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Hilfe, der Frühling hat Burnout
Also twitterte @Charles_HRH: “Dear #Snow, it’s March, it’s Spring. Sod off.” Sinngemäß also, “Verpiss dich, Schnee.” Der sozial netzwerkende Prince of Wales ist unecht. Aber wenn er es geschrieben hätte, seine Hoheit hätte recht und für seinen großen Satz fröhliche Scharen fähnchenschwingender Kinder verdient. Wir frieren und frieren und versinken in unserer Nicht-Frühlings-Depression.
Ja, man verliert den Glauben. Da betet der neue Papst Franziskus am Grabmal des Petrus und trifft sich kurz darauf mit dem Rentner-Kollegen Benedikt. Kann so ein Heiligkeits-Duo nicht dafür sorgen, dass wir, sagen wir mal, 12 Grad mehr kriegen? Nein, die knien auf der Kirchenbank, falten die Hände – und nichts passiert. Ist das ein Stück der freudlosen Askese, die der Name des Neuen erwarten lässt?
Man verliert den Glauben in die Klimaforscher. Ich selber war stolz wie Oskar, als dank eines geschickten Wohnungswechsel der Verkauf unseres Zweitwagens möglich war. Seitdem führe ich ein Berufsleben auf der fußläufigen Verbindung. zunächst mit dem guten Gefühl, dass ich dazu beitragen könnte, den langfristigen Temperaturanstieg in Mittelfranken auf zwei Grad begrenzen zu können.
Heute will ich keinen Temperaturstopp mehr. Ich kaufe mir einen Mercedes Diesel, Baujahr 1973, betanke ihn mit Heizöl und pendle vier Mal täglich zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Bloß, damit sich die Atmosphäre über Nürnberg aufheizt.
Nein, nein, Trotz ist das nicht. Das ist volkswirtschaftliche Verantwortung. Wie, bitteschön, wollen denn die Einzelhändler, die gerade unsere Zeitungen und Briefkästen mit Prospekten vollstopfen, irgendetwas verkaufen? Der Winterstiefel-Sale ist kalendarisch rum. Aber wer interessiert sich jetzt für neue Sandalen?
Sogar in der Werkstatt hat mich der Winter heute eingeholt. Ein Autoreifen hatte auffallend viel Luft verloren. Zunächst tippte der Pneu-Experte auf einen Nagel in der Gummihülle, aber dann stellten sich fiese Ablagerungen auf den Felgen als Problem heraus. Hatte ich noch nie. Und wieso gab es die? “Das sind die Umweltbedingungen. Die werden immer schlimmer”, sagte der Meister.
Eigentlich gibt es für die ganze Misere nur eine schlüssige Erklärung. Der Frühling ist wie viele von uns. Er hat Burnout und kann einfach nicht mehr. Wir müssen also aushalten, mit dem Schimpfen aufhören und auf den Sommer warten. Ist so. Da hilft nicht mal ein falscher Prinz…
Die Eurokrise und der verstrahlte Sparstrumpf
Die Eurokrise war mal etwas Großes. Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Irland – das waren richtige Länder. Entweder wirtschaftlich bedeutend, kulturell überragend, als ehemalige Kolonialmacht prägend für die Weltgeschichte oder wenigstens schön grün, hoch musikalisch und sympathisch versoffen. Aber Zypern! Ja Himmel, was soll denn das jetzt?
Da muss also die gesamte europäische Krisenbewältigungs-Maschinerie angeworfen werden, um eine Mittelmeer-Insel mit 860.000 Einwohnern zu retten. Das entspricht ungefähr dem engeren Ballungsraum Nürnberg. Selbst der bei absurden Vergleichen gerne benutzte Operettenstaat Saarland zählt mehr Menschen. Und wegen dieser paar Leute muss sich unsere Kanzlerin hinstellen und dem zyprischen Volk den vollsten Respekt der Deutschen aussprechen? Während bei einer für Geldvernichtung zuständigen US-Ratingagentur die unvermeidbare Abstufung dieses Staates auf Triple-Ramsch vermutlich von einem nachgeordneten Sachbearbeiter erledigt wird?
Kann eigentlich nicht sein. Doch über allem schwebt eine große Parole: Zypern sei deswegen pleite, weil zu viel Geld von stinkreichen Russen zu aberwitzigen Konditionen auf dessen Banken gelagert sei. Da sei ein “Geschäftsmodell” grandios gescheitert.
Abgesehen davon, dass es sich bei diesem Begriff bei weiterhin inflationärer Anwendung durch unsere Volksvertreter um ein kommendes “Wort des Jahres” handelt, muss es uns tatsächlich Angst machen, dass inzwischen selbst Kleinstaaten für den Euro “systemrelevant” sind. Normalerweise müsste die zweitwichtigste Währung dieser Welt eine solche Inselpleite rückstandsfrei verdauen.
Stattdessen wollte man direkt auf die Konten der Bankkunden zugreifen. Wenn das so weitergeht, kommt der Sparstrumpf wieder in Mode. Zurecht: Die Guthabenzinsen sind eh nur noch knapp über Null, und was dem Volk gebührt sehen gerade die West-Rentner, denen famosen 0,25 Prozent Rentenerhöhung winken. Stopfen wir das Geld also lieber unter die Matratze, achten wir aber auf eine abschreckende Wirkung. Der Strumpf sollte ungewaschen oder radioaktiv verstrahlt sein.
Denn viele Gefahren für unser Esperanto-Geld lauern noch. Zur Eurozone gehören durch entsprechende Abkommen auch San Marino mit seinen knapp 30.000 Einwohnern sowie die vor Kanada gelegenen fränzösischen Inseln Saint-Pierre und Miquelon mit zusammen 6300 Einwohnern. Und schließlich gibt es da noch den Vatikan. Läppische 800 Einwohner, aber in sämtlichen dies- und jenseitigen Fragen hundertprozentig systemrelevant. Inszeniert sich da nicht gerade ein gewisser Franziskus als “Papst der Armen”? Die Ratingagenturen lauern schon…
Messi, Tango, Nasenbär und neuer Papst
Ohne Polizeieskorte ist er schon mal gefahren. Aber: Kann dieser Papst Franziskus alias Jorge Mario Bergoglio den Vatikan verändern? Selbstverständlich. Er ist zwar, wie der Name verrät, abstammungstechnisch ein Italiener. Aber Argentinien ist eben doch etwas anders.
Das Land ist bekannt für die Pampa, für famoses Rindfleisch, für Landsleute, die auf Inseln wohnen und deshalb lieber Engländer sein wollen. Das Land hat eine lebende Präsidentin, die in der Öffentlichkeit notorisch die höchsten Stöckelschuhe aller Regierungschefs dieser Welt trägt. Und eine gestorbene Präsidentin, die Hollywood zuliebe mit der Singstimme von Madonna ausgestattet war.
Aber natürlich gibt es den Tango. Eine Tanzdisziplin, für die wir Mittelfranken ähnlich entflammt sind wie sonst nur noch die Finnen. Und es gibt diese sagenhaften Kicker. Xavier Pinola, leider nur wichtigster lokaler Fußballgott seit Max Morlock und Andreas Köpke und somit nicht papabile.
Aber dann: Lionel Messi, der als Auferstehungsbeauftragter des FC Barcelona gerade Mailand (da schaut der Herr Scola, gell?) erledigt hat. Und natürlich Diego Armando Maradona. Der Mann mit dem genialen linken Fuß und den immer wiederkehrenden Abstürzen. Der arme Sünder mit dem großen Herzen, dem der Herr dereinst zwecks Torerfolg bei der WM 1986 die Hand geliehen hat.
Schon er hatte somit nachgewiesen, dass der Schöpfer den Argentiniern wohlgesonnen ist. Und nun kommt der erste außereuropäische Papst genau von dort. Da staunen Nasenbär und Pampa-Stier.
Wenn nun die größte aller deutschen Zeitungen “Das ist die neue Hand Gottes” schlaggezeilt hat, zeigt das wieder die Flapsigkeit dieser Journalisten. Papst Franziskus ist der Stellvertreter Christi aus Erden. Wenn wir so freundlich sein wollen, dieses zu glauben, müssen wir dennoch konstatieren, dass Jesus Mensch und nicht Gott war. Also ist “verlängerter Arm Gottes” das Größtmögliche, was wir Herrn Bergoglio zugestehen wollen.
Aufhorchen sollten nach der Wahl des neuen Papstes allerdings die Akkordeonorchester dieses Landes. Die Matthäus-Passion von Bach, dargebracht in einer Bearbeitung für zwölf Bandoneons ist keine Utopie mehr. Spiel Tango für die Armen! Amen!
Pille danach? Okay, aber nicht für alle Fälle
Wie nett: Da hat sich eine Runde von alten Männern tiefgründig mit dem gebärfähigen Körper der Frau befasst. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich ein Thema vorgenommen, das ihre Mitglieder eigentlich ganz und gar nichts angeht. Aber immerhin: Es ist Hirn vom Himmel gefallen. Deutschlands oberste Katholiken haben ihren grundsätzlichen Widerstand gegen die “Pille danach” aufgegeben. Frauen müssen den Zorn Gottes nicht mehr fürchten, wenn sie das Kind ihres Vergewaltigers nicht austragen wollen. Sagen seine angeblichen Stellvertreter auf Erden.
Da hat in aller Nachhaltigkeit die Barmherzigkeit gesiegt, möchte man jubeln. Aber dafür gibt es keinen Grund. Denn es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen selbst über eine Pille gegen eine ungewollte Schwangerschaft entscheiden. Auch ohne Rücksprache mit dem jeweils diensthabenden Exorzisten. Aldenn: Es ward geredet. Es ward gut. Und Gott sah es mit Wohlgefallen. Punkt.
Träumen wir lieber ein bisschen von den vielen wunderbaren Möglichkeiten, die uns die “Pille danach” noch schenken könnte. Wie etwa sähe unser Showbusiness, wie unser RTL-Programm aus, wenn sie gleich nach der ersten Produktion von Dieter Bohlen geschluckt worden wäre? Wie unsere Kommunikation, wenn sie bereitgelegen wäre, als Mark Zuckerberg sein Facebook scharfgestellt hat?
Wie schön wäre diese Pille, wenn sie der Fußballfan nach dem Abstieg seines Lieblingsclubs schlucken könnte? Wie gut wäre es für unser geliebtes Nachbarland Italien, wenn sie nach dem nächsten Wahlerfolg von Berlusconi wirken würde?
Die Einsatzmöglichkeiten wären unbegrenzt. Aber erstmal geben wir die “Pille danach” den Frauen. Doch nur in wirklich bösen Fällen. Was Frauen wirklich wünschen, ist ja klar. Eine Pille danach, die nach sieben Jahren Ehe automatisch zugeteilt wird und optional verwendet werden kann. Hier gilt jedoch: Das gibt es nicht. Das geht zu weit. Das ist Teufelszeug. Sakrament!
Lass’ die Sonne wieder scheinen
Spüren Sie es auch? Irgendwie ist uns gerade vieles egal. Alles wirkt ein bisschen uninteressant. Nicht einmal der Rücktritt des Papstes bringt uns dazu, in einem letzten Akt der Solidarität mit dem Stellvertreter Christi die Fastenzeit ausnahmsweise ernst zu nehmen. Stattdessen lassen wir uns gleichmütig einen undramatischen Lebensmittelskandal um die Ohren hauen. Und was ist der Grund? Die Sonne ist irgendwie weg. Es ist, als würden ihre Strahlen im Sog des Asteroiden an der Erde vorbeisausen. Immer nur Wolken. Das macht keinen Spaß.
In Nürnberg, wo dieses Blog geschrieben wird, haben die Meteorologen die ganze böse Wahrheit gerade nachgewiesen. Ihren Angaben zufolge hat es im Winter 2012/2013 nur 78 Sonnenstunden gegeben. Noch trüber war der Winter zuletzt im Jahr 1903. Der Durchschnitt für Mittelfranken liegt bei 173,6 Stunden.
Die Wolken müssen endlich weg. Dringend. Darauf hoffen nicht nur die Existenzgründer, die im Vertrauen auf den Klimawandel in den Aufbau von Ananas- und Dattelpalmenplantagen investiert haben. Darauf hoffen nicht nur die Betreiber von Vorsaison-Biergärten oder die Familienpolitiker, die um die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung von Sonnen-Vitaminen wissen. Und auch nicht nur die Bauern, die im Märzen die Rösser anspannen. Wenn sie sie noch nicht an eine Discounter-Fleischerei verscherbelt haben.
Wir alle brauchen mehr Licht, denn die gute, alte Option „Ich bin dann mal weg“ funktioniert nicht mehr so. Es fehlt uns am Geld. Nach vielen Jahren Lohnverzicht mit dem Ziel, Deutschland als „kranken Mann Europas“ zu retten, sind drei Wochen Sonne für viele nicht mehr drin. Bei sieben Tagen Dom-Rep lohnt sich der Flug aber kaum.
Und Autoreisen sind auch schwieriger geworden. Wer kann es sich schon noch leisten, seine 13 Jahre alte Pannenkröte spontan durch ein nagelneues flottes Gefährt zu ersetzen?
Tristesse auf dem Konto, Tristesse am Himmel. Beides gleichzeitig ist einfach zu viel. Alsdenn, ihr Herren der Erde: Macht uns arm und ärmer. Aber Du, lieber Gott, lass‘ die Sonne wieder scheinen…
Nix mehr Papst! Man kann’s verstehen

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?
Die wahren Ursachen liegen doch auf der Hand. Für die katholische Kirche läuft es derzeit, mit Verlaub, beschissen. In Europa, und insbesondere in Deutschland, werden dauernd sinnlose Reformen gefordert. Zölibat abschaffen, Priesteramt für Frauen, Barmherzigkeit für Vergewaltigungsopfer, Verfolgung von Kinderschändern – alles ein furchtbares Gedöns, das den Blick von ewigen Wahrheiten ablenkt. “Katholiken fühlen sich gerade wie Fans von Schalke 04″, hat es die famose Fernsehwurst Johannes Benedikt Kerner gerade bei Günther Jauch auf den Punkt gebracht.
Immer mehr Katholiken laufen ihrer Kirche davon. In anderen Teilen der Welt werden Christen verfolgt, weil sie Christen sind. Schwierigkeiten, wohin das Auge blickt.
Und daheim in Rom ist es auch nicht mehr so schön. Man muss schließlich auch einem alten Papst zugestehen, dass er gelegentlich etwas Neues erleben möchte. Stattdessen: Immer die selben Rituale. Beten, Füße waschen, in 150 Sprachen die Welt grüßen. Der Papst hat vielleicht erkannt, dass er einer der größten Plagiatoren unter der Sonne ist. Und für die ist das Leben gerade nicht so leicht.
Aber wenden wir uns seinen eigenen Worten zu. Sofern den Journalisten die Übersetzung aus dem Lateinischen gelungen ist, sagte Benedikt XVI.: “Ich gehe zum Wohl der Kirche.” Das mag sein. Man weiß aber nicht, was nachkommt. Ihn drücke das Alter, sagte er weiter. Kann man verstehen. Aber bisher war das kein Argument. Fast alle Päpste sind direkt ins Jenseits abgetreten. Laut Wikipedia gibt es nur folgende Ausnahmen: 537 gab Silverius auf oströmischen Druck hin drei Wochen vor seinem Tod das Amt auf. Johannes von Velletri, 1059 als Benedikt X. inthronisiert, konnte sich kein Jahr halten und wurde obendrein exkommuniziert. Coelestin V. trat Ende 1294 zurück und starb 1296. Gregor XII. wurde schon 1409 abgesetzt, erklärte aber erst 1415 offiziell seinen Rücktritt.
Ein mutiger Schritt also. Bleibt die Frage: Wie kommt Papst auf dieses Rücktrittsdatum? Die Antwort: Im Dreikaiseredikt Cunctos populos von Thessaloniki schufen die Herrscher Theodosius I., Gratian und Valentinian II. am 28. 2. 380 das Fundament für das Christentum als römische Reichskirche.
Tja, das ist ein Pfund. Und die Bild-Schlagzeile nehmen wir auch gleich vorweg: “Nix mehr Papst!” Wetten, dass…?
Der unbarmherzige Rosenkranz-Konzern
Ist doch famos: Kardinal Joachim Meisner, ranghöchster Erleuchtungsschauspieler im Kölner Dom und nach bisheriger Einschätzung der erzkonservativste Erzbischof dieser Republik, hat sich entschuldigt. Bei Frauen! Ja, diese Welt hat etwas ganz Besonderes erlebt. Papst wird der Mann nach dieser unerhörten Demutsgeste allerdings nicht mehr.
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten Probleme mit dem Behandeln eines Vergewaltigungsopfers. Der Kardinal fand das beschämend. Gut so! Doch im gleichen Atemzug machte er deutlich, dass es in den Kliniken seines Rosenkranz-Konzerns keinesfalls in Frage komme, einer vergewaltigten Frau die “Pille danach” zu verabreichen. Denn heilig sei die Leibesfrucht!
Es liegt wohl in den tiefsten Tiefen des katholischen Glaubens, dass das nicht möglich sein soll. Man verehrt ja die Jungfrau Maria, die sich als verheiratete Frau weigerte, ihrem Mann den eigenen Leib hinzugeben. Um ihm dann ein durch eine minimalinvasive Befruchtung entstandenes Kind zu gebären. Seitdem gilt sie als heilig. Von Josef redet keiner mehr.
Weil also eine ungewollte Schwangerschaft zum Markenkern des katholischen Glaubens gehört, wurde mit Blick auf die “Pille nach Gewalt” die ganze theologische Sachkunde in Gang gesetzt, um den Vorrang des soeben gezeugten Lebens vor dem Schutz des Vergewaltigungsopfers nachzuweisen. Priester, Domkapitulare, Theologieprofessoren forschten nach, und haben vielleicht herausgefunden, dass der damals unfehlbare Papst Zebulon der Vierunddreißigste im Gespräch mit Kaiser Karl dem Großen eine Bemerkung fallen ließ, die den weiblichen Bauch als solchen zum Eigentum der Kirche erklärte.
Wirklich wertvoll ist dieser Besitz aber nicht. Darüber wird nur ein paar Tage lang gestritten. Wenn es dagegen darum geht, kleinen Jungs ein Stück Vorhaut abzuschneiden, damit sie den Weg zu Gott leichter finden, diskutieren nicht nur die Theologen. Dann wird die komplette Gesetzesmaschinerie in Gang gesetzt, um auf höchster staatlicher Ebene festzustellen, dass Glauben vor Körperverletzung geht, wenn das maskuline Seelenheil zu sichern ist.
In großen Weltreligionen ist es also so: Den Männern gehört das Paradies. Das sündige Weib kehrt die Zufahrt oder fegt gleich den Vorhof zur Hölle. Wie langweilig. Streicht mich ruhig von Gottes ewiger Gästeliste.
Blasphemie? Der Papst ist kein Gott

Kämpfer gegen Blasphemie: Erzbischof Ludwig Schick.
Die Ferienzeit ist die Zeit der überflüssigen Nachrichten. Hauptsächlich bringt das so genannte Sommerloch absurde Ideen unbedeutender Politiker hervor. Aber was Parlaments-Hinterbänkler können, schafft auch ein Gottesmann: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat gefordert, Gotteslästerung unter Strafe zu stellen. Auslöser für seinen Vorstoß war ein Titelbild der Satire-Zeitschrift “Titanic”. Darauf war der Papst mit einem gelben Flecken auf der Soutane zu sehen.
Sicher, es ist geschmacklos, über eine mögliche Inkontinenz bei einem alten Mann zu spotten. Aber worüber redet Erzbischof Schick? Das griechische Wort Blasphemie steht für eine durch Taten und Worte offenbarte Ehrfurchtlosigkeit der Gottheit gegenüber. Ganz früher fühlte sich die Gemeinschaft von der Rache der verspotteten Gottheit bedroht. Das Schandmaul musste weg, üblicherweise durch Steinigung. So steht es bei Moses im Alten Testament.
Während sich aber diese Hinrichtungsart in verschiedenen islamischen Ländern derart bewährt hat, dass sie auch heute noch für weitaus harmlosere Delikte genutzt wird, gibt es bei uns den Paragraphen 166 des Strafgesetzbuches. Darin heißt es: “Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”
Eine Strafandrohung existiert also, weshalb man mit den Worten von Fußballgott Giovanni Trappatoni fragen könnte: “Was erlaube Schick?”. Aber es geht noch um etwas anderes, nämlich um die Frage, ob Papstlästerung blasphemisch ist.
Selbstverständlich nicht. Benedikt XVI. ist nicht Gott, er wird vielmehr als Stellvertreter Christi auf Erden geführt. Nun war auch dieser kein voller Gott, sondern wenigstens ein halber Mensch. Joseph Ratzinger wiederum ist kein Heiliger. Er ist Vorstandsvorsitzender eines global agierenden Weltanschauungskonzernes, der allerdings in der Öffentlichkeit zumeist mit salbungsvoller Stimme spricht. Hinzu kommt: Da uns Gott selbst hat wissen lassen, dass er keine anderen Götter neben sich duldet, sollte man den Papst nicht mit ihm auf eine Stufe stellen.
Verlassen wir uns doch darauf, dass die unverschämten Satire-Redakteure durch Gott selbst gerecht und angemessen bestraft werden. Und sei es durch eine Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht. Wenn man sich allerdings so anschaut, welche absurden und üblen Dinge tagtäglich auf dieser Welt passieren, könnte man sich auch vorstellen, dass sich der himmlische Zyniker die Hände reibt und sich diebisch darüber freut, dass seinem Bayern-Beni mal eine reingewürgt wurde.
Das aber wissen wir nicht. Wir wissen nur dies: Die Wege des Herrn sind unergründlich.
Eurovison Song Contest – die ganze Wahrheit
Der Eurovision Song Contest in Aserbaidschan war mein Thema bei der jüngsten PechaKucha-Nacht im Neuen Museum in Nürnberg. Vor über 200 Zuhörern durfte ich den famosesten Gesangswettbewerb der Welt knapp sieben Minuten lang beleuchten. Mein Kollege Thomas Gerlach hat den Auftritt dokumentiert. Hier ist er – ungeschnitten, werbefrei, also praktisch wie live. (Zur Erläuterung: Bei PechaKucha werden 20 Bilder jeweils 20 Sekunden lang besprochen)

Gesucht: Ein alter Mann zum Anlehnen
Achtung, hier kommt ein Stoßseufzer: Dieses Land braucht Vorbilder! Dringendst! Wenn selbst der Bundespräsident, also der “Erste Mann im Staat” in merkwürdige Geschäfte und Kungeleien verwickelt ist, müssen wahre Helden her. Aber wie das so ist, in unserer schnelllebigen Zeit. Diese sind voraussichtlich nur noch zeitlich begrenzt für uns da.
Denn das Volk zieht gnadenlose Konsequenzen aus dem Scheitern der Ministerial-Praktikanten von der FDP: Es setzt auf alte Männer. Nach einer neuen Umfrage im Auftrag der Zeitschrift “stern” gilt Nelson Mandela (bald 93) den Deutschen als absolute moralische Institution. 82 Prozent nannten ihn ein “großes Vorbild”. Gleich dahinter folgt Alt-Kanzler Helmut Schmidt (im Dezember) mit 74 Prozent. Ihm wird sogar verziehen, dass er Kettenraucher ist. Der Dalai Lama alias Tendzin Gyatsho auf Platz drei bekommt 69 Prozent. Er ist ein netter Kerl – und hat eventuell den Platz von Jopi Heesters eingenommen.
Wir haben also wieder Lust auf den Opa, der uns im Lehnstuhl sitzend die Welt erklärt. US-Präsident Barack Obama, der mit 64 Prozent den vierten Umfrage-Platz erreicht, ist in diesem Sinne ein echter Ausreißer. Während der Fünfplatzierte, Günther Jauch, mit 55 Jahren unverschämt jung ist, aber eben auch Unmengen sinnlosen Wissens unter die Menschen streut.
Der Trend zur Erfahrung zeigt sich auch beim ersten Fußball-Star unter den Vorbildern. Nicht Gomez oder Götze liegen vorne, sondern Bundestrainer Joachim Löw. Mit 54 Prozent rangiert er drei Punkte vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Papst Benedikt XVI., der in seinem schonungslosen Kampf gegen die Überbevölkerung die Homosexuellen zur Bedrohung für die Welt erklärt hat, rangiert mit 32 Prozent schon deutlich dahinter. Und erst dann folgt unser eigentliches hauptamtliches Vorbild, Christian Wulff. Nur jede/r Fünfte erklärt ihn um Idol.
Das ist dramatisch schlecht, aber wir wollen gerne annehmen, dass Guido Westerwelle und Herr Achmedinedschad aus Teheran noch schlechter dastehen. In unserer schnelllebigen Zeit wird man eben leicht mal unpopulär.
Eine Frage aber bleibt: Wo sind unsere vorbildlichen Frauen? gut, Inge Meysel und Heidi Kabel sind tot. Aber was ist mit unserer Familienministerin? Ach so, Kristina Schröder ist zu jung. Stimmt, doch Hoffnung ist da. 93 wird sie im Jahr 2070. Bis dahin, ganz sicher, ist sie eine richtig gute Politikerin.
Der Bundespräsident als böser Weihnachtsmann

Fernsehtipp: Lieber Benedikt als Christian gucken.
Seine im typischen Knödelton vorgetragene “Entschuldigung” war doch nur eine Pflichtübung. Er musste eine Beruhigungspille unters Volk schmeißen, um ein bisschen aus der Schusslinie zu kommen. Damit er den Rücken frei hat, um zu Weihnachten über Nächstenliebe, über das famose mitmenschliche Engagement der Krankenschwestern und Feuerwehrleute, über den herausragenden einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch und über die wunderbaren Revolutionen im arabischen Raum daherzureden.
Der Weihnachtsbaum gehört zu Deutschland. Jawohl. Aber was macht der Wulff in dieser Zeit, in der andere ans Schenken denken? Er feuert seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker. Hätte das nicht noch ein paar Tage Zeit gehabt? Nein, zu Weihnachten kündigen sonst nur ausgewiesene Raubtierkapitalisten oder ausgewiesene Nicht-Christen.
Und deshalb rufe ich alle dazu auf, Wulffs Rede nicht zu gucken, sondern zum Zeichen des Protests überall im Land die Toilettenspülungen zu drücken. Die Stadtwerke werden uns davon berichten.
Ich selber schaue mir zu Weihnachten und zum Jahreswechsel den Papst an. Der ist auch irgendwo schlimm. Aber seine “Espressione Cinese” ist immer wieder schön. Wie “Dinner for one” für die Stadt Rom und den Erdkreis. Hallelujah!
Der Papst fliegt weg. Mir bleibt der Wein
Das ist dumm gelaufen. Richtig dumm. Da kommt dieser kleine Mann, der laut “Bild”-Zeitung wir ist, also der Papst, für ein paar Tage nach Deutschland – und ich spiele im südlichen Ausland den Hilfswinzer. So habe ich Benedikts größte Auftritte fast komplett verpasst.
Im Berlusconi-TV habe ich ungefähr so viel erfahren: Papa Ratzinger ist in seiner Heimat zunächst viel besser angekommen, als vorab erwartet wurde. Er hat im Bundestag die Ökologiebewegung gelobt, ein Erfurter Trottel wollte mit einem Luftgewehr auf ihn schießen. Sehr schön fand ich Benedikts Aussage, wonach die Diktaturen in der früheren DDR für den christlichen Glauben “wie saurer Regen” gewirkt und so den Menschen den Glauben geraubt hätten. Daraus zu folgern, dass freies Denken den Glauben fördert, erlaubt der Papst aber nicht. Selbst ein absolutistischer Herrscher, verlangt er von seinen Schäfchen in allererster Linie Treue zum Vatikan.
Schließlich soll der Papst den Martin Luther im Großen und Ganzen gelobt haben. Allzuviel Ökumene lehnte er ab. Ist ja aus katholischer Sicht auch klar. Warum sollte Bayern München mit Greuther Fürth fusionieren?
All das habe ich live verpasst, aber man begegnet den höheren Werten der Schöpfung ja auch anderswo. Wein ist so eine Sache. Erst einmal in einem Fass, erledigt dieses Getränk so viel von selbst, dass ich vermuten möchte, dass Gott die Trauben kurz nach der Vertreibung aus dem Paradies erfunden hat. Ich glaube, ihn hat da noch einmal kurz das Mitleid mit den Menschen gepackt. Schweiß im Angesicht bei der Ernte, ja. Strafe muss ja sein. Aber ein Trostpflaster für die Vertreibung aus dem Paradies sollte es schon geben.
Wozu ich übrigens auch den Spargel oder das Rezept für das panierte Schnitzel zähle. Andererseits: Gott hat auch den Gemüsebratling und McDonald`s zugelassen.
Der Herr ist demnach nicht unfehlbar. Der Papst angeblich schon. Kann sein. Mir fehlt der Glaube.
Walter Mixa – ein Bischof zum Hassen
Und schon wieder Walter Mixa: Da hatten wir gedacht, in seinem Fall wäre es mit seinem Ohrfeigen-Geständnis und dem anschließenden (inzwischen akzeptierten) Rücktrittsangebot getan. Aber es kommt noch schlimmer. Ist der Augsburger Oberhirte ein Kinderschänder?
Sollte der Vorwurf stimmen, wäre Mixa endgültig ein perfektes Hassobjekt. Ein katholischer Bischof als ein typischer Sünder. Als einer, der zunächst beim Thema Missbrauch den Mund besonders weit aufreißt. Der mutmaßliche Opfer beschimpft, dann aber scheibchenweise neue Vergehen zugeben muss, bis er endgültig als widerlicher Krimineller dasteht. Für die Öffentlichkeit eine perfekte “Karriere”.
Ich bleibe erstmal skeptisch. Mir gefällt nicht, dass es mit den Enthüllungen so geradlinig verläuft. Dass es uns so leicht gemacht wird, diesen Mann zu verachten. Eine Inszenierung gegen ihn wäre zurzeit sehr einfach.
Also sollte man ganz bewusst daran denken, dass vor einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt. Auch wenn es schwerfällt. Und auch, wenn man weiß, dass sich gewisse Männer vor allem dann für junge Menschen interessieren, wenn sie Unschuld vermuten…
Der Papst schweigt. Was soll ein ratloser Mensch auch sagen?
Der von Mail zu Mail oder Tweet zu Tweet hüpfenden Generation Internet sei eines mal gesagt. Man kann vier Tage lang wegfahren, ohne dass sich die Aufregerthemen grundsätzlich ändern. Gut, beim 1. FC Nürnberg riecht es wieder stärker nach Klassenerhalt. Aber sonst: Wir ärgern uns über Guido Westerwelle und den Papst.
Beide gehen uns zurzeit mächtig auf die Nerven, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Der Mann von der FDP, weil er zu oft zu laut zu abseitig daherredet. Der Stellvertreter Christi, weil er zum Problem von Kindsmissbrauch hinter Kirchenmauern erstmal gar nichts sagt. Laut Volksmund soll Reden Silber und Schweigen Gold sein. Hier schaffen es zwei berühmte Persönlichkeiten, dass beides Schrott ist. Aber bleiben wir beim Papst.
Ansich ist Aussitzen spätestens seit Helmut Kohl ein integraler Bestandteil nachhaltiger Regierungskunst. Auch seine Nachfolgerin Angela Merkel versucht sich daran. Um so zu handeln, fehlt dem Papst allerdings nicht nur das breite Gesäß der Politiker. Er geht auch keiner Wahl entgegen. Und er ist, mutmaßlich, unfehlbar. Also im Besitz der Wahrheit. Warum rückt er dann nicht raus damit?
Vielleicht, weil er an Plato denkt. Von dem griechischen Philosophen stammt der Satz: “Man soll schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als das Schweigen.” Und was soll er denn sagen? Dass es ihm leid tut? Dass ihm die Opfer leid tun? Dass er alles dafür tun will, damit so etwas nicht mehr oder wenigstens viel seltener passiert? Wahrscheinlich wird er das in seinem angekündigten Hirtenbrief an die irischen Bischöfe tun.
Dieser wird dann herumgereicht und verlesen – und darf als Lehrschreiben wohl auch für Deutschland angewendet werden. Die Persönlichkeitsstruktur des irischen Kinderschänders sollte sich von jener des deutschen Täters ja nicht grundlegend unterscheiden.
Tja, warten wir mal ab, was Benedikt so schreibt. Wesentlich besser wird die Lage durch seinen Brief nicht werden. Die Strukturen von Priestertum, Glaube und Macht über andere sind so angelegt, dass es immer wieder zu Übergriffen kommen wird. Deshalb ist das Schweigen des Papstes wohl ein ratloses Schweigen.
Ein Satz eines anderen klugen Menschen lautet: “Ändere die Welt, sie braucht es!” Aber das war Bertold Brecht. Einem wie ihm wird die ach so mächtige katholische Kirche bestimmt nicht folgen.
Ganz sicher: Franziskus wird der neue Obama
Machen wir nicht lange herum, sondern halten wir fest: Der neue Papst Franziskus wird den Friedensnobelpreis bekommen. Unter Garantie. Es geht nicht anders.
Der Mann hat bis hierhin einfach alles richtig gemacht. Hat kritisiert, dass sich die katholische Kirche zu weit von den Menschen entfernt habe. Hat seinen Priestern empfohlen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Hat ein behindertes Kind an sich gedrückt und sogar Frauenfüße gewaschen und geküsst. Lauter gute Signale, die ihn wunderbar von seinem verknöcherten Vorgänger Papa Ratzinger abheben. Die Menschen sind entzückt, bislang als weltlich eingeschätzte Medien konkurrieren in Sachen Nachrichtenfülle und Verbalverneigung mit den frommsten Bistumsblättern.
So etwas Ähnliches gab es schon mal. Der Vorgänger hieß Tschortsch Dabbeljuh, der damals neue Mann Barack Obama. Ein paar gute Reden genügten, um ihn zum globalen Friedensengel zu ernennen. Was dann an Politik gekommen ist, war ziemlich oft etwas anderes.
Dem neuen Super-Papst wird es kaum anders gehen. Gut gewachsene Machtstrukturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Gemaule eines frisch gewählten Chefs für eine gewisse Zeit kommentarlos ertragen. Das macht populär, zeigt Offenheit.
Sobald sich der Neuling ausgetobt hat, beginnt Phase 2, das so genannte “Einnorden”. Er wird mit – vorzugsweise bürokratischen – Alltagsarbeiten derart zugemüllt, dass er nach kurzer Zeit feststellt, dass es keinen Sinn hat, zu viele Baustellen aufzumachen. Am Ende sagt und tut er fast das Gleiche wie sein Vorgänger. Den Unterschied macht vor allem das Image.
Sie finden das schlimm? Stimmt nicht, es ist normal. Zumal es eh so eine Sache ist, mit den Wegen des Herrn und seiner Diener. So hat der wichtige serbisch-orthodoxe Bischof Amfilohije am Osterwochenende den „Eroberungstrieb“ der europäischen Länder und der Nato angeprangert. Die EU wolle den Kosovo beherrschen und setzte damit die Tradition der Kreuzzüge und die „Tyrannei der Osmanen“ fort. Bevor er an die Schandtaten unter Sultan Murat erinnerte, hatte der Bischof Gott angerufen, damit die Nato aufgelöst wird.
Doch Gott ist nicht Gysi. Er ist auch, was das Treiben seiner angeblichen Stellvertreter auf Erden angeht, nicht gerade als entschiedener Reformer bekannt. Ihm scheint das eher egal zu sein. Also: Lasst Franziskus ruhig ein bisschen anders sein und lobpreist ihn dafür.
Das fühlt sich gut an. Denn dass es der Fortschritt seltenst rennt, ist uns sowieso klar. Oder nicht?