Bella und Hasso sind auch nur Menschen

Molly, Hasso, Hansi, Resi: Haustiere mit solchen Namen kennt jeder. Sie geben unseren vierbeinigen, fliegenden oder schwimmenden Hausgenossen einen Charakter. Katze Molly liegt faul rum, Schäferhund Hasso beißt Einbrecher in die Flucht, Sittich Hansi pfeift fröhliche Lieder, Milchkuh Resi fährt auf Bauers Traktor ab. Und doch sind Tiernamen ein wissenschaftlich noch unzureichend beackertes Feld. Was sich in den nächsten Tagen ändern wird.

Am 7. und 8. Oktober 2013 findet an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz erstmals eine Tagung zur Benennung von Tieren statt. Die Forscher betrachten die raren Erkenntnisse über dieses Thema als Missstand. Weshalb sie richtig zur Sache gehen werden. Die Tagung soll Haus- und Nutztiernamen ebenso engagiert diskutieren wie Zirkus- und Wildtiernamen oder gar Versuchstiernamen. Auf dem Programm stehen Vorträge zu Hunde-, Katzen-, Kaninchen- und Kuhnamen in verschiedenen Kulturen. Man wird nach Benennungsstrategien suchen und die Frage stellen, wie stark anthropomorphisiert, also auf das menschliche Rufnameninventar zugegriffen wird.

Beim Menschen gilt im Grundsatz: Der Mann, den sie Pferd nannten, ist die Ausnahme. Aber ansonsten gibt es reichlich Zeitgenossen, die sich privat wie Tiere liebkosen lassen müssen. Auf deutschen Sofas sitzen Goldfasan, Floh, Maus, Nasenbär, Ente oder Kater. Und zu jedem Namen haben wir eine Idee.

Aber auch bei den Tieren übertragen wir unsere Vorstellungen auf die Kreatur. Für Katzen und Hunden gibt es die gleichen Lieblingsnamen. Kätzinnen und Hündinnen heißen am häufigsten Bella, sind also schön und anschmiegsam. Männliche Vierbeiner hören am häufigsten auf den Namen Max, sind also frech und schlau. Klassiker wie Kitty, Simba, Molly oder Rocky sind weiterhin beliebt. Aber nachdenklich sollte uns der Vormarsch von „Sophie“ machen. Dieser Name liegt bei Katzen und Hunden inzwischen auf Platz sechs – und bei den Menschen immer locker unter den ersten drei. Das Felltier gilt mehr denn je als eines von uns – und das menschliche Denken wird immer bizarrer.

So kam ein User von www.agrarheute.de bei der Forums-Suche nach den besten Rindernamen zu folgendem Fazit: „Eine Kuh muss Klaus heißen“. Womit sich für mich endgültig gezeigt hat, dass sich auch unterhaltsame Themen bei unzureichender wissenschaftlicher Reflexion sehr unangenehm entwickeln können. Die Mainzer Tagung – sie möge gelingen!