Posts Tagged ‘Kinder’

März 4th, 2013

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

“Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!” – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

November 4th, 2012

Nicht aufhören: Gebt uns die Nerdprämie!

Müsst Ihr denn immer schimpfen? Da schlug die Schicksalsstunde für das CSU-Betreuungsgeld. Es kommt. Viel wird gelästert. Doch es wird übersehen, dass die so genannte Herdprämie eine famose Idee ist. Eine Idee, an der allerdings noch gefeilt werden muss.

Aufhören sollten wir mit dem unbedachten Hausfrauen-Bashing. Gut, es begabte menschliche Wesen kaum ausfüllen, sich in Vollzeit um ein Einzelkind, dessen Meerschweinchen und um einen gelegentlich anwesenden Ehemann zu kümmern. Das reicht nicht zur geistig-moralischen Erfüllung. Zumal dann nicht, wenn nur eine einzige warme Mahlzeit zuzubereiten ist. Uroma musste tagtäglich zwei Menüs für ihre 20-köpfige Großfamilie hinbekommen. Die Wohnküchen der Vergangenheit funktionierten wie kleine Restaurants. Es war notwendig, dass darin die tüchtige Hausfrau waltete.

Hausfrau heute ist im Vergleich dazu ein geradezu anarchistisches Lebensmodell. Denn da zeigt jemand seinem Umfeld frech die lange Nase. Jemand widersetzt sich dem Zwang, dass ein mit Gesamtnote 1,8 abgeschlossenes Bachelorstudium zu nachhaltigem Erfolg in abhängiger Beschäftigung führen muss. Es geht auch anders. Drinbleiben in der Wohnung, während draußen das Chaos tobt. Das bedingungslose Grundeinkommen lässt grüßen.

Aber wo bleibt da die Gleichberechtigung? Keine Sorge, das kommt noch. Die Politik wird nacharbeiten. Denn es gibt eine wachsende Gruppe von Menschen, denen die Integration in die Gesellschaft völlig egal ist. Junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die am liebsten daheim herumsitzen. Bügeln, putzen, abwaschen lassen sie Mama. Ansonsten sitzen sie vor ihrem Flachbildschirm und interessieren sie sich für die Thema Sport, Computer und Sex. Diesen Menschen ist egal, was sonst in der Welt passiert. Und wenn sie erst einmal mit der Tastatur verwachsen sind, ist es auch besser, wenn man sie nicht mehr unter die Leute gehen. Egoshooter, die täglich Boxen und Pornos gucken, haben besondere Werte.

Alsdenn: Wer diesen Jungs Geld dafür gibt, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen, tut ein richtig gutes Werk. Gebt uns die Nerdprämie! Und alles wird gut.

 

 

 

 

 

 

Juli 5th, 2012

Wenn der Strom ausfällt, steigt das Vertrauen

Dieser Gesellschaft fehlt es nicht an Brot, Butter, Bratwürsten und billigem Bier. Es fehlt ihr vor allem am Vertrauen. An jener Empfindung, sich bei anderen Menschen und wohltätigen Organisationen rundum sicher zu fühlen. Unabhängig davon, ob diese mehr wissen oder wirklich ein guter Charakter sind. Und die Folgen sind fatal.

Nehmen wir die Geburtenzahl in Deutschland. Die Politik hat unfassbar viel unternommen, damit wir für künftige Schlüsselpositionen unserer Wirtschaft dank vieler eigener Kinder keine Inder brauchen. Vor allem für das Elterngeld wurden immense Beträge ausgegeben. Aber es hilft nichts. Aus irgendeinem Grund ist Staatsknete nicht erotisch. Warum auch immer werden nach Pressekonferenzen von Ministerin Kristina Schröder keine nationalen Hormonfluten ausgeschüttet. Die Menschen wollen sich  einfach nicht vermehren; die Zahl der neuen Babys war 2011 so niedrig wie in keinem Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg. 663.000 waren es, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Was soll aus VW und BMW bloß werden, wenn es keine neuen Kunden gibt?

“Vertrauen! Vertrauen auf das Bruderherz! Anker im Sturm, und sanfte Ruhestätte, wenn der Himmel lächelt! Du bist einer der Züge der Menschen, die an Gottes Ebenbild erinnern.” Tja, wäre es, wie hier hmynisch vom Schriftsteller Graf Ernst von Bentzel-Sternau beschrieben, hätten wir es gut. Zu seinen Lebzeiten gab es unter anderem die Französische Revolution. Die Menschen lernten, wie viel man erreichen kann, wenn sich mehr als zwei von ihnen aufeinander verlassen können.

Heute jedoch: Uneinigkeit, Vereinzelung der Interessen allüberall. Nur während der großen Fußballturniere unterhalten sich Menschen noch über das Fernsehprogramm vom Vorabend. Die großen Zeitschriften schwächeln, stattdessen boomen Blätter wie Landlust oder Essen + Trinken. Ganz nach der Devise: Ich schau mir an, was ich will. Genieße, was ich mag. Die eigentliche Welt ist mir egal.

Vielleicht steckt dahinter auch Resignation. Wie soll man vertrauen, wenn man sich die Maßnahmen zur Euro-”Rettung” anschaut? Woran soll man glauben, wenn bei unserem großen bayerischen Landesvater Horst Seehofer eigentlich nur als sicher gelten darf, dass er übermorgen anders redet als gestern?

Es geht nicht. Und doch: Die Zeit der Babybooms wird kommen. Dank Angela Merkel. Sie war es, die die Atomkraftwerke abschalten ließ, ohne einen guten Plan dafür zu haben, wie man grünen Strom in alle Steckdosen bringt. Es werden harte Winter kommen. In den Wohnungen wird es dunkel und kühl werden. Wir werden kuscheln müssen. Und dann…Geburtenwachstum! Jawoll!

April 25th, 2012

Lärm als störend wird empfunden…

Flugzeuge, Lastwagen, Rasenmäher, Kinder, Tiere: Lärm ist überall. Und weil dieses Problem alle angeht, ist es auch ein internationales Thema. Am 25. April sind die Menschen weltweit naufgerufen, darüber nachzudenken, wie Krach vermieden werden kann. Und nicht nur dieses.

Am “International Noise Awareness Day” gibt es allerdings ein unlösbares Problem: Jeder empfindet Lärm anders. Während junge Eltern bei ihren herumtobenden Kleinen an die bayerische Verfassung denken, wonach Kinder „das köstlichste Gut eines Volkes“ sind, ist der Nachbar dem Wahnsinn nahe. Der wiederum meint, der Gemeinschaft zu dienen, wenn er mit dem Laubbläser Ordnung schafft. Während zwei Stockwerke höher ein verzweifelter Migränepatient mit dem Kopf gegen die Wände rennt.

Manche Menschen erleben, wie bei Technoklängen die Glückshormone sprudeln, während sie Volksmusik als üblen Lärm empfinden. Der eigene bellende Hund stört Herrschen oder Frauchen gar nicht, während der liebestolle Frosch im Gartenteich des Nachbarn Mordgelüste weckt.

Mit dem Lärm ist es also so, wie immer im Leben: Es kommt darauf an.

So diffus geht es dem gesamten 25. April. An diesem Tag wird an vieles und wird vielem gedacht. Es ist auch der Weltmalariatag und der Tag des Baumes. Auf den Faröern feiern sie den Flaggentag, während Italien den „Tag der Befreiung“ (Ist Berlusconi schon so lange weg?) begeht. In Australien, Neuseeland und Tonga erinnert man sich am „Anzac Day“ an den ersten Einsatz von Soldaten dieser Staaten im Ersten Weltkrieg.

Und schließlich ist der 25. April seit 2006 der Tag der Eltern-Kind-Entfremdung. Womit wir wieder beim Tag gegen den Lärm wären. Bietet doch ein intaktes Verhältnis von Groß und Klein die Aussicht auf weniger Geschrei. Die Anti-Krach-Devise lautet also „Seid nett zueinander“. Selbst wenn der Nachbar Rasen mäht…

Februar 16th, 2012

Jetzt mehrt Euch! Oder es wird teuer

 "Seid fruchtbar", sagt Herr Wanderwitz.

Da ist er aber wieder mal in den Fettnapf getreten, der Bundestagsabgeordnete Wanderwitz, Marco. Für seine Idee, Kinderlose oder Einzelkinderzeuger zwecks Sicherung der Renten mit einer Demografie-Abgabe zu belegen, hat der CDU-Mann aus Chemnitz  fast ausschließlich böse Kommentare geerntet. Angela Merkel hat das Projekt offiziell beerdigt. Endgültig muss das nicht sein.

Denn es gehört zu den Spielregeln der Politik, dass man ein Thema austestet. Da die Kanzlerin sowie ihre Kabinettskollegen - Ausnahme: Kristina Schröder -  aus Respektsgründen auf allzu absurde öffentliche Vorschläge verzichten, werden Hinterbänkler nach vorne geschickt. Diese bringen  als realpolitische Trüffelschweine revolutionäre Gedanken in die Diskussion. Und falls die öffentliche Reaktion nicht zu hundert Prozent vernichtend ausfällt, wird die Geschichte irgendwann erneut aus der Schublade geholt. Nach dem vierten Sturm der Entrüstung ist die Gesetzesreife  erreicht.

In Sachen Demografie-Rücklage war Wanderwitz (drei Kinder) als Freund verrückter Ideen die Idealbesetzung. Von ihm stammte auch der Vorschlag, dass Griechenland seine Inseln verkaufen könnte, wenn es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Ein weiterer Treppenwitz aus Chemnitz war die Idee, dicke oder fettleibige Menschen stärker zur Finanzierung der Krankenkassen heranzuziehen. Das gilt als erledigt, dürfte aber irgendwann wieder hochkommen.

Genauso wie die Kinderlosen-Steuer. Denn eigentlich ist es doch eine Ungeheuerlichkeit, wie sehr sich die junge Generation auf einen Gebärstreik verständigt hat. Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren  in die Finanzierung der Elternzeit gepumpt worden. Doch gereicht hat das nur für einen Geburtenanstieg von 0,05 pro Frau. Ungefähr.

Tja, und wenn das Zuckerbrot nichts bringt, greift man zur Peitsche. Dann gibt es eben keine Geschenke mehr, sondern gezielte Wohlstandsverringerung.

Aber wirklich motivieren wird das niemand. Beim Kinderkriegen geht es ja letztlich nicht ums Materielle, sondern um die Sehnsucht. Marco Wanderwitz sollte daran denken, dass in seiner Geburtsurkunde “Karl-Marx-Stadt” steht.  Und da liegt die Lösung. Würde die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach der Marx’sche Leitspruch “Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!” über allen Betten hängen muss – die Sorgen um unsere Zukunft wären schon nach wenigen Jahren nur noch ganz, ganz klein.

Januar 9th, 2012

Warum Babynamen immer kürzer werden

Früher hießen Kinder Kurt-Heinrich oder Edeltraud, im Jahr 2011 waren die beiden beliebtesten Vornamen Mia und Ben. Auch die meisten anderen Lieblingsnamen der Eltern haben höchstens fünf Buchstaben. Nicht mehr lange, und in unseren Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen herrscht ein einziges Vornamen- Stakkato. Aber was sind die Gründe für den Trend zur Kürze?

August 28th, 2011

Das “köstlichste Gut”, das keiner haben will

Trotz gewaltiger staatlicher Fördergelder will sich ein echter Kindersegen bei uns einfach nicht einstellen. Woran liegt’s. Kinder sind das köstlichste Gut eines Volkes. Aber wer muss wen wann köstlich finden, damit das alle auch so sehen?

Mai 24th, 2011

Kinder: Das Glück, das Freiheit raubt

Achtung, dieses ist ein Experiment. Schaffe ich es, einen lesbaren Blogbeitrag unterhalb von 40 Fehlern auf dem iPhone zu schreiben, wenn ich nicht weiß, wann das Netz weg ist. Megastress.
Noch dazu über das Thema Glück. Heute Abend hatte ich zunächst wenig Glück. Auf dem ursprünglichen Abfahrtsbahnhof für meinen Zug von Berlin nach Nürnberg herrschte wegen eines Kabelbrandes tote Hose. Letztlich fuhr der ICE mit 46 Minuten Verspätung ab. Jedoch, oh Glück: An meinem Sitz ist ein Stecker. Mein Handyblog Nummer 1 ist möglich.
Und um Glück geht es. Vergangene Woche war ich zu einer Podiumsdiskussion über Kindererziehung eingeladen. Als Experte. Gleich neben mir saß der Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Erlangen, Professor Moll. Und dieser erklàrte “aus biologischer Sicht”, dass das menschliche Gehirn nach vier Jahren “fertig” ist, dass der Mensch mit 14 Jahren erwachsen -weil geschlechtsreif – ist, und deshalb die Schule in diesem Alter verlassen sollte. Aus biologischer Sicht.
Wiederum aus dieser Sicht gibt es für Kinder laut Professor Moll den Königsweg zum Glück: Die Freiheit. Nämlich die Freiheit, tagtäglich Neues zu erleben und selbst zu begreifen.
Also wollte ich wissen, ob Kinder ihre Eltern unglücklich machen. Schließlich sei die Entscheidung für ein Kind immer auch eine bewusste Entscheidung für weniger persönliche Freiheit.
Man hat eben weniger Zeit und Geld für andere Dinge. Der Professor konnte meinem Gedanken nicht folgen. Trotzdem glaube ich, dass ich recht habe. Das Elterndasein ist nicht nur romantisch.
Unglücklich werden muss man aber nicht. Es kann sich lohnen, auf ein Stückchen Freiheit zu verzichten. Erst recht dann, wenn man -wie bei Kindern – ständig etwas Neues erlebt. Freiheit ist eben doch nicht alles.

Februar 15th, 2011

Kinderlos im Duft der Rosen

Da war er also wieder, der „Tag der Liebenden“. Massenhaft sind sich Menschen im Gedenken an Bischof Valentin im Duft der im Pestiziddunst gepflückten Rosen in die Arme gefallen. Aber ob das gegen die Überalterung dieser Gesellschaft wirklich etwas hilft? Eher mal nicht. Die Geburtenquote wird wegen den Blumensträußen nicht explodieren.

Sage keiner, die Regierung habe es nicht probiert. Ursula von der Leyen hat mächtig Geld herbeigeschaufelt, um die Zeugungs- und Gebärfreude im Land zu fördern. Ihre Nachfolgerin Kristina Schröder geht sogar höchstpersönlich mit gutem Beispiel voran. Und stürzt sich ins Abenteuer Elternschaft, obwohl Sie und ihr Ehemann von läppischen knapp 20.000 Euro brutto im Monat leben müssen.

Aber was lässt die Menschen so sehr verzagen, was treibt sie in die Windelphobie?

Oktober 27th, 2010

Schock-Studie: Tabak zersetzt den Staat

Fehler muss man zugeben. Nun habe ich in meinem jüngsten Beitrag zur Tabaksteuererhöhung Folgendes geschrieben: “Als sicher können wir festhalten, dass die Bundesregierung keine höheren Ziele verfolgt hat.” Davon war ich fest überzeugt. Aber es gibt gewisse neuere Informationen, die mich an dieser Aussage zumindest zweifeln lassen.

August 27th, 2010

Thilo Sarrazin: Sein Kampf mit der Intelligenz

Er hat es wieder geschafft! Thilo Sarrazin,  unermüdlicher Gutmenschen-Provokateur in Diensten der Deutschen Bundesbank, hat sich neuerlich auf Migranten eingeschossen. Durch deren Zuwandern und Fortpflanzen sinke die durchschnittliche Intelligenz im Land. Er beschreibt das in seinem neuen Buch “Deutschland schafft sich ab!” Manche meinen, er hätte es auch “Mein Kampf” nennen können.

Februar 19th, 2010

Bischof Mixa: Die Bibel als Brett vor dem Kopf

Walter Mixa, der Schrecken der 68-er.Wer partout nicht akzpetieren will, dass die Wirklichkeit  anders ist, als er sie selber gerne haben möchte, lebt sein Leben als Fundamentalist. Eine klerikale Erscheinung in diesem Sinne ist der Augsburger Bischof  Walter Mixa. In der Debatte um sexuellen Missbrauch durch Priester macht er die sexuelle Revolution der späten sechziger Jahre für die wachsende Zahl von Übergriffen durch Erwachsene verantwortlich.

Ich selber habe Walter Mixa vor 13 Jahren bei einem Pressegespräch persönlich getroffen. Und war positiv beeindruckt vom damaligen Bischof von Eichstätt. Dieser trat als Mensch ohne Allüren auf, der Journalisten  Liegestühle anbot, um mit ihm im Garten seiner Residenz ganz locker über Gott und die Welt zu plaudern.

Mit Teilen der Realität hatte er aber Probleme. Auf die Frage , was geschehen müsste, damit Kinder für alleinstehende Mütter nicht zum Armutsrisiko würden, zeigte er sich irritiert. Kinder, so Mixa damals sinngemäß, seien ein Geschenk. Sie könnten kein Risiko sein. Eventuell störte ihn ja grundsätzlich die Existenz unverheirateter Mütter. Bekanntlich nannte er 2007 Pläne des Familienministeriums, zur Finanzierung neuer Kinderbetreuungseinrichtungen andere Familienleistungen zu kürzen, einen “gesellschaftspolitischen Skandal“.

Wie er aber auf die 68-er als Auslöser von Missbrauch hinter Kirchenmauern kommt, ist schon rätselhaft. Vielleicht hat es mit seiner eigenen Biografie zu tun. Mixa studierte ab 1964 Theologie und wurde 1970 zum Priester geweiht. (siehe hier…) Mit dieser Berufsentscheidung hatte er bei Gleichaltrigen sicher keinen leichten Stand. Vielleicht glaubt er ja auch daran, dass Teufel und Dämonen den seelisch labilen Menschen immer zu Irrungen verführen. Für diese Rolle eignen sich zottelige, kiffende  langhaarige Männer und Mädels in superkurzen Miniröcken natürlich hervorragend.

Besser wäre es, die Wahrheit zu akzeptieren. Nämlich, dass es immer Probleme verursacht, wenn man Menschen abverlangt, normale Bedürfnisse zu unterdrücken. Alle Geistlichen haben die Vorgabe, gegenüber anderen stets tugendhaft. gütig und verständnisvoll aufzutreten. Weshalb zum Beispiel evangelische Pfarrer aus ländlichen Gebieten mit hoher sozialer Kontrolle zu den guten Kunden von Psychotherapeuten zählen. Bei den Katholiken kommt der von der Ideologie erzwungene Verzicht auf körperliche Liebe hinzu.

Dass dieser Aspekt des Berufsbildes gerade solche Menschen anzieht, die mit ihrer eigenen sexuellen Orientierung  nicht zurechtkommen und auf Befreiung hoffen, liegt auf der Hand. Aber was die 68-er angeht, ist die Sache anders. Die sexuelle Revolution macht es möglich, dass Missbrauchsopfer offen über ihre Erlebnisse reden und sich nicht in Grund un Boden schämen müssen.

Vielleicht ist es ja gerade das, was der katholischen Kirche so weh tut.

Februar 13th, 2010

An superscharfe Oberpfälzer will ich nicht glauben

Selbsverständlich steht es mir nicht zu, die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen zu kritisieren. Aber es gibt eben eben Zeitungsartikel, bei denen ich mir nach dem Lesen in größtmöglicher Heftigkeit sage: “Ich kann das nicht glauben. Ich werde das nicht glauben. Vor allem: Ich will das nicht glauben.”

So ging es mir gerade wieder bei dieser Geschichte, die in den Nürnberger Nachrichten unter der Überschrift

Die Lust wohnt in der Oberpfalz

erschienen ist. Sollte es wirklich so sein, dass es die “Moosbüffel” toller treiben als die Mittelfranken? Oder gar die von jeglichen religiösen Zwängen freien Großstädter?

Nochmals zu den Fakten: In Bayern haben nur die Oberpfälzer im vergangenen Jahr mehr Kinder bekommen als im Vorjahr. Auf den Neugeborenenstationen in Amberg, Neumarkt oder Regensburg erblickten 6865 Kinder  das Licht der Welt. Das entspricht einem Plus von 0,1 Prozent . Ansonsten gab es bayernweit ein Minus von 2,3 Prozent.

Also:  Ich meine nicht, dass die Oberpfalz die Libido stimuliert. Dafür ist der Klang der Sprache doch viel zu derb. Eher liegt es doch daran, dass die Menschen in schwach besiedelten Gegenden, in denen es an sonstigen Ablenkungen fehlt, tendenziell auf Sex ausweichen. Vor allem aber sind die Wege zu den Frauenärzten und Apotheken weiter als in anderen Regionen.

Fazit: Die Oberpfälzer sind nicht besonders erotisch, sondern nur bequem.

Sage ich – und warte auf Widerspruch.

Januar 28th, 2010

Damit es Kinder gibt: Liebesschwüre im Tretboot

Wenn er jetzt was sagt, wird geheiratet. Der Eiffeltour ist der Heiratsantrags-Ort Nummer eins.Schade, dass sie das Fach gewechselt hat, die Mutter der Nation. Da hat Ursula von der Leyen nicht nur selbst Maßstäbe im Kinderkriegen gesetzt. Dank ihrer neuartigen und anfangs keineswegs konservativen Familienpolitik hat sie die Nation viel stärker für Fortpflanzung begeistert, als NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinem „Kinder statt Inder“-Gebrabbel.

Jetzt wurde Bilanz gezogen: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Botschaft angekommen. Die Kinderzahl pro Frau stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr stieg dort von 1,36 auf 1,41. In Sachsen sogar auf 1,44. Bundesweit steigerte von der Leyens Politik die durchschnittliche Kinderzahl um 0,0 auf 1,38. Bayern lag bei 1,36. Die Schlusslichter bildeten das arme Saarland und das reiche Hamburg.

Gerade Letzteres zeigt deutlich: Geld macht keine Kinder. Kein Geld aber auch nicht. Es ist demnach verkehrt, die Reproduktionsrate ausschließlich über die Finanzen stimulieren zu wollen. Wir brauchen wieder mehr Romantik!

Ist doch auch so. Früher robbte sich der heiratswillige Jüngling mit zitternden Knien und Fleurop-Strauß in der Hand an Schwiegermutter und -vater heran und bat um die Hand der Tochter. Dieser Demutsakt machte auch ihm klar, welch wertvolles Gut da gerade zur Debatte stand.

Und die Orte für Heiratsanträge sind oft auch nicht so toll. Es passiert beim Verfassen der Steuererklärung am Esstisch, als Gedankenblitz im Supermarkt oder in der Werbungs-Pinkelpause der Sportschau.

So nicht: Die Reiseseite lastminute.de in einer Umfrage die schönsten Orten für den Heiratsantrag ermittelt. Deutlich in Führung liegt danach mit 21 Prozent der Nennungen Paris mit dem Eiffelturm als bestem Ort für die Frage aller Fragen. Es folgt knapp dahinter Venedig (18 Prozent), wo man sich die Liebesschwüre auch von einem Gondoliere jodeln lassen kann Auf Platz drei (mit zehn Prozent) landete der Antrag an einem Strand – egal wo. Und dann folgen nah beieinander die Karibik (fünf Prozent) und die Malediven (vier Prozent).

Auf Nürnberg übertragen heißt das also: Platz eins für Kaiserburg oder Businesstower. Dahinter folgen der Tretbootverleih am Dutzendteich, Stadionbad oder Wöhrder Wiese und schließlich die Pegnitzwiesen und der Kanalhafen. Zwei Orte also, die in der Nähe von Wasser liegen und ansonsten ziemlich langweilig sind.

Weitere Ideen sind willkommen…

Januar 4th, 2010

Babynamen: Leon bleibt uns. Aber was soll Fynn?

Es ist immer wieder eine spannende Frage: Welche Namen werden auf Deutschlands Spielplätzen in zwei, drei oder vier Jahren besonders oft gerufen? Antwort: Die wahrscheinlichsten Suchbotschaften von Eltern werden Mia und Leon gelten. So wurden Neugeborene 2009 am häufigsten benamst.

Wer sich – wie schon im Vorjahr – darüber wundert, warum Söhne wie eine Automarke beziehungsweise wie ein (von der Schreibweise her) kastrierter Löwe genannt werden, mag aber auch beruhigt sein. Zum Sieg in der nationalen Namensstatistik reicht ein Anteil von 1,04 Prozent. Bei Mia, was man mit “Ausruf einer maulfaulen Katze” übersetzen könnte, reichte sogar eine Quote von 0,95 Prozent. Die Gesamtzahl der Geburten lag übrigens bei 123.372.

Die Top-20-Namenslisten bieten Überraschungen. So gibt es eine Verarmung der Sprache, was die Anfangsbuchstaben angeht. Bei Mädchen wie bei Buben werden nur acht Buchstaben des Alphabetes verwendet. Und erstaunlich ist die Überrepräsentanz des Buchstabens “L”. Sieben von 20, also 35 Prozent der beliebtesten Mädchennamen beginnen mit diesem Buchstaben. Leoni, Lena, Lea, Lilli, Lara, Laura und Lina zeigen zudem, dass es deutsche Eltern kurz und schmerzlos mögen. Nur Maximilian (Platz sechs bei den Jungs) zählt zu den gerne gewählten langen Vornamen.

Ziemlich unbegreiflich ist mir der Erfolg des Namens “Fynn” oder “Finn”.  Dieser liegt bei den Buben deutschlandweit auf Platz 8. Aber was wollen uns Eltern damit sagen? Dass sie sich wünschen, ihr Knabe möge beim Pisatest – wg. Finnland – besonders gut abschneiden? Was könnte sonst der Reiz dieses rätselhaften Landes im hohen Norden sein?

Ganz grundsätzlich bedeutet dieser irische Name “blond, weiß, hell”. Sind wir schon wieder so weit? Ist “Fynn/Finn” nur der Testlauf für den wahren Lieblingsnamen von Menschen mit nationaler Gesinnung? Also “Deutsch”? Oder erleben wir, im Gegenteil, ein starkes Signal für Internationalität? Wird es bald “Russ”, “Swasi”  oder “Neusee” über die Spielplätze schallen?

Wir werden sehen. Wobei ich zu meinem eigenen Trost anzumerken kann, dass der blonde, weiße, helle Säugling bei uns in Bayern keine Chance hat. Sein Name ist im Freistaat nicht unter den ersten 20, Säuglinge heißen hier am häufigsten Maximilian und Lena.

Komplett untröstlich bin ich allerdings, was das Schicksal meines schönen Namens “Klaus” angeht. Dieser kommt nicht mal in den deutschen TOP 500 vor? Ist er wirklich so beknackt, dass Eltern ihre Söhne lieber “Ecrin” (Platz 489), “Cassian” (470), “Bo” (385), “Ilias” (297) oder “Korbinian” (234) rufen? Kann doch nicht sein, oder?

Seltsame Zeiten…