Posts Tagged ‘Papst’

Februar 20th, 2014

Raubtierkapitalisten fürchten nur Schnee

Sicher, Habgier zählt zurecht zu den Todsünden. Aber es ist verkehrt, den Kapitalismus für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen.

Wir sollten da auch unseren Lieblingspapst Franziskus zur Ordnung rufen, der diese Wirtschaftsordnung als “an der Wurzel ungerecht” bezeichnet hat. Denn rein materiell haben von diesem System auch die Beschäftigten profitiert. Der Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und real existierendem Sozialismus lässt sich so darstellen: VW Golf statt Trabant und Doppelhaushälfte statt Plattenbau.

Bei dieser Betrachtung darf allerdings das Wort “sozial” nicht übersehen werden. Es soll Unternehmer gegeben haben oder noch geben, die es gut und richtig fanden, dass die Beschäftigten am Erfolg der Firma teilhaben. Also war man Lohnforderungen gegenüber  aufgeschlossen, Verhandlungen über Tarife wurden mit dem Willen geführt, zu einer Einigung zu kommen. Zusätzliche Urlaubstage oder verrückten Ideen wie das Weihnachtsgeld ließ man sich durch Streiks abringen. Aber hinterher herrschte Frieden.

Das hat sich vielfach geändert. Spendabel sind Unternehmen heutzutage vor allem bei den Gehältern der Chefs. Oder bei deren Abfindungen. Ansonsten sitzen die Controller derart auf dem Geld, dass unser Euro-Adler quietscht. Das Humankapital ist in jedem Fall negativ zu bewerten. Nur Lohnverzicht kann uns retten. Zumal er auf lange Sicht in den wohltuenden Rentenverzicht mündet. Die Senioren der nicht mehr so sozialen Marktwirtschaft werden ihre Kreuzfahrt nicht mehr in die Karibik oder ans Nordkap unternehmen. Sie werden, begleitet von mittelmäßigen Blaskapellen, über unsere Binnengewässer gondeln.

Das ist die Zukunft. Aber wer, bitteschön, ist denn zurzeit der größte denkbare Renditeheld? Wer ist das ultimative Raubtier unter den Kapitalisten? Antwort: Es ist der Inhaber einer Firma für Schneeräumdienste. Monat für Monat bekommt er die Überweisung seiner Kunden aufs Konto. Tun muss er dafür Null und Nix.

Kein Aufwand, hoher Ertrag. 97 Prozent Umsatzrendite, im Zweifelsfall ohne jede Habgier. Dieser Mann ist unser Vorbild, unser Held. So lange das Wetter eben hält…

 

 

 

Oktober 11th, 2013

Limburgs Bischof und sein Bobby-Car

Geht das immer so weiter? Hört das nie auf? Müssen wir uns für alle Zeiten mit Nebensächlichem befassen, anstatt über wirklich wichtige Probleme zu diskutieren? Ja, es ist so. Das zeigt die Aufregung um den klapperdürren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Man hatte doch hoffen dürfen, dass das mediale Aufblasen von Kleinkram wenigstens nach den Wahlen aufhören würde. Stattdessen wird ganz Deutschland mit den Verfehlungen eines katholischen Provinzfürsten medial befeuert. Sicher, die Ausgangsposition für einen Skandal ist wie gemalt. Hier die heilige katholische Kirche, die unter dem neuen Papst aus Argentinien die reinigende Kraft der Armut entdeckt. Da der unheilige Verschwender, der in der Luxusklasse in indische Slums fliegt. Das passt, das Böse in der Kirche ist ein seit Jahrhunderten beliebtes Thema, das ganze Biblio- und Videotheken zu füllen vermag.
Doch seht, liebe Leute: Der Nachweis, dass die von Franziskus ausgerufene Bescheidenheit am Ende mehr sein wird, als eine clevere PR-Aktion, muss erst noch erbracht werden. Und wo wären wir, wenn die katholische Kirche niemals verschwendet hätte? Wir hätten ein paar Sehenswürdigkeiten und Kunstschätze weniger. Früher litten die Menschen unter der Ausbeutung, aber sie waren dann doch stolz, wenn mit ihrem Geld zum Ruhme Gottes der höchste Kirchturm der Region aufgeschichtet wurde. Wo Macht ist, wird verschwendet. Das wissen wir doch.
Und so ist der Amtssitz des Limburger Bischofs kaum etwas anderes als der Mittelfinger von Peer Steinbrück, das vegetarische Kantinen-Essen der Grünen oder das Bobby-Car von Christian Wulff. Es ist die Aufarbeitung des vermeintlich Unfassbaren, das am Ende schnurzegal ist. Weil nichts leichter ist als die Empörung über einen folgenlosen Skandal. Denn Limburg wird in einem halben Jahr in den überregionalen Medien wieder ähnlich selten vorkommen wie Unterschlauersbach oder Ouagadougou.
Dass Geistliche nicht ausschließlich erleuchtet sind, hat der französische Philosoph Denis Diderot blendend beschrieben: “Der Priester, ob gut oder schlecht, ist immer ein zweideutiges Geschöpf, ein zwischen Himmel und Erde schwebendes Wesen.” Alsdenn, Herr Papst. Befreien Sie Limburg, versetzen Sie diesen Tebartz-van Elst in eine Missionsstation in Afrika. Aber wehe, er fliegt Erster Klasse.

August 3rd, 2013

Ausbeuter kommen in den Himmel

Es ist wieder an der Zeit für eine theologische Betrachtung. Eigentlich scheint die Sache klar zu sein: Wer nur Geld zusammenrafft und andere ausnimmt oder sie gar nach Strich und Faden betrügt, muss in Satans Sauna schmoren. Ich habe über diese These nachgedacht – und massive Zweifel bekommen.

Der neue Papst, Franziskus, sensibilisiert uns gerade für das Thema Armut und Gerechtigkeit. Er trägt ausschließlich seine reinweiße Kutte, wohnt auf vergleichsweise erbärmlichem Niveau (Referenz: Vorgänger, Fürsten und Könige) und hat von seinem Papa-Mobil das Glasdach abschrauben und vielleicht an die Ludolfs verscherbeln lassen. Arm wünscht er sich seine Kirche. Die Masse jubelt ihm zu. Weil keiner dran denkt, wer zum Beispiel in Zukunft die Unterhaltskosten für das Nürnberger Männleinlaufen tragen soll.

Es naht demnach das Ende von Aravatia, dem Hauptlaster der Habgier. Wer ihm verfallen ist, kann zum Todsünder werden und muss auf dem Weg ins Paradies mindestens eine Ehrenrunde drehen. Ehe er – möglicherweise mit irreparablen Brandverletzungen – auf Wolke 14 die Schalmei spielen darf. Man kann auch mit prämortaler Unzucht nach unten rauschen, aber das dürfte angesichts des heutigen Altersdurchschnitts der Bevölkerung der seltenere Fall sein.

Aber kann ein Ausbeuter tatsächlich nicht zum Engel werden? Sehen wir es doch mal so: Wer andere, zum Beispiel als Arbeitgeber, so mies bezahlt, dass sie kaum über die Runden kommen, sorgt dafür, dass sie zu den Seligen gehören. Er hilft Menschen, ihre Habgier zu überwinden. Hartz-IV-Aufstocker sind dem Papst – und somit wahrscheinlich auch dem Herrn – ein Wohlgefallen. Sie tun der Spitze der Großabteilung Seelenheil so richtig gut.

Wir folgern: Wer ganz privat seiner Habgier frönt, kann als Todsünder bestraft werden. Wer aber auf Kosten anderer reich wird, tut Gotteswerk. Versprechen wir uns also nicht zu viel vom Paradies. Die Begrüßungsformel “Guten Morgen, Herr Abteilungsleiter” kann es auf dort geben. Amen!

Juli 31st, 2013

Prima, wir sind alle reich!

Haben Sie schon bemerkt? Wir sind reich, jawohl! Und werden immer reicher. Um sagenhafte 52 Milliarden Euro ist nach offiziellen Angaben das Geldvermögen der Menschen in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres gewachsen. Also: Seien wir dankbar. Machen wir Schluss mit unserem Gejammer.

Mit 4992 Milliarden Euro hat unser Vermögen einen neuen Rekordwert erreicht. Das meldet nicht etwa die Propagandaabteilung der Bundesregierung, sondern die selbstverständlich in jeglicher Hinsicht unabhängige und vertrauenswürdige Bundesbank. Im Vergleich dazu nehmen sich die Schulden mit 1594 Milliarden Euro absolut überschaubar aus. Es geht aufwärts. Wohin auch immer.

Wir könnten jubeln, wenn diese famose Statistik nicht kleine Widerhaken hätte. Das Geldvermögen ist im Quartal um 1,1 Prozent gestiegen. Das ist zwar ein Vielfaches dessen, was es auf das Sparbuch gibt. In der Rechnung berücksichtigt sind aber zum Beispiel auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen. 4,4 Prozent jährliche Rendite erwarten wir da schon. Zudem existiert dieses Phänomen namens Inflation. Das frisst uns ein knappes Prozentchen weg. Bei Nahrungsmitteln, die für das Überleben nicht unwichtig sind, lag die Preissteigerungsrate zuletzt bei 5,7 Prozent. Wenn wir schließlich ans Gesamtvermögen denken, spielen auch Immobilien eine Rolle. Wenn deren Marktwert steigt, erhöht das den allgemeinen Reichtum, ohne dass der Mensch, der die nächsten 20 Jahre seine Wohnung abzuzahlen hat, auch nur einen Cent mehr in der Tasche hat.

Statistik besteht immer aus objektiver Wahrheit und mehr oder weniger stark gesteuerter Lüge. Wer etwa die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker kennt, wird das deutsche Jobwunder kaum noch mit Verklärung anbeten. Wer liest, dass die deutsche Wirtschaft neuerdings den älteren Arbeitnehmern zu Füßen liegt, mag bejubeln, dass ein wachsender Anteil der 60-Jährigen noch täglich seinen Job ausübt. Wenn es darum geht, wie viele Menschen das tatsächliche Rentenalter als Arbeitnehmer erreichen, ist die Quote aber nach wie vor erbärmlich.

Ihre Stimmung ist jetzt erfolgreich versaut? Grämen Sie sich nicht. Denken Sie an Papst Franziskus und daran, wie sehr diesen frommen Mann sein eigener Reichtum ankotzt. Ihm reicht es völlig, wenn jemand da ist, der ihm zuverlässig das weiße Gewand bügelt. Mehr braucht er nicht. Von ihm lernen wir: Selig sind die zufriedenen Armen. Denn sie machen den Reichen das Leben leicht.

 

Juli 5th, 2013

Papst Wojtyla, der wundersame Heilige

Oh, Polen! Du Land der Heiligen! Du hast uns Walesa geschenkt, den Heiligen der Werftarbeiter. Lewandowski, den Heiligen der Strafräume. Und jetzt wird Karol Jozef Wojtyla, – neben seinem Vorgänger Johannes XXIII. – der wahrhaft HeiligeVater! Wir falten die Hände. Und danken dem Herrn.

Prinzipiell ist gegen die Heiligsprechung des ehemaligen Papstes nichts einzuwenden. Er hat 26 Jahre einen wirklich anstrengenden und mitunter eigenartigen Job gemacht. Und zwar bis zum letzten Atemzug. Charisma hatte er. Er hat den Kommunismus in Osteuropa in aller Redlichkeit bekämpft, war aber in Sachen Empfängnisverhütung oder Frauenordination ein wahres Ärgernis.

Nun kennt jeder Verein für seine wackersten Streiter die Ehrenmitgliedschaft. Das entspricht bei Päpsten der Seligsprechung, welche bei Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 erfolgt ist. Die noch höhere Stufe ist der Ehrenvorsitz, also die Heiligsprechung. Sie ist der Weg, um einen Sterblichen endlich von jeglicher Bodenhaftung zu erlösen. Papa Wojtyla selbst hat in seiner Zeit als Chef des Vatikans 486 Personen heiliggesprochen.

Nun ist bei ihm die Sache nicht so einfach. Die katholische Kirche verehrt ja vor allem solche Menschen, die für ihren Glauben gelitten haben oder gestorben sind. So kommt man verhältnismäßig leicht ins Heiligenverzeichnis, das sicher nicht umsonst Martyrologium heißt.  Johannes Paul II. hat ein Attentat überlebt. Aber das zählt hier nicht. Und deshalb muss geklärt sein, dass er zwei Wunder vollbracht hat.

Seine Kirche gräbt also nach und wird – welche Überraschung – tatsächlich fündig. Demnach hat der frühere Papst mit Gott über die französische Nonne Marie Simon-Pierre gesprochen. Woraufhin diese von Parkinson geheilt worden sein soll. Und weil es ohne Martyrium zwei Wunder braucht, taucht in den Akten eine Frau aus Costa Rica auf, welche von einer schweren Hirnverletzung erlöst wurde. Was zweifelsfrei der zu diesem Zeitpunkt bereits toten Papst ermöglicht haben soll.

Liebe katholische Kirche, sprich heilig, wen Du willst. Ich find’s gut. Aber höre bitte damit auf, Deine Schäfchen und den Rest der Welt für blöd zu halten. Selbstverständlich redet niemand mit Gott, bloß weil er am Petersplatz in Rom wohnt. Die Hirnverletzung von Costa Rica könnte auch eine unbekannte Voodoo-Priesterin kuriert haben. Man weiß es einfach nicht.

Ich sage: Wenn Johannes Paul II. den Zölibat abgeschafft hätte – das wäre ein Wunder gewesen. Das hat er ausgelassen. Also bete ich nicht mit, sondern gebe mich der spirituellen Verheißung eines italienischen Sprichwortes hin: “Ein Fass Wein beinhaltet mehr Wunder als eine Kirche voller Heiliger.” In diesem Sinne: Prost. Und Amen.

 

 

 

 

April 2nd, 2013

Ganz sicher: Franziskus wird der neue Obama

Machen wir nicht lange herum, sondern halten wir fest: Der neue Papst Franziskus wird den Friedensnobelpreis bekommen. Unter Garantie. Es geht nicht anders.

Der Mann hat bis hierhin einfach alles richtig gemacht. Hat kritisiert, dass sich die katholische Kirche zu weit von den Menschen entfernt habe. Hat seinen Priestern empfohlen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Hat ein behindertes Kind an sich gedrückt und sogar Frauenfüße gewaschen und geküsst. Lauter gute Signale, die ihn wunderbar von seinem verknöcherten Vorgänger Papa Ratzinger abheben. Die Menschen sind entzückt, bislang als weltlich eingeschätzte Medien konkurrieren in Sachen Nachrichtenfülle und Verbalverneigung mit den frommsten Bistumsblättern.

So etwas Ähnliches gab es schon mal. Der Vorgänger hieß Tschortsch Dabbeljuh, der damals neue Mann Barack Obama. Ein paar gute Reden genügten, um ihn zum globalen Friedensengel zu ernennen. Was dann an Politik gekommen ist, war ziemlich oft etwas anderes.

Dem neuen Super-Papst wird es kaum anders gehen. Gut gewachsene Machtstrukturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Gemaule eines frisch gewählten Chefs für eine gewisse Zeit kommentarlos ertragen. Das macht populär, zeigt Offenheit.

Sobald sich der Neuling ausgetobt hat, beginnt Phase 2, das so genannte “Einnorden”. Er wird mit – vorzugsweise bürokratischen – Alltagsarbeiten derart zugemüllt, dass er nach kurzer Zeit feststellt, dass es keinen Sinn hat, zu viele Baustellen aufzumachen. Am Ende sagt und tut er fast das Gleiche wie sein Vorgänger. Den Unterschied macht vor allem das Image.

Sie finden das schlimm? Stimmt nicht, es ist normal. Zumal es eh so eine Sache ist, mit den Wegen des Herrn und seiner Diener. So hat der wichtige serbisch-orthodoxe Bischof Amfilohije am Osterwochenende den „Eroberungstrieb“ der europäischen Länder und der Nato angeprangert. Die EU wolle den Kosovo beherrschen und setzte damit die Tradition der Kreuzzüge und die „Tyrannei der Osmanen“ fort. Bevor er an die Schandtaten unter Sultan Murat erinnerte, hatte der Bischof Gott angerufen, damit die Nato aufgelöst wird.

Doch Gott ist nicht Gysi. Er ist auch, was das Treiben seiner angeblichen Stellvertreter auf Erden angeht, nicht gerade als entschiedener Reformer bekannt. Ihm scheint das eher egal zu sein. Also: Lasst Franziskus ruhig ein bisschen anders sein und lobpreist ihn dafür.

Das fühlt sich gut an. Denn dass es der Fortschritt seltenst rennt, ist uns sowieso klar. Oder nicht?

März 23rd, 2013

Hilfe, der Frühling hat Burnout

Also twitterte @Charles_HRH: “Dear #Snow, it’s March, it’s Spring. Sod off.” Sinngemäß also, “Verpiss dich, Schnee.” Der sozial netzwerkende Prince of Wales ist unecht. Aber wenn er es geschrieben hätte, seine Hoheit hätte recht und für seinen großen Satz fröhliche Scharen fähnchenschwingender Kinder verdient. Wir frieren und frieren und versinken in unserer Nicht-Frühlings-Depression.

Ja, man verliert den Glauben. Da betet der neue Papst Franziskus am Grabmal des Petrus und trifft sich kurz darauf mit dem Rentner-Kollegen Benedikt. Kann so ein Heiligkeits-Duo nicht dafür sorgen, dass wir, sagen wir mal, 12 Grad mehr kriegen? Nein, die knien auf der Kirchenbank, falten die Hände – und nichts passiert. Ist das ein Stück der freudlosen Askese, die der Name des Neuen erwarten lässt?

Man verliert den Glauben in die Klimaforscher. Ich selber war stolz wie Oskar, als dank eines geschickten Wohnungswechsel der Verkauf unseres Zweitwagens möglich war. Seitdem führe ich ein Berufsleben auf der fußläufigen Verbindung. zunächst mit dem guten Gefühl, dass ich dazu beitragen könnte, den langfristigen Temperaturanstieg in Mittelfranken auf zwei Grad begrenzen zu können.

Heute will ich keinen Temperaturstopp mehr. Ich kaufe mir einen Mercedes Diesel, Baujahr 1973, betanke ihn mit Heizöl und pendle vier Mal täglich zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Bloß, damit sich die Atmosphäre über Nürnberg aufheizt.

Nein, nein, Trotz ist das nicht. Das ist volkswirtschaftliche Verantwortung. Wie, bitteschön, wollen denn die Einzelhändler, die gerade unsere Zeitungen und Briefkästen mit Prospekten vollstopfen, irgendetwas verkaufen? Der Winterstiefel-Sale ist kalendarisch rum. Aber wer interessiert sich jetzt für neue Sandalen?

Sogar in der Werkstatt hat mich der Winter heute eingeholt. Ein Autoreifen hatte auffallend viel Luft verloren. Zunächst tippte der Pneu-Experte auf einen Nagel in der Gummihülle, aber dann stellten sich fiese Ablagerungen auf den Felgen als Problem heraus. Hatte ich noch nie. Und wieso gab es die? “Das sind die Umweltbedingungen. Die werden immer schlimmer”, sagte der Meister.

Eigentlich gibt es für die ganze Misere nur eine schlüssige Erklärung. Der Frühling ist wie viele von uns. Er hat Burnout und kann einfach nicht mehr. Wir müssen also aushalten, mit dem Schimpfen aufhören und auf den Sommer warten. Ist so. Da hilft nicht mal ein falscher Prinz…

März 21st, 2013

Die Eurokrise und der verstrahlte Sparstrumpf

Die Eurokrise war mal etwas Großes. Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Irland – das waren richtige Länder. Entweder wirtschaftlich bedeutend, kulturell überragend, als ehemalige Kolonialmacht prägend für die Weltgeschichte oder wenigstens schön grün, hoch musikalisch und sympathisch versoffen. Aber Zypern! Ja Himmel, was soll denn das jetzt?

Da muss also die gesamte europäische Krisenbewältigungs-Maschinerie angeworfen werden, um eine Mittelmeer-Insel mit 860.000 Einwohnern zu retten. Das entspricht ungefähr dem engeren Ballungsraum Nürnberg. Selbst der bei absurden Vergleichen gerne benutzte Operettenstaat Saarland zählt mehr Menschen. Und wegen dieser paar Leute muss sich unsere Kanzlerin hinstellen und dem zyprischen Volk den vollsten Respekt der Deutschen aussprechen? Während bei einer für Geldvernichtung zuständigen US-Ratingagentur die unvermeidbare Abstufung dieses Staates auf Triple-Ramsch vermutlich von einem nachgeordneten Sachbearbeiter erledigt wird?

Kann eigentlich nicht sein. Doch über allem schwebt eine große Parole: Zypern sei deswegen pleite, weil zu viel Geld von stinkreichen Russen zu aberwitzigen Konditionen auf dessen Banken gelagert sei. Da sei ein “Geschäftsmodell” grandios gescheitert.

Abgesehen davon, dass es sich bei diesem Begriff bei weiterhin inflationärer Anwendung durch unsere Volksvertreter um ein kommendes “Wort des Jahres” handelt, muss es uns tatsächlich Angst machen, dass inzwischen selbst Kleinstaaten für den Euro “systemrelevant” sind. Normalerweise müsste die zweitwichtigste Währung dieser Welt eine solche Inselpleite rückstandsfrei verdauen.

Stattdessen wollte man direkt auf die Konten der Bankkunden zugreifen. Wenn das so weitergeht, kommt der Sparstrumpf wieder in Mode. Zurecht: Die Guthabenzinsen sind eh nur noch knapp über Null, und was dem Volk gebührt sehen gerade die West-Rentner, denen famosen 0,25 Prozent Rentenerhöhung winken. Stopfen wir das Geld also lieber unter die Matratze, achten wir aber auf eine abschreckende Wirkung. Der Strumpf sollte ungewaschen oder radioaktiv verstrahlt sein.

Denn viele Gefahren für unser Esperanto-Geld lauern noch. Zur Eurozone gehören durch entsprechende Abkommen auch San Marino mit seinen knapp 30.000 Einwohnern sowie die vor Kanada gelegenen fränzösischen Inseln Saint-Pierre und Miquelon mit zusammen 6300 Einwohnern. Und schließlich gibt es da noch den Vatikan. Läppische 800 Einwohner, aber in sämtlichen dies- und jenseitigen Fragen hundertprozentig systemrelevant. Inszeniert sich da nicht gerade ein gewisser Franziskus als “Papst der Armen”? Die Ratingagenturen lauern schon…

März 15th, 2013

Messi, Tango, Nasenbär und neuer Papst

Ohne Polizeieskorte ist er schon mal gefahren. Aber: Kann dieser Papst Franziskus alias Jorge Mario Bergoglio den Vatikan verändern? Selbstverständlich. Er ist zwar, wie der Name verrät, abstammungstechnisch ein Italiener. Aber Argentinien ist eben doch etwas anders.

Das Land ist bekannt für die Pampa, für famoses Rindfleisch, für Landsleute, die auf Inseln wohnen und deshalb lieber Engländer sein wollen. Das Land hat eine lebende Präsidentin, die in der Öffentlichkeit notorisch die höchsten Stöckelschuhe aller Regierungschefs dieser Welt trägt. Und eine gestorbene Präsidentin, die Hollywood zuliebe mit der Singstimme von Madonna ausgestattet war.

Aber natürlich gibt es den Tango. Eine Tanzdisziplin, für die wir Mittelfranken ähnlich entflammt sind wie sonst nur noch die Finnen. Und es gibt diese sagenhaften Kicker. Xavier Pinola, leider nur wichtigster lokaler Fußballgott seit Max Morlock und Andreas Köpke und somit nicht papabile.

Aber dann: Lionel Messi, der als Auferstehungsbeauftragter des FC Barcelona gerade Mailand (da schaut der Herr Scola, gell?) erledigt hat. Und natürlich Diego Armando Maradona. Der Mann mit dem genialen linken Fuß und den immer wiederkehrenden Abstürzen. Der arme Sünder mit dem großen Herzen, dem der Herr dereinst zwecks Torerfolg bei der WM 1986 die Hand geliehen hat.

Schon er hatte somit nachgewiesen, dass der Schöpfer den Argentiniern wohlgesonnen ist. Und nun kommt der erste außereuropäische Papst genau von dort. Da staunen Nasenbär und Pampa-Stier.

Wenn nun die größte aller deutschen Zeitungen “Das ist die neue Hand Gottes” schlaggezeilt hat, zeigt das wieder die Flapsigkeit dieser Journalisten. Papst Franziskus ist der Stellvertreter Christi aus Erden. Wenn wir so freundlich sein wollen, dieses zu glauben, müssen wir dennoch konstatieren, dass Jesus Mensch und nicht Gott war. Also ist “verlängerter Arm Gottes” das Größtmögliche, was wir Herrn Bergoglio zugestehen wollen.

Aufhorchen sollten nach der Wahl des neuen Papstes allerdings die Akkordeonorchester dieses Landes. Die Matthäus-Passion von Bach, dargebracht in einer Bearbeitung für zwölf Bandoneons ist keine Utopie mehr. Spiel Tango für die Armen! Amen!

Februar 22nd, 2013

Pille danach? Okay, aber nicht für alle Fälle

Wie nett: Da hat sich eine Runde von alten Männern tiefgründig mit dem gebärfähigen Körper der Frau befasst. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich ein Thema vorgenommen, das ihre Mitglieder eigentlich ganz und gar nichts angeht. Aber immerhin: Es ist Hirn vom Himmel gefallen. Deutschlands oberste Katholiken haben ihren grundsätzlichen Widerstand gegen die “Pille danach” aufgegeben. Frauen müssen den Zorn Gottes nicht mehr fürchten, wenn sie das Kind ihres Vergewaltigers nicht austragen wollen. Sagen seine angeblichen Stellvertreter auf Erden.

Da hat in aller Nachhaltigkeit die Barmherzigkeit gesiegt, möchte man jubeln. Aber dafür gibt es keinen Grund. Denn es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen selbst über eine Pille gegen eine ungewollte Schwangerschaft entscheiden. Auch ohne Rücksprache mit dem jeweils diensthabenden Exorzisten. Aldenn: Es ward geredet. Es ward gut. Und Gott sah es mit Wohlgefallen. Punkt.

Träumen wir lieber ein bisschen von den vielen wunderbaren Möglichkeiten, die uns die “Pille danach” noch schenken könnte. Wie etwa sähe unser Showbusiness, wie unser RTL-Programm aus, wenn sie gleich nach der ersten Produktion von Dieter Bohlen geschluckt worden wäre? Wie unsere Kommunikation, wenn sie bereitgelegen wäre, als Mark Zuckerberg sein Facebook scharfgestellt hat?

Wie schön wäre diese Pille, wenn sie der Fußballfan nach dem Abstieg seines Lieblingsclubs schlucken könnte? Wie gut wäre es für unser geliebtes Nachbarland Italien, wenn sie nach dem nächsten Wahlerfolg von Berlusconi wirken würde?

Die Einsatzmöglichkeiten wären unbegrenzt. Aber erstmal geben wir die “Pille danach” den Frauen. Doch nur in wirklich bösen Fällen. Was Frauen wirklich wünschen, ist ja klar. Eine Pille danach, die nach sieben Jahren Ehe automatisch zugeteilt wird und optional verwendet werden kann. Hier gilt jedoch: Das gibt es nicht. Das geht zu weit. Das ist Teufelszeug. Sakrament!

Februar 21st, 2013

Lass’ die Sonne wieder scheinen

Spüren Sie es auch? Irgendwie ist uns gerade vieles egal. Alles wirkt ein bisschen uninteressant. Nicht einmal der Rücktritt des Papstes bringt uns dazu, in einem letzten Akt der Solidarität mit dem Stellvertreter Christi die Fastenzeit ausnahmsweise ernst zu nehmen. Stattdessen lassen wir uns gleichmütig einen undramatischen Lebensmittelskandal um die Ohren hauen. Und was ist der Grund? Die Sonne ist irgendwie weg. Es ist, als würden ihre Strahlen im Sog des Asteroiden an der Erde vorbeisausen. Immer nur Wolken. Das macht keinen Spaß.
In Nürnberg, wo dieses Blog geschrieben wird, haben die Meteorologen die ganze böse Wahrheit gerade nachgewiesen. Ihren Angaben zufolge hat es im Winter 2012/2013 nur 78 Sonnenstunden gegeben. Noch trüber war der Winter zuletzt im Jahr 1903. Der Durchschnitt für Mittelfranken liegt bei 173,6 Stunden.
Die Wolken müssen endlich weg. Dringend. Darauf hoffen nicht nur die Existenzgründer, die im Vertrauen auf den Klimawandel in den Aufbau von Ananas- und Dattelpalmenplantagen investiert haben. Darauf hoffen nicht nur die Betreiber von Vorsaison-Biergärten oder die Familienpolitiker, die um die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung von Sonnen-Vitaminen wissen. Und auch nicht nur die Bauern, die im Märzen die Rösser anspannen. Wenn sie sie noch nicht an eine Discounter-Fleischerei verscherbelt haben.
Wir alle brauchen mehr Licht, denn die gute, alte Option „Ich bin dann mal weg“ funktioniert nicht mehr so. Es fehlt uns am Geld. Nach vielen Jahren Lohnverzicht mit dem Ziel, Deutschland als „kranken Mann Europas“ zu retten, sind drei Wochen Sonne für viele nicht mehr drin. Bei sieben Tagen Dom-Rep lohnt sich der Flug aber kaum.
Und Autoreisen sind auch schwieriger geworden. Wer kann es sich schon noch leisten, seine 13 Jahre alte Pannenkröte spontan durch ein nagelneues flottes Gefährt zu ersetzen?
Tristesse auf dem Konto, Tristesse am Himmel. Beides gleichzeitig ist einfach zu viel. Alsdenn, ihr Herren der Erde: Macht uns arm und ärmer. Aber Du, lieber Gott, lass‘ die Sonne wieder scheinen…

Februar 11th, 2013

Nix mehr Papst! Man kann’s verstehen

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?

Jetzt sind die Grundfesten dieser Welt erschüttert. Endgültig. Für immer. Unser Wir-Papst Benedikt XVI. hat für den 28. Februar 2013 seinen Rücktritt angekündigt. Einfach so. Ihm fehle die Kraft, sein Amt weiterhin gut auszuüben. Als ob das für einen 85-Jährigen eine stichhaltige Begründung wäre.

Die wahren Ursachen liegen doch auf der Hand. Für die katholische Kirche läuft es derzeit, mit Verlaub, beschissen. In Europa, und insbesondere in Deutschland, werden dauernd sinnlose Reformen gefordert. Zölibat abschaffen, Priesteramt für Frauen, Barmherzigkeit für Vergewaltigungsopfer, Verfolgung von Kinderschändern – alles ein furchtbares Gedöns, das den Blick von ewigen Wahrheiten ablenkt. “Katholiken fühlen sich gerade wie Fans von Schalke 04″, hat es die famose Fernsehwurst Johannes Benedikt Kerner gerade bei Günther Jauch auf den Punkt gebracht.

Immer mehr Katholiken laufen ihrer Kirche davon. In anderen Teilen der Welt werden Christen verfolgt, weil sie Christen sind. Schwierigkeiten, wohin das Auge blickt.

Und daheim in Rom ist es auch nicht mehr so schön. Man muss schließlich auch einem alten Papst zugestehen, dass er gelegentlich etwas Neues erleben möchte. Stattdessen: Immer die selben Rituale. Beten, Füße waschen, in 150 Sprachen die Welt grüßen. Der Papst hat vielleicht erkannt, dass er einer der größten Plagiatoren unter der Sonne ist. Und für die ist das Leben gerade nicht so leicht.

Aber wenden wir uns seinen eigenen Worten zu. Sofern den Journalisten die Übersetzung aus dem Lateinischen gelungen ist, sagte Benedikt XVI.: “Ich gehe zum Wohl der Kirche.” Das mag sein. Man weiß aber nicht, was nachkommt. Ihn drücke das Alter, sagte er weiter. Kann man verstehen. Aber bisher war das kein Argument. Fast alle Päpste sind direkt ins Jenseits abgetreten. Laut Wikipedia gibt es nur folgende Ausnahmen: 537 gab Silverius auf oströmischen Druck hin drei Wochen vor seinem Tod das Amt auf. Johannes von Velletri, 1059 als Benedikt X. inthronisiert, konnte sich kein Jahr halten und wurde obendrein exkommuniziert. Coelestin V. trat Ende 1294 zurück und starb 1296. Gregor XII. wurde schon 1409 abgesetzt, erklärte aber erst 1415 offiziell seinen Rücktritt.

Ein mutiger Schritt also. Bleibt die Frage: Wie kommt Papst auf dieses Rücktrittsdatum? Die Antwort: Im Dreikaiseredikt Cunctos populos von Thessaloniki schufen die Herrscher Theodosius I., Gratian und Valentinian II. am 28. 2. 380 das Fundament für das Christentum als römische Reichskirche.

Tja, das ist ein Pfund. Und die Bild-Schlagzeile nehmen wir auch gleich vorweg: “Nix mehr Papst!” Wetten, dass…?

Januar 25th, 2013

Der unbarmherzige Rosenkranz-Konzern

Ist doch famos: Kardinal Joachim Meisner, ranghöchster Erleuchtungsschauspieler im Kölner Dom und nach bisheriger Einschätzung der erzkonservativste Erzbischof dieser Republik, hat sich entschuldigt. Bei Frauen! Ja, diese Welt hat etwas ganz Besonderes erlebt. Papst wird der Mann nach dieser unerhörten Demutsgeste allerdings nicht mehr.
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten Probleme mit dem Behandeln eines Vergewaltigungsopfers. Der Kardinal fand das beschämend. Gut so! Doch im gleichen Atemzug machte er deutlich, dass es in den Kliniken seines Rosenkranz-Konzerns keinesfalls in Frage komme, einer vergewaltigten Frau die “Pille danach” zu verabreichen. Denn heilig sei die Leibesfrucht!
Es liegt wohl in den tiefsten Tiefen des katholischen Glaubens, dass das nicht möglich sein soll. Man verehrt ja die Jungfrau Maria, die sich als verheiratete Frau weigerte, ihrem Mann den eigenen Leib hinzugeben. Um ihm dann ein durch eine minimalinvasive Befruchtung entstandenes Kind zu gebären. Seitdem gilt sie als heilig. Von Josef redet keiner mehr.
Weil also eine ungewollte Schwangerschaft zum Markenkern des katholischen Glaubens gehört, wurde mit Blick auf die “Pille nach Gewalt” die ganze theologische Sachkunde in Gang gesetzt, um den Vorrang des soeben gezeugten Lebens vor dem Schutz des Vergewaltigungsopfers nachzuweisen. Priester, Domkapitulare, Theologieprofessoren forschten nach, und haben vielleicht herausgefunden, dass der damals unfehlbare Papst Zebulon der Vierunddreißigste im Gespräch mit Kaiser Karl dem Großen eine Bemerkung fallen ließ, die den weiblichen Bauch als solchen zum Eigentum der Kirche erklärte.
Wirklich wertvoll ist dieser Besitz aber nicht. Darüber wird nur ein paar Tage lang gestritten. Wenn es dagegen darum geht, kleinen Jungs ein Stück Vorhaut abzuschneiden, damit sie den Weg zu Gott leichter finden, diskutieren nicht nur die Theologen. Dann wird die komplette Gesetzesmaschinerie in Gang gesetzt, um auf höchster staatlicher Ebene festzustellen, dass Glauben vor Körperverletzung geht, wenn das maskuline Seelenheil zu sichern ist.
In großen Weltreligionen ist es also so: Den Männern gehört das Paradies. Das sündige Weib kehrt die Zufahrt oder fegt gleich den Vorhof zur Hölle. Wie langweilig. Streicht mich ruhig von Gottes ewiger Gästeliste.

August 3rd, 2012

Blasphemie? Der Papst ist kein Gott

Kämpfer gegen Blasphemie: Erzbischof Ludwig Schick.

Kämpfer gegen Blasphemie: Erzbischof Ludwig Schick.

Die Ferienzeit ist die Zeit der überflüssigen Nachrichten. Hauptsächlich bringt das so genannte Sommerloch absurde Ideen  unbedeutender Politiker hervor. Aber was Parlaments-Hinterbänkler können, schafft auch ein Gottesmann: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat gefordert, Gotteslästerung unter Strafe zu stellen. Auslöser für seinen  Vorstoß war ein Titelbild der Satire-Zeitschrift “Titanic”. Darauf war der Papst mit einem gelben Flecken auf der Soutane zu sehen.

Sicher, es ist geschmacklos, über eine mögliche Inkontinenz bei einem alten Mann zu spotten. Aber worüber redet Erzbischof Schick? Das griechische Wort Blasphemie steht für eine durch Taten und Worte offenbarte Ehrfurchtlosigkeit der Gottheit gegenüber. Ganz früher fühlte sich die Gemeinschaft von der Rache der verspotteten Gottheit bedroht. Das Schandmaul musste weg, üblicherweise durch Steinigung. So steht es bei Moses im Alten Testament.

Während sich aber diese Hinrichtungsart in verschiedenen islamischen Ländern derart bewährt hat, dass sie auch heute noch für weitaus harmlosere Delikte genutzt wird, gibt es bei uns den Paragraphen 166 des Strafgesetzbuches. Darin heißt es: “Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”

Eine Strafandrohung existiert also, weshalb man mit den Worten von Fußballgott Giovanni Trappatoni fragen könnte: “Was erlaube  Schick?”. Aber es geht noch um etwas anderes, nämlich um die Frage, ob Papstlästerung blasphemisch ist.

Selbstverständlich nicht. Benedikt XVI. ist nicht Gott, er wird vielmehr als Stellvertreter Christi auf Erden geführt. Nun war auch dieser kein voller Gott, sondern wenigstens ein halber Mensch. Joseph Ratzinger wiederum ist kein Heiliger. Er ist Vorstandsvorsitzender  eines global agierenden Weltanschauungskonzernes, der allerdings in der Öffentlichkeit zumeist mit salbungsvoller Stimme spricht. Hinzu kommt: Da uns Gott selbst hat wissen lassen, dass er keine anderen Götter neben sich duldet, sollte man den Papst nicht mit ihm auf eine Stufe stellen.

Verlassen wir uns doch darauf, dass die unverschämten Satire-Redakteure durch Gott selbst gerecht und angemessen bestraft werden. Und sei es durch eine Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht. Wenn man sich allerdings so anschaut, welche absurden und üblen Dinge tagtäglich auf dieser Welt passieren, könnte man sich auch vorstellen, dass sich der himmlische Zyniker die Hände reibt und sich diebisch darüber freut, dass seinem Bayern-Beni mal eine reingewürgt wurde.

Das aber wissen wir nicht. Wir wissen nur dies: Die Wege des Herrn sind unergründlich.

 

 

 

Mai 23rd, 2012

Eurovison Song Contest – die ganze Wahrheit

Der Eurovision Song Contest in Aserbaidschan war mein Thema bei der jüngsten PechaKucha-Nacht im Neuen Museum in Nürnberg. Vor über 200 Zuhörern durfte ich den famosesten Gesangswettbewerb der Welt knapp sieben Minuten lang beleuchten. Mein Kollege Thomas Gerlach hat den Auftritt dokumentiert. Hier ist er – ungeschnitten, werbefrei, also praktisch wie live. (Zur Erläuterung: Bei PechaKucha werden 20 Bilder jeweils 20 Sekunden lang besprochen)
YouTube Preview Image