Alarm! Die Demokratie bricht aus

Fröhlich war das Politiker-Leben. Vor, sagen wir, 20 oder 30 Jahren. Das Volk hatte im Großen und Ganzen Respekt vor seinen Staatenlenkern. Veränderungen kamen selten als überraschende Erdbeben.

Es war absehbar, wenn eine Regierung aufgebraucht war. Und im Falle des Wechsels erlebte man zumindest in Deutschland, dass die ehemalige Opposition jene Politik macht, die sich die Vorgänger nicht getraut hatten.  Rot-Grün rasierte das Soziale, Schwarz-Gelb beschloss den forcierten  Atomausstieg.

Die Dinge waren im Fluss, die Wähler machten ihre Kreuze mit ruhiger Hand. Alles blieb berechenbar – und ist es dank Angela Merkel gefühlt auch noch die nächsten 20 Jahre.

Aus und vorbei, jedenfalls um uns herum. Ein prolliger Immobilienhai wird US-Präsident, während zwei  smarte junge Männer Frankreich und Kanada regieren dürfen. In Großbritannien verliert die noch vor einigen Wochen als übermächtig gehandelte Regierungschefin die absolute Mehrheit im Parlament. Zugleich wird ein wegen seiner allzu linken Thesen als nicht wählbar eingestufter Graubart zum großen Sieger und zum Helden der Jugend.

Die Wähler sind manchmal auf dem falschen Dampfer. Aber sie machen eben, was sie wollen.

Und den einst souveränen Staatenlenkern entgleiten die Zügel. Sie begegnen jenem Phänomen, das ihnen wahrscheinlich am meisten Angst macht: dem Klimawandel, dem Terrorismus, der Finanzkrise? Nein, der Demokratie. Der Souverän verlegt sich auf Fordern und Fördern. Vielleicht sogar schon bald bei uns.

Wer dann als Politiker noch fröhlich, weil skandalfrei, lebt, kann wirklich was. Und dann ist es auch gut.