Die Welt wartet – und das Volk döst weg

Allmählich haben wir uns daran gewöhnt: Die Titelseiten der Zeitungen und die ersten Minuten der Nachrichtensendungen gehören den Wasserstandsmeldungen von der der Spree. Wird es eine Regierung geben? Sind die Sondierungsziele klug? Wo hakt es noch? Bei wem, warum und wie stark? Mühsam ist das, zusehends langweilig. Aber so ist es eben mit der Demokratie.

Die Analyse stimmt. Schlimm ist die Lage trotzdem. Denn mit den Koalitionsverhandlungen zeigt sich, dass Angela Merkels Satz „Die Welt wartet nicht auf uns“ eher falsch ist. Viele interessante Ereignisse oder Ideen werden durch das GroKo-Geschacher in den Hintergrund gedrängt oder verschwinden aus der öffentlichen Wahrnehmung. Beispiel gefällig?

In Berlin haben am vergangenen Wochenende rund 30.000 Menschen für eine Agrarwende demonstriert. Sie alle sagen, dass sie nicht mehr möchten, dass in Agrarfabriken Fleisch zu Ramschpreisen erzeugt werden. Dass sie nicht mehr möchten, dass Lebewesen wie eine billige Ware getötet, zerlegt und für den weiteren Gebrauch verpackt werden. Sie sagen auch, dass sie nicht mehr möchten, dass auf den Äckern Gift versprüht wird, so dass auf jedem gut gepflegten Hausbalkon mehr Artenvielfalt herrscht als in unserer angeblich wilden Natur. All das ist wichtig, das ganz große Medienthema war die Demo aber nicht.

Auch ein spannendes Thema wie die Energiewende verschwindet im Nebel des Koalitions-Dunstes. Ist der Diesel-Betrug noch immer ein Skandal? Juckt uns die Braunkohle im Moment?

Die Politiker*innen verhandeln über Bündnis. Wir dösen weg und lassen die anderen Dinge treiben. Hoffentlich wird es bald wieder anders. So oder so.