Ein Text für Franziskus: „Ihr könnt mich mal!“

Am Ostersonntag kommt es, das schöne Ritual: Der Papst tritt auf die Empore des Petersdoms, schaut auf die ergriffene Menge, die seinen Segen erwartet. Was aber wäre die derzeit treffendste Botschaft von Franziskus an die Menschheit? Vier Worte: „Ihr könnt mich mal!“.

So zwischendurch, nach einem guten Glas Wein, möchte man glauben, dass menschliche Evolution und Fortschritt dasselbe Ding seien. Tatsächlich könnten wir diese Welt zu einem richtig schönen Ort machen. Was damit begänne, dass wir andere Artgenossen respektvoll und mit Zuneigung behandeln. Stattdessen wird gemordet und gemordet und gemordet.

Die für uns schlimmsten Verbrecher sind, ganz klar, die Terroristen. Man fragt sich, was Menschen stolz macht, wenn sie unschuldige Zufallsopfer in den Tod reißen, um am Ende nichts zu erreichen, als dass Angst und Misstrauen wachsen? Was macht so ein famoser Kalif, wenn er hört, dass wieder erfolgreich Körper zerfetzt wurden? Beten? Onanieren?

Es gibt aber auch die Auftragskiller in Uniform, die immer nur ihre Pflicht tun. Wie lebt es sich als Kampfpilot, der zuerst ein Wohnviertel verwüstet hat, um nach dem Duschen seinen kleinen Kindern die Raupe Nimmersatt vorzulesen? Wie fühlt sich der Drohnen-Lenker, der am Joystick seiner Vernichtungs-Playstation abrutscht und deshalb statt einer Mörderbande eine Hochzeitsgesellschaft auslöscht?

Und wie geht es Richtern, die das Leben von Menschen für demnächst beendet erklären? Amnesty international hat gerade vorgerechnet, dass Todesurteile wieder in Mode kommen. In China, dem riesigen Reich mit den vielen schönen Lifestyle-Produkten, wurden im vergangenen Jahr weit über  tausend, vielleicht tausende Delinquenten ganz legal gemeuchelt. Im Iran, einem eigentlich wunderbaren Land, sind 567 Hinrichtungen amtlich verbürgt. In Saudi-Arabien, dem besten Stammkunden unserer Waffenfabriken, stirbt alle zweieinhalb Tage ein Mensch durch den Henker. In den USA herrscht aktuell Zurückhaltung, weil „humane Chemikalien“ für Todesspritzen schwer zu beschaffen sind.

Fraziskus redet über Auferstehung und Bergpredigt, während an vielen Ecken der Welt der Marsch zurück ins Alte Testament läuft.

Er sollte ruhig sagen, was er von dem Ganzen hält. Und falls er richtig sauer ist, würden auch zwei Worte genügen. Aber das wäre dem feierlichen Anlass gegenüber wohl doch zu unangemessen.

 

 

Der Osterhase schreit vor Glück

Ach ja, früher war alles besser. Selbst der Osterhase hatte es leichter. Er packte sein ergonomisch geformtes Weidenrutenkörbchen, schnallte es auf den Rücken, stellte die Löffel nach oben und hoppelte los. Heute kommt der Eierlieferant anders daher, nämlich als Fahrer eines DHL-Transporters. Denn die Geschenkeflut wächst.

Sperriger sind die Gaben auf jeden Fall geworden. Die Osternester von heute sind bevorzugt eckig. Es gibt Smartphones, Büchertaschen oder großformatige Legosteine. An den eigentlichen Anlass erinnern – wenngleich ausschließlich sprachlich – die iPads und die weiteren Segnungen deren Herstellers. Für den Einzelhandel ist das natürlich eine Freude. Er jubelt über das zweitbeste Geschäft nach Weihnachten.

Das nimmt dem österlichen Suchspiel allerdings die Lässigkeit. Früher stand allenfalls die treu waltende Hausfrau Ängste aus. Nämlich, dass nicht gefundene Eier oder Schokolämmer vor dem Auffinden zerbrechen, verfaulen oder unkontrolliert schmelzen könnten. So dass sich neben den Sessel- und Sofaritzen grässliche Flecken bilden könnten. Auch braune Fladen auf dem Teppichboden waren gefürchtet. Beim Wert der heutigen Geschenke geht allzu listiges Verstecken natürlich nicht mehr. Wer legt schon einen Kindle so in den Weg, dass Ur-Opa auf dem Weg zur Toilette drauflatscht?

Man könnte nun trefflich darüber philosophieren, ob die steigenden Ausgaben für Ostergeschenke ein Indiz für wachsende Liebe unter den Menschen ist. Oder eine Möglichkeit, zwischenmenschliche Ratlosigkeit zu kaschieren. Doch lassen wir das, freuen wir uns lieber mit dem Einzelhandel, dass sich zwischen Valentins- und Muttertag ein fester Ankerplatz für überschüssige Devisen etabliert hat. Und schenken wir in dem guten Bewusstsein, dass es in diesen Eurokrisen-Zeiten eh das Beste ist, die Kohle rauszuhauen.

Der moderne Oster-Mensch prasst. Lustiger war die exzessive Eiersuche aber trotzdem. Mein Appell ist deshalb klar: Hoppelt mal wieder! Oder schreit vor Glück1