Richtungswahl im Operettenstaat

Das Saarland hat gewählt. CDU-Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer hat gewonnen. Hat es sich also jetzt schon ausgeschulzt? Vor Übertreibungen sei gewarnt.

So sehr sich die politischen Kommentatoren an der dortigen Wahl abarbeiten, so wenig sollten wir die wahre Größe und Bedeutung dieses Bundeslandes vergessen. Ein Landtag für eine Million Einwohner – das hat etwas Operettenhaftes. Die Zahl von 800.000 Wähler*innen steht im Normalfall für eine bedeutende Kommunalwahl.

Unter diesem Aspekt schrumpft die bundespolitische Bedeutung dieser Wahl erheblich. Je überschaubarer das Gebiet, umso wichtiger wird die Person des/der Bewerber*in. Wäre das anders, würde es zum Beispiel in Bayern nicht so viele SPD-Bürgermeister geben. Und wenn die Menschen, wie im Saarland, mit ihrer GroKo zufrieden sind, warum sollten sie dann über die Zukunft von Angela Merkel und Martin Schulz abstimmen? Für einen Schulz-Zug sind die Bahnsteige zu klein. Die Aussagekraft für den Bund ist somit vor allem Psychologie, vermischt mit reichlich Kaffeesatz.

Allerdings gibt es Indizien gegen diese Analyse. Die Saarländer haben immer wieder einflussreiche Persönlichkeiten hervorgebracht. Mit Peter Altmaier und Heiko Maas sitzen zwei von dort kommende Politiker in der Bundesregierung. Erich Honecker hat einen zweiten deutschen Staat regiert, Oskar Lafontaine hat die SPD zunächst gemanagt und sich dann brutal mit ihr zerstritten. Der große Sozialrevolutionär Peter Hartz stammt ebenso aus dem Saarland wie Nicole, unsere erste Gewinnerin des Eurovision Song Contests.

Aber lassen wir das. Nehmen wir das Wahlergebnis zur Kenntnis. Und lassen das Saarland das sein, was es ist. Ein schönes, kleines Bundesland, in dem die Kartoffeln Grumbeeren heißen, wo Schwenkbraten und Lyoner Ringwurst zuhause sind. Eine Region, die wegen des einst großen Stahlwerkeranteils auch mal nach ganz links tendiert. Und das Land, dessen Tatort zuverlässig schlecht ist. Wir freuen uns drauf…