Das Pferd, das sie Rind nannten

Kennen Sie diesen Film? „Das Pferd, das sie Rind nannten.“ Anlässlich des aktuellen Lebensmittelskandals könnte dieser Streifen gedreht werden. Mit zahlreichen dokumentarischen Einschüben aus Nachrichtensendungen und empörten Stellungnahmen von Politikern. Ich frage mich? Warum eigentlich diese Aufregung?

Ein echter Skandal ist es doch, wenn man etwas Schlechteres bekommt, als versprochen wurde. Pferdefleisch jedoch ist grundsätzlich besser als das Fleisch von Rindern oder gar von hormongemästeten Superschweinen. Sein Verzehr ist bloß ungewohnt. Und natürlich ist uns das Ross eher ein geschätzter Freund. Kühe werden keine Olympiasieger. Aber kühl betrachtet lautet unser Aufschrei so: „Ich wollte einen Opel. Und musste einen BMW nehmen.“

Kein Vergleich jedenfalls zu den früheren Lebensmittelskandalen. An Glykol im Wein sind Menschen gestorben. Fischwürmer und Gammelfleisch-Döner haben Übelkeit ausgelöst. BSE galt als Frontalangriff auf unsere Hirngesundheit, in Schweinefutter wurde das Ultragift Dioxin gefunden. Und, und, und…

Lebensmittel als solche galten deshalb immer wieder als grundsätzlich lebensvernichtend. Obwohl wir doch dank „Dschungelcamp“ wissen, dass der Mensch viel mehr verträgt, als man allgemein so denkt.

Womit wir beim Kern des Problems wären: Wie kann jemand, der im Supermarkt tiefgekühlte Fertigkost kauft, empört sein, weil er betrogen wurde? Das ist gar nicht möglich, denn dieser ganze Fraß ist ein einziger Beschiss. Wer das nicht glauben will, lese bitte die Zutatenliste. Nein, wir essen alles, ohne groß nachzudenken. Weil wir den Geschmack verschiedener Essen eh nicht mehr auseinander halten können.

Wir sind also auch selber schuld. Martin Luther würde sich mächtig über uns wundern und in seiner Verwirrung vielleicht diesen Satz sagen: „Wenn ich wüsste, dass meine Lasagnenudel ab morgen aus Styropor ist, würde ich heute ein Pferd schlachten.“ Amen.