Posts Tagged ‘Merkel’

April 15th, 2013

WIR ist nett – aber SIE gewinnt

Ein Hoch auf politische Sprachkunst.

Ein Hoch auf politische Sprachkunst.

Wahlkampf wird’s. Also beginnt wieder das große Leiden der Parteien. Sie müssen plakattaugliche Sprüche erfinden, die zu ihrer Identität und zum Wahlprogramm passen. Slogans, mit denen eine massentaugliche Balance zwischen klug, blöd und nichtssagend gelingt. Die SPD probiert es mit “Das WIR entscheidet!”.

Es ist das Schicksal der großen sozialen Volkspartei, dass sie immerzu Gemeinschaft muss gebären. Nun wird gesagt, dass der neue Spruch bereits von einer bayerischen Zeitarbeitsfirma verwendet werde. Dumm gelaufen. Andererseits gelingt den Sozialdemokraten mit diesen Worten wieder eine engere Verbindung zu den Gewerkschaften. Ver.di zum Beispiel ehrt erfolgreiche Mitgliederwerber unter dem Motto “Mehr wir. Dank dir”. Der neue Slogan folgt zudem einer langen Tradition. 1949 warb die SPD mit “In der Eintracht liegt die Macht”, 1961 mit “Hand in Hand – gemeinsam geht es besser”. Peer Steinbrück und seine Helfer folgen also dem üblichen Repertoire.

Dabei schlummern in den Parteien ungeahnt kreative Kräfte. Vor allem an der Basis. So feuert die Junge Union Nürnberg gerade mit folgenden Worten auf den dortigen SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly: “Genug von MiniMalystischer Politik”. Das ist famose Sprachkunst, die freilich nur der Name des Rathauschefs möglich macht. Ein Name, der seinen Gegnern auch Ausbrüche von Pazifismus ermöglicht: “Keine Bratwürste für Maly-Einsatz”. Es ginge auch “SPD? MalyFitz” oder “Für eine Stadt ohne KaMalytäten”.

Doch die SPD könnte kontern. Der CSU-Kandidat heißt Sebastian Brehm und somit wie der Namenspatron von Nürnbergs traditionsreichstem Altenheim, dem Sebastiansspital. Warum also nicht den Slogan wagen: “Unser Rathaus ist kein Wastl”? Oder man holt zum Schlag gegen Finanzminister Markus Söder aus, welcher ja gerade dabei ist, den Wöhrder See in ein Bade- und Surfparadies verwandeln zu lassen. Man nehme ein Foto der dortigen grün-schleimigen Algenpest und verkünde: “Brehms Tierleben. Nicht mit uns!”. Und wenn es ganz hart kommt, zeigt man auf die Zukunft. “Wir lassen uns den Fortschritt nicht brehmsen. SPD”. Das haut rein.

Wozu diese Qualen, fragt man vielleicht bei den kleineren Parteien. Sie dürfen, was Peer Steinbrück nicht darf. Frech sein. Von den Grünen darf man durchaus einen neuen witzigen Slogan wie “Brüder durch Sonne zur Arbeit” erwarten. Und bei der FDP sind, seitdem sich Guido Westerwelle sein Wunschwahlergebnis an die Schuhsohlen genagelt hat, die Spaßvögel sowieso von der Leine. Die Linken dagegen stecken bei aller Suche nach Originalität ebenfalls in der linken Solidaritätsfalle.

Was aber macht die CDU im Bund? Sie, die Partei der unantastbaren, unschlagbaren, unverzichtbaren, unübertrefflichen Eurobewahrerin Angela Merkel? Sie wird Plakate weglassen, sie wird auf Sprüche und Versprechen ganz verzichten. Denn es gibt SIE. Und SIE weiß, dass jede klare Aussage ein falsches Wort zuviel sein kann. Deshalb wird man am Brandenburger Tor eine der Tschenstochauer Papststatue nachempfundene Merkel-Plexiglasskulptur aufstellen. Mit zirka 15 Metern Höhe.

Diese wird dann unter dem Motto “Macht Angie” von den örtlichen Laubsäge-Arbeitsgemeinschaften der Jungen Union in kaum geringerer Größe nachgebaut und sodann durch Städte und Dörfer gerollt. Und die Bild-Zeitung, allzeit treu auf der Schleimspur der Unbeschreiblichen, wird in großen Buchstaben vermelden: “Deutschland liegt Merkel zu Füßen”. So wird es sein. SIE gewinnt. WIR ist wurscht.

März 26th, 2013

Wenn die Bank beim Schrumpfen blutet…

“Wenn es dir gut geht, mach dir keine Sorgen. Die nächste Krise kommt bestimmt.” Angesichts dieses Sprichwortes sagen wir mit allem Nachdruck: Danke lieber Volksmund. Denn das ist selbstverständlich die Wahrheit. Der Euro schien längst sicher zu sein, da tauchte sie auf aus dem Nebel der Märkte: Zypern, die Insel des Grauens. Und mit dem neuen Stresstest schlägt wieder die Stunde der bürokratischen Sprachpanscher. Denn kapieren soll das Ganze lieber keiner.

Es ist ein Zeichen heutiger Krisen, dass man uns mit Begriffen zumüllt, die uns sofort signalisieren, dass unser Wissen und wohl auch unser Gehirn zu klein sind, um mit einer Angela Merkel geistig mitzuhalten. Die Frage, wie die EZB den ESF nutzt, um der EU zu helfen, überfordert uns schon. Aber geschenkt. Wir erfahren ja viel Schlimmeres. Etwa, dass auf eine “erzwungene Banken-Schrumpfung” ein “langer Wirtschaftseinbruch” folgt. Und wenn schon “revidiertes Hilfspaket”, dann wenigstens mit “gerechter Lastenverteilung”.

Klar, dass dann der “Rücktrittsdruck” steigt und dass das Schicksal eines Landes “auf Messers Schneide” steht. Anleger müssen “bluten”, weil der Zu- und Abfluss ausländischer Kohle in den Geldwäschereien zu unkontrolliert argelaufen ist und weil deshalb das “Geschäftsmodell” der “Finanz-Oase” kaputt ist. Blut fließt bis zu dem Zeitpunkt, an dem dieses Zypern seine “volle Schuldentragfähigkeit” wieder erreicht hat.

Denn, auch das lehren uns die Experten: “Wenn dadurch der Schulden­stand des Landes explodieren sollte, wäre auf lange Sicht keine Gesun­dung möglich.” Und an dieser Stelle würde ich intellektuell endgültig aussteigen. Weil ich meine, dass eine Explosion zwar eine Verwüstung hinterlässt, dass aber das Problem nach dem großen Knall nicht mehr da ist. Man könnte es Insolvenz nennen. Ich steige aber nicht aus – weil ich vor lauter Krisengipfel-Sprachschaum gar nicht ins Thema eingestiegen bin. Ich schaue lieber “Schwiegermutter gesucht” und denke mir: Ist doch alles egal. Die Angie wird’s schon richten…

März 21st, 2013

Die Eurokrise und der verstrahlte Sparstrumpf

Die Eurokrise war mal etwas Großes. Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Irland – das waren richtige Länder. Entweder wirtschaftlich bedeutend, kulturell überragend, als ehemalige Kolonialmacht prägend für die Weltgeschichte oder wenigstens schön grün, hoch musikalisch und sympathisch versoffen. Aber Zypern! Ja Himmel, was soll denn das jetzt?

Da muss also die gesamte europäische Krisenbewältigungs-Maschinerie angeworfen werden, um eine Mittelmeer-Insel mit 860.000 Einwohnern zu retten. Das entspricht ungefähr dem engeren Ballungsraum Nürnberg. Selbst der bei absurden Vergleichen gerne benutzte Operettenstaat Saarland zählt mehr Menschen. Und wegen dieser paar Leute muss sich unsere Kanzlerin hinstellen und dem zyprischen Volk den vollsten Respekt der Deutschen aussprechen? Während bei einer für Geldvernichtung zuständigen US-Ratingagentur die unvermeidbare Abstufung dieses Staates auf Triple-Ramsch vermutlich von einem nachgeordneten Sachbearbeiter erledigt wird?

Kann eigentlich nicht sein. Doch über allem schwebt eine große Parole: Zypern sei deswegen pleite, weil zu viel Geld von stinkreichen Russen zu aberwitzigen Konditionen auf dessen Banken gelagert sei. Da sei ein “Geschäftsmodell” grandios gescheitert.

Abgesehen davon, dass es sich bei diesem Begriff bei weiterhin inflationärer Anwendung durch unsere Volksvertreter um ein kommendes “Wort des Jahres” handelt, muss es uns tatsächlich Angst machen, dass inzwischen selbst Kleinstaaten für den Euro “systemrelevant” sind. Normalerweise müsste die zweitwichtigste Währung dieser Welt eine solche Inselpleite rückstandsfrei verdauen.

Stattdessen wollte man direkt auf die Konten der Bankkunden zugreifen. Wenn das so weitergeht, kommt der Sparstrumpf wieder in Mode. Zurecht: Die Guthabenzinsen sind eh nur noch knapp über Null, und was dem Volk gebührt sehen gerade die West-Rentner, denen famosen 0,25 Prozent Rentenerhöhung winken. Stopfen wir das Geld also lieber unter die Matratze, achten wir aber auf eine abschreckende Wirkung. Der Strumpf sollte ungewaschen oder radioaktiv verstrahlt sein.

Denn viele Gefahren für unser Esperanto-Geld lauern noch. Zur Eurozone gehören durch entsprechende Abkommen auch San Marino mit seinen knapp 30.000 Einwohnern sowie die vor Kanada gelegenen fränzösischen Inseln Saint-Pierre und Miquelon mit zusammen 6300 Einwohnern. Und schließlich gibt es da noch den Vatikan. Läppische 800 Einwohner, aber in sämtlichen dies- und jenseitigen Fragen hundertprozentig systemrelevant. Inszeniert sich da nicht gerade ein gewisser Franziskus als “Papst der Armen”? Die Ratingagenturen lauern schon…

März 4th, 2013

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

“Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!” – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

Januar 12th, 2013

Politik 2013: Nur Schweigen macht keine Fehler

Begreifen wir endlich: Die große Politik befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Dramatik, Emotionen, Charisma – können wir alles vergessen. Erfolgreiche Staatenlenker/-innen teilen sich die Kräfte besser ein. Sie gewinnen durch Schweigen.

Ein großes Opfer des aktuellen Trends ist SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Sein erster Makel ist, dass er als Kandidat von einem kettenrauchenden Altkanzler erfunden wurde, also der Profiteur eines anachronistischen Altmänner-Bündnisses ist. Hinzu kommt aber: Er ist ein Freund klarer Worte sowie lustiger oder provozierender Sprüche. Doch in dieser Gesellschaft ist politische Korrektheit nicht nur bei Kinderbüchern zum höchsten Qualitätsmerkmal geworden. Wer zu laut ist, wer die Ruhe des kollektiven Sofa-Schlafes stört, wird mit Ablehnung bestraft. So stark, dass Steinbrück inzwischen unbeliebter als unser Außenminister. Schlimmer als Westerwelle? Das hätte noch vor einigen Monaten niemand für möglich gehalten.

Nun, Guido Westerwelle profitiert davon, dass nunmehr ein gewisser Philipp Rösler die politischen Ziele einer nicht mehr erforderlichen Partei erklären muss. Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederum hilft es, dass der Herausforderer zu viel redet. Für sie reicht es aus, gelegentlich darauf hinzuweisen, dass die Zeiten schwer sind, wahrscheinlich noch schwieriger werden, dass sie aber mit ihr an der Spitze erträglich gestaltet werden können. Und während die vorlaute Ursula von der Leyen in der eigenen Partei bekämpft wird, während Kristina Schröder sowieso immer aneckt, ist der neue Bundespräsident Joachim Gauck beliebt. Weil er wohldosiert ab und zu von Freiheit redet, aber ansonsten den Mund hält.

Die Menschen wollen also nicht mit großen Visionen belästigt werden. Sie wollen einfach nur wissen, dass jemand da ist und dass es deshalb gut wird.

Für Angela Merkel birgt das die Chance, das Spektrum ihrer Ministerriege um einen neuen Farbtupfer zu erweitern. Sie hat schon eine siebenfache Mutter, einen bekennenden Schwulen, einen Rollstuhlfahrer und einen ostasiatischen Migranten mit ungeklärtem Geburtsdatum. Vielleicht lechzt das Wahlvolk gerade nach einem taubstummen Minister. Aber nach einem, der die Gebärdensprache nicht beherrscht.

Der Rest ist Schweigen.

 

 

 

 

Dezember 8th, 2012

Prophetin Merkel erobert die Welt

Der Prophet gilt wenig im eigenen Land. Es ist gar nicht so selten, dass Menschen von ihrem unmittelbaren Umfeld als relativ erfolglos, lästig oder bestenfalls alternativlos wahrgenommen werden, dass sie aber fern der Heimat einen überragenden Ruf haben. So geht es auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bei uns tippen sich die Leute an die Stirn, wenn sie ihre Koalition als erfolgreichste Bundesregierung aller Zeiten bezeichnet. Was ja auch verständlich ist, da zu dieser Regierung Menschen wie Guido Westerwelle oder Philipp Rösler gehören. Diese Namen vertragen sich mit dem Wort “Erfolg” wie ein Rinderhüftsteak mit der Speisekarte eines vegetarischen Restaurants.

Dann aber meldet sich “Forbes” zu Wort. Das für seine Ranglisten der bedeutendsten oder reichsten Persönlichkeiten berühmt-berüchtigte  Magazin, hat unsere “Angie” zum zweitmächtigsten Menschen der Welt ernannt. Die US-Zeitschrift platzierte die CDU-Politikerin direkt hinter US-Präsident Barack Obama. “Merkel ist das Rückgrat der Europäischen Union und trägt das Schicksal des Euro auf ihres Schultern”, wurde die Auswahl begründet. “Durch ihren harten Sparkurs in der europäischen Schuldenkrise hat sie ihre Macht gezeigt.”

An US-Präsident Barack Obama ist Merkel nicht vorbeigekommen. Wohl aber an Persönlichkeiten wie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Microsoft-Gründer Bill Gates, Papst Benedikt XVI. und dem Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke. Selbst der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi und der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping, sind gegen “Angie ” chancenlos.

Wir reiben uns verwundert die Augen. Zumal wir wissen: Eine Spitzenkraft kann immer nur so gut sein, wie die Menschen, die sie unterstützen. Rainer Brüderle und Kristina Schröder zählen somit zu den Politikern von Weltniveau. Das hätten wir nun wirklich nicht vorhergesagt.

November 11th, 2012

Claudia Roth, Du armes Schwesterle

Also, das war echt gemein. Da haben alle Grünen ihre Spitzenkandidaten für den Bundestag wählen dürfen, und dann schubsen sie jene Frau aus dem Rennen, die ihnen das überhaupt ermöglicht hat. Claudia Roth darf nicht Spitzenkandidatin, also auch nicht Außenministerin werden. Es ist ein Jammer!

Wenn man diese Angelegenheit parteiintern betrachtet, handelt es sich um ein typisches Mutterschicksal. Claudia Roth hat den Laden als Vorsitzende gut zusammengehalten. Selbst in Krisensituationen konnte sie jovial und verständnisvoll sein. Und wie eine richtige Mama war sie ihren Schützlingen immer wieder mal peinlich. Und sei es nur aufgrund ihres Hangs zu schrillen optischen Dissonanzen bei Haarfarbe und  Kleidung.

Als Außenstehender muss man es auch als Verlust empfinden, wenn Claudia Roth noch hinter Kampfzwerg Renate Künast auf Platz vier der bedeutendsten Grünen unserer Tage gerückt wird. Als lustiger Talkshowgast ist sie immer eine Bereicherung. Legendär etwa war das öffentliche Outing ihrer Duzfreundschaft mit CSU-Spitzenmann Günther Beckstein in der ARD-Sonntagsabend-Runde. Auf ihre Art war und ist das authentische Pendant zu Rainer Brüderle bei der FDP. Also das grüne Schwesterle, sozusagen.

Wenn es nun mit der Spitzenkandidatur nicht geklappt hat, ist das aber nicht wirklich tragisch. Merkel-Bashing kann der grimmige Jürgen besser. Die Antwort auf die Frage wiederum, ob Gespräche mit einer Außenministerin Claudia Roth bei Taliban-Kriegern die Neigung zu Selbstmordattentaten verringern oder steigern würden, ist so klar wie unaussprechlich.

Also, Claudia: Das Leben geht weiter. Bleib uns bitte erhalten!

 

 

 

November 5th, 2012

Müde Politiker in dünner Luft

Gipfel und Abgrund sind eins. Das sagte der große Denker Friedrich Nietzsche, wie stets ein wenig rätselhaft. Wenn man die Beschlüsse der Berliner Koalition anschaut, beginnt man diesen großen Satz zu verstehen. Der Gipfel ist nicht zwangsläufig der Ort der Erleuchtung.

Gipfel, das Wort signalisiert uns Großes. Es ist der Ort, nach dem der mühselige Mensch heftig strebt. Dort angekommen, fällt die Last dieser Welt von ihm ab. Er ist befreit, ist Gott nahe, er schaut von oben auf die Probleme der Welt, die auf einmal ganz klein erscheinen.  Ja, beim Erreichen des höchsten Punktes ist etwas ganz Besonderes passiert. Wer hier steht, hat es geschafft und  macht keine Fehler mehr.

Schön, bloß: Wer so denkt, kennt die reale Politik nicht. Wahrscheinlich auch keine tatsächlichen Gipfelstürme. Denn nach einem langen, langen Aufstieg sind die Helden übermüdet. Hinzu kommt die Höhenluft, die die Sinne ein Stück weit vernebelt. Und dann stehen da mehrere Leute oben, die sich untereinander eigentlich nicht ausstehen können. Irgendwie müssen sie sich einigen. Oder wenigstens so tun.

Aus solchen Situationen nährt sich der faule Kompromiss. Jeder hat einen nutzlosenWunsch frei – bekommt ihn aber sicher erfüllt.

Das hilft für den Moment. Ganz klar. Nie vergessen sollte man allerdings: Vom Gipfel nach unten kann es viel schneller gehen als umgekehrt.

 

 

Oktober 4th, 2012

22 Jahre Einheit – die Sprachmauer ist geblieben

22 Jahre gibt es sie nun, unsere wiedergewonnene deutsche Einheit. Eine wunderbare Fügung. So wunderbar, dass es sich selbst der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nicht nehmen ließ, beim zentralen Festakt die Bürgerrechtsbewegung der DDR über den grünen Klee zu loben. Die CSU liebt also Demonstranten. Jedoch: Es gibt noch Probleme. Oder sagen wir besser Sprachmauern.

Die Ostdeutschen reden nämlich so seltsam. Laut einer neuen Umfrage eines Meinungsforschungsinstitutes names “YouGov” ist Sächsisch Deutschlands unbeliebtester Dialekt. Es klingt ja auch seltsam, ein halbes Brathähnchen – in Franken “Gigerla” -als “Broiler” zu bezeichnen. Es klingt auch sehr schnoddrig, wenn Bedauern mit “Schulldnsä!” ausgedrückt wird. Und wenngleich eingebildete Menschen uns alle nerven, fragt sich doch, ob man sie gleich “Leggarsch” nennen muss.

Jedenfalls bezeichneten in der Umfrage zur Einheit nur acht Prozent der Befragten Sächsisch als ihren Lieblingsdialekt. Vorletzter und vorvorletzter auf der Hitliste der “sympathischsten Dialekte” wurden Berlinerisch (11 Prozent) und Kölsch (13 Prozent).

Mit den Dialekten im hohen Norden und im tiefen Süden können sich die Deutschen laut dieser Umfrage dagegen am meisten anfreunden: Bayerisch mögen 27 Prozent der Befragten am liebsten, gefolgt von Spitzenreiter Norddeutsch. Die Mundart, wie sie zum Beispiel Hamburger sprechen, ist der Liebling von 29 Prozent der Deutschen. Angeblich unabhängig davon, ob die Zuhörer im Osten oder im Westen des Landes leben.

Ein Ergebnis, bei dem der gebürtige Hamburger Peer Steinbrück bestimmt die Lauscher aufstellt und auf Sympathiestimmen hofft. Allzu sicher sollte er sich aber nicht sein. Erstens wurde der überaus symphatische fränkische Dialekt in dieser Umfrage vergessen. Und zweites gibt es da noch eine gebürtige Hamburgerin, die die östliche Sprachfärbung mitbringt. Angela Merkel ist also breliebt und unbeliebt zugleich – und somit die Kandidatin aus der Mitte der Gesellschaft. Unds da wollen ja, wie wir wissen, die meisten Parteien gerne sein.

 

Oktober 2nd, 2012

Der Kampfhund der Sozialdemokratie

Der Blick sagt: Hier kommt der Kampfhund der Sozialdemokratie.

Eigentlich war man sich sicher: Mit dem Rückzug von Gerd, Joschka, Silvio und Nicolas wäre die Zeit der Testosteron-Politiker zumindest in der EU vorbei. Es würde die Ära der Führungsfrauen oder der mit massig emotionaler Intelligenz ausgestatteten Softies anbrechen. Und dann sagt die SPD dieses: Peer Steinbrück soll Bundeskanzler werden.

Gut möglich, dass nun manche über die Verjüngungsstrategien bei den Sozialdemokraten lästern. Kurt Beck kündigt mit 63 seinen Rücktritt an, Peer Steinbrück will mit 65 nochmal richtig durchstarten. Der junge, 51-jährige Sigmar Gabriel schaut in die Röhre. Er könnte,  falls Steinbrück Kanzler wird, der Prinz Charles des freiheitlichen Sozialismus werden.

Lustig ist, dass sich die Partei als potentiellen Kanzler jemand ausgesucht hat, der als Anti-Sozialdemokrat auftritt. Einen echten Sozi denkt man sich ja als Person, die voll und ganz dem öffentlichen Wohl sowie den Schutzbedürftigen verpflichtet ist. Der deshalb immer aufpasst, dass er niemand verletzt. Humorverzicht gehört zum Markenkern . Böse wird er nur, wenn es gegen kapitalistische Raubtiere, notorische Ausbeuter und gegen schlecht integrierte Sozialschmarotzer geht, die sich ihre Villen von 3000 Meter Dornenhecke, 20 Kameras und fünf Schäferhunde.

Steinbrück dagegen ist nicht nur villentauglich, er wirkt in seinen Reden und Interviews eher wie ein Bußprediger beim Starkbieranstich. Und er hat einen hohen Spaßfaktor: Zitate wie „Diejenigen, die mit Blick auf die Finanzkrise voreilig von Licht am Ende des Tunnels gesprochen haben, müssen nun feststellen, dass das in Wirklichkeit der entgegenkommende Zug war“, sind sein Markenzeichen.

Keine Frage: Der Kampfhund der Sozialdemokratie ist auf der Bühne. Sein Pech: Schon einmal hat sich gezeigt, dass nicht nur Peer Kanzler, sondern das auch Mutti Frauchen kann. Das war schon das Schicksal manchen starken Mannes…

 

 

 

 

 

 

September 17th, 2012

Ein dicker Hals tut selten gut

Schon oft haben wir uns gewundert: Wie kann es sein, dass die härtesten Männer der Welt in Verhandlungen ziehen, aber dass es immer so läuft, dass am Ende einer langen Nacht die mutmaßlich unterlegenen Gewerkschaften oder eine Angela Merkel erfolgreich sind? Die Antwort ist nun bekannt: Zu enge Hemdkrägen machen den Unterschied.

Man hätte – zumindest bei den Gewerkschaften – die Kraft der besseren Argumente vermuten können. Oder hätte bei Angela Merkel darauf setzen können, dass dem Gegenüber der monotone Tonfall und das ständige Gesimse auf den Geist gehen. Oder man hätte vermutet, dass die Polit-Machos und Starmanager in typisch männlicher Selbstüberschätzung daran glauben, dass sie ihre Kontrahenten schon unter den Tisch saufen werden. Und dabei übersehen, dass in Angies Weinglas verdünnter Apfelsaft ist.

Nein, es ist alles ganz anders. Der Grund allen Übels liegt darin, dass zum Beispiel Wirtschaftsstrategen einen dicken Hals bekommen, sobald sie einen Klassenkämpfer auch bloß aus der Ferne sehen. Ein offener oberster Hemdknopf aber, würde die natürliche Autorität untergraben. Und eine zu lässig gebundene Krawatte würde Kompromissbereitschaft signalisieren. Was in diesen schweren Zeiten schon gar nicht geht.

Fatal falsch gedacht: Denn zu enge Hemdkrägen, so hat eine Expertin aus Ulm nun preisgegeben, scheuert und zwickt es bei jeder Kopfbewegung am Adamsapfel. Die Folge sind Konzentrationsmängel, weil der Betroffene ständig am Hemdkragen herumzupft und so in den entscheidenden Marathonsitzungen Nachteile erleidet. Dieses Problem haben Frauen in der Politik oder Gewerkschafter eher nicht.

Aber halt: Es fällt auf, dass der bayerische Finanzminister Markus Söder den Schlips gerne weglässt. Trotz seiner eindeutig konservativen Orientierung. Da hat wohl einer das Ganze durchschaut. Was uns wieder einmal lehrt: Bei diesem Mann ist besondere Vorsicht geboten.

September 13th, 2012

Die ESM-Party in der Lindenstraße

“Gib mir ein E! Gib mir ein S! Gib mir ein M! ESM! ESM!” Von unserem Bundesverfassungsgericht geht beim Thema Eurorettung eine geradezu unfassbare Magie aus. Wer immer vor dessen Eilurteil für oder gegen den ominösen Fonds war, hat nach dem Richterspruch von Karlsruhe gejubelt. Es gibt ausschließlich Sieger. Wie kann das bloß sein?

Vielleicht ja deshalb, weil das Gericht die wesentlichsten Erwartungen erfüllt hat. Es lässt den Euro beziehungsweise die Hoffnung auf den Euro weiterleben, aber es hebt auch mahnend den Zeigefinger. Für 190 Milliarden Euro, für sich gesehen eine nicht vorstellbare Wahnsinnssumme, darf Deutschland sozusagen diskussionsfrei geradestehen. Wenn es aber mehr werden sollte, muss der Bundestag gefragt werden. Die Konsequenz: Die Regierung kann weitermachen, die Skeptiker dürfen auch in Zukunft vor der ganz großen Pleite und den bösen Griechen warnen. Die Redaktionen der Fernseh-Talkshows müssen bei der Themensuche nicht allzu kreativ sein. Der Bundespräsident hat unterschreiben können.

Das freut die Spekulanten und das Europarlament, es beschert Angela Merkel einen ruhigeren Herbst und lässt der CSU immer noch genug Stoff, um bei Bedarf einen Anti-Euro-Landtagswahlkampf zu führen. Dann nämlich, wenn die eurokritischen Freien Wähler im Freistaat zu stark zu werden drohen.

Fast scheint es so, als müsste unser ESM besser FFE heißen. Also Friede, Freude, Eierkuchen. Fast scheint es so, als könnte die Eurosache noch richtig populär werden. Wir retten und retten und feiern Marshallplan-Parties. Mit Sirtaki und Ouzo, mit Stierkampf und Freikartenverlosung für Real Madrid und mit Pasta und Bun… – halt, das Ende dieses Satzes hängt davon ab, wer zum Zeitpunkt der Rettung in Italien regiert.

Fröhlich könnten wir die Sache erledigen. Ganz so wie die Spekulanten. So wär’s auch richtig, denn das Grauen kommt eh. 190 Milliarden Euro werden nicht reichen, der Bundestag muss noch zwei, drei Mal ran. Und das Bundesverfassungsgericht wohl auch.  Nein, ein Fest ist das nicht. Eher ein Bündel von Problemen und Beziehungskrisen. Als Fernsehprogramm wäre die Eurorettung wie die Lindenstraße. Mit Hans Beimer, Klausi und Gastwirt Sarikakis als Hautpdarsteller-Troika. Eine vielleicht unendliche Geschichte. Na denn, demnächst mehr in diesem Blog.

August 27th, 2012

Angies Mundwinkel verjagen den Qualm

Wenn es um Veränderungen im menschlichen Handeln geht, schlägt die Stunde der Psychologen. Direkte Anweisungen funktionieren nur unter heftiger Strafandrohung nachhaltig. Allemal besser ist es, Menschen zu überlisten oder sie so anzusprechen, dass Hirn und Herz  gemeinsam erreicht werden. So, dass die Botschaft tief sitzt.

Andere auf die falsche Spur zu führen, ist ein bewährtes Erfolgskonzept. Man weiß zum Beispiel, dass eine auffällig hingestellte Radarfallen-Atrappe Autofahrer besser zum Abbremsen bringt als ein getarntes Blitzgerät. Bei der Bundeswehr befasst sich eine komplette Dienstvorschrift mit dem Thema “Tarnen und Täuschen”. Deren Botschaft lautet auf den Punkt gebracht: Wer zuletzt gesehen wird, kann als Erster schießen.”

Voll auf Frontalbeschulung setzt dagegen die Europäische Union. Sie plant, Zigarettenschachteln in Zukunft mit Ekelbildern zu versehen. Fotos von schwarzen Lungen oder entzündeten Raucherbeinen sollen die Qualmer dazu bringen, die Finger von den Glimmstängeln zu lassen.

Bringen wird das nicht viel. Die Raucherinnen und Raucher wissen schließlich um die Risiken für ihre Gesundheit. Wegen Geschwüren auf Pappschachteln werden die Verkaufszahlen für Tabakwaren nicht einbrechen. Eher wird der Verkauf von Etuis für Zigarettenschachteln angekurbelt.

Somit ist Psychologie gefragt. Viel besser wäre es doch, Politikerporträts auf die Schachteln zu kleben. Also eine Angela Merkel mit tief herunterhängenden Mundwinkeln oder ein fröhlich grinsender Philipp Rösler – verbunden mit der Botschaft: “Rauchen Sie ruhig weiter. Sie/Er freut sich über Ihre Steuern.” Oder in der CSU-Variante: “Tabaksteuer? Da lacht der alte Grieche.”

Jede Garantie: Der Abgewöhnungseffekt wäre gewaltig. Denn wenn wir einem unser Geld nicht gönnen, ist es der Staat. Alsdenn.

 

Juli 27th, 2012

Krise? Not? Egal, das Geld muss raus!

Eine Frau, ein Kleid: Angeka Merkel mit Mann, Dirigent und Krawallmacher.

Eine Frau, ein Kleid: Angela Merkel mit Mann, Dirigent und Krawallmacher.

Herbei, Ihr Retter! Der Untergang ist nah! So möchte man es hinausrufen ins raue Klima des globalisierten Globus. Wohin man schaut, ist nichts mehr sicher. Euro? Schicksal ungewiss? Renten? Bestimmt geringer als gedacht. 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth? Ohne Nichtabstiegsgarantie. Fazit: Wir können uns nur noch selber helfen.

Zum Beispiel durch Shopping. Experten der Gesellschaft für Konsumforschung wollen herausgefunden haben, dass die Menschen in der Krise ihr Geld lieber verprassen, anstatt die 0,7 Prozent Guthabenzinsen bei ihrer Hausbank einzustreichen. “Die Anschaffungsneigung ist überraschend hoch”, heißt es dazu in der Sprache der Marktforscher.

Ich grüble bloß: Woher wissen die das? Wurden Sie, liebe Leserin, lieber Leser jemals von einem jungen Mann im schwarzen Businessanzug nach ihrer Anschaffungsneigung gefragt? Kennen sie jemand, der jemals nach seiner Anschaffungsneigung gefragt wurde. Haben Sie jemals erklärt, dass sie gedenken, am langen Samstag anschaffen zu gehen.

Wenn ich meiner Fleischereifachverkäuferin gegenüberstehe, sagt die immer noch “Wos derfs  denn sei?”, aber nie “Hamm Sie heid a Neichung nach unsrer Gelbworschd?”.  Niemals hat mich eine Kassiererin beim Discounter gefragt, ob der Kauf von Klopapier und Dosenbier meinen Neigungen entspricht. Oder beschreibt die Anschaffungsneigung in Wahrheit die Körperhaltung beim Blick in einen Wühltisch?

Nein, das ist doch alles frei erfunden. Und den besten Beweis dafür liefert unser aller Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Besuch bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth trug sie wahrhaftig ihre türkisfarbene Premierenrobe aus dem Jahr 2008. Wenn aber schon die Regierungschefin ein derart demonstrative Unlust auf hochpreisige Anschaffungen verströmt – wie soll dann das einfach Volk freudig die Kassen klingeln lassen?

Begreift doch endlich: Dieses Land, dieses Europa wird nicht dadurch gerettet, dass man nur noch alle 20 Jahre ein neues Auto, aber dafür alle neun Monate ein neues Handy kauft. Das Geld muss raus. Und zwar richtig! Merkeln Sie sich das, Frau Bundeskanzlerin!

Juli 9th, 2012

Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

Was müssen unsere Politiker verzweifelt sein: Da möchten sie ein weltweit akzeptiertes Geschäftsmodell nutzen, um die Kassen der notleidenden Kommunen zu füllen, bekommen aber ausschließlich Gegenwind. Das Volk ruft: “Adresshandel? Niemals!”

Sollte das vom Bundestag beschlossene neue Meldegesetz kommen, dürften die Einwohnermeldeämter persönliche Daten von Bürgern gegen Gebühr an Firmen und Adresshändler weitergeben. Und das könnte sich lohnen. Facebook ist auf diese Tour derart berühmt geworden, dass es den gewaltigsten Börsengang dieses Jahrtausends hinbekommen hat. Hat sich zwar für die Anleger nicht gelohnt. Aber trotzdem: Meine Heimatstadt Nürnberg bekäme die Chance, zur Aktiengesellschaft zu werden. Alle Stadtratsmitglieder wären mit einem Schlag Millionäre. Sämtliche Schlaglöcher würden in Windeseile gestopft.

Doch wir wollen nicht. Weil wir unsere Daten lieber verschenken. Weil wir die Sorgen haben, dass uns Facebook anwendungstechnisch den Hahn abdreht, wenn unsere persönlichen Dten schon anderweitig verscherbelt sind und deshalb nur noch Ramschstatus haben. Schlaglöcher? Die kümmern uns nicht, solange wir nur kostenlos surfen und uns miteilen können.

Bleibt in all dieser Aufregung diese große Frage: Warum vertrauen wir dem bleichen US-Knilch Mark Zuckerberg mehr als unserer Angela Merkel? Das ist in der Tat ein Rätsel.