Bleiben wir cool, der Sultan ist besoffen

Im Jahr 1990 hat der US-amerikanische Anwalt Mike Godwin diese berühmte These aufgestellt: In Diskussionen geht ab einer gewissen Dauer die Wahrscheinlichkeit eines Nazivergleichs gegen Eins. Bleiben wir also gelassen. Was gerade passiert ist völlig normal.

So zu denken fällt uns schwer.  Denn der unsympathische Großkotz und türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat den deutschen Behörden „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Das ist für uns der denkbar schlimmste Vorwurf.

Anderererseits stimmt es doch. An jedem Stammtisch, an dem ein paar Besoffene über Politik diskutieren, taucht irgendwann „der Adolf“ auf. Er würde jeglichen Laden ordnen, den es gerade aufzuräumen gilt.

Und ja, Erdoğan ist besoffen. Nicht von Bier, Wein oder Raki, versteht sich. Sondern von der Macht – und die ist eine starke Droge. Wer jedoch im benebelten Zustand angreift, agiert besonders wild. Das Volk wiederum, so das Kalkül, ist mit dem Bedrängten, der sich gegen böse fremde Mächte stemmt.

Wir sollten also, sofern alle für Kundgebungen üblichen Auflagen erfüllt sind, das Wahlkampf-Geschrei ertragen. Überlassen wir die Reden  Erdoğans den  Satirikern, bekämpfen wir ihn ernsthaft dort, wo er Freiheitsrechte mit den Füßen tritt und menschliche Existenzen zerstört.

Und vergessen wir nicht: Ungefähr die Hälfte der Türken ist gegen seine Politik.  Erdoğan ist laut. Aber er ist nicht das Volk. Wir haben Probleme mit einer Regierung, aber nicht mit „den Türken“.

P.S.: Gäbe es bei uns tatsächlich Nazi-Methoden – man ließe die Redner ins Land. Aber sie kämen nicht mehr nach Hause. Das ist aktuell kein Vorgehen der Behörden. Zumindest nicht in Deutschland.

 

 

 

 

Rauchverbots-Abschluss: "Ich sitz in meinem Bonker."

Versprochen hatte ich ja, kurz nach dem 1. August die Abschlussbilanz meiner Rauchverbots-Umfrage zu ziehen. Bitteschön:

Bei 128 Stimmen (großartig, danke) entschied sich die größere Zahl der Teilnehmer(innen) für den Untergrund: 40 Prozent wollen in Zukunft im Keller rauchen, weil sie da ja schon zum Lachen hingehen. 30 Prozent wollen Tabak künftig als Rohkost mit Basmatireis konsumieren. Weiter lesen

Wir sind Papst? Ich aber nicht!

Ehrlich, es reicht: Der legendäre „Bild“-Titel zur Wahl von Benedikt XVI. gilt nicht mehr. Für mich lautet er ab sofort: „Wir sind Papst! Ich aber nicht!“.

„Es sind nichts als Lügen, Lügen, Lügen. Nicht ein einziger Jude wurde durch Gas in Gaskammern getötet.“ Was würde wohl mit einem x-beliebigen Menschen passieren, der diesen Spruch öffentlich von sich gibt? Haft? Bewährung? Geldstrafe? Aber der Satz stammt ja nicht von einem blödgesoffenen Neonazi, sondern vom ehemals exkommunizierten katholischen Bischof Richard Williamson. Was also macht Benedikt in Rom? Er holt ihn in „väterlicher Einfühlsamkeit“ in seine Kirche zurück.

Jetzt hat er den Salat. Wenn schon Bundeskanzlerin Angela Merkel, eigentlich eine Meisterin im Aneinanderreihen inhaltsleerer Textbausteine, in deutlichen Worten Wiedergutmachung fordert, muss wirklich etwas Schlimmes passiert sein. Der Papst hat tatsächlich reagiert und muss Merkel damit recht geben. Was ihn gewaltig wurmen müsste. Erstens, weil er unfehlbar ist und deshalb Pannen eigentlich nicht zugeben darf. Zudem ist Merkel Tochter eines Vaters, der für die protestantische Nicht-so-richtig-Kirche gepredigt hat. Und sie ist geschieden, was aus Sicht des Vatikans im Vergleich zum Holocaust-Leugnen die weitaus größere Sünde darstellt. Hier geht es ja um ein Sakrament.

Aber wie kann der Papst seinen Fehltritt reparieren? Wahrscheinlich nur durch eine Charme-Offensive erster Güte. Er sollte noch viele andere verstoßene Sünder zurückholen, die bereits durch Exkommunikation dem Satan übergeben worden sind. Uta Ranke-Heinemann, die wegen ihrer Zweifel an der Jungfrauengeburt rausgeflogen ist. Nett wäre „väterliche Einfühlsamkeit“ auch gegenüber Befreiungstheologen, die die Todsünde begangen hatten, unterdrückten Menschen helfen zu wollen.

Schließlich muss der ganze Auftritt des Vatikans bunter und poppiger werden. Der Weltjugendtag wird vierteljährlich veranstaltet, mit Benedikt in Lederjacke beim Vaterunser-Rap. Naja, einen kleinen Schritt in die Neuzeit ist man schon gegangen: Bei „YouTube“ hat der „Vatican“ seit kurzem einen eigenen Kanal. Ich zeige einen Beitrag, in dem Benedikt zu seinen türkischen Bischöfen spricht. Der Mann hat ein ziemlich freudloses Dasein…

YouTube Preview Image