Schaut an, wir lieben die Ehe

Die Ehe gibt es in Zukunft nicht nur für alle.  Es scheint auch so, als würde sie der weithin als Naturgesetz anerkannten Theorie trotzen, wonach in Zeiten der Digitalisierung jegliche Institution dem Untergang geweiht sei. 2016 wurden, so teilt es das Statistische Bundesamt mit, 0,6 Prozent weniger Ehen geschieden als im Jahr zuvor.  Das waren stolze 162.397, aber 42.000 weniger als vor 15 Jahren. Und bei gleichzeitig 400.000 Hochzeiten bleibt ein ordentlicher Saldo.

Hoffnung für Bindungswillige machen weitere statistische Zahlen. Heutige Ehen halten im Schnitt 15 Jahre. Vor 25 Jahren, als Deutschland im Spätrausch der Wiedervereinigung schwelgte, wurde nach elf Jahren Schluss gemacht. Die Paare waren bei ihrer Heirat allerdings  deutlich jünger als heute. Womit sich vielleicht Friedrich Schillers Hinweis „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet“ in der Neuzeit erfüllt. Oder womit sich erweist, dass an den sachgrundlosen Befristungen nicht alles schlecht ist.

Sicher ist: Was zu früh zusammengewachsen ist, gehört eher schnell nicht mehr zusammen.  Wer sich mehr Zeit lässt, kann dank tendenziell größerer Finanzkraft  auch die bessere Vermählungs-Party schmeißen. Und die soll schon ein Ereignis sein. Mit einer dreistelligen Gästezahl, aber ohne übertriebenen Pomp, der die Hauptdarsteller in den Hintergrund drängt.

Allzu Vorderergründiges  entlarvt sich sowieso mit der Zeit. Wer nur wegen eines schönen Gesichts oder eines tollen Körpers heiratet, wird zwangsläufig enttäuscht werden.  „Man soll ebensowenig nach den Augen heiraten wie nach den Fingern“, erklärte schon der griechische Philosoph Plutarch. Tja, und da ist – bei aller Liebe – das Geld. Paare die ausreichend davon haben, sind glücklicher. Logisch, sie müssen sich deswegen nicht streiten.

Es gibt da auch noch die Sache mit den Vornamen. Der Paarberater Clemens Beöthy aus 35447 Reiskirchen hat seine Versöhnungs- beziehungsweise Trennungsgespräche in einem Buch zusammengefasst. Seint Titel: „Heirate niemals einen Udo“. Dagegen seien Thomas und Ute ein erotisches Traumpaar, Andrea und Werner das für die Ehe bestens geeignete Ehe-Langeweilerpaar.

Diese Erkenntnisse lassen uns ratlos zurück. Wahrscheinlich ist es so, wie ein Sprichwort sagt: „Heiraten ist Lotterie“. Der Volksmund kennt die Menschen eben immer noch am besten…