Schnaps tut dem Klima gut

Eure Freudentränen sind getrocknet, Ihr Klimaschützer von Paris. Und wir sind stolz auf Euch. Ihr habt es gut gemacht. Die Erde kann gerettet werden. Danke!

Gönnen wir uns ein paar Momente der Euphorie. Paris kann als erster nicht gescheiterter Welt-Klimagipfel in die Geschichte eingehen. Auch wenn sich die Pessimisten, also die durch Lebenserfahrung klug gewordenen vormaligen Optimisten, alsbald nörgelnd zu Wort melden werden. Sie werden sagen, dass es unseriös wirkt, wenn ein Kongress die künftige Erderwärmung per Abstimmung auf deutlich unter zwei Prozent begrenzt. Das sei ein nettes Signal an die Bewohner aufsaufender Südseeinseln. Allerdings fehle dem Versprechen der klare Plan zum Erreichen dieses Zieles.

Die Pessimisten werden auch anmerken, dass in den Berichten über den Klimagipfel ein äußerst wichtiger Satz immer erst ganz am Schluss erwähnt worden sei: Für Verstöße gegen den Weltrettungs-Vertrag sind keine Sanktionen vorgesehen.

Helfen kann uns – unter Umständen – der Kapitalismus. Dieses Wirtschaftssystem rumpelt zwar ähnlich unrund durch die Welt wie deutsche Fußball-Nationalmannschaften um die Jahrtausendwende. Aber seine grundsätzliche Erkenntnis, dass man die Krone des eigenen Wertekanons, den Profit, durch das Schöpfen von Synergien veredeln kann, darf als nachvollziehbar angesehen werden. Wir sollten also nach Wegen suchen, den als Thema  recht drögen Klimaschutz mit einem höheren Ziel zu verbinden. Etwa mit der Weltgesundheit.

Ein überragendes Beispiel hierfür hat uns gerade eine Aktion im westlich von Hamburg gelegenen Ort 1300-Seelen-Ort Hetlingen geliefert. Unter den Augen einer offiziellen mexikanischen Delegation wurden dort 25.000 Liter gefälschter Tequila, den der Hamburger Zoll beschlagnahmt hatte, in den Faulturm des Klärwerks gekippt. Dort wird der Schnaps verstromt. Man erwartet als Ertrag ungefähr 20 000 Kilowattstunden Strom, was reichen  würde, um ein halbes Dutzend Durchschnittshaushalte ein Jahr lang zu versorgen.

Fassen wir zusammen: Sollten wir bei unserem großen Syrien-Verbündeten Putin reichlich Wodka ordern und diesen zu Strom verarbeiten, werden Männer-Lebern in Ost- und Mitteleuropa millionenfach aufatmen. Das kontinentale Durchschnitts-Alter stiege, die Krankenkassen-Beiträge fielen.

Die Wirtschaft allerdings würde jammern, weil die Leute keine teuren Pillen und andere medizinische Reparaturmaßnahmen mehr brauchen. Tja, wer die Welt retten will, kann es nicht jedem recht machen. Vom Kapitalismus lernen, heißt siegen lernen, lautet unsere Erkenntnis in diesem Fall. Seid doch mal stolz, Ihr Kleingeister. Und weint mit uns ein kleines Freudentränchen…