionäre auch im Falle eines wie immer gearteten Regierungswechsels abgesichert sind. Manche finden das unsauber, ja unmoralisch. Falsch!

Betrachten wir das doch mal locker. Weiter lesen

Rauchverbots-Abschluss: "Ich sitz in meinem Bonker."

Versprochen hatte ich ja, kurz nach dem 1. August die Abschlussbilanz meiner Rauchverbots-Umfrage zu ziehen. Bitteschön:

Bei 128 Stimmen (großartig, danke) entschied sich die größere Zahl der Teilnehmer(innen) für den Untergrund: 40 Prozent wollen in Zukunft im Keller rauchen, weil sie da ja schon zum Lachen hingehen. 30 Prozent wollen Tabak künftig als Rohkost mit Basmatireis konsumieren. Weiter lesen

Rache für den Raucherentscheid: Das Rasenmäherverbot!

Wo bleibt eigentlich Thilo Sarrazin? Es wird doch höchste Zeit, dass sich grausamste Rächer der öffentlichen Finanzen zu Wort meldet. Schließlich ist das bayerische Rauchverbot ein erheblich härter Schlag für Hartz-IV-Empfänger, als es jede Leistungskürzung sein könnte. So jedenfalls würde es Sarrazin formulieren, wenn er denn etwas von sich geben würde.

Man muss es doch einmal sagen: Das bayerische Rauchverbot ist ein Triumph der Jägerzaunbesitzer über die Bewohner von Mietskasernen und Bepflanzer von Kleinstbalkonen. Weiter lesen

Die große Frage: Wo kann man überhaupt noch rauchen?

So hatten wir das nicht erwartet: Der Sieg der Nichtraucher-Fraktion beim Volksentscheid war in dieser Klarheit eine ähnliche Überraschung wie das 4:0 gegen Argentinien. Es war, wenn man die einzelnen Ergebnisse anschaut, ein Triumph der Besitzer gepflegter Vorgärten über die Bewohner von Mietwohnungen in Stadtvierteln mit hoher Wirtshausdichte.

Die Raucherinnen und Raucher bewegt nunmehr vor allem die Frage, wo sie ihr Laster überhaupt noch ausleben können. Ich bitte um Meinungen:

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