Posts Tagged ‘Liebe’

Februar 3rd, 2013

Der Mann schrubbt – leider oft vergebens

Männer, auch begabte Sexisten, müssen sich damit abfinden: Die einzige sichere Eigenschaft von Frau ist ihre Widersprüchlichkeit. Da läuft seit gut 30 Jahren unter dem Stichwort “Feminismus” ein riesiger gesellschaftlicher Feldversuch mit dem Ziel der Umerziehung des Mannes zu einem kooperativen, gerechten, sanften, hilfsbereiten Wesen. Und nun das: Ehemänner, die Hausarbeit leisten, verlieren die Lust auf Sex und werden von ihren Frauen als weniger attraktiv eingeschätzt.

Das behauptet Medien zufolge das Center for Advanced Studies am Juan-March-Institut in Madrid. Mittels einer Befragung von 7002 Teilnehmern will es herausgefunden haben, dass insbesondere das Erledigen von Arbeiten, die als typisch weiblich gelten, die Libido beeinträchtigen. Wogegen Männer, die im Garten arbeiten oder Rechnungen bezahlen, gemäß dieser Studie häufiger Tanzkarten verteilen.

Ich gebe zu bedenken: Hinter den meisten Umfragen steckt ein Auftraggeber. Und selbst Professoren sind bestechlich. Einen Geldgeber wird es auch hier gegeben haben, zumal es sich bei diesem bislang völlig unbekannten Institut entweder um eine frische Existenzgründung oder um eine betrügerische Briefkastenfirma handeln könnte. Wer weiß, vielleicht stecken die Baumärkte in der Umsatzkrise und wollen Hornbach-Erotik mit Nachdruck salonfähig machen. Eventuell wollen uns die darbenden Handelskonzerne einbleuen, dass das Abzeichnen von Quittungen ein majestätischer, mega-männlicher Akt ist. Oder die von einbrechenden Verkaufszahlen gebeutelte Autoindustrie wollen den Männern wieder klar machen, dass das Einseifen der verdreckten Karre schärfer macht als das Schrubben der Toilettenschüssel. Zumal Letzteres zwangsläufig den Anteil der Sitzpinkler steigert.

Vielleicht aber leben wir nur in seltsamen Zeiten. Wenn das RTL-Dschungelcamp für einen angesehenen Fernsehpreis nominiert wird, kann es ja sein, dass in unserer Wahrnehmung die Grenzen zwischen blöd und originell verwischen. Was auch für Umfragen gelten könnte.

Zumal es auch andere Studien gibt. Demnach hängt die Zufriedenheit von Frauen in der Ehe stark davon ab, ob und wie stark sich ihre Männer im Haushalt beteiligen. Tja. Frauen sind eben so – unbestimmt. Und für den Mann des 21. Jahrhunderts gilt wohl ein schöner fränkischer Satz. “Wäimers machd, is verkährd.” (Wie man es macht, ist es verkehrt) Und so putzen wir vergebens. Das ist die Tragik des Lebens.

Januar 24th, 2013

Das Igelchen beweist: Print wirkt

Das Igelchen zeigt Reue

Verrückt, verrückt: Da stöhnt und ächzt die Zeitungsbranche seit vielen Jahren angesichts der Krise. Immer weniger Leser, immer weniger Werbeerlöse, immer höhere Papierpreise. Blätter verschwinden vom Markt, ganze Redaktionen werden gefeuert. Und dabei gäbe es die Rettung. Nämlich durch großflächige Beziehungskrisen-Inserate.

Da hat also in den Nürnberger Nachrichten ein unbekannter Ehemann seiner “lieben Ehefrau” mit einer annähernd halbseitigen Anzeige mitgeteilt, dass es ihm leid tue. Und dass er es rückgängig machen würde, wenn es gehen würde. Die Anzeige ziert ein süßer Igel. Mit einer deutlich kleineren Anzeige verabschiedet sich der Inserent weiter unten auf der Seite von seiner Geliebten.

Der Effekt? Den Menschen zerreißt es das Herz. Eine ganze Region hat ein gemeinsames Gesprächsthema. Andere Medien sind aufgewühlt. Wer immer in Stadt und Region als Mitarbeiter der Verlags-Anzeigenabteilung bekannt ist, wird ausgefragt, wer denn dieser reumütige Gatte sei. Und was ihn seine Versöhnungsaktion gekostet habe. Ein Zeitungsleser forderte in einer eigenen Anzeige, dass “Igelchen” doch bitte öffentlich erklären möge, was denn da passiert sei. Ein lokaler Radiosender flehte in einem Inserat “Bitte melde dich”.

Letztlich beweist die Geschichte Folgendes: Print wirkt. Auch in diesen ultradigitalen Zeiten ist es möglich, mit einem gedruckten Text oder einer Anzeige einen riesigen Effekt zu erzielen. Den Verlagen wird somit von dieser Stelle in aller Vertraulichkeit angeraten, Projektgruppen für fingierte Beziehungskrisen-Inserate zu gründen. Diese wären beste Werbung für’s Produkt und bestes Entertainment für’s Volk.

Aber zurück zu “Igelchen”. Seine Chancen auf ein Herzerweichen bei der Angetrauten sind eher gering. Es fällt nämlich auf, dass seine Abschieds-Anzeige zwei wesentlich kleiner, aber dafür viel inniger formuliert ist. Wendet er sich oben als “Dein Ehemann” an die “Liebe Ehefrau”, so steht unten folgender Text: “Sommersprosse, Sonnenschein. Die Liebe ist vorbei. Die Liebe gehört meiner Frau. Ade Igelchen.”

Kommentar einer lieben Ehefrau, in diesem Fall meiner: “So ein Depp!”

November 21st, 2012

Lothar, Du Sysiphus der Silikonhügel

Liebe Leute, Ihr könnt lästern, schwatzen und flüstern wir ihr wollt. Ich stecke den Sand nicht in den Kopf. Ein Hirndübel lässt sich seine Meinung nicht von der Schwarmintelligenz der Boulevardpresse diktieren. Für mich ist Lothar Matthäus ein Held. Ein tragischer zwar, aber er ist einer. Punkt. Aus. Ende.

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch sein Dessous-Model Joanna Tuczynska nach gut eineinhalb Jahren gemeinsamer Zusammengehörigkeit beziehungstechnisch dahingeschieden. So wie vor ihr Ariadne, Liliana, Marijana, Maren, Lolita und Silvia. Wieder war es nix. Und was sagt Loddar dazu? “Wir haben uns einvernehmlich getrennt. Ich hege keinen Groll und wünsche Joanna alles Gute für die Zukunft.”

Genau das ist die dem Franken eigene Größe in Reinkultur. Schauen wir doch einmal herum, wie andere Männer reagieren, wenn sie verlassen werden. Sie randalieren, demolieren Autos,  zertrümmern Wohnungseinrichtungen, brechen die Nasenbeine der Nebenbuhler oder fallen in Suff und Depression. Gute Wünsche für die Ex? Nie und nimmer.

Wir lernen daraus: Lothar Matthäus geht mit verflossener Liebe extrem großzügig um. Er ist eine wahre Diva, gewissermaßen die Zsa Zsa Gabor des Weltfußballs. Nein, dieser Mann glaubt an sich und sein Glück. Er wird nie aufgeben, wird nie zweifeln – und doch immer wieder scheitern. Man könnte ihn auch den Odysseus der Schlauchbootlippen oder den Sysiphus der Silikonhügel nennen. Dieser unverbesserliche Romantiker steht parabelhaft für das Leben und Leiden von uns allen, für unser immerwährendes suchen, finden und verlieren.

Nur eines kann ihn erlösen: Wenn der Sexualtrieb der Altersweisheit weicht. Das dauert noch ein bisschen. Gebt ihm also erstmal einen netten Verein, wie etwa 1860 München. Loddar braucht jetzt Fußball. Denn wie heißt es so schön? Ein Tor würde dem Spiel gut tun.

 

 

 

 

August 10th, 2012

Die Liebe lässt uns mächtig rudern

Wo die Liebe hinfällt, bleibt nicht selten ein Krater zurück. Aber muss man eine Frau dafür bestrafen, dass sie mit einem Deppen zusammen ist? So wie im Rudersport? Und was ist schön daran, jeden Abend Helmut Schmidt zuzuhören? Denken wir darüber nach…

Juli 12th, 2012

122 Millionen Mal Glück ist nicht genug

Wer heutzutage das Glück sucht, dem stehen viele, viele Helferlein zur Seite. Der Suchbegriff „Glück“ führt bei Google zu 122 Millionen Treffern. Beim Internet-Händler Amazon meldet die gleiche Anfrage 44.744 Produkte, für die dieser Begriff verwendet wird. Tipps für die Suche nach seliger Zufriedenheit fehlen also nicht. Warum sind dann viele Menschen so furchtbar unzufrieden?

Ein Grund ist sicher, dass das, woran wir gerade denken, immer woanders ist. Eine neuere wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass die meisten Männer beim Aufstehen die Arbeit im Kopf haben. Dort angekommen, denken sie an Sex. Und wenn sie wieder daheim sind, denken sie an Sport, vorzugsweise Fußball. Tatsächlich aber werden sie, falls sie verheiratet sind, mit der Frage konfrontiert: “Wie war Dein Tag?”. Die ehrliche Antwort – prallvoll mit Sexphantasien – verbietet sich. Die sonstige Ratlosigkeit jedoch wird als Kommunikationsverweigerung aufgefasst. Also müssen die Männer erklären, warum während bedeutender sportlicher Begegnungen Gespräche nicht erwünscht sind.

Diese Unterredung endet erst, wenn die spannendsten Momente des Sportereignisses vorbei sind. Unser Mann trinkt einen Absacker, schläft zornig ein – und träumt vermutlich von der Arbeit.

Ja, aber wo ist da die Liebe? Wo ist die Erotik? Braucht es nicht, denn nach einer anderen Studie würden 57,6 Prozent der Frauen lieber ein Jahr lang auf Sex verzichten als auf Fernsehen. Dieser ist zuverlässig vorhanden. Sport läuft ja nicht immer.

Bei Männern soll es übrigens ganz anderes sein: Für 61,6 Prozent ist TV eher verzichtbar als Erotik. Sagen die Männer über sich selbst. Gelegenheiten, den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu untersuchen gibt es in Kürze während der Olympischen Spiele.  Der Test für Frauen geht so: Bestehen Sie auf der Übertragung vom Dressurreite, während zeitgleich Beach-Volleyball der Damen läuft.

Es wird sich – meine Prognose – der große Wahrheitsgehalt einer anderen Studie erweisen: Es gibt einen starken Trend zum Zweitfernseher.

 

Juni 7th, 2012

Unser Leben klingt in Moll

Manchmal fragen wir uns: Wie kann es sein, dass es Menschen in anderen Ländern so vergleichweise mies geht und sie trotzdem so vergleichsweise fröhlich sind? Es liegt bestimmt auch an unserer Musik. Wer heute einen populären Radiosender einschaltet, dem springt das Leiden dieser Welt ins Ohr. Wir führen ein Leben in Moll.

Dieser Eindruck ist nun auch wissenschaftlich belegt. Die Wissenschaftler des Exzellenzclusters “Language of Emotion” der Freien Universität Berlin haben heutige Top-Hits mit erfolgreichen Liedern aus den 60-er Jahren verglichen. Und tatsächlich klang Erfolg damals anders, nämlich überwiegend in Dur. In Deutschland etwa waren vor genau 50 Jahren “Zwei kleine Italiener” , der  “Peppermint Twist oder der absolute Frohsinnsunfug  “Auf meiner Ranch bin ich König” hervorragend in der Hitparade platziert. Spaß war ausdrücklich erlaubt.

Heute jedoch ist es so: Der junge Mensch der Neuzeit liebt nicht mehr fröhlich in den Tag hinein. Nein, er hofft, bangt, bebt, leidet, hasst, liebt, verzehrt sich – um schließlich festzustellen, dass sich der/die Angebete jemand anderem an den Hals wirft. Und wenn es doch klappt, dann nur im festen Bewusstsein, dass jede Beziehung wohl nur befristet sein wird. So, wie er es aus der Arbeitswelt kennt.

Den dazugehörigen Klangteppich liefern Stars wie,  Adele , Silbermond , Xavier Naidoo Xavier Naidooo und viele weitere Abgesandte der Depropop-Industrie. Wir lernen, dass unser Weg kein leichter sein wird. Während lachende Leute auf Karibikinseln ihren Hunger mit Salsa wegtanzen.

Wahrscheinlich ist grundlose Melancholie Teil unseres Wohlstands. Ohne Trübsinn fehlt uns was. Trotzdem sollten wir es uns gönnen: Und wenn ein Lied seine Lippen verlässt, dann schalten wir ruhig mal ab, wechseln den Sendern, laufen wir davon. Und summen wir ein Lied. In Dur.

Februar 14th, 2012

Hurra, die Liebe bricht herein!

Geldbeutel raus! Heute muss alles weg! Es ist doch schön, dass es in all dem Leid, in all dem Stress, der auf dieser Welt ist,  Tage gibt, an denen die Liebe dramatisch über uns hereinbricht. So auch heute. Es ist Valentinstag. Überall werden die Sendboten der Innigkeit zu Bündeln verschnürt und in Papier oder Folie verpackt.

Man kann am Sinn dieses Tages zweifeln. Mann sowieso, denn ein solches Ereignis bringt die eigene Routine völlig durcheinander. Schließlich muss  zu Arbeitsplatz, Heimweg, Sofa, Abendessen und Champions League ein Abstecher zum Floristen hinzugefügt werden. Immerhin, man leistet etwas für ärmere Regionen. 30 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen kommen aus Entwicklungsländern. Das findet Dirk Niebel gut, den im Pestiziddampf arbeitenden Frauen und Kindern hilft es wenigstens zum Teil.

Ein weiteres Gegenargument: Blumen schenken hat etwas vom Jahr der Behinderten oder vom Jahr der Frau. Man(n) geht, besorgt etwas, bringt es durch Schnee und Matsch nach Hause. Frau freut sich. Aber dann muss es auch wieder gut sein. Bis zum Muttertag. 

Auf jeden Fall sollten Schenkende die Sprache der Blumen kennen. Es hat eine bittere Ironie wenn der Sofahocker, der jeden Abend nach dem dritten Bier vergisst, dass er nicht alleine lebt, mit roten Rosen daherkommt. Die damit signalisierte Leidenschaft ist vermutlich schwer einzulösen, weshalb die Beschenkte dazu neigen könnte, ein schlechtes Gewissen zu vermuten. Nelken sind modern, werden aber auch gerne  für Trauerkränze benutzt. Das kann falsch verstanden werden.

Die Gerbera sieht hübsch aus, ist aber eine Blume, die man völlig leidenschaftslos auch an die eigene Oma verschenken kann. Recht clever ist es, die Iris in den Valentinstag-Strauß einzubauen. Sie steht für echte Liebe, worunter man ja durchaus auch den gemeinsamen Kartoffelchips – und Erdnussverzehr verstehen kann. Wer aber ganz sicher nichts verkehrt machen will, sollte zur Kamille greifen. Diese Blume steht für Hoffnung. Die können alle brauchen, Mann und Frau, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Wie dem auch sei: Ich war, Stand heute, 13.30 Uhr, noch nicht im Blumenladen. Aber ich werde tun, was ein Mann tun muss. Und vielleicht werde ich sogar überrascht, wenn Bier und Chips schon bereitstehen. Das ist dann mein schönes Geschenk. Bis zum Vatertag.

Februar 11th, 2012

Heiße Herzen in eisiger Kälte

Alle bibbern und jammern über die eisigen Temperaturen. Aber Kälte und Wärme sind relative Begriffe. Wo der ein fröstelt, streift der andere Sandalen über. Aber was rettet uns wirklich durch frostige Zeiten? Die Auflösung in meinem Video…

November 11th, 2011

Wie zählt Schnaps in der Ehe?

Eine kleine Frage zum 11. November: Welche Menschen schauen heute Abend in besonders müde Augen? Antwort: Es sind die Angehörigen von Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Denn diese hatten Zwecks Spezial-Datum irrsinnig viel zu tun.

Man überlegt sich schon, warum Paare so wild darauf sind, an einem Schnapszahl-Tag zu heiraten. Ist es die Hoffnung, dass der angenehme Effekt des gegenseitigen Schönsaufens auf diese Weise dauerhaft in der Beziehung verankern ließe? Will man Verwandten und Freunden zeigen, dass man den festen Willen zu einer ganz einmaligen Ehe hat? Oder glaubt man daran, dass man diesen Hochzeitstag selbst niemals vergessen wird?

Hofft man gar darauf, dass sich der latente Frohsinn, der dem Datum 11.11. innewohnt, auf die große Liebe übertragen lässt? Glaubt man daran, dass ein Streit weniger schlimm ist, wenn er, wie eine Büttenrede, in Reimform ausgetragen wird? Hat es mit der Vision des Mannes zu tun, dass die Angetraute fortan ausschließlich in superkurzen Röckchen durch die Wohnung hüpfen wird?

Wir können die Motive wohl nur erahnen, müssen aber der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass sich an früheren Schnapstagen nicht alle Hoffnungen erfüllt haben. So hat das Berliner Standesamt mitgeteilt, dass die am 9.9.09 geschlossen Ehen überdurchschnittlich häufig geschieden wurden.

Die Schnapsdrosseln auf Freiersfüßen werden wieder am 12.12.12 in Scharen unterwegs sein. An einem Tag also, der auch Nationalfeiertag von Kenia ist. Was für die Liebe in Westeuropa natürlich gar nichts bedeutet. Egal. Wir sehen uns am nächsten Red Nose Day der Traualtare!

PS.: Zur sehr wahrscheinlichen Schicksalshaftigkeit eines Datums kommt eine aktuelle Meldung aus Köln. Dort soll es am 11.11 genau um 11.11 Uhr die Geburt eines Zwillingskindes gegeben haben. Alles andere als eine Karriere im Karneval wäre in diesem Fall sehr erstaunlich.

April 6th, 2011

Das Geheimnis der “Heißen Füße”

Eigentlich ist der 7. April ein wunderbares Datum. Es ist der Weltgesundheitstag. Also ein Tag, an dem wir uns darüber freuen sollten, dass wir gesund sind. Bloß, wir sind es nicht. Das sagen uns Listen mit Selbsthilfeguppen.

Selbstverständlich ist es wunderbar, wenn sich Menschen gegenseitig unterstützen. Geht man allerdings danach, wen diese Vereinigungen nach eigenen Angaben aus der Not retten wollen, läge die Bevölkerungszahl in Deutschland deutlich über 300 Millionen. Schließlich widmet sich jede dieser Gruppen immer auch einer “Dunkelziffer” nicht geouteter Leidender. Erst recht dann, wenn Selbsthilfe von der Pharmaindustrie initiiert wurde, weil es ein neues Medikament gegen noch nicht entdeckte Krankheiten gibt.

Aber zur Sache: Was gibt es überhaupt? Die offizielle Liste der mittelfränkischen Selbsthilfegruppen listet 619 Autosupportteams auf. So etwa die Gruppe “Absolute Beginners”. Sie kümmert sich um “Menschen ohne Beziehungserfahrung”. Im Fernsehen nennt sich das “Bauer sucht Frau”.

Interessant auch die Frauengruppe für “Offensives Altern”. Wenn dort das trainiert wird, was ich mir so vorstelle, dann ist das eine Kaderschmiede für solche Seniorinnen, die wir im Supermarkt und am Strand so fürchten. Laut, extrem gut gelaunt – also sozusagen Fälle für die Gruppe Hyperaktivität “Struwwelpeter”.

Etwas rätselhaft begegnet uns die Gruppe “Zwänge Bayern”. Auf ihrer Homepage gibt es Klicks zu folgenden Themen: Computer, Arbeit, Jahreswagen, Englisch lernen, günstige kredite, spiel spiele, film school,
email account, mba, karriere. So viel Zwang war nie. Vor allem vor “mba” kann ich nur warnen.

Und während sich zwei mittelfränkische Gruppen für “verlassene Eltern” durchaus einer regen Anfrage erfreuen dürften, ist der Gründer der Selbsthgilfegruppe “Heiße Füße Nürnberg” bislang ein Einzelbetroffener.

Was sagt uns all dies? Mit der Gesundheit ist es genauso wie mit dem Glück. Sie ist schon da, aber nie so ganz. Und Gesundheit ist wie das Leben überhaupt. Es kommt immer was dazwischen. Gottseidank ist Hilfe niemals weit.

März 21st, 2011

Schwatzkisten-Jubiläen: Ein Hoch auf Loddar und Twitter

Immer schön: Lothar Matthäus spricht mit der Welt.

Immer schön: Lothar Matthäus spricht mit der Welt.

Ein guter Spruch zur rechten Zeit lässt uns lächeln, beflügelt unsere Phantasie, macht uns glücklich. Deshalb verehren wir Menschen, die uns zuverlässig mit originellen Wortgebilden beglücken. Zwei solcher Schwatzkisten feiern unde Jubiläen: Lothar Matthäus wird 50, das Kurznachrichten-Netzwerk Twitter wird fünf Jahre alt.

Ich gratuliere unserem fränkischen Ex-Weltfußballer “Loddar” allerlherzlichst zum runden Geburtstag. Schließlich hat er mir mehrfach  hirndübel-tauglichen Stoff geliefert. Weniger mit lieblichen Aphorismen, wohl aber als notorisch liebeskranker Held.

Legendär ist Matthäus gleichwohl für seine Sprüche. Die Kolleginnen und Kollegen der Nürnberger Nachrichten haben da eine schöne Sammlung veröffentlicht.  (Der Link) Sie wäre vielleicht noch um diese Aussagen zu ergänzen: “Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.” Oder: “Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.”

Ich trete jede Wette an: Wäre ein Lothar Matthäus nicht 1961, sondern 1981 oder später geboren worden, er wäre nicht nur Starfußballer, sondern auch Follower-König. Er wäre ein Popstar des Twitter. Denn auch in diesem Netzwerk geht es neben sehr privaten Mitteilungen und der gelegentlich Unterstützung von Dikatoren-Stürzen vor allem um Originalität, Witz und einen Hauch von Wahnsinn. Letzten Endes gilt: Die Durchgeknallten kommen besser durch.

Und produziert wird wie irre: Jede Woche senden die Twitter-Nutzer eine Milliarde Meldungen. Über 200 Millionen registrierte Nutzer soll es geben, alleine im vergangenen Monat sind laut Anbieter jeden Tag 460.000 hinzugekommen. Das nennt man Wachstum XXL.

Wird unser krummbeiniger Held also irgendwann vom Sprüche-Tsunami weggespült und in Vergessenheit geraten? Wohl kaum. Denn noch weiß niemand so ganz genau, womit Twitter Geld verdienen soll, um seine wachsende Mitarbeiterschar auf Dauer zu ernähren. Diese ist letztlich schlechter gegen eine Pleite abgesichert, als des Ex-Fußballers Ex-Frauen.

Meine Prognose: Ein Lothar Matthäus macht Schlagzeilen, so lange es ihn selbst und  junge Frauen gibt. Wir werden also noch viel Freude mit ihm haben…

Februar 15th, 2011

Kinderlos im Duft der Rosen

Da war er also wieder, der „Tag der Liebenden“. Massenhaft sind sich Menschen im Gedenken an Bischof Valentin im Duft der im Pestiziddunst gepflückten Rosen in die Arme gefallen. Aber ob das gegen die Überalterung dieser Gesellschaft wirklich etwas hilft? Eher mal nicht. Die Geburtenquote wird wegen den Blumensträußen nicht explodieren.

Sage keiner, die Regierung habe es nicht probiert. Ursula von der Leyen hat mächtig Geld herbeigeschaufelt, um die Zeugungs- und Gebärfreude im Land zu fördern. Ihre Nachfolgerin Kristina Schröder geht sogar höchstpersönlich mit gutem Beispiel voran. Und stürzt sich ins Abenteuer Elternschaft, obwohl Sie und ihr Ehemann von läppischen knapp 20.000 Euro brutto im Monat leben müssen.

Aber was lässt die Menschen so sehr verzagen, was treibt sie in die Windelphobie?

Februar 8th, 2011

Vorsicht, hier simst Mubarak

Es ist mittlerweile Stand der Wissenschaft, dass Jungen, die auf den Namen Kevin getauft werden, wenig Chancen haben, in einem seriösen Job Karriere zu machen. Dieser Vorname gilt Sozialpädagogen und anderen Experten für menschliche Regelungen als (verheerende) Diagnose. Es gibt aber auch gesellschaftliche Schranken, die man gar nicht vermutet: Es könnte an der falschen Telefonnummer liegen.

Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg haben den Zusammenhang zwischen der Ziffernfolge und der Beliebtheit von Menschen untersucht. Nun mag man angesichts der doch sehr speziellen Fragestellung in den von unterirdischen Bahnhöfen bekannten Seufzer „Und das alles von unseren Steuergeldern“ verfallen. Jedoch: Angesichts von 34,4 Milliarden SMS, die 2009 in Deutschland versendet wurden, hat das Thema Relevanz. Und es gibt auch ein Ergebnis.

Bestens ist bei den Testpersonen demnach die Nummer 54323 angekommen. Auf der Tastatur als SMS-Nachrichten gelesen, taucht vor dem Augen das Wort „Liebe“ auf. Dagegen ergibt die Ziffernfolge 543243 das Wort „Leiche“. Klar, welche Reihe angenehmer ist. Die Forscher erkundeten auch die Auswirkungen auf eine fikitive Partnervermittlung. In der Kombination 54323/Liebe wirkte die angebliche Kuppelfabrik netter als unter der Nummer 72528. Das kann man auch als “Salat” lesen – und den hat man ja normalerweise erst nach einer gewissen Dauer einer Beziehung.

Wir sollten bei unserer Selbstvermarktung auf diesen Aspekt achten. Die Telefonnummer 6822725 zum Beispiel ist derzeit ganz ungünstig. Gelesen ergibt sie nämlich „Mubarak“. Die ebenfalls ungünstige 82 64 225 alias „vanGaal“ wiederum ist der Nummer für “Taliban” (82 54 226) erstaunlich ähnlich.

Ach so: Mein Büronummer kann als „Bobele“ gelesen werden. Bloß, Boris Becker bin ich trotzdem nicht. Dumm gelaufen. Oder auch nicht.

Dezember 26th, 2010

Festtags-Schock: Die neue Lothar-Matthäus-Passion

Ich gebe zu, irgendwo macht mir die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr Angst.  Zu oft haben sich da in den letzten Jahren Katastrophen ereignet. Nehmen wir bloß den zweiten Weihnachtsfeiertag: Da rauschte 1999 ein verheerender Orkan namens Lothar durch Nord- und Westeuropa, 2003 wurde die historische Stadt Bam bei einem Erdbeben im Iran zerstört und 2004 forderten die Tsunamis nach einem Seebeben im Indischen Ozean weit über 200.000 Menschenleben. Ich war also vorbereitet, dass Schlimmes passieren oder bekannt werden würde. So ist es auch gekommen. Und schuld ist Lothar.

Zum Glück für die Menschheit erleben wir aber keinen neuen Orkan, sondern eine – jahreszeitlich unpassende – Matthäus-Passion. Unser fränkischer Fußballgott Lothar/Loddar ist im Hafen der Ehe bereits zum vierten Mal auf Grund gelaufen. Sylvia, Lolita und Marijana sind schon weg. Und jetzt hat Noch-Ehefrau Liliana vermutlich eingesehen, dass ihr Talent nicht für eine große Show-Karriere ausreicht. Trotz ihres weltberühmten Mannes.

Ihres Mannes, der einem auf seiner unglücklichen Suche nach wahrer Liebe so richtig leid tun kann. Was sogar die ansonsten eher unsensiblen Journalisten der “Bild”-Zeitung empfunden haben müssen, als sie ihren Ehe-Abgesang geradezu dramatisch begannen: “Die Gefühle verebbten und brandeten wieder auf, mal schwammen sie auf einer Glückswelle, dann brach alles über ihnen zusammen.”

Nein, hier tobte kein Orkan. Wir wissen nichts von einem Gefühls-Erdbeben. Aber am Ende war es, wie schon einmal an einem zweiten Weihnachtsfeiertag, ein astreiner Tsunami.

Doch einer wie Lothar Matthäus war beruflich lange genug mit Oliver Kahn zusammen, um zu wissen, dass es im Leben immer weiter geht. Was uns auch eine andere Katastrophen-Meldung dieses Tages signalisiert: Playboy-Gründer Hugh Hefner (84) hat sich mit einem 24-jährigen Playmate namens Crystal verlobt.

Lothar Matthäus ist gerade mal 49 Jahre alt. Wir sehen ihn also noch oft in diesem Theater…


Dezember 13th, 2010

Montags im Schnee stirbt die Liebe im Radio

Montagmorgen, Wetter, Verdauung, Liebeskummer: Nur zu gerne denken wir in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft, dass wir ganz besondere Menschen sind. Deshalb haben wir auch ganz besondere Probleme. Zum Beispiel können wir lange darüber nachdenken, welches Wetter-App für unser Handy extra-chic wäre. Wir übersehen dabei, dass wir letztlich auch nur einer von 6,9 Milliarden Menschen sind. Und dass es bei anderen Leuten nur deshalb ums nackte Überleben geht, weil sie zufällig in einer anderen Gegend geboren wurden.

Die vier Einstiegsworte indes zeigen, dass auch unser Dasein einfacher gestrickt ist, als wir oft denken. Heute ist Montagmorgen. Das ist schlecht. Sagen jedenfalls die Leute im Radio.