Die USA: Eine seltsam freie Nation

Verstehe einer die USA! Diese große Nation, von der wir in romantischen Stunden denken, dass sie der Welt viel geschenkt hat. Doch gerade wird uns durch mordende und ermordete Polizisten das Bild einer kranken Gesellschaft vermittelt. Was ist bloß los?

Wer informationssüchtig auf seinem iPhone herumwischt, wird den US-Erfindergeist in höchsten Tönen loben. Doch eigentlich sollten wir grantig sein. Nicht nur, dass Ex-Präsident George W. Bush samt seiner willfährigen Königspudel einen anscheinend unendlichen Krieg vom Zaun gebrochen hat.

Die USA hat uns unter Präsident Nixon in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den neoliberalen Kapitalismus beschert. Dieser folgte dem Vorschlag seiner Berater, den Wert des Dollars und damit die Finanzwirtschaft von der realen Wirtschaft abzukoppeln. Funktioniert hat das Ganze, wie wir inzwischen wissen, nicht wirklich. Wir erleben, dass die Reichen im globalen Finanzkasino ihr Geld vermehren, während ansonsten Löhne sinken und das Rentenalter immer weiter nach hinten verschoben wird.

Auch das ist Weisheit á la USA. Vollends unverständlich ist aber diese Lust vieler Menschen auf Waffen. Es mag sein, dass die Botschaft aus den Western noch lebendig ist, wonach ein Mann tut, was er tun muss. Und dass jeder Bösewicht, der ihm zu nahe kommt, mit einer Revolverkugel weggeräumt wird.

In keiner anderen westlichen Demokratie gibt es eine vergleichbare Liebe zum Schießeisen, sondern eher in Ländern, in denen an jeder Ecke eine Stammesfehde ausbrechen kann. Der Jemen ist so ein Beispiel. Auch dort wird ein Mann erst durch seine Kalaschnikov wahrhaft potent.

Und dann ist es eben so: Die Polizei agiert brutaler als anderswo, weil sie bei jeder kleinen Verkehrskontrolle befürchten muss, dass ein Killer im Auto sitzt. Wenn dieser Mensch schwarz ist, gilt er grundsätzlich als gefährlich. Der Finger am Abzug ist noch nervöser. Wenn schließlich gegen Rassismus und sinnlose Gewalt protestiert wird, nutzt das ein Wahnsinniger, der im unendlichen Krieg gelernt hat, dass ein paar Menschenleben nichts zählen.

Warum stoppt keine US-Regierung diese Spirale der Gewalt? Warum belässt man eine Gesellschaft in einem Klima der ständigen Angst? Weil bedeutende Persönlichkeiten die Fackel der Freiheit hochhalten. Du bist dein eigener Herr. Und wenn dir einer blöd kommt, mach‘ ihn platt.

Freiheit, die tötet. Absurder kann es eigentlich nicht sein.