Donald Trump: Ein Männerschnupfen auf zwei Beinen

„Ich liebe mich! Liebst Du mich auch?“ So lautet die Frage des Narzissten an seine Umwelt. Ein solcher Mensch sieht sich im Recht, wenn er anderen weh tut. Retourkutschen oder auch nur leichte Angriffe auf seine Person betrachtet er als unerhört bis grausam. Der größte Narzisst der westlichen Welt ist zurzeit US-Präsident Donald J. Trump. Er fühlt sich verfolgt, so sehr wie kein anderer Politiker vor ihm.

Mit dieser Aussage erweist sich der famose Milliardär als Männerschnupfen auf zwei Beinen. Die Vorwürfe gegen ihn sind ja nicht einmal ungerecht. Sie werden ausgelöst von einer, sagen wir, extravaganten Regierungspolitik. Trump selbst prahlt mit geheimen Informationen, ohne zu bedenken, dass ihm mit dem russischen Außenminister Lawrow ein ausgefuchster Profi gegenübersitzt. Und er feuert den FBI-Chef fristlos, weil dieser drauf und dran war, gegen ihn zu ermitteln. „War doch richtig“, sagt der Narzisst.

Doch definieren wir Verfolgung: Schon wenn es darum geht, dass einer von den Medien gehetzt wird, ist der Neue im Vergleich zu seinem im Watergate-Skandal aufgeriebenen Vorgänger Richard Nixon ein ziemlicher Waisenknabe.

Was aber ist mit den erschossenen US-Präsidenten? In dieser Weise traf es im Jahr 1865 den amerikanischen Übervater Abraham Lincoln während eines Theaterbesuchs. 1881 wurde James A. Garfield hinterrücks getötet, während er auf einem Bahnsteig stand. William McKinley starb 1901 während eines Messebesuchs durch Revolverkugeln und dann wurde der in Berlin und Westdeutschland so verehrte John F. Kennedy im Jahr 1963 im offenen Wagen in Dallas das Opfer eines Todesschützen.

Präsident zu sein ist also schlimmer als der Tod. Das schwerer Stoff für unsere Philosophen. Oder haben wir dieses große Land nicht verstanden? Die US-Waffenlobby wird anmerken, dass ein Erschossener immer in Ehren abtritt. Ob bei Donald Trump davon viel übrig bleibt, darf doch sehr bezweifelt werden.

 

 

 

 

 

Gut, dass es die Franzosen gibt

Und wieder eine Wochenende der Schicksalwahlen: In Schleswig-Holstein geht es um die weiteren Aufstiegschancen von Martin Schulz. In Frankreich darum, ob eine rechtsextreme Kandidatin die Lizenz zum Zerstören der Europäischen Union bekommt. Bleiben wir bei Letzterem. Weil es bedeutender ist.

An dieser Stelle könnte sich Protest regen. Was interessieren uns die Franzosen? Wir sind Exportweltmeister und die klügste und fortschrittlichste Nation überhaupt. Unseretwegen kann jeder die EU verlassen. Dann regeln wir die Dinge – bestmöglich für die Menschen, versteht sich – in eigener Regie.

Einspruch! Das stimmt so nicht. Das Kernland des gesellschaftlichen Fortschritts war Deutschland beileibe nicht immer. So galt bei uns bis zum Jahr 1958 dieser Paragraph des Bürgerlichen Gesetzbuches (alte Schreibweise): „Hat sich die Frau einem Dritten gegenüber zu einer von ihr in Person zu bewirkenden Leistung verpflichtet, so kann der Mann das Rechtsverhältniß ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen, wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgerichte dazu ermächtigt worden ist. Das Vormundschaftsgericht hat die Ermächtigung zu ertheilen, wenn sich ergiebt, daß die Thätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt.“ Was bedeutet: Wenn die Frau wegen einer Berufstätigkeit daheim nicht in seinem Sinne funktioniert, kann der Mann ihren Job kündigen.

Noch etwas anderes: Das Recht auf eine gleiche Bezahlung von Mann und Frau für gleiche Arbeit gilt in der EU seit 1977 und ist inzwischen ein Grundrecht. Zu verdanken ist das Frankreich. Dort war das Thema längst Gesetz und die Regierung machte sich Sorgen wegen einer eventuellen Billig-Konkurrenz in anderen Staaten.

Den Franzosen ist auch zu verdanken, dass wir länger Urlaub haben. Bis in die 70-er Jahre waren bei uns drei Wochen Jahresurlaub der Mindestanspruch. Unsere Nachbarn konnten vier Wochen schon seit 1928 nehmen. Dss Urlaub nach längerer Krankheit nicht schon zum 31. März des Folgejahres verfällt, ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, an die sich die EU-Mitgliedsstaaten halten müssen.

Wenn man sieht, wovon unsere deutschen Exportweltmeister-Arbeitgeber so träumen, sollten wir froh sein, dass es europäisches Recht. Und natürlich die renitenten Franzosen, die ihre 35-Stunden-Woche nicht so einfach gegen ein Rund-um-die-Uhr-Jobben hergeben.

Ja, aber was ist mit Martin Schulz? Wenn wir ehrlich sind, war von Anfang an klar, dass es mit ihm – vielleicht mit geänderten Kräfteverhältnissen – in Richtung neue GroKo ginge. Das ist wohl zu schaffen. Der Mann wird auch seine Niederlagen überleben.

Donald Trump: Er bleibt ein Typ zum Fürchten

Es ist doch alles gar nicht so schlimm. So seufzt mancher erleichtert nach 100 Tagen Donald Trump. Der nach eigener Einschätzung tollste US-Präsident aller Zeiten habe einige Dämpfer bekommen. Manches an seiner Politik wirke schon sehr normal. So werde das auch weitergehen. Wenn wir uns da bloß nicht täuschen.

Richtig ist, dass Donald Trump einige Aha-Erlebnisse gehabt hat. Weder ist es leicht, per Dekret Muslime von den USA fernzuhalten oder eine Krankenversicherung zu zerstören. Die von Mexiko bezahlten Mauer bleibt wohl auch eine Illusion. Und setzt der Präsident nicht wunderbare Zeichen, indem er in Sachen Berater den Widerling Bannon abserviert und dafür seine hübsche Tochter hinaus in die Welt schickt?

Trotzdem haben wir allen Grund, uns vor diesem Mann zu fürchten. Er entdeckt nämlich nach und nach, wie er seine Macht wirksam anwenden kann. Und er hat gelernt, dass auch der größte Versager an der Spitze der Weltmacht USA die Menschen hinter sich bringt, wenn er Marschbefehle für Atom-U-Boote gibt, Raketen abschießen oder Bomben abwerfen lässt. Hinter einem Kriegsherrn schart sich das Volk zuverlässig.

Tabus sind nicht sein Ding. Oder hätte er sonst die „Mutter aller Bomben“ über dem Territorium eines verbündeten Staates abwerfen lassen? Fragen wir uns doch, was in Deutschland los wäre, wenn dieses Zerstörungs-Monstrum nach Evakuierung der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern aufschlagen würde, weil die USA dort ein Terroristen-Nest vermutet haben?

Wir würden es kaum so gelassen sehen wie jetzt, wo es bloß um dieses Afghanistan geht.

Dieser US-Präsident wirkt auf uns manchmal wie ein schlechter Soap-Darsteller oder eine Karikatur. Harmlos doof ist er deswegen nicht. Auch Clowns können der Horror sein.

Donald Trump: Zu kühn für diese Welt

Das Leiden an der Politik – vielleicht ist es bloß Langeweile. Im Großen und Ganzen ist es gut, dass Probleme im Merkel-Stil pragmatisch und seriös abgearbeitet. Doch wo ist die Kühnheit, wo der große Entwurf für die Zukunft? Wo ist die Vision, die uns begeistert und antreibt?

Donald Trump macht es gerade vor. Eine 3200 Kilometer lange Mauer bauen und die hierfür investierten Dollar-Milliarden von anderen bezahlen lassen, ist ein erstaunlicher Gedanke. Der Anti-Tortilla-Schutzwall an der Grenze zu Mexiko wäre 20 Mal länger als die Berliner Mauer, hätte allerdings – alternativlose Fakten, sorry – nur ein Siebtel der Ausdehnung der Chinesischen Mauer.

Unser Präsident hat aber mehr vor: Er möchte Straßen, Brücken, Flughäfen und Öl-Pipelines in einem bislang unbekannten Ausmaß bauen lassen, aber zugleich die Steuern wie noch nie senken. Er findet Folter nicht so ganz verkehrt  und möchte die US-Unternehmen von 75 Prozent der gesetzlichen Vorgaben entlasten. Alleine diese Kühnheit verdient eine eigenständige Betrachtung.

Und wir? Können wir hier auch nur ein bisschen mithalten? Yes. we can. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt will Ende 2017 einen Satelliten ins All schießen, auf dem Tomaten heranwachsen können. Sollten diese in der Schwerelosigkeit tatsächlich keimen, sollen sie später einmal Astronauten bei ihren Reisen in ferne Welten als Nahrungsgrundlage dienen. Tomaten im Weltall. Wir trauen uns.

Aber halt: Denkt nicht, bei genauer Betrachtung, dieser Donald Trump viel zu groß für diese Welt? Würde es ihn nicht reizen, galaktisch zu agieren? Also Miss-Universe-Wahlen auf dem Planeten Venus durchzuführen oder den Ring des Saturn zu asphaltieren? Er müsste nur vor Ort sein.

Alsdenn: Sollten wir einen US-Präsidenten auf den Mond schießen? Welch schöne, welch kühne Idee.

 

Trump ist da. Wir hoffen auf Joschka Fischer

Alle waren gegen Donald Trump. bis auf die Mehrheit. So lässt sich die Wahl des neuen US-Präsidenten kurz und knackig bilanzieren. Die Zwielicht-Gestalt ist ganz oben angekommen. Was nun?

Ganz sicher wissen wir im Moment nur eines: Das Leben geht weiter. Das US-amerikanische Volk hat sich bei der Wahl unter zwei Unsympathen für die männlichen Variante entschieden. Was das auslösen wird, muss man noch sehen. Steht Donald Trump zu seinen Versprechen, kann er nicht viel Schaden anrichten. 25 Millionen Jobs will er schaffen. Das sollte ihn für einige Zeit beschäftigen. Außerdem plant er den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Logisch, mit hässlichen Bauwerken kennt er sich aus.

Aber hat dieser Wahlausgang vielleicht doch etwas Gutes? Ja doch. Zwar wirkt es absurd, dass sich die Benachteiligten und Verarmten ausgerechnet hinter einem stinkreichen Immobilien-Mogul versammeln. Aber es zeigt doch, dass die Politik die mitunter so bezeichnete Unterschicht nicht unterschätzen sollte. Die gesellschaftliche Ungleichheit in den USA ist erheblich größer als bei uns, die Konditionen für zig-tausende Jobs sind die Schlechtesten in der westlichen Welt, die Gefahr, komplett abzustürzen, ist Normalität.

Unsere Politik wird schnell begreifen, dass sie sich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb schleunigst den Verlieren zuwenden muss, wenn sie nicht abgewählt werden will. Gerechtigkeit wird auf der politischen Agenda nach vorne rücken.

Ansonsten ist die US-Wahl ein ziemlicher Jammer. Halten wir uns also an unseren letzten Hoffnungsträger, den früheren Vizekanzler und ganz früheren Steinewerfer Joschka Fischer. „Das Amt verändert den Menschen mehr, als der Mensch das Amt“, lautete sein bekanntester Lehrsatz. Möge es bei Präsident Trump so geschehen…

 

Donald Trump – Der Film

Hollywood hat uns gelehrt, dass die US-Präsidentschaft zu den aufregendsten Jobs mit den eigenartigsten Besetzungen zählt. Man ist mächtigster Mann der Welt, man lehrt sogar feindseligen Außerirdischen das Fürchten. Man kann heroisch, aber auch trottelig sein. Die Karriere dieses Donald Trump erscheint uns trotzdem in ihrem Irrsinn unbegreiflich und noch nicht verfilmt. Wer also dreht hier gerade? Quentin Tarantino, Roland Emmerich, George Lucas oder Michael Moore?

Für die Präsidenten-Filme gelten zwei Leitgedanken. Entweder ist der Bewohner des Weißen Hauses ein hoch moralischer Held wie George Harrison in Air Force One. Oder es handelt sich um einen politisch unbedarften Darsteller, der – wie Kevin Kline in Dave – ins Amt hineinstolpert, dann aber einen richtig guten Job macht. Einen Schauspieler im Weißen Haus hatten wir schon. Ronald Reagan hat bis heute viele Fans.

Was aber erwartet uns bei „Donald Trump – Der Film“? Zunächst einige Hinweise zur Besetzung. Der Meister spielt sich selbst, klar. Gattin Melania wird bei Bedarf durch Miley Cyrus, Selena Gomez oder eine bislang unbekannte aserbaidschanische Daily-Soap-Schönheit ersetzt.  Für die Rolle der Clintons kommen nach Lage der Dinge Hellen Mirren und Richard Geere in Frage. Die Nebenrolle von Bernie Sanders übernimmt Woody Allen.

Die Geschichte geht so. Der verrückte neue Präsident nervt schon bald Gott und die Welt. Der CIA-Chef, gespielt von Jack Nicholson, weigert sich jedoch, zum Äußersten zu gehen. Aus Dankbarkeit dafür, dass Trump seinen Mitarbeitern das Waterboarding bei Ladendieben mexikanischer Herkunft oder islamischen Glaubens erlaubt hat. Also wird Trump entführt und auf eine von ihm selbst gebaute, aber unverkäufliche Bungalow-Siedlung in Florida gebracht. Diese wird von militärisch ausgebildeten Kampf-Alligatoren bewacht. Ein vom Establishment geschulter Doppelgänger (gespielt vom famosen Engländer Boris Johnson) führt derweil die Regierungsgeschäfte.

Allerdings gelingt es Donald Trump, eine temporäre WLan-Verbindung zu seinem langjährigen Männerfreund Waldimir Putin aufzubauen. Dieser lässt durch seinen Geheimdienst ein Klein-U-Boot namens „Rosa Oktober“ nach Florida schmuggeln. Und während der Vertretungs-Präsident bei einer Pokerrunde mit Erdogan, Orbàn, Le Pen und Berlusconi in eine Schlägerei verwickelt und K. O. geschlagen wird, taucht Trump mit durchgedrücktem Kreuz und frisch blondiertem Toupet im Oval Office auf.

Aus Rache für sein verletztes Ego will er einen Atomschlag gegen alles Nicht-Amerikanische starten. Weil er jedoch im entscheidenden Moment von Gaststar Lassie verbellt wird, drückt er den falschen Knopf. Dadurch wird das durch Fracking in Nord-Wisconsin gewonnene Friedens-Gas freigesetzt und über die ganz Welt verteilt. Alle Menschen werden Brüder. Trump schreit laut auf, fällt um und bleibt regungslos liegen (Option für Teil zwei).

Sie finden diesen Text albern? Schon, aber es wäre ungemein beruhigend, wenn alles bloß ein Film wäre. Die Kombination aus tumbem Denken und Fanatismus gefährdet hunderttausende Menschenleben. Das wissen wir seit George W. Bush. Hoffentlich erinnert man sich noch daran. Einen Oscar kann Donald T. sehr gerne haben.

 

Obamas Ehestress ist unser Trost

Er ist schon ein Pechvogel, dieser Barack Obama. Einst lagen wir ihm zu Füßen, weil wir glaubten, dass er damit über’s Wasser laufen könnte. Inzwischen hat er sich selbst weitestgehend entzaubert. Und jetzt hat er nicht mal mehr seine Ehe im Griff.

Hätte er bloß nicht dieses Foto mit der blonden Dänin gemacht. Noch dazu vor all den Leuten. Das kränkt die stolze First Lady grässlich. Zumal sich der Rest der Welt köstlich über ihren grantigen Blick amüsiert.

Andererseits: Das lustige „Selfie“ war kein wirklich schlimmer Fehltritt. Sowas passiert. Barack Obama ist mit 52 im besten Midlife-Crisis-Alter. Das Fahren von Harley Davidsons ist ihm aus Sicherheitsgründen verwehrt, für Triathlon fehlt ihm die Zeit. Dafür fristet er – bei aller Macht, die er hat – ein recht freudloses Dasein. Seinem Staat fehlt das Geld, böse Konservative funken ihm dauernd dazwischen, alle paar Tage muss er mutmaßliche Terroristen töten lassen. Und: Nicht mal die Deutschen mögen ihn mehr, seitdem sein Geheimdienst unbedingt wissen will, wer sich online welche Liebesromane bestellt.

So ein Leben im Weißen Haus ist bestimmt aucch nicht so prickelnd. Sicher, es gibt immer eine warme Mahlzeit. Auch die Betten werden wohl gemacht. Aber was soll schön daran sein, wenn unter jedem Türrahmen ein breitschultriger Bauernschrank vom Sicherheitsdienst steht? Vielleicht kümmert sich Obama aus Trotz so wenig um die überfüllten US-Gefängnis oder um Guantanamo. Er ist ja selbst eingesperrt, wenngleich aus freiem Willen.

Wie schön wäre da wenigstens ein harmonisches Eheleben. Aber Pustekuchen, die Welt ist grausam. Und: Tut uns Barack Obama jetzt leid? Nein, das nicht. Wir sind neugierig. Wir freuen uns diebisch. Vor allem aber trösten wir uns. Denn wenn selbst das mächtigste Paar der Welt massivsten Beziehungsstress erlebt, geht es uns nicht schlechter. Oder sogar noch viel, viel besser…

 

 

 

Es gibt auch Helden in der Politik

Nelson Mandela - für mich ein echter Held.Es schimpft sich leicht über die Politiker. Ihnen fehle jedes Gespür für das wahre Leben. Sie seien verlogen, arrogant, ausschließlich geil auf wichtige Posten. Und sie taugten ganz und gar nichts. Weil sie nicht handelten, sondern nur schön reden würden. Das sagen wir – und rufen nach besseren Volksvertretern.

Zum Glück: Es gibt in der Politik auch Helden. Nehmen wir Nelson Mandela. Der jetzt gestorbene südafrikanische Präsident hat einen schier unfassbaren Lebenslauf. Als Anwalt der schwarzen Bevölkerung zu lebenslanger Haft verurteilt, lehnte er nach 23 Jahren im Gefängnis  seine Freilassung ab,  weil ihm die Abschaffung der Apartheid nicht zugesichert wurde. Erst weitere vier Jahre später war er ein freier Mann.

Seine wahre menschliche Größe zeigte er, als er als erster schwarzer Staatspräsident keinen Rachefeldzug gegen die ehemaligen Unterdrücker führte. Er setzte, im Gegenteil, auf eine versöhnliche Aufarbeitung der Geschichte. So wurde Nelson Mandela zum wirklich würdigen Friedensnobelpreisträger.

Gäbe es mehr Politiker/-innen dieses Kalibers, könnte man sich zurecht Hoffnungen auf eine bessere Welt machen. Aber es sind auch andere da.

Nehmen wir Hans-Peter Friedrich. Der CSU-Mann aus Naila in Oberfranken ist der nachvollziehbar schlechteste Innenminister seit vielen Jahrzehnten, vermutlich sogar seit dem Zweiten Weltkrieg. Aus einer Gegend stammend, aus der die Menschen wegziehen, hat er meistens von Vertretern seiner Partei besetzte Rolle des Überfremdungs-Mahners übernommen.

Tausende von Flüchtlingen ersaufen im Mittelmeer „Italien muss seine Hausaufgaben machen“, sagt Friedrich. Freizügigkeit für EU-Bürger/-innen? Ja, aber bloß nicht für Bulgaren und Rumänen. Auch dann nicht, wenn es überwiegend gebildete, gut ausgebildete Migranten sind. Und Rückgrat zeigen bei Großmachts-Gehabe der USA? Nicht mit Friedrich, dem großen Freund des großen Verbündeten.

Fazit: Es stimmt, dass es falsch ist, nur über die Politiker zu schimpfen. Aber dass zu oft die Falschen am Ruder sind, stimmt leider auch.

 

 

 

Kleine Sachen – große Wut

Himmel, es fällt mir nicht ein. Ich komm‘ nicht drauf, ich komm‘ nicht drauf. In der Mathematik gibt es doch so ein Wort, mit dem beschrieben wird. dass alles auch irgendwie anders und andersrum sein kann. Wonach es passieren kann, dass das Große das Kleine und das nochmal Andere im umgekehrten Verhältnis zu seiner Bedeutung steht. Nein, nicht die Wurzel. Nicht die Potenz. Reziprok, irgendwie. Und umgekehrt proportional…

Sie haben den Eindruck, dass hier ein verwirrter Mensch schreibt? Das stimmt, nach der vergangenen Woche ist das fast zwangsläufig. Die Koordinaten der Logik und der Klarheit haben sich wieder einmal völllig verschoben. Da lautete die letzte große Katastrophenmeldung zum Wochenende, dass die Post beim Porto hinlangt. Briefe werden um 2 Cent teurer.

Ja, und? Wer schreibt eigentlich noch Briefe, tütet sie ein, frankiert sie und wirft sie in den Briefkasten? Die Zahl der Opfer ist überschaubar. Mit den Reiseverlosungs-, Spendenaufrufs- und Handyangebots-Versendern habe ich kein Mitleid.

Eine ähnliche aufgeblasene Nebensächlichkeit war und ist die Gerichtsverhandlung gegen Christian Wulff. Der Ex-Präsident soll also sagenhafte Siebenhundertundeinpaarzerquetschte Euros ohne Beleg und Durchschläge um die Ecke gebracht haben.  Weil er seine völlige Unschuld beweisen will, wird nun also nachhaltigst getagt. Es wird auch eifrig berichtet, wobei manche Journalisten aus Verzweiflung über den kleinstkriminellen Stoff dazu übergehen, boulevardtechnisch hinzugucken. Der Ex-Präsident habe, wie früher, beim Reden eine Hand in die Hosentasche gesteckt, war da zu lesen. Sollte man nicht tun, vor all den Leuten.

Der andere Präsident, Uli Hoeneß, hat richtig hingelangt. Er hat die Steuer-Milliönchen dutzendfach hinterzogen. Aber die Massen lieben ihn. Seltsam, dieser FC Bayern München. Da hält ein frisch Vorbestrafter, Karl-Heinz Rummenigge, die Laudatio auf einen wahrscheinlich künftigen Vorbestraften. Und die armen Schlucker aus der Fankurve, die mangels Masse gar nicht die Chance haben, den Staat zu bescheißen, gröhlen selig: „Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!“. Sein Bruder Dieter schwadroniert gar über eine „öffentliche Hinrichtung“.

Die hatten wir, allerdings beim anderen Präsidenten. Dem tut das höhere Porto der Post vielleicht tatsächlich weh. Es ist eben, wie gesagt, alles irgendwie reziprok oder so. Der nächste Beweis dafür kommt bald: Eine große Koalition bringt kleine Ergebnisse.

 

 

Triumphzug nach Stadelheim

Beim Bier habe ich gestern Abend diesen Satz gehört: „Der soll doch 50 Millionen Strafe zahlen und Ruhe ist. So einen einsperren. Das geht doch nicht.“ So einer, das ist Uli Hoeneß. Der große Lenker der Fußballwelt muss sich im kommenden Jahr als Steuersünder vor Gericht verantworten. Es könnte eine Haftstrafe geben.

Tatsächlich tun sich viele Menschen schwer mit diesem Gedanken. Uli Hoeneß betrachten sie als Fixstern im letzten großen Männerkosmos. „So einer“ erscheint ihnen als jemand, der weit außerhalb unseres Koordinatensystems steht. Wenngleich nicht unfehlbar, so doch irgendwie unantastbar. Man darf davon ausgehen, dass das zuständige Gericht unter medialem Beschuss beraten wird. Zumal die befreundete Lichtgestalt Franz Beckenbauer schon jetzt raunt, dass man doch nicht so streng sein soll mit einem Menschen, „der mal einen Fehler gemacht hat“.

Was aber, wenn sich unabhängige Richter finden, die alle Menschen gleich behandeln wollen? Dann hat Hoeneß schlechte Papiere. Weil klar werden wird, dass er sich in Sachen Geld wie ein gewöhnlicher Krimineller verhalten, dass er ein Leben nach der Formel „Gier frisst Hirn“ geführt hat. Für zwei Jahre Knast reichen seine Schwarzgeldtouren allemal.

Das Fußballvolk und dessen Verbündete werden ihn nicht fallen lassen. Die armen Schlucker aus der Fankurve werden Transparente mit der Aufschrift „Free Uli!“ hochhalten. Der Scheich von Katar wird dem bedrängten Präsidenten politisches Asyl anbieten.

Und wenn das alles nichts hilft, werden sie an dem Tag, an dem der Kleinbus Richtung Gefängnis abfährt, die Straßen säumen. Sie werden ihre schönsten Wies’n-Trachten anziehen und dem Deliquenten mit rot-weißen Taschentüchern nachwinken. Sky wird das Ganze unverschlüsselt übertragen. Von diesem Triumphzug nach Stadelheimn wird man noch in hundert Jahren reden. „So einer“ verschwindet nicht „einfach so“.