Wenn die Maske plötzlich fällt…

Die aufschlussreichsten Momente für politische Beobachter sind Momente der unfreiwilligen Selbstentlarvung. Als zwei aktuelle Hauptdarsteller glänzen: Julia Klöckner und Horst Seehofer.

Unsere Landwirtschaftsministerin wirkte immer ziemlich nett, aber selten wirklich klug. In diesem Sinne hat sie sich gerade authentisch dargestellt, als sie mit einem Vorstandsmitglied von Nestlé über gesunde Ernährung philosophierte.

Man werde gemeinsam Gutes für die Bevölkerung tun, meinte sie, während sie ihren Gesprächspartner geradezu anhimmelte. Es war ein Auftritt wie von Rezo in seinen schlechtesten YouTube-Videos. Julia Klöckner präsentierte sich als Ministerin der Konzerne und Lobbyisten. Und wenn wir nachdenken: Sie war nie jemand anders.

Bei der Gesetzgebung stören Bürger nur. Diesen Gedanken gab Innenminister Horst Seehofer in einem kurzen Gespräch mit der ARD-Tagesschau zum Besten. Auch dies ein großer Moment der Ehrlichkeit. Denn tatsächlich hält es auf, wenn über schwierige Themen kontrovers und vor allem ausgiebig diskutiert wird.

Man muss allerdings bedenken, dass diese Sache auch anders sein könnte. Vielleicht war es bloß einer der zahlreichen gescheiterten Versuche Horst Seehofers geistreich ironisch zu sein. Ein Standard-Witz unter Kommunalpolitikern ist etwa die Aussage, dass man Themen oder Entscheidungen im Amtsblatt veröffentlichen müsse, wenn die Bevölkerung  nichts mitbekommen solle. Kann doch ein Innenmister auch mal so ähnlich sagen.

Tja, aber vom Spaß zum Fettnapf ist der Weg nicht weit. Vor allem bei einem Politiker, dem man Böses zutraut.

Jedoch: Sind nicht die konsequenten Heuchler schlimmer als die gelegentlich Ehrlichen? Nehmen wir den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Wie er sich nach seiner Wiederwahl durch die vereinigten Fußball-Vermarkter die Hand aufs Herz legte und vermeintlich gerührt schluckte, war schlechter gespielt als die Laien-Auftritte in Reality Soaps unserer Privatsender.

Doch macht das die Fehlleistungen von Julia Klöckner und Horst Seehofer  besser? Leider nicht, eher sind wir verschreckt über ein derart niedriges Niveau. Ganz ehrlich.