Wenn Merkel zu Mutti Teresa wird…

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Diese Sätze aus der Erzählung „Der kleine Prinz“ vermitteln uns,  dass Menschlichkeit besser ist als kalter Egoismus. Die vergangenen Tage haben uns gezeigt: Es geht. Es kann mühsam sein. Aber es kann sich lohnen.

Angela Merkel hat es probiert. Getragen von der Offenheit vieler Menschen, die vor allem in München Flüchtlinge einfach als Menschen begrüßt haben, verhielt sie sich gegen ihre Gewohnheiten. Überraschend unbürokratisch hat sie Deutschland für einige Tage geöffnet. Sie wurde zu „Mutti Teresa“, wie es die „heute-show“ karikiert hat.

Die CSU hat das deutlich kritisiert. Das war zu erwarten. Was aber treibt diese Partei dazu, sich mit Viktor Orbán, dem widerlichsten Regierungschef der EU, an einen Tisch zu setzen. Macht man es, weil der Mann das sagt und vertritt, was man selbst aus Gründen der politischen Korrektheit nicht selber darf? Geht es, wie früher in der Ostpolitik um „Wandel durch Annäherung“? Will man ihn gar zum Christlichen und zum Sozialen bekehren?

Wäre das Thema Flüchtlinge nicht so bitter, könnte man Parteitaktik vermuten. Kanzlerin Merkel verhält sich entsprechend der Stimmung im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung. Die CSU wiederum glänzt in ihrer Paraderolle, nämlich als Opposition in der Regierung. Gemeinsam decken die Schwesterparteien das breitest mögliche Meinungsspektrum ab. Ein Wahlergebnis 40 Plus Prozent wird auf diese Weise abgesichert.

Doch lassen wir solche Überlegungen beiseite. Dann erkennen wir, dass das Herz zwar anders sieht, aber keineswegs doof ist. Nehmen wir an, in Syrien und anderen Krisenstaaten würden irgendwann vernünftige Menschen an die Macht kommen. Könnte es sein, dass sich diese an das Deutschland des Jahres 2015 erinnern und sich dankbar zeigen? Ist ein Land im Wiederaufbau kein lohnendes Thema für eine Exportnation? Ist nicht davon die Rede, dass Afrika der nächste große Markt wird?

Mutige Großzügigkeit hat das Risiko, dass es schiefgeht. Aber sie kann sich lohnen. Träumen darf man.