Das große Geld für geduldige Mütter

Eigentlich, so denkt man, ist das Undenkbare das Arbeitsfeld der Drehbauchautoren für Science-Fiction-Filme oder der Verfasser von Fantasy-Romanen. Aber so ganz stimmt das nicht. Denn ist gibt ja Unternehmen wie Google und Facebook.  Deren Chefs glauben daran, dass alles machbar ist, wenn es den eigenen Zielen dient. Zumal diese Ziele – nach deren Überzeugung – weitestgehend identisch mit den Bedürfnissen der Weltbevölkerung ist. Die neueste Vision: Hoffnungsvolle Mitarbeiterinnen werden mit 20.000 Dollar belohnt, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen, um ihren Kinderwunsch erst dann zu verwirklichen, wenn es in die Karriereplanung passt.

Spontan hat diese Idee auf mich geradezu faschistisch gewirkt. Ein Unternehmen schickt sich an, über die Körper seiner Beschäftigten zu herrschen. So lange die Frauen jung, lern- und leistungsfähig sind, sollen sie unbelastet von Kinder- und Familien-Gedöns arbeiten. Es soll auch nicht ihr Schaden sein. Erst dann, wenn die steile berufliche Karriere in den Gleitflug übergegangen ist, soll Nachwuchs dazukommen. Nach einem sauber geplanten Zeugungszeitpunkt, der sich zum Beispiel nach Mondphasen und weiteren (pseudo-)wissenschaftlichen Erkenntnissen richten kann.

Wie soll das aber gehen? Zunächst muss man fragen, ob sich Google- oder Facebook-Mitarbeiterinnen per Eizellen-Einfrier-Vertrag zum Verzicht auf spontanen Sex verzichten. Es wird sich auch noch zeigen müssen, ob die Unternehmen bei der Auswahl eines internet-affinen Samenspenders behilflich sind. Vielleicht ist sogar noch eine höhere Prämie möglich. Nämlich dann, wenn sich die Frauen dazu verpflichten, ihre Omas einzufrieren, die die Kinder später von Kindergarten oder Schule abholen.

Es gibt aber einen Aspekt, weshalb die Idee des “Social freezing” nicht völlig absurd wirkt: Die Phantasielosigkeit der allermeisten Unternehmen, wenn es um die Karriere von Eltern und/oder Teilzeitkräften geht. Wer behauptet, dass Kinder kein Karrierehindernis darstellen, lügt. Viele Frauen, die eingestellt wurden, weil sie besonders klug und talentiert waren, verschwinden aus dem Blickfeld der Chefs, sobald sie wegen ihrer Familienpflichten keine Überstunden mehr klopfen. Statt voranzukommen erleben sie einen dauerhaften Stillstand.

So gesehen, müsste man Google oder Facebook dafür danken, dass sie Frauen die Chance geben, ihr berufliches Schicksal nachhaltig zu beeinflussen. Müsste man, wenn man glauben könnte, dass diese Konzerne zuallerst aus Nächstenliebe handeln.

Wer, bitteschön, ist so naiv? Also, lassen wir das. Verändern wir lieber die Arbeitswelt für Menschen mit Familie. Und vermerken wir aufmerksam, wie viel Geld Unternehmen für schockgefrostete Eizellen auszugeben bereit sind. Gute Mitarbeiter/-innen sind offenbar mehr wert, als uns unsere Chefinnen und Chefs üblicherweise sagen.

 

Papa kommt mit dem Rollator

Reden wir von Gewissheiten: Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen junge Menschen sicher waren, dass es ihnen einmal besser gehen würde als ihren Eltern und Großeltern. Unmittelbar nach dem Krieg war diese Erwartung extrem naheliegend, aber sie hielt sich – durch Fakten gestützt – noch einige Jahrzehnte lang.

Diese grundlegende Zuversicht ist geschwunden. Der moderne Mensch weiß, dass er sich zunächst einige Jahre im Beruf bewähren muss, ehe er an Luxus denkt. Die Befristung will ja überwunden sein. Und Kinder sind, wie wir alle wissen, eine sündhaft teure Angelegenheit. Was man auch daran sieht, dass kinderlose Paare mit doppeltem Einkommen im schicken Cabrio, Eltern jedoch in einem viereckigen Pseudo-Transporter mit niedriger Ladekante sitzen. Paare ohne Anhang genießen ein Candle-Light-Dinner, die anderen beim Elternabend.

Unterm Strich ist es jedenfalls so, dass sich immer mehr Frauen Zeit lassen, bis sie sich für ein Kind entscheiden. 22 Prozent der Gebärenden in Deutschland sind 35 Jahre oder älter. Noch deutlich höher ist dieser Anteil in den Krisenländern Spanien mit 34 und Italien 33 Prozent.

Und: Weil zum Kind bei Verzicht auf hilfreiche Medizin das andere Geschlecht gehört, wird die Sache zusätzlich kompliziert. Denn immer mehr Männer bleiben so lange bei den Eltern wohnen, bis für sie dieses Sprichwort greift: “Einen alten Baum verpflanzt man nicht.”

Weil Zeugung ohne die gleichzeitige Verfügbarkeit der Zeugenden nicht möglich ist, ist der Trend klar: Immer mehr Eltern werden Ältern, Mami muss zur Einschulung die grauen Haare färben, zur Abi-Feier kommt Papa mit dem Rollator. Und Urgroßeltern werden zur Rote-Liste-Art. Schade eigentlich!

 

 

 

 

 

Der Sims-Daumen schreibt nicht gut

In jeder Schulkarriere hat es Hass-Fächer gegeben. Mancher kämpfte mit Deutsch oder war zu faul für Latein. Mancher hatte größte Probleme mit Algebra oder Schlagball-Weitwurf. Und es gab auch noch die Note für’s Schönschreiben. Was für ein furchtbarer Drill!

Nach strengen Vorlagen mussten die einzelnen Buchstaben nachgezeichnet werden. Bögen und Kringel mussten passen. Und wer die Ungnade der zu frühen Geburt hatte, musste auch noch Sütterlin, die altdeutsche Schrift, lernen. So konnte man die Einkaufszettel von Oma und Opa lesen. Immerhin. Grundsätzlich aber war das sinnloses Schulwissen vom Feinsten.

Alles vorbei: Schönschreiben muss nicht mehr gelehrt werden, denn Kinder können es ohnehin nicht mehr. Wie die Bildungsforscherein Stephanie Müller herausgefunden haben will, bringen etwa 70 Prozent der Schüler nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für das sogenannte Kritzel-Alphabet mit. Und warum ist das so? Es fehlen Bewegung und Fingerfertigkeit und schreibende Eltern als Vorbilder. Vor allem aber: Es ist der Fluch von Smartphones, Tablets und Computern.

Den Kindern geht es wie uns Erwachsenen. Wir haben dank Taschenrechnern das Kopfrechnen verloren, dank Navis im Auto ist unser Orientierungssinn verschwunden. Wer auf Klettverschlüsse oder Druckknöpfe schwört. kann keine Schleifen mehr binden und kein Nähgarn für abgerissene Knöpfe mehr einfädeln. Dafür bildet die Evolution, vor allem bei Mädchen, mehr und mehr den Sims-Daumen aus.

Welche schöne Erfahrung aber fehlt den jungen Menschen? Es ist der Liebesbrief. Handgeschrieben, auf rosa Papier, parfümiert, mit 20 Kussmündern verziert. Nichts gegen <3, :-X oder :’-). Aber den besonderen Reiz eines Briefes kann das nicht ersetzen. Alsdenn: Schreibt mal wieder.

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

“Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!” – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

Nicht aufhören: Gebt uns die Nerdprämie!

Müsst Ihr denn immer schimpfen? Da schlug die Schicksalsstunde für das CSU-Betreuungsgeld. Es kommt. Viel wird gelästert. Doch es wird übersehen, dass die so genannte Herdprämie eine famose Idee ist. Eine Idee, an der allerdings noch gefeilt werden muss.

Aufhören sollten wir mit dem unbedachten Hausfrauen-Bashing. Gut, es begabte menschliche Wesen kaum ausfüllen, sich in Vollzeit um ein Einzelkind, dessen Meerschweinchen und um einen gelegentlich anwesenden Ehemann zu kümmern. Das reicht nicht zur geistig-moralischen Erfüllung. Zumal dann nicht, wenn nur eine einzige warme Mahlzeit zuzubereiten ist. Uroma musste tagtäglich zwei Menüs für ihre 20-köpfige Großfamilie hinbekommen. Die Wohnküchen der Vergangenheit funktionierten wie kleine Restaurants. Es war notwendig, dass darin die tüchtige Hausfrau waltete.

Hausfrau heute ist im Vergleich dazu ein geradezu anarchistisches Lebensmodell. Denn da zeigt jemand seinem Umfeld frech die lange Nase. Jemand widersetzt sich dem Zwang, dass ein mit Gesamtnote 1,8 abgeschlossenes Bachelorstudium zu nachhaltigem Erfolg in abhängiger Beschäftigung führen muss. Es geht auch anders. Drinbleiben in der Wohnung, während draußen das Chaos tobt. Das bedingungslose Grundeinkommen lässt grüßen.

Aber wo bleibt da die Gleichberechtigung? Keine Sorge, das kommt noch. Die Politik wird nacharbeiten. Denn es gibt eine wachsende Gruppe von Menschen, denen die Integration in die Gesellschaft völlig egal ist. Junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die am liebsten daheim herumsitzen. Bügeln, putzen, abwaschen lassen sie Mama. Ansonsten sitzen sie vor ihrem Flachbildschirm und interessieren sie sich für die Thema Sport, Computer und Sex. Diesen Menschen ist egal, was sonst in der Welt passiert. Und wenn sie erst einmal mit der Tastatur verwachsen sind, ist es auch besser, wenn man sie nicht mehr unter die Leute gehen. Egoshooter, die täglich Boxen und Pornos gucken, haben besondere Werte.

Alsdenn: Wer diesen Jungs Geld dafür gibt, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen, tut ein richtig gutes Werk. Gebt uns die Nerdprämie! Und alles wird gut.

 

 

 

 

 

 

Wenn der Strom ausfällt, steigt das Vertrauen

Dieser Gesellschaft fehlt es nicht an Brot, Butter, Bratwürsten und billigem Bier. Es fehlt ihr vor allem am Vertrauen. An jener Empfindung, sich bei anderen Menschen und wohltätigen Organisationen rundum sicher zu fühlen. Unabhängig davon, ob diese mehr wissen oder wirklich ein guter Charakter sind. Und die Folgen sind fatal.

Nehmen wir die Geburtenzahl in Deutschland. Die Politik hat unfassbar viel unternommen, damit wir für künftige Schlüsselpositionen unserer Wirtschaft dank vieler eigener Kinder keine Inder brauchen. Vor allem für das Elterngeld wurden immense Beträge ausgegeben. Aber es hilft nichts. Aus irgendeinem Grund ist Staatsknete nicht erotisch. Warum auch immer werden nach Pressekonferenzen von Ministerin Kristina Schröder keine nationalen Hormonfluten ausgeschüttet. Die Menschen wollen sich  einfach nicht vermehren; die Zahl der neuen Babys war 2011 so niedrig wie in keinem Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg. 663.000 waren es, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Was soll aus VW und BMW bloß werden, wenn es keine neuen Kunden gibt?

“Vertrauen! Vertrauen auf das Bruderherz! Anker im Sturm, und sanfte Ruhestätte, wenn der Himmel lächelt! Du bist einer der Züge der Menschen, die an Gottes Ebenbild erinnern.” Tja, wäre es, wie hier hmynisch vom Schriftsteller Graf Ernst von Bentzel-Sternau beschrieben, hätten wir es gut. Zu seinen Lebzeiten gab es unter anderem die Französische Revolution. Die Menschen lernten, wie viel man erreichen kann, wenn sich mehr als zwei von ihnen aufeinander verlassen können.

Heute jedoch: Uneinigkeit, Vereinzelung der Interessen allüberall. Nur während der großen Fußballturniere unterhalten sich Menschen noch über das Fernsehprogramm vom Vorabend. Die großen Zeitschriften schwächeln, stattdessen boomen Blätter wie Landlust oder Essen + Trinken. Ganz nach der Devise: Ich schau mir an, was ich will. Genieße, was ich mag. Die eigentliche Welt ist mir egal.

Vielleicht steckt dahinter auch Resignation. Wie soll man vertrauen, wenn man sich die Maßnahmen zur Euro-“Rettung” anschaut? Woran soll man glauben, wenn bei unserem großen bayerischen Landesvater Horst Seehofer eigentlich nur als sicher gelten darf, dass er übermorgen anders redet als gestern?

Es geht nicht. Und doch: Die Zeit der Babybooms wird kommen. Dank Angela Merkel. Sie war es, die die Atomkraftwerke abschalten ließ, ohne einen guten Plan dafür zu haben, wie man grünen Strom in alle Steckdosen bringt. Es werden harte Winter kommen. In den Wohnungen wird es dunkel und kühl werden. Wir werden kuscheln müssen. Und dann…Geburtenwachstum! Jawoll!

Lärm als störend wird empfunden…

Flugzeuge, Lastwagen, Rasenmäher, Kinder, Tiere: Lärm ist überall. Und weil dieses Problem alle angeht, ist es auch ein internationales Thema. Am 25. April sind die Menschen weltweit naufgerufen, darüber nachzudenken, wie Krach vermieden werden kann. Und nicht nur dieses.

Am “International Noise Awareness Day” gibt es allerdings ein unlösbares Problem: Jeder empfindet Lärm anders. Während junge Eltern bei ihren herumtobenden Kleinen an die bayerische Verfassung denken, wonach Kinder „das köstlichste Gut eines Volkes“ sind, ist der Nachbar dem Wahnsinn nahe. Der wiederum meint, der Gemeinschaft zu dienen, wenn er mit dem Laubbläser Ordnung schafft. Während zwei Stockwerke höher ein verzweifelter Migränepatient mit dem Kopf gegen die Wände rennt.

Manche Menschen erleben, wie bei Technoklängen die Glückshormone sprudeln, während sie Volksmusik als üblen Lärm empfinden. Der eigene bellende Hund stört Herrschen oder Frauchen gar nicht, während der liebestolle Frosch im Gartenteich des Nachbarn Mordgelüste weckt.

Mit dem Lärm ist es also so, wie immer im Leben: Es kommt darauf an.

So diffus geht es dem gesamten 25. April. An diesem Tag wird an vieles und wird vielem gedacht. Es ist auch der Weltmalariatag und der Tag des Baumes. Auf den Faröern feiern sie den Flaggentag, während Italien den „Tag der Befreiung“ (Ist Berlusconi schon so lange weg?) begeht. In Australien, Neuseeland und Tonga erinnert man sich am „Anzac Day“ an den ersten Einsatz von Soldaten dieser Staaten im Ersten Weltkrieg.

Und schließlich ist der 25. April seit 2006 der Tag der Eltern-Kind-Entfremdung. Womit wir wieder beim Tag gegen den Lärm wären. Bietet doch ein intaktes Verhältnis von Groß und Klein die Aussicht auf weniger Geschrei. Die Anti-Krach-Devise lautet also „Seid nett zueinander“. Selbst wenn der Nachbar Rasen mäht…

Jetzt mehrt Euch! Oder es wird teuer

 "Seid fruchtbar", sagt Herr Wanderwitz.

Da ist er aber wieder mal in den Fettnapf getreten, der Bundestagsabgeordnete Wanderwitz, Marco. Für seine Idee, Kinderlose oder Einzelkinderzeuger zwecks Sicherung der Renten mit einer Demografie-Abgabe zu belegen, hat der CDU-Mann aus Chemnitz  fast ausschließlich böse Kommentare geerntet. Angela Merkel hat das Projekt offiziell beerdigt. Endgültig muss das nicht sein.

Denn es gehört zu den Spielregeln der Politik, dass man ein Thema austestet. Da die Kanzlerin sowie ihre Kabinettskollegen – Ausnahme: Kristina Schröder –  aus Respektsgründen auf allzu absurde öffentliche Vorschläge verzichten, werden Hinterbänkler nach vorne geschickt. Diese bringen  als realpolitische Trüffelschweine revolutionäre Gedanken in die Diskussion. Und falls die öffentliche Reaktion nicht zu hundert Prozent vernichtend ausfällt, wird die Geschichte irgendwann erneut aus der Schublade geholt. Nach dem vierten Sturm der Entrüstung ist die Gesetzesreife  erreicht.

In Sachen Demografie-Rücklage war Wanderwitz (drei Kinder) als Freund verrückter Ideen die Idealbesetzung. Von ihm stammte auch der Vorschlag, dass Griechenland seine Inseln verkaufen könnte, wenn es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Ein weiterer Treppenwitz aus Chemnitz war die Idee, dicke oder fettleibige Menschen stärker zur Finanzierung der Krankenkassen heranzuziehen. Das gilt als erledigt, dürfte aber irgendwann wieder hochkommen.

Genauso wie die Kinderlosen-Steuer. Denn eigentlich ist es doch eine Ungeheuerlichkeit, wie sehr sich die junge Generation auf einen Gebärstreik verständigt hat. Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren  in die Finanzierung der Elternzeit gepumpt worden. Doch gereicht hat das nur für einen Geburtenanstieg von 0,05 pro Frau. Ungefähr.

Tja, und wenn das Zuckerbrot nichts bringt, greift man zur Peitsche. Dann gibt es eben keine Geschenke mehr, sondern gezielte Wohlstandsverringerung.

Aber wirklich motivieren wird das niemand. Beim Kinderkriegen geht es ja letztlich nicht ums Materielle, sondern um die Sehnsucht. Marco Wanderwitz sollte daran denken, dass in seiner Geburtsurkunde “Karl-Marx-Stadt” steht.  Und da liegt die Lösung. Würde die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach der Marx’sche Leitspruch “Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!” über allen Betten hängen muss – die Sorgen um unsere Zukunft wären schon nach wenigen Jahren nur noch ganz, ganz klein.

Warum Babynamen immer kürzer werden

Früher hießen Kinder Kurt-Heinrich oder Edeltraud, im Jahr 2011 waren die beiden beliebtesten Vornamen Mia und Ben. Auch die meisten anderen Lieblingsnamen der Eltern haben höchstens fünf Buchstaben. Nicht mehr lange, und in unseren Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen herrscht ein einziges Vornamen- Stakkato. Aber was sind die Gründe für den Trend zur Kürze? Weiter lesen

Das "köstlichste Gut", das keiner haben will

Trotz gewaltiger staatlicher Fördergelder will sich ein echter Kindersegen bei uns einfach nicht einstellen. Woran liegt’s. Kinder sind das köstlichste Gut eines Volkes. Aber wer muss wen wann köstlich finden, damit das alle auch so sehen? Weiter lesen