Große Koalition? Lasst es Liebe sein!

Mit Liebesheiraten ist es so eine Sache. Paare streifen sich die Ringe über, während sie hoch oben in der Gefühls-Stratosphäre schweben. Alles ist gut. Doch dann kommt der raue Alltag und das junge Glück landet beim Scheidungsanwalt. Ist es demnach vielleicht sogar gut, wenn sich Menschen aneinander binden, die sich gar nicht leiden können? Ist die Zweckehe überlegen? Ist die Große Koalition, anders als die als Traumehe gestartete schwarz-gelbe Beziehung, das Beste für dieses Land?

Fragen wir nach, was uns Paarbeziehungsexperten raten. Lehrsatz 1: „Was auch kommen mag. Ziehen Sie immer an einem Strang.“ Vordergründig betrachtet, könnte man an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen. Denn wie sollte Schwarzen und Roten diese Übung gelingen? Jedoch, es ist möglich. Die Großkoalitionäre werden bestimmt an einem Strang ziehen. Wenn auch nur selten am selben Ende. Erfolgschance also 50:50

Beziehungs-Hinweis Nummer 2: „Sich ab und an zu streiten, gehört zum Lieben dazu. Aber vergessen Sie nie, dabei fair zu bleiben.“ Die Prognose fällt leicht, dass unsere Spitzenpolitiker/-innen das mit dem gelegentlichen Zank sicher hinbekommen werden. Fair wird es nicht immer zugehen. Erfolgschance 50:50.

Dritter Tipp: „Verlernen Sie nicht, auch mal allein zu sein.“ Dafür gibt es Parteitage, Regionalkonferenzen und Ortsvereinssitzungen. Klappt also zu 100:0 Prozent.

Vierter Tipp: „Die richtigen Worte, eine kleine Geste und Leidenschaft. Verlernen Sie nicht, sich zu überraschen.“ Überraschungen wird es geben, manchmal sogar mit den richtigen Worten. Aber Angela Merkel und Leidenschaft? Sagen wir 30:70.

Fünfter Tipp: „Macken, Hobby, Eigenschaften: Tolerieren Sie weiterhin, was sie zu Beginn entzückend fanden.“ Macken gibt es, wie die soziale Gerechtigkeit bei der SPD oder die Pkw-Maut bei der CSU. Allerdings hat noch niemand von der Gegenseite diese Geschichten als entzückend empfunden. Und: Alexander Dobrindt am Kabinettstisch ist für niemand tolerierbar. Erfolgschance 10:90.

Hinweis Nummer 6: „Zusammen lachen, Spaß haben, Blödsinn machen. Seien Sie manchmal unvernünftig.“ Für gemeinsame Späße scheinen die Groß-Koalitionäre nicht geschaffen. Den Witz, den Andrea Nahles Horst Seehofer erzählen würde, gibt es nicht. Das gemeinsame Produzieren von Blödsinn auf der Basis unvernünftiger Beschlüsse sollte allerdings problemlos gelingen. 80:20 für die Große Koalition.

Und die siebte Kostbarkeit der Liebe: „Verlernen Sie nicht, den anderen jeden Tag aufs Neue für etwas zu bewundern.“ Sicher ist, dass  erfolgreiche Politiker/-innen zuallererst und ausschließlich sich selbst bewundern. Es mag auch vorkommen, dass man am Todfeind reizvollere Eigenschaften erkennt als am Parteifreund. Aber bewundern geht kaum bis gar nicht. Erfolgschance 10:90.

Die Prognose für eine gelingende Partnerschaft liegt somit bei 330:370. Also bitte, quält uns nicht und verzichtet. Lasst es Liebe sein.