Ein Buch macht immer klug. Wirklich?

Skeptische Beobachter der kulturellen Entwicklung in dieser Gesellschaft sind sich bei zwei Wahrheiten völlig einig: 1. Lesen bildet. 2. Internet macht doof. Während bedrucktes Papier immer auch geistig-moralischen Gewinn verspricht, gelten virtuelle Botschaften als wenig nahrhaftes Fastfood fürs Hirn.

Aber ist das wirklich so? Schauen wir auf die berühmte „Spiegel“-Bestsellerliste. Und dort steht  zurzeit auf Platz 1  Daniela Katzenberger mit ihrem autobiographischen Lebenshilfe-Ratgeber „Sei schlau, stell dich dumm“. In der Kategorie Sachbuch, wohlgemerkt. Es ist also so, dass es für die vermeintliche Bildungselite dieses Landes an zuallererst an den Erfolgsrezepten einer ulkigen Platin-Blondine Interesse hat.

Sogar noch mehr als an den stets beliebten Anleitungen zum Glücklichsein, die – auf Rang 2 der Bestsellerliste – unser nerviger Frohsinns-Doktor Eckart von Hirschhausen verbreitet. Auf Platz 3 landet der Titel „Ist meine Hose noch bei Euch“. Eine Sammlung lustiger SMS-Nachrichten. Da erfährt man zum Beispiel dieses: „Er hat mir ne apfur gegeben. Bin besoffn.“

Wo, wo, wo, ist bloß das Niveau? Gut, bei den gebundenen Büchern sieht es besser aus. Dort lehrt uns auf Platz 1 unser neuer Bundespräsident Freiheit und Verantwortung. Gefolgt von einem Schmöker zum Thema „Kunst des klaren Denkens“ und dem Buch „Jesus“, das sich allerdings nicht mit dem Leben und Wirken von Joachim Gauck befasst.

Doch auch hier lauert das Grauen: Gerade schießt Carsten Maschmeyer mit seiner Autobiographie „Selmade“ in den Bestsellerlisten nach oben. Und hier interessiert doch niemand, welche genialen Schachzüge es gibt, um gierig gewordene Kleinsparer gewinnbringend auszunehmen. Wir wollen wissen, wie er Veronica Ferres herumgekriegt hat.

Fazit: Das Triviale macht uns Freude. Schund steht auch in jedem gut sortierten Bücherregal. Die Buchhandlung mag ein Ort der Erbauung sein – wirklich besser als das Internet ist sie nicht.