Armer Franziskus, Du bist ausgegrenzt

Weihnachten, das ist wieder die große Zeit für Pfarrer, Bischöfe und für den Papst. So ein bisschen Beten im Weihrauchduft, am besten garniert mit machtvollem Chorgesang und Segensformeln in lateinischer Sprache, bringt uns dem Herrn wenigstens für zwei, drei Tage näher. Christen-Pflicht erledigt. Wir fühlen uns wohl, weil wir zwischendrin mehr für den Glauben getan haben, als nur am Freitag das Schnitzel durch Fischfilet zu ersetzen.

Priester mögen wir in diesen Tagen. Vor allem fasziniert uns dieser Franziskus aus Rom. Einfach weil er so bescheiden ist. Anders als seine Vorgänger tut er nicht so, als könnte er zum Fest der Liebe in 140 Sprachen grüßen. Statussymbole sind ihm sowieso fremd. Er bekennt sich zur Armut und trägt immer dasselbe weiße Gewand, das komischerweise niemals Flecken bekommt. Bloß: Dieser Mann wird nicht verstanden. Er gehört nicht dazu.

Das hat gerade das Statistische Bundesamt belegt. Nach seinen Erkenntnissen ist rund ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland “sozial ausgegrenzt”. Und woran liegt das? Weil sie SPD wählen? Keineswegs. Sondern deshalb, so die Behörde, weil sie zu wenig Geld haben. Bei uns ist es eben noch immer so, dass derjenige, der arm ist, als Außenseiter gilt. Wer Konsum vermeiden muss, wird als sozial schwach bedauert. Wer darauf demonstrativ verzichtet, gilt als Kauz, der die Leistungsträger der Gesellschaft bestenfalls verstört.

Dabei würde es sich lohnen, näher hinzusehen. Findet die Integration in die Gesellschaft in Opernhäusern, Sterne-Restaurants oder auf Golfplätzen statt? Oder eher in einem stinknormalen Sportverein oder beim Plausch am Bratwurst-Stand? Spitzenkräfte sind manchmal ziemlich einsam, die Zäune um die Villen der wirklich Reichen sind besonders hoch.

Vielleicht hat der Mann aus Rom ja recht. Wo nicht zu viel Geld im Spiel ist, fallen Freundschaften leichter. Gut. Aber eines denken wir uns schon: Dieses famose Papst-Waschmittel ist ganz bestimmt nicht billig.

 

ADAC: Wir sind Autopapst!

Bescheidenheit ist das Gebot der Stunde. Seit Papst Franziskus vorlebt, dass man andere Menschen auch dann überzeugen kann, wenn man im Mittelklasse-Autos vorfährt, schwindet der Reiz einstmals gängiger Statussymbole. Wer Erfolg haben will, macht in Demut. Diese Erkenntnis soll jetzt auf den ADAC ausstrahlen. Der reichste Automobilclub aller Zeiten macht sich klein und lieb.

Der Vergleich zur Kirche drängt sich sowieso auf. 19 Millionen Mitglieder sind eine Hausnummer, bei der nur die großen Glaubenskonzerne mithalten können. Selbst der FC Bayern München dürfte diese Zahl erst im nächsten Jahrzehnt erreichen. Zudem war der ADAC lange Zeit hoch ideologisch, indem er den Glauben an die allzeit paradiesisch freie Mobilität freier Bürger propagierte.

Wie einer Sekte gelang es ihm, die Menschen an sich zu binden. Mit Benzingutscheinen, kostenlosen Straßenkarten, Reisekostenrücktrittsversicherungen, Schutzbriefen mit Helikopter-Rückholgarantie, mit Reifentests und vielem mehr. Dieser Automobilclub war glaubwürdiger als der Papst. Seine Zeitschrift erreichte deutschlandweit die größte Auflage – und bot die meisten Inserate für Treppenlifte und Rollatoren.

Dann aber kamen die Skandale. Und jetzt? Wir rechnen damit, dass in der “Motorwelt” nur noch schadstoffarme Kleinwagen getestet werden. Gelbe Engel werden jede Reparatur mit einem Gebet beginnen. Stauberater werden nicht mehr auf Motorrädern, sondern auf windgetriebenen Bambus-Fahrrädern daherkommen.  Die Piloten am Norisring werden in Kettcars herumdüsen.

Fazit: Was Jorge Mario Bergoglio für den Vatikan, ist für den ADAC der neue Präsident August Markl. Und: Klingt sein  Name nicht wie dieses Städtchen am Inn? Ja, es stimmt: Großmannssucht und Geldgier waren gestern. Wir sind Autopapst!

Die Buß-Fahrt der Bayern zum Papst

Ach wunderbar! Welch Ehre! Der FC Bayern München wird am Mittwochvormittag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. Die Vereins-PR und alle gierigen Abnehmer ihrer Produkte vermitteln uns das Bild einer harmonischen Begegnung, nach deren Ende man sich mit Handkuss und La-Ola-Welle verabschieden wird. Die Wahrheit jedoch ist eine andere. Beim Abstecher in den Vatikan handelt es sich um eine Buß-Fahrt mit kollektiver Beichte. Gründe gibt’s genug.

Die ehrliche Begeisterung des Heiligen Vaters für den mehrfachen argentinischen Meisters Atletico San Lorenzo de Almagro vermag nur schwer zu kaschieren, dass es an diesem Mittwoch zuvörderst um Seelenreinigung gehen wird. So ist der FC Bayern die zurzeit wohl härteste Inkarnation des vom Papst so heftig kritisierten Kapitalismus. Eine Geldmaschine in gestreiften Trikots, die es sich zum Prinzip gemacht hat, Konkurrenten kaputtzukaufen. “Du sollst nicht begehren deines Nächsten Spieler, Trainer, falsche Neun, Doppelsechs, Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat” – das zehnte Gebot interessiert diese Bayern nicht.

Das Wirken ausgewählter Persönlichkeiten kommt hinzu. Ex-Präsident Uli Hoeneß hat der Gesellschaft viele Millionen Euro an Steuergeldern vorenthalten. Karl-Heinz Rummenige ist wegen einer nicht verzollten Uhr vorbestraft, Franck Ribery ist wegen, na ja, irgendwas mit einer Minderjährigen mit Schuld beladen. Und es gibt diese Lichtgestalt, die zwecks Steuerflucht ins Ausland gezogen ist und noch nie einen Sklaven in Katar gesehen hat.

Genug Stoff für eine tagfüllende Beichte. Doch all dies ist nichts gegen die Sache mit der falschen Neun. Es kann den argentinischen Papst nicht ruhen lassen, dass ein Götze die Siegesträume seiner Nation ausgelöscht hat. Er kann nicht hinnehmen, wie sehr Götzenverehrung in Deutschland normal geworden ist.

Wenn also nach der Audienz ein bislang unentdeckter Kreuzbandriss beim jungen Mario gemeldet wird, glauben wir es nicht: Er ist an die Abteilung Inquisition, Exorzismus und verwandte Randgebiete des ehemaligen Regensburger Bischofs Müller überwiesen worden.

Dort wird man ihn reinigen und läutern, bis er ein Fräulein Engel heiratet, deren Namen annimmt und sich fortan beim Torjubel bekreuzigt. Ja, diese Papst-Audienz ist wichtig. Amen!

 

Raubtierkapitalisten fürchten nur Schnee

Sicher, Habgier zählt zurecht zu den Todsünden. Aber es ist verkehrt, den Kapitalismus für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen.

Wir sollten da auch unseren Lieblingspapst Franziskus zur Ordnung rufen, der diese Wirtschaftsordnung als “an der Wurzel ungerecht” bezeichnet hat. Denn rein materiell haben von diesem System auch die Beschäftigten profitiert. Der Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und real existierendem Sozialismus lässt sich so darstellen: VW Golf statt Trabant und Doppelhaushälfte statt Plattenbau.

Bei dieser Betrachtung darf allerdings das Wort “sozial” nicht übersehen werden. Es soll Unternehmer gegeben haben oder noch geben, die es gut und richtig fanden, dass die Beschäftigten am Erfolg der Firma teilhaben. Also war man Lohnforderungen gegenüber  aufgeschlossen, Verhandlungen über Tarife wurden mit dem Willen geführt, zu einer Einigung zu kommen. Zusätzliche Urlaubstage oder verrückten Ideen wie das Weihnachtsgeld ließ man sich durch Streiks abringen. Aber hinterher herrschte Frieden.

Das hat sich vielfach geändert. Spendabel sind Unternehmen heutzutage vor allem bei den Gehältern der Chefs. Oder bei deren Abfindungen. Ansonsten sitzen die Controller derart auf dem Geld, dass unser Euro-Adler quietscht. Das Humankapital ist in jedem Fall negativ zu bewerten. Nur Lohnverzicht kann uns retten. Zumal er auf lange Sicht in den wohltuenden Rentenverzicht mündet. Die Senioren der nicht mehr so sozialen Marktwirtschaft werden ihre Kreuzfahrt nicht mehr in die Karibik oder ans Nordkap unternehmen. Sie werden, begleitet von mittelmäßigen Blaskapellen, über unsere Binnengewässer gondeln.

Das ist die Zukunft. Aber wer, bitteschön, ist denn zurzeit der größte denkbare Renditeheld? Wer ist das ultimative Raubtier unter den Kapitalisten? Antwort: Es ist der Inhaber einer Firma für Schneeräumdienste. Monat für Monat bekommt er die Überweisung seiner Kunden aufs Konto. Tun muss er dafür Null und Nix.

Kein Aufwand, hoher Ertrag. 97 Prozent Umsatzrendite, im Zweifelsfall ohne jede Habgier. Dieser Mann ist unser Vorbild, unser Held. So lange das Wetter eben hält…

 

 

 

Limburgs Bischof und sein Bobby-Car

Geht das immer so weiter? Hört das nie auf? Müssen wir uns für alle Zeiten mit Nebensächlichem befassen, anstatt über wirklich wichtige Probleme zu diskutieren? Ja, es ist so. Das zeigt die Aufregung um den klapperdürren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Man hatte doch hoffen dürfen, dass das mediale Aufblasen von Kleinkram wenigstens nach den Wahlen aufhören würde. Stattdessen wird ganz Deutschland mit den Verfehlungen eines katholischen Provinzfürsten medial befeuert. Sicher, die Ausgangsposition für einen Skandal ist wie gemalt. Hier die heilige katholische Kirche, die unter dem neuen Papst aus Argentinien die reinigende Kraft der Armut entdeckt. Da der unheilige Verschwender, der in der Luxusklasse in indische Slums fliegt. Das passt, das Böse in der Kirche ist ein seit Jahrhunderten beliebtes Thema, das ganze Biblio- und Videotheken zu füllen vermag.
Doch seht, liebe Leute: Der Nachweis, dass die von Franziskus ausgerufene Bescheidenheit am Ende mehr sein wird, als eine clevere PR-Aktion, muss erst noch erbracht werden. Und wo wären wir, wenn die katholische Kirche niemals verschwendet hätte? Wir hätten ein paar Sehenswürdigkeiten und Kunstschätze weniger. Früher litten die Menschen unter der Ausbeutung, aber sie waren dann doch stolz, wenn mit ihrem Geld zum Ruhme Gottes der höchste Kirchturm der Region aufgeschichtet wurde. Wo Macht ist, wird verschwendet. Das wissen wir doch.
Und so ist der Amtssitz des Limburger Bischofs kaum etwas anderes als der Mittelfinger von Peer Steinbrück, das vegetarische Kantinen-Essen der Grünen oder das Bobby-Car von Christian Wulff. Es ist die Aufarbeitung des vermeintlich Unfassbaren, das am Ende schnurzegal ist. Weil nichts leichter ist als die Empörung über einen folgenlosen Skandal. Denn Limburg wird in einem halben Jahr in den überregionalen Medien wieder ähnlich selten vorkommen wie Unterschlauersbach oder Ouagadougou.
Dass Geistliche nicht ausschließlich erleuchtet sind, hat der französische Philosoph Denis Diderot blendend beschrieben: “Der Priester, ob gut oder schlecht, ist immer ein zweideutiges Geschöpf, ein zwischen Himmel und Erde schwebendes Wesen.” Alsdenn, Herr Papst. Befreien Sie Limburg, versetzen Sie diesen Tebartz-van Elst in eine Missionsstation in Afrika. Aber wehe, er fliegt Erster Klasse.

Ausbeuter kommen in den Himmel

Es ist wieder an der Zeit für eine theologische Betrachtung. Eigentlich scheint die Sache klar zu sein: Wer nur Geld zusammenrafft und andere ausnimmt oder sie gar nach Strich und Faden betrügt, muss in Satans Sauna schmoren. Ich habe über diese These nachgedacht – und massive Zweifel bekommen.

Der neue Papst, Franziskus, sensibilisiert uns gerade für das Thema Armut und Gerechtigkeit. Er trägt ausschließlich seine reinweiße Kutte, wohnt auf vergleichsweise erbärmlichem Niveau (Referenz: Vorgänger, Fürsten und Könige) und hat von seinem Papa-Mobil das Glasdach abschrauben und vielleicht an die Ludolfs verscherbeln lassen. Arm wünscht er sich seine Kirche. Die Masse jubelt ihm zu. Weil keiner dran denkt, wer zum Beispiel in Zukunft die Unterhaltskosten für das Nürnberger Männleinlaufen tragen soll.

Es naht demnach das Ende von Aravatia, dem Hauptlaster der Habgier. Wer ihm verfallen ist, kann zum Todsünder werden und muss auf dem Weg ins Paradies mindestens eine Ehrenrunde drehen. Ehe er – möglicherweise mit irreparablen Brandverletzungen – auf Wolke 14 die Schalmei spielen darf. Man kann auch mit prämortaler Unzucht nach unten rauschen, aber das dürfte angesichts des heutigen Altersdurchschnitts der Bevölkerung der seltenere Fall sein.

Aber kann ein Ausbeuter tatsächlich nicht zum Engel werden? Sehen wir es doch mal so: Wer andere, zum Beispiel als Arbeitgeber, so mies bezahlt, dass sie kaum über die Runden kommen, sorgt dafür, dass sie zu den Seligen gehören. Er hilft Menschen, ihre Habgier zu überwinden. Hartz-IV-Aufstocker sind dem Papst – und somit wahrscheinlich auch dem Herrn – ein Wohlgefallen. Sie tun der Spitze der Großabteilung Seelenheil so richtig gut.

Wir folgern: Wer ganz privat seiner Habgier frönt, kann als Todsünder bestraft werden. Wer aber auf Kosten anderer reich wird, tut Gotteswerk. Versprechen wir uns also nicht zu viel vom Paradies. Die Begrüßungsformel “Guten Morgen, Herr Abteilungsleiter” kann es auf dort geben. Amen!

Prima, wir sind alle reich!

Haben Sie schon bemerkt? Wir sind reich, jawohl! Und werden immer reicher. Um sagenhafte 52 Milliarden Euro ist nach offiziellen Angaben das Geldvermögen der Menschen in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres gewachsen. Also: Seien wir dankbar. Machen wir Schluss mit unserem Gejammer.

Mit 4992 Milliarden Euro hat unser Vermögen einen neuen Rekordwert erreicht. Das meldet nicht etwa die Propagandaabteilung der Bundesregierung, sondern die selbstverständlich in jeglicher Hinsicht unabhängige und vertrauenswürdige Bundesbank. Im Vergleich dazu nehmen sich die Schulden mit 1594 Milliarden Euro absolut überschaubar aus. Es geht aufwärts. Wohin auch immer.

Wir könnten jubeln, wenn diese famose Statistik nicht kleine Widerhaken hätte. Das Geldvermögen ist im Quartal um 1,1 Prozent gestiegen. Das ist zwar ein Vielfaches dessen, was es auf das Sparbuch gibt. In der Rechnung berücksichtigt sind aber zum Beispiel auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen. 4,4 Prozent jährliche Rendite erwarten wir da schon. Zudem existiert dieses Phänomen namens Inflation. Das frisst uns ein knappes Prozentchen weg. Bei Nahrungsmitteln, die für das Überleben nicht unwichtig sind, lag die Preissteigerungsrate zuletzt bei 5,7 Prozent. Wenn wir schließlich ans Gesamtvermögen denken, spielen auch Immobilien eine Rolle. Wenn deren Marktwert steigt, erhöht das den allgemeinen Reichtum, ohne dass der Mensch, der die nächsten 20 Jahre seine Wohnung abzuzahlen hat, auch nur einen Cent mehr in der Tasche hat.

Statistik besteht immer aus objektiver Wahrheit und mehr oder weniger stark gesteuerter Lüge. Wer etwa die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker kennt, wird das deutsche Jobwunder kaum noch mit Verklärung anbeten. Wer liest, dass die deutsche Wirtschaft neuerdings den älteren Arbeitnehmern zu Füßen liegt, mag bejubeln, dass ein wachsender Anteil der 60-Jährigen noch täglich seinen Job ausübt. Wenn es darum geht, wie viele Menschen das tatsächliche Rentenalter als Arbeitnehmer erreichen, ist die Quote aber nach wie vor erbärmlich.

Ihre Stimmung ist jetzt erfolgreich versaut? Grämen Sie sich nicht. Denken Sie an Papst Franziskus und daran, wie sehr diesen frommen Mann sein eigener Reichtum ankotzt. Ihm reicht es völlig, wenn jemand da ist, der ihm zuverlässig das weiße Gewand bügelt. Mehr braucht er nicht. Von ihm lernen wir: Selig sind die zufriedenen Armen. Denn sie machen den Reichen das Leben leicht.

 

Papst Wojtyla, der wundersame Heilige

Oh, Polen! Du Land der Heiligen! Du hast uns Walesa geschenkt, den Heiligen der Werftarbeiter. Lewandowski, den Heiligen der Strafräume. Und jetzt wird Karol Jozef Wojtyla, – neben seinem Vorgänger Johannes XXIII. – der wahrhaft HeiligeVater! Wir falten die Hände. Und danken dem Herrn.

Prinzipiell ist gegen die Heiligsprechung des ehemaligen Papstes nichts einzuwenden. Er hat 26 Jahre einen wirklich anstrengenden und mitunter eigenartigen Job gemacht. Und zwar bis zum letzten Atemzug. Charisma hatte er. Er hat den Kommunismus in Osteuropa in aller Redlichkeit bekämpft, war aber in Sachen Empfängnisverhütung oder Frauenordination ein wahres Ärgernis.

Nun kennt jeder Verein für seine wackersten Streiter die Ehrenmitgliedschaft. Das entspricht bei Päpsten der Seligsprechung, welche bei Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 erfolgt ist. Die noch höhere Stufe ist der Ehrenvorsitz, also die Heiligsprechung. Sie ist der Weg, um einen Sterblichen endlich von jeglicher Bodenhaftung zu erlösen. Papa Wojtyla selbst hat in seiner Zeit als Chef des Vatikans 486 Personen heiliggesprochen.

Nun ist bei ihm die Sache nicht so einfach. Die katholische Kirche verehrt ja vor allem solche Menschen, die für ihren Glauben gelitten haben oder gestorben sind. So kommt man verhältnismäßig leicht ins Heiligenverzeichnis, das sicher nicht umsonst Martyrologium heißt.  Johannes Paul II. hat ein Attentat überlebt. Aber das zählt hier nicht. Und deshalb muss geklärt sein, dass er zwei Wunder vollbracht hat.

Seine Kirche gräbt also nach und wird – welche Überraschung – tatsächlich fündig. Demnach hat der frühere Papst mit Gott über die französische Nonne Marie Simon-Pierre gesprochen. Woraufhin diese von Parkinson geheilt worden sein soll. Und weil es ohne Martyrium zwei Wunder braucht, taucht in den Akten eine Frau aus Costa Rica auf, welche von einer schweren Hirnverletzung erlöst wurde. Was zweifelsfrei der zu diesem Zeitpunkt bereits toten Papst ermöglicht haben soll.

Liebe katholische Kirche, sprich heilig, wen Du willst. Ich find’s gut. Aber höre bitte damit auf, Deine Schäfchen und den Rest der Welt für blöd zu halten. Selbstverständlich redet niemand mit Gott, bloß weil er am Petersplatz in Rom wohnt. Die Hirnverletzung von Costa Rica könnte auch eine unbekannte Voodoo-Priesterin kuriert haben. Man weiß es einfach nicht.

Ich sage: Wenn Johannes Paul II. den Zölibat abgeschafft hätte – das wäre ein Wunder gewesen. Das hat er ausgelassen. Also bete ich nicht mit, sondern gebe mich der spirituellen Verheißung eines italienischen Sprichwortes hin: “Ein Fass Wein beinhaltet mehr Wunder als eine Kirche voller Heiliger.” In diesem Sinne: Prost. Und Amen.

 

 

 

 

Ganz sicher: Franziskus wird der neue Obama

Machen wir nicht lange herum, sondern halten wir fest: Der neue Papst Franziskus wird den Friedensnobelpreis bekommen. Unter Garantie. Es geht nicht anders.

Der Mann hat bis hierhin einfach alles richtig gemacht. Hat kritisiert, dass sich die katholische Kirche zu weit von den Menschen entfernt habe. Hat seinen Priestern empfohlen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Hat ein behindertes Kind an sich gedrückt und sogar Frauenfüße gewaschen und geküsst. Lauter gute Signale, die ihn wunderbar von seinem verknöcherten Vorgänger Papa Ratzinger abheben. Die Menschen sind entzückt, bislang als weltlich eingeschätzte Medien konkurrieren in Sachen Nachrichtenfülle und Verbalverneigung mit den frommsten Bistumsblättern.

So etwas Ähnliches gab es schon mal. Der Vorgänger hieß Tschortsch Dabbeljuh, der damals neue Mann Barack Obama. Ein paar gute Reden genügten, um ihn zum globalen Friedensengel zu ernennen. Was dann an Politik gekommen ist, war ziemlich oft etwas anderes.

Dem neuen Super-Papst wird es kaum anders gehen. Gut gewachsene Machtstrukturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Gemaule eines frisch gewählten Chefs für eine gewisse Zeit kommentarlos ertragen. Das macht populär, zeigt Offenheit.

Sobald sich der Neuling ausgetobt hat, beginnt Phase 2, das so genannte “Einnorden”. Er wird mit – vorzugsweise bürokratischen – Alltagsarbeiten derart zugemüllt, dass er nach kurzer Zeit feststellt, dass es keinen Sinn hat, zu viele Baustellen aufzumachen. Am Ende sagt und tut er fast das Gleiche wie sein Vorgänger. Den Unterschied macht vor allem das Image.

Sie finden das schlimm? Stimmt nicht, es ist normal. Zumal es eh so eine Sache ist, mit den Wegen des Herrn und seiner Diener. So hat der wichtige serbisch-orthodoxe Bischof Amfilohije am Osterwochenende den „Eroberungstrieb“ der europäischen Länder und der Nato angeprangert. Die EU wolle den Kosovo beherrschen und setzte damit die Tradition der Kreuzzüge und die „Tyrannei der Osmanen“ fort. Bevor er an die Schandtaten unter Sultan Murat erinnerte, hatte der Bischof Gott angerufen, damit die Nato aufgelöst wird.

Doch Gott ist nicht Gysi. Er ist auch, was das Treiben seiner angeblichen Stellvertreter auf Erden angeht, nicht gerade als entschiedener Reformer bekannt. Ihm scheint das eher egal zu sein. Also: Lasst Franziskus ruhig ein bisschen anders sein und lobpreist ihn dafür.

Das fühlt sich gut an. Denn dass es der Fortschritt seltenst rennt, ist uns sowieso klar. Oder nicht?

Hilfe, der Frühling hat Burnout

Also twitterte @Charles_HRH: “Dear #Snow, it’s March, it’s Spring. Sod off.” Sinngemäß also, “Verpiss dich, Schnee.” Der sozial netzwerkende Prince of Wales ist unecht. Aber wenn er es geschrieben hätte, seine Hoheit hätte recht und für seinen großen Satz fröhliche Scharen fähnchenschwingender Kinder verdient. Wir frieren und frieren und versinken in unserer Nicht-Frühlings-Depression.

Ja, man verliert den Glauben. Da betet der neue Papst Franziskus am Grabmal des Petrus und trifft sich kurz darauf mit dem Rentner-Kollegen Benedikt. Kann so ein Heiligkeits-Duo nicht dafür sorgen, dass wir, sagen wir mal, 12 Grad mehr kriegen? Nein, die knien auf der Kirchenbank, falten die Hände – und nichts passiert. Ist das ein Stück der freudlosen Askese, die der Name des Neuen erwarten lässt?

Man verliert den Glauben in die Klimaforscher. Ich selber war stolz wie Oskar, als dank eines geschickten Wohnungswechsel der Verkauf unseres Zweitwagens möglich war. Seitdem führe ich ein Berufsleben auf der fußläufigen Verbindung. zunächst mit dem guten Gefühl, dass ich dazu beitragen könnte, den langfristigen Temperaturanstieg in Mittelfranken auf zwei Grad begrenzen zu können.

Heute will ich keinen Temperaturstopp mehr. Ich kaufe mir einen Mercedes Diesel, Baujahr 1973, betanke ihn mit Heizöl und pendle vier Mal täglich zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Bloß, damit sich die Atmosphäre über Nürnberg aufheizt.

Nein, nein, Trotz ist das nicht. Das ist volkswirtschaftliche Verantwortung. Wie, bitteschön, wollen denn die Einzelhändler, die gerade unsere Zeitungen und Briefkästen mit Prospekten vollstopfen, irgendetwas verkaufen? Der Winterstiefel-Sale ist kalendarisch rum. Aber wer interessiert sich jetzt für neue Sandalen?

Sogar in der Werkstatt hat mich der Winter heute eingeholt. Ein Autoreifen hatte auffallend viel Luft verloren. Zunächst tippte der Pneu-Experte auf einen Nagel in der Gummihülle, aber dann stellten sich fiese Ablagerungen auf den Felgen als Problem heraus. Hatte ich noch nie. Und wieso gab es die? “Das sind die Umweltbedingungen. Die werden immer schlimmer”, sagte der Meister.

Eigentlich gibt es für die ganze Misere nur eine schlüssige Erklärung. Der Frühling ist wie viele von uns. Er hat Burnout und kann einfach nicht mehr. Wir müssen also aushalten, mit dem Schimpfen aufhören und auf den Sommer warten. Ist so. Da hilft nicht mal ein falscher Prinz…