Der Kunde ist Opfer. Teil 1: Der Toner

Achtung, hier beginnt eine Trilogie. Genauer gesagt, eine Kunden-Tragödie in drei Akten. Ich schreibe sie in der festen Erkenntnis, dass die Menschen in diesem Wirtschaftssystem verarscht werden. Aus Gründen der Authentizität sind fränkische Zitate unvermeidbar. Teil eins: Der Toner.

Ehrlich, ich war stolz auf meinen koreanischen Drucker. Ach was, Drucker. Ein Gerät mit Kopier- und Scanfunktion, eine vervielfältigende Wollmilchsau sozusagen. Und zu einem Preis, der noch vor fünf Jahren für einen Laserdrucker bestenfalls als schüchterne Anzahlung gereicht hätte. Irgendwas knapp unter 200 Euro. Ein allerfeinstes Geiz-Geil-Schnäppchen also. Das Gerät arbeitete gut. Aber dann: Blink, blink, der Toner ist leer. Wir wissen: Der Toner ist dem Drucker sein Akku. Also immer futsch, wenn du ihn dringend brauchst. Auf zur Ersatzbeschaffung.

Erste Station: Eine „Tinten-Tankstelle“. Der Verkäufer mustert den mitgebrachten Toner-Behälter und stellt die gnadenlose Frage: „Welcher Dübb iss’n Ihr Druggär?“ Die angemessene Antwort „Meistens netter als ich gleich bin, du Hirni“ verkneift man sich. Also Schulterzucken und der Hinweis an den Experten, dass der Firmenname draufstehe und dass es doch eine Seriennummer geben müsse. „Waddens. Ja, doh. Iich gebs amohl in mein Kombjuder ei.“ Gefühlte zehn Minuten später die erlösende Botschaft: „Dou hammern. Obä, den mäimer beschdelln. Villeichd wär’s ja besser, wenn Sie dahamm noch amohl wecha dem Dübb nochschauerdn. Wall wissns, ma schdeggd ja ned drinn.“

Na gut, fragen wir die Konkurrenz. Zweites Geschäft, der Verkäufer ist sauber gekämmt, ein Scheitel, wie mit der Streitaxt gezogen. Er spricht hochdeutsch. „Grüß Gott, ich bräuchte einen Toner für einen S……. M 2070. Schwarz-weiß reicht.“ Verkäufer: „Moment, ich geb‘ das mal in meinen Computer ein. Ja, da ist er.“ „Bin ich jetzt froh.“ „Ja, aber den haben wir nicht im Sortiment.“ „Wie? Jetzt?“ „Den kriegen Sie bei uns nicht.“ „Sie wollen mir also jetzt sagen, dass ich einen Toner, den ich ohne Problem von daheim aus bestellen könnte, bei Ihnen nicht kriege?“ „Exakt.“ „Sie verarschen mich.“ „Nö.“ „Sie wollen mich nicht als Kunden?“ “ Na ja, das ist zu hart ausgedrückt.“ „Sie meinen es ernst?“ „Exakt.“

Die anschließende Google-Suche – zwecks Lieferzeiten-Vermeidung dringend angeraten – führt mich zu „flinken Printware-Profis“ in meiner Nachbarschaft. Sensibilisiert durch meine Erfahrungen will ich erst mal wissen, ob der Toner vorrätig ist. Telefon wird abgehoben.  „Trallitralla, Dings, Dings. Wos konni fiehr Sie duhn?“ Kurze Problemschilderung. „Ja, den konn ich besorgn. Bis morgn middoch.“ Und was kostet der? „44 Euro – und die Schdeuer  gäihd eggsdra.“ „Wie? Hallo? Das ist fast teurer als der Drucker.“

„Ja und, wäi mahner nou Sie, dass unsere Kondserne ihr Geld verdienä? Immä iieber die Ersaddsdeile.Als Kosumend willmer a Schnäbbchen – dofür bezohld mer dann hinterher.“ „Ja, aber 44 Euro?“ „Des is wecherm Badend. Dou is a Badend-Schudds draaf.“ „Aber Toner gibt’s seit Jahrzehnten.“ „Dann schauers doch, wos heidzudooch alles baddendierd werd. Sie könna genauso goud die Badroner von Ihr’m Fülla baddendiern. Und wenn der La Rosch am Amaddsonas a Unkraud find, des gecha Durchfall hilfd, nou kummd a Schdembbl draaf midd der Aufschrifd ‚Erfundn von Farmaindschenör Wilhelm Dell‘. Des machds hald erschd amohl deirer.“ „Gibt’s keine Alternative?“ „Ned werggli. Groud däi von Ihrer Firma sinn voll aggressiv, wos Badendverleddsungen ohgäid. Do sogn mir Finger wech.“

„Na gut, ich komme gleich vorbei.“ „Na, besser ned. Wall, där Dohner is draußn im Lohcha. Den bringerd unsä Fohrer vorbei. Nou hammsn schneller.“

„Unser Fahrer“ arbeitet für die DHL. Die Lieferung kostet 2,90, Endpreis 55,75 Euro. Handelt die Post jetzt auch mit Druckerbedarf? Egal, wenigstens war auf dem Transporter kein „Badend“ drauf.