Paris: Schaltet die Lautsprecher ab

Paris war ein Schock. Auch Menschen wie mir, denen ansonsten zu jedem Thema etwas einfällt, haben die Worte gefehlt. Einigen anderen Leuten möchte man diese Sprachlosigkeit ein bisschen länger wünschen. Die politischen Lautsprecher waren viel zu schnell auf Sendung.

„Paris ändert alles“, funkte der bayerische Finanzminister Markus Söder auf Twitter. Alles? Wirklich? Hat sich das Ozonloch geschlossen? Sind Einkommen und Vermögen plötzlich gerecht verteilt? Was bezweckt ein Politiker, indem er ein sowieso unbegreifliches Geschehen zusätzlich überhöht?

Söders Parteichef Horst Seehofer pfiff ihn zwar zurück, sang dann aber doch wieder das Lied von den gefährlichen Eindringlingen. Es dürfe nicht mehr sein, dass sich Fremde unkontrolliert in diesem Land bewegten. Was also machen wir mit schwarzhaarigen Touristen auf dem Christkindlesmarkt? Passkontrollen am Glühweinstand?

Es gibt auch ein anderes Phänomen. Wer leise redet, verwendet schreiende Begriffe. So etwa Bundespräsident Joachim Gauck, wenn er von „einer anderen Art von Krieg“ spricht. Das Wort „Krieg“ entspricht der Propaganda der Terroristen. Müssen wir deren Sprache übernehmen?

Nein, müssen wir nicht. Denn es sind Mörder, die es weder bedeutender noch besser macht, dass sie von ihren kriminellen Auftraggebern mit pseudo-religiösem Unsinn motiviert werden. Sie bringen den Tod durch Kalaschnikows oder Sprengstoff an viele Orte der Welt.

Gewinnen dürfen sie nicht. Ebenso wenig wie jene, die Hass gegen Fremde predigen. Deutsche Faschisten und islamistische Killer sind Brüder im Geiste. Begegnen kann man ihnen nur mit einer klaren Haltung und dem Bekenntnis zur Freiheit. Das Gebrüll der Lautsprecher braucht es dafür nicht. Schalten wir sie ab!