Auch Kanzlerinnen zittern mal

Oh Himmel, das Ende ist nah! Angela Merkel, unser aller Bundeskanzlerin hat zweimal öffentlich gezittert. Wie geht es weiter? Droht Muttis sofortiger Exit? Passender ist eine andere Frage: Warum diese Hysterie?

Natürlich erwarten wir, dass unsere Spitzenkräfte immer fumktionieren.Wer so viel Verantwortung trägt, darf gerne mal eine Woche in die Berge fahren. Aber dann verlangt das Volk nach 24 Stunden Pflichterfüllung, Pro Tag, versteht sich.

Nun hat die Kanzlerin gezittert, aber die Aufregung über diese Ereignisse hat die Qualität eines Erdbebens. Bloß: Vergessen wird dabei, dass Frau Merkel 64 Jahre alt ist. Da sollte doch jemand mal schwächeln dürfen. Oder würden wir uns allzu große Gedanken machen, wenn uns ein Fast-Rentner erzählt, dass es ihm wegen der großen Hitze schlecht geht? Und ist nicht denkbar, dass es Ü-60-Bauarbeiter gibt, die nach einem Arbeitstag bei 35 Grad im Schatten nach Feierabend zittern?

Gemutmaßt wird nun allerdings, dass die Kanzlerin aus psychischen Gründen ins Zittern kommt. Auch hier gilt: Es gibt genügend Menschen mit deutlich anspruchsloseren Aufgaben, die zum Teil voller Stolz von ihrem Burnout erzählen.

Bei Angela Merkel darf die Aussicht, dass sie von AKK beerbt wird, durchaus als belastend gelten. Und wer seinem Körper mitteilt, dass eine Begegnung mit Donald Trump bevorsteht, dürfte sich über einen Schwächeanfall nicht wundern.

Gestehen wir der Regierungschefin also ihr Menschsein zu. Und machen wir uns weniger Sorgen. Trotz Amtsstresses sind unsere bisherigen Bundeskanzler recht als geworden. Konrad Adenauer 91, Ludwig Erhard 80, Kurt Georg Kiesinger 84, Willy Brandt 78, Helmut Kohl 87 und Helmut Schmidt gar 96. Bei Gerhard Schröder, inzwischen 75, reicht die Kraft, um gelegentlich eine neue Frau zu heiraten.

Seien wir wie die gute Oma, die beim Betrachten einer Schürfwunde am Bein des Enkelkindes bloß meinte: „Wirst sehen. Das wird schon wieder.“ Daran sollten wir glauben.