Wir schaffen was. Gemeinsam.

Sagen wir es ganz klar: Die Schülerstreiks für mehr Klimaschutz sind eine wunderbare Bewegung. Sie sind gerecht, weil sie den Erwachsenen deren Trägheit und Versagen vor Augen führen. Aber: Was wird aus Protest, wenn er Mainstream wird? Wenn Kritik als unangebracht gilt?

Aber das Gute zuerst: Während des Siegeszuges neoliberaler Politik nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde uns eingetrichtet, dass es so etwas wie Gewerkschaften nicht mehr bräuchte. Jeder Einzelne sei viel besser in der Lage, seinen Wohlstand zu mehren. Für alle anderen Probleme gebe es Profis in der Wirtschaft.

Dieser Glaube ist zurecht erschüttert. Und die jungen Demonstrantinnen und Demonstranten am Friday für Future machen die Erfahrung, wie schön es sein kann, für eine gemeinsame Sache einzutreten und sich Gehör zu verschaffen. Der Glaube ans Kollektive ist wieder da.

Aber es gibt auch kritische Fragen zu den Freitagsdemos: Steckt nicht auch eine Missachtung der Schule darin, dass das Fernbleiben vom Unterricht allgemein so gelassen gesehen wird. Wie passt das zu Klagen über die wegen Lehrermangels ausgefallenen Schulstunden? Wären Eltern ähnlich tolerant, wenn Dritt- oder Viertklässler streikten, bei denen es zumindest in Bayern um den Übertritt aufs Gymnasium geht.

Was ist mit den Altersgenossen der Schüler, die gerade als Auszubildende einen Beruf erlernen? Könnten auch sie, einfach so, freitags zum Demonstrieren? Wohl nur um den Preis einer Abmahnung. Und ist es nicht kurios, dass es viel Zuspruch für streikende Jugendliche auch von solchen Menschen gibt, die noch nie bei einem legalen Streik in ihrer Branche gesichtet wurden?

Unterm Strich aber bleibt die Erkenntnis: Es kann nur gut sein, wenn junge Leute für ihre Rechte – und dazu gehört eine Zukunft in einer lebenswerten Umwelt – auf die Straße gehen. Die Alten werden wachgerüttelt, vielleicht handeln sie irgendwann sogar.

Somit gilt folgende Devise: Weitermachen! Nicht nachlassen! An die Zukunft glauben!