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Müde Politiker in dünner Luft
Gipfel und Abgrund sind eins. Das sagte der große Denker Friedrich Nietzsche, wie stets ein wenig rätselhaft. Wenn man die Beschlüsse der Berliner Koalition anschaut, beginnt man diesen großen Satz zu verstehen. Der Gipfel ist nicht zwangsläufig der Ort der Erleuchtung.
Gipfel, das Wort signalisiert uns Großes. Es ist der Ort, nach dem der mühselige Mensch heftig strebt. Dort angekommen, fällt die Last dieser Welt von ihm ab. Er ist befreit, ist Gott nahe, er schaut von oben auf die Probleme der Welt, die auf einmal ganz klein erscheinen. Ja, beim Erreichen des höchsten Punktes ist etwas ganz Besonderes passiert. Wer hier steht, hat es geschafft und macht keine Fehler mehr.
Schön, bloß: Wer so denkt, kennt die reale Politik nicht. Wahrscheinlich auch keine tatsächlichen Gipfelstürme. Denn nach einem langen, langen Aufstieg sind die Helden übermüdet. Hinzu kommt die Höhenluft, die die Sinne ein Stück weit vernebelt. Und dann stehen da mehrere Leute oben, die sich untereinander eigentlich nicht ausstehen können. Irgendwie müssen sie sich einigen. Oder wenigstens so tun.
Aus solchen Situationen nährt sich der faule Kompromiss. Jeder hat einen nutzlosenWunsch frei – bekommt ihn aber sicher erfüllt.
Das hilft für den Moment. Ganz klar. Nie vergessen sollte man allerdings: Vom Gipfel nach unten kann es viel schneller gehen als umgekehrt.
Nicht aufhören: Gebt uns die Nerdprämie!
Müsst Ihr denn immer schimpfen? Da schlug die Schicksalsstunde für das CSU-Betreuungsgeld. Es kommt. Viel wird gelästert. Doch es wird übersehen, dass die so genannte Herdprämie eine famose Idee ist. Eine Idee, an der allerdings noch gefeilt werden muss.
Aufhören sollten wir mit dem unbedachten Hausfrauen-Bashing. Gut, es begabte menschliche Wesen kaum ausfüllen, sich in Vollzeit um ein Einzelkind, dessen Meerschweinchen und um einen gelegentlich anwesenden Ehemann zu kümmern. Das reicht nicht zur geistig-moralischen Erfüllung. Zumal dann nicht, wenn nur eine einzige warme Mahlzeit zuzubereiten ist. Uroma musste tagtäglich zwei Menüs für ihre 20-köpfige Großfamilie hinbekommen. Die Wohnküchen der Vergangenheit funktionierten wie kleine Restaurants. Es war notwendig, dass darin die tüchtige Hausfrau waltete.
Hausfrau heute ist im Vergleich dazu ein geradezu anarchistisches Lebensmodell. Denn da zeigt jemand seinem Umfeld frech die lange Nase. Jemand widersetzt sich dem Zwang, dass ein mit Gesamtnote 1,8 abgeschlossenes Bachelorstudium zu nachhaltigem Erfolg in abhängiger Beschäftigung führen muss. Es geht auch anders. Drinbleiben in der Wohnung, während draußen das Chaos tobt. Das bedingungslose Grundeinkommen lässt grüßen.
Aber wo bleibt da die Gleichberechtigung? Keine Sorge, das kommt noch. Die Politik wird nacharbeiten. Denn es gibt eine wachsende Gruppe von Menschen, denen die Integration in die Gesellschaft völlig egal ist. Junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die am liebsten daheim herumsitzen. Bügeln, putzen, abwaschen lassen sie Mama. Ansonsten sitzen sie vor ihrem Flachbildschirm und interessieren sie sich für die Thema Sport, Computer und Sex. Diesen Menschen ist egal, was sonst in der Welt passiert. Und wenn sie erst einmal mit der Tastatur verwachsen sind, ist es auch besser, wenn man sie nicht mehr unter die Leute gehen. Egoshooter, die täglich Boxen und Pornos gucken, haben besondere Werte.
Alsdenn: Wer diesen Jungs Geld dafür gibt, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen, tut ein richtig gutes Werk. Gebt uns die Nerdprämie! Und alles wird gut.
Unsere Regierung: Nix Großes, aber kleiner Mist
Nun lasst es doch mal gut sein. Diese Bundesregierung ist gar nicht so schlecht, wie alle sagen. Sie ist vielmehr ganz nah dran am Volk. Wie viele von uns, bekommt sie nichts hin. Und der dazugehörige Satz lautet: “Morgen fange ich an.”
Wir kennen das, insbesondere von unserem persönlichen Gesundheitsmanagement. Wir haben uns entschlossen, unsere Rente langfristig auszukosten. Dazu müssen wir – logisch – unseren Körper in Schuss halten. Wir müssen Sport treiben, Fett abbauen. Dazu fassen wir Pläne.
Bloß: Der Einstieg ins Zukunftsprogramm mag uns nicht so recht gelingen. Also vertagen wir den Raketenstart auf morgen oder übermorgen. Und fangen mit kleinen Dingen an. Zum Beispiel mit temporärem Gummibärchen-Verzicht.
Und so macht es auch die schwarz-gelbe Koalition. Gestartet ist sie einst mit der machtvollen Parole vom “Durchregieren”. Zwischendrin gab es einen ziemlich folgenlosen “Herbst der Entscheidungen”. Nunmehr folgten Koalitionsgipfel und Kabinettssitzung. Mit einer enormen Tagesordnung, aber minimalen Ergebnissen.
Wichtiges wurde verschoben, das Betreuungsgeld hingegen wurde beschlossen. Dafür dankt die CSU. Außerdem gibt’s fünf Euro für die Pflegeversicherung. Dafür danken die FDP und die ihr treu verbundene Versicherungswirtschaft.
Politik also frei nach der Devise: Wachsen uns die Aufgaben über den Kopf, schaffen wir wenigstens noch kleinen Mist. Da brummt er zufrieden, der bayerische Problem-, äh Koalitionsbär.
Rösler und Merkel: Da wird der Prinz zum Frosch
Im harten Alltagsgeschäft gerät allzu leicht in Vergessenheit, dass Angela Merkel eine Frau ist. Auch ihr Vizekanzler Philipp Rösler hat das gerade verdrängt. Er hat seine politische Lebensabschnittsgefährtin mit einem Frosch verglichen. Das ist heftig. So heftig, dass alles unterhalb der ewigen Feindschaft eine Überraschung wäre.
Sicher, man könnte abwinken, “Ach ja, der Rösler” sagen und einfach weitermachen. Ist doch der FDP-Chef für seine Witze berühmt-berüchtigt. Seine Ironie geht oft haarscharf am Ziel vorbei, so dass hinterher jemand beleidigt ist.
Und Verniedlichungen oder gar Kosenamen sind ohnehin so eine Sache. Man kommt sich ziemlich nahe. Nicht jede möchte sich ungefragt Hasi, Engel, Sahneschnitte, Erdbeerpfötchen oder Puddingbrumsel nennen lassen.
Unbedingt vermeiden sollte man aber Vergleiche, welche der oder die andere garantiert nicht mag. Wie das beim Frosch der Fall ist. Dieses Tier ist bestenfalls lustig (in der Inkarnationsform Kermit), sitzt aber ansonsten dumm, aufgeblasen und dick auf einem Seerosenblatt oder auf einem Stein herum, quakt und wartet darauf, dass Beute vorbeifliegt. Frösche gelten zwar als schöner als Kröten. Trotzdem haftet ihnen etwas Glitschiges an.
Selbst als Märchenfigur ist der Frosch nur zweite Wahl. Wir alle haben als Kind gelernt, dass etwas ganz Schönes herauskommt, wenn man ihn ganz lieb küsst. Was also will Philipp Rösler? Merkel küssen und Nahles bekommen? Oder Sigmar Gabriel? Oder Claudia Roth?
Wahrscheinlicher ist da schon dieser Fall: Merkel küsst Rösler und verwandelt ihn in einen Frosch. Und dann wird sie ihn kochen. Ganz langsam. Mit Genuss. Ganz bestimmt.
Rösler muss sich scheiden lassen
Kann man sich Philipp Rösler mit dicken Backen und Bauch vorstellen? Schwierig, aber es ist denkbar. Denn in Berlin besteht akute Scheidungsgefahr. Also drohen ihm ein paar neue Pfunde.
Warum? Bisher galt es als ehernes Gesetz, dass Männer nur in festen Beziehungen zunehmen. Weil Frauen, die ihrerseits am Anfang gemeinsamer Lebensabschnitte runder werden, ihren Liebsten gerne füttern. Weil ihnen ein treues Dickerchen letztlich lieber ist als ein schicker Fremdgänger.
Der Wegfall der eigentlichen Ernàhrerin würde demnach, so denkt der Laie, wie eine Diät wirken. Tut es aber nicht. Nach einer Langzeit-Studie der Universität von Ohio nehmen die meisten Männer auch nach einer Scheidung zu. Der wahre Lehrsatz lautet demnach: Wer jemals in einer Beziehung war, wächst an den falschen Stellen. Egal, wie sein Leben läuft.
Soll man also Philipp Rösler zur politischen Scheidung raten? Auf jeden Fall. Denn die Krux der derzeitigen FDP-Führungsriege ist doch, dass sie alle so jung und schlank sind, dass man meint, dass sie wie aufgeputschte Windhunde jedem möglichen Thema hinterherhetzen. Dass sie heute hier und morgen da sind, dass sie unbedingt beachtet werden wollen, aber eigentlich keine Prinzipien.
Das Volk will aber auch Wohlfühl-Minister. Es sucht jemand, dem es vertrauen kann, an dem es sich ankuscheln kann. Das kann ein Brüderle gegen Westerwelle, Lindner und Bahr nicht schaffen. Rösler sollte also weg von Mutti, um dann nach einer ausgiebigen Schlemmerreise durch treudeutsche Schweinebraten-Kneipen im Genschman-Format mit gelbem Pullunder zurückzukehren.
Sie wollen Beweise für den Erfolg dieser Strategie? Schauen Sie doch mal den Gabriel an.
Das neue Projekt heißt “Rettet die FDP!”
Heute ist Welt-Anti-Korruptionstag. Also ein Datum, an denen wir allen, die sich durch dunkle Machenschaften und geheime Absprachen die Taschen vollstopfen, den erhobenen Zeigefinger zeigen. Es ist ein Datum, das der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen soll. Ein Tag, an dem mehr Transparenz erreicht werden soll. Also ist unsere Bundesregierung zur Stelle: Sie will Steuererklärungen vereinfachen und den Menschen zugleich Geld schenken.
Und wie immer sind Angela Merkel & Co. dabei gerecht bis ins Knochenmark. Vier Milliarden Euro bekommt die Wirtschaft, damit sie Arbeitsplätze schaffen kann. Was sie erfahrungsgemäß tun wird. Den Bürgern sind 590 Millionen Euro zugedacht. Das sieht gut aus, bedeutet aber bloß, dass jede(r) in Deutschland lebende Mensch um 7,21 Euro pro Jahr entlastet wird, also um 60 Cent pro Monat. Wenn man sieht, dass das durchschnittliche Bruttoeinkommen pro Haushalt bei 44.000 Euro jährlich liegt, ist sonnenklar, dass die Nachricht aus Berlin dem Weihnachtsgeschäft den finalen Schub geben wird.
Man könnte nun fragen, warum es automatisch mehr Steuerrückzahlung bringen soll, wenn weniger Daten abgefragt werden. Man könnte auch fragen, ob durch den Verzicht auf Belege korrupten Zeitgenossen das Leben erleichtert wird.
Aber darum geht es bei der "Aktion Steuergeschenk" ohnehin nicht. Die entscheidende Zahl für die schwarz-gelbe Koalition lautet vier Prozent. Auf diesem Wert dümpelt die FDP in den Umfragen herum. Die CDU hat sich dank Wirtschaftsaufschwung erholt. Nun muss man die Partei der Steuerlüge sanieren.
Fazit: Die Bundesregierung verkündet Steuergeschenke und Bürokratieabbau, startet aber nur das Programm "Rettet die FDP!". Irgendwie korrupt, oder?
Gesucht: Ein Draufhau-Tisch für Mutti Merkel
Mutti, jetzt mach doch mal. Zeig`s den Mädels und Knaben – und hau mal richtig auf den Tisch. Zurzeit fordern das alle möglichen Leute von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Warum in aller Welt macht sie es nicht?
Ganz klar, es ist eine Frage des Materials.
Sonntagsfrage: “Neoliberales Hasenhirn” passt
Jetzt haben wir doch mal Mitleid. Unsere Kanzlerin und ihre Liebsten müssen sich zurzeit doch fühlen wie Erzbischof a. D. Walter Mixa in seinem Augsburger Fegefeuer. Wohin man hört, hagelt es Kritik. Wohin man schaut, sind die Schlagzeilen mies sowie die Zahlen in der “Sonntagsfrage” schlecht und schlechter.
Auch die Leser(innen) dieses Blogs zeigen keine Gnade.
Mein WM-Trauma: Jogi könnte Mutti retten
Eines vorneweg: Selbstverständlich habe ich mich über das wunderbare Spiel unseres „multiethnischen Panzers“ (so eine italienische Zeitung) beim 4:0-Sieg gegen Australien gefreut. So darf es bei der Fußball-WM weitergehen. Störend ist nur die mögliche Nebenwirkung weiterer Erfolge. Die Menschen könnten im Dauerjubel die Stümperei der Regierung vergessen.
FDP: Die Partei für absurdes Theater
Die FDP hat uns in den letzten Wochen und Monaten etliche lustige oder absurde Momente beschert. Nun ist zwar der Chef der Liberalen, Guido Westerwelle, zuletzt ziemlich kleinlaut aufgetreten, doch seine Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen machen mit den seltsamen Verhaltensweisen weiter.
Sie haben nämlich zu erkennen gegeben, dass sie vielleicht gar nichts dagegen hätten, wenn sie in einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen mitregieren dürften. Möglich sei das aber nur, wenn die beiden Partner in spe feierlich erklärten, dass sie auf keinen Fall mit den Linken über eine Koalition reden.
Würden die anderen unter diesen Bedingungen mitmachen, würde der Schwanz mit dem Hund wedeln. Das jedoch passiert im Leben ganz, ganz selten.
Außerdem: Ein kommunikationstechnisches Fiasko ist es sowieso. Es kann in einer fairen Partnerschaft nicht funktionieren, dass einer dem anderen vorschreibt, mit wem er nicht über etwas reden darf.
Die NRW-Liberalen schaffen nur eines: Eine rot-rot-grüne Koalition wird möglich, ohne dass die Schuld hierfür der machtgierigen SPD gegeben werden kann. Wenn es keine Gespräche oder Einigung gibt, dann hat es die FDP verbockt.
Absurder kann eine Parteistrategie eigentlich nicht sein…
Im Ring der Wiederkehr: DSDS und die Politik
Als unser dicker Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der 80-er Jahre die „geistig-moralische Wende“ ausrief, hatten wir Fernsehzuschauer ganz andere Erwartungen. Hier waren die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren ständigen Wiederholungen alter Filme. Dort die privaten TV-Pioniere, die uns tagtäglich neue Überraschungen bieten würden. Das ist vorbei: Zu Tages- und Sportschau gesellten sich beim ZDF „Wetten, dass…“ und bei RTL „Wer wird Millionär?“ als ständige Neuauflagen des immer Gleichen. Bei diesen Angeboten geht das aber noch. Schlimm wird es allerdings, wenn Machwerke wie „Deutschland sucht den Superstar“ zu Konstanten des kollektiven Daseins werden.
Das Problem ist nämlich, dass diese alljährliche Wiederkehr nicht rund, sondern spiralförmig verläuft. Die Qualität, gemessen am Radius der Umdrehungen, wird immer kleiner. Die Geschwindigkeit, mit der junge Menschen vom Ruhm ins Vergessen geschleudert werden, steigt. Die Qualität nimmt Jahr für Jahr ab.
So ist es doch im Jahr 2010. Diese angebliche Mega-Show mutiert erreicht nach und nach das Niveau einer Agrardisco-Karaokeparty. Niemand bleibt vor allem deshalb drin, weil er/sie gut ist. Sondern deshalb, weil es noch schlechtere Bewerber(innen) gibt.
Und damit ist die Parallele zur aktuellen Politik da: Steuersünder, Steuersenkung, Hartz IV, Kopfpauschale, Afghanistan – die Diskussionen drehen sich im Kreis, der Regierung gelingt scheinbar immer weniger. Nach jeder neuen Debattenrunde ist das Bild diffuser anstatt klarer. Viele Wähler(innen) sind schon froh, wenn sie für sich das kleinere Übel finden.
Dumm ist nur eines: Beim Karoke kann sich jeder selbst blamieren, wann immer er will. In die Politik geht es nur nach Wahlen, so alle vier bis sechs Jahre.
Jürgen Rüttgers, ein Mann wie Paris Hilton
Das ist richtig dumm gelaufen, für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Da steht er kurz vor einer Landtagswahl, die die Strategen der Koalitionsparteien als derart heikel einschätzen, dass selbst die Bundesregierung vorsichtshalber auf unerfreuliche Botschaften oder Beschlüsse verzichtet. Und dann erscheint der Landesvater als käuflich. 6000 Euro auf den Tisch – und er redet mit jedem über alles.
Erstmal: Ganz ungewöhnlich ist so etwas nicht. Eine Beratung beim Arzt kostet zehn bis zwölf Euro, ein gutes Gespräch beim Therapeuten 80 Euro, auch bei sprachbegabten Friseuren ist der gepflegte Smalltalk während des Haareschneidens eingepreist. In noch ganz andere Dimensionen als bei Rüttgers geht das Schmerzensgeld, wenn sich berühmte Menschen bei “Wetten, dass…” von Thomas Gottschalk aushorchen lassen oder sich auf dem Wiener Opernball in die Loge des alten Lüstlings “Mörtel” Lugner setzen. Edel-Schlampe Paris Hilton wiederum erscheint angeblich erst ab 100.000 Dollar Honorar als exklusiver Partygast.
Alsdenn, wozu die Aufregung? Jeder, für den sich andere dringend interessieren, hält doch die Hand auf.
Aber beim Politiker ist das eben doch etwas anderes. Harmlose Ministerpräsidenten-Mieter wollen vielleicht tätsächlich nur etwas für ihr Ego tun. Finden es spannend, mit einem hohen Politiker auf ein Foto zu kommen. Das sie schlimmestenfalls für die nächste Broschüre ihrer Wurstfabrik verwenden.
Andere aber werden schon das eine oder andere ganz konkrete Problem oder Vorhaben ins Gespräch bringen. Sagen wir mal, den geplanten Bau einer Lagerhalle auf einer Fläche, die unter Naturschutz steht. Und informelle Unterredungen sind bekanntlich fast immer wirksamer als eine hochoffizielle Diskussion während einer Sitzung eines Landtages oder eines Stadtrates. Da aber wird es skandalös. Wer mit Geldscheinen wedeln kann, verschafft sich im Dialog mit der Politik einen Vorsprung gegenüber anderen Menschen.
Der Ministerpräsident hört genau hin und zeigt mindestens das allergrößte Verständnis für jedes Anliegen. In anderen Zusammenhängen nennt sich diese Form der Dienstleistung Prostitution. „Der Vorwurf, ich hätte Termine gegen Geld gemacht, läuft aber ins Leere. Es hat solche Termine nicht gegeben”, versichert Rüttgers nun, nachdem er seinen Generalsekretär gefeuert hat. Aber auch das kennt man: Wer sich im zwielichtigen Milieu bewegt, gibt das selten offen zu.
Wenn Westerwelle droht, grinst die CSU
“Ich habe eine Engelsgeduld. Aber die FDP kann auch anders.” Oha: Jetzt wird es aber ernst für die CSU. Koalitionspartner Gudio Westerwelle ist – wie seine neueste Verlautbarung zeigt - inzwischen mit der Gesamtsituation unzufrieden und wirklich sauer. Horst Seehofer und Co., setzt euch und seid endlich brav! und zieht Euch warm an.
Oder vielleicht doch nicht. Denn den Satz, den der Oberliberale in Richtung Bayern abgefeuert hat, kennt doch jeder Mensch aus seiner Kindheit. Speziell wenn Mutti angesichts ständiger Frechheiten der Kleinen überfordert war, drohte sie ernste Konsequenzen an. Das sorgte tatsächlich für Schrecken und für Gehorsam. Aber eben leider nur bis zur Grundschule.
Danach war die Drohung gewissermaßen in die jeweilige Frechheit eingepreist. Man hatte Spaß dabei, Mami oder Papis großen Auftritt vorauseilend nachzuäffen. Wirklich Angst hatte keiner mehr. Und irgendwann hatte sich der Nachwuchs durchgesetzt.
Gehen wir also ruhig davonaus, dass Markus Söder seinen Berliner Kollegen Philipp Rösler weiterhin ärgern wird, wo er nur kann.
Denn, und hier greife ich auf einen großen Satz der Kauffrau Vera Hinselmann (veröffentlicht auf http://www.aphorismen.de) zurück: “Konsequenzloses Drohen beängstigt ebenso wie ein ausgestopfter Wachhund.”
So isses. Genau so.
Psst, nicht wecken: Die Kanzlerin träumt von der SPD
Wahrscheinlich fragt sich längst die halbe Welt, was da eigentlich in und um Angela Merkel vorgeht. Die CDU/CSU/FDP-Männer veranstalten ein Sommertheater mitten im schneereichen Winter. Und die Kanzlerin sagt nichts. Vielleicht, weil sie einem alten deutschen Sprichwort folgt: “Damit die Ehe kann bestah´n, braucht´s stumme Frau und blinden Mann.”
Aber darf man Politiker blind nennen? Wenn man die Ankündigung von Steuersenkungen dem Zustand der Staatsfinanzen gegenüberstellt, liegt das jedenfalls nahe. Allerdings handelt es sich nicht um ein körperliches Leiden. Erklärungen für diese Politik lassen sich eher in Psychologie-Lehrbüchern finden.
Auf Guido Westerwelle trifft das Stichwort “blindwütig” zu. Wer, wie der FDP-Chef in seiner Dreikönigs-Rede, sinngemäß erklärt, dass es sich bei Steuern um Geschenke der Bürger an den Staat handle, die dieser jetzt eben mal zum Teil zurückbekämen, ist entweder ein Fanatiker, steht unter Drogen oder ist ein Gefangener seiner allzu flotten Sprüche aus der Vergangenheit.
Oder es ist tatsächlich so? Konservative und Liberale unterscheiden sich von Sozialdemokraten und Linken dadurch, dass sie Eigennutz im Zweifel höher als das Gemeinwohl gewichten. Die SPD hat den Beweis für diese These eindrucksvoll angetreten. Sie hat Politik gemacht, von der sie wusste, dass sie Wählerstimmen kosten wird. Weil man glaubte, dass es dem Staat nützt.
Einem Guido Westerwelle käme sowas nicht in den Sinn. Und so ist das Schweigen der Kanzlerin vermutlich damit zu erklären, dass sie angesichts der immer gleichen Sprüche aus ihrer neuen Männerriege erschöpft weggenickt ist. Sie träumt von Partnern, auf die sie sich verlassen kann, also zum Beispiel von den Herren Steinmeier, Steinbrück und Müntefering.
Angela Merkels Problem: Irgendwann muss sie aufwachen. Und null und nichts wird besser sein als vor dem kleinen Winterschlaf.



Prophetin Merkel erobert die Welt
Der Prophet gilt wenig im eigenen Land. Es ist gar nicht so selten, dass Menschen von ihrem unmittelbaren Umfeld als relativ erfolglos, lästig oder bestenfalls alternativlos wahrgenommen werden, dass sie aber fern der Heimat einen überragenden Ruf haben. So geht es auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bei uns tippen sich die Leute an die Stirn, wenn sie ihre Koalition als erfolgreichste Bundesregierung aller Zeiten bezeichnet. Was ja auch verständlich ist, da zu dieser Regierung Menschen wie Guido Westerwelle oder Philipp Rösler gehören. Diese Namen vertragen sich mit dem Wort “Erfolg” wie ein Rinderhüftsteak mit der Speisekarte eines vegetarischen Restaurants.
Dann aber meldet sich “Forbes” zu Wort. Das für seine Ranglisten der bedeutendsten oder reichsten Persönlichkeiten berühmt-berüchtigte Magazin, hat unsere “Angie” zum zweitmächtigsten Menschen der Welt ernannt. Die US-Zeitschrift platzierte die CDU-Politikerin direkt hinter US-Präsident Barack Obama. “Merkel ist das Rückgrat der Europäischen Union und trägt das Schicksal des Euro auf ihres Schultern”, wurde die Auswahl begründet. “Durch ihren harten Sparkurs in der europäischen Schuldenkrise hat sie ihre Macht gezeigt.”
An US-Präsident Barack Obama ist Merkel nicht vorbeigekommen. Wohl aber an Persönlichkeiten wie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Microsoft-Gründer Bill Gates, Papst Benedikt XVI. und dem Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke. Selbst der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi und der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping, sind gegen “Angie ” chancenlos.
Wir reiben uns verwundert die Augen. Zumal wir wissen: Eine Spitzenkraft kann immer nur so gut sein, wie die Menschen, die sie unterstützen. Rainer Brüderle und Kristina Schröder zählen somit zu den Politikern von Weltniveau. Das hätten wir nun wirklich nicht vorhergesagt.