Der unbarmherzige Rosenkranz-Konzern

Ist doch famos: Kardinal Joachim Meisner, ranghöchster Erleuchtungsschauspieler im Kölner Dom und nach bisheriger Einschätzung der erzkonservativste Erzbischof dieser Republik, hat sich entschuldigt. Bei Frauen! Ja, diese Welt hat etwas ganz Besonderes erlebt. Papst wird der Mann nach dieser unerhörten Demutsgeste allerdings nicht mehr.
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten Probleme mit dem Behandeln eines Vergewaltigungsopfers. Der Kardinal fand das beschämend. Gut so! Doch im gleichen Atemzug machte er deutlich, dass es in den Kliniken seines Rosenkranz-Konzerns keinesfalls in Frage komme, einer vergewaltigten Frau die „Pille danach“ zu verabreichen. Denn heilig sei die Leibesfrucht!
Es liegt wohl in den tiefsten Tiefen des katholischen Glaubens, dass das nicht möglich sein soll. Man verehrt ja die Jungfrau Maria, die sich als verheiratete Frau weigerte, ihrem Mann den eigenen Leib hinzugeben. Um ihm dann ein durch eine minimalinvasive Befruchtung entstandenes Kind zu gebären. Seitdem gilt sie als heilig. Von Josef redet keiner mehr.
Weil also eine ungewollte Schwangerschaft zum Markenkern des katholischen Glaubens gehört, wurde mit Blick auf die „Pille nach Gewalt“ die ganze theologische Sachkunde in Gang gesetzt, um den Vorrang des soeben gezeugten Lebens vor dem Schutz des Vergewaltigungsopfers nachzuweisen. Priester, Domkapitulare, Theologieprofessoren forschten nach, und haben vielleicht herausgefunden, dass der damals unfehlbare Papst Zebulon der Vierunddreißigste im Gespräch mit Kaiser Karl dem Großen eine Bemerkung fallen ließ, die den weiblichen Bauch als solchen zum Eigentum der Kirche erklärte.
Wirklich wertvoll ist dieser Besitz aber nicht. Darüber wird nur ein paar Tage lang gestritten. Wenn es dagegen darum geht, kleinen Jungs ein Stück Vorhaut abzuschneiden, damit sie den Weg zu Gott leichter finden, diskutieren nicht nur die Theologen. Dann wird die komplette Gesetzesmaschinerie in Gang gesetzt, um auf höchster staatlicher Ebene festzustellen, dass Glauben vor Körperverletzung geht, wenn das maskuline Seelenheil zu sichern ist.
In großen Weltreligionen ist es also so: Den Männern gehört das Paradies. Das sündige Weib kehrt die Zufahrt oder fegt gleich den Vorhof zur Hölle. Wie langweilig. Streicht mich ruhig von Gottes ewiger Gästeliste.