Kopftuchverbot? Auch das Kropftuch ist ein Glaubenssymbol

Es konnte nicht lange dauern, ehe angesichts der vielen Asylsuchenden muslimischen Glaubens die eigentliche Bedrohung des christlichen Abendlandes zum Thema würde: Das Kopftuch. Jetzt hat Julia Klöckner, mögliche künftige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, deutliche Worte gefunden. Kopftuch, Schleier und Burka seien Symbole der Unterdrückung von Frauen. Basta!

Man beachte: Hier spricht nicht nur die stellvertretende CDU-Vorsitzende, sondern auch eine ehemalige Weinkönigin. Nur zu gerne würde man erfahren, wie viel Freiheit Julia Klöckner beim Ausüben des für die vereinigten Winzer unverzichtbaren Amtes genossen hat. Durfte sie Kleidung und Krönchen für ihre Repräsentations-Termine selbst aussuchen? Oder bezahlte sie den Job mit Bevormundung und Unterdrückung?

Wenigstens die Arbeitswelt ist ein Stück weiter als die vom Warnenmüssen beseelten Politiker. Zwei Lehrerinnen muslimischen Glaubens aus Nordrhein-Westfalen haben kürzlich vor dem Bundesarbeitsgericht ihr Recht aufs Kopftuch erstritten. Die Richter haben entschieden, dass Religionfreiheit und somit das Herzeigen von Glaubenssymbolen nur dann eingeschränkt werden dürfen, wenn diese Symbole eine Gefahr darstellten.

Beim Kopftuch konnte das Gericht Risiken für unbeteiligten Menschen nicht erkennen. Bei einem Kruzifix aus Tropenholz wäre es vielleicht anders ausgegangen.

Jedenfalls wurde in diesem Prozess klargestellt, dass es um Schönheit oder Zweckmäßigkeit von Kleidungsstücken nicht gehen kann. Rosafarbene Leggings und wadenlange Männerhosen dürfen somit weiterhin in Verkehr gebracht werden.

Was aber ist mit Krawatten? Ist es völlig ungefährlich, wenn sich Männer einen Strick um den Hals binden und diesen mitunter viel zu eng schnüren? Die Frage der Selbstschädigung mögen wir dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zurechnen. Aber sorgt dieses Kleidungsstück nicht auch – gerade bei großer Hitze – für eine erhöhte Aggressivität bei seinem Träger?

Andererseits: Das Kropftuch ist gerade dort Pflicht, wo es ums große Geld geht. In den Chefetagen unserer ertragsorientierten Exportweltmeister bis hin zu den Schaltern unserer Banken. Das relativiert die Gefahr, denn es geht ja um die eigentliche Religion des Abendlandes, das Geld. Frau Klöckner, protestieren Sie!