Wo Geld lockt, wird Onkel Doktor gierig

Sind wir eigentlich wirklich so naiv? Oder tun wir nur so? Da gibt es einen Skandal um einen organräuberischen Oberfarzt in Göttingen. Und alle geben sich entsetzt. Wie kann in einem Chirurgenkittel so viel Geldgier und Niedertracht stecken? Ich frage: Wieso denn nicht?

Unser Gesundheitswesen ist doch ein riesiengroßer Markt. Sicher, die Prospekte der Krankenhäuser oder Pflegeheime versprechen großartige Therapien und menschliche Hingabe. Am besten ganzheitlich und nachhaltig in der Großpackung. Die Realität aber ist oft genug eiskalte Effizienz. Die bedeutet billige Pflege mit der Stoppuhr in der Hand.

Und was ist mit den Beschäftigten? Ja, Krankhäuser sind Tempel der körperlichen Reinigung. Sie sind rauchfrei, ganz konsequent. Aber in keiner Branche gibt es inzwischen mehr Krankheitstage der Beschäftigten als im Gesundheitswesen. Der größte Teil der Pflegekräfte kann sich nicht vorstellen, in diesem Beruf das Rentenalter zu erreichen. Bis 2020 fehlen nach Expertenmeinung in Deutschland wegen der alternden Gesellschaft rund 400.000 zusätzliche Pflegekräfte. Woher sollen die kommen, wenn die Hartz-IV-Empfänger schon für Krippen und Kindergärten gebraucht werden?

Zurzeit kommen sie verstärkt aus Spanien und Griechenland. Die Eurokrise lässt kranke Volkswirtschaften dahinsiechen. Aber sie hilft unseren Alten und Kranken.

Doch zurück zur Organspende: Auf unserem Gesundheitsmarkt werden Dienstleistungen, für die die Krankenkassen gut löhnen, besonders gerne erbracht. Künstliche Hüfte sind so etwas. Aber eben auch lebensrettende Transplantationen.

Da ist sie dann, die Gier. Werden wir also realistisch und verschwenden wir nicht mehr die Zeit damit, Talkshows oder Werbespots über den Edelmut der Organspender zu konsumieren. Das ist Romantik. Die Wahrheit ist, dass auch die Kliniken unser Bestes wollen, nämlich unser Geld. Und wenn es in Form einer brauchbaren Leber daherkommt.