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Sture Münchner? Dürer hängt auch in Hamburg
Haben Sie’s gewusst? Im Jahr 2011 wurde das im holländischen Eindhoven beheimatete, millionenteure Picasso-Gemälde “Buste de Femme” in einer Ausstellung in Ramallah präsentiert Also in Palästina, einem Land ohne gewählte Regierung, ohne gesicherten Frieden, mit großer Hitze und reichlich Staub.
Warum ich das schreibe? Weil die Idee, eines der berühmtesten Dürer-Gemälde in Nürnberg auszustellen, auf scheinbar unüberwindliche Hindernisse trifft. Weil man uns Franken nicht zutraut, das Werk unseres großen Landsmannes anständig zu behandeln.
Liebe Münchner, vielleicht könnt Ihr es akzeptieren, dass Ihr es nicht mit hochkultur-fernen Südsee-Insulanern zu tun habt. Dürers Bild heißt nicht “Selbstbildnis im Bastrock”, sondern “im Pelzrock”. Hinter diesem Titel darf Wohlstand vermutet werden.
Es gab nämlich eine Zeit, in der Nürnberg erheblich bedeutender war, als Eure “Weltstadt mit Herz”. München war nicht wichtig genug, um es mit Stadtmauern und Burg vor bösen Feinden zu schützen. Deshalb ist die bayerische Landeshauptstadt bis heute eher eine Ansammlung von Dörfern, in denen die Wohnungsmieten alerdings irreal überhöht sind.
Wir Nürnberger verwenden seit jeher in unserer Bratwurst das edle Gewürz Majoran. Während Ihr in Eurer Weißwurst gerade mal ein bisschen Petersilie unterbringt. Bei uns fuhr die erste Eisenbahn im Jahr 1835, während bei Euch die erste Straßenbahn 1876 in Betriebs genommen wurde. Als Pferdebahn, deren vierbeinige Lokomotiven nach Feierabend im Englischen Garten, den Jagdgründen der Wittelsbacher, grasen durften.
Womit wir bei den Wittelsbachen wären. Die Landesstiftung der ehemaligen bayerischen Könige ist die Eigentümerin des Dürer-Selbstbildnisses. Dass sie durch einen Betrüger und Fälscher in den Besitz des Werkes kam, passt ins Bild. Wissen wir doch, dass der Adel durch schamlose Raffsucht zu dem wurde, was er war. Und je schamloser und raffsüchtiger, desto höher wurde der Adel, der sich fortan Hochadel nannte.
Die “Süddeutsche Zeitung” nun hat den fränkischen Bürgern und ihren Politikern empfohlen, den sinnlosen Streit um den Pelzrock-Dürer aufzugeben und diesen stattdessen in der Alten Pinakothek in München zu besichtigen. Dazu sagen wir: Beutekunst bunkern und dann auch noch Geld von Tagestouristen kassieren? Nix, da bleibt Euch der Schnabel trocken.
Wir fahren nach Hamburg. Denn dort, genauer am Haus Neuer Pferdemarkt 21, hängt unser Albrecht auch. Leicht verrückt wirkt das Dürer-Bildnis an dieser Stelle schon. Aber das passt, schließlich beherbergt das Gebäude eine Handelsfirma für Hanfzüchterbedarf.
Und da sagen wir Franken: Lieber ein hanseatischer Kiffer, als ein oberbayerischer Schnupftabak-Grantler. Hamburg, wir kommen!
Das unfassbare Sieben-Milliarden-Kind
Ja, ich hab’s kapiert. Ein erheblicher Teil unsere Daseins besteht daraus, dass uns jemand verarscht. Mal übel, mal nett. Jetzt waren es die Vereinten Nationen, die uns mitgeteilt haben, dass ein neugeborenes Mädchen namens Danica aus Manila der siebenmilliardste Mensch auf unserem Planeten sein soll. Das ist doch Krampf.
Mit dieser Botschaft begibt sich der gewiss seriöse UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf das Niveau der Leiters eines Provinz-Supermarktes, der sich korrekt gescheitelt, mit Anzug und Krawatte, einem lapprigen Blumenstrauß und seiner hübschesten Verkäuferin vor den Laden stellt, um der angeblich 10.000. Kundin ein ausgefülltes Rabattmarken-Heft ins Konsumentenhändchen zu drücken.
Weil die Volkszählung schon lange her ist, wissen wir doch nicht mal genau, wie viele Menschen in Deutschland leben. Woher also will die Uno wissen, wie viele Leute tatsächlich in einer ostasiatischen Mega-City unter den Brücken schlafen? Und woher wollen die Statistiker wissen, dass es 1804 die erste, 1927 die zweite, 1960 die dritte und jetzt die siebte Milliarde Mensch gegeben hat?
Schon klar. Hier geht es nicht um exakte Daten, sondern um das große Ganze. Und da muss ich zugeben, dass ich mir eine Milliarde Menschen ähnlich schlecht vorstellen kann, wie die 55,5 Milliarden Euro, die bei Hypo Real Estate völlig überraschend nicht verschwunden ist. Ich kann mir überlegen, dass diese Menschen, sauber aufeinandergestellt, ungefähr die halbe Strecke bis zum Mars ausmachen.
Ich kann es auch mit meiner engen fränkischen Sicht versuchen und diese Zahl auf Nürnberg übertragen. Eine Milliarde Menschen sind die 2000-fache Einwohnerzahl von Nürnberg. Um sie zu versorgen, bräuchte es also 6000 U-Bahn-Linien, 2000 Opernhäuser, zirka 50000 Brezen- und 800000 Dönerbuden. Unsere Standesämter müssten 4,4 Millionen Paare trauen, Krematorien und Friedhöfe müssten jedes Jahr 10,7 Millionen Leichen bestatten, durch den Tiergarten würden sich 118 Millionen Besucher drängen. Und, und, und…
Ich gebe zu, dass mich solche Zahlen beunruhigen. Einerseits. Und traurig machen. Andererseits.
Denn wieder einmal frage ich mich: Warum bin ich Journalist geworden? Und nicht doch der Weltmarktführer für Babyschnuller? Was wär das doch für ein Markt.
Schöne Zeiten enden – bei ZDF und CSU
Die Zukunft ruft. Sie lockt mit stetem Wandel und der Verheißung auf immer neue Rettungsschirme. Bloß: Viele hören nicht hin. Sie wollen, dass alles bleibt wie es ist. Oder das es wieder so wird, wie es einmal war. Zu erleben war dies am Wochenende gleich bei zwei Veranstaltungen im Nürnberger Messezentrum: beim CSU-Parteitag und bei “Wetten. dass….?”.
Erstmal zeigte sich der Hang zum Immergleichen am Beispiel der Show. Obwohl Moderator Thomas Gottschalk inzwischen als Auslaufmodell antritt, war er mit 9,06 Millionen Zuschauern der Sieger des Samstagsabends. Konkurrent Dieter Bohlen kam mit seinem “Supertalent” nur auf 6,58 Millionen Fans.
Wie kann das sein? Ein paar bekannte Showgrößen lümmeln auf einer Couch, dürfen kostenlose Werbung für ihre neuen Produkte machen. Dazwischen gibt es abstruse Wetten und ein bisschen Musik. Neu ist das alles nicht, aber “Wetten, dass…?” hat eben den Status von Tagesschau, Tatort oder Neujahrs-Skispringen. Es war irgendwie immer da und wird deshalb auch geguckt.
Allerdings: Gerade diese Show wird heftigst mit ihrem Moderator indentifiziert. Wer immer für Gottschalk kommt, wird es schwer haben oder wird schon bald das Comeback seines Vorgängers ankündigen. Ein ganz neues Gesicht, also einen großen Wandel, hält “Wetten, dass…?” nur schwer aus.
Nicht viel anders geht es der CSU. Früher war diese Partei ein echter Machtfaktor. In der alten Bundesrepublik schaute man nach Bayern, die Gamsbartträger am alpenländischen Sonntags-Stammtisch konnten die Weltpolitik in der Überzeugung diskutieren, dass die Oberen ihrer Partei in Bonn für Zucht und Ordnung sorgen würden.
Heute muss die CSU das tun, was eine ostdeutsche Pfarrerstochter will. Und so hatten beim Parteitag fast die hälfte der Delegierten Lust auf den Anti-Euro-Illusionisten Peter Gauweiler. Kein Seehofer-Stellvertreter hebt die Welt aus den Angeln. Das weiß man. Aber da wäre wenigstens wieder einer gewesen, der so redet wie damals.
Das Signal von Nürnberg von Anfang Oktober lautet also: Es ist nicht leicht, wenn schöne Zeiten zu Ende gehen. Ob beim ZDF – oder bei der CSU.
Wer streikt, darf nicht in die Straßenbahn
Da gehen also in der kommenden Woche die Tarifverhandlungen für die Zeitungsredakteure/-innen in die vielleicht entscheidende Runde. Die ver.di-Gewerkschaft, die Deutsche Journalisten-Union, wollte aus diesem Anlass mit einer Straßenbahn durch die Stadt fahren und Passanten auf ihre Forderungen aufmerksam machen. 540 Euro wäre der Gewerkschaft eine zweieinhalbstündige Fahrt wert gewesen.
Das Problem: Sie kriegt keine Straßenbahn. Das zuständige Vorstandsmitglied hat nämlich entschieden, dass das Ganze “zu politisch” sei. Oder wie es sein Mitarbeiter dem potenziellen Kunden erklärte: “Wir sind eben ein besonderes Unternehmen.” Und berichtete, dass er habe “antreten” müssen, nachdem er eine Straßenbahn an die CSU vermietet hatte.
Jedenfalls zeigt sich an dieser Stelle, dass so etwas wie ein Streik für manche Menschen etwas höchste Bedrohliches ist. Wer die Arbeit verweigert, um bessere Konditionen am Arbeitsplatz zu erreichen, gilt als destruktives und mutmaßlich gewalttätiges Element. Es könnte ja was passieren.
Übersehen wird dabei Folgendes: Gewerkschaften sind vom Grundsatz her parteipolitisch neutral. Und außerdem ist das Streikrecht ein Grundrecht. Es gehört also zu den höchsten Gütern unserer Verfassung.
Aber erkläre man das mal einem Bürokraten, der vor allem seine Ruhe haben will…
Kaufhof-Rettung? Da hilft nur Geld.
Kennen Sie den? Den Primat der Politik? Dieser Begriff steht für die Meinung, dass bei wichtigen Entscheidungen der politische Wille Vorrang vor allen anderen Interessen, insbesondere vor wirtschaftlichen, haben sollte. Manchmal aber ist dieser Primat ein Witz. Aus gutem Grund.
Namhafte Gelehrte bezweifeln ohnehin längst, dass eine Welt funktionieren kann, in der die Politiker/-innen stets zuallererst den Ton angeben. Sie beschäftigen sich dabei gerne mit der Globalisierung. Ich nehme ein Nürnberger Thema. Den Kaufhof.
Jüngst hatte ich geschildert, dass mich das für 2012 geplante Aus für das traditionsreiche Nürnberger Südstadt-Kaufhaus richtig traurig macht. Mich verbinden damit viele persönliche Erinnerungen. Auch zahlreiche andere Menschen zeigten sich geschockt.
Alle, die in dieser Gegend Verantwortung tragen, sollten daher schleunigst gemeinsam nach der besten Lösung für die Zukunft suchen. Meint man. Aber das gelingt nicht. Zurzeit jedenfalls sucht offenbar jede Partei nach einer eigenen Lösung, die Einzelhändler-Vereinigung “Südstadt Aktiv” verbündet sich ganz offiziell mit der CSU, bedient sich aber auch bei Ideen bei der SPD. Aus Sicht der Bürger entwickelt sich ein “Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Spiel”. Am vergangenen Samstag waren auf dem Aufseßplatz zwei Stände zum Thema Kaufhof aufgebaut. Ein seltsames Bild.
So werden die Akteure nicht zum Ziel kommen. Den Primat der Politik kann man vergessen. Es hilft nur jemand, der den Mut hat, in diesen grauen Kasten viel Geld zu investieren. “It’s the econonmy, stupid” – es kommt darauf an, was die Wirtschaft sagt. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat mit seinem berühmten Satz in Sachen Nürnberger Südstadt recht. Und das ist ja auch ein globaler Aspekt.
Ich werde alt. Ich trauere um ein Kaufhaus
“Ach, das ist doch bloß ein schlecht besuchtes Kaufhaus. Und sieht auch noch beschissen aus.” Da schließt also die Kaufhof AG Mitte 2012 ihre Filiale in der Nürnberger Südstadt – ich erwarte auch Kommentare dieser Sorte, finde das selber aber wirklich schlimm. Wahrscheinlich merke ich bei dieser Gelegenheit nur mal wieder, wie alt ich inzwischen geworden bin.
So lange ich zurückdenken kann, war dieser merkwürdige Betonwürfel mit seiner Bienenwaben-Fassade für mich so etwas wie das Herz der Südstadt. Mal hieß das Kaufhaus Merkur, dann Horten, dann Kaufhof – aber immer stand es da, als wäre sein Grundstück extra dafür geschaffen worden. Ich habe dort in den letzten 40 Jahren alles mögliche Zeug gekauft. Klamotten, Schreibmaschinen, Sektgläser, Zeitschriften, Parfüm, Lebensmittel, jede Menge Geschenke. Ich bin gerne die denkmalgeschützte Wendeltreppe rauf- und runtergelaufen, habe mir dort die Haare schneiden lassen und habe in der Fernsehabteilung die ersten Bilder von der Ratzinger-Papstwahl gesehen.
Da ich sicher bin, dass viele andere Menschen ähnliche persönliche Erlebnisse gehabt haben, mag ich mir nicht vorstellen, dass dort eine Reste-Rampe oder ein großer Elektromarkt einziehen. Gerade eine Gegend, in der 30.000 Menschen aus allen Teilen der Welt ganz überwiegend in Mietshäusern und oft genug alleine leben, braucht Kristallisationspunkte wie ein ordentlich bestücktes Kaufhaus. Und auch andere Händler und Dienstleister leben davon. Denn rund um den Magneten sammeln sich andere, die von und mit ihm profitieren. Die Experten reden da von “Clustern”.
Aber der Umsatz? Haben nicht einfach zu wenige Menschen beim Kaufhof Geld gelassen? Handel ist Wandel, schon immer gewesen.
Tja, wenn das so ist, dann bin ich bei diesem Thema vielleicht doch bloß ein weinerlicher Nostalgiker. Der noch nicht kapiert hat, dass heute diese Sätze stimmen: “Wir brauchen keine alten Kaufhäuser. Wir haben Amazon und Ebay.”
Street View: Hurra, ich bin dabei!
Was verbindet Menschen in der realen und der virtuellen Welt? Richtig ! Der Satz “Dabeisein ist alles”. Aus diesem Grund habe ich die aufgeregte Ablehnung von Google Street View nie geteilt. Schließlich bietet dieser Dienst Menschen die Chance, auf viele Jahre hinaus im meist besuchten Ort unseres Globus`, also des Internets, vertreten zu sein.
Ich habe das blaue Google-Auto vor zwei Jahren auf dem Weg in der Nürnberger Südstadt gesehen. Damals wurde über Street View noch gar nicht groß diskutiert. Zunächst dachte ich mir “Seltsames Fahrzeug”, ehe mir schlagartig bewusst wurde, wer da unterwegs war. Und welche Chance das bedeutet. Also habe ich mich – da ich gerade ein Rennrad unter mir hatte – auf die Verfolgung gemacht.
Die Internationale vor dem Grand Hotel
“Und die Goldene Ehrennadel geht an Frau Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel.” Seit dem heutigen Samstag halte ich dies für einen denkbaren Satz bei einem großen Gewerkschaftskongress im Jahr 2014. Denn eines schafft die schwarz-gelbe Bundesregierung: Sie treibt die Menschen in hellen Scharen zum Protest auf die Straße. Nicht nur gegen Atomstrom, sondern auch gegen ihr “Sparpaket”. Mindestens 30.000 waren es alleine in Nürnberg.
Vor ein paar Jahren hätte dies niemand für möglich gehalten. Engagement für die Gewerkschaft wirkte manchmal ähnlich prickelnd wie das Reiten eines totes Pferdes. Junge Menschen fragten schon mal, wozu sich Arbeitnehmer organisieren sollten. Sie selbst fühlten sich in der Barmer schließlich gut aufgehoben.
Gestern waren auffällig viele junge Leute dabei. Und diese sorgten auch für lustige Momente im Demonstrationszug. Eine Gruppe von Mädchen schrie sich immer wieder derart die Seele aus dem Leib, als würde nicht der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena, sondern Robbie Williams am Mikrofon stehen. Von einem Wagen aus warfen junge Leute wie im Fasching Bonbons und Traubenzucker ins Volk und drehten die Musik auf volle Lautstärke.
Und als der Zug wegen des übergroßen Andrangs ins Stocken kam, wurde das Le Meridien Grand Hotel gut 20 Minuten lang kräftigst beschallt. Unter anderem mit der “Internationalen” . “Völker, hört die Signale”, ausgerechnet vor Nürnbergs Luxusherberge? Passt eigentlich schon. Denn so gut sind die Löhne in der Hotellerie ja auch nicht…
PS.: Mit einer Ehrennadel für Gesundheitsminister a. D. Rösler wäre ich auch einverstanden.
Beim Tête-a-Tête mit Ministerin Schröder
Ja, wie ist die denn eigentlich so? Mehr muss, mehr will man gar nicht wissen, wenn man sich zum Date mit der neuen Familienministerin Kristina Schröder geht. Der größere Teil der heimischen Twittergemeinde wollte die CDU-Politikerin in Nürnberg treffen – der andere Teil, der Polit-Inszenierungen verabscheut, saß bei einem Sushi-Wirt nahe der Stadtgrenze zu Fürth. Ich war bei Schröder. Alsdenn: Wie war`s? Wie ist die Frau?
Hupuzela, oder: Im Auto sind wir alle Afrikaner
Was wurden und werden wir nicht gewarnt. Der südafrikanische Fan-Brauch, aus schierer Fußballbegeisterung praktisch ohne Unterbrechung in eine Tröte zu pusten, sei pures Gift für die Ohren. Nervtötend sei das Geräusch obendrein. Und doch: Wir sind alle Afrikaner. Wenn wir uns nämlich, wie Sonntagnacht, ans Steuer unseres Autos setzen und hupend durch die Straßen der Stadt düsen.
Tatsächlich sind die Vuvuzelas furchtbar. Sie führen einerseits dazu, dass ein Bienengift-Allergiker ein Spiel in einer Dauerpanik durchlebt, wie sie sonst vielleicht nur ein australischer Verteidiger spürt. Die Tröten sind andererseits nicht laut genug, um das elende Gebrabbel eines gewissen Bela Rethy zu übertönen. Der ZDF-Live-Kommentator verlegte sich zum Ende des Spiels hin aufs freie (und schlechte) Philosophieren. Sogar Mahatma Ghandi wurde ins Spiel gebracht. Dieser hat irgendwann im Austragungsort Durban gelebt – es blieb jedoch offen, ob es dafür Eck- oder Schiedsrichterball gibt.
Auf jeden Fall gibt es einen Autokorso. Nach einem Sieg gegen Australien! Ganz früher, als ich jung war, hätte deswegen kein Mensch kostbares Benzin verfahren. Das Resultat wäre einfach viel zu normal gewesen. Aber dann reifte unter internationalenFußballlehrern die Erkenntnis, dass es “keine Kleinen mehr gibt”. Und spätestens, seit uns der einzigartigeRudi Völler vor der hochbrisanten taktischen Rafinesse der Isländer vorschwärmte, wussten wir: Jeder Sieg, egal gegen wen, verdient eine vulkanartige Eruption spontaner Freude.
Spontaner Freude? Das eher nicht. Der Autokorso ist zum festen Bestandteil der Fan-Liturgie geworden. Er muss sein. Über seine Psychologie habe ich mich anlässlich der EM 2008 hier ausgelassen. Ich muss das nicht alles wiederholen.
Eine Frage von damals ist allerdings wieder aktuell: Gestern waren die hupenden Autos noch 90 Minuen nach Spielende unterwegs. Wie soll dieser Jubel gesteigert werden, wenn es in Südafrika richtig ernst wird?????
Gaucks “First Lady” kommt aus Nürnberg
Na sowas: Da hat Angela ihren vereinigten Ja-Sagern den Präsidentschaftskandidaten Christian Wulff präsentiert. Doch dann zieht Rot-Grün Joachim Gauck aus dem Hut. Und selbst konservative Medien sind entzückt von der Idee, diese Persönlichkeit am 30. Juni an die Spitze des Staates zu wählen. So wie wir Franken auch. Denn Deutschland bekäme eine „First Lady“ aus Nürnberg. Eine Journalistin obendrein.
Joachim Gauck ist nämlich seit gut zehn Jahren mit Daniela Schadt liiert. Sie ist bei der „Nürnberger Zeitung“ für die Berichterstattung über die Innenpolitik zuständig. Zwar verfügt die 50-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.
Als da wären ein großer Fleiß, die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren, vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.
Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Das wäre einen Versuch wert, auch wenn ich mir meine Kollegin als Schirmherrin einer Herzgesundheitsstiftung noch nicht so recht vorstellen kann. Und wie sie menschelnde Klatschberichte geistig-moralisch aushält – die „Bild am Sonntag“ schrieb bereits allerliebst von der „munteren Dani“ – könnte ich auch nicht sagen.
Trotzdem: Nürnberg und Franken sind für Joachim Gauck.
PS.: Normalerweise gehört zu diesem Text ein Bild. Interessant ist aber auch, wie jemand klingt. Alsdenn, hier ist die Stimme von Daniela Schadt
An superscharfe Oberpfälzer will ich nicht glauben
Selbsverständlich steht es mir nicht zu, die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen zu kritisieren. Aber es gibt eben eben Zeitungsartikel, bei denen ich mir nach dem Lesen in größtmöglicher Heftigkeit sage: “Ich kann das nicht glauben. Ich werde das nicht glauben. Vor allem: Ich will das nicht glauben.”
So ging es mir gerade wieder bei dieser Geschichte, die in den Nürnberger Nachrichten unter der Überschrift
Die Lust wohnt in der Oberpfalz
erschienen ist. Sollte es wirklich so sein, dass es die “Moosbüffel” toller treiben als die Mittelfranken? Oder gar die von jeglichen religiösen Zwängen freien Großstädter?
Nochmals zu den Fakten: In Bayern haben nur die Oberpfälzer im vergangenen Jahr mehr Kinder bekommen als im Vorjahr. Auf den Neugeborenenstationen in Amberg, Neumarkt oder Regensburg erblickten 6865 Kinder das Licht der Welt. Das entspricht einem Plus von 0,1 Prozent . Ansonsten gab es bayernweit ein Minus von 2,3 Prozent.
Also: Ich meine nicht, dass die Oberpfalz die Libido stimuliert. Dafür ist der Klang der Sprache doch viel zu derb. Eher liegt es doch daran, dass die Menschen in schwach besiedelten Gegenden, in denen es an sonstigen Ablenkungen fehlt, tendenziell auf Sex ausweichen. Vor allem aber sind die Wege zu den Frauenärzten und Apotheken weiter als in anderen Regionen.
Fazit: Die Oberpfälzer sind nicht besonders erotisch, sondern nur bequem.
Sage ich – und warte auf Widerspruch.
Damit es Kinder gibt: Liebesschwüre im Tretboot
Schade, dass sie das Fach gewechselt hat, die Mutter der Nation. Da hat Ursula von der Leyen nicht nur selbst Maßstäbe im Kinderkriegen gesetzt. Dank ihrer neuartigen und anfangs keineswegs konservativen Familienpolitik hat sie die Nation viel stärker für Fortpflanzung begeistert, als NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinem „Kinder statt Inder“-Gebrabbel.
Jetzt wurde Bilanz gezogen: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Botschaft angekommen. Die Kinderzahl pro Frau stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr stieg dort von 1,36 auf 1,41. In Sachsen sogar auf 1,44. Bundesweit steigerte von der Leyens Politik die durchschnittliche Kinderzahl um 0,0 auf 1,38. Bayern lag bei 1,36. Die Schlusslichter bildeten das arme Saarland und das reiche Hamburg.
Gerade Letzteres zeigt deutlich: Geld macht keine Kinder. Kein Geld aber auch nicht. Es ist demnach verkehrt, die Reproduktionsrate ausschließlich über die Finanzen stimulieren zu wollen. Wir brauchen wieder mehr Romantik!
Ist doch auch so. Früher robbte sich der heiratswillige Jüngling mit zitternden Knien und Fleurop-Strauß in der Hand an Schwiegermutter und -vater heran und bat um die Hand der Tochter. Dieser Demutsakt machte auch ihm klar, welch wertvolles Gut da gerade zur Debatte stand.
Und die Orte für Heiratsanträge sind oft auch nicht so toll. Es passiert beim Verfassen der Steuererklärung am Esstisch, als Gedankenblitz im Supermarkt oder in der Werbungs-Pinkelpause der Sportschau.
So nicht: Die Reiseseite lastminute.de in einer Umfrage die schönsten Orten für den Heiratsantrag ermittelt. Deutlich in Führung liegt danach mit 21 Prozent der Nennungen Paris mit dem Eiffelturm als bestem Ort für die Frage aller Fragen. Es folgt knapp dahinter Venedig (18 Prozent), wo man sich die Liebesschwüre auch von einem Gondoliere jodeln lassen kann Auf Platz drei (mit zehn Prozent) landete der Antrag an einem Strand – egal wo. Und dann folgen nah beieinander die Karibik (fünf Prozent) und die Malediven (vier Prozent).
Auf Nürnberg übertragen heißt das also: Platz eins für Kaiserburg oder Businesstower. Dahinter folgen der Tretbootverleih am Dutzendteich, Stadionbad oder Wöhrder Wiese und schließlich die Pegnitzwiesen und der Kanalhafen. Zwei Orte also, die in der Nähe von Wasser liegen und ansonsten ziemlich langweilig sind.
Weitere Ideen sind willkommen…
Der lange Schatten des Hitlerzwergs
Auch das muss mal gesagt werden: Früher waren unsere Kunst-Skandale besser. Man denke nur an Olaf Metzels Stuhlskulptur rund um den Schönen Brunnen. Die Volksseele kochte wahrhaftig. Der Wirt des WM-Biergartens, Hermann Murr, der dem Künstler zwecks ähnlicher Statur und gleicher Glatze ähnlich sieht, wurde von einem Passanten mit dem Ausruf “Dou kummd die Sau!” auf dem Hauptmarkt begrüßt.
Auch Otmar Hörl darf als Meister des Aufregens angesehen werden. Der Präsident der Akademie der Bildenden Künste steht dafür, dass er Meisterwerke oder Banales zu Plastikstatuen verarbeitet, So pflasterte er die Stadtmitte mit Nachbildungen von Dürerhasen zu oder produzierte Eulen für Athen. Damit hat er sich und die Stadt berühmt gemacht und ordentlich Geld verdient.
Sein neuestes Meisterwerk ist ein “Poisoned Gnome”, auf deutsch “Hitlerzwerg”. Er zeigt einen Gartenzwerg, von dem nur sehr naive Zeitgenossen glauben, dass er gerade die Höhe des Grases misst. Der Gnom macht den Hitlergruß. Womit der Künstler ironisch ausdrücken will, dass deutsche Kleingeisterei ganz nah dran ist am faschistischen Denken.
Die Staatsanwaltschaft hat jetzt mal überprüft, ob Hörl wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole ein Strick zu drehen sei. Sie hat es verneint, der Zwergverkauf läuft prima. Alles in Butter also?
Doch nicht so, finde ich. Hörls Botschaft ist sicher richtig. Aber so richtig famos kann man dieses Werk nicht nennen. Wenn ein Künstler lediglich immer wieder die eine, gleiche Grundidee reproduziert, reicht das zurecht nicht mehr zum ganz großen Skandal.
Anderen lokalen Akteuren fällt freilich gar nichts Prickelndes ein – was wiederum den Beweis für diesen Dichter-Satz hergibt: “Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.”






Glückwunsch an “unsere” First Lady
Daniela Schadt ist die neue First Lady.
Achtung, hier kommt Nürnberg! Jetzt, wo es so gut wie sicher ist, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident wird, steht es wohl auch fest, dass die neue First Lady aus unserer Stadt kommt. Ich gratuliere meiner Kollegin Daniela Schadt und wünsche ihr für die kommenden fünf Jahre viel Glück und vor allem gute Nerven.
Joachim Gauck ist seit zirka zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert. Bei der „Nürnberger Zeitung“ leitet sie das Ressort Innenpolitik. Zwar verfügt die 51-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.
Als da wären ein großer Fleiß sowie die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren. Vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.
Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Auch ansonsten dürfte sie lockerer auftreten als ihre Vorgängerin. Edle Kostümchen oder Fototermine mit Glamour-Bekanntschaften sind nicht so ihr Ding. Die Gesellschaftsreporter werden es bei ihr nicht so ganz leicht haben.
Schade ist aus hiesiger Sicht, dass Daniela Schadt ihren Job vermutlich aufgeben muss. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die First Lady die deutsche Innenpolitik kommentiert. Sollte sie ihre Beziehung zum künftigen Präsidenten unkonventionell fortsetzen wollen, bliebe wohl bloß der Wechsel ins weitestgehend politikfreie Sportressort.
Vielleicht hieße es dann der Fußball-EM nicht mehr “Was sagt der Kaiser?”, sondern “Was denkt die First Lady?”. Eigentlich ist das gar kein dummer Plan…