Donald Trump: Zu kühn für diese Welt

Das Leiden an der Politik – vielleicht ist es bloß Langeweile. Im Großen und Ganzen ist es gut, dass Probleme im Merkel-Stil pragmatisch und seriös abgearbeitet. Doch wo ist die Kühnheit, wo der große Entwurf für die Zukunft? Wo ist die Vision, die uns begeistert und antreibt?

Donald Trump macht es gerade vor. Eine 3200 Kilometer lange Mauer bauen und die hierfür investierten Dollar-Milliarden von anderen bezahlen lassen, ist ein erstaunlicher Gedanke. Der Anti-Tortilla-Schutzwall an der Grenze zu Mexiko wäre 20 Mal länger als die Berliner Mauer, hätte allerdings – alternativlose Fakten, sorry – nur ein Siebtel der Ausdehnung der Chinesischen Mauer.

Unser Präsident hat aber mehr vor: Er möchte Straßen, Brücken, Flughäfen und Öl-Pipelines in einem bislang unbekannten Ausmaß bauen lassen, aber zugleich die Steuern wie noch nie senken. Er findet Folter nicht so ganz verkehrt  und möchte die US-Unternehmen von 75 Prozent der gesetzlichen Vorgaben entlasten. Alleine diese Kühnheit verdient eine eigenständige Betrachtung.

Und wir? Können wir hier auch nur ein bisschen mithalten? Yes. we can. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt will Ende 2017 einen Satelliten ins All schießen, auf dem Tomaten heranwachsen können. Sollten diese in der Schwerelosigkeit tatsächlich keimen, sollen sie später einmal Astronauten bei ihren Reisen in ferne Welten als Nahrungsgrundlage dienen. Tomaten im Weltall. Wir trauen uns.

Aber halt: Denkt nicht, bei genauer Betrachtung, dieser Donald Trump viel zu groß für diese Welt? Würde es ihn nicht reizen, galaktisch zu agieren? Also Miss-Universe-Wahlen auf dem Planeten Venus durchzuführen oder den Ring des Saturn zu asphaltieren? Er müsste nur vor Ort sein.

Alsdenn: Sollten wir einen US-Präsidenten auf den Mond schießen? Welch schöne, welch kühne Idee.

 

Mauerfall: In der Einheit wächst das Trennende auch

Zwei, die auch mitfeiern: Gorbi und Wowi.

Zwei, die auch mitfeiern: Gorbi und Wowi.

Ist doch schön: Am heutigen 9. November ist auf dem Nürnberger Willy-Brandt-Platz eine Statue des Namensgebers aufgestellt worden. Also jenes früheren Berliner Bürgermeisters und Bundeskanzlers, der einen der nachhaltigsten Sätze zur Deutschen Einheit formuliert hat: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, meinte er am 9. November 1989.

Es ist auch völlig richtig, den zu seiner Zeit geradezu unwirklichen Mauerfall zu feiern. Aber für viele Menschen ist es ein glückliches Ereignis mit Widerhaken. Was sich ganz vornehm so ausdrücken lässt: In der Einheit wächst das Trennende auch.

Davon können viele Familien in Ostdeutschland ein Lied singen. Junge, begabte, ehrgeizige Menschen dort sind häufig dazu gezwungen, ihre Heimat gen Westen zu verlassen, wenn sie Karriere machen wollen. Wirklich gute Jobs mit Zukunftsaussichten sind im Osten einfach zu rar.  Nur wenige kehren zurück, weshalb manche Stadtplaner in der früheren DDR vor einer absurd wirkenden Aufgabe stehen: Sie müssen nicht darüber streiten, welche Flächen neu bebaut werden dürfen, sondern sich darum kümmern, wie überflüssig gewordene Wohnhäuser möglichst spurlos verschwinden.

Und auch in Familien mit Menschen aus beiden Teilen Deutschland hat die politische Einheit die gegenseitige Bindung nicht unbedingt verstärkt. Als es die DDR noch gab, waren Begegnungen ein besonderes Ereignis. Und an Weihnachten gab es den jedes Jahr gleichen Austausch von Geschenken: Kaffee, Schokolade und Strumpfhosen nach Osten – Christstollen und Räuchermännchen aus dem Erzgebirge in die Gegenrichtung. Wenn es Aldi und Lidl auf beiden Seiten gibt, funktionieren solche Rituale nicht mehr.

Das pure, völlig ungetrübte Glück gibt es eben nicht. Oder anders gesagt: Freiheit ist ein wunderbares Ding, kann sich aber manchmal auch kalt anfühlen.