Posts Tagged ‘Politik’

März 26th, 2012

Das Saarland wird abgeschafft

Als Angehöriger einer im eigenen Bundesland unterdrückten Minderheit, den Franken, sollte man ich mit Schmähungen von Randgruppen zurückhalten. Aber ich kann es nicht anders schreiben: Seit gestern lehne ich das Wort “Saarland” in allen Schreibweisen und Darstellungsformen ab. Es war einfach zu viel.

800.000 Menschen leben in diesem “Bundesland”. Das ist hierzulande das Format einer Großstadt, das würde aber zum Beispiel in Istanbul nur für einen weniger bedeutenden Stadtteil reichen. Trotzdem: Im Fernsehen gab es Sonntagabend stundenlang Prognosen, Hochrechnungen, Interviews, Analysen, Kommentare und eine Elefantenrunde.

Kurzum, es wurde das seit Jahrzehnten erprobte komplette Repertoire für Landtagswahlen abgespielt. Endlos lange wurde geredet, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass diese bessere Kommunalwahl irgendeine Bedeutung für Deutschland, Europa und die Welt hätte.

Aber das ist falsch. Vom Saarland wissen wir doch bloß, dass es deswegen mal Ärger mit den Franzosen gegeben hat, dass Erich Honecker dort geboren wurde und dass die Leute einen eigenwilligen Dialekt sprechen. Wir wissen, dass der alte Oskar Lafontaine dort immer noch Politik macht, dass die Landesmutter einen Doppelnamen hat, der in kein Überschrift passt und dass die FDP dort nur wenige Stimmen mehr bekommt als die NPD. Ansonsten kommt dieses Land nicht mal in der Zweiten Fußball-Bundesliga vor. Als Ort für umwälzende Ereignisse ist es somit völlig überschätzt.

Und noch etwas wissen wir: Aus Saarbrücken kommt Deutschlands schlechtester “Tatort”. Aus Franken dagegen gar keiner. Lasst uns zeigen, dass wir es besser können. Das Saarland wird abgeschafft. Dann werdet Ihr schon sehen.

Januar 7th, 2012

Röslers Mitte hilft uns gar nicht

Also sprach Philipp Rösler: “Wir brauchen Wachstum in der Mitte.” So also stellt sich der FDP-Chef den Weg zur Rettung des Landes, seiner Partei und seiner eigenen Jobs vor. Warum das alles so gut sein soll, sagt er aber nicht.

Wir alle wissen, dass sich außer der Linken alle Bundestagsparteien in “der Mitte” daheim fühlen. Das liegt wohl daran, dass man dort die große Masse an Menschen und somit das größte Wählerpotenzial vermutet. Wahrscheinlich denkt man auch, dass dort Eigenschaften wie Vernunft, Politikverstand und Duldsamkeit verortet sind.

Das Zentrum hat aber einen großen Nachteil: Es ist nur bedingt zukunftsfähig. Die Masse der Vernünftigen strebt vor allem danach, gut zu funktionieren. Kreativität, die Lust auf Veränderung, kommt hingegen meistens von den Rändern. Das Wort “Mittelstand”, das jeder FDP-Chef permanent vorbeten muss muss, signalisiert keinesfalls die Lust auf Bewegung.

Und wenn man sich einen normal proportionierten Menschen anschaut, so sitzt die Mitte irgendwo in der Nähe des Bauchnabels. Dort wächst also in erster Linie das Bauchfett.

Wachstum in der Mitte führt also letztlich zur Figur von Helmut Kohl. Und einen solchen Politiker wollen wir so schnell nicht wieder haben. Nicht mal als FDP-Chef. Schlechtes Motto, Herr Rösler!

Januar 2nd, 2012

Seehofer, der scheinheilige Rentenzweifler

Was bringt das neue Jahr – außer guten Vorsätzen, die man schnell vergisst? 2012 ist es die Aussicht auf mehr Arbeit. Mehr Lebensarbeit. Denn die Aktion “Rente mit 67″ beginnt. Und schon schlägt die Stunde des großen Populisten Horst Seehofer.

Falls das Rentenalter steige, ohne dass es mehr Arbeit für Ältere gebe, sei das eine Rentenkürzung durch die Hintertür. Und das sei nicht sozial, hat der bayerische Ministerpräsident fein erkannt. Allerdings ist er mit dieser Kritik der Zweifelsheuchler der alten CSU-Schule. Als solcher folgt er diesem Prinzip: Mitregieren, mitbeschließen, kritisieren, Nachdenken fordern – und dann weitermachen wie zuvor beschlossen. Ernst nehmen müsste man das nicht, wenn es nicht noch immer Menschen gäbe, die auf diese Masche hereinfallen.

Aber wie ist es denn nun, mit der Rente ab 67? Ich halte dieses Gesetz für unsozial. Sicher, es ist ein Argument, dass längeres Arbeiten möglich sein müsste, wenn es immer weniger junge Leute gibt und der Altersdurchschnitt steigt. Nicht in Ordnung ist allerdings, dass wie so oft vor allem jene Menschen benachteiligt werden, denen es ohnehin wirtschaftlich schlechter geht.

Wer einfachere, schlechter bezahlte körperliche Arbeit macht, hat einen höheren Verschleiß. Er wird also früher aus dem Berufsleben ausscheiden. Das bedeutet kräftige Abstriche.

Auf der anderen Seite gibt es genug Menschen, die in ihrem Beruf weitermachen möchten und könnten. Die es aber nicht dürfen, weil es eine Altersgrenze gibt. Sinnvoll ist auch das nicht.

Es bräuchte also Regelungen, die an den jeweiligen Einzelfall angepasst ist. Wirklich? Wo das hinführt, zeigt das Steuerrecht. Die Sache wird elend kompliziert – und ist am Ende auch nicht gerecht.

Man kann es mit den Rentnern also eigentlich nur mehr oder weniger falsch machen. Wünschen wir also Horst Seehofer alles Gute für seinen Kampf gegen die Rente mit 67. Und arbeiten wir stattdessen schon mal für ein besseres Image der Rentner. Auch da gibt es viel zu tun, wie dieser Satz zeigt: “Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.” Gesagt hat ihn der Dichter Jean-Jacques Rousseau irgendwann im 18. Jahrhundert. Seien wir ehrlich: Manche sehen das noch heute so.

Dezember 19th, 2011

Wenn der Bock zum Gärtner wird

Nur wer das Böse kennt, kann dem Guten dienen. Wie das gemeint ist, erkläre ich am Beispiel unseres vorerst gescheiterten Starpolitikers Karl-Theodor zu Guttenberg in meinem aktuellen Video.

Dezember 10th, 2011

Menschenrechte? Es gibt immer was zu tun

“Es gibt immer was zu tun.” In unserer durchgeregelten und mitunter etwas gelangweilten Gesellschaft kommt dieser Satz am Ende einer Baumarkt-Werbung. Irgendwann aber sind Gartenteich und Carport fertig. Weshalb sich der Blick auf ein Thema lohnt, bei dem unsere Eingangs-Feststellung vermutlich bis zur Ewigkeit stimmen wird. Nämlich auf die Menschenrechte.

Der 10. Dezember ist der von den Vereinten Nationen ausgerufene Tag der Menschenrechte. Seit 1948. Der erste Satz in der dazugehörigen Erklärung lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Das liest sich auf den ersten Blick gar nicht kompliziert. Es ist ja nur logisch, dass ein Kind, unschuldig wie es ist, genauso viel wert sein muss wie alle anderen, die zur gleichen Zeit auf die Welt kommen.

Tja, aber beim zweiten Blick zeigt sich, dass es möglich ist, in einer schlichten Satz mit elf Wörtern eine schier unlösbare Aufgabe zu verpacken. Man muss ja nicht einmal in Gegenden schauen, in denen die Mächtigen ihre ganz persönlichen Menschenrechte definieren, an denen sich die Untertanen gefälligst zu orientieren haben. Man muss gar nicht daran denken, dass unfassbar oft Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht darüber entscheiden, ob man ein Leben lang unten oder oben steht. Es wäre ja schon schön, wenn es zumindest bei uns gleiche Würde, gleiche Rechte und gleiche Chancen gäbe.

Nicht mal dazu reicht es. Aber soll man deshalb aufgeben? Der zurzeit geradezu kultisch verehrte alte Mann namens Helmut Schmidt hat einmal gesagt: “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.” Mag sein, dass er recht hat. Weitaus sympathischer ist mir aber ein Zitat von Che Guevara: “Seien wir Realisten. Wagen wir das Unmögliche.”

Auf dieser Basis könnte sich jede/r für die Menschenrechte engagieren. Allerdings: Beim Bau eines Gartenteichs ist der schnelle Erfolg wahrscheinlicher.

November 19th, 2011

Merkel im Weltall, und andere große Fragen

Ist es nicht gut, dass wir unsere Politiker(innen) haben? Sie sind unsere zuverlässige Zielscheibe für Spott und Schimpf und Schande. Und sie übernehmen kraft Amtes die Verantwortung für Themen, die sie selbst kaum, wir aber schon gar nicht verstehen. Ja, sie erklären uns alles. Wir hingegen können es uns leisten, dass uns die Zukunft des Euro-Rettungsschirmes gelegentlich egal ist. Darum kümmern sich ja die Gewählten.

Aber: Steckt nicht auch in Angela Merkel ein kleiner, ganz normaler Mensch? Jemand, der sich nach Antworten auf wirklich bewegende Fragen sehnt. Warum ist der Himmel blau? Sind wir alleine im Weltall und falls nein, was ändert sich dadurch? Gibt es Äpfel, die weit vom Stamm fallen? Erschrecken Mitarbeiter der Deutschen Bahn, wenn ein Zug pünktlich ankommt? Warum wurde die Currywurst nicht vom Asiaten erfunden? Warum gerät der 1. FC Nürnberg immer dann in Abstiegsgefahr, wenn alle denken, dass es nur noch besser werden kann?

Die Kanzlerin verzichtet offenbar auf solche Gedanken. Sie tut, was sie zu tun hat: Sie gibt Antworten. Auf dem youtube-Kanal der Bundesregierung hat sie sich jetzt zu Fragen von Usern geäußert. Die wollten wissen, wie es sein kann, dass sich ausgerechnet Gut- und Großverdiener aus dem sozialen System der gesetzlichen Krankenkasse ausklinken dürfen. Oder warum die Bundestagsabgeordneten selbst über ihre Diäten bestimmen dürfen.

Ich finde das gerade sehr langweilig. Ich würde lieber wissen, warum Sekundenkleber überall klebt, bloß nicht in der Tube. Ich will auch wissen, warum am Ende meiner Supermarkt-Schlange immer die langsamste Kassiererin sitzt oder warum Ampeln immer dann auf Rot schalten, wenn ich darauf zufahre.

Gäbe es eine Partei, die sich endlich diesen existenziellen Fragen widmen würde – ich würde sie auf der Stelle wählen. Bis dahin lauschen wir eben unserer Frau Merkel…

http://www.youtube.com/user/bundesregierung?v=jstPfMyM5rw&feature=pyv&ad=8690663199&kw=bundesregierung

November 15th, 2011

Schlapphüte in die Altkleidersammlung!

Nahezu jedes politische Ereignis hat für mich einen Schuss Komik, der es möglich macht, darüber zu schmunzeln. Wenn es um den Kampf gegen rechtsextreme Mörder geht, kommt bei mir allerdings überhaupt keine Ironie mehr auf. Die Verlogenheit insbesondere konservativer Politiker ist für mich nur noch unerträglich.

Das Reaktionsmuster auf Anschläge oder auf das Entlarven von Neonazis ist immer gleich und deshalb leicht durchschaubar. Es gibt einen Aufschrei, es wird geklagt, dass man mit einer völlig neuen Dimension von Menschenverachtung konfrontiert sei. Mit einem Terror, der wie aus dem Nichts über dieses Land gekommen sei.

Aber man werde so hart reagieren wie nie zuvor. Deshalb wird jetzt wieder ein Verbot der NPD ins Gespräch gebracht. Ich nehme jede Wette an (bitte für Gegenangebote die Kommentarfunktion nutzen), dass es dazu nicht kommen wird. Das Stichwort NPD-Verbot dient vielmehr dazu, die Bevölkerung zu beruhigen und Handlungsfähigkeit vorzuspielen. Sobald die Diskussion um braune Killer abgeebbt ist, wird man die Gegenargumente stärker ins Feld führen. Schließlich wird man vom Verbot “Abstand nehmen”. Was übrigens sowieso meine Meinung ist. Ich finde, eine Demokratie muss stark genug sein, die Existenz extremistischer Parteien zu ertragen.

Aber was wird dafür getan, um die demokratische Auseinandersetzung mit den Rechten zu führen? Sobald sich nach einer Gewalttat Netzwerke gegen Rechts gründen, bejubelt die Politik den “Aufstand der Anständigen”. Aber dann erfährt man, dass der bayerische Verfassungsschutz nicht nur V-Leute in Nazi-Verbindungen bezahlt und so das Treiben dieser Partei mitfinanziert, sondern – zwecks Rettung der Demokratie – einen KZ-Überlebenden bespitzeln lässt.

Weiteres Beispiel: Die antifaschistische Informationsstelle namens “a.i.d.a.” mit Sitz in München, die Fakten über die Neonazi-Szene sammelt, bekommt auf Bundesebene Preise für Zivilcourage. Sie hat die sächsischen Sicherheitsbehörden mit Informationen unterstützten, wird aber vom bayerischen Verfassungsschutz als tendenziell linksextrem eingestuft und beobachtet. Mit der Folge, dass sie nicht als gemeinnützig anerkannt ist. Staatliche Zuschüsse für Projekte von a.i.d.a. gibt es deshalb nicht.

Ein weiteres Beispiel: Wer sich in Dresden auf die Straße setzt, um einen Marsch von Neonazis zu blockieren, muss hinterher erfahren, dass die Sicherheitsbehörden sein Handy abgehört haben. Weil er ja ein Grundrecht verletzt hat.

Ich bin dafür, dass die berühmten “Schlapphüte” in die Altkleidersammlung kommen, dass der Verfassungsschutz abgeschafft wird. Für Kriminelle gibt es die Polizei. Sollte allerdings bekannt werden, dass Leute beobachtet werden, die andere Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten oder hausen lassen oder dass Handys von Unternehmern abgehört wurden, die verfassungswidrig das Streikrecht behindert haben – dann sind wir vielleicht wieder im Geschäft. Aber nur dann.

November 9th, 2011

Silvio, jetzt nimm doch mal die Maske ab

Irgendwann muss jeder gehen...

Irgendwann muss jeder gehen...

Caduto! (Gestürzt!) Finalmente! (Endlich!) Santo subito! (Heilig, sofort!) Halt, ganz am Schluss war ich auf der falschen Baustelle. Kaum jemand käme ja auf die Idee, den italienischen Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi heilig zu sprechen. Außer er selbst, versteht sich. Viele, viele andere Menschen sind glücklich über seinen baldigen Rücktritt.

Als Blogger mit einem Herz für Kurioses werde ich den Cavaliere im Falle seines tatsächlichen Verschwindens auch vermissen. Denn er war stets ein zuverlässiger Click-Generator. Bezogen auf die meistgelesenen Beiträge meines Blogs ist er die Kader Loth der europäischen Politik. Ein irrealer Typ, dessen Haare wie aufgeklebt und hingetatscht aussehen und bei dessen maskenhaftem Gesicht man sich inzwischen fragt, ob darin nicht schon mehr Falten weggebügelt wurden als im Gesicht von Cher.

Berlusconi, das ist ein mit Testosteron getunter Gerhard Schröder. Ein Regierungschef, der sich keine Mühe gibt, seine Niveaulosigkeit durch schlaues Gerede zu kaschieren. Eine Beschreibung für Barack Obama wie “Er ist jung, gut aussehend und gut gebräunt” kann nur von ihm kommen. Schließlich ist er ein Medien-Mogul, der seinen Landsleuten auf allen Kanälen vorführen lässt, wie Frauen auszusehen haben: Brünette Mähne, möglichst blaue Augen, Traumfigur und ganz lange Beine auf sehr hohen Schuhen.

Über die Frage, wie er sich überhaupt so lange halten konnte, rätselt die halbe Welt. Ich sehe es so: Die Leute glaubten an ihn, dass er “den Menschen Arbeit gibt”, wie mir ein Italiener mal erklärt hat. Es wurde bewundert, wie er sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Berlusconi verkörpert den Typ des Unternehmers, der gegen alle Widerstände von Behörden und/oder Staat sein Ding macht. Er beherrscht die typischen Konversations-Gesten der Italiener perfekt. Und seine Frauen-/Mädchen-Affären? Er arbeitet doch auch viel. Ein erfolgreicher Mann muss sich auch mal etwas gönnen dürfen.

So haben das viele im Volk gesehen. Silvio Berlusconi auch. Ob er geht, ist für mich noch nicht sicher. Da fehlen noch einige Beratungen mit seinen Anwälten. Wenn es aber so kommen sollte, wie er jetzt gerade scheint, dann habe ich einen Wunsch: “Bitte, Silvio, nimm beim Abschied deine Maske ab. Ich möchte wissen, wer du wirklich bist.”

September 4th, 2011

780 Milliarden Euro? Was ist das eigentlich?

Tag für Tag hören wir von der Eurokrise und vom Rettungsschirm. Und – zumindest gefühlt – täglich steigt die Summe, um die es beim Retten hoch verschuldeter Staaten geht. Je mehr Geld dranhängt, desto größer wird die Angst, dass ein möglicher Aufprall umso schlimmer wird. Aktuell sind wir bei 780 Milliarden Euro.

Diese Summe ist so riesig, dass man nicht mehr begreifen kann, was sie bedeutet. Ich habe mir den Spaß gegönnt, diese 780 Milliarden mit Unterstützung meiner Twitter-Freunde zu “übersetzen”. Es war furchtbar. Denn immer wieder kamen Zahlen heraus, die ich selber nicht glauben wollte. Ich habe praktisch jede Rechnung vier Mal überprüft. Aber es blieb unfassbar.

Mit diesem Geld könnte man 38 Millionen mittlere VW Golf kaufen, man könnte bei uns in Nürnberg drei Millionen familientaugliche Wohnungen erwerben. Man könnte zirka 39.000 Schulen bauen oer Angela Merkels Gehalt 280.000 Jahre lang bezahlen. Der Volkfest-Wirt, den ich heute besucht habe, könnte acht Mal die komplette Weltbevölkerung zum Schweinshax’n einladen.

Bei 327 Millionen Menschen in der Eurozone könnte man jedem Einwohner, vom Baby bis zum Greis, 2385 Euro schenken. Ebenso gut könnte man 288 Millionen Mal das deutsche Durchschnittsgehalt von 2.700 Euro auszahlen. Oder 67 Jahre lang den deutschen Bildungsetat bezahlen.

Besonders beeindruckend finde ich aber dieses Rechenbeispiel: Ein Mensch mit genau 100 Tagen Lebensjahren müsste täglich 21,369 Millionen Euro ausgeben, um den Rettungsschirm-Betrag zu erreichen. Wer bitte soll das schaffen? Außer vielleicht Uli Hoeneß während der Transferperiode? Selbst Tatjana Gsell in ihrer Glanzzeit wäre an dieser Aufgabe gescheitert.

Der Wahnsinn in Euroland ist also groß. So groß, dass man Politiker irgendwo verstehen kann, wenn sie selber nicht mehr durchblicken. Vielleicht ist die Sache schon so galaktisch, wie es mir ein Facebook-Freund angedeutet hat (wobei ich da noch bei 750 Milliarden war): “Das ist die unterste Grenze der Sonnenmassen, die man dem Andromeda-Nebel zuschreibt. Es können auch mehr sein. Dazwischen sind viele schwarze Löcher, in den alles verschwindet.” Schau an, schau an: Griechenland gibt es also auch im All.

Juli 26th, 2011

Kaufhof-Rettung? Da hilft nur Geld.

Kennen Sie den? Den Primat der Politik? Dieser Begriff steht für die Meinung, dass bei wichtigen Entscheidungen der politische Wille Vorrang vor allen anderen Interessen, insbesondere vor wirtschaftlichen, haben sollte. Manchmal aber ist dieser Primat ein Witz. Aus gutem Grund.

Namhafte Gelehrte bezweifeln ohnehin längst, dass eine Welt funktionieren kann, in der die Politiker/-innen stets zuallererst den Ton angeben. Sie beschäftigen sich dabei gerne mit der Globalisierung. Ich nehme ein Nürnberger Thema. Den Kaufhof.

Jüngst hatte ich geschildert, dass mich das für 2012 geplante Aus für das traditionsreiche Nürnberger Südstadt-Kaufhaus richtig traurig macht. Mich verbinden damit viele persönliche Erinnerungen. Auch zahlreiche andere Menschen zeigten sich geschockt.

Alle, die in dieser Gegend Verantwortung tragen, sollten daher schleunigst gemeinsam nach der besten Lösung für die Zukunft suchen. Meint man. Aber das gelingt nicht. Zurzeit jedenfalls sucht offenbar jede Partei nach einer eigenen Lösung, die Einzelhändler-Vereinigung “Südstadt Aktiv” verbündet sich ganz offiziell mit der CSU,  bedient sich aber auch bei Ideen bei der SPD. Aus Sicht der Bürger entwickelt sich ein “Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Spiel”. Am vergangenen Samstag waren auf dem Aufseßplatz zwei Stände zum Thema Kaufhof aufgebaut. Ein seltsames Bild.

So werden die Akteure nicht zum Ziel kommen. Den Primat der Politik kann man vergessen. Es hilft nur jemand, der den Mut hat, in diesen grauen Kasten viel Geld zu investieren. “It’s the econonmy, stupid” – es kommt darauf an, was die Wirtschaft sagt. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat mit seinem berühmten Satz in Sachen Nürnberger Südstadt recht. Und das ist ja auch ein globaler Aspekt.

 

 

 

 

 

Mai 22nd, 2011

Liebe Männer: Finger weg von Teilzeit!

Zwei Typen von Menschen verursachen mir Pickel auf der Seele: Vorneweg notorische Lächler, die anderen Leuten genauestens erklären, was “Glück” ist und wie man dahin kommt. Und außerdem Experten, die behaupten, dass sie die Zukunft kennen.

Eine solche Einrichtung ist die Bertelsmann-Stiftung. Diese beschäftigt sich damit, die Gesellschaft zu erforschen und den Spitzen der Politik Entscheidungshilfen für Themen zu geben, von denen diese nichts verstehen. Zu Fragen von Familie und Kindererziehung zum Beispiel. Politiker/-innen sind ja selten daheim.

Diese mächtige Stiftung hat also eine Umfrage in Auftrag gegeben. Und siehe da: Für sechs von zehn Deutschen ist der männliche Alleinverdiener in der Familie ein Auslaufmodell. Wobei das für mehr als 30 Prozent der Befragten mit dem gesellschaftlichen Fortschritt zu tun hat. Frauen seien grundsätzlich berufstätig und sollten in Gesellschaft und Beruf gleichberechtigt sein, meint diese Gruppe. Der Aussage, dass es wichtig sei, dass auch Frauen Karriere machen könnten, stimmen dann allerdings nur noch 17 Prozent in Ostdeutschland und äußerst magere fünf Prozent im Westen zu.

Wenn das mit dem Auslaufmodell “Papa Dagobert” stimmen sollte, würde das allerdings bedeuten, dass es in Zukunft immer mehr Teilzeit-Männer gäbe. Und da muss ich leider warnen und deutlich sagen: Liebe Männer, Finger weg! Lasst es bleiben!

Unsere Wirtschaft ist nämlich noch weit weg von dieser Zukunft. Frauen, die zuerst in die Familienpause gehen und danach Teilzeit arbeiten, können froh sein, wenn sie das Karriereniveau aus der Zeit vor der Geburt ihres Kindes erhalten können. Eine berufliche Förderung von Teilzeitkräften gibt es selten, weil zumeist männliche Chefs ihre Mitarbeiter/-innen ausschließlich anhand ihres eigenen Verhalten bewerten. Was bedeutet: Karriere wird durch ständige Präsenz, also im Grunde genommen mit dem Gesäß gemacht. Wer seltener da ist, arbeitet zwar meistens effektiver, verschwindet aber vom Aufstiegs-Radar.

Der wahre Grund, warum sich die Gesellschaft weg vom Alleinverdiener entwickelt, ist doch, dass dann Geld und Sicherheit nicht reichen. Es wäre reizvoll und wichtig, wenn Väter eine Chance hätte, ihre Kinder zu betreuen oder wenigstens zu kennen. Aber dafür müsste sich unsere Wirtschaft gewaltig ändern.

Und wann wird das sein? Da halt ich mich an den Dichter George Bernhard Shaw: “Prognosen sind schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.”

März 9th, 2011

Seehofer hat lieber Mut als Mist

Aufgepasst: Wir leben in einem “Premiumland”. So hat es Horst Seehofer auf dem Politischen Aschermittwoch der CSU verkündet. Gemeint hat er mit Sicherheit vor allem Oberbayern. Stimmungsmäßig geholfen hat ihm der oberfränkische Freiherr.

Während der Rede des Parteichefs war der Jubel nämlich am lautetesten, als Seehofer versprach, er werde persönlich dafür sorgen, dass Karl Theodor zu Guttenberg/ in die große Politik zurückkehren kann.

Januar 30th, 2011

Mein Rat: Junge Leute in die Politik!

Das Leben könnte so einfach sein. Würde ich bloß auf die richtigen Leute hören. So etwa auf den grießgrämigen Genmanipulator Thilo Sarrazin und auf dessen Ehefrau, die fiese Lehrerin. Ich wüsste dann, dass die Jugend schlecht, faul und unfähig ist. Ich wüsste, dass sich Deutschland abschafft und dass ich froh sein darf, wenn ich später von meinem bisschen Rente leben kann.

Mein Weltbild wäre nicht wirklich schön, aber klar und somit insgesamt in Ordnung. Bloß: Ich höre nicht auf die Sarrazins. Sondern schaue selber hin.

Januar 6th, 2011

Dioxin-Eier: Wir sind Opfer und Komplizen

Die Eier des Todes: Leider auch von uns gemacht.

Die Eier des Todes: Leider auch von uns gemacht.

Es ist wieder soweit! Dieser Text-Einstieg gilt zurecht als der Ausbund an Phantasielosigkeit. Geduldet wird er allerdings bei Ereignissen, die unausweichlich in einer immer gleichen Form wiederkehren. So wie Volksfeste, Karnevalssitzungen, Kreiskaninchenschauen – und Lebensmittelsskandale. Jetzt also ist es Dioxin in den Eiern. Der Skandal weitet sich aus, den Verbrauchern kommen die Omelettes der letzten 30 Tage hoch, die Politik handelt energisch wie nie. Das alles passiert aber nur, damit in spätestens vier Wochen alles wie gewohnt weiterläuft.

November 25th, 2010

Polit-Quatsch kann terroristisch sein

Darf man über Terrorismus Witze machen? Spontane Antwort: Niemals! Schließlich ist es entsetzlich, wenn irgendwelche Idioten massenhaft Menschen in den Tod reißen. Zweite Antwort: Manchmal kommt man an der Komik der Akteure nicht vorbei.

So habe ich mir beim Betrachten von Bin-Laden-Videos gedacht, dass ich das bei Monty Python schon besser gesehen habe. Es ist für mich auch eine kuriose Vorstellung, dass es das pure Glück eines glutäugigen Islam-Fanatikers sein soll, 72 kichernde Teenager (Jungfrauen) zur freien Verfügung zu haben. Aber es gibt auch diesen Terrorismus des blanken Unsinns. Der  dann auftaucht, wenn Politiker der Bevölkerung erklären wollen, was dringend passieren muss, damit nichts passieren kann. So wie Siegfried Kauder.