Haustiere sind auch bloß Menschen

Der Mensch ist unberechenbar. Einen neuen Beweis für diese These haben Meldungen über die Situation der deutschen Tierheime geliefert. Viele von ihnen leiden unter akuter Geldnot. Manche sind von der Schließung bedroht.

Das ist wirklich erstaunlich. Denn es darf als gemeinsame Erkenntnis dieses Volkes gelten, dass das Tier der beste Freund des Menschen sei. Die bedingungslose Unterwerfung eines Hundes etwa lässt sich nicht einmal durch 100 Shades of Grey erreichen. Und nichts übertrifft die stille Duldsamkeit eines Korallenfischs in einem Reihenhaus-Aquarium.

Unsere Liebe zur Kreatur ist deshalb massiv. Wenn Tierheime ihre Insassen vermitteln, gehen dreibeinige Hunde und Kater mit Reizdarm am schnellsten weg. Denn nichts kann größer sein, als die Dankbarkeit eines behinderten Vierbeiners. Und die am schönsten gepflegten Gräber findet man auf Tierfriedhöfen.

Wir sorgen aber auch für schöne Hausgenossen. Bei führenden Hunde-Ausstattern gibt es neckische Mäntel, Dirndl, rosafarbene Bettchen und Schwimmwesten für den ersten Strandbesuch. Nachdem unsere Liebsten mit „Sir Henry Luxury“-Reinigungsschaum behandelt worden sind, bekommen sie im silbernen Napf biologisch-dynamische Tiernahrung serviert.

Dafür verschleudern wir lustvoll viele Millionen. Warum also die Not der Tierheime? Weil wir uns, wie sonst auch im Leben, nicht um alles kümmern können. Erschütternde Einzelschicksale sind zu regeln, das ist klar. Aber die soziale Hängematte für Alle ist nicht unser Ding. Tiere sind ja schließlich auch nur Menschen.