Julia Klöckner, Virtuosin des Unverbindlichen


Jawohl, wir müssen etwas ändern. Denn es geht ums Überleben der Menschen – und nebenbei auch unseres Planeten. Dazu drängen uns kluge Köpfe schon seit Jahrzehnten. Und jeder weiß, dass Wandel besser funktioniert, wenn er klaren Regeln folgt. Jeder weiß das? Leider nicht.

Nehmen wir unsere Bundesregierung: Mindestens zwei ihrer Minister halten nichts von Vorgaben oder Verboten. Da ist Andreas Scheuer, der Kabinetts-Lobbyist der Autoindustrie. Der CSU-Mann möchte deren Kundschaft keinesfalls gängeln. Freie Fahrt soll weiter gelten. Und wer unbedingt Schadstoffe senken möchte, kann ja ein neues Fahrzeug kaufen.

In seiner Ignoranz-Liga spielt auch Julia Klöckner. Die vormalige Weinkönigin, studierte Theologin und Agrarministerin beschützt alle, Menschen, Tiere und Pflanzen. Aber nur, solange es dem Geschäft nicht schadet.

Klöckner redet viel über das so genannte „Tierwohl“. Der Begriff ist für sich betrachtet zynisch. Bedeutet er ja nichts anderes, als dass Schlachttiere während ihres limitierten Daseins etwas besser behandelt werden als ihre Artgenossen. Sie sterben demnach fröhlicher. Das Gütesiegel wird aber nicht vom Staat verlangt, sondern kann auf freiwilliger Basis erworben werden. Verbraucher wissen dann, dass Mastschweine etwas mehr Platz zur Verfügung hatten, als die Masse ihrer Artgenossen.

Rindern hilft dieses Label nicht. Und so bleibt es dabei, dass trächtige Kühe über tausende Kilometer nach Usbekistan gekarrt werden, um dort unter barbarischen Bedingungen geschlachtet zu werden. Nicht falsch verstehen: Die meisten unserer Bauern mögen ihre Tiere. Sonst würden diese nicht gedeihen. Aber was dann passiert, ist eiskaltes Geschäft. Und die Gewinn-Margen sind knapp.

Schließlich könnte unsere für Ernährung zuständige Ministerin den Menschen etwas Gutes tun. Indem sie nämlich eine Ampel-Kennzeichnung für sowie eine Steuer auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel zuließe. Doch Julia Klöckner fragt da, ob frisch gepresster Orangensaft samt seiner natürlichen Zuckers wirklich ungesünder sei als mit Süßstoff aufgepeppte Light-Limonade.

Jeder müsse selber wissen, was er tut, meint die Virtuosin des Unverbindlichen. Wobei sie ganz nebenbei behauptet, dass unsere Lebensmittel zu gut für die Tonne seien. Betrachtet man ihre Politik, möchte man allerdings sagen: So ganz ist dies noch nicht bewiesen.