Der Wetterfrosch muss Commandante werden

Es ist wieder passiert: Ich habe lange nachgedacht, ob ich aus dem Haus gehen soll. Ich habe überlegt, ob ich das Auto stehen lassen soll. Und ob es ohne Regenjacke geht. Denn es gab eine Sturmwarnung. Passiert ist: Fast nichts. Und so geht das seit gefühlten zwei Wochen. Wir werden vor Katastrophen-Wetter gewarnt, aber die Wolken ziehen irgendwie an uns vorbei. Was ist bloß los?

Ich habe da mittlerweile meine ganz eigene Verschwörungstherie. Ich glaube, dass der Wetterbericht als verlässliche Dienstleistung ein Opfer des raubtierkapitalistischen Privatisierungswahns sowie des allgemeinen Trends zur Banalisierung geworden ist. In Italien zum Beispiel wird der Wetterbericht von einem ernst blickenden Mann vorgetragen. Dieser trägt eine blaue Luftwaffen-Uniform und hat den Dienstgrad Commandante. Auf seine Prognosen kann man gut vertrauen.

Behördliche Vorhersagen – gibt’s das nicht auch bei uns? Schon, aber die sind wohl nicht mehr zeitgemäß. Wer will sich Sonnenscheindauer und Niederschlagsmengen von einem schlecht gekämmten Amts-Meteorologen ankündigen lassen, wenn die private Konkurrenz schöne blonde Frauen und lustige Männer vor die Kamera stellt? Der Umsatzverlust kostet Planstellen, die Arbeit wird schlampig, Prognosen werden zum Orakel. Am Ende ist der Wetterbericht nur noch Show. Falsch, aber immerhin unterhaltsam.

Und dieser Trend ist so gut wie unumkehrbar. Denn traurige Profi-Meteorologen leiden selbstverständlich mehr unter der gesellschaftlichen Missachtung ihres Wissens. Sie sitzen einsam in Pilsbars oder schauen als Frührentner auf Parkbänken sitzend mit trübem Blick in den Himmel, der ihnen nicht mehr gehört. Ihre Behörde wiederum behandelt das Vorhersagewesen unter dem versicherungstechnischen Aspekt. Wer Katastrophen vorhersagt, die nicht eintreffen, kann nicht verklagt werden. Umgekehrt vielleicht schon.

Die so ausgelöste Desinformation ist gewaltig. Die Not ist groß. Wahrscheinlich bleibt nur eine Lösung: Schlagen wir die Brücke zurück zur öffentlich-rechtlichen Prognose. Fangen wir uns einen Wetterfrosch und befördern wir ihn zum Commandante. Der kann das. Mindestens besser.