Keine Hase ist Jesus je gefolgt

In der öffentlichen Debatte gilt mitunter die Formel: Je sinnloser die Aussage, desto größer die öffentliche Aufmerksamkeit. So ist jetzt auch mit der Aufregung um den Osterhasen. Weil die famosen Goldhaseb aus dem Hause Lindt in verschiedenen Supermärkten als „Traditionshase“ verkauft werden, wittern rechte Kreise Verrat an unserer christlichen Kultur. „Die Unterwerfung und die Selbstaufgabe schreiten voran“, schrieb der Anwalt und Blogger Joachim Steinhöfel. Die eigentlich zurecht vergessene Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach schloss sich der Empörungsbewegung an.

Man könnte sich die Aufregung sparen, jedenfalls aus theologischer Sicht. Jesus hat sich nie für Hasen interessiert und umgekehrt. Meister Lampe wurde weder im Stall von Bethlehem gesichtet, noch begleitete er die Heiligen Drei Könige, noch wurde er beim Letzten Abendmahl verspeist. Es ist auch nicht überliefert, dass ein dressierter Feldhase den Eingang zu Jesu‘ Grab freigebuddelt hätte.

Auch in der Bibel ist der Hase keine erkennbare Größe. Während der Esel als Symboltier des Friedens untrennbar mit Jesus verbunden ist und Ziege sowie Schaf zahlreich gehalten, allerdings auch gegessen wurden, ist seine Erwähnung im Dritten Buch Mose (so gut wie, der Verfasser ist kein Theologe) ein Einzelfall geblieben. Kein Vergleich zur Heuschrecke, die als Symbol für Gefräßigkeit überliefert wird. Kein Vergleich zur Ameise, deren heute sprichwörtlichem Fleiß in der Bibel gehuldigt wird. Selbst der Frosch ist weitaus bedeutender. Er hat es durch ein massenhaftes Auftreten in die Liste der zehn ägyptischen Plagen geschafft.

Es ist festzustellen, dass der Feldhase nicht über gespaltene Hufe verfügt. Er ist also nicht koscher, taugt nich einmal zum Verspeisen. Gut, es gab ganz früher die Überlegung, dass er Wiederkäuer sein könnte, weil er auch seinen Kot frisst. Aber diese Betrachtung ist nicht mehr zeitgemäß. Wirklich berühmt wurde der Hase bei uns doch erst durch das famose Bild von Albrecht Dürer.

Nicht die Traditionshasen sind also schlimm, sondern die AfD-typische Art der Debattenführung. Unsere Kultur, unsere Heimat, unser ganzes Denken werden von bösen Mächten bedroht, die nur eines im Sinn haben: Den Deutschen ihre Wurzeln herauszureißen und sie als dann wehrlose Opfer im Sinne einer fremden Kultur zu knechten.

Sind wir wirklich so verzagt? Haben wir wirklich verlernt, ohne die Mahner und Hetzer zu leben? Wer in seinem christlichen Glauben fest ist, wird über diese Traditions-Debatte schmunzeln. Er könnte sogar Moschee- oder Tempelhasen in aller Gelassenheit ertragen.

Sollte es aber zu diesem Thema doch noch ein Bibelwort brauchen, na gut: „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.“ Epheser 4,29