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Papst mit unverdientem Glamour-Faktor
Allmählich schwirrt mir der Kopf. Aber so richtig. Erst eine Katastrophe nach der anderen, jetzt Freudenfeste am laufenden Band: Traumhochzeit in London, Meisterjubel in Dortmund – und Seligsprechung des früheren Papstes Johannes Paul II. Geballtes Glück, an jedem Tag des Wochenendes. (In den USA jubeln sie jetzt sogar, wenn einer erschossen wird)
Ja, man hätte in Rom sein müssen. In der ewigen Stadt, beim Heiligen Vater. Die katholische Kirche hat dort am Sonntag bewiesen, dass sie es in Sachen Protz und Prunk mit den Windsors aufnehmen kann. Zwar fehlte eine hübsche Frau in der Hauptrolle, aber auch die goldbesetzten Gewänder der geistlichen Oberhäupter können sich sehen lassen. “Let’s Dance”-Juror Harald Glööckler hätte seiner Wertung gewiss das Krönchen für den Glamour-Faktor aufgesetzt.
Die Seligsprechung von Johannes Paul II. hat zudem gezeigt, warum man christliche Gläubige gerne auch Schafe nennt. Weil sie blind gehorchen.
Jetzt sagt mal: Warum feiert Ihr Weihnachten?
Ihr, die Ihr gerade dabei seid, die Stiefel aus dem Schuhschrank zu holen, um zum Geschenkekauf in die Innenstadt zu gehen, lasst Euch sagen: Haltet ein! Fragt Euch lieber erst einmal, warum Ihr das macht.
Hört den fränkischen Volksmissionar “JesusUnserRetter” und Ihr wisst, dass Jesus allenfalls im Februar oder März auf die Welt gekommen sein kann. Warum also feiert Ihr Weihnachten?
http://www.youtube.com/watch?v=2NwcYqAZNjk
PS.: Aufmerksam wurde ich auf diesen wichtigen Beitrag durch die Radio-Z-Sendung “Sendeloch”
Predigt zur Deutschen Einheit: Wer fälscht die Geschichte?
Am heutigen Sonntag fallen der Aufruf zum Kirchgang, der Tag der offenen Moschee und die Einladung, die deutsche Einheit mitzufeiern, auf wunderbare Weise zusammen. Einen hervorragenden Denkanstoß zu beiden Ereignissen liefert uns unser fränkischer Volksmissionar “JesusunserRetter”.
Hören wir seine nachdenklichen Anmerkungen zum Buch Samuel, Kapitel 13, Vers 1:
Erotik 2010: Twitter, Facebook und Xing
Oft schießt uns diese Frage durch den Kopf: Sind die Computer wirklich gut für uns? Jedenfalls haben sie unser Leben massiv verändert, steuern unsere Leidenschaften in eine ganz neue Richtung. “Wein, Weib und Gesang” lautete das männliche Lebensideal bei Goethe, “Sex, Drugs and Rock`n Roll” etwas wilder bei Mick Jagger und Co. “Twitter, Facebook und Xing” heißt es heute bei einem wachsenden Teil der fortpflanzungsfähigen Bevölkerung.
Walter Mixa – ein Bischof zum Hassen
Und schon wieder Walter Mixa: Da hatten wir gedacht, in seinem Fall wäre es mit seinem Ohrfeigen-Geständnis und dem anschließenden (inzwischen akzeptierten) Rücktrittsangebot getan. Aber es kommt noch schlimmer. Ist der Augsburger Oberhirte ein Kinderschänder?
Sollte der Vorwurf stimmen, wäre Mixa endgültig ein perfektes Hassobjekt. Ein katholischer Bischof als ein typischer Sünder. Als einer, der zunächst beim Thema Missbrauch den Mund besonders weit aufreißt. Der mutmaßliche Opfer beschimpft, dann aber scheibchenweise neue Vergehen zugeben muss, bis er endgültig als widerlicher Krimineller dasteht. Für die Öffentlichkeit eine perfekte “Karriere”.
Ich bleibe erstmal skeptisch. Mir gefällt nicht, dass es mit den Enthüllungen so geradlinig verläuft. Dass es uns so leicht gemacht wird, diesen Mann zu verachten. Eine Inszenierung gegen ihn wäre zurzeit sehr einfach.
Also sollte man ganz bewusst daran denken, dass vor einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt. Auch wenn es schwerfällt. Und auch, wenn man weiß, dass sich gewisse Männer vor allem dann für junge Menschen interessieren, wenn sie Unschuld vermuten…
Missbrauch – das Hartz IV der katholischen Kirche
Oft genug hört man den Seufzer, dass es im Leben so ziemlich alles gebe, bloß keine Gerechtigkeit. Wenn man aber eine neue Umfrage unter Katholiken liest, bekommt man den Glauben an Selbiges wieder. Angeblich soll fast ein Viertel der deutschen Katholiken an Austritt denken. Es wäre ein verdientes Desaster. Andere Vereinigungen kennen das schon längst.
Da rettet auch der Rückzug des Augsburger Erzbischofs Walter Mixa nichts mehr. Er war immer wieder mal durch verquere Ansichten auffällig geworden. Das gab es seitens katholischer Führungspersönlichkeiten schon immer. Aber ein Oberhirte, der lügt? Das war eine Nummer zu viel. Auch wenn er “nur” Ohrfeigen verteilt haben sollte.
Das mit dem Missbrauch kriegt die Kirche sowieso nicht so schnell vom Hals. Immer mehr Menschen denken – wie Walter Mixa – ebenfalls an Rückzug. Laut einer Forsa-Umfrage beschäftigen sich damit ein Viertel der Katholiken. Bei den seltenen Kirchgängern sind es demnach sogar 38 Prozent. 77 Prozent der Befragten glaubten, dass die Kirche Missbrauch vertuschen möchte.
Was aber ist das jetzt? Ein Waterloo? Vielleicht ja ein Hartz IV. Denn auch der SPD sind die Mitglieder dramatisch davongelaufen. 1977 gab es über eine Million Genossen. Als die Regierung Schröder ihre Arbeitsmarktgesetze fertig hatte, ging es immer weiter bergab. Von 1990 bis 2008 hat sich die Mitgliederzahl dieser Partei auf eine knappe halbe Million fast halbiert.
Die katholische Kirche kann also sehen, wo es hinführen könnte, wenn sie ihr Reizthema nicht besser in den Griff bekommt. Die Menschen wissen zwar, dass es wahre Gerechtigkeit nicht gibt. Aber Gerechtigkeitslücken, zumal durch Lügen gedeckte, werden von ihnen offensichtlich erkannt. Und das ist gut.
Bischöfin Käßmann: Erst richtig dumm, dann klug
Schon seltsam: Da denkt man sich, dass man als fröhlicher Blogger zu jedem x-beliebigem Ereignis ein paar witzige Bemerkungen parat hätte. Aber dann kommt Bischöfin Margot Käßmann. Und man spürt, dass in diesem Fall ein Satz völlig reichen würde. Da hat jemand einen saudummen Fehler begangen, anschließend aber alles richtig gemacht.
Musste dieser Rücktritt sein? Logisch, ja. Er war die einzige Möglichkeit für Margot Käßmann, um einigermaßen schadensfrei aus der Schusslinie zu kommen. Für Boulevardjournalisten ist ihr Fall doch wie gemalt. Eine Sünde in der Kirche zieht immer. Und wenn dann auch noch eine Frau als Kirchenführerin etwas macht, was man eigentlich nur Männern zugesteht, nämlich sich zu betrinken und anschließend das eigene Auto zu nehmen, wird die Sache umso prickelnder.
Die “Bild”-Zeitung hatte zudem schon die Spur für eine weiterführende Geschichte gelegt. “Käßmann war nicht alleine im Auto”, hieß es. Von einem männlichen Begleiter war die Rede. Von dieser Erkenntnis bis zur Schlagzeile “Das geheime Liebesnest der Bischöfin” ist es nicht weit. Schließlich: Die in der evangelischen Kirche recht einflussreichen christlichen Fundamentalisten hätten sowieso keine Ruhe gegeben, ehe diese Schande “gerecht” getilgt worden wäre.
Käßmanns Trunkenheitsfahrt ist eine ganz persönliche Fehlleistung. Sie wirft aber auch ein Schlaglicht darauf, unter welchem Druck Menschen stehen, die zu jedem Zeitpunkt hilfreich und gut sein müssen. Wie eben Pfarrer(innen), denen man nicht verzeiht, wenn sie sich ausnahmsweise eine ansonsten gar nicht seltene Idiotie leisten. Es ist ein Beruf mit einem Anforderungsprofil, das der Therapeuten-Branche gute Einnahmen sichert.
Über dieses Thema wird es aber keine große Diskussion geben. Anderes wird aufregender sein. Die Ex-Bischöfin kann sich zumindest darauf freuen, dass sie, befreit vom hohen Amt und erstmal ohne Führerschein, mit einem reineren Gewissen Martin Luther folgen kann. Von ihm stammt dieser Rat: “Man solle den Gästen einen guten Trunk geben, damit sie fröhlich werden; denn wie die Heilige Schrift sagt: Das Brot stärkt das Herz des Menschen, der Wein aber macht es froh.”
Hasi und Sabberschnute: Kosenamen können Lustkiller sein
So, jetzt ist aber genug geschimpft über Bischof Mixa. Einen Beitrag widme ich ihm noch. Denn der Mann braucht Hilfe in seinem Kampf gegen den überbordenden Sexualtrieb der Gesamtbevölkerung. Tun wir was. Geben wir uns süße Kosenamen. Denn das sind zuverlässige Lustkiller.
Darauf hat gerade die Zeitschrift “Petra” die Welt hingewiesen. Sie macht dass, was Frauenmagazine mindesten einmal im Quartal tun: Sie versucht sich an Antworten auf die angeblich heikelsten Beziehungsfragen. Dabei widmet sie sich auch den psychosozialen Folgewirkungen verbaler Liebkosungen.
Demnach zeigen nette und originelle Spitznamen zwar, wie einzigartig Partnerin oder Partner angesehen werden. Aber dass Ganze hat Tücken: Will jemand, wenn die Hormone brodeln, tatsächlich “Hase” oder “Hasi” im Bett haben? Ist Bärchen erotisch, soll die Liebste immer Engel sein? Sind Sonnenschein und Herzblatt wirklich heiß?
Wenn wir also garantiert doofe Kosenamen finden, wird`s insgesamt wieder ruhiger. Aber welche könnten das sein.
Die kleine Sonntagspredigt: Horoskope lesen ist gottlos
Die Aufregung um den famosen katholischen Sexualtherapeuten Walter Mixa scheint sich allmählich wieder zu legen. Dennoch: Das Interesse an tiefgründiger Orientierung in Glaubens-, Lebens- und Liebesfragen ist vorhanden. Selbst bei den Leserinnen und Lesern meines Blogs.
Das hat mir mein Statistik-Tool gerade mitgeteilt. Danach belegt das Video eines fränkischen Hobby-Missionars, der bei YouTube unter dem Künstlernamen “JesusunserRetter” der Frage “Hast Du den Schlüssel zum Himmel”
nachgegangen ist, bei den Klickzahlen zu meiner völligen Überraschung den 25. Platz unter 455 Beiträgen.
Nun, es ist wieder Sonntag. Bevor ich also noch irgendetwas anderes schreibe, kommt hier eine weitere Predigt. Glaubt lieber an Gott, als immer bloß die Horoskope zu lesen.
Bischof Mixa: Die Bibel als Brett vor dem Kopf
Wer partout nicht akzpetieren will, dass die Wirklichkeit anders ist, als er sie selber gerne haben möchte, lebt sein Leben als Fundamentalist. Eine klerikale Erscheinung in diesem Sinne ist der Augsburger Bischof Walter Mixa. In der Debatte um sexuellen Missbrauch durch Priester macht er die sexuelle Revolution der späten sechziger Jahre für die wachsende Zahl von Übergriffen durch Erwachsene verantwortlich.
Ich selber habe Walter Mixa vor 13 Jahren bei einem Pressegespräch persönlich getroffen. Und war positiv beeindruckt vom damaligen Bischof von Eichstätt. Dieser trat als Mensch ohne Allüren auf, der Journalisten Liegestühle anbot, um mit ihm im Garten seiner Residenz ganz locker über Gott und die Welt zu plaudern.
Mit Teilen der Realität hatte er aber Probleme. Auf die Frage , was geschehen müsste, damit Kinder für alleinstehende Mütter nicht zum Armutsrisiko würden, zeigte er sich irritiert. Kinder, so Mixa damals sinngemäß, seien ein Geschenk. Sie könnten kein Risiko sein. Eventuell störte ihn ja grundsätzlich die Existenz unverheirateter Mütter. Bekanntlich nannte er 2007 Pläne des Familienministeriums, zur Finanzierung neuer Kinderbetreuungseinrichtungen andere Familienleistungen zu kürzen, einen “gesellschaftspolitischen Skandal“.
Wie er aber auf die 68-er als Auslöser von Missbrauch hinter Kirchenmauern kommt, ist schon rätselhaft. Vielleicht hat es mit seiner eigenen Biografie zu tun. Mixa studierte ab 1964 Theologie und wurde 1970 zum Priester geweiht. (siehe hier…) Mit dieser Berufsentscheidung hatte er bei Gleichaltrigen sicher keinen leichten Stand. Vielleicht glaubt er ja auch daran, dass Teufel und Dämonen den seelisch labilen Menschen immer zu Irrungen verführen. Für diese Rolle eignen sich zottelige, kiffende langhaarige Männer und Mädels in superkurzen Miniröcken natürlich hervorragend.
Besser wäre es, die Wahrheit zu akzeptieren. Nämlich, dass es immer Probleme verursacht, wenn man Menschen abverlangt, normale Bedürfnisse zu unterdrücken. Alle Geistlichen haben die Vorgabe, gegenüber anderen stets tugendhaft. gütig und verständnisvoll aufzutreten. Weshalb zum Beispiel evangelische Pfarrer aus ländlichen Gebieten mit hoher sozialer Kontrolle zu den guten Kunden von Psychotherapeuten zählen. Bei den Katholiken kommt der von der Ideologie erzwungene Verzicht auf körperliche Liebe hinzu.
Dass dieser Aspekt des Berufsbildes gerade solche Menschen anzieht, die mit ihrer eigenen sexuellen Orientierung nicht zurechtkommen und auf Befreiung hoffen, liegt auf der Hand. Aber was die 68-er angeht, ist die Sache anders. Die sexuelle Revolution macht es möglich, dass Missbrauchsopfer offen über ihre Erlebnisse reden und sich nicht in Grund un Boden schämen müssen.
Vielleicht ist es ja gerade das, was der katholischen Kirche so weh tut.

Der Papst fliegt weg. Mir bleibt der Wein
Das ist dumm gelaufen. Richtig dumm. Da kommt dieser kleine Mann, der laut “Bild”-Zeitung wir ist, also der Papst, für ein paar Tage nach Deutschland – und ich spiele im südlichen Ausland den Hilfswinzer. So habe ich Benedikts größte Auftritte fast komplett verpasst.
Im Berlusconi-TV habe ich ungefähr so viel erfahren: Papa Ratzinger ist in seiner Heimat zunächst viel besser angekommen, als vorab erwartet wurde. Er hat im Bundestag die Ökologiebewegung gelobt, ein Erfurter Trottel wollte mit einem Luftgewehr auf ihn schießen. Sehr schön fand ich Benedikts Aussage, wonach die Diktaturen in der früheren DDR für den christlichen Glauben “wie saurer Regen” gewirkt und so den Menschen den Glauben geraubt hätten. Daraus zu folgern, dass freies Denken den Glauben fördert, erlaubt der Papst aber nicht. Selbst ein absolutistischer Herrscher, verlangt er von seinen Schäfchen in allererster Linie Treue zum Vatikan.
Schließlich soll der Papst den Martin Luther im Großen und Ganzen gelobt haben. Allzuviel Ökumene lehnte er ab. Ist ja aus katholischer Sicht auch klar. Warum sollte Bayern München mit Greuther Fürth fusionieren?
All das habe ich live verpasst, aber man begegnet den höheren Werten der Schöpfung ja auch anderswo. Wein ist so eine Sache. Erst einmal in einem Fass, erledigt dieses Getränk so viel von selbst, dass ich vermuten möchte, dass Gott die Trauben kurz nach der Vertreibung aus dem Paradies erfunden hat. Ich glaube, ihn hat da noch einmal kurz das Mitleid mit den Menschen gepackt. Schweiß im Angesicht bei der Ernte, ja. Strafe muss ja sein. Aber ein Trostpflaster für die Vertreibung aus dem Paradies sollte es schon geben.
Wozu ich übrigens auch den Spargel oder das Rezept für das panierte Schnitzel zähle. Andererseits: Gott hat auch den Gemüsebratling und McDonald`s zugelassen.
Der Herr ist demnach nicht unfehlbar. Der Papst angeblich schon. Kann sein. Mir fehlt der Glaube.