Der Hasardeur geht seinen Weg

Wenn man an diesen Boris Johnson denkt, findet man kaum Worte. Was ist der britische Regierungschef? Ein von Brexit verblendeter Mensch? Ein skurriler Clown? Oder ein absolut begabter und zudem skrupelloser  Taktiker? Eine klare Antwort findet man nicht. Aber man staunt.

Johnson will raus der EU. Er will Freiheit für das Empire und es zu alter Größe führen. Das erscheint objektiv unmöglich, weil es keine Staaten geben dürfte, die sich von Briten kolonialisieren lassen. Der große Bruder im Geiste öffnet zwar die Arme und bietet den größtmöglichen Deal an. Aber man weiß ja: Was Donald Trump heute sagt, kann morgen ganz anders klingen.

Jedenfalls ist die Idee, ein mutmaßlich rebellisches Parlament in die Betriebsferien zu schickem, absolut verwegen. Das Prinzip, rebellischen Geist kollektiv vor die Tür zu setzen kennt man hierzulande allenfalls von den Aussperrungen während Streiks. Aber offenbar ist es legal. Und die Queen muss legales Vorgehen bestätigen, sie macht selber keine Politik.

Hochinteressant ist allerdings die Idee, die der von seinen Parteifreunden, also von 0,2 Prozent der Bevölkerung zum Premier gewählt Johnson offenbar verfolgt. Gemäß einiger Statements aus seinem Umfeld geht er davon aus, dass die EU mit neuen Angeboten kommt, wenn er zeigt, dass er keine Angst vor dem großen Chaos hat.

Derartiges wiederum kann man sich bei spätpubertierenden jungen Autofahrern vorstellen. Man fährt mit hohem Tempo aufeinander zu und erwartet, dass der andere schon ausweichen wird, wenn man Kurs hält.

Was der Premier aber vielleicht nicht recht sieht: Die Autos sind, um im Bild zu bleiben, unterschiedlich groß. Boris Johnson sitzt in einem Mini-Cooper, der Rest der EU in einem Reisebus. Es ist leicht auszurechnen, wen ein großer Knall stärker träfe.

Noch sieht es so aus, als wollte der Hasardeur seinen Weg unbedingt gehen. Wir aber denken an den britischen Parlamentspräsidenten John Bercow, greifen zum Megaphon und rufen ihm in einer letzten verzweifelten Anstrengung zu: „Orrdäääär! Orrdäääär! Orrdäääär!“