Markus hätte mögen wollen. Doch Horst hat Spaß

Es ist doch schön, wenn in diesen bewegten Krisen auch einmal das Erwartete passiert. Jetzt war es soweit: Horst Seehofer hat verkündet. dass er auch über das Jahr 2018 hinaus CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident bleiben möchte. Das war so klar, dass es eigentlich gar keine Nachricht ist.

Aber halt: War da nicht was? Hatte nicht Seehofer selbst im Oktober 2016 erklärt, dass er im Laufe des Jahres 2017 eines der beiden Ämter abgeben würde? Was durchaus vernünftig erschien, schließlich wäre Horst Seehofer am Ende der nächsten Wahlperiode 74 Jahre alt. Der Gesündeste ist er wohl schon heute nicht.

Doch das ist zu rational gedacht. Schließlich ist ein bayerischer Ministerpräsident laut Seehofers Bekundungen damit beschäftigt, die Vorstufe zum  Paradies zu gestalten. Wenn jemand mit diesem Auftrag mit einen zurückgetretenen Papst zu dessen 90. Geburtstag das Bierglas erhebt, streift ihn der weiße Mantel der jahrtausendealten Kirchengeschichte. Und ein politisches Amt bekommt spirituelle Aspekte. Da geht man nicht kurz nach Erreichen des Rentenalters.

Hinzu kommt, dass Horst Seehofer die Kunst der Komplett-Wendung beherrscht. Was er als Träger des Karl-Valentin-Ordens auch darf. So hat der begnadete  Münchner Komiker einst darüber sinniert, dass sich bei jeder Wissenschaft am Schluss oft herausstelle, dass alles ganz anders war. Das kennt man vom CSU-Chef, der zudem keine Nachfolger sieht, mit denen er sich selbst abfinden könnte: Alexander Dobrindt ist trotz seines heldenhaften Einsatzes für die Pkw-Maut ein politisches Leichtgewicht. Ilse Aigner, ist, nun ja, eine Frau und im Amt der Wirtschaftsministerin aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Karl-Theodor zu Guttenberg ist noch nicht ausreichend rehablitiert. Joachim Herrmann muss erst einmal Berlin überleben.

Ja und Markus Söder? Er hätte mindestens den Ehrgeiz, Seehofer zu beerben. Aber er wird vom Übervater nicht gemocht. Zudem ist er evangelischer Mittelfranke und somit im oberbayerischen Mini-Paradies nicht recht zu vermitteln.

Für ihn gilt somit unverändert das Karl-Valentin-Zitat: „Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“ Er muss das ertragen und sich ansonsten darauf einstellen, dass die Frage des letztendlichen Alpha-Tieres der Freistaats auf die chinesische Art entschieden wird: „Setze dich an einen Fluss und warte bis die Leiche deines Feindes vorübertreibt.“

Wer immer das dann ist. Markus Söder hat bei der Einweihung der Badebucht am Wöhrder See in Nürnberg bewiesen, dass er beim Schwimmen den Kopf über Wasser halten kann. Doch auch Horst Seehofer hat seinen Konfuzius gelesen:  „Vergiss niemals, dass du nur auf die Welt gekommen bist, um verehrt und geliebt zu werden.“ Ganz sicher, genau das wird nicht passieren.

Horst Seehofer. Ein Mann wie Karl Valentin

Willkommen zur Job-Lotterie: Horst Seehofer, zurzeit CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident in Personalunion, hat verkündet, 2017 eines seiner beiden Ämter abgeben zu wollen. Ganz freiwillig und möglicherweise sogar für immer. Um welches Amt es geht, sagt er nicht. Die Welt darf rätseln.

Nicht zum ersten Mal verwirrt Seehofer mit seinem sprunghaften Reden und Handeln Freund und Feind. Hatte er doch seit Jahren behauptet, dass die Spitzenämter von Freistaat und Partei in eine Hand gehörten. Nur dies sichere dem Amtsinhaber die größtmögliche Bedeutung. Jetzt redet er genau anders.

Wer sich darüber wundert, übersieht, dass in Bayern mit Horst Seehofer seit der Verleihung 2014 ein würdiger Träger des Karl-Valentin-Ordens regiert. Der Münchner Komiker war für hintersinnige und doppelbödige Gedankenspiele berühmt. CSU-Politik hätte bei ihm so funktionert: „Das ist wie bei jeder  Wissenschaft. Am Schluss stellt sich dann heraus, dass alles ganz anders war.“ Kommt uns bekannt vor. „Ich möchte nicht, dass mich Bekannte erkennen“, könnte darauf hindeuten, dass sich der Chef für seine Parteifreunde immer ein kleines Geheimnis aufhebt. Der Satz „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ war bei Valentin aber mutmaßlich anders gemeint, als es Obergrenzen-Prediger Seehofer propagiert.

Doch vor allem geht es dem CSU-Chef darum, dass der mega-ehrgeizige Markus Söder niemals seine heutige Machtfülle erreicht. Also treibt er ihn in ein übles Dilemma. Will Söder Parteivorsitzender werden, muss er nach Berlin und unwichtiger Minister werden. Ansonsten droht ihm, dass er zum bloßen Ministerpräsidenten wird und alsbald als Vortänzer bei oberbayerischen Brauchtumsfesten glänzt. Aber wie soll das gehen? Er ist doch Mittelfranke! Das kann nicht funktionieren.

Es bleibt also nur, dass Markus Söder, heute glücklicher Herr über einen soliden Landeshaushalt, über die bayerischen Schlösser und Seen sowie über die staatliche Lotterieverwaltung, erkennt, dass auch er einem großen Wort von Karl Valentin folgen muss: „Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

Erst dann wird Ruhe herrschen. Horst Seehofer hätte seine Intimfeind verhindert. Wer seine Nachfolger werden, ist ihm herzlich egal. Denn so, wie er die Fähigkeiten seiner Parteifreunde einschätzt, ist ihm, wie schon Karl Valentin, für Staat und Partei eines klar:  „Die Zukunft war früher auch besser!“