Ein Hoch auf die Queen – aber erspart uns Helmut

Groß ist unsere Sehnsucht nach Weisheit. Wir verehren Menschen, die selbst im größten Chaos schmunzelnd auf die Welt schauen. Die ihr Ding durchziehen, als käme niemand jemals nach ihnen. Bestes Beispiel: Die Königin von England. Heute wird sie 90.

Queen Elizabeth II. ist die großartigste Handwerkerin des Regierens. So wie Klempner oder Fliesenleger dann am besten sind, wenn sie mit Bedacht Schritt für Schritt ihrer Arbeit ausführen und uns die Gewissheit geben, dass am Ende alles passt. Das Oberhaupt des Vereinigten Königreichs regiert seit Februar 1952. Was immer seitdem die Welt bewegt hat, wie etwa Elvis Presley, der Mauerbau, das Tor von Wembley, der Flug zum Mond, das Ozonloch bis hin zur alles in allem unseligen Erfindung des Smartphones: Sie war da.

Diese Frau braucht keine Briefkastenfirmen in der Karibik. Sie ist Königin von Jamaika und Barbados. Nur missratene oder allzu eigenwillige Kinder oder Schwiegertöchter konnten sie in Krisen stürzen. Ansonsten ist sie außerordentlich beliebt. Sie läuft und läuft – so sympathisch wie ein Volkswagen vor dem Abgasskandal.

Wie schlimm steht es dagegen um uns! Der Verlust weiser Männer war zuletzt dramatisch. Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt oder Egon Bahr haben uns verlassen. Heiner Geißler oder Rita Süssmuth sind ruhig geworden, bei Altkanzler Gerhard Schröder wird man Weisheit nie vermuten.

Und nun droht Schlimmes: Helmut Kohl ist wieder da. Sein Treffen mit dem ungarischen Balkanabriegler Viktor Orbán hat ein unerklärlich großes Medienecho gefunden. Es gab ein Foto, wie es in jedem gut geführten Altenheim gemacht werden kann. Opa und Bub saßen nett zusammen, sie stellten sich hinter Angela Merkel, die sie zuvor kritisiert hatten. Schließlich gab es ein paar persönliche Weisheiten zu Europa, Flüchtlingen und zum Rest der Welt. Tatsächliche politische Relevanz? Nicht vorhanden.

Wir bitten und betteln: Bitte lasst Besuche beim alten Helmut nicht zur Mode nicht zu werden. Lieber ernennen wir Joachim Gauck zum Präsidenten auf Lebenzeit und setzen ihm eine Krone auf. Doch nichts übertrifft das Original. Deshalb: Happy Birthday, Majesty!