Psst, nicht wecken: Die Kanzlerin träumt von der SPD

Wahrscheinlich fragt sich längst die halbe Welt, was da eigentlich in und um Angela Merkel vorgeht. Die CDU/CSU/FDP-Männer veranstalten ein Sommertheater mitten im schneereichen Winter. Und die Kanzlerin sagt nichts. Vielleicht, weil sie einem alten deutschen Sprichwort folgt: „Damit die Ehe kann bestah´n, braucht´s stumme Frau und blinden Mann.“

Aber darf man Politiker blind nennen? Wenn man die Ankündigung von Steuersenkungen dem Zustand der Staatsfinanzen gegenüberstellt, liegt das jedenfalls nahe. Allerdings handelt es sich nicht um ein körperliches Leiden. Erklärungen für diese Politik lassen sich eher in Psychologie-Lehrbüchern finden.

Auf  Guido Westerwelle trifft das Stichwort „blindwütig“ zu. Wer, wie der FDP-Chef in seiner Dreikönigs-Rede, sinngemäß erklärt, dass es sich bei Steuern um Geschenke der Bürger an den Staat handle, die dieser jetzt eben mal zum Teil zurückbekämen, ist entweder ein Fanatiker, steht unter Drogen oder ist ein Gefangener seiner allzu flotten Sprüche aus der Vergangenheit.

Oder es ist tatsächlich so? Konservative und Liberale unterscheiden sich von Sozialdemokraten und Linken dadurch, dass sie Eigennutz im Zweifel höher als das Gemeinwohl gewichten. Die SPD hat den Beweis für diese These eindrucksvoll angetreten. Sie hat Politik gemacht, von der sie wusste, dass sie Wählerstimmen kosten wird. Weil man glaubte, dass es dem Staat nützt.

Einem Guido Westerwelle käme sowas nicht in den Sinn. Und so ist das Schweigen der Kanzlerin vermutlich damit zu erklären, dass sie angesichts der immer gleichen Sprüche aus ihrer neuen Männerriege erschöpft weggenickt ist. Sie träumt von Partnern, auf die sie sich verlassen kann, also zum Beispiel von den Herren Steinmeier, Steinbrück und Müntefering.

Angela Merkels Problem: Irgendwann muss sie aufwachen. Und null und nichts wird besser sein als vor dem kleinen Winterschlaf.