Wenn der Schoßhund leise knurrt

Unverehrte Autobosse, Ihr habt ausgehupt. Jetzt wird Klartext geredet! Ihr, die Eroberer des Weltmarktes, die famos überbezahlten Privatjet-Nutzer, habt es übertrieben. Ihr habt betrogen, gelogen – und den Ruf sämtlicher deutscher Wertarbeit beschädigt. Schämt Euch! Und bringt Eure Läden gefälligst in Ordnung.

So tönte es in den Festreden zur Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt/Main. Wo in anderen Jahren das hohe Lied des deutschen Innovationsgeistes gesungen wurde, wo Autokanzlerin und Autokanzler nur zu gerne den Duft noch unbenutzter Ledersitze einsogen, war jetzt der Tag der Bußpredigt. Selbst unsere Weltmeisterin des Jeins, Angela Merkel, fand deutliche Worte. Glaubwürdigkeit müsse schnellstmöglich wieder hergestellt werden. Punkt.

Die Bosse lauschten mit ernster Miene. Aber erschüttert werden sie kaum gewesen sein. Ihnen war klar, dass sich die Kanzlerin so kurz vor der Bundestagswahl nicht anders äußern konnte.  Es muss sich ja zumindest so anhören, als gäbe es keinen Filz zwischen Regierung und Industrie. „Ach ja, das geht vorbei“, werden sich die Manager gedacht haben. Und wahrscheinlich auch: „Nur noch zehn Tage bis zu Schwarz-Gelb.“

Wer die passenden Politiker behalten möchte, muss ihnen ein wenig Gemaule zugestehen. Wie den  CSU-Vertretern Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer. Beiden hatten ihre PR-Berater aufgeschrieben, dass man in der Öffentlichkeit sagen sollte, dass die Autofirmen nunmehr eine „verdammte Aufgabe“ und eine „verdammte Pflicht“ hätten, ihren Schutt wegzuräumen.

„Verdammt“, das klingt kraftvoll und unabhängig. Das klingt nach klarem Befehl, der zu erfüllen ist, um der Verdammnis zu entgehen. Es klingt, als müssten die Bosse damit rechnen, auf ewig im Abgas  riesiger Verbrennungsmotoren in der Hölle zu schmoren.

Sie werden geschmunzelt haben. Denn sie wissen, dass man der Politik bloß das richtige Futter geben muss. 870.000 Arbeitsplätze zum Beispiel. So macht man das, so hilft das – wenn der Schoßhund leise knurrt.